Part 5
Die +Gabelspitzen+ haben sich in letzter Zeit eine große Beliebtheit erworben, sie wirken leicht und gefällig, können schnell hergestellt werden, nehmen in der Arbeitstasche wenig Platz fort und sind, das ist die Hauptsache, vielseitig in ihrer Verwendbarkeit. +Taschentücher+ mit Gabelspitzenverzierung sind ein praktisches Geschenk, wenn sie ein wenig elegant hergestellt werden, sie dürften bei Verlobungen und Hochzeiten, vor allem aber bei Konfirmationen viel Anklang finden. Es wird soviel Unnützes verschenkt, was viel Geld kostet, warum sollte man feine +Taschentücher+, noch dazu mit Handarbeit geschmückt, nicht höher schätzen, besonders wenn ihre Herstellung mit wenig Kosten verknüpft ist. Auch leichte +Untertaillen+ mit Gabelspitzen sind zu empfehlen, für die dünnen Sommerblusen sind sie recht brauchbar; ich denke es mir sehr nett, wenn junge Mädchen sich in dieser praktischen Weise beschenken, man kann dabei sehr gut einige geeignete Stoffreste verwenden. +Tellerdeckchen+, +Tablettdeckchen+ lassen sich in dieser Technik sehr geschmackvoll verzieren, man darf nur nicht übertreiben und diese Technik für alle möglichen und unmöglichen Gegenstände verwenden wollen. Das Reizvolle an dieser Technik ist ihre Vielseitigkeit, die sich auch auf das Material erstreckt. So kann man mit farbiger Wolle mancherlei Nützliches in +Gabeltechnik+ ausführen, denn schließlich kommt es sehr darauf an, daß Zeit und Material richtig angewendet werden. Wir zeigen auf unsern Bildern einige Muster, die man leicht nacharbeiten kann, und die auch weniger geübten Anfängerinnen gelingen dürften. Da ist zunächst ein +gehäkeltes Kinderhäubchen+ (Abb. 59). Obwohl etwas abweichend von der üblichen Form, ist dieses Häubchen doch von besonderem Reiz durch die Zusammenstellung der aus drei verschiedenen Farben gearbeiteten Gabelbörtchen. Diese sind leicht anzufertigen mit Hilfe einer Gabel, die man sich aus starkem Draht selbst biegen kann, falls man keine kaufen will. Für das Börtchen schlingt man eine Luftmasche, zieht die Häkelnadel heraus und legt die Wolle um die eine Zinke der Gabel. Dann holt man die Wolle mit der Nadel, zieht sie durch die Schlinge und häkelt eine feste Masche in die Luftmasche. Hierauf nimmt man die Nadel wieder heraus, wendet die Gabel und legt die Wolle um die andre Zinke, zieht sie wieder durch die Schlinge und macht eine feste Masche in die vorige. So arbeitet man weiter, bis die gewünschte Länge erreicht ist. Aus leichtem Stoff formt man dann das Köpfchen und zeichnet gleich die Linien für die Figuren auf. Diesen folgend, setzt man die Börtchen, von der Mitte ausgehend, auf; danach faßt man die Schlingen zusammen, je zwei oder mehr, wie es die Form bedingt; aus der Abbildung ist dies deutlich erkennbar. In unsrer Vorlage ist hellgrüne, dunkelgraue und vergißmeinnichtblaue Wolle verwendet. Die ovale Mittelform ist grün, dann kommt das graue Börtchen, das wieder vom blauen umrandet wird, und zwar so, daß sich dann wieder Grün einfügt. Dem äußeren Rand folgt eine blaue Borte, der zum Abschluß graue Schlingen eingehäkelt werden. Zum Zusammenhalten dient statt Band ein 22 Zentimeter langer, aus vier Reihen fester Maschen bestehender grauer Streifen, der in der Mitte mit grünen Fäden durchzogen ist und an einer Seite angeknöpft wird. Zuletzt wird das eigenartige Häubchen mit blauer Seide abgefüttert.
[Illustration: Abb. 59. Gehäkeltes Kinderhäubchen.]
[Illustration: Abb. 60. Gabelspitze mit Häkelei, einem Batisttaschentuch angearbeitet.]
