Chapter 4 of 14 · 3581 words · ~18 min read

Part 4

Alle jungen Mädchen schwärmen für Parfüm, für Duftstreuer und ähnliche angenehme Dinge, die, mit Geschmack und Vorsicht angewendet, sicherlich keine Gegner haben dürften. Am feinsten wirkt es, wenn man im Kleider- und Wäscheschrank, in den Kommodenschubladen und in der Hutschachtel ein paar Duftbeutel verteilt, die möglichst leicht und unauffällig parfümiert sind, und die den Duft gleichmäßig auf die verschiedenen Gegenstände übertragen. +Handschuhe+, +Taschentücher+, +Halstücher+, +Schals+, +Wäsche+, +Bänder+ können in dieser Art parfümiert werden, wenn man nur den „richtigen“ Ton trifft. Am geschmackvollsten sind all die Düfte, die uns die Natur bietet; da sind +wilde Kräuter+, wie +Thymian+ und +Rosmarin+, +Waldmeister+ und +Lavendel+, deren Geruch zart und angenehm ist und außerdem den Vorzug hat, die Motten fernzuhalten. Da sind die +jungen Triebe+ der +Nadelhölzer+, die, im Mai gesammelt, sehr aromatisch duften und lange vorhalten. In alten Gärten gibt es +Zentifolien+, deren Blüten, am frühen Morgen gepflückt, schon von unsern Urgroßmüttern als Duftspender im Kleider- und Wäscheschrank beliebt waren. Sie hatten ein einfaches Verfahren dafür: In eine festschließende Porzellandose oder in einen „Potpourri“ wurden die vorsichtig gepflückten Zentifolienblätter gelegt, je eine Lage Blütenblätter und darauf eine Lage Salz, zum Schluß kam eine Lage Salz. Wenn diese Mischung fest verschlossen, ungestört, möglichst im Finstern einige Wochen gestanden hatte, wurde die Dose geöffnet, und ein feiner Rosenduft erfüllte den Raum. Man sagte, erst wenn die Rosenzeit vorüber sei, dürfe der Dufttopf geöffnet werden, so lange dauere es, bis der Duft „fest“ geworden sei. Er hielt sich bis zur nächsten Rosenzeit, dann wurden wieder junge Zentifolienblüten gepflückt, und die Duftflasche, der „Potpourri“, gefüllt. Aber auch ohne Salz läßt sich der Duft der Zentifolie festhalten, nicht so lange, aber wenigstens für ein paar Wochen, wenn die Blütenblätter im Riechbeutel aufbewahrt werden.

[Illustration: Abb. 46. Körbchen mit duftenden Rosen.]

+Riechbeutel+ und +Riechkissen+ sind immer beliebt, immer modern; man stellt sie aus Seidenresten her, verziert sie mit leichten Stickereien, verschließt die Beutelchen mit schmalen Seidenbändchen. Die Füllung besteht aus parfümierter, nicht zu feiner Kleie, da sie sonst leicht durch das Gewebe hindurchdringt. Man legt die Beutel in +Schubladen+ und +Kartons+, zwischen +Briefpapier+, in +Taschentuch-+, +Band-+ und +Spitzenbehälter+ und hängt die Beutel in den +Schränken+ und +Fächern+ auf.

In den Drogerien gibt es Duftextrakte, die für Riechbeutel bestimmt sind, unter anderm eine Pflanzenwurzel, die wenig bekannte +Veilchenwurzel+, die einen feinen Duft hat, der ziemlich lange vorhält. Diese +Veilchenwurzel+ kann man im Mörser zerstoßen und mit dem Mehl die Beutel und Kissen füllen.

Eine Neuerung, die indessen eigentlich eine Wiederbelebung einer alten Mode ist, ist die +Seidenblume+, deren Kelch aus einem Riechbeutelchen oder Kissen besteht. Solch kleine Handfertigkeit sieht sehr hübsch aus und ist sehr praktisch.

Noch reizender ist ein „+Körbchen mit duftenden Rosen+“. Das Körbchen besteht aus einem beliebigen Geflecht, in jedem Haushalt dürfte sich solch kleines Körbchen finden. Man frischt es auf, wenn es verstaubt oder verbogen ist, meist kann man es mit einer Bürste und Sodawasser reinigen, und die Farbe, wenn es nötig ist, mit Spiritusbeize erneuern.

