Chapter 15 of 15 · 487 words · ~2 min read

IX.

(Am 17. November erhält Iwan Petrowitsch durch die Stadtpost gleichfalls zwei Briefe. Er erbricht den ersten und entnimmt ihm einen eilig und flüchtig beschriebenen Zettel. Die Handschrift ist die seiner Frau. Adressiert ist er an Jewgenij Nikolajewitsch, geschrieben den 4. August. Außer dem Zettel enthält das Kuvert nichts weiter. Iwan Petrowitsch liest:)

Leben Sie wohl, leben Sie wohl, Jewgenij Nikolajewitsch! Möge Gott Ihnen auch dieses Gute vergelten. Werden Sie glücklich, das Los, das mir zufällt, ist grausam, grauenhaft! Es war Ihr Wille. Wäre Tantchen nicht gewesen, ich hätte mich Ihnen nicht so anvertraut. Lachen Sie nicht über mich, und auch nicht über Tantchen. Morgen werden wir getraut. Tantchen ist froh, daß sich ein guter Mensch gefunden hat, der mich ohne Mitgift nimmt. Heute hab’ ich ihn mir zum erstenmal aufmerksam angesehen. Er ist, glaube ich, ein guter Kerl. Man läßt mir keine Zeit. Leben Sie wohl, leben Sie wohl ... Mein Liebling Sie!! Denken Sie manchmal auch an mich, ich – ich werde Sie nie vergessen. Leben Sie wohl! Ich unterschreibe diesen letzten Brief wie meinen ersten ... wissen Sie noch?

Tatjana.

(Im zweiten Brief steht folgendes:)

Iwan Petrowitsch!

Morgen erhalten Sie neue Galoschen. Ich bin nicht gewohnt, fremdes Eigentum aus fremden Taschen hervorzuholen, und ebensowenig ist es meine Art, allerlei Fetzen auf den Straßen aufzusammeln.

Jewgenij Nikolajewitsch wird in den nächsten Tagen nach Ssimbirsk reisen, im Auftrage seines Großvaters, für den er dort einiges erledigen soll, und da hat er mich denn gebeten, ihm zu einem Reisegefährten zu verhelfen. Wollen Sie nicht?

Fußnoten

[1] Bei Petersburg. E. K. R.

[2] Der Petersburger nimmt seine Hauptmahlzeit um 6 bezw. 7 Uhr nachmittags ein. E. K. R.

[3] Stadtteil von Petersburg.

[4] Vorort von Petersburg. E. K. R.

[5] „Verstand schafft Leiden“. E. K. R.

Anmerkungen zur Transkription

Die „Sämtlichen Werke“ erschienen in der hier verwendeten ursprünglichen Fassung der Übersetzung von E. K. Rahsin in mehreren Auflagen und Ausgaben 1906–1922 im Piper-Verlag. Dieses Buch wurde transkribiert nach:

F. M. Dostojewski: Sämtliche Werke. Zweite Abteilung: Fünfzehnter Band R. Piper & Co. Verlag, München, 1920. Siebentes bis zwölftes Tausend

Die Anordnung der Titelinformationen wurde innerhalb der „Sämtlichen Werke“ vereinheitlicht und entspricht nicht der Anordnung in den ursprünglichen Ausgaben. Alle editionsspezifischen Angaben wie Jahr, Copyright, Auflage usw. sind aber erhalten und wurden gesammelt direkt nach der Titelseite eingefügt.

Fußnoten wurden am Ende des Buches gesammelt.

Zu den Anführungszeichen: Gespräche wurden in doppelte Anführungszeichen („“) eingeschlossen. Die Wiedergabe von Äußerungen anderer innerhalb von Gesprächen wurde in einfache Anführungszeichen (‚‘) eingeschlossen.

Besonderheiten der Transliteration russischer Begriffe und Namen: Der Buchstabe „ä“ (oder auch „jä“) steht für den kyrillischen Buchstaben „ja“. Die Schreibweise häufig vorkommender Namen wurde vereinheitlicht (nicht verwendete Varianten in Klammern):

Newskij (Newski) Petjä (Petja) Ssergejeff (Sergejeff)

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Weitere Änderungen sind hier aufgeführt (vorher/nachher):

[S. 246]: ... ihn rückwärts auf Bett und begann ihn, wie man ... ... ihn rückwärts aufs Bett und begann ihn, wie man ...