Sehr ansprechend wirkt auch das feine +Taschentuch+ (Abb. 60), das sowohl für ältere Damen als auch für junge Mädchen geeignet ist; es kann aus einem kleinen Batist- oder Leinenrest hergestellt werden, ist praktisch und macht wenig Kosten. Die Verzierung besteht aus einem sauberen Hohlsaum und einer mehr oder weniger breiten Spitze; wir bringen zwei Muster (Abb. 60 und 61), die dafür in Betracht kommen, die aber auch anderweit, für Wäsche, Deckchen, Häubchen, Untertaillen, Kindersachen, verwendet werden können; sie sind ein guter Ersatz für die gewebten Bändchen und leicht nachzuarbeiten. Zu der abgebildeten, reizenden Zackenspitze führt man kleine Stückchen Gabelborte mit 14 Schlingen aus. Dann häkelt man wie folgt: Erste Reihe: 1 feste Masche in die 1. Schlinge der einen Seite, 5 Lftm., 1 f. M. in die nächste Schlinge und so weiter. Wenden. Zweite Reihe: In jede Lftm. 1 f. M., nur in die mittlere zwischen der 7. und 8. f. M. der vorigen Reihe werden 3 f. M. gehäkelt. Wenden. Dritte Reihe: Auf jede f. M. der zweiten Reihe wieder 1 f. M., in die Mitte des Zackens 3 f. M. Stets beide Glieder fassen. Vierte Reihe: 3 Doppelstäbchen, deren obere Glieder miteinander abgeschlungen werden, in je 1 f. M., 5 Lftm. Unten läßt man zwischen den äußersten Stäbchengruppen dreimal je 3 f. M. aus, gegen die Mitte zu stets weniger. Bei der Mitte selbst werden 2 Stäbchengruppen dicht nebeneinander gesetzt. Dann läßt man wieder mehr aus, entgegengesetzt vom Anfang. Fünfte Reihe: 4 f. M., 1 Pikot, 4 f. M. in jeden Lftmbogen, in den der Mitte 4 f. M. und 3 Pikot, 4 f. M. Bei den ersten 2 Pikots werden die Zacken aneinander geschlungen. Nach dem letzten Lftmbogen 3 f. M. in das letzte der drei zunächstliegenden Doppelst., 6 f. M. in die äußerste Schlinge, 1 f. M. in die Mitte des Gab.-B., 7-8 f. M. in die äußerste Schl. der inneren Seite, 1 f. M., mit der alle 14 Schl. zusammengefaßt werden, 7-8 f. M. in die nächste innere Schl., 1 f. M. in die Mitte des Gab.-B., 6 f. M. in die äußerste Schl., 3 f. M. in das letzte Glied der 3 Doppelst. Als letzte Reihe 1 St., 1 Lftm., unten 1 M. liegen lassen.
[Illustration: Abb. 61. Gabelspitze mit Häkelei.]
Als Ausputz an Wäsche eignet sich sehr das abgebildete, aus zwei Reihen Gabelbörtchen bestehende +Spitzchen+ (Abb. 61). Es ist gar nicht schwer auszuführen. Man macht zweimal die gewünschte Länge; dann verbindet man sie, indem man in je 2 Schl. der einen Borte 1. f. M. häkelt, sodann 2 Lftm. und 1 f. M. in je 2 Schl. der 2. Borte. Den einen Außenrand begrenzt man folgendermaßen: 1 f. M. in 2 Schl., 5 Lftm.; der andre Rand für die Spitze ist: Erste Reihe: 2 durch 3 Lftm. getrennte Stb. in je 2 Schl., dazwischen 5 Lftm. Zweite Reihe: 1 f. M. in den 1. Lftmbogen, 2 Lftm., 3 durch 3 Lftm. getrennte Stb. zwischen die Stb. der vorigen Reihe, 2 Lftm.; von da ab wiederholen.
[Illustration: Abb. 62. Gabelspitze mit Häkelei.]
Dasselbe +Spitzchen+, nur mit einem Börtchen, ist zur Verzierung des Batisttaschentuchs verwendet. Aus der Abb. 62 ist ersichtlich, wie einerseits der schmale Saum gleichzeitig mit tief eingestochenen f. M. erfaßt wird, anderseits je nach 3 f. M. des Saums 2 Schlingen mit angehäkelt werden. Es fällt also der Außenrand der oben beschriebenen Spitze weg.