Sehr geeignet sind die zierlichen japanischen Körbchen, auch Strohkörbchen passen dafür. Wir zeigen auf unsern Bildern ein +Körbchen mit Duftrosen+ (Abb. 46) und die Rose in ihren Einzelheiten (Abb. 47), damit sie nachgearbeitet werden kann.

Jede Rose kann einzeln herausgenommen werden, ihre Kelchfülle umgibt das Duftbeutelchen, es ist der „Halt“ der Blume, auf dem sie liegt. Man füllt den Beutel in der bereits beschriebenen Weise, doch hüte man sich vor dem Versuch, jede Rose mit einem andern Duft zu parfümieren. Das wäre sehr geschmacklos! Die Rosen werden aus Glasbatist hergestellt, man verwende möglichst zwei Schattierungen, zum Beispiel Rosa hell und dunkel, Lila hell und dunkel, Gelb hell und dunkel, entweder mit hellerem Innenteil oder umgekehrt. Das Kelchbeutelchen soll grün sein. Am hübschesten wirkt das Körbchen, wenn es etwa 15 mal 6 Zentimeter groß ist und mit vier Rosen gefüllt wird. Für jede Rose braucht man fünf innere und vier äußere Blütenblätter in je zwei Schattierungen der gleichen Farbe, also etwa fünf hellrosa und vier dunkelrosa Blättchen; Altrosa wirkt besonders fein, auch Lachsrosa, wie die altmodischen Rosen gefärbt sind.

[Illustration: Abb. 47. Einzelansicht einer Rose mit gefülltem Beutelchen.]

Man schneidet Stoffquadrate von 15 Zentimeter Größe, legt sie zum Dreieck zusammen und kneift den dadurch entstandenen Rand schmal um, was auf unsrer Zeichnung (Abb. 49) gezeigt wird. (Muster eines Rosenblattes.) Nun faltet man das Blättchen, das dadurch aus doppeltem Stoff besteht, ein und legt nach der unteren Spitze zu seitlich je zwei bis drei Fältchen ein, faßt diese unter der Spitze gemeinsam mit dem umgerollten Rande zusammen und näht sie mit ein paar Stichen fest. Sind genügend Rosenblätter vorhanden, so zieht man für das Innere der Blüte ein Streifchen Stoff kraus zusammen, legt die Rosenblätter darum, so daß eines stets zur Hälfte das andre deckt, gibt ihnen durch Druck und Kniff eine hübsche Form und näht sie mit leichten Stichen zusammen.

[Illustration: Abb. 48. Muster für das zugleich den Blumenkelch bildende Beutelchen.]

[Illustration: Abb. 49. Muster eines Rosenblattes.]

Zum Duftbeutelchen schneidet man grüne, 20 Zentimeter große Quadrate und reiht sie wie auf der Abb. 48 mit kleinen Stichen aus grünen Seidenfäden in der angegebenen Weise ein. Man füllt den auf diese Art entstandenen Beutel mit beliebigem Duft. Der Faden wird nun, nicht zu fest, zusammengezogen, dadurch bilden sich außer dem Beutelchen die vier überstehenden Kelchblätter. In die obere Mitte schiebt man die Rose, zieht den Faden fest an, wickelt ihn mehrmals herum, und näht damit gleichzeitig die Rose fest an. Den umgewickelten Faden bedeckt man, indem man ein schmales, grünes Seidenbändchen darüber legt. Man füllt das Körbchen mit vier Rosen, gibt ihnen eine Einlage aus Holzwolle oder Watte und bedeckt diese mit grünem Seidenpapier. Mit grünem Seidenband wird der Korbhenkel verziert, den Abschluß bildet eine flotte Schleife. Solch Körbchen ist für den Toilettentisch bestimmt, man kann auch einzelne Rosen verwenden, indem man sie an die Kleiderbügel hängt oder einzeln in Schubladen und Schränken verteilt. Im Jungmädchenzimmer werden solche Duftrosen sicherlich sehr beliebt sein, aber auch die Erwachsenen werden sich ebenso sehr darüber freuen; solch Körbchen ist zum Beispiel ein sehr passendes Geschenk „für die neue Wohnung“, nur dürfen diese feinen Rosen nicht gleich dutzendweise auftreten.

