Part 13
Ebenso beliebt wie der altbekannte Hampelmann ist der +Purzelmann+, mit dem die kleinen Knaben und Mädel sehr gern spielen. Man kann ihn ohne viel Mühe und Kosten selber herstellen; ein Purzelmann ist in jedem Kinderzimmer ein gern gesehener Gast und eignet sich schon darum sehr gut als „Mitbringsel“ für die Kleinen; auf diese Art kann man andere, teuere Aufmerksamkeiten sparen. -- Man halbiert eine möglichst breite +Glühstrumpfhülse+, legt eine schwere +Kugel+ hinein und leimt beide Deckel fest; diese Glühstrumpfhülse stellt den Kopf dar, auf den ein Gesicht aufgemalt wird. Wir zeigen auf unserer Zeichnung (Abb. 153) ein Modell, nach dem man das Spielzeug herstellen kann. Hier sehen wir das aufgemalte Gesicht, Augen, Mund, Nasenlöcher, so einfach wie nur möglich. Am besten ist es, das Gesicht auf weißes Papier zu pinseln und dieses auf den Kopf aufzuleimen. Der Rumpf -- aus Stoff -- wird am Kopf festgeklebt, Hände und Füße -- aus dünner Pappe -- werden mit ein paar Stichen angenäht. Man hält den Anzug am besten feuerrot, die Mütze tütenblau, die Schuhe giftgrün, die Knöpfe zitronengelb. Auf einer schrägen Ebene schlägt der Purzelmann so viel Purzelbäume wie man will, vorwärts und rückwärts; darum macht dieses bewegliche Spielzeug den Kleinen immer wieder Spaß, ohne sie zu langweilen.
[Illustration: Abb. 153. Purzelmann.]
VIII. Kapitel
Weihnachtsarbeiten
56. Handarbeiten für den Weihnachtstisch
Weihnachtshandarbeiten? Ja, sind die denn anders als alle übrigen Handarbeiten? Gibt es auch auf diesem Gebiet Unterschiede? Natürlich. Man braucht sich nur zu überlegen, was Weihnachtshandarbeiten uns allen für Kopfzerbrechen machen. Immer findet man noch im letzten Augenblick, daß irgend jemand vergessen worden ist; dagegen soll es seltener vorkommen, daß jemand doppelt bedacht wird. Die Großmama, die von sechs verschiedenen Enkeltöchtern sechs nicht sehr verschiedene Kaffeekannenwärmer bekommen hat, die gibt es in jedem Jahr, und sie hätte so viel andere Handarbeiten viel nötiger gebraucht. Aber das kommt von den Überraschungen. Heutzutage sind Zeit und Materialien wirklich zu kostspielig, als daß man gar so verschwenderisch damit umgehen sollte, und darum wäre es durchaus angebracht, die sonst sehr hübsche Sitte des Überraschens zu durchbrechen und sich lieber nach den Wünschen der einzelnen sehr genau zu erkundigen. Wenn, was sicher eintreffen dürfte, mehrere Gegenstände genannt werden, ist die Überraschung wirklich groß genug, wenn einer davon, möglichst geschmackvoll und praktisch ausgeführt, auf dem Weihnachtstisch ausliegt. Ist die Freude nicht größer, wenn uns ein Wunsch erfüllt, wenn uns etwas geschenkt wird, was uns fehlt, als wenn wir etwas bekommen, das wir nicht recht verwenden können? Schließlich kann die Anregung ja von den Schenkenden ausgehen. Die Frage „Kannst du das brauchen?“ zeugt stets von Interesse, von Fürsorglichkeit.
Man muß aber wirklich nachdenken, um etwas Passendes vorzuschlagen; immer Sofakissen und Tischläufer, das ist auf die Dauer nicht möglich.
[Illustration: Abb. 154. Vornehme Einkaufstasche.]
Wir zeigen auf unsern Bildern eine Anzahl Handarbeiten, die praktisch und hübsch zugleich sind, nicht zu viel kosten und nicht gar zu zeitraubend sind, denn den Weihnachtshandarbeiten darf man nicht etwa ansehen, daß sie ein „Augenpulver“, eine „Schinderei“ gewesen sind. Der Beschenkte muß unbedingt den Eindruck haben, daß die Arbeit mit Vergnügen von Anfang bis zu Ende hergestellt worden ist.
