Chapter 2 of 14 · 3904 words · ~20 min read

Part 2

Wenn man moderne Handstickereien mit solchen früherer Jahre vergleicht, vor allem mit den sogenannten „Augenpulvern“ unsrer Mütter und Großmütter, so können wir mit Leichtigkeit feststellen, daß die Handarbeiten der letzten Moden, was Technik, Grundstoff und Ausführung anbelangt, großzügiger, einfacher und dekorativer geworden sind. Und wenn wir auch, dem Geschmack der Zeit folgend, vielfach die Ideen zu unsern Mustern einer Epoche entnehmen, die in betonter Einfachheit und Gefühlseligkeit förmlich schwelgte, so borgen wir uns doch schließlich nur den vielfach veränderten Stil und die Farben; die komplizierte Technik dieses mühseligen Stich-an-Stichreihens entspricht kaum mehr unserm modernen Empfinden, und darum vereinfachen wir die Technik und die Muster. Sticken ist heutzutage kein Mittel mehr, um die überflüssige Zeit totzuschlagen, +gute+ Handarbeiten werden immer teurer, ihr Wert steigert sich durch den Wettbewerb mit billigem Dilettantismus.

Auch wir Modernen sticken bunte Blumenkränze und farbenfröhliche Sträuße mit glänzender Seide, aber wir verwenden keine zeitraubenden dünnen Fäden, wir bevorzugen +starke+ Seidenfäden, die schnell decken, wir können uns nicht gar so lange bei einer Blume, bei einem Blatt aufhalten wie die Stickerinnen früherer Jahrzehnte.

Während man früher farbige Muster mit den größten Ausmaßen, zum Beispiel Vorhänge mit feinsten Seidenfäden stickte, verwendet man jetzt zu verhältnismäßig kleinen Arbeiten, zu Taschen, Beuteln, Kinderhäubchen, Nähkissen, Nähbüchern, Tabletteinlagen und so weiter möglichst starkfädiges Stickmaterial.

Darum hat die Wollstickerei ganz besonderen Anklang gefunden, während die Arbeiten mit buntem feinen Garn kaum mehr verwendet werden. Dagegen verarbeitet man vielfach Wolle in Verbindung mit Seide und erzielt dadurch recht gute Wirkungen mit verhältnismäßig wenig Mitteln.

Was die einzelnen Formen der Muster anlangt, so gilt das ungeschriebene Gesetz nicht mehr, das einstmals forderte: „Der Grundstoff muß vollständig von der Stickerei bedeckt sein!“ Im Gegenteil, besonders bei größeren Handarbeiten findet man häufig eine Art „gesperrte“ Technik, der man die Absicht, Zeit zu sparen, deutlich ansieht. Solch eine Stickerei wirkt, wenn sie technisch einwandfrei ausgeführt ist und wenn Grund- und Stickmaterial geschmackvoll zueinander abgestimmt sind, häufig fast skizzenhaft, betont flüchtig, ohne an Wirksamkeit einzubüßen.

Als Farben des Stickmaterials kommen ständig neue Töne, gebrochen und ungebrochen, in den Handel, eine Seide leuchtender und waschechter als die andere, eine Wolle weicher und vollfädiger als die andere, und auch die Stoffe, die als Grundmaterial zur Verwendung gelangen, werden immer mehr darauf eingerichtet, die Wirkung der Stickerei zu unterstreichen, vor allem aber auch die Arbeitsdauer so viel wie möglich einzuschränken. Selbst die kleinsten modernen Handarbeiten tragen unsichtbar, aber leserlich für die Eingeweihten, das Motto: Zeit ist Geld.

[Illustration: Abb. 5. Buntstickereien: Kissen, Kaffeewärmer, Arbeitstäschchen und Taschentuchbehälter.]

Wir zeigen auf unserer Abb. 5 eine Anzahl solcher Handarbeiten, deren Herstellung in diesem Sinne durchaus zu empfehlen ist.

