Chapter 8 of 12 · 3983 words · ~20 min read

Part 8

Diese fand sich endlich in der Brigg »~=le petite Alphonse=~« Capitain Souriac, die von Isle de France mit Wein und Hüten gekommen, und jezt dahin zurückzukehren im Begriffe war. Der Abrede gemäß, begab ich mich am 14. December 1804 an Bord, und fand noch drei andere Passagiers. Leider aber waren von unsern vierzehn Matrosen kaum drei gesund. Nun ist zwar wahr, daß man die Ueberfahrt in dreißig bis fünf und dreißig Tagen machen kann, ohne daß der beständigen Ostwinde wegen, viel Schiffsarbeit dabei nöthig ist. Demungeachtet hätten wir auf alle Fälle wenigstens noch sechs bis 8 Matrosen gebraucht. Dieser Mangel zeigte sich gleich anfangs, als es am 15. December Nachmittags in See gieng. Wir sämmtliche Passagiere mußten die Anker mit aufwinden helfen, denn die meisten Matrosen waren zu schwach dazu.

Schon in der ersten Nacht kamen wir durch den Eigensinn des wenig erfahrnen Capitains in große Gefahr. Wir trieben nämlich auf eine der vielen kleinen Inseln, so daß das Hintertheil des Schiffes kaum zwei Fuß weit von den zackigten Felsen abstand. Der Capitain gebehrdete sich wie ein Verzweifelter, und schrie nach dem Boot. Zum Glück erhob sich aber plözlich ein leichter Landwind, so das Schiff wieder abgebracht ward. Wir mußten hierauf zwei Tage laviren, und legten in dieser kurzen Zeit keine drei Seemeilen zurück.

Noch nicht genug; troz seinen schönen Versprechungen hatte sich auch der Capitain nur äußerst spärlich mit Vorräthen versehen. Vergebens drangen wir in ihn, doch nach Batavia zurückzukehren; er fürchtete zu viel Demüthigungen für seine Eitelkeit. Hartnäckig bestand er daher darauf, im Gressec, oder Surabaye (an der Nordküste von Java) einzulaufen, wo er Matrosen und Vorräthe zu besorgen versprach. So steuerten wir also bis zum 24. December fort. Endlich befanden wir uns ungefähr zwei Seemeile von der Spitze von Banka, durch welche der Eingang in die Meerenge von Madure bezeichnet wird. Der Capitain beschloß, hier einige Zeit vor Anker zu gehen, um einen der Lootsen zu erwarten, die hier immer vorhanden sind. Da aber keiner davon sichtbar wurde, glaubte er sich noch wenigstens zehn Seemeilen vom Eingange der Meerenge entfernt. Er ließ daher die Anker lichten, und steuerte westwärts. Bald aber ward das Schiff von der heftigen Strömung gegen die Bank von Madure getrieben, so daß die Gefahr mit jedem Augenblicke stieg.

Man hatte uns am vorigen Tage allerdings bei dem Posten von Banka gesehen. Allein die See gieng gar zu hoch; uns zu Hülfe zu kommen, war eine Unmöglichkeit. Wir erfuhren dies von dem Lootsen selbst, der jezt in einer großen Pirogue zu uns kam. Zehn Stunden lang wendete er alles mögliche zu unserer Rettung an. Doch da Wind und Strömung gleich heftig waren, blieb ihm nichts übrig, als uns zu verlassen, und nach Banka zurückzugehen. Wir wurden von nun an, unserer neun zusammen, täglich auf ein Huhn, und jeder für sich, auf einen Zwieback, zwei Tassen Caffe, und ein Glas Wasser eingeschränkt. Erst am 1. Januar 1805 gelang es uns aus der Straße von Baly herauszukommen, worauf längs der Küste fortgesteuert ward.

Um fünf Uhr Nachmittags befanden wir uns einem holländischen Posten gegen über, der mit schönen Pflanzungen bedeckt zu seyn schien. Sobald uns der Commandant ansichtig ward, schickte er eine Pirogue ab, ließ uns Erfrischungen anbieten, und lud uns ein, vor Anker zu gehen. Leider konnten wir aber diese Erlaubniß nicht benutzen, indem selbst unser lezter Anker verloren gegangen war. Am folgenden Morgen befanden wie uns auf der Höhe von Balambouang. Jezt bekamen wir Stille, dann höchst veränderlichen Wind, endlich einen entsezlichen Sturm aus Nordwest. Wir verloren Segel und Masten, und trieben noch wenig Stunden, wie ein Wrack herum. Die Pumpen thaten fast keine Dienste mehr. Dabei waren wir täglich auf ein kleines Glas stinkendes Wasser, und etwas Reis beschränkt. Endlich beschloß der Capitain, die Ladung anzugreifen, die aus Zucker bestand. Er ließ daher ein Faß in die Cajüte bringen, wovon jeder nach Belieben nahm.

