Chapter 11 of 12 · 3958 words · ~20 min read

Part 11

Wir nahmen nun unsern Curs nach ~Longwood~, ein der Compagnie gehöriges Gut, das auf der östlichen Seite der Insel liegt. Der fast zweistündige Weg dahin ist äußerst angenehm, und führt am Fuße des Dianenpik hin. Dies ist der höchste Gipfel von St. Helena, der sich fast 2700 Fuß über die Meeresfläche erhebt. Weiterhin sahen wir die artigen Landhäuser der Herren Pierin und Bazelt mit weitläuftigen Pflanzungen umringt. Hier wird das meiste und vorzüglichste Gemüse auf der ganzen Insel gebaut, was den Besitzern große Summen einträgt. Der Kohl wird für den besten auf der ganzen Welt gehalten, giebt aber keinen Marktartikel ab. Ich sah auch hier eine schöne Rinderheerde, so groß und fett, wie bei uns in Holland.

Zu meinem Erstaunen ward ich auf diesem ganzen Wege eine Menge Kaninchen gewahr. Sie haben Lager wie die Hasen, und schweifen unaufhörlich umher. Man fängt sie daher fast auf die nämliche Art. Zu gleicher Zeit bekamen wir auch sehr viel Tauben, Fasanen und Rebhühner zu Gesicht. ~Longwood~[24] selbst, ist eine sehr schöne Besitzung. Sie liegt auf der Fläche eines Berges, der nicht weniger als drei englische Meilen[25] im Umfange hat. Das Haus ist mit einem weitläufigen Parke, einem vortrefflich unterhaltenen Garten, und herrlichen Wiesengründen umringt. Von der Gallerie und aus den meisten Zimmern hat man eine entzückende Aussicht auf die benachbarten pittoresken Thäler, auf die Bay von St. James und den Ocean. In der Regel wird Longwood von dem Vicegouverneur bewohnt.

Von hier aus führen nun wieder zwei Wege nach St. Jamestown; der eine mitten durch die Insel; der andere längs der Küste hin. Jener ist äußerst pittoresk, wegen des beständigen Auf- und Absteigens aber sehr unbequem. Dieser ist weniger romantisch, ja zuweilen sogar unangenehm; doch bietet er nur selten beschwerliche Stellen dar. Ich beschloß den lezteren zu wählen, um auch die minder angebauten Gegenden des Eylandes zu sehen. In der That fanden wir auch nichts als kleine einsame Negerhütten mit Frucht- und Gemüsegärten umringt. So wanderten wir unter Lorbeer- und Cypressenbäumen bis Mittag fort, wo unter einem Pisang Halt gemacht ward. Mein Führer hatte sich nämlich auf Herrn Doretons Gute mit Wein, Brod und Schinken versehen, und wir hielten auf diese Art eine sehr gute Mahlzeit. Auf den benachbarten waldigen Bergen schwärmten Rehböcke herum, und aus der Ferne donnerte ein herrlicher Wasserfall.

Nach einigen Stunden Ruhe machten wir uns wieder auf den Weg, und bekamen nachher den Wasserfall selbst zu Gesicht. Er stürzt sich an dreihundert Fuß hoch von einem pittoresken Felsen herab, und bildet einen crystallhellen ziemlich starken Bach. Das Wasser wird theils in Röhren nach St. Jamestown geleitet, theils fließt es dem Meere zu, wo es von den Schiffen benuzt wird. Bald näherten wir uns nun wieder der St. James-Bay. Auch hier, wie durchaus längs der Küste, war der Weg mit guten Brustmauern versehen. Endlich ließen wir einen hohen Berg mit einem Fort seitwärts liegen, und stiegen gerade Ladderhill gegenüber wieder nach St. Jamestown herab. So hatte ich denn die ganze Rundreise um die Insel von Westen nach Osten in zwei Tagen gemacht. Morgen und übermorgen besorge ich noch meine Einkäufe, und dann für wenigstens zwei Monate wieder an Bord.

~Zehnter Brief.~

~In See~, August 1805.

