III.
(Pjotr Iwanowitsch an Iwan Petrowitsch.)
Teuerster Iwan Petrowitsch, bester Freund!
Verzeihen Sie, verzeihen Sie, ich bitte Sie tausendmal um Vergebung, doch will ich mich ungesäumt rechtfertigen, soweit ich es kann.
Gestern, kurz vor sechs Uhr, gerade als wir in aufrichtigem Mitleid Ihrer gedachten, erschien ein Abgesandter von meinem Onkel Stepan Alexejewitsch, mit der Nachricht, daß es mit der Tante schlimm stehe. Um meine Frau nicht aufzuregen, sagte ich ihr kein Wort davon und fuhr unter dem Vorwande, etwas Unaufschiebbares vorzuhaben, zu meiner Tante. Mit dieser stand es in der Tat schlimm genug: kurz vor fünf hatte sie wieder einen Schlaganfall gehabt, den dritten im Laufe der letzten zwei Jahre. Karl Fedorytsch, ihr Hausarzt, erklärte, daß sie vielleicht nicht einmal diese Nacht überleben werde. Stellen Sie sich also meine Lage vor, verehrtester Freund! Die ganze Nacht auf den Beinen, Laufereien über Laufereien und obendrein noch Sorgen! Erst gegen Morgen streckte ich mich, völlig erschöpft, und zwar sowohl psychisch als physisch, bei meinem Onkel ein wenig auf dem Diwan aus, vergaß aber, vorher zu sagen, daß man mich rechtzeitig wecken solle, und erwachte erst um halb zwölf. Der Tante ging es besser. So fuhr ich denn nach Haus: meine Frau – nun, Sie können sich denken: die arme Seele hatte die ganze Nacht in der Ungewißheit über meinen Verbleib in begreiflicher Aufregung schlaflos zugebracht. Ich nahm ein paar Bissen, küßte das Kind, beruhigte meine Frau und begab mich zu Ihnen. Sie waren nicht zu Hause. Statt Ihrer traf ich bei Ihnen Jewgenij Nikolajewitsch an. Dann kam ich nach Haus zurück und jetzt sitze ich und schreibe an Sie. Murren Sie nicht und ärgern Sie sich nicht über mich, mein bester Freund! Schlagen Sie, fällen Sie mir meinetwegen das schuldige Haupt von den Schultern, nur entziehen Sie mir nicht Ihre Freundschaft. Von Ihrer Frau erfuhr ich, daß Sie am Abend bei Sslawjänoffs sein werden. Werde unbedingt auch hinkommen. Ich erwarte Sie mit größter Ungeduld.
Inzwischen verbleibe ich usw.
P. S. Unser Kleiner bringt uns fast zur Verzweiflung! Karl Fedorytsch hat ihm ein Abführmittelchen verordnet. Er fiebert, weint, gestern hat er niemand erkannt. Heute erkennt er uns zum Glück und stammelt wieder „Papa“, „Mama“ und schreit sein „Bu–ah“. Meine Frau ist in Tränen.