In den zwei folgenden Tagen hatten wir unterdessen einen Nothmast, und einige Nothsegel zu Stande gebracht. Auf diese Art hofften wir Timor zu erreichen, wo eine holländische Factorei befindlich ist. Allein vom dritten Februar an, trieb uns ein zweiter Sturm wieder rückwärts, so daß wir schon am sechsten die Spitze von Baly sahen. Am 7. Morgens um fünf Uhr erblickten wir ein großes dreimastiges Schiff, das aus der Meerenge heraus zu kommen schien. Wir hielten es für ein holländisches, oder amerikanisches, und wirklich zog es auch die leztere Flagge auf. Kaum hatte es sich aber etwas genähert, so öffnete es seine Stückpforten, zeigte englische Flagge, und kam mit vollen Segeln auf uns zu.

Jezt sahen wir nur zu deutlich, daß es ein großer englischer Caper war. Augenblicklich warf ich meine Depeschen und Carten über Bord. Noch einige Minuten, und der Capercapitain rief uns durch das Sprachrohr zu -- »~=Strike amain! Strike amain, if you please!=~« -- »Streicht! Streicht! wenn's beliebt!« -- Dies war in der That eine satyrische Aufforderung, denn wie konnten wir nur einen Augenblick widerstehen? Bald darauf kam ein Offizier mit acht Matrosen an Bord, nahm von dem Schiffe Besitze; stellte an alle Rudern Schildwachen, und hieß uns an Bord des Capers gehen.

Viertes Capitel.

Als wir daselbst ankamen, hörten wir, daß es ~der Diligent~, Capitain ~Hall~ von ~Calcutta~ war. Der Capitain sagte uns, daß er selbst zweimal von französischen Capern[15] genommen worden sey. Man habe ihn liberal behandelt; er wolle es ebenfalls thun. Alle unsere Bagage u. s. w. bliebe uns daher. Zu gleicher Zeit sezte er uns ein vortreffliches Frühstück vor. Die Prise an 60,000 Franken an Werth, ward auf das Schlepptau genommen, und so lavirten wir längs der Küste hin.

Um vier Uhr Nachmittags bekamen wir ein großes dreimastiges Schiff, und bald darauf noch zwei andere zu Gesicht. Capitain Hall hielt sie für holländische oder französische Fregatten, von den Divisionen der Admirale Hartsink oder Linois. Seine Lage ward gefährlich, die nachzuschleppende Prise hielt ihn im Segeln auf. Er ließ uns daher auf unser Wrak zurückkehren, rief dagegen seinen Prisenmeister, und seine Matrosen ab, und eilte mit vollen Segeln davon. Bald darauf erkannten wir die drei Schiffe für amerikanische Ostindienfahrer, und steuerten so gut wir konnten, auf die Bay von Balambouang zu.

Der Tag brach an. Was sahen wir? Unsern Caper, der an der Küste geblieben war, und nun ganz lustig wieder auf uns zugesegelt kam. In weniger als einer halben Stunde befanden wir uns wieder am Bord desselben, und alles war in den vorigen Zustand versezt. Da der Capitain Wasser einnehmen mußte, behielt er den Curs von Balambouang. Wir erreichten indessen die Bay erst in der Nacht auf den zehnten Februar. Mit Anbruche des Tages erblickten wir den holländischen Posten Bagouwangie, und zogen sofort amerikanische Flagge auf. Zu gleicher Zeit schickte der Capitain einen Offizier ans Land, um zu fragen, wo Holz und Wasser zu finden sey. Die Nachricht war sehr befriedigend, und wir trafen eine vortreffliche Quelle an.

