IV.
(Iwan Petrowitsch an Pjotr Iwanowitsch.)
Sehr geehrter Pjotr Iwanytsch!
Schreibe an Sie bei Ihnen, in Ihrem Zimmer, an Ihrem eigenen Schreibtisch; bevor ich jedoch die Feder ergriff, habe ich gute zweieinhalb Stunden auf Sie gewartet. Jetzt erlauben Sie mir aber, Ihnen, Pjotr Iwanytsch, in betreff dieser ganzen garstigen Angelegenheit einmal rückhaltlos meine Meinung zu sagen.
Aus Ihrem letzten Schreiben schloß ich, daß man Sie bei Sslawjänoffs erwartete und daß Sie mich quasi hinbestellten: ich erscheine also, warte geschlagene fünf Stunden, doch wer nicht kommt – sind Sie. Wie, soll ich mich zum Narren machen lassen? um fremde Menschen zu erheitern? oder was verlangen Sie von mir? Erlauben Sie, mein Herr ...
Doch weiter: ich komme zu Ihnen am frühen Morgen, in der Annahme, Sie noch in Ihren vier Pfählen anzutreffen, und ahme also nicht gewisse und gelinde ausgedrückt irreführende Leute nach, die ihre Bekannten Gott weiß wo und in welchen Lokalen suchen, während man sie zu jeder anständig gewählten Tageszeit in ihrem Heim finden kann. Doch ich hatte nicht das Vergnügen, Sie in Ihrem Hause anzutreffen. Ich weiß nicht, was mich noch immer abhält, Ihnen unumwunden die Wahrheit zu sagen. Ich begnüge mich also mit der Bemerkung, daß Sie gerade kein Mann von Wort zu sein scheinen und daß Sie Ihr Versprechen jetzt wohl zurückziehen und gewisse Verabredungen und Bedingungen anscheinend verleugnen wollen. Nach Erwägung Ihres ganzen Verhaltens mir gegenüber, kann ich Ihnen nur gestehen, daß ich mich über Ihre Schlauheit entschieden wundern muß. Denn jetzt ist es mir vollkommen klar, daß Sie diese häßliche Absicht schon seit langer Zeit hegen. Für die Richtigkeit meiner Annahme dürfte als bester Beweis die Tatsache sprechen, daß Sie sich noch in der vorigen Woche in einer nahezu unstatthaften Weise jenes von Ihnen an mich gerichteten Briefes bemächtigt haben, in dem Sie selbst – zwar ziemlich dunkel und versteckt – die Bedingungen einer gewissen, Ihnen wohl noch erinnerlichen Abmachung schwarz auf weiß niedergeschrieben haben. Sie fürchten also Dokumente, vernichten sie und wollen mich an der Nase herumführen, wie’s scheint. Das aber werde ich nicht zulassen, denn bisher hat mich noch niemand für einen Narren gehalten, vielmehr hat ein jeder nur Gutes über mich geäußert. Jetzt sind mir die Augen geöffnet. Sie wollen mich irreführen, wollen mir mit Ihren Andeutungen in betreff Jewgenij Nikolajewitschs Sand in die Augen streuen, und während ich nach Ihrem mir bis jetzt noch unverständlichen Brief vom Siebenten dieses Monats eine Aussprache mit Ihnen suche, lassen Sie mich bald hierhin, bald dorthin zu einem Stelldichein laufen, zu dem Sie selbst gar nicht erscheinen: ja ganz augenscheinlich suchen Sie sich vor mir absichtlich zu verbergen. Sie denken wohl, mein Herr, daß ich unfähig sei, Ihre Ränke zu durchschauen? Sie versprechen mir alles mögliche für meine Ihnen sehr gut bekannten Dienstleistungen, versprechen Empfehlungen an verschiedene Personen usw., indessen verstehen Sie aber in einer mir selbst rätselhaften Art und Weise es so einzurichten, daß Sie sich sogar mit dem Anschein einer gewissen Berechtigung noch Geld von mir leihen und zwar in beträchtlicher Höhe und ohne irgendwelche Sicherheiten Ihrerseits, also einzig auf geheuchelte Freundschaft hin, wie dies noch in der jüngstvergangenen Woche geschehen ist. Jetzt jedoch, nachdem Sie das Geld erhalten haben, verbergen Sie sich vor mir und scheinen überdies von jenem Dienst nichts mehr wissen zu wollen, den ich Ihnen erwiesen, indem ich Sie mit Jewgenij Nikolajewitsch bekannt machte. Vielleicht rechnen Sie auf meine baldige Reise nach Ssimbirsk und hoffen, daß es vorher nicht zur Abrechnung zwischen uns kommen werde. Doch wenn das der Fall ist, dann erkläre ich Ihnen hiermit feierlichst und bekräftige es mit meinem Ehrenwort, daß ich, wenn es darauf hinausläuft, bereit bin, meinetwegen noch ganze zwei Monate in Petersburg zu verbleiben, daß ich mein Ziel aber erreichen und Sie schon aufzufinden wissen werde. Auch ich verstehe mitunter, einem Menschen zum Trotz etwas durchzusetzen. Zum Schluß jedoch erkläre ich Ihnen, daß ich, wenn Sie mir nicht heute noch befriedigende Erklärungen geben – zunächst schriftlich, nachher mündlich, unter vier Augen – und wenn Sie mir in Ihrem Brief nicht alle die Hauptbedingungen, die zwischen uns vereinbart wurden, schwarz auf weiß bestätigen und mir endlich nicht länger Ihre Hintergedanken bezüglich Jewgenij Nikolajewitschs vorenthalten: daß ich mich dann gezwungen sehe, Maßregeln zu ergreifen, die Ihnen gewiß sehr unangenehm und auch mir nichts weniger als angenehm sein werden.
Gestatten Sie, daß ich verbleibe usw.