Die verschiedenen kleinen Täschchen können leicht aus Resten hergestellt werden, nur das gestickte +Kissen+ unsrer Vorlage erfordert ein größeres Stück Stoff. Hier ist karmoisinrotes Tuch in der Größe von 32: 51 Zentimeter verwendet. Die Ecken sind mit blätterartigen Figuren bestickt, die aus einem Kelch hervorzugehen scheinen. Sie sind in bunter Wollstickerei und meist im schrägen Plattstich ausgeführt. Die Ecken zieren starke Quasten. -- Sehr gut wirkt der aus feinem weißen Waschtüll gearbeitete +Kaffeewärmer+ (im Vordergrund links). Die untere Breite mißt ungefähr 36, die Höhe etwa 32 Zentimeter. Die Zeichnung überträgt man am besten mit Blaustift auf festes weißes Papier und heftet sie dem Tüll unter; die begrenzenden Linien lassen sich auf diese Weise leicht einziehen. Größere Blumen und Flitter werden noch mit Twist oder Glanzgarn in verschiedenen Stichen ausgeführt. In die Verbindungsnaht wird ein schmaler 3 Zentimeter breiter Tüllvolant mit eingefaßt; eine Tüllrosette dient zum Anfassen. Die Grundform ist mit einfarbigem Seidenstoff überzogen. -- Zu dem reizenden +Arbeitstäschchen+ (rechts vom Kaffeewärmer) braucht man ein Stückchen Rohseide oder feines gelbliches Leinen von 18 Zentimeter Breite und 31 Zentimeter Länge. Von dieser werden 9 Zentimeter zur Tasche umgeschlagen. Den Deckel ziert eine Stickerei in bunter Wolle. Nachdem das Satinfutter angebracht ist, wird das Ganze mit zwei Fäden grüner Wolle eingestochen, über die sich dann noch solche von roter Wolle legen. Einen besonderen Ausputz bildet der 11 Zentimeter lange und 4 Zentimeter breite Zipfel, der einem alten Siegel nachgebildet ist und das Täschchen zugleich schließt. Zu diesem Zwecke muß ein Knopf auf der unteren Seite angebracht werden. -- Auch der aus schwarzem Tuch hergestellte +Taschentuchbehälter+ (rechts vor dem Kissen) ist sehr geschmackvoll. Er mißt 19 Zentimeter im Quadrat; die Ecken werden hereingeschlagen und mit kornblumenblauer Wolle bestickt. Drei Ecken werden durch Zierstiche -- Bäumchen- oder Languettenstiche -- zusammengefügt; die vierte dient als Schluß und wird mit einer Schlinge versehen. Zuletzt wird die Arbeit mit blauer Seide gefüttert und an den Ecken werden kleine blaue Bällchen angebracht. -- Das niedliche andere +Arbeitstäschchen+ (an der äußersten rechten Ecke unseres Bildes) ist 12 Zentimeter im Quadrat groß, erfordert also einen Streifen Tuch von 12 Zentimeter Breite und 24 Zentimeter Länge. Auf der oberen Seite ist eine bunte Wollstickerei angebracht; grüner Vorstoß umrandet das aus blauem Tuch angefertigte Täschchen, das zuletzt mit grüner Seide gefüttert und mit blauen Bändern gebunden wird.

4. Das handbestickte Kleidungsstück

Das +handbestickte Kleidungsstück+ erfreut sich besonders bei der Jugend einer meist berechtigten Beliebtheit. Jungen Mädchen macht es Freude, ihre Schürzen, Blusen, Kleider, Gürtel, Taschen, Mützen und so weiter selber zu besticken; häufig entwerfen sie selber die Muster dafür und geben sich viel Mühe, mit einem großen Aufwand von Zeit und Kosten diese eigenen Entwürfe auszuführen.

[Illustration: Abb. 6. Handbesticktes Überziehjäckchen aus rotem Stoff mit farbiger Stickerei.]

Gerade diese selbstentworfenen Muster und ihre Farbenzusammenstellung wirken häufig sehr dilettantenhaft; man wundert sich oft, wie viel Geschmacklosigkeiten auf einem einzigen Stück vereinigt sind. Da sieht man naturalistische Rosen und Veilchen, zu einem Strauß geordnet, und all dies auf eine Bluse gestickt, als ob es sich um ein altmodisches Sofakissen handelte. Und naturalistisch gehaltene Weinranken auf einem Gürtel, und große Schmetterlinge auf einem Kleid! Etwas Ähnliches haben wir alle schon erlebt.