Zunächst einmal ein Geschenk für eine alte Dame. Das ist nicht so einfach; alte Damen haben meist „schon alles“. Hier muß etwas sehr Praktisches vorgeschlagen werden; darum bringen wir als Anregung eine +Einkaufstasche+ (Abb. 154), die möglichst hübsch ausgeführt wird, damit sie nicht nur für den Wochenmarkt, sondern auch für nachmittägliche Einkäufe, die sich an einen Besuch oder einen Spaziergang anschließen, benutzt werden kann, und die vom Nachmittagsanzug nicht abstechen darf.
Unser Modell besteht aus schwarzem Seidenstoff, es ist mit einem Bodenteil aus starkem Stoff versehen, 10 Zentimeter breit, 29 Zentimeter lang. Die Tasche selbst ist 34 zu 34 Zentimeter groß. Da das Futter an der Außenseite zu sehen ist, wählt man am besten einen modern gemusterten Satin- oder Seidenstoff, für die Schnüre verwendet man schwarze Beinringe, die 8 bis 9 Zentimeter vom inneren Rand entfernt angenäht werden.
Eine +gestrickte Hemdenpasse+ (Abb. 155), in der Art, wie wir sie auf unserer Vorlage zeigen, paßt für jedes junge Mädchen.
Unsere Abbildung zeigt deutlich, wie ein entsprechend weites, glattes Stück von gestricktem Einsatz möglichst „unsichtbar“ zusammengefügt wird. Die Naht soll unter dem Arm angebracht sein. Ungefähr je 15 Zentimeter von der vorderen und je 13 Zentimeter von der hinteren Mitte entfernt, bringt man die gestrickten Achselbänder an. Sie werden 1 bis 6 Zentimeter breit und 40 Zentimeter lang gehalten. Wenn man das beste Garn, möglichst fein, verwendet, wird die Hemdenpasse manches Hemd überleben; darum soll man sie mit der Hand annähen, um sie beim Abtrennen nicht zu beschädigen, falls sie für ein neues Hemd verwendet werden soll. Strickarbeiten wirken erst dann schön, wenn sie gut gespannt sind. Das Spannverfahren ist sehr einfach: Nach der Wäsche spannt man die Arbeit noch feucht auf ein sauberes weißes Tuch über einer dicken Decke und steckt sie mit rostfreien Nadeln fest. Zacken und Bogen werden einzeln gerade gezupft, die Mühe lohnt sich, denn nach dem Spannen zeigt sich die Eigenart der Strickspitze bis in die kleinsten Teile.
[Illustration: Abb. 155. Gestrickte Hemdenpasse.]
Ein +Tee-+ oder +Kaffeekannenwärmer+ für den Hausgebrauch ist stets ein praktisches Geschenk für denjenigen, dem er fehlt. Nun muß man sich aber auch erkundigen, für welche Zwecke er gewünscht ist; meistenteils bekommt man sehr elegante Kannenwärmer, mit Spitze und reicher Stickerei verziert, also für den Alltag nicht zu brauchen. Da ein Strapazierkannenwärmer aber viel eher und öfter gebraucht wird als ein eleganter, muß auch darauf Rücksicht genommen werden, und wir bringen zwei Modelle, (Abb. 156 und 157), ein ganz einfaches und ein reich besticktes Muster, zur Auswahl.
Der +einfache Kannenwärmer+ (Abb. 156) besteht aus einem Tuchrest; Tütenblau, Giftgrün, Feuerrot, Orangegelb, Türkis, Pfauenblau, Altgold, Bischofslila, Grasgrün, Kirschrot, das sind Farben, die sehr gut dazu passen, denn man will auch auf dem alltäglichen Tisch etwas Farbiges sehen; dadurch wird die Stimmung gehoben. Dieser farbenfröhliche Hintergrund wird mit einer leichten Häkelei verziert, nachdem man die „Mütze“ zugeschnitten hat. Zuerst schneidet man eine Papierform von 30 Zentimeter Höhe, 35 Zentimeter Breite; am besten ist es, wenn die Maße an den betreffenden Kannen ausprobiert werden. Will man die Arbeit nach auswärts senden, so erbittet man auf alle Fälle die genauen Maße, sicherheitshalber für Kaffee- +und+ Teekanne; es hat keinen Zweck, drauflos zu arbeiten, wenn man keine Ahnung von den notwendigen Größenverhältnissen hat. Unser Maß ist für die einfache Durchschnittskanne gedacht; am wichtigsten ist es indessen, wenn es sich um ein Geschenk handelt, das Muster der größten in Frage kommenden Kanne abzunehmen.