13. Wollpüppchen

Von Zeit zu Zeit tauchen als eine Art Spielzeug mehr oder weniger geschmackvolle Wollpüppchen auf. Die große Wollmode der letzten Jahre brachte Wollpüppchen, die, praktisch verwendbar, einen Industriezweig bildeten, der sich bisher immer mehr ausbreitete. Immer neue Formen werden erdacht, um dieses neue Kleinkunstgewerbe weiter auszugestalten, für viele Frauen bildet es einen Erwerbszweig. Die Verwendungsmöglichkeit der Wollpüppchen ist sehr vielseitig, man verziert damit Tisch- und Speisefolgenkarten, man bringt sie auf Eierwärmern, Flaschenkorken, Nähkissen, Fingerhutbehältern an, sie ersetzen die üblichen Fliegenbälle und werden an Buchzeichen angebracht; bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß es durchaus nicht geschmackvoll wirkt, wenn in einem Zimmer zuviel Wollfigürchen ausgestellt sind.

[Illustration: Abb. 50. Der Werdegang eines Wollpüppchens.]

Die Herstellung ist meist sehr einfach, es gehört indessen viel Geschmack und Farbensinn dazu, um hübsche Modelle hervorzubringen.

Zu ihrer Anfertigung ist zunächst eine Grundform aus feinem Draht nötig. Unsre erste Abbildung (Abb. 50) läßt ganz deutlich erkennen, wie er gespannt und umwickelt werden muß. Für den Kopf legt man mehrfach rosa Watte um die oberste Drahtschlinge, spannt ein Stückchen weißen Mull darüber, dreht ihn fest um den Wattebausch und näht ihn sauber zusammen. Das Überstehende wird weggeschnitten. Die Naht verdeckt man durch die Haare, die in Zephirwolle mit ungleich langen Plattstichen ausgeführt werden, wie die Abbildung zeigt. Zöpfe und hohe Frisuren bestehen aus Luftmaschenketten; für Locken zieht man die Wolle gleichmäßig durch und läßt immer eine kleine Schleife stehen. Augen, Nase und Mund werden durch kleine Stiche in feinem schwarzen und roten Garn angedeutet. Dann wird das ganze übrige Drahtgestell fest mit Wolle umwickelt, wobei die Schlingen der Arme und Füße einzeln vorzunehmen sind. Letztere führt man stets in rosa oder fleischfarbener Wolle aus. Die Körperformen müssen der Natur entsprechen, sie dürfen nicht gleichmäßig dick oder dünn sein. Zum Hals und Nacken spannt man die Fäden kreuzweise, dann wickelt man sie fest um den Oberkörper. Die Bekleidung der Püppchen läßt die größte Freiheit hinsichtlich des Geschmacks und der Formen zu. Unsre Abbildungen, die dem Heftchen „Wollblumen und andres“ (Verlag +Otto Beyer+ in Leipzig) entnommen sind, geben sehr nette Anregungen dazu.

Die auf den +Tischkarten+ unsres zweiten Bildes (Abb. 51) angebrachten 5 bis 6 Zentimeter hohen Figürchen stellen einen blau und weiß gekleideten +Ruderer+, eine +Kolombine+ in Weiß und Rot, einen unternehmenden +Wintersportler+ in rotem Gewande und weißem Schal und endlich eine flotte +Tänzerin+ in orangefarbenem und grünem Kleidchen dar. Die Püppchen stehen auf einer Ecke der 10: 4,5 Zentimeter großen Karten. Der Draht des einen Beines wird durch das Papier gezogen, auf der Rückseite zu einem Ring gebogen und mit einem runden Blättchen Papier überklebt.

Die in der letzten Abb. 52 auf dem +Eierwärmer+ tanzende Schöne trägt blonde Locken mit eingesticktem blauen Kränzchen; das Röckchen bilden 2 Zentimeter lange rosa Wollschlingen, das Leibchen und die kurzen Ärmelchen sind rund gewickelt. Der Eierwärmer wird mit einem Ring aus zwei bis drei Luftmaschen in rosa Wolle angefangen, in den sechzehn langgezogene Stäbchen geschlungen werden. Zweite Runde: mit blauer Wolle abwechselnd eine feste Masche in ein Stäbchen, eine Luftmasche. Dritte Runde: rosa, abwechselnd eine feste Masche in eine feste Masche der vorigen Runde, eine Luftmasche. Vierte bis dreizehnte Runde: Blau und Rosa wechselnd, wie die dritte Runde; doch von der sechsten Runde an werden statt einer Luftmasche zwei Luftmaschen gemacht. Mit der dreizehnten Runde in Rosa schließt die Form ab.