Wie lächerlich wirkt solch unverstandenes Kunstgewerbe auf den Kenner. Geometrische Figuren sind für solche Ornamentik empfehlenswerter, indessen wird auf diesem Gebiet wieder häufig der Fehler gemacht, daß die Muster dadurch viel zu langweilig werden, und der Fehler wird noch größer, wenn man versucht, die Eintönigkeit der Ornamente durch krasse Farben zu vermindern. Diese Wirkung ist noch schlimmer, als wenn man eine Bluse mit Lilien bestickt, „weil es die Lieblingsblumen der Trägerin sind“.

Wer beim Besticken der einzelnen Kleidungsstücke einen guten Geschmack zeigen will, bringe nur stark vereinfachte Formen und Linien. Gewiß können Blumen und Schmetterlinge als Vorbild dienen, aber die Formen müssen so lange auseinandergenommen werden, die Linien sollen so stark stilisiert, das heißt vereinfacht sein, daß man bestimmt nicht mehr erkennen darf, woher die Motive stammen. Auch die Farben müssen dementsprechend verändert werden, und bei der Auswahl des Stickmaterials sei man stets darauf bedacht, daß ein Kleidungsstück keine Tischdecke, kein Sofakissen, kein Kaffeekannenwärmer ist. Kleidungsstücke, die dem Witterungswechsel ausgesetzt sind -- auch Handtaschen gehören in dieses Gebiet --, müssen unbedingt wasch- und regenecht bestickt werden; unecht bestickte Hüte, die in den Regen kommen und tüchtig abfärben, können einen ganzen Anzug, von Kopf bis zu Fuß, gefährden.

Am besten ist es, die Handarbeit auf einem Kleidungsstück in möglichst bescheidenen Grenzen zu halten, häufig genügen einige feine Zierstiche, um es geschmackvoll zu schmücken. Wer aber durchaus mit Ornamenten prunken möchte, dem zeigen wir obiges handbesticktes Überziehjäckchen aus rotem Stoff mit farbiger Handstickerei (Abb. 6), das mit seiner sparsamen, vornehmen Ornamentik durchaus mustergültig ist. Hier sehen wir, wie hochrotes Tuch, das doch stets sehr schwierig in der Verarbeitung ist, geschmackvoll und nützlich verwendet wurde. Es ist in einzelne Teile aufgeteilt, die mit Zierstichen verbunden sind; bestickte Knöpfe und zwei aufgesetzte, ebenfalls handbestickte Taschen bilden den Hauptschmuck. Statt der Knopflöcher wurden geschürzte Ösen als Verschluß angebracht. Auf den Taschen sehen wir außer den umrandenden Zierstichen flachgestickte Ornamente, die aus Rosenknospen und Blättchen umgewandelt worden sind, das heißt, man sieht dies nur, wenn man sich sehr bemüht. Die Knospe und die Blätter sind auf den Kopf gestellt, vor allem aber stark stilisiert. Das „Auf-den-Kopf-Stellen“ genügt nämlich nicht, um ein Ornament für solchen Zweck geeignet zu machen, dazu gehört schließlich doch etwas mehr. Auch die Farben sind nicht naturalistisch. Die Muster sind weiß gehalten, mit Grau und Blau umrandet. Alte und neue Zierstiche sind für dieses Überziehjäckchen zu Hilfe genommen worden, um ihm eine persönliche Note zu geben, ein Verfahren, das sehr zu loben ist, wie überhaupt unsere hübschen Zierstiche viel mehr verarbeitet werden sollten.

Hoffentlich wird unser gutes Beispiel dazu beitragen, noch mancherlei Irrtümer auf diesem Gebiet zu beseitigen oder ungeschehen zu machen.

5. Kreuzsticharbeiten

Zu den bekanntesten Handarbeitstechniken gehört der Kreuzstich. Daß er sich auch in früheren Zeiten schon einer großen Beliebtheit erfreute, davon zeugen u. a. die prachtvollen farbigen Meßgewänder in den Klöstern des Mittelalters; welch künstlerische Wirkungen wurden da durch den Kreuzstich in seinen originellen Varianten -- Rosenstich, Augenstich -- erzielt! Nachdem ihn verschiedene andre Techniken verdrängt hatten, kam er in der Biedermeierzeit wieder zu Ehren, eignete er sich doch wie kein andrer Stich zur Verarbeitung der farbenfröhlichen, naiven Muster jener Zeit. Ja, der Kreuzstich war weltlich geworden, aber obgleich er immer noch vielfach zu kirchlichen Zwecken verwendet wurde, fand man die hübschen Kreuzsticharbeiten mit der bunten Ornamentik doch zumeist in den besseren Bürgerhäusern. -- Die Gegenwart, die so viel aus den Tagen der Biedermeierzeit entlehnt, brachte auch die Kreuzsticharbeiten wieder in Aufnahme. Stark modernisiert und stilisiert, den heutigen Begriffen und Bedürfnissen angepaßt, erkennen wir die anmutigen Motive in sichtbar veränderter Form kaum wieder.