Man schneidet nun zwei Teile und beginnt mit der Häkelei, die in zwei Farben gehalten wird. Auf Rot wirken Tütenblau und Schwefelgelb am besten, für einen grünen Grund verwendet man Orangegelb und Schwarz, auf Blau Orangegelb und Giftgrün, auf Gelb Schwarz und Tütenblau oder Grasgrün, auf Bischofslila Schwefelgelb und Schwarz oder Giftgrün, auf Altgold Türkis und Tütenblau, auf Türkis Orangegelb und Schwarz.
Man verwendet feines Perl- oder Papiergarn und häkelt recht fein, sonst wird das Muster zu groß und plump. Die Häkelei beginnt mit dem kleinsten Ring in der Mitte, Anschlag 20 Luftmaschen, mit einer festen Kettenmasche zum Ring geschlossen.
[Illustration: Abb. 156. Einfacher Kannenwärmer.]
1. Reihe: 3 Lftm. für die 1. Stäbchenmasche, 3 Lftm., 9mal 1 St., 3 Lftm., 1 Masche übergehen, zuletzt 1 f. Kttm. in die 3. Lftm. am Anfang der Reihe. 2. Reihe: 1 feste Masche in die nächste M., 3 Lftm., 1 M. übergehen, 1 f. M., ringsum wiederholt -- es müssen 20 Bogen sein -- zuletzt 1 f. Kttm. in die 1. f. M. 3. Reihe: 2 f. Kttm. in die ersten Lftm. der vorigen Reihe, 3 Lftm. statt 1 St., 3 Lftm., 20mal 1 St., 3 Lftm., 1 f. Kttm. in die 3 Lftm. am Anfang der Reihe. Damit ist die Grundlage für die Häkelarbeit gegeben. Die nächste Reihe von Ovalen wird mit 1 f. Kttm. am 4. Bogen der letzten Reihe angehängt; 2 Bogen bleiben dazwischen. Am nächsten wird wieder ein Oval angehängt. Fünfmal sind die betreffenden Ovale, die wie das erste mit nur 1 Reihe aus 12 St. weiß gehäkelt werden, nach Übergehen von 2 Bogen angehängt und so die Hauptlinien des Musters gegeben. Die nächsten Ovale sind wieder farbig mit 14 St. hergestellt; es folgen dann weiße mit 16 St. und zuletzt farbige mit 20 St. Sind so die Ovale zusammengehängt, werden sie am Außenrand mit farbigem Garn im Zusammenhang umhäkelt. 1 f. M. um den mittelsten der 7 Bogen, die bei dem 1. Oval übrig geblieben sind, 4 Lftm., 1 St. in die 1. derselben, 1 f. M. um den folgenden Bogen. Der Übergang von einem Oval zum nächsten muß so glatt wie möglich ausgeführt werden. Zuletzt, wenn die ganze Häkelarbeit fertig und aufgenäht ist, durchzieht man die Ovale zweimal versetzt in Schlangenlinien mit mittelstarkem weißen Perlgarn. Daß noch vier besondere Teile mit je drei Ovalen zwischen die Hauptlinien eingefügt werden, zeigt die Abbildung; sie lehrt auch, wie und wo mit dem Perlgarn durchgezogen wird. Nachdem die Arbeit von der Rückseite aus gut geglättet ist, legt man Watte und Futter auf, reiht alles ringsum an und näht den unteren Saum nach innen ein. Der Außenrand wird sehr fest aufeinandergereiht und dann zusammen mit festen Maschen umhäkelt. Man nimmt dazu entweder Wolle von der gleichen Farbe des Grundstoffes oder von der Farbe der Häkelarbeit. Schließlich häkelt man die Teile von der Rückseite aus mit festen Maschen zusammen. Ein kleiner Ring, mit festen Maschen umhäkelt und oben in der Mitte festgenäht, dient als Griff.