II. Kapitel
Malerei
18. Stoffmalerei
In letzter Zeit wird die +Stoffmalerei+ wieder sehr gepflegt; das bedeutet aber noch lange nicht, daß jeder, der ein wenig mit Pinsel und Farben umzugehen versteht, sich nun hinsetzt und nach seiner Meinung wunderschöne Muster auf irgend einen Stoff malt und sich einbildet, daß diese Stoffmalerei nun auch praktisch verwendet, das heißt getragen werden soll. Denn die meisten +Stoffmalereien+ gehören in das Gebiet der Mode. +Schals+, +Halstücher+, +Taschentücher+, +Fächer+, +Hutbänder+, +Schärpen+, +Blusenbändchen+, +Sonnenschirme+ werden in dieser Technik verziert, es kommen indessen dafür auch +Vorhänge+, +Scheiben-+ und +Schrankgardinen+ in Betracht. Die gut beherrschte Technik läßt eine vielseitige Verwendungsmöglichkeit zu, nur müssen Stoff, Farben und Muster geschickt miteinander in Einklang gebracht werden. Sehr beliebt sind bemalte +Lampenschirme+. Die Stoffmalerei muß unbedingt fach- und sachgemäß beherrscht werden, ehe man von kleineren Versuchen zu größeren Arbeiten übergeht. Es gehört viel Geschmack und Erfahrung dazu, um festzustellen, welche Farben, welche Technik sich für die einzelnen Stoffe eignet, ob das Grundmaterial nicht überhaupt lieber unbemalt bleiben soll oder aber eine andre Technik dafür in Betracht kommt.
Es gibt nur wenige praktische Winke, die sich indessen immer wieder bewähren. Dünne lichtdurchlässige Stoffe, wie Mull, Japonseide, Tüll, feines Leinen, bemalt man am besten mit +Wasserfarben+, +Ausziehtuschen+ und +Beizen+. Spiritusbeizen sind dafür ungeeignet, da sie nach dem Auftrocknen hart und glänzend werden. Bei +Lampenschirmen+, +Schals+, +Scheibengardinen+, +Sonnenschirmen+ kommt es darauf an, „durchsichtig“ zu malen, hierzu eignen sich tintenartige Farben am besten. Deckfarben sind mit Vorsicht zu gebrauchen, da sie leicht kreidig wirken und wenig Leuchtkraft besitzen, „durchsichtig“ wirken sie keinesfalls.
[Illustration: Abb. 63. Schärpen, Hut- und Blusenbänder in Stoffmalerei. Entwurf und Ausführung von Annemarie Irmler, Berlin.]
Auf alle Fälle soll man jede Farbenart vor der Verarbeitung auf dem Stoff, für den die Malerei bestimmt ist, sorgfältig ausprobieren. Es ist dabei zu beobachten, daß manche Farben vom „Liegen“ einen helleren oder dunkleren Ton annehmen. Das Muster muß sehr aufmerksam gewählt werden. Geometrische Figuren verlangen eine sichere Hand und viel Übung. Wenn auch die Mode gegenwärtig eine gewisse Unregelmäßigkeit der Formen bevorzugt, so darf sie doch nicht übertrieben werden, außerdem sieht der Kenner sofort, wo die gewollte oder vielmehr vorgeschriebene unregelmäßige Linie aufhört und die aus Ungeschicklichkeit entstandene falsche Linie anfängt.
Am besten gelingen Stoffmalereien auf lichtem Grund, da hier jede Farbe unverändert bleibt. Das Mischen der Farben muß geübt werden, man kann durch geschicktes Mischen sehr gute Wirkungen hervorbringen. Die gemalte Silhouette auf Seide, Karton oder Papier ist gegenwärtig sehr beliebt, nicht nur in Tiefschwarz, sondern auch in verschiedenen Farben. Sie eignet sich besonders gut zum Schmuck von +Tischkarten+, +Exlibris+, +Glückwunschkarten+ und gelingt am besten, wenn man sie in Ausziehtusche ausführt.
[Illustration: Abb. 64. Bemalte Stoffe. Entwurf und Ausführung von Annemarie Irmler, Berlin.]