Während man sonst auf groben, löchrigen Geweben -- im Mittelalter verwendete man sogar Hanf und Leder -- den Kreuzstich arbeitete, wird jetzt meist Seide und mehr oder weniger starkes Leinen gewählt. Am beliebtesten sind die bunten Rupfenarten, Leinwand, die in den feinsten Nuancen und in reicher Auswahl eingefärbt ist.

[Illustration: Abb. 7. Kreuzstichmuster: Ornament.

Entwurf von Else Levin.]

Wir bringen verschiedene Kreuzstichmuster, die mit einigem Geschick selbst von ungeübten Händen nachgemacht werden können, und deren Herstellung mit wenig Kosten verknüpft ist. Wir sehen in Abb. 7 ein modernes Ornament, das, nach rechts und links angesetzt, eine außerordentlich wirksame Borte ergibt. Durch Spieglung sind wir in der Lage, das Muster auf seine vielfache Verwendbarkeit hin zu prüfen. Wir können es sowohl zur Verzierung von Gürteln als auch von Decken und Kissen verarbeiten. Es eignet sich zum Schmuck für Kinderkleider, Theaterhauben, für elegante Blusen und Schürzen. Als einfaches Ornament, wie wir es hier im Bilde sehen, läßt es sich als Mittelstück für Kissenplatten in Hochformat verwerten. Man hält es am besten in drei Farben, die man dem Hintergrund harmonisch anpaßt. Sehr dekorativ wirkt die Stickerei in Schwarz, Orange und Grün auf kobaltblauem Grund, ganz gleich, ob es sich um seidenes oder leinenes Material handelt. Auf Leinen stickt man am besten mit Perlgarn, dessen Stärke sich nach der Gewebeart richtet. Zur Ausführung verwendet man, wie bekannt, Kanevas oder Kongreßstoff, ihre Fäden werden, wenn die Arbeit vollendet ist, wieder herausgezogen. Abb. 8 stellt eine Bordüre dar, die zum Schmuck von großen waschbaren Portieren und Vorhängen aller Art zur Verwendung gelangt, zum Beispiel für Vorhänge auf Balkone, Loggien, in Schlafzimmern, Dielen, vor Bücherregalen und anderen. Unser Originalmodell ist in Schwarz, Zinnoberrot und Zitronengelb auf cremefarbenem Grund gestickt und kann je nach Belieben und Zweckdienlichkeit in großem oder kleinem Format ausgeführt werden.

[Illustration: Abb. 8. Bordüre für Portieren und Vorhänge.]

In Abb. 9 sehen wir das Muster für eine kleinere Mitteldecke, die am besten auf nicht zu starkem weißen Leinen ausgeführt wird. In Zinnoberrot, Grün, Violett und Schwarz ist die Stickerei gehalten, doch überlassen wir es dem Geschmack unserer Leserinnen, eine andere Farbenwahl zu treffen.

[Illustration: Abb. 9. Muster für kleinere Mitteldecken.]

Wer die Arbeit als Nähtischdeckchen oder Kissenplatte verwenden will, dürfte sich am besten für grellfarbiges Grundmaterial -- Seide oder Leinwand -- entscheiden. Auf kobaltblauem Hintergrund steht sehr gut: Weiß, Giftgrün und Orangegelb, auf scharfem Grün: Zinnoberrot, Schwarz und Hellkobaltblau, auf Orange: Schwarz, Weiß und Giftgrün. Beliebig wiederholt, ergibt unsre Vorlage ein sehr originell wirkendes Füllmuster, das besonders für starke Stoffarten in Betracht kommt und für Abend-, Garten- und Dielendecken sehr zu empfehlen ist.

[Illustration: Abb. 10. Flächenmuster für Perlstickerei.]