[Illustration: Abb. 157. Reich bestickter Kannenwärmer.]
Man verziert den Kannenwärmer auf +beiden+ Seiten in der beschriebenen Weise; da solch eine Häkelei unverwüstlich ist, kann sie immer wieder verwendet werden.
Der zweite +Kannenwärmer+ (Abb. 157) zeigt einen reichen Schmuck in Flachstickerei. Er besteht aus schwarzem Tuch, hat ebenfalls Mützenform und wird genau wie das andere Modell zugeschnitten und montiert. Das Muster wird mit weißem, gelbem oder rotem Ölpauspapier auf den Stoff übertragen; man stickt es am besten im Rahmen. Der Entwurf besteht aus großen und kleinen Blumen und Blättern; man kann ihn leicht von unserm Modell abzeichnen, und es kommt nicht darauf an, ob eine Blüte etwas größer oder kleiner ausfällt als auf der Vorlage; es ist wichtiger, daß das Ganze recht harmonisch sich in die Form einfügt. Man arbeitet mit bunter Wolle oder Seide, kann aber auch beide Materialien mischen. Die Verbindungen der einzelnen Stoffteile werden mit großen Knopflochstichen hergestellt. Dieser Kannenwärmer wirkt auch in starkem Leinen sehr gut; in diesem Fall muß er unbedingt waschecht bestickt werden, zum Beispiel mit Perlgarn oder waschechten, starken Seidenfäden.
[Illustration: Abb. 158. Wirtschaftsschürze mit leichter Stickerei.]
Ein praktisches Geschenk für junge Frauen und Mädchen ist die +Wirtschaftsschürze+ mit leichter Stickerei, die wir in unserer Abbildung 158 bringen. Als Grundstoff eignet sich dunkelblaues „Fuhrmannsleinen“ am besten, doch kommt auch dunkelgraues Leinen in Betracht. Sehr brauchbar ist auch englisches Lederleinen. Diese Stoffe lassen sich gut waschen und sind unverwüstlich. Man bestickt sie mit rotem, unbedingt waschechtem Perlgarn, auch weißes Garn kommt in Betracht. Graues Leinen kann man auch mit tütenblauem oder giftgrünem Garn besticken. Ziemlich auffallend, aber nicht unpraktisch sind rote Leinenschürzen; roter Stoff fällt meist sehr haltbar aus, wenn eine gute Qualität gewählt wird. Man bestickt ihn in Weiß, Tütenblau, Dunkelblau oder Schwarz. Die schmale Borte ist 3 bis 4 Zentimeter breit, die Blumen werden 10 Zentimeter hoch gehalten. Die Größe der Wirtschaftsschürze richtet sich nach der Figur der Trägerin, man rechnet im Durchschnitt eine Länge von 70 bis 75 Zentimeter, sie wird dementsprechend 60 bis 65 Zentimeter breit geschnitten. Der doppelte Bund ist 3 Zentimeter breit, der Latz oben 30 Zentimeter breit und 20 Zentimeter hoch. Die Bänder werden angeschnitten, nach unten etwas abgeschrägt, auch der Latz wird auf jeder Seite nach unten 2 Zentimeter abgeschrägt. Die Schürze ist gerade geschnitten. Sie wird mit je zwei Falten auf jeder Seite in den doppelten Bund gefaßt; der Latz wird mit je zwei nach außen gelegten Falten unter dem Bund angenäht. An den Bund werden auch die gesäumten Bänder genäht, man näht zwei Wäsche- oder Perlmutterknöpfe für die mit Knopflöchern versehenen Tragbänder an. Die Stickerei über dem unteren Schürzenrand besteht aus Zackenlinien, die in Stielstich ausgeführt werden, die länglichen Punkte hält man in Flachstich, die Blumen in langem Kettenstich, die Blättchen in Plattstich. Der etwa 15 Zentimeter breite Ausschnitt am Latz ist in derselben Weise verziert, ebenso die 12 bis 14 Zentimeter breite Tasche. Eine Stielstichreihe begrenzt den unteren und den seitlichen Saum sowie den inneren Latzausschnitt.