Unterdessen hatte unser Schiff mit seinen Batterien, und der Prise auf dem Schlepptaue, troz der amerikanischen Flagge, bei dem Commandanten von Bagouwangie Verdacht erregt. Er schickte daher zwei seiner Offiziere zu uns an Bord. Beide sprachen englisch; beide sollten die nöthigen Nachrichten einziehen. Capitain Hall war indessen auf alles gefaßt. Er hieß uns in den Raum hinuntersteigen, versicherte sich unseres Ehrenwortes, und wartete die Ankunft der holländischen Pirogue ganz ruhig ab.

Kaum waren die Herren gegen Mittag an Bord angekommen, so lud er sie zum Essen ein, und sprach ihnen dabei reichlich aus der Flasche zu. Als er nun das Geschäft auf diese Art eingeleitet hatte, zeigte er ihnen falsche amerikanische Pässe, und ein eben so ächtes Schiffsjournal vor, speiste sie in Ansehung der Prise mit einem Mährchen ab, und verkaufte ihnen zulezt einige ostindische Waaren für eine Kleinigkeit. Die armen Holländer wurden vollkommen getäuscht, und fuhren seelenvergnügt ans Land zurück.

Indessen beschloß der Capitain die reiche Prise in Sicherheit zu bringen, und gab sofort Befehl zu ihrer Ausrüstung. Es wurde auch so eifrig daran gearbeitet, daß sie schon am folgenden Tage abzusegeln im Stande war. Wohin, blieb unbekannt. Unsere Bagage war uns im besten Zustande übergeben worden, doch brachten wir den ganzen Tag, wegen unserer künftigen Bestimmung, in großer Ungewißheit zu.

So mochte es ungefähr acht Uhr Abends seyn, als uns der Capitain zu sich rufen ließ. Er war sehr höflich, und sagte uns, daß er uns diese Nacht ans Land zu setzen Willens sey. Unsere Freude darüber war sehr groß; im Unglück faßt man nur den Augenblick fest. Sofort wurden nun Anstalten zu unserer Ueberfahrt gemacht. Es fand sich aber, daß die Schaluppe für uns nicht groß genug war. Wir mußten daher in zwei Parthien abgehen. Bei der lezten befand ich mich selbst.

Es war Mitternacht; der Mond gieng auf; der Posten lag nur einen Büchsenschuß von uns. Unsere Gefährten kamen uns entgegen, in wenig Minuten langten wir bei dem Commandanten an. Er war ein geborner Brandenburger, und hatte fünf und zwanzig Mann unter sich. Da ich ein wenig Deutsch und Malayisch verstand, verständigten wir uns ohne Schwierigkeit. Rund um ein großes Feuer gelagert, nahmen wir eine derbe Mahlzeit von Fischen und Eiern ein, wobei uns Capitain Halls Madera und Genever trefflich zu statten kam. Unser guter alter Sergeant, sein Name war Bitter, schickte sogleich eine Pirogue mit seinem Berichte nach Bagouwangie ab.

Fünftes Capitel.

Die Sonne gieng auf, und eine neue Welt voll Leben und voll Hoffnung breitete sich vor mir aus. Bald langte nun ein Abgeordneter von dem benachbarten Fürsten von Balambouang an. Er sagte uns, daß der holländische Commandant zu Bagouwangie bereits von unserer Lage unterrichtet, und auf der Reise hierher begriffen sey. Indessen verzog sich seine Ankunft bis Nachmittags um drei Uhr. Unser Anblick schien ihn zu rühren, wir selbst waren nicht weniger bewegt. Er allein konnte uns die Mittel zur Rückkehr nach Batavia verschaffen; von ihm allein hieng unsere Zukunft ab. Er sprach und alles verbürgte uns seinen Edelmuth. Er war ein Deutscher; ein Herr von ~Winckelmann~. Wir mußten sogleich seine prächtige Jacht besteigen, wo die Tafel bereits gedeckt war. Endlich um vier Uhr segelten wir ab, während er unser Gepäck in einer Pirogue nachzuführen befahl. So hielten wir See bis Mitternacht, stiegen dann ans Land, und lagerten uns um ein gutes Feuer herum.

Um fünf Uhr Morgens ward weiter gesegelt; drei Stunden und wir kamen zu Bagouwangie an. Sogleich führte uns der Commandant in seine schöne Wohnung, und stellte uns seiner Gemahlin vor. Sie empfieng uns mit vieler Höflichkeit, und ließ ein vortreffliches Frühstück auftragen, das zum Theil aus den herrlichsten Früchten bestand. Am folgenden Tage wurde nun unser Reiseplan festgesezt; indessen erforderten die Anstalten einige Zeit. Wir blieben daher fast zwei Wochen in Bagouwangie. Nach reifer Ueberlegung schien es am besten, bis Surabaye zu Lande, und dann nach Batavia vollends zu Wasser zu gehen.