Abb. 10 zeigt ein +Flächenmuster+, das sich auch für +Perlstickerei+ eignet. Dieses Muster kann sehr vielfach verwendet werden, so zum Beispiel für +Bänder+, +Gürtel+, +Borten+, +Kinderhäubchen+ und +Kleider+, +Taschen+, wenn man nur einen Streifen davon benutzt, sonst paßt es für +Gartentischdecken+, +Vorhänge+ und +Kissen+. Unser Modell ist schwarz, kobaltblau, giftgrün, mit weißem Mittelpunkt auf weißem Grund gehalten.

[Illustration: Abb. 11. Tulpenmuster für Mappen, Kissen und Taschen.

Entwurf von Else Levin.]

Das fünfte Muster (Abb. 11) eignet sich am besten für +Kissen+ in drei Farben, zum Beispiel Schwarz, Kobaltblau und Orangegelb. In Wolle ausgeführt wirkt es sehr stark, man kann es auch für +Fußbänke+, +Fußkissen+ und kleine +Vorleger+ benutzen.

[Illustration: Abb. 12. Muster für Kreuzstich- und Filettechnik.

Entwurf von Else Pauli.]

Der sechste Entwurf (Abb. 12) eignet sich auch sehr gut für +Filettechnik+, ein Füllmuster von vielfacher Verwendbarkeit. In Wolle gestickt empfiehlt es sich für +Vorhänge+, +Decken+, +Kissen+, +Vorleger+ und +Mappen+, in Seide ausgeführt paßt es besser für kleinere Gegenstände, zum Beispiel +Taschen+, +Nähkissen+, +Briefmappen+. Es besteht eigentlich aus zwei Teilen, verwendet man die rechte oder die linke Seite einzeln, so entsteht ein Motiv zur Verzierung von +Häubchen+, +Gürteln+, +Mützen+, +Blusen+; setzt man dieses Motiv nach oben und unten fort, so entsteht eine +Borte+, die stehend und liegend verwendet werden kann. Solche Borten eignen sich für +Decken+, besonders aber für +Gürtel+ und +Kinderkleidung+. Je nach dem Hintergrund stickt man die Arbeit in zwei bis drei Farben; eine gute Wirkung erzielt man, wenn das Muster in Kobaltblau und Giftgrün auf schwefel- oder orangegelben Grund gesetzt wird.

[Illustration: Abb. 13. Leichtes Flächenmuster.]

[Illustration: Abb. 14. Füllmuster.]

Auf der nächsten Vorlage (Abb. 13) sehen wir ein leichtes +Flächenmuster+, das in +Streifen+ zerlegt werden kann; auf diese Weise entsteht eine fortlaufende Borte, die für +Kindersachen+ ganz besonders geeignet ist. Das Muster kann sehr farbig gehalten werden: die Schmetterlinge abwechselnd in zwei Farben in jeder Reihe, so daß vier verschiedenfarbige Schmetterlinge entstehen, in der ersten Reihe: der erste feuerrot, der zweite tütenblau, in der zweiten Reihe: der erste orangegelb, der zweite giftgrün. Die kleinen Kreuzornamente und der Verbindungspunkt zwischen den einzelnen Schmetterlingen werden schwefelgelb gestickt. Diese Farbenangabe gilt für einen weißen, schwarzen, grauen oder dunkelblauen Grund, Farben, die bei starker Leinwand häufig vorkommen. Solches Leinen wird gern zu +Garten-+ und +Balkonkissen+, auch für +Kinderzimmer-+ und +Dielenkissen+ verwendet, und gerade dafür ist das Schmetterlingsmuster ganz besonders geeignet.

Abb. 14 zeigt ein einfaches +Flächenmuster+ in zwei Farben für +Garten-+ und +Dielentischdecken+, +Kissen+, +Vorleger+, +Schreib-+ und +Sammelmappen+, +Kassetten+. Am besten wirkt die Stickerei in Wolle oder -- waschecht -- in Perlgarn und Garn in drei Farben: schwarz, weiß auf orangegelbem, kobaltblauem oder giftgrünem Grund, tütenblau, schwefelgelb auf grasgrünem Grund; die Mittelstücke können einzeln für +Knöpfe+ verwendet werden.

