Part 11
Alle Arbeiten liefen unter guter Aufsicht in geregeltem Gange weiter, und ich schmiedete kühne Pläne, in wenigen Jahren eine Musterzuchtfarm auszubauen und unseren Kolonisten gutes Zuchtvieh an Ort und Stelle zu liefern. Mittlerweile rückte die Trockenzeit heran und so konnte ich auch wieder an größere Tierfangzüge denken.
[Illustration]
Fang von wilden Straußen, Zebras, Antilopen und Raubtieren
Zu dem eisernen Bestand eines jeden zoologischen Gartens gehört außer den „großen Kanonen“ wie Raubtiere, Dickhäuter, Wildrinder usw. auch eine Anzahl der afrikanischen Wildpferde, der Zebras. Vor ihren Gehegen kann man stets eine größere Ansammlung der Gartenbesucher antreffen, die sich an der eleganten Gestalt und den graziösen Bewegungen dieser gestreiften Equiden erfreuen. Eine möglichst vollständige Musterkollektion der verschiedenen Arten der Gattung „Zebra“, wie sie beispielsweise der Berliner Garten aufweist, bietet dem denkenden und sich fortbildenden Naturfreund das schönste vergleichende Anschauungsmaterial, das er nur finden kann. Hier und da, z. B. im Stellinger Tierpark