Bis Surabaye werden achtzig Lieuen gerechnet, zum Theil durch ein wüstes unbewohntes Land. Indessen hatte der treffliche Herr von Winckelmann für alles gesorgt. Fünf und zwanzig Malayen waren zu unserer Bedeckung, und fünf und siebenzig zum Tragen unseres Gepäckes bestimmt. Wir und die Bedeckung waren beritten, und hatten überdem noch fünfzehn Packpferde mit Lebensmitteln bei uns. Endlich waren uns als Wegweiser und Anführer, zwei Malayen-Hauptleute oder Mandors mitgegeben, von denen der eine etwas Deutsch verstand. So traten wir, nach einem herzlichen Abschiede von unserem edeln Freunde, am 23. Februar 1805 unsere Reise an.

Die ersten drei Lieuen gieng es längs der Küste hin. Bald aber kamen wir in die große Wüste, die drei Tagereisen lang ist. Indessen hat die Regierung aller zwölf Lieuen, große Scuoppen von Bambus errichten lassen, die mit Gräben und lebendigen Hecken umgeben sind. Bei jedem dieser Caravansenai's, wie man sie nennen könnte, befindet sich eine Wache von Malayen. Diese müssen Tag und Nacht rund um die Einzäumung große Feuer unterhalten, so daß nichts von wilden Thieren zu fürchten ist.

Der erste Posten dieser Art heißt ~Bagnou-Matie~. Der Weg dahin war blos ein schmaler Fußsteig, der zwischen hohem Grase hinlief. Ich kann ohne Uebertreibung sagen, daß dieses neun bis zehn Fuß hoch war. Wir sahen mehrere Tiger und Leoparden darin versteckt, langten indessen auf unserer Station ohne Unfall an. Als es finster wurde, verdoppelten wir die Feuer, und hielten auf diese Art die wilden Thiere ab. Indessen hörten wir die Tiger ziemlich brüllen, sobald nur ein Feuer abgebrennt war.

Am folgenden Morgen früh um vier Uhr gieng unser Gepäcke ab; wir selbst aber folgten erst um zehn Uhr nach. Bei dem zweiten Posten ~Son-bou-rou-arou~, fanden wir einige Häuschen von Bambus, nebst einer Ziegen- und Damhirsch-Heerde, auch einer Menge Federvieh. Dies alles gehörte einem Großen am Hofe des Königes von Balambouang. Wir füllten hier unsere Bambusrohre mit gutem Quellwasser, weil man von nun an nur schlechtes trifft. Am 25. verließen wir die Wüste, und kamen durch eine schöne, mit Reisfeldern bedeckte Ebene, nach ~Panaroukan~, was ein kleiner Flecken ist. Hier traten wir bei dem Oberhaupte, einem reichen Chinesen ab, und wurden zu unserer Verwunderung ganz auf europäische Art traktirt. Auch nöthigte er uns so dringend, einen Rasttag bei ihm zu halten, daß es sich durchaus nicht ablehnen ließ.

Sechstes Capitel.

Am 27. Februar ward nun die Reise fortgesezt. Wir kamen indessen nur bis ~Besouki~, einem großen Dorfe, das ungefähr drei Lieuen von der Küste liegt. Der Weg geht fast durch lauter Wald, und ist äußerst schlecht. Nur in der Nähe von Besouki wird die Landschaft etwas lichter, und bald sieht man Reisfelder mit Baumgruppen vermischt. Bei unserer Ankunft, wurden wir in das Haus des Commandanten (Tomogon) geführt, der eben abwesend war, fanden aber dennoch ein vortreffliches Mittagsmahl daselbst. Am 28. hatten wir eine sehr starke Tagereise bis ~Bangro~. Auch hier fanden wir bei dem Tomogon eine sehr glänzende Bewirthung, und tranken zum erstenmale wieder Bordeauxwein. Zimmer und Betten waren ebenfalls sehr gut.