[Illustration: Abb. 51. Tischkarten mit Wollpüppchen.]

Der +Flaschenkork+ (Abb. 52, rechts) ist mit einer +Japanerin+ geziert, die 6,5 Zentimeter groß ist. Die hohe schwarze Frisur schmücken zu beiden Seiten angebrachte Blumen aus bläulich-rosa Wollschlingen. Das Kleid ist in Kimonoform gehalten. Zuerst häkelt man zum Rock in blaurosa Wolle einen Ring aus fünfzehn Luftmaschen, dessen Fadenenden man in der Taille befestigt. Durch die hinteren Glieder der Luftmaschen spannt man zur Taille und zurück blaue, gut 2,5 Zentimeter lange Fäden, ebenso für die Ärmel bis zum Ellbogen. Der Ärmelrand, der Halsausschnitt und der Gürtel, der rückwärts in Schleifen gebunden ist, sind aus rosa Wolle. Zum Schirmstock wird ein 6,5 Zentimeter langes doppeltes Stückchen Draht durch die rechte Hand gesteckt, die Enden werden zum Griff umgebogen und mit schwarzer Wolle umwickelt; zur Verzierung dient eine schwarze Schleife aus Luftmaschen. Das Schirmdach wird mit einem kleinen Luftmaschenring in dottergelber Wolle begonnen. Darein häkelt man siebzehn langgezogene Stäbchen. Die nächste und zugleich letzte Runde: je eine feste Masche in ein Stäbchen, eine Luftmasche; dabei häkelt man einen fein umwundenen Draht mit ein und näht alsdann das Dach am Stockende fest. Das Püppchen wird auf dem Kork befestigt, indem man den Draht des rechten Fußes durch die Metallscheibe und den Kork zieht und mit einem Knoten abschließt.

[Illustration: Abb. 52. Eierwärmer und Flaschenkork mit Wollpüppchen.]

14. Die Zupfpuppe

Die Selbstherstellung von Puppen dürfte für jedes junge Mädchen ein besonderer Anreiz sein, weil mit dieser Kunstfertigkeit andern viel Vergnügen bereitet werden kann. In jeder Familie gibt es Kinder, und wer besonders geschickt und erfinderisch in der Anfertigung hübscher Puppen ist, wird bald in den weiteren Kreisen einen Namen als Puppenkünstlerin bekommen und in Anspruch genommen werden. Nicht nur zu Weihnachten und zu Geburtstagen kann man seine Fähigkeiten ausnützen, es findet sich immer wieder eine Gelegenheit, Kinderheime, Ferienasyle zu beschenken, dafür sind diese selbst hergestellten Puppen sehr angebracht, und man wird sie umso lieber anfertigen und annehmen, als die Herstellungskosten sehr gering sind. Man verwendet eigentlich nur Abfälle; die Hauptsache ist dabei: ein wenig Zeit übrig haben und mit Lust und Liebe nachdenken, wie man die Puppe recht praktisch ausführen kann. --

Es kommt vor allem darauf an, daß sie beweglich ist, daß sie nicht gleich entzwei geht, daß sie auch mal tüchtig naß werden kann und daß keinerlei giftige oder gesundheitsschädliche Materialien dazu verwendet werden dürfen.

[Illustration: Abb. 53. Zupfpuppe.]