Wenn man durchsichtigen Stoff oder dünnes Papier (Pergament) bemalen will, legt man das Muster darunter, spannt die zu bemalende Fläche ganz glatt darüber, befestigt sie mit Reißnägeln und führt die Arbeit recht sorgfältig aus. Ein Reißbrett ist die beste Unterlage, für die Umrisse verwende man die dünnen, spitzen Konturenpinsel, das Arbeitsmaterial muß sachgemäß zusammengestellt werden.
Im allgemeinen soll man die +Stoffmalerei+ recht sparsam anwenden, es dürfen bestimmt nicht verschiedene Stücke in dieser Technik in +einem+ Zimmer zu sehen sein, das würde langweilig wirken; dasselbe gilt von stoffgemaltem Modebeiwerk. Wer einen +Fächer+ oder einen +Sonnenschirm+ in dieser Technik trägt, braucht durchaus nicht einen „dazu passenden“ +Schal+ zu benutzen; die Wirkung würde verloren gehen.
Wir zeigen auf unserem ersten Bilde (Abb. 63) eine Anzahl handbemalter Bänder, entworfen und ausgeführt von +Annemarie Irmler+; sie eignen sich besonders gut für +Hüte+, je nach Größe und Breite der Muster kann man sie auch für +Schärpen+ und +Blusenbändchen+ verwenden. Das zweite Bild (Abb. 64) stellt originelle bemalte Stoffe derselben Künstlerin dar, sie sind unter anderem für +Vorhänge+, +Decken+, +Kissen+, +Lampenschirme+ gedacht.
19. Malerei auf Ton
Auf kunstgewerblichem Gebiet hat sich neuerdings eine besondere Vorliebe für Bauernkunst geltend gemacht. Die Bevorzugung einfacher Formen, satter, ungebrochener Farben erstreckt sich auch auf die verschiedenen Zweige der Keramik. So finden wir in vielen Häuslichkeiten, die bisher ausschließlich Sammelplätze für chinesische Vasen, japanische Schalen, irgendwo ausgegrabene Urnen oder altvenezianische Gläser waren, heimische Bauerntöpfereien in den verschiedensten Formen und Farben, die mit Stolz als „alt“ und „echt“ vorgezeigt werden. Diese bunten, irdenen Gefäße, die früher im besten Falle in der ländlichen Küche eine mehr als bescheidene Aschenbrödelrolle spielten, sind urplötzlich „salonfähig“ geworden; einfache Krüge und Teller, die in der Abgeschiedenheit irgend eines Bauernhauses ein still verborgenes, häufig schlechtgekittetes Dasein führten, finden sich im Zimmer einer vornehmen Stadtwohnung wieder.
Unsere farbenfreudigen lieben Leserinnen wollen nun sicherlich wissen, wie man die +Tonteller+, +Töpfe+ und +Schalen+ selber bemalt, die sich so sehr gut zum Schmuck ihres Stübchens eignen. Ich habe einige dieser +Teller+, +Töpfe+ und +Schalen+, auch ein paar Krüge selber zur Probe nach meinen Entwürfen bemalt, weil ich die Technik ganz genau kennenlernen wollte, und erzähle nun, wie es gemacht wird. Vorher möchte ich euch aber warnen, diese Gegenstände der Feuchtigkeit auszusetzen, denn Ton zieht Wasser, und als Blumenbehälter dürft ihr sie ganz bestimmt nicht verwenden. Am besten wirken sie als +Wanddekoration+, auch als Behälter für Nadeln und andre Kleinigkeiten eignen sie sich recht gut; wenn ihr ein Bordbrett habt, dann sieht es recht lustig aus, wenn ihr eine Reihe bunter Teller eng nebeneinander aufbaut. Die großen +Teller+ kann man für Obst verwenden, für Äpfel, Birnen, Apfelsinen; für feuchtes Obst oder Beeren ist solche Schale kein passender Aufenthalt, all dies klebt leicht an, und die Tonsachen können nicht abgewaschen werden, wenn sie mit Temperafarben bemalt und mit Temperalack überzogen sind. Man könnte sie ja schließlich auch mit Email- oder Ölfarben wasserfest bemalen, aber die kleinen Ornamente würden in diesen Techniken nicht so hübsch wirken, Tempera scheint dafür geeigneter zu sein. Die +Blumentöpfe+ sollen die nicht sehr geschmackvollen Papierhüllen ersetzen, sie müssen immer ein wenig größer als die bepflanzten Töpfe sein, damit ein genügender Zwischenraum für die Luftzufuhr vorhanden ist. Direkt bepflanzt dürfen die bemalten Töpfe niemals werden, denn der Lack schließt die Luft ab, und die Pflanze würde ersticken. Auch als Behälter für Bindfaden, Garn und ähnliches Material kann man diese bemalten +Töpfe+ benutzen; am besten ist es, wenn sie ziemlich hoch aufgestellt werden, damit man die bemalten Wände sieht und nicht den Innenraum.