+Buchhüllen+ sind ein sehr beliebtes Weihnachtsgeschenk; man schützt mit ihnen sehr zweckmäßig eigene und geliehene Bücher, die man auf diese Weise auf Reisen, auf Ausflüge, auf Spaziergänge mitnehmen kann, ohne ihnen Schaden zuzufügen. Wir zeigen auf unserer Abb. 159 drei sehr hübsche, einfache Modelle in Kreuzstichtechnik, die noch „ganz zuletzt“ ohne viel Mühe und Kosten angefertigt werden können.
Sie stammen aus Beyers Handarbeitsbüchern, Band 22, Kreuzsticharbeiten, Heft 3. Die Hüllen werden bestickt; ihre Größe beträgt durchschnittlich 20 zu 30 Zentimeter. Man verwendet dazu ein Stück Stoff von 22 Zentimeter Höhe und 40 Zentimeter Breite. Wenn die Stickerei ausgeführt worden ist, wird das Futter gegengenäht; je 5 Zentimeter der Breite werden als Tasche nach innen geklappt und oben und unten mit kleinen Stichen dem Deckel angenäht. Die Stickerei muß mit kleinen Stichen hergestellt werden, so daß ungefähr sechs Stiche auf 1 Zentimeter kommen. Die linke Buchhülle ist auf terrakottafarbenem Leinen auch über dem Buchrücken mit schwarzem Twist gestickt. Die erste Zickzacklinie ist hellblau gehalten; das Futter ist aus dem Oberstoff hergestellt. Die mittlere Hülle wird aus holzbraunem Leinen mit braunem Satinfutter gearbeitet. Außer den kleinen Dreieckformen in moosgrünem Twist ist die Stickerei schwarz gestickt. Zur dritten Hülle wurde graublaues Leinen verwendet; die Ecken sind lavendelblau bestickt, die Randlinien schwarz und blau; das Futter besteht aus blauem Satin.
[Illustration: Abb. 159. Drei Buchhüllen mit Kreuzstichstickerei.]
Häufig bietet sich gerade zu Weihnachten Gelegenheit, Fernerstehenden eine kleine Aufmerksamkeit zu erweisen; sie darf nicht viel kosten, soll eigentlich nur zeigen, daß man auch an diese oder jene Persönlichkeit in liebenswürdiger Weise gedacht hat, und eine Art freundliches Gedenken bezeichnen.
Da ist zum Beispiel die alte oder junge Hausschneiderin, die noch schnell das neue Festkleid genäht hat; da sind alleinstehende Tanten und Hausfreundinnen, die zum Heiligen Abend eingeladen worden sind. Für sie soll noch eine Kleinigkeit fertig werden. Was kann man wählen?
[Illustration: Abb. 160. Stecknadelfisch.]
Da wäre ein niedlicher Stecknadelfisch (Abb. 160), eine praktische Handarbeit, die bestimmt nicht viel Mühe macht. Die Grundform wird auf Papier gezeichnet. Dann erst schneidet man sie von kräftigem Stoff und zuletzt von dem des Überzugs, etwa grauem Samt oder Seide, aus. Die Länge beträgt 20 Zentimeter, an der dicksten Stelle 8 Zentimeter für eine Hälfte. Ist die Grundform zugeschnitten, zeichnet man Kopf, Maul und Augen mit einigen geraden Strichen auf; zu den Schuppen schneidet man bogig geformte Pappdeckelstückchen in drei Größen und zeichnet sie auf dem Stoff nach, indem man am Kopfe die größten, ungefähr sechs Reihen, nimmt, hierauf die mittleren und gegen das Ende die kleinsten. Dann näht man die Form zu, füllt sie fest mit trockenem Sand und zieht den Außenstoff darüber. Zuletzt werden, der Vorzeichnung folgend, Stecknadeln eingesteckt, und zwar Kopf an Kopf. Auch hier nimmt man drei Größen: die stärksten für den Kopf und die ersten sechs Reihen, die zweite Größe für das Mittelstück, die kleinsten für den Schwanz. Zu den Flossen braucht man längere Stecknadeln. Man steckt diese nur so tief, daß man die richtige Form bekommt, wie aus der Abbildung ersichtlich ist. Haupterfordernis ist, nicht damit zu sparen; man braucht eine ganze Menge Nadeln.