Wir zeigen auf unserm Bilde (Abb. 53) das Modell einer +Zupfpuppe+, wie sie sein soll, die sehr leicht nachzuarbeiten ist: +Grobe Sackleinewand+ wird in die einzelnen Fäden zerzupft; alle Fäden müssen doppelt so lang sein, wie die Puppe hoch sein soll. Dann macht man durch Zusammenlegen dieser Fäden einen Strang, er muß so dick wie ein Bein der Puppe sein. Diese Fäden dreht man ganz fest zusammen und legt sie auf die Hälfte. Aus dem oberen Teil arbeitet man den +Kopf+, der mit einem Zwirnfaden abgebunden wird. Man polstert den Kopf mit Watte aus und bezieht ihn mit einem viereckigen Stück +Hemdentuch+, das auch die Schultern bedecken soll. Die +Arme+ werden ebenfalls aus je einem Strang hergestellt. Man legt die Bündel in Schulterhöhe an und fängt nun an, kreuzweise von der linken Hüfte zur rechten Schulter zu wickeln, dann umgekehrt die andre Seite, so fest wie möglich, damit die Puppe nicht nur beweglich, sondern auch haltbar wird. Schließlich umwickelt man die +Arme+ mit Perlgarn oder Wolle, nicht ganz bis zum Ende, sondern läßt die inneren Fäden als +Hände+ stehen. Nun bewickelt man den +Rumpf+ und jedes +Bein+. Soll die Puppe +Füße+ haben, so wird eine Haarnadel mit eingewickelt, in der Art, daß in jedem Bein eine Nadel enthalten ist. Das unterste Ende der Nadel biegt man als +Fuß+ um und umwickelt diesen bis zur Spitze recht sorgfältig, damit der Draht sich beim häufigen Gebrauch der Puppe nicht frei machen kann. +Schuhe+ und +Strümpfe+ wickelt man mit andersfarbigem Perlgarn oder mit Wolle. Schließlich malt man das +Gesicht+ mit Wasserfarben an: rosa +Wangen+, einen roten +Mund+, die +Nase+ wird durch hellbraune Nasenlöcher angedeutet, die auch weggelassen werden können, blaue +Augen+ können gepinselt oder durch Perlen ersetzt werden, braune +Augenbrauen+ werden angemalt. Braune oder schwarze +Haare+ stellt man aus Wollfäden her, die in den Kopf eingezogen werden. Man kann auch dicke Seiden- oder Perlgarnfäden verwenden, es gibt verschiedene Farben, vom hellsten Blond bis zum tiefsten Braun in Wolle, Garn und Seide.

Als +Bekleidung+ kommen +Hemdhöschen+ oder +Kimonokleidchen+ in Betracht. Unser Modell hat ein niedliches Kleidchen mit farbiger Stickerei an, sogar ein +Gürtel+ aus Kordonettseide, der an beiden Seiten in Ösen läuft und seitlich zu einer feschen Schleife verknüpft ist, ist vorhanden. +Halsausschnitt+ und +Ärmel+ sind mit bunten Stichen gesäumt. Für die Puppenkleidung kann man indessen jeden farbigen Waschstoffrest verwenden, der gerade vorhanden ist, wenn er halbwegs „kindlich“ wirkt. Kleingeblümte, gepunkte, gesternte und gestreifte oder kleinkarierte, möglichst farbige Stoffe eignen sich am besten dazu. Unser Modell trägt braune +Wollfädenschuhe+, die +Strümpfe+ sind aus blauen Fäden gewickelt, je nach Belieben wird ein passendes Material, Wolle, Garn, Perlgarn, starke Seide verwertet.

Will man eine +Puppe+ für +kleine Kinder+ herstellen, so genügt es, sie nur bis zur Taille mit buntem Garn oder mit farbiger Wolle zu umwickeln, um auf diese Weise eine Bluse anzudeuten. Ein krauses Stoffröckchen wird angenäht, auf dem das Püppchen stehen müßte, da der untere Teil des Rumpfes an dieser Puppe fehlen würde.

Für größere Kinder, die schon mit Verständnis spielen, ist die „vollständige“ Puppe, wie wir sie auf unserm Bilde zeigen, indessen empfehlenswerter, sie hält viel aus, kann hingesetzt werden, Arme und Beine sind beweglich, und so ersetzt sie eine gekaufte, teure Puppe, wenn sie in die Hände eines echten, rechten Spielkindes gerät.

15. Lochstickerei

Die Lochstickerei ist wie alle +Weißstickereien+ nur denen zu empfehlen, welche die Technik wirklich beherrschen. Bei andern Arbeiten entscheidet nicht zuletzt die Farbigkeit über den Erfolg der Stickerei, geschickt gewählte Töne täuschen über kleine Stichfehler hinweg. Bei der +Lochstickerei+, die, wenn sie unbedingt geschmackvoll wirken soll, eine Weißstickerei sein muß, kommt es vor allem auf die tadellose Technik an. Jeder holperige Stich ist deutlich zu sehen; was nutzt der feinste Stoff, wenn der Linienschwung fehlt, wenn der Grund sich kräuselt. Es ist vorteilhaft, mit kleinen Arbeiten zu beginnen, mit einfachen Mustern anzufangen.