Die nächste Zeichnung (Abb. 15) stellt ein +Flächenmuster+ dar, aus dem man eine +Borte+ machen kann, sowohl eine aufrecht stehende, als auch eine sich nach rechts und links fortsetzende +Borte+, die sich für +Taschen+, +Kindersachen+ und +Deckchen+ recht gut eignet. Als Flächenmuster paßt sie für +Kissen+, +Mappen+, +Taschen+ und, wie die meisten dieser Entwürfe, auch für +Bucheinbände+. Man stickt das Muster am besten in drei Farben: die Herzen kobaltblau auf schwarzem oder türkisgrünem Grund, die Verbindungslinien schwefelgelb, oder giftgrüne Herzen auf pfauenblauem Grund mit orangegelben Verbindungslinien. Solche Farben wirken immer gut; aber nur nicht Rot für die Herzen nehmen!

[Illustration: Abb. 15. Flächenmuster. Entwurf von Else Pauli.]

6. Monogramme und Buchstaben

Schon unsere Groß- und Urgroßmütter wandten dem Wäschezeichnen ein berechtigtes Interesse zu. Gehörte es doch zum „guten Ton“, jedes Stück der Aussteuer selbst zu zeichnen, und der runde Stickrahmen spielte eine wichtige Rolle im Leben der Braut.

Da aber in früheren Zeiten das Hauswesen unendlich viel mehr Ansprüche an die Frauen stellte als heute, gleichviel welchen Standes sie waren, so konnte -- wie bei manchen andern Dingen -- auch dem Wäschezeichnen nicht allzu viel Zeit gewidmet werden, und so griff man nicht nur aus Sparsamkeits- oder Bequemlichkeitsgründen zur „Schablone“. Sehr elegant und eigenartig waren die Buchstaben und Monogramme meistenteils nicht, die ihr Entstehen dieser dünnen Kupferplatte und dem unvermeidlichen Tuschnapf mit Marineblau verdankten, aber die wenig verwöhnten Frauen, die sich ihrer bedienten, fragten nicht viel nach „persönlicher Note“. -- Man zeichnete eben die Wäschestücke mit Monogrammen (Abb. 16 bis 20) nicht aus einem besonderen Schönheitsbegriff heraus, sondern weil man sein leinenes Hab und Gut auf diese Weise am besten voneinander unterscheiden und schneller ordnen konnte. Daher war auch das hellrote Stickgarn, das sich scharf vom Weiß der Wäsche abhob, sehr beliebt, und es hat lange Zeit gedauert, bis es vom weißen Stickgarn der vornehmeren Wirkung wegen verdrängt wurde.

[Illustration: Abb. 16.]

[Illustration: Abb. 17.]

[Illustration: Abb. 18.

Abb. 16-18. Monogramme.]

Heutzutage rechnet man das Wäschezeichnen zum „Augenpulver“ und verzichtet meist gern darauf, mit eigener Hand all seine weißen Schätze zu signieren. Wir haben es ja auch gar nicht mehr nötig, nimmt uns doch die Maschine die unwillkommene Arbeit ab, eine Entlastung, die oft doppelt angenehm empfunden wird, da die Maschinenarbeit, was peinliche Genauigkeit, Schnelligkeit und Linienschwung anlangt, stets siegreich mit der mühseligen Handstickerei konkurrieren dürfte.

Die große Umwälzung, die durch die Maschine auf dem Gebiete der Handarbeit herbeigeführt wurde, hat es wohl auch zum Teil bewirkt, daß mit der Schablone in ihrer früheren Gestalt aufgeräumt wurde, vertragen sich die alten Schablonenzeichen doch kaum mit unserm modernen, persönlichen Geschmack.

Das Wäschezeichen ist heutzutage nicht mehr nur ein Ausdruck der Ordnungsliebe; man läßt nunmehr vielfach die Zahlen fort und trifft dafür mit desto größerer Sorgfalt die Auswahl der Buchstaben und Monogramme.

Im Gegensatz zu früher ist das Wäschezeichen zum Schmuck, zur anerkannten Zierde einer jeden Ausstattung geworden. Während man sich in früheren Jahren damit begnügte, jedes Stück mit einfachen Buchstaben zu zeichnen, macht man heutzutage in dieser Beziehung feine Unterschiede: nicht alle Stücke einer Ausstattung brauchen in ein und derselben Art signiert zu werden. So zum Beispiel zeichnet man die +Taschentücher+ mit Buchstaben oder Monogrammen und umrandet das Zeichen mit einem geschmackvollen Ornament. Sehr beliebt sind dafür Kranzformen, Kreise, Quadrate und ähnliche Ornamente. -- Große Buchstaben oder Monogramme wählt man für +Tafeltücher+, während die dazugehörigen +Servietten+ zwar dieselben Zeichen, doch bedeutend verkleinert, tragen.