[Illustration: Abb. 161. Schere mit Fingerhutbehälter in Form einer Nelke.]
Ein ähnliches Geschenk ist die +Schere+ mit dem +Fingerhutbehälter+ in Form einer +Nelke+. Das ist etwas sehr Praktisches, was auch jungen Mädchen viel Spaß machen wird. Man nimmt ganz wenig Maschen auf und häkelt die Blume, deren Kelch den Fingerhut enthalten soll. In Hochrot, Bischofslila, Pfauenblau, Orange wirkt die Blüte am besten. Statt des Stiels wird eine doppelte Schnur aus Luftmaschen gehäkelt, an der die große oder kleine Schere, natürlich in diesem Fall keine Nagel-, sondern eine +Schneider-+ oder +Stickschere+, befestigt wird. Dieses Geschenk, vielleicht zusammen mit dem Stecknadelfisch, ist eine sehr geschmackvolle Aufmerksamkeit, die in Jungmädchenkreisen sicherlich Anklang finden dürfte (Abb. 161).
Etwas ganz besonders Hübsches ist das +Kinderkleid+ (Abb. 162), das von jungen Tanten und Patinnen bestimmt in die engere Wahl gestellt werden wird, auch die „große“ Schwester wird dafür Verwendung finden.
[Illustration: Abb. 162. Gesticktes Kinderkleidchen, nach einem Entwurf von Ida Blell, Berlin.]
Den eigenartigen Schnitt des Leibchens kann man nach der Abbildung mit Hilfe des Körpermaßes leicht ausprobieren. Die Stickerei, stilisierte Blätter und Blüten, wird mit geteilter rosa Waschseide fast durchweg im Linienstich ausgeführt. Man arbeitet dabei immer rings um eine Musterfigur, ein Blatt oder eine Blume, mit Vorstichen, dann zurückgehend ebenfalls mit Vorstichen ringsum, indem man jetzt die rosa Vorstiche auf die Nadel nimmt und die leeren Stellen überspannt. Das Röckchen ist etwa 180 Zentimeter weit; die Länge kann verschieden sein. Der Saum ist 3 Zentimeter breit; er wird als Lochsaum mit rosa Seide ausgenäht. Man kann das Leibchen rückwärts in gleicher Länge wie an der Seite herumgehen lassen oder auch wie vorn ausschneiden. Die untere Kante, der obere Ausschnitt und die Ärmel werden mit rosa Seide umhäkelt, nachdem die Schnittkante 1 Zentimeter breit nach innen umgebogen wurde. Beim Umhäkeln führt man 2 feste Maschen in dem gleichen Stich aus und häkelt 1 bis 2 Luftmaschen dazwischen, dann wieder 1 f. M., 2 Lftm., 1 f. M. Das Röckchen muß selbstverständlich beim Ausschnitt entsprechend höher heraufgehen; die Falten oben werden mehrmals fein gezogen, worauf man die obere Kante auf der Rückseite an die Häkelmaschen annäht. Ein einfaches Spitzchen in Schiffchenarbeit schließt den oberen Ausschnitt und die Ärmel vorne ab. Der Halsausschnitt ist mit rosa Band durchzogen.