Gestern verließen wir St. Helena. Ich schlief noch ganz ruhig in meiner Koje[26], als ich durch die Signalschüsse geweckt ward. Schnell zog ich mich an, und eilte auf das Verdeck. Eben stieg die Sonne aus dem Meere auf, und alle Schiffe glänzten im Morgenroth. Wir hatten deren noch sechs in unserer Begleitung, lauter große Ostindien- und Chinafahrer mit Ladungen von unermeßlichem Werth. Der Südostpassat war uns äußerst günstig, bald lag die Insel gleich einem schwarzen Streifen hinter uns, und heute sind wir schon viele Meilen davon entfernt. Ich habe jezt die eine Hütte ganz für mich. So kann ich mich der zweiten Koje als Vorrathskammer bedienen, und bin in allem weit besser daran, als ehedem. Die Kost ist erträglich, das beste müssen aber auch diesmal die eigenen Provisionen thun.

12. August.

Vorgestern segelten wir die Insel St. Ascension vorbei, sie bietet dem Auge nichts als kahle Klippen dar. Das Segeln in Convoy hält unsere Fahrt nicht wenig auf. Immer bleibt ein und das andere Schiff zurück, auf das gewartet werden muß. Dann ist bald dies, bald jenes zu thun. Dann ruft bald dieser, bald jener das Kriegsschiff an. So lagen wir oft drei und mehrere Stunden bei, wobei es nicht an gegenseitigem Besuchen fehlt. Auf dem einen Ostindienfahrer giebt es fast alle Abende große Musik. Es sind besonders Blasinstrumente, was auf der See von ganz eigener Wirkung ist. Morgen passiren wir die Linie, doch finden keine Feierlichkeiten statt.

30. August.

Seit 10 Tagen haben wir den Südostpassat verloren, und rücken nur langsam fort. Der Himmel ist bedeckt, der Barometer gefallen, der Wind veränderlich. Wir sahen unter der Linie einige Wallfische, sie glichen von weitem einem großen umgekehrten Schiffe, das mit den Masten nach unten liegt. Sehr schön nahmen sich die hohen von ihnen ausgeworfenen Wasserstrahlen aus. Sie bildeten, ehe sie wieder niedersanken, einen majestätischen Bogen im herrlichsten Farbenspiel.

Vorige Nacht hätten wir beinahe ein großes Unglück gehabt. Der eine Ostindienfahrer war nämlich vom Curse abgekommen, und schoß in der Nacht kaum anderthalb Fuß vor unserm Vorderstewon[27] vorbei. Wir haben Wassermangel, so eben höre ich aber, daß man uns vom Kriegsschiffe drei große Fässer zugeschickt hat. Nun so will ich mir denn seit 8 Tagen den ersten Thee wieder machen, der mir wie Nektar schmecken soll.

9. September.

Der Capitain hat die Luken öffnen lassen, um nach der Ladung zu sehen. Es ist viel Seewasser eingedrungen, der Schaden scheint größer als man geglaubt hat. Dies ist aber sehr natürlich, da alles unter einander geworfen worden war. So liegen die Kisten mit den feinen Tüchern oben auf. Auch die meinigen sind bis auf den Grund durchnäßt. Die Bücher z. B. bilden nichts als eine verschimmelte Masse, so daß ich sie nur ins Meer werfen kann. Die Matrosen sind jezt beschäftigt, das Schiff anzumalen, und bringen überall, wo sichs nur schicken will, eine Stückpforte an. Wir sollen von weitem recht furchtbar aussehn, damit sich kein französischer Kaper an uns macht. Unsere Fahrt war bei dem veränderlichen Winde langweilig genug. Allein gegen Ende der vorigen Woche bekamen wir den Westpassat, und nun geht es fröhlich den europäischen Gewässern zu.

27. September.

Gestern war ein angstvoller Tag für uns. Ohngefähr auf der Höhe von Kap finisterre rief uns am 24. ein englischer Kutter an. Er gab uns Nachricht, daß der ganze Golf von Biscaya, und besonders die Einfahrt des Kanals mit französischen Kriegsschiffen bedeckt sey. Sie hätten den größten Theil eines nach Westindien bestimmten Convoys genommen, und sich sogar an der englischen Küste gezeigt. Der Capitain unseres Kriegsschiffes hielt es daher fürs beste, seinen Kurs so nördlich als möglich zu nehmen, theilte indessen auf jeden Fall die nöthigen Befehle aus.