Als Grundmaterial kommen zunächst die bekannten Tonformen in Betracht, die vor dem Bemalen gründlich mit heißem Sodawasser und einer Wurzelbürste gereinigt werden müssen; sie dürfen erst dann mit den Farben in Berührung gelangen, wenn sie vollständig wieder trocken sind, da im andern Fall auf einen günstigen Erfolg nicht gerechnet werden kann. Zum Malen benutzt man Aquarelldeckfarben, wie Guasch- oder Temperafarben; Ölfarben lassen sich in diesem Fall nicht gut anwenden, da die Motive dafür zu klein sind und leicht klecksig wirken könnten. Über die Ausführung ist nicht viel zu sagen. Man streicht zunächst den Grundton auf; erst wenn dieser völlig aufgetrocknet ist, beginnt man mit dem Aufzeichnen der Ornamente. Kreise werden am besten mit dem Zirkel übertragen, die übrigen Formen zeichnet man mit Holzkohle auf, die, wenn die Arbeit fertig ist, wieder ohne jede Schwierigkeit fortgewischt werden kann. Man spitzt sie recht scharf, um feine Linien zu erzielen. Die Ornamente werden am besten mit einem kleinen Borstenpinsel gemalt, nicht zu naß, eher trocken. Dabei achte man vor allen Dingen darauf, daß die Farben, eine nach der anderen, gut auftrocknen, da sie sonst leicht ineinanderlaufen; der Ton speichert nämlich die Feuchtigkeit ziemlich lange auf. Wer nicht daran gewöhnt ist, mit dem Borstenpinsel zu arbeiten, muß Marderhaarpinsel benutzen, diese werden aber durch den rauhen Ton ziemlich stark angegriffen. Stumpfe Pinsel verwendet man zum Grundieren, spitze zum Konturieren. Die gutgetrockneten, fertigen Arbeiten werden mit Spiritus-, Braselmann- oder Temperalack schnell und sorgfältig überstrichen. Man gebraucht dazu einen weichen, kurzen Pinsel, der unter der Einwirkung des Lackes sehr schnell hart wird. Mit Brennspiritus gewaschen, erhält er jedoch seine frühere Geschmeidigkeit bald wieder.
[Illustration: Abb. 65. Blumentopf mit Bauernkeramik.]
Wir wollen nun in aller Kürze die Farbenzusammenstellungen der einzelnen Abbildungen angeben, da die gute gegenseitige Abstimmung die erste Bedingung zur Erzielung einer geschmackvollen Wirkung ist.
Der erste Topf (Abb. 65) ist tiefkobaltblau angestrichen; die Ovale sowie der ziemlich breite Rand werden grasgrün gemalt. In den Ovalen steht eine weiße Blume mit grüner Mitte, schwarzem Stengel und schwarzen Blättern; sämtliche Punkte werden in Schwefelgelb ausgeführt.
Auf dem nächsten Bild (Abb. 66) sehen wir zwei größere Teller, mit Ornamenten und Blüten verziert. Der linke ist orangegelb grundiert. Den äußersten breiten Rand malt man kobaltblau. Das Ornament darin hält man orangegelb und weiß. Das Mittelstück ist kobaltblau grundiert; sämtliche Punktmuster werden grasgrün gemalt.
[Illustration: Abb. 66. Teller mit Bauernkeramik.]
Der rechte Teller wird umbrabraun gestrichen. Die Blumen sind abwechselnd lachsrosa und schwefelgelb, mit orangegelben und grasgrünen Tupfen. Die Blätter werden grasgrün gemalt. Der äußerste Rand des Tellers ist tiefkobaltblau grundiert; sämtliche Punktornamente hält man kobaltblau.