Das niedliche +Körbchen+ (Abb. 163) ist ein sogenanntes +Verlegenheitsgeschenk+, es soll nur eine kleine Aufmerksamkeit vorstellen. Man wählt ein einfaches, hübsch geformtes Körbchen aus Weiden oder Span in der Art, wie wir es auf unserem Bilde zeigen. Ist es weiß, das heißt naturfarben, so beizt man es mit einer beliebigen Holzbeize, am feinsten wirkt Grün, Braun oder Hellbraun. Dann reiht man große, gleichmäßige Glasperlen auf einen starken Faden und befestigt ihn an der Korbwand, wie wir es auf unserem Bilde sehen. Diese Perlen sind in zwei Farben gehalten, in Dunkelblau und Gelb, wie Bernstein getönt; es sind sogenannte böhmische Glasperlen, die sich für solche Zwecke sehr gut eignen. Solch Körbchen kann man als Näh- oder Stopfkörbchen herrichten, indem man ein Nadelkissen, einen Stopfer, am besten auch einen Handschuhstopfer, Garn, Twist, Wolle in den gebräuchlichsten Farben, einen Fingerhut, vielleicht auch eine Schere darin verteilt. Es genügt aber, wenn man es als Schlüsselkörbchen bestimmt und zunächst mit Süßigkeiten füllt.
[Illustration: Abb. 163. Körbchen aus Span mit Glasperlen.]
Zum „Füllen“ eignet sich auch die +Spanschachtel mit Handmalerei+, die als Kragenbehälter sicherlich Gefallen finden dürfte (Abb. 164). Man bemalt sie mit Temperafarben; der Grund ist Kobaltblau, die großen Blumen an den Wänden sind abwechselnd feuerrot mit gelber Mitte und schwefelgelb mit grüner Mitte gehalten. Blätter und Stengel sind grasgrün. Der Deckel zeigt große Blumen, die dicht nebeneinanderstehen. Sie sind abwechselnd orange und schwefelgelb, zinnober- und karminrot, mit abstechender Mitte und Punkten in Grün und Gelb, die Punkte sollen die Staubgefäße andeuten. Alle Blüten sind schwarz umrandet. Die Spanschachtel wird stark glänzend lackiert, die Tempera- oder Guaschfarben, die zum Malen verwendet werden, hält man dickflüssig. Diese starkgetönte Spanschachtel eignet sich besonders zum Verpacken von Süßigkeiten, die nach auswärts geschickt werden sollen. Auch zum Julklapp ist sie gut zu gebrauchen. Man kann eine Menge Kleinigkeiten, dicht umhüllt, hineinpacken, Strümpfe, Handschuhe, Kragen, Taschentücher, ein passendes Geschenk für jüngere Herren.
[Illustration: Abb. 164. Spanschachtel mit Handmalerei.
Entwurf und Ausführung: Else Levin, Berlin.]
57. Weihnachtliches Allerlei
Zum Weihnachtsfest regen sich die Hände der mehr oder weniger fleißigen Haustöchter mit besonderem Eifer. Nicht nur die Handarbeiten spielen schon wochen-, sogar monatelang eine wichtige Rolle im Backfischleben, es gibt noch mancherlei anderes, was ebenso ernsthaft vorbereitet werden muß.
[Illustration: Abb. 165. Christbaumschmuck aus Oblaten.]
Da ist zum Beispiel der +Schmuck der Weihnachts-+ und -- ein wenig später -- der +Silvestertafel+. Aber das letztere ist ein Kapitel für sich. Und der +Christbaum+ und sein +Schmuck+, das ist eigentlich etwas, was in jeder Familie traditionell behandelt wird. Wo nur Erwachsene oder Halberwachsene das Weihnachtsfest gemeinsam feiern, dürfte die Tanne im Schmuck weißer Kerzen, die Zweige mit Engelshaar verhangen, ohne jede weitere Verzierung, am liebsten gesehen werden. Wo Kinder unter dem Christbaum stehen, wird man vielleicht etwas weniger feierlich sein und bunte Lichte, versilberte und vergoldete Nüsse, Äpfel, Zuckerzeug und Pfefferkuchen an den grünen Zweigen anbringen, damit es am +Dreikönigstag+ etwas zu „plündern“ gibt. Und wer noch ein wenig weiter gehen will, der hängt +bunte Weihnachtsbildchen+ und +Papierketten+ und vor allem recht farbige +Papiernetze+ und +Körbchen+ an den Christbaum, und in den Netzen und Körbchen schaukeln sich Pfeffernüsse und kleine Steinpflaster, das übliche Weihnachtsgebäck, das auch die Großen nicht verschmähen. Ja, man kann solch einen Christbaum so lieb und lustig ausschmücken, daß ihn die Kinder ihr ganzes Leben lang nicht vergessen und daß sich in ihrem späten Alter die Erinnerung an Jugendseligkeit und Kinderglück immer wieder um den brennenden Lichterbaum drängt. Der Christbaum, strahlend im Kerzenschein, der Inbegriff aller Seligkeiten!