Gestern um 9 Uhr Morgens tauchten in großer Entfernung einige Kriegsschiffe auf. Man sah sie allgemein für englische an. Allein um 1 Uhr Nachmittags zeigte sich leider das Gegenteil. Es waren 3 französische Fregatten, von denen die eine mit vollen Segeln auf unser Kriegsschiff zukam. Indessen dauerte es doch noch fast eine Stunde, ehe das eigentliche Gefecht seinen Anfang nahm. Es scheint, daß man auf beiden Schiffen noch mit den Zurüstungen beschäftigt war. Endlich schickte die Fregatte dem Kriegsschiffe einige Kugeln und bald darauf eine ganze Ladung zu, und nun begann der Kampf mit Heftigkeit.

Unser Kriegsschiff leistete den tapfersten Widerstand, selbst als schon in der ersten halben Stunde die zweite, und endlich auch die dritte Fregatte dazu gekommen war. So dauerte das Gefecht, mit einer kleinen Pause bis gegen Abend fort. Jezt aber mußte das Kriegsschiff streichen, worauf es von den Franzosen in Besitz genommen ward. Wir sahen jezt die eine Fregatte auf die Convoy loskommen, benuzten aber den Vortheil des Windes und der Dämmerung, und entgiengen ihr. Doch zweifle ich, ob dies allen Schiffen geglückt seyn mag.

Unsere Offiziere und Matrosen waren über den Sieg der French Dogs[28] vor Wuth ganz außer sich. Sie schwuren, die Prise bis auf das Aeußerste zu verteidigen, und sollte es ihr lezter Augenblick seyn. Die Lichter wurden bedeckt, die Kanonen und Gewehre in Stand gesezt. Jeder hielt sich auf seinem Posten, und spähte in die düstere See hinaus. Indessen bekamen wir nur einige Schiffe und diese sämmtlich nur an der französischen Küste zu Gesicht. Wir erkannten sie in ziemlicher Entfernung an den drei großen Laternen des Hintertheils.

Heute Morgens um 8 Uhr aber erblickten wir ein Schiff, das mit vollem Winde auf uns zugesegelt kam. -- »Jezt gilt es Leben oder Tod!« -- rief der englische Lieutenant und munterte das Schiffsvolk durch eine kräftige Anrede zum Gefechte auf. Wir Passagiere, der vorige Capitain, der Schiffsarzt und ich, mußten uns in den Raum begeben, und brachten hier eine Stunde in Todesangst zu. Doch endlich hörten wir ein lautes Freudengeschrei, wurden hinaufgerufen, und sahen, daß jenes Schiff ein englischer Kutter von 34 Kanonen war. Er kam uns nun in kurzem zur Seite, und theilte uns allerhand Neuigkeiten mit.

5. October 1805. Morgens.

Wir haben die Küsten von Cornwallis in Gesicht, der Wind ist südost, und also in hohem Grade günstig für uns. Die schönen grünenden Berge mit ihren alten Kastelen glänzen im Sonnenschein, und eine Menge freundlicher Häuser ragen zwischen Baumgruppen hervor. -- Ein Amerikaner hat uns mit herrlichem Pökelfleische und Kartoffeln ein erwünschtes Geschenk gemacht. Auch wird so eben ein Netz mit Sardellen aufgefischt. Alles auf dem Schiffe ist Leben und Fröhlichkeit. Wir sehen eine abgehende westindische Kauffartheiflotte von mehr als hundert Segeln, die von zwei Kriegsschiffen escortirt wird. Es ist ein unaussprechlich erhabener Anblick. Noch diesen Abend segeln wir um Cap Lezard herum.

~Plymouth~, 7 October 1805.

Als ich gestern Morgens erwachte, befanden wir uns in der Cawsandbay. Welcher Mastenwald! Welches Leben und welche Thätigkeit! Ich sage nicht zu viel, es lagen hier an 500 Schiffe zusammen, und dazwischen fuhren unzählige Schaluppen hin und her. Nicht weniger angenehm war der Landprospect. Ein Halbzirkel von herrlichen angebauten Bergen, in den Abhängen mit freundlichen Landhäusern, an dem Fuße mit schönen Dörfern bedeckt. Hier weidende Heerden, dort wohlgekleidete Feldarbeiter, und im Hintergrunde auf der höchsten Spitze ein Telegraphenthurm. Bald kamen nun eine Menge Boote mit Lebensmitteln an unser Schiff. Ich kaufte mir Wasser, Milch, Brod, Butter und Obst, und hielt ein köstliches Frühstück damit. Wenn man so nach drei Monaten zum erstenmal wieder einen frischen Trunk reines Quellwasser kostet -- es ist ein Genuß, der sich nicht mit Worten beschreiben läßt.