Die folgende Abbildung (Abb. 67) zeigt drei kleine Tonteller, die mit stilisierten Blüten, sowie mit einfachen Ornamenten verziert sind. Auf dem ersten Teller sehen wir ein blütengeschmücktes Mittelstück als hauptsächlichste Verzierung. Der Hintergrund wird schwefelgelb angestrichen, das Mittelstück tiefschwarz. Das Punktmuster am Rande wird teils kobaltblau, teils grasgrün gehalten. Die Blumen malt man lachsrosa mit orangegelber Mitte und umbrabraunen Punktornamenten. Die Stengel und Blätter sind grasgrün gehalten. Das tiefschwarze Mittelstück ist von einem Bandornament in Grasgrün und Dunkelkobaltblau umgeben.
Der zweite Teller ist tiefschwarz grundiert. Die Blüten werden hellkarminrot mit einem Zusatz von ein wenig Weiß gemalt. Sie haben einen orangegelben Blütenboden und sind orangegelb getupft. Die Stengel bestehen aus grasgrünen Punkten, wie auch die Blumen durch einzelne grasgrüne Punkte voneinander getrennt sind. Auf dem Mittelstück des Tellers steht ein Kreis aus schwefelgelben Punkten.
Den dritten Teller streicht man kobaltblau an, der breite Rand wird tiefbraun grundiert. Das Mittelstück wird begrenzt durch ein kleines Punktornament, abwechselnd in Karminlack, hell- und dunkelgrün. Den zweiten äußeren Rand bildet ein Punktmuster in Tiefschwarz. Das nächste Punktornament wird abwechselnd weiß und orange gemalt. Am äußersten Rand steht ein Tupfenmuster in Grasgrün und Weiß.
Der nächste Topf (Abb. 68) ist schneeweiß grundiert. Die Trauben werden rotbraun gemalt, die großen, sehr stilisierten Blätter tiefgrün, die Strich- und Punktornamente kobaltblau.
[Illustration: Abb. 67. Teller mit Bauernkeramik.]
Auf dem letzten, tiefkobaltblau grundierten Blumentopf (Abb. 69) stehen rotbraune Blumen mit grasgrüner Mitte und grasgrüne Blätterornamente mit ebensolchen punktierten Stengeln. Das Ornament auf dem oberen Rand wird in Schwefelgelb ausgeführt.
Im übrigen mache ich darauf aufmerksam, daß die natürlichen Farben der einzelnen Teller bei der photographischen Aufnahme vielfach ganz anders gekommen sind, als sie auf unser Auge wirken. Blau erscheint in der Reproduktion fast hell, während manches leuchtende Gelb tiefdunkel wird. Auf diese Weise ist es erklärlich, daß unsre Farbenangabe von dem Aussehen der Bilder mehrfach abzuweichen scheint. Den Besitzerinnen eines photographischen Apparates sind solche Farbenumkehrungen längst wohlbekannt.
[Illustration: Abb. 68 u. 69. Blumentöpfe.]
Wir fügen ein Gruppenbild (Abb. 70) hinzu, auf dem sowohl Tonkrüge und Teller als auch Holzspankörbchen und ein Schlüsselbrett zu sehen sind. Der erste Krug ist gelb grundiert, die Ornamente sind feuerrot, schwarz und giftgrün gehalten, der andere Krug ist kobaltblau mit schwarzen Schlangenlinien, orangegelben, weißen und karminroten Tupfen. Der große Teller ist feuerrot mit Schwarz, Schwefelgelb, Kobaltblau hell und Orangegelb. Der erste der kleineren Teller ist in zwei Farben grundiert, in Grasgrün und Kobaltblau. Die Zierlinien sind orangegelb, die Tupfen und Kreise schwefelgelb, karmin- und feuerrot. Der nächste Teller hat schwarze, orangegelbe, schwefelgelbe, karminrote Muster auf giftgrünem Grund. Der vierte Teller ist kornblumenblau angestrichen, die Ornamente werden ziegelrot, giftgrün, weiß und schwefelgelb gemalt. Der letzte Teller in der Reihe ist pfauenblau gehalten, die Ornamente sind karminrosa, weiß, orangegelb und giftgrün. -- Das längliche Spankörbchen ist rehbraun grundiert, die Muster sind schwarz, karminrot und schwefelgelb gemalt. Zum Schluß wird eine flotte rot- oder grasgrünseidene Schleife am Bügel befestigt. Das runde Körbchen ist giftgrün mit schwarzen und kobaltblauen Ornamenten. Das Schlüsselbrett ist mit lila Holz-Spiritusbeize angestrichen, darauf stehen die stilisierten Blüten und Kränzchen, die Schlangenlinien, Blätter und Tupfen in Zinnoberrot, Karminrot, Weiß, Grasgrün, Schwefelgelb, Kobaltblau hell und dunkel und Orangegelb. Zum Schluß wird ein seidenes, farbiges Band zum Aufhängen mit einem Ziernagel an beiden Seiten befestigt und ein paar Messinghaken für die Schlüssel eingeschlagen.