Wie leicht ist es, solchen fröhlichen +Christbaumschmuck+ selber herzustellen; an einem Abend kann man die ganze bunte Herrlichkeit hervorzaubern.
Wie macht man ein Netz? Man faltet ein quadratisches Stück durchgefärbtes, ungummiertes +Buntpapier+ wie ein Taschentuch, dann nochmals diagonal. Dann schneidet man mit einer scharfen Schere parallel dem unteren Rand in ganz schmalen Abständen einmal von rechts und einmal von links bis fast an den gegenüberliegenden Rand. Wenn man es auseinanderfaltet, durch die äußeren Ränder einen festen Faden zieht, ist das Netz fertig. Man legt eine bronzierte Nuß, einen kleinen Pfefferkuchen hinein und hängt das bunte Netz an einen Zweig.
+Papierketten+, die um den Christbaum geschlungen werden, macht man aus Papierstreifen; man benutzt dazu durchgefärbtes, ungummiertes Buntpapier. Es wird 1 Zentimeter breit, 6 Zentimeter lang geschnitten und zum Ring geklebt. Durch diesen Ring zieht man einen Streifen, klebt diesen wieder zu einem Ring und so weiter, so lang man die Kette haben will. Je bunter sie ist, desto hübscher wirkt sie, darum kann jedes einzelne Kettenglied in einer anderen Farbe gehalten sein.
Sehr einfach in der Herstellung ist auch der +Christbaumschmuck+ aus +Oblaten+, den wir in Abb. 165 zeigen.
Einige Vorsicht ist bei dieser Arbeit indessen notwendig, da Oblaten leicht zerbrechlich sind. Als Unterlage dient ein farbiges Kartenblatt. Auf diesem ordnet man die Oblaten zu Figuren, und zwar nach Belieben in einer oder auch in mehreren Farben. Zum Ausstechen kann jede scharfrandige Metallhülse dienen, zum Beispiel eine Bleistifthülse oder eine leere Patrone. Als Klebstoff eignen sich dickflüssige Zuckerlösung, Gummiarabikum oder Mehlkleister. Die unteren Scheibchen bleiben, wie sie sind, und werden nur dachziegelartig übereinandergeschoben. Für die aufgesetzten Sterne teilt man die Scheibchen mit einem Messer in Hälften beziehungsweise Viertel. Wer sehr geschickt ist, kann auch die Kartonunterlage weglassen.
[Illustration: Abb. 166. Weihnachtsleuchter.]
Nun zur +Weihnachtstafel+, für die ein besonderer Schmuck ausgedacht werden muß, denn wenn den Kleinen zuliebe vielleicht die feierliche Note des Festes ein wenig gemildert und zurückgedrängt wird und der +Tannenbaum+ ein buntes Aussehen bekommt, so muß die +Weihnachtstafel+, an der die Großen herrschen, desto ruhiger und würdiger geschmückt werden. Der Christbaum und die aufgebauten Geschenke, all dies soll den Kindern gehören, die Erwachsenen aber sollen die „Heilige Nacht“ +feiern+, und darum muß die Weihnachtstafel in Grün und Weiß gehalten sein, strahlender +Kerzenschein+ und +Tannenzweige+, und dazwischen flimmerndes +Engelshaar+.
Wer geschickt ist, kann jeden Leuchter in einen +weihnachtlichen Kerzenhalter+ umwandeln; wir zeigen auf unserer Abb. 166 solch einen feierlichen Lichthalter. Ständer und Arme sind dicht mit Tannengrün umkleidet, Lametta ist darübergelegt, und den Abschluß bilden die brennenden, dicken weißen Kerzen. Weiße Lichte wirken am schönsten, es wird wohl niemand auf den Gedanken kommen, dafür +bunte+ Kerzen zu verwenden; nur echte, gelbliche Wachskerzen kämen dafür in Betracht, wie sie in der Kirche brennen.