[Illustration: Abb. 19. Buchstaben für Taschen, Kassetten, Handtücher usw.]

[Illustration: Abb. 20. Buchstabe für Mappen, Taschen, Taschentuchbehälter, Badewäsche.]

Man zeichnet jedoch nicht nur +Leib-+ und +Tischwäsche+; viele andre Gegenstände, die mehr oder weniger unsrem täglichen Gebrauch dienen, erhalten einen praktischen Schmuck durch geschmackvolle Buchstaben oder Monogramme, so zum Beispiel +Serviettentaschen+, +Fächerhüllen+, +Behälter für Tennisschläger+, +Schlittschuhbeutel+, +Schleier-+ und +Handschuhbehälter+, +Taschentuchordner+, +Badelaken+, auch +Handtaschen+, +Schreibmappen+, +Besuchskartentäschchen+ und so weiter.

Aus hygienischen Gründen werden einzelne der aufgeführten Gegenstände, die meist Handarbeiten sind, waschecht angefertigt. Infolgedessen empfiehlt es sich, die Signaturen waschbar zu sticken, wie man sich auch bei der Auswahl des Materials, das zur Herstellung der Buchstaben und ihrer Umrahmungen verwendet werden soll, genau nach dem dafür in Betracht kommenden Grundstoff richten muß. Gegenstände, die häufig der Wäsche ausgesetzt werden, dürfen nur mit Waschgarn gezeichnet werden, dagegen kann man, wenn es sich um einen Grundstoff aus Seide, Tuch, Leder und so weiter handelt, mit farbiger Seide signieren.

Geschmackvolle, deutlich lesbare Buchstaben werden sich stets allgemeiner Beliebtheit erfreuen, während Schnörkelzüge mit womöglich symbolischen Randverzierungen, die sich vielleicht gar auf Beruf oder Charaktereigentümlichkeiten des Besitzers beziehen, ungemein lächerlich wirken. Glücklicherweise sind derartige Geschmacklosigkeiten kaum mehr anzutreffen, nur mit der „Krone“ wird noch häufig genug Unfug getrieben. Seitdem gerade in allerletzter Zeit in Schulen und Fortbildungsschulen dem Wäschezeichnen sehr viel Aufmerksamkeit entgegengebracht wird, und auch das Kunstgewerbe sich damit beschäftigt, hat sich das allgemeine Interesse für zweckmäßige, hübsche Monogramme und Buchstaben in den gebildeten Bürgerkreisen wesentlich gehoben. Von den Buchstaben, die ich euch zeige, eignen sich einige auch recht gut für Briefpapier und Karten, ihr könnt sie auch als Exlibris und zum Signieren für Noten verwenden.

7. Häkeleien verschiedener Art

Die +Häkeltechnik+ ist in den letzten Jahren wieder modern geworden; man hat die hübschen alten Muster hervorgeholt, um sie, ziemlich unverändert, vielfach zu verwenden. Wenn auch die riesigen gehäkelten +Bettdecken+, die +Läufer+ und +Sofaschoner+ schon lange nicht mehr gearbeitet werden, so gibt es doch eine ganze Menge Nutz- und Zierhandarbeiten, die für Häkeltechnik gedacht sind. Die grobe, dickfadige Technik ist indessen verdrängt worden, man verwendet lieber feineres Garn, um Einsätze und Spitzen für +Kaffeedecken+, +Tafeltücher+, +Kissenbezüge+, +Hemdpassen+, +Mitteldecken+ zu arbeiten, die Muster wirken leichter und gefälliger, ohne, wenn sie richtig angeordnet sind, an Geschmack einzubüßen.

[Illustration: Abb. 21. Gehäkelter Stern.]

[Illustration: Abb. 22. Gehäkelter Stern.]

[Illustration: Abb. 23. Gehäkelte Spitze mit Spitzensticharbeit.]