Unterdessen ward es von Stunde zu Stunde immer lebhafter in der Bay. Ich zählte an 300 Boote, blos mit Frauenzimmer angefüllt. Alle diese Damen hatten die Nacht auf der Flotte zugebracht, und kehrten jezt ans Land zurück. Sie waren in Mäntel und Pelze gehüllt, und schienen äußerst lustig zu seyn. Aber werden Sie wohl glauben, daß die ganze Gesellschaft, wohl an 2000 zusammen, aus feilen Mädchen bestand? Dies gehört zur englischen Marinepolizei. So wie eine Flotte in einem der fünf Haupthäfen eingelaufen ist, werden die Matrosen abgeholt. Den meisten brennt das Geld in der Tasche; es muß so bald als möglich wieder fort. Nun dürfen sie aber nur bei Tage ans Land, also helfen sie sich auf die obige Art. Es ist sogar ein Gesetz vorhanden, daß es ihnen kein Admiral u. s. w. verwehren darf. So kommt das Geld durch diese Mädchen sofort wieder in Umlauf, und die nächtliche Ruhe der Einwohner bleibt ungestört.

Unser Prisenmeister hatte sich inzwischen an Bord des Admiralschiffes begeben, und ließ uns einen ganzen langen Tag in peinlicher Ungewißheit. Endlich kam er Abends spät zurück, und kündigte uns die weitere Fahrt nach Portsmouth an. Das Kriegsschiff war aus diesem Hafen ausgelaufen; also gehörte auch die Prise dahin. Heute früh lavirten wir demnach wieder aus der Bay heraus, so ungünstig sich auch Wind und Wetter anließ.

Vier Stunden waren wir bereits unter Segel gewesen, und hatten doch kaum zwei Seemeilen zurückgelegt; als die Heftigkeit des Windes zum Sturme anwuchs. Der Regen floß in Strömen herab, und die Wellen schlugen unaufhörlich über das Verdeck. Mehrere die Bay einsegelnden Schiffe riefen uns zu, daß See zu halten unmöglich sey, allein unser Lieutenant kehrte sich nicht daran. Bald verloren wir das Boogspriet, und gleich darauf die Stange vom Besaanmast. Jezt erst schien der Lieutenant die Gefahr einzusehen, befahl das Schiff zu wenden, und rief durch Nothschüsse einen Lootsen an Bord. So liefen wir vor einigen Stunden in Plymouth ein, ich erhielt Erlaubniß, mich ans Land zu begeben, und lasse nun diesen Brief sofort über London an Sie abgehen.

~Eilfter Brief.~

~Plymouth~, 14. October 1805.

Der preußische Consul hat mich anerkannt, und ich bin nun vollkommen frei. Es ist ein geborner Engländer, aber ein sehr wohlwollender Mann, der mir bereits eine Menge Gefälligkeiten erzeigt hat. Ich habe auch bereits eine Privatwohnung bezogen, mit der ich vollkommen zufrieden bin. Für Tisch und alles zusammen, zahle ich nicht mehr, als eine Guinee die Woche, was wirklich sehr billig ist. Meine zwei Coffers habe ich nun auch vom Bord erhalten, und mit großer Freude gefunden, daß wenig oder gar nichts davon verdorben ist. Die Bücherlisten aber mögen in Gottes Namen im Raume liegen bleiben, die verschimmelte Waare ist keine zehn Gulden mehr werth. Doch genug von mir selbst; ich theile Ihnen jezt einige Bemerkungen über Plymouth mit.

~Plymouth~ mit 43,000 Einwohnern liegt am Abhange eines Hügels, der sich zwischen den Mündungen der Tamor und des Plym in die See hinaus erstreckt. Die Mündung der Tamor ist unter dem Namen Hamoare, die des Plym, die zugleich der Stadt den Namen giebt, unter der Benennung Catwater bekannt; die vor der Stadt selbst befindliche Bay heißt Plymouth-Sound. Die Mündung der Tamor ist am weitesten von der See entfernt. In der Regel werden daher alle abgetakelten Kriegsschiffe, und besonders die erklärten Prisen dahin gebracht; auch befinden sich die Gefängnißschiffe daselbst. Catwater, oder die Mündung des Plym ist besonders für Kauffahrer, und noch unter Prozeß liegende Prisen bestimmt; beide Ankerplätze sind wegen ihrer Sicherheit berühmt. Plymouth-Sound hingegen, so wie die benachbarte Cadsandbay pflegen bei stürmischen Wetter gefährlich zu seyn. Was man endlich Sutton Poot nennt, ist eine Art natürlichen Hafens im Catwater, an der einen Seite der Stadt. Er ist mit einem Kay eingefaßt, und bietet zum Ein- und Ausladen der Schiffe große Bequemlichkeiten dar.