Die folgende Tagereise bis ~Paßourang~ war kurz und angenehm. Die Landschaft ward immer schöner, wir konnten uns nicht satt daran sehen. Um zehn Uhr begegneten wir einem schönen offenen Wagen, mit vier Pferden bespannt. Er kam von Paßourang, gehörte dem dortigen holländischen Commandanten, und war für uns bestimmt. Wir zogen indessen vor, zu Pferde zu bleiben, und langten so bald bei unserem freundlichen Wirthe an. Er hieß Heßetaar, und nahm uns mit vieler Güte auf. Bei einem Einkommen von fünfzehn tausend holländischen Thalern machte er ein ansehnliches Haus. So hat er z. B. an dreißig Sclaven, worunter zehn musikalisch sind. Sie lernten die meisten Instrumente von einem Chinesen spielen, der der Schüler eines ~Deutschen~ gewesen war.

Paßourang, an einem schiffbaren Strome gelegen, ist der Hauptort eines ansehnlichen Fürstentums, und mit schönen Caffe- und Pfeffer-Plantagen umringt. Die ostindische Compagnie hat ein Werft für Küstenfahrer daselbst. Zwei Lieuen von Paßourang liegt ein mäßig hoher Berg, an dessen Anhängen alle ~europäischen~ Gemüse, ohne alle Ausartung gedeihen, dies giebt zu einem bedeutenden Gemüsehandel nach Surabaye Gelegenheit. Wenig Tage vor unserer Ankunft war der Oberwundarzt unseres Bataillons hier durch gereist. Er wollte im Innern der Insel die Schuzblattern einführen, was von den wohltätigsten Folgen seyn wird.

Am 3. März gieng es bis Bangall; auch diese Tagereise war sehr angenehm. Der Fürst, ein siebenzigjähriger Greis, empfieng uns mit vieler Zuvorkommung. Er sprach viel von Europa, besonders von den lezten Feldzügen in Italien, und schien ein sehr unterrichteter Mann zu seyn. Seinem ältesten Sohn und Nachfolger hatte er von einem Holländer erziehen lassen, daher dieser junge Prinz sehr gute Kenntnisse, besonders in der Mathematik besaß.

Am folgenden Morgen brachen wir nach Surabaye auf. Der Weg war gut, die Gegend schön, der Boden vortrefflich angebaut. ~Surabaye~ selbst ist eine kleine artige Stadt, und als erster Posten in der Meerenge von Madure von Wichtigkeit. Sie wird von dem Flusse Calianas durchschnitten, der für Küstenfahrer landeinwärts ziemlich weit schiffbar ist. Am Ausflusse desselben befinden sich zwei Hafendämme, mit Batterien versehen. Gewöhnlich laufen hier alle Schiffe ein, die nach China und den Philippinen bestimmt sind, besonders wegen des Wintermonßuns. Sie finden hier alle mögliche Erfrischungen, worunter auch die vortrefflichen Gemüse von Paßourang. Die Luft von Surabaye ist sehr gesund, und die Gebend entzückend schön.

Bei unserer Ankunft wurden wir zu einem Juden geführt, der eine gar nicht schlechte Herberge hielt. Wir machten die Bekanntschaft eines holländischen Capitains, des Herrn Rußler, und wurden durch ihn, am folgenden Morgen, seinem Schwiegervater, dem Gouverneur, Herrn Rothenthal, vorgestellt. Dieser nahm uns mit vieler Güte auf, und versprach wegen unserer ferneren Reise sein möglichstes zu thun. Wir wünschten nämlich bis Batavia zu Lande zu gehen. Dies erforderte jedoch Bericht an den Generalgouverneur. Ich machte hierauf dem Commandanten, dem Major von Franquemont, aus dem Würtembergischen, einen Besuch. Er empfieng mich aufs beste, räumte mir ein Zimmer in seiner Wohnung ein, und überhäufte mich mit Höflichkeiten aller Art. Dasselbe muß ich von dem Admiral Hartsink sagen, der hier mit seiner Escadre vor Anker lag.

Nach ungefähr vierzehn Tagen traf die Antwort des Generalgouverneurs ein. Sie war, wie wir befürchtet hatten, abschläglich, man fand die Kosten gar zu groß. Herr Rothenthal bekam daher den Auftrag, uns die Ueberfahrt nach Samarang, an Bord einer Brigg zu verschaffen, die ohnehin zu einem Kreuzzuge bestimmt war.