+Wäschestücke+ werden wieder vielfach mit Häkelspitze verziert, man schätzt sie, weil sie haltbar ist, das häufige Waschen gut übersteht und hübsch aussieht; es gibt ja außerordentlich viele Muster, und mit einigem Geschick ist es leicht, die geeigneten Vorlagen für die einzelnen Gegenstände auszuwählen. Es ist nicht dasselbe, ob ein +Taschentuch+ oder eine +Frisierjacke+ mit Häkelspitze verziert werden soll, die Anwendung der Muster, die Aufmachung entscheidet darüber, ob die fertige Arbeit ansehnlich und modern oder veraltet und unkleidsam -- dies gilt besonders für Wäsche -- wirkt. Gehäkelte +Beutel+ sind nicht zu empfehlen, aber gehäkelte +Kindertäschchen+ können reizend aussehen. Man häkelt auch vielfach +Kinderjäckchen+ und +Kleidchen+, +Mützchen+ und +Häubchen+ in farbiger Wolle. Wenn Erwachsene oder größere Mädchen bunte Wollsachen tragen wollen, müssen Muster und Farben sehr sorgfältig ausgewählt werden, damit die Sache nicht in eine Maskerade ausartet. Für Sportzwecke benutzt man gern gehäkelte +Mützen+ und +Schale+, sie können sehr flott wirken, man häkelt auch +Schuhchen+ für +Babys+ und +Bettschuhe+ für +Großmamas+; solche Arbeiten sind unverwüstlich, wenn nicht gerade die Motten in die Wolle kommen.

Auf unseren Bildern (Abb. 21 bis 30) bringen wir eine Anzahl Vorlagen, die sich für die verschiedensten Häkelarbeiten verwenden lassen.

[Illustration: Abb. 24. Gehäkeltes Kindertäschchen.]

[Illustration: Abb. 25. Zählmuster zum Kindertäschchen.]

Da sind zunächst einige +Sterne+ (Abb. 21 u. 22), die vielfach benutzt werden können. In feinem Material ausgeführt, eignen sie sich recht gut für +Taschentuchecken+, für +Untertaillen+, etwas stärker hergestellt kommen sie, wie das +Quadrat+, für +Kissenbezüge+ in Betracht. Wenn man eine Anzahl farbiger Wollsterne miteinander verbindet, erzielt man eine originelle +Fläche+, die man für +Schlummerrollen+ -- wieder sehr modern! -- +Puffs+, +Kissen+, +Kaffeekannenwärmer+, +Kindermützchen+ verwenden kann.

[Illustration: Abb. 26. Gehäkelte Badeteppiche.]

Das nächste Bild (Abb. 23) zeigt eine hübsche +Spitze+, die für +Vorhänge+ und +Decken+ recht gut paßt; will man sie für +Leibwäsche+ benutzen, so muß man feines Material verarbeiten. Für +Gartentischdecken+ kann man sie in zwei Farben herstellen, falls dunkelblaues Fischerleinen oder graues starkes Leinen als Grundstoff verwendet wird. Zu blauem Stoff sieht ein grasgrüner Stern mit bronzebrauner Spitze oder ein orangegelber Stern mit grasgrüner Spitze sehr gut aus. Ist der Stoff grau, so wählt man Kornblumenblau und Giftgrün oder Kornblumenblau und Kirschrot.

Auf der Abb. 24 sehen wir ein reizendes +Kindertäschchen+, zu dem wir auch das Zählmuster (Abb. 25) bringen. Diese unterhaltende Arbeit erinnert an die farbenfröhlichen Biedermeiertäschchen und -mappen, von denen noch manches Stück in den einzelnen Familien zur Erinnerung aufbewahrt wird.

Abb. 26 stellt zwei +Badeteppiche+ dar, einfache, bescheidene Muster, die „wenig hermachen“, indessen sind solche Arbeiten wertvoller als manches bunte, unnütze Zeug. Gerade in unserer Zeit muß man auf praktische Werte bedacht sein, und ein +Badeteppich+ ist auf alle Fälle ein brauchbarer Gegenstand.

[Illustration: Abb. 27. Gehäkeltes Kinderkleidchen.]

Das nächste Bild (Abb. 27) zeigt ein +wollenes Kinderkleid+, es ist sehr praktisch in Schnitt und Farben und hat den Vorzug, nicht so schnell unmodern zu werden. Außerdem kann es nach Belieben vergrößert werden, wenn es „ausgewachsen“ sein sollte. Zum Unterschied von manchen andern Wollkleidern wirkt es durchaus nicht plump, auch nicht bäurisch; es ist sehr geschickt gemacht, und wenn es sorgfältig nachgearbeitet wird, muß es unbedingt kleidsam wirken.

[Illustration: Abb. 28 Aus Wolle gehäkelter Blumenzweig.]