Plymouth liegt also, wie gesagt, am Abhange eines Hügels, so daß sich die Straßen von oben nach unten ziehen, und die Häuser fast amphitheatralisch über einander gebaut sind. Die Straßen sind mit wenig Ausnahmen eng und düster, und wie man denken kann, ziemlich steil; eben so sind die Häuser fast durchgängig in altväterischem Stile gebaut, und haben bei den vielen zugemauerten oder mit Brettern vernagelten Fenstern ein doppelt häßliches Ansehen. Es ist dies eine Folge der übermäßigen Fenstertaxe, indem für jedes nicht geblendete Fenster, eine Abgabe von 15 Schillingen[29] bezahlt werden muß.

In dem niedrigsten Theile von Plymouth sind die Häuser am häßlichsten, und selten oder nie mit Gärten versehen. In dem mittleren Theile sind sie schon etwas besser, und haben fast alle jene Annehmlichkeit. Auf dem höchsten Theile des Hügels endlich, sind sie fast durchgehends neu und geschmackvoll, auch mit herrlichen Gärten umringt. Sie haben zu gleicher Zeit eine vortreffliche Aussicht auf die ganze Stadt, die umliegende Gegend, und die ganze Bay. So schlecht sich indessen auch der größte Theil der hiesigen Häuser von außen ausnimmt, im Innern sind sie dennoch sehr bequem eingerichtet, und häufig eben so prächtig, als geschmackvoll verziert.

Plymouth wird durch eine Citadelle gedeckt, die eine Viertelstunde im Umfange hat, und deren 5 Bastionen mit 165 Kanonen vom schwersten Kaliber besezt sind. Dazu kommt noch eine starke Wasserbatterie, die mit 18 24pfündern besezt ist. Im Innern der Citadelle befinden sich unter andern auch die Magazine für die Vorräthe der königlichen Flotte besonders an Mehl, Zwieback und Brod. Zu gleicher Zeit sind zwei große Backhäuser vorhanden, wovon jedes vier Oefen hat. Diese Oefen werden alle 24 Stunden nicht weniger als achtmal geheizt, so daß für 16,000 Mann darin gebacken werden kann.

Der Citadelle gegenüber, befindet sich auf einer kleinen Insel, St. Nicolas genannt, ein anderes Fort, das ebenfalls von großer Wichtigkeit ist, indem es die Mündungen des Plym, und der Tamor deckt. Hierzu trägt besonders die Lage desselben gerade vor der Stadt, und in der Mitte von Plymouth-Sound bei. Auch die Insel selbst wird nicht nur durch ihre felsige Küste, sondern überdem durch mehrere Batterien vertheidigt, wovon jede mit einem Roste zu glühenden Kugeln versehen ist.

Die hiesigen Lebensmittel sind vortrefflich, besonders was Fleisch, Gemüse und Fische anlangt, ohne eben sehr theuer zu seyn. So wird z. B. das Pfund Rindfleisch mit 5 bis 6 Stüvern[30], die Maas Kartoffeln mit einem Stüver; ein großer Schellfisch mit anderthalb bis zwei Stüvern bezahlt. Das Pfund Waizenbrod kostet einen Stüver, das Pfund Wachslichter zehn Stüver, das Pfund Thee von vorzüglicher Güte, noch nicht volle drei Gulden u. dgl. mehr. Ueberhaupt kann man annehmen, daß die ersten Bedürfnisse ziemlich wohlfeil, Luxusartikel aber, wie Wein, Liköre u. s. w. sehr theuer sind. Das leztere scheint auch vor allem zu gelten, was zur männlichen Kleidung gehört, während die gewöhnliche Frauenzimmerkleidung hingegen, sehr wohlfeil ist.

