Chapter 11 of 11 · 871 words · ~4 min read

Part 11

In die größte Lebensgefahr aber geriet ich auf dem Flusse Guaya. Ich mußte nämlich von Savanetta bis Guayaquil in einem kleinen Boote fahren (drei Tage). Während des Fahrens an die Außenseite steigend, hatte ich das Unglück auszugleiten und in den Fluß zu stürzen, der voll von Kaimans ist. Im ersten Augenblicke erschrack ich nicht so sehr, obwohl ich nicht schwimmen konnte, da ich dachte, daß die Bootsleute gute Schwimmer seien und mich gewiß augenblicklich heraus holen würden. Ich wußte auch, daß ich zweimal an die Oberfläche des Wassers käme, und sie mich derart leicht sehen könnten. Die Kaimans hatte ich ganz vergessen. Als ich aber das erste Mal an die Oberfläche kam, sah ich mich vergebens nach einem Retter um -- ich hatte gerade nur so viel Zeit, das Boot zu gewahren und zu bemerken, daß die Leute gar keine Miene machten, mir zu Hülfe zu kommen. Ich sank das zweite Mal. Nun bekam ich wohl Angst, verlor aber zum Glück die Besinnung nicht; ich wußte, daß man die Hände vor sich strecken und gleich Rudern gebrauchen müsse -- ich versuchte, was in meinen Kräften lag -- auf menschliche Hülfe hatte ich nicht mehr zu rechnen. Und siehe -- als ich zum zweiten Male auftauchte, befand ich mich unmittelbar an dem Boote; ich hatte nur nöthig, mich daran zu klammern. Die Bootsleute betrachteten dieß alles ruhig und gelassen; keiner reichte mir die Hand oder ein Ruder. Einer der Reisenden (ein Eingeborner) half mir in das Boot. Ich gestehe aufrichtig, daß, wenn ich dieser Scene gedenke, es mich heute noch kalt überläuft. Gottes Schutz schien mich auf allen meinen Reisen zu geleiten, bewahrte mich in zahllosen Gefahren; aber so augenscheinlich, so unverkennbar ruhte seine Hand nie auf mir wie dießmal. Ich kann mit Worten meine Gefühle nicht ausdrücken, aber tief fühle ich seine unendliche Güte und Barmherzigkeit.

Kaum war ich gerettet, so stürzten sich zwei Bootsleute in den Strom, um sich zu baden. Sie schwammen die längste Zeit um das Boot herum; es war gerade, als wollten sie mir zeigen, daß sie mir hätten helfen können, wenn sie gewollt.

Als ich in Guayaquil meinen Unglücksfall erzählte, und mich über die Schlechtigkeit der Bootsleute beklagte, wunderte man sich noch, daß sie mich wieder in das Boot gelassen und nicht weggestoßen hatten. Es soll sich manchmal ereignen, daß die Leute einen Reisenden, vorzüglich wenn er fremd ist, vorsätzlich in das Wasser werfen, um sich seiner Habe zu bemächtigen.

In Guayaquil widerfuhr mir zum Abschiede noch der letzte Betrug von Seite eines edlen Ecuadorianers. Das Boot, in welchem ich die Fahrt von Savanetta nach Guayaquil machte, gehörte einem reichen Kaufmann, Namens +Alvaro+, der gleichfalls nach Guayaquil fuhr, jedoch in einem andern Boote. In dem Preise der Ueberfahrt hatte ich mein kleines Gepäck ausdrücklich mit einbedungen. Nichts destoweniger war der reiche Mann so unverschämt, mir bei der Ankunft zu Guayaquil meinen Koffer nicht auszuliefern, bis ich ihm einen halben Thaler mehr bezahlte.

Geld, Geld ist das einzige, wornach die Leute in diesem Lande streben; die Menschen thun es zwar überall, aber doch nicht auf so niederträchtige Weise, durch ähnlich unverschämte Betrügereien wie hier.

Von Guayaquil fuhr ich mit dem Dampfer wieder nach Panama, wo ich am 21. Mai anlangte und von ~Dr.~ +Autenrieth+ herzlich willkommen geheißen wurde. Wenige Tage später ging ich über den Isthmus nach +Aspinwall+, eine sehr kleine Reise (117 englische Meilen), die aber, wie ich bereits beschrieben, sehr großes Geld kostet. Eine Eisenbahn war nun schon zum größten Theile vollendet, man war der lästigen Flußfahrt überhoben und hatte nur mehr sechszehn englische Meilen zu reiten. Diese kleine Strecke kostete fünfzehn Thaler. Für das Gepäck mußte man per Pfund fünfzehn Cents (hundert auf einen Dollar) bezahlen. Ein Platz auf der Eisenbahn kostete 12½ Thaler. Glücklicherweise gehört die Eisenbahn einer Amerikanischen und nicht einer Englischen Gesellschaft; in Folge dessen gab man mir mit größter Bereitwilligkeit unentgeldlich eine Karte.

In einigen Monaten wird die Eisenbahn bis Panama beendet sein, und der Reisende diesen vor kurzem noch so beschwerlichen Uebergang in wenigen Stunden machen können.

In Aspinwall wird man von Trägern, Wirthen und dergleichen Volk auf wahrhaft Kalifornische Art mitgenommen. In den ersten Gasthöfen zahlt man per Tag vier und fünf, in den billigsten zwei Dollars.

Aspinwall besteht erst seit anderthalb Jahren. Dieses junge Städtchen hat ein ganz Nordamerikanisches Ansehen; die Häuser sind alle von Holz und wurden aus den Vereinigten Staaten herüber gebracht, wodurch sie billiger zu stehen kommen, als wenn sie bei der übertrieben theuern Arbeit hier angefertigt worden wären. Wo der Amerikaner etwas zu verdienen hofft, ist er flink bei der Hand; nur will er die Gelegenheiten gar zu gut benützen, und prellt den Reisenden wo er kann -- das thut aber der Amerikaner nicht allein, das thun alle civilisirten und uncivilisirten christlichen Völker.

Am +31. Mai+ Abends verließ ich Aspinwall auf dem schönen Dampfer „Eldorado“, Kapitän +Grey+, mit der Bestimmung nach Neu-Orleans.

[21] Ich besuchte einige der vorzüglichsten Ateliers und fand überall die gleich schlecht geschnitzten, hölzernen Figuren, wie in den Kirchen.

[22] Hier wie in Peru nennt sich zwar alles „Alt-Spanier“, was nur einige Tropfen Spanischen Blutes in seinen Adern hat, und nicht reiner Indianer oder Neger ist; allein die Regierung geht, der jährlichen drei Thaler wegen, dabei etwas genauer zu Werke.