Die Verwendungsmöglichkeit für +Lochstickerei+ ist ziemlich vielseitig, am liebsten verwertet man sie für +Leibwäsche+, wo sie sich als durchaus praktisch erweist. Sie hält häufiges Kochen und Waschen aus, und eher zerreißt schließlich der Stoff als die Stickerei. Darum zieht man sie vielfach der Spitze vor, darum behauptet sie sich neben den neuen und neuesten Techniken. Eine gute Weißstickerei wird nicht so leicht unmodern; im Haushalt weiß man ihre Vorzüge zu schätzen.

Sie eignet sich besonders zur Verzierung von Bettwäsche, Überschlaglaken, Kopfkissen; Bezüge werden mit Lochstickerei bestickt, für Säuglings- und Kinderwäsche, die besonders häufig gewaschen werden muß, eignet sie sich am besten. Häubchen und Lätzchen, Kleider, Schuhchen, Unterwäsche verziert man in dieser Art, ebenso die Leibwäsche von Erwachsenen und Backfischen, solch selbstgestickter Ausputz ist unverwüstlich.

Man stickt auf Leinen und, wenn es sich zum Beispiel um Zierdeckchen, Teller-, Klapper-, Brotkorbdeckchen handelt, auf Seide, in diesem Fall mit Seide; Weiß auf Weiß wirkt am feinsten, für diese Arbeiten kann man indessen ausnahmsweise schwarze Stickseide verwenden, die durchaus waschecht sein muß.

Für Garten- und Balkondecken und Kissen benutzt man gegenwärtig am liebsten wasch- und sonnenechte bunt gemusterte Druckstoffe, wenig Handarbeiten; hier würden Buntstickereien sehr bald verblassen und von Wind und Wetter beschädigt werden.

[Illustration: Abb. 54. Einsatzmuster.]

[Illustration: Abb. 55. Abschlußkante.]

Die Lochstickerei dürfte sich vielleicht für diese Zwecke ausnahmsweise empfehlen, wenn man sie in unbedingt waschechtem Garn auf blauem Fischerleinen oder auf grauem Leinen ausführt. Diese Stoffe sind bestimmt waschbar und den Einflüssen der Witterung fast unzugänglich, das Stickmaterial müßte sehr farbig gehalten werden, um in der Natur zu wirken. Rot in verschiedenen Tönen, Gras- und Giftgrün, Blau, möglichst grell und ungebrochen, Schwefelgelb, Apfelsinengelb, das sind geeignete Farben, während Schwarz, Braun, Bronze, Grau hierfür nicht passen. Die Technik ist bekannt; das Übertragen der Muster geschieht mit Hilfe von Blaupaus- oder Graphitpapier, auch Ölpauspapier bewährt sich recht gut. Weißes oder hellgelbes Ölpauspapier verwendet man für dunkle, rotes Ölpauspapier benutzt man für helle Stoffe. Sehr eindringlich muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß ein harter, scharf gespitzter Bleistift zum Durchpausen verwendet werden soll, damit die Umrisse möglichst scharf und dünn werden, weiche Bleistifte geben verwischte Linien, für kreisrunde Formen benutzt man Geldstücke, man kann auch mit dem Zirkel korrigieren, denn ganz tadellos werden die Kugelornamente sonst bestimmt nicht. Wenn man Klapperdeckchen und ähnliche Arbeiten aus dünnem, durchsichtigen Stoff besticken will, so genügt es, die Muster unter den Stoff zu schieben und Muster und Stoff straff zu befestigen, dann zeichnet man den Entwurf nach, ohne Zuhilfenahme von Pauspapieren, die leicht abfärben und den Grundstoff unsauber machen. Man pause recht leicht und schnell, damit das Pauspapier nicht länger als nötig aufliegt.

Weißstickereien sehen in Verbindung von Klöppelspitzen sehr fein aus, das gilt unter anderem für Kaffeedecken, Mitteldecken, Kopfkissenbezüge, Kuchenschützer, Kaffeewärmer. Auch andre Spitzen kommen in Frage, wenn sie nicht zu dünn und fein sind, man kann bei dieser Technik auch Seidenbanddurchzug verwenden; besonders gute Wirkungen werden erzielt, wenn man farbige Seide oder farbigen Satin unterlegt. Dies betrifft Kissen, Kuchenglocken, Lampenschirme, Taschentuchbehälter, Schleierordner, deren Muster dadurch stärker betont werden.