Plözlich mußte es sich fügen, daß ein Schiff von der Escadre des Admirals Hartsink nach Batavia abgieng. Sofort suchte ich nebst meinem Freunde Harsaud um Plätze darauf an. Unsere Bitte ward bewilligt, und so begaben wir uns an Bord, wo uns der Capitain mit vieler Güte aufnahm (5. April).

Siebentes Capitel.

Wir waren noch denselben Abend unter Segel gegangen, und kamen bei dem ziemlich günstigen Winde, schon am folgenden Tage aus der Meerenge heraus. Capitain ~Ruysch~ hatte uns die Hälfte seiner Cajüte eingeräumt, und wir speisten regelmäßig Mittags und Abends bei ihm. So kamen wir ohne weitere Vorfälle am neunten Tage (14. April) auf der Rhede von ~Samarang~ an, welches der Hauptposten auf der ganzen Nordküste ist. Samarang giebt nämlich den Mittelpunkt aller Verbindungen, und die Hauptniederlage aller Erzeugnisse der Insel ab. Die dortige Gouverneursstelle ist, nach der von Batavia, die einträglichste im ganzen holländischen Indien. Sie wirft jährlich an 250,000 Piaster ab. Herr Engelhard, der sie jezt bekleidet, macht daher ein sehr glänzendes Haus. Die Luft von Samarang ist gesund, die Gegend schön, das gesellschaftliche Leben angenehm. Wir lernten unter andern einen Major ~Keller~ kennen, der früher General-Adjutant in französischen Diensten, und schweizerischer Kriegsminister gewesen war.

Nach einem achttägigen Aufenthalte giengen wir am 23. April wieder in See, und segelten zwei Tage lang, längs der reizenden Küste hin. Am 26. Mittags ankerten wir auf der Rhede von ~Tcheribon~, und begaben uns sogleich ans Land. Hier wurden wir bei dem Wachtposten sehr feierlich empfangen, und fanden zwei prächtige Wagen bereit. Der Resident, Herr Roose, der anderthalb Lieuen von der Küste wohnt, hatte uns dieselben entgegengeschickt. Wir fuhren hierauf durch eine sehr schöne Landschaft, die einem großen Graben glich, und kamen so bei Herrn Roose an. Er vereinigt asiatischen Luxus, und europäische Eleganz auf eine seltene Art. Der Distrikt von Tcheribon liefert den besten Caffe von ganz Java; die Residentenstelle trägt jährlich an 60,000 Piaster ein.

Wir blieben drei Tage in Tcheribon, und giengen dann mit mehreren kleinen Küstenfahrern, die wir unter Convoy nahmen, in See. Die Küste wimmelt von Seeräubern aus Banca, Sumatra und Java selbst. Diese fallen kleine Schiffe, besonders chinesische Junken, mit vieler Kühnheit an. Europäer werden ermordet, Asiaten zu Sclaven gemacht. Der Hauptschlupfwinkel dieser Seeräuber ist die Insel Carimon, zehn Seemeilen von der Küste, auf der Höhe von Samarang. Hier sind ihrer oft hundert, ja hundert und fünfzig bis zweihundert beisammen, besonders, wenn ein Hauptschlag ausgeführt werden soll. Vor kurzem hatte man von Batavia zwei Fregatten, und eine Brigg gegen sie abgeschickt. Diese Schiffe kamen gerade zu rechter Zeit an, denn eben war die ganze Bay von Carimon mit Seeräubern angefüllt. Man blokirte daher sogleich den Eingang, und bereitete den Angriff auf den folgenden Morgen vor. Es schien um die Räuber geschehen zu seyn, allein zum Unglück war der Capitain der Brigg nicht wachsam genug. Sie entwischte daher in der Dunkelheit, und waren am andern Morgen längst aus dem Gesichte der Division.

Am 27. April kamen wir endlich auf der Rhede von Batavia an. Kaum zeigte ich mich in der Stadt, als ich mit Freude und Erstaunen aufgenommen ward, denn jedermann hatte mich todt geglaubt. Der Gouverneur wünschte mich von neuem in Dienste zu nehmen; allein alles rief und zog mich nach Europa zurück. Zum Glück befand sich gerade ein Caper von jener Insel auf der Rhede, der dahin zurückzugehen im Begriffe war. Nach einigen Unterhandlungen erhielt ich einen Plaz darauf, und begab mich demnach am 8. Mai an Bord. Diesmal war unsere Fahrt glücklicher; am 1. Juni bekamen wir schon die Insel Bourbon zu Gesicht.