[Illustration: Abb. 70. Bemalte Tonkrüge, Teller, Holzspankörbchen und Schlüsselbrett. Entwurf von Else Levin.]
20. Holzmalerei
Was ich euch auf diesen Bildern zeige, das ist +Holzmalerei+, eine Technik, die ihr gewiß alle kennt. Auf dem Lande, in waldreichen Gegenden, zum Beispiel in Schlesien, in Thüringen, meist im Gebirge, gehört diese Holzarbeit zu den Heimarbeiten, von denen ganze Familien im Winter, wenn es keine andre Beschäftigung gibt, leben. Selbst ganz alte Leute und kleine Kinder, die noch nicht zur Schule gehen, müssen dabei helfen, und es kommt, da der Absatz im Vergleich zu dem Angebot sehr klein ist, eine schlecht bezahlte Industrie zustande, deren Erzeugnisse meist auf Märkten, in Basaren, in Warenhäusern, in den Verkaufsständen der Badeorte verkauft werden. Die Muster vererben sich in den einzelnen Ortschaften seit undenklichen Zeiten von den ältesten Leuten auf die Kinder und Kindeskinder, in manchen Familien werden bestimmte Farben immer wiederholt; das ist erklärlich, da es sich meist um Massenartikel handelt, die in größeren Mengen möglichst schnell an den Aufkäufer geliefert werden müssen. So kommt es schließlich dahin, daß die +Spanschachteln+ und +Körbe+ -- dies sind die hauptsächlichsten Erzeugnisse -- nach einer gewissen Schablone behandelt werden. So werdet ihr bestimmte Muster, Rosen, Tulpen, Vögel, Herzen und so weiter immer wieder antreffen, vielleicht ein wenig verändert in Größe und Farbe, aber im Grunde sehr gleich, der Tradition der einzelnen Bauernkünstler entsprechend. Es gibt, wie überall, auch hierbei Ausnahmen, aber im allgemeinen ist es so, daß die älteren Familienmitglieder die Hauptmotive malen, die Jungen und Mädel den Rand und die einzelnen Kleinigkeiten, Striche und Punkte pinseln und die fertigen Arbeiten firnissen. Zu den verschiedenen Hilfeleistungen, die dabei notwendig sind, werden dann die Kleinsten hinzugezogen.
[Illustration: Abb. 71. Eierbecher aus Holz und bemalte Hühnereier.]
In den letzten Jahren hat das Interesse für die praktischen Holzarbeiten mit ihrer lustigen Bemalung bedeutend zugenommen, man kann es wohl der gesamten Richtung zuschreiben, die von den Siedlungen, den Einfamilienhäusern mit dem ländlichen Zuschnitt ausgeht. Die einfachen Möbel erfordern einen angemessenen Raumschmuck, die farbig gehaltenen Truhen, die Korbarbeiten und Spansachen eignen sich ganz besonders dafür. In jedem Haushalt gibt es schließlich einen Platz für die einzelnen Kleinigkeiten, besonders da sie durchaus praktisch verwendbar sind. Aus diesem Grunde zeige ich euch einige Modelle (Abb. 71 bis 74), die ich aus der Erinnerung an früher gesehene Holzmalereien selber entworfen und ausgeführt habe; sie sind ein wenig „städtisch frisiert“ und durchweg sehr einfach in der Technik. Besonders nützlich erweisen sich die +Schachteln+ und +Körbe+ in den verschiedenen Größen als Behälter für Obst, das für Geschenkzwecke hübsch untergebracht werden soll. Auch selbstgebackene kleine Kuchen, zum Beispiel Zuckerplätzchen, Pfeffer- und Mürbekuchen, Marzipan und Konfekt sehen, wenn es sich um geringere Mengen handelt, sehr appetitlich aus, wenn sie zu festlichen Gelegenheiten in selbstbemalten Spankörben oder -schachteln (Abb. 74) versandt werden. Später, wenn von dem süßen Inhalt nichts mehr vorhanden ist, treten sie ihren Dienst im Haushalt an. Als +Löffel-+ oder +Schlüsselkörbchen+, als +Knopfschachteln+, als Behälter für +Näh-+ und +Stopfsachen+ sind sie sehr handlich, das hölzerne +Osterei+ wird ein nützliches +Stopfei+, und schließlich finden sich in jeder Häuslichkeit Kleinigkeiten, die eine feste Unterkunft brauchen können. Indessen paßt die lustige Holzmalerei auch für andre Gegenstände, zum Beispiel für +Kalenderrückwände+, für +Schlüsselbretter+, die ohne viel Mühe und Kosten aus Zigarrenkistenholz selber hergestellt werden können. So kann man auch praktische +Bindfadenbehälter+ aus Holzschachteln anfertigen, und schließlich kommt man selber auf alle möglichen neuen Gedanken, umso eher, als die Technik sehr anregend ist und sich sehr schnell erlernen läßt.
In dieses Kapitel gehören auch die einfachen +Schablonen+, die man selber schneiden kann, um größere Gegenstände, zum Beispiel +Truhen+ und +Kästen+ zu verzieren. Wir kennen sie alle, denn die zünftigen Maler benutzen sie im allgemeinen zum Ausschmücken der Küchenmöbel, eine Arbeit, die ihr sicher schon oft beobachtet habt. Was die +Holzmalerei+ anbelangt, so ist es am besten, mit einfachen Mustern zu beginnen und nach und nach schwerere Motive zu verwenden, dies gilt auch für die +Schablonen+.
[Illustration: Abb. 72. Spandose mit Temperamalerei.]
[Illustration: Abb. 73. Untersetzer aus Holz.]
Außer dem Grundmaterial sind zunächst gute Farben nötig. Man verwendet +Tempera-+ oder +Guaschfarben+, am besten in Tubenform, die sowohl in großen als auch in kleinen Versuchstuben in den Kunstgewerbehandlungen und Drogerien erhältlich sind.
Zum Malen benutzt man verschiedene Pinsel. Als +Grundierpinsel+ sind stumpfe, runde oder flache Borstenpinsel zu empfehlen, deren Größe und Stärke sich nach dem Umfang des zu streichenden Hintergrundes richtet. Grundierpinsel sind in den verschiedenen passenden Größen zu beschaffen und in den einschlägigen Kunstmaterial- und Drogengeschäften erhältlich. Dasselbe gilt von den Malpinseln; Borstenpinsel sind für diese Zwecke am geeignetsten. Zum Flächenausmalen benutzt man spitze Borstenpinsel, zum Schablonieren verwendet man stumpfe, runde Borstenpinsel, Konturen sind mit spitzen Borstenpinseln zu malen. Handelt es sich um +kleine+ Gegenstände, für die nicht viel Farbe nötig ist, so kommen auch +Haarpinsel+ in Betracht, besonders zum Konturieren. Borstenpinsel werden in ganz feinen Nummern nicht geführt, dagegen gibt es Haarpinsel mit ganz dünnen Spitzen, sehr dünnhaarig, mit Nummer 1 beginnend. Ganz besonders feinhaarige Pinsel, zum Beispiel +Marderhaarpinsel+, die als Aquarellpinsel bekannt sind, eignen sich zum Malen mit Tempera- oder Guaschfarben nicht. Sie würden durch die rauhe Farbe sehr strapaziert werden und bald abbrechen; man verzichtet daher auf dieses Material.
[Illustration: Abb. 74. Holzmalerei: Körbchen.]
+Pauspapier+: Für dunklen Grund verwendet man helles, rotes, gelbes oder weißes Ölpauspapier, für hellen Hintergrund benutzt man schwarzes oder rotes Ölpauspapier, auch schwarzes Graphit- und blaues Pauspapier kommt in Betracht. Für kleine Gegenstände genügt Schreibmaschinenpaus- oder Durchschlagpapier, das für hellen Grund zu verwerten ist.