Wir bringen als Vorlagen einen Einsatz und eine Abschlußkante (Abb. 54 und 55). Diese Muster sind leicht nachzuarbeiten und vielfach verwendbar.

16. Tülldecken

+Tülldecken+ sind schließlich immer beliebt und modern; sie behaupten sich noch immer, während Filet- und Strickdecken längst wieder unmodern geworden sind. Die +Tüllarbeiten+ werden darum so gern verwendet, weil ihre Muster an keinen Stil gebunden sind; die verschiedensten Entwürfe können dafür benutzt werden, die Arbeit ist sehr angenehm, und die Wirkung stets vornehm. Tülldurchzugarbeiten gehören zu den feinen Weißstickereien, bei denen es auf das wirkliche Können ankommt, weil hier keine bunten Farben über mangelhafte Entwürfe und unordentliche Stiche hinwegtäuschen können.

[Illustration: Abb. 56. Achteckige Decke in Tüllstickerei.]

[Illustration: Abb. 57. Einzelansicht zur Stickerei der achteckigen Decke.]

Für die hellen oder dunklen glatt polierten Holzmöbel eignen sich Tülldecken ganz besonders gut, sie wirken ebenso fein auf Salontischen wie auf Kommoden, auf Nähtischen wie in Vitrinen; diese Technik erstreckt sich aber nicht nur auf +Decken+, man kann sie auch für +Kissen+, +Kuchenschützer+, +Kannenwärmer+, für +Lampenschirme+, +Sonnenschirme+, +Kleider+, +Schals+, +Taschentuchränder+, +Läufer+, +Einsätze+ und +Abschlußborten+ verwenden. Je nach der Stärke des Grundstoffes richtet sich die Stärke des Durchzugfadens, und der Grundstoff richtet sich wieder nach dem Zweck der Arbeit. Früher waren die Tüllmuster viel steifer als heute; man kannte meist nur Borten und Mittelstücke, die moderne Stickerin bringt Landschaften, Tiere, Häuser, Menschen, Blumen, Obst auf den Tüll, sie vereinfacht die Muster, ohne ihre Wirkung zu beeinträchtigen.

[Illustration: Abb. 58. Stickerei einer runden Tülldecke.]

Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 56 bis 58) einige Vorlagen, die ganz besonders geschmackvoll sind; sie lassen sich leicht nacharbeiten und stellen keine allzu großen Anforderungen an die Stickerin. Auch auf unsern Bildern handelt es sich um flotte, leicht zusammenhängende Zeichnungen; diese heftet man dem Tüll unter und zieht sie mit feinem Garn nach. Bei größeren Flächen folgt man entweder mit einfachen Stichen fünf- bis sechsmal der äußeren Linie, oder man füllt die Figur mit Gitter- und Zickzackstich vollständig aus. Die achteckige Decke (Abb. 56) mißt 42 Zentimeter im Durchmesser, doch schneidet man sie 56 Zentimeter im Durchmesser, damit der 6 Zentimeter breite Saum gleich übergeschlagen werden kann. An jeder Ecke ergibt sich eine kleine Falte; der Rand des Saumes wird mit Stielstich aufgenäht.

Die im Durchmesser 1 Meter +große runde Decke+ (Abb. 58) ist sehr reich bestickt. Die verschiedensten Modelle stellen sich uns dar: eine stolz in die Höhe ragende Burg, eine Mühle, ein Schiff auf wogender See, ein Schloß auf steilem Bergrücken, ebenso eines im Tale, dazwischen palmenartige Bäume und wolkenähnliche Gebilde. Das muß alles sehr leicht eingestickt werden, damit der Tüll sich nicht zusammenzieht. Ungefähr 10 Zentimeter vom Saume entfernt, der schmal mit der Hand genäht wird, setzt das Muster ein, das in weißem Twist ausgeführt wird. Soll die Decke einen runden Tisch zieren, fertigt man sie im gleichen Durchmesser der Tischplatte an und umgibt sie mit einem 35 Zentimeter breiten, geraden Tüllstreifen als Volant, was sehr duftig wirkt.

17. Gabelspitzen mit Häkelei