Der Engländer wegen, hatte der Capitain von seinen Rheden den Befehl, mit der größten Vorsicht zu Werke zu gehen. Wir suchten daher die Küste zu gewinnen, um wo möglich Erkundigungen einzuziehen. Allein der Wind war fortdauernd ungünstig; wir brachten also sechs volle Tage damit zu. Endlich erhielten wir Nachricht, daß die englische Escadre verschwunden sey. So sezten wir unsere Fahrt nach Isle de France fort, und erkannten am 8. Juni Morgens, einen der höchsten Berge dieser Insel, Morne Brabant genannt.

Gegen Mittag erblickten wir nicht weit von uns ein dreimastiges Schiff, zogen die Flagge auf, und riefen es an. Es zog ebenfalls französische Flagge auf, und zwar dreimal hinter einander, was uns, da es keine Antwort gab, äußerst verdächtig vorkam. Um acht Uhr Abends waren wir nur noch einige Seemeilen von der Insel entfernt. Plözlich stiegen von einem Bergposten zwei Raketen auf; bekanntlich das Signal, wodurch die Nähe des Feindes angezeigt wird. Wir hielten es indessen für einen Irrthum, und glaubten nicht daran. Als aber das Signal, nach Verlauf von zwei Stunden, der Regel gemäß, wiederholt ward, drehten wir plözlich um, und sezten alle Segel bei. Jezt gieng es abermals auf Isle de Bourbon zu, wo auch am 10. Morgens der Anker fiel.

Mein Aufenthalt auf dieser Insel dauerte jedoch nur kurze Zeit. Schon am 18. gieng ich nämlich, meiner mündlichen Mittheilungen wegen, auf einem Aviso nach Isle de France ab. Dies Fahrzeug war mit Rudern versehen, und ganz zu einer schnellen Ueberfahrt geschickt. Wir entkamen den Engländern glücklich, und liefen am 22. Juni Abends in der Riviere Noire ein. Bei meiner Ankunft zu Port Louis, ward ich von dem General Decaen mit großer Freude empfangen; auch er hatte mich auf den Bericht eines amerikanischen Schiffers todt geglaubt.

Er machte mir Hoffnung, mich in wenig Monaten nach Europa abzusenden, und stellte mich inzwischen wieder bei dem Ingenieurscorps an. Allein es vergieng ein volles Jahr, ehe sich eine passende Gelegenheit zu meiner Rückreise fand. Erst im August 1806 war endlich das dazu bestimmte Schiff segelfertig, und alles gehörig in Richtigkeit. Am 11. August schiffte ich mich ein, am 15. November kam ich, nach einer ziemlich glücklichen Fahrt, in dem spanischen Hafen Passages bei St. Sebastian an. Von dort sezte ich meine Reise über Bayonne, Bordeaux u. s. w. nach meinem Geburtsorte, wo meine Familie lebte, zu Lande fort.

Dritte Abtheilung.

~Heinrich Potter.~

~Quelle.~

=L'otgevallen en Ontmoetingen op eene mislukte Reize naar de Kaap de Goede Hoop. Door ~H. Potter~. 1807 -- 9. IV. Vol. 8.=

~Einleitung.~

Der Verfasser war Prediger zu Peins, in der Nähe von Franken, und erhielt im Jahre 1804 einen Ruf nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung. Allein da bald darauf der Krieg wieder ausbrach, so fand sich keine sichere Gelegenheit zur Reise dahin. Erst zu Ende des genannten Jahres bot sich eine solche in einem preußischen Hafen dar. Wir haben uns bemüht, die ~niederländische~ Manier des Verfassers sorgfältig beizubehalten, überzeugt, daß es den gemüthlichen Lesern gewiß Vergnügen machen wird.

~Erster Brief.~

~Leer~ Novemb. 1804.

Liebster Freund. Am 15. October erhielt ich Befehl und Anweisung, bis zum 10. November an Bord zu seyn. Ich eilte daher sofort nach Amsterdam, um alle meine Einrichtungen zu treffen, welches Gott sey Dank, über meine Erwartung von statten gieng. Hierauf kehrte ich am 27. October nach Peins zurück, wo meine Frau inzwischen alles eingepackt hatte, und reiste am folgenden Morgen mit ihr und den Kindern nach Dockum ab. Hier sollte sie bleiben, bis sich bequeme Schiffsgelegenheit nach der Capstadt fand.