Gesellschaftliche Hülfsquellen trifft man zu Plymouth in Menge an. Zuerst sind mehrere gute Leihbibliotheken vorhanden, worunter ich besonders die von einem Herrn Bornickel, einem Deutschen auszeichnen muß; versteht sich, daß man nur nach englischen Büchern fragen darf. Ferner giebt es eine Menge guter Kaffehäuser und Tavernen, eben so ein recht artiges Schauspielhaus. Endlich fehlt es auch an Concerten, Assembleen und Bällen nicht. Wer Spaziergänge liebt, findet in der umliegenden Gegend hinlängliche Gelegenheit dazu.

Sehr schöne Aussichten hat man besonders von der Citadelle, die auf einem hohen, die ganze Bai beherrschenden Felsen liegt, und wohin der Zugang jedermann offen steht. Eben so auf einem andern hohen Berge, ungefähr eine halbe Stunde von der Stadt, von dessen Gipfel man weit in die See hinaussehen kann. Sehr angenehm sind auch die Parthien nach Catwater, oder der Mündung des Plym, wo man mehrere artige Wirthshäuser findet, eben so nach Plymouth-Dock, und dergl. mehr. Ich behalte mir die Beschreibung dieser Abstecher für die Zukunft vor.

Was meine eigene Lebensart anlangt, so wechsele ich mit Studieren und Beobachten, mit Arbeiten und Vergnügungen ab. So bringe ich z. B. den Vormittag bis ungefähr 11 Uhr zu Hause zu. Dann gehe ich auf eine Viertelstunde in ein Kaffehaus, das der Sammelplatz aller hier befindlichen holländischen Schiffer ist, und dann entweder auf das Rathhaus, um dem öffentlichen Gerichte beizuwohnen, oder in eine Leihbibliothek, oder ins Freie hinaus. Bei diesen öffentlichen Gerichten nehme ich gar sehr in der Sprache zu. Bemerkenswert ist auch, mit welchem Selbstgefühl und welcher Unerschrockenheit hier auch der ärmste Einwohner aus den untersten Classen seine Sache vorzutragen pflegt.

Um zwei Uhr ist bei uns Essenszeit, worauf ungefähr eine Stunde verwendet wird. Gegen 4 Uhr mache ich gewöhnlich allein, zuweilen auch in Gesellschaft einen großen Spaziergang. Um 6 Uhr komme ich zurück, trinke Thee, und bringe den Abend meistens mit Lesen, dann und wann aber auch im Theater zu. Hier ist jedoch immer ein solcher Lärmen, daß man wenig oder gar nichts vom Stücke verstehen kann. Die Zuschauer laufen nämlich beständig von einem Platze zum andern, wo es dann besonders in der Nähe gewisser Damen sehr laut zugeht. Diese benehmen sich indessen mit vieler Züchtigkeit, weil der Zutritt in das Theater nur den beiden ersten Klassen gestattet ist. Man erkennt sie jedoch sehr leicht an ihrer Kleidung, und besonders an ihrer wirklichen bezaubernden Artigkeit. Nichts reizenderes, als wenn ein solches Mädchen ihrem Geliebten eine Weintraube oder Orange aufdringt. Doch genug! denn eben ruft mich unsere gute Wirthin zum Abendessen ab.

~Zwölfter Brief.~

~Plymouth~, 27. October 1805.

Gestern war hier ein allgemeiner Freudentag. Es liefen nämlich 5 französische, bei Trafalgar genommene, Linienschiffe ein. Majestätisch wehte die englische Flagge vom Quarterdecke, während die französische tief ins Wasser hieng. Der Enthusiasmus des Volkes war unbeschreiblich. Dazu das Glockengeläute, der Donner der Kanonen, und das Freudengeschrei von allen Schiffen ringsumher! Aber bald ward nun auch Nelson's Tod bekannt. -- ~Nelson is killd! -- Nelson is killd!~[31] riefen sich Männer und Frauen, mit Thränen und Händeringen zu. Lebhaft fühlte ich was Volksgeist und Vaterlandsliebe ist.

Seit meinem lezten habe ich nun mehrere Abstecher in die umliegende Gegend gemacht. Zuerst nach Plymouth-Dock, oder gewöhnlich schlechtweg ~the Dock~, nur eine halbe Stunde von hier. Es ist dies eine neue, weit größere und volkreichere Stadt, als Plymouth selbst. Ihr Name zeigt ihren ersten Ursprung, nämlich ein Schiffswerft an. Der Weg dahin ist sehr belebt und angenehm. Zuerst kommt man durch Stonehouse, ein artiges Dörfchen, dessen niedliche Häuser sich fast eine Viertelstunde neben der Straße hinziehen. Dann übersteigt man Stonehouse-Hill, einen ziemlich beträchtlichen Hügel, von dem man eine ausgebreitete Aussicht auf die beiden Nachbarstädte hat. Am Fuße desselben kommt man durch das Dörfchen Stock, und bald tritt man in die schönen, geraden und breiten Straßen von the Dock ein.

In der That, ich ward hier äußerst angenehm überrascht. Alles ist so nett, so freundlich, so lebendig; daß Plymouth wie ein düsteres Gefängniß dagegen erscheint. Wer daher nicht an jenen Aufenthalt gebunden ist, oder von seinen Renten leben kann, zieht in der Regel gewiß diese Stadt vor. Von öffentlichen Gebäuden sind besonders das außerhalb den Thoren liegende Marinehospital, die neuen Kasernen, das schöne Wachthaus, und die prächtigen Schiffswerfte sehenswerth. Die Lebensmittel sind etwas theurer als in Plymouth, man zahlt z. B. ungefähr ein Viertheil mehr als dort. Uebrigens gehen zwischen beiden Städten unaufhörlich eine Menge Postkutschen hin und her, die man zu jeder Stunde des Tages miethen kann.

Eine angenehme Seefahrt machte ich vor einigen Tagen nach Edystone. Dies ist der Name einer Klippenreihe, die sich in der offenen See, gerade vor der Mitte der Bay hinzieht. Auf dem höchsten Punkte derselben, vorzugsweise Edystone genannt, ist ein Leuchtthurm erbaut, der auf den englischen Seekarten, unter dem Namen Edystone-Lighthouse verzeichnet ist, und von den Schiffern sehr sorgfältig beobachtet wird. Ich fuhr in Gesellschaft einiger Bekannten dahin. Wir wählten natürlich einen vorzüglich schönen Tag dazu, weil man diesen gefährlichen Klippen sonst nicht nähern kann. Auch vergaßen wir die nöthigen Vorräthe an Wein, Rum, Rostbeef, Chesterkäse, Brod und Porter nicht.

Das Wetter war vortrefflich, das Meer fast spiegelglatt, der Wind sanfter Ost-Süd-Ost; schon nach einer Stunde langten wir daher bei dem Leuchtthurme an. Einer der Wächter wartete bereits auf uns, befestigte unser Boot an einem eisernen Ringe, und half uns dann durch das stille niedrige Wasser, von Klippe zu Klippe, bis an den Thurm hinan. Hierauf holte er unsere Vorräthe aus dem Boote, und führte uns eine zwar dunkle, aber bequeme Treppe hinauf. Bald öffnete er eine Thür, und wir traten in ein geräumiges Zimmer, das zwar etwas düster, jedoch recht artig meublirt war.

Wir fanden hier seinen Kameraden, einen schon ziemlich bejahrten Mann, der uns mit ungemeiner Freude empfieng. Ein Tag, wo diese armen Leute Besuch erhalten, ist immer ein Festtag für sie. Nach einer kleinen Unterhaltung, die wir mit einem Geschenke von Tabak eröffneten, stiegen wir vollends zur Laterne hinauf, und besahen die Einrichtung zur Erleuchtung, die jezt mit Lampen geschieht. Hierauf folgte eine tüchtige Kollation, von der natürlich unser alter Wirth nicht ausgeschlossen blieb, während dem andern sein Theil zurückgelegt ward. Dies machte denn den guten Alten so gesprächig, daß er uns nicht nur eine kurze Geschichte des Leuchtthurms selbst, sondern auch seine eigenen Lebensumstände zum Besten gab.

Der Leuchtthurm, wie er jezt dasteht, ist eigentlich schon der dritte auf Edystone. Der erste ward in den Jahren 1696 bis 1698 gebaut, stand aber nur bis 1707, wo er bei einem heftigen Herbststurme in einer Nacht von den Wellen verschlungen ward. Der zweite ward 1708 angefangen, und im folgenden Jahre vollendet. Er hielt gegen alle Stürme bis 1755 aus. Hier brannte er ab, und die zwei Wächter fanden einen sehr schrecklichen Tod. Der jetzige Leuchtthurm endlich ward in den Jahren 1756-59 vollendet, und hat seitdem den wüthendsten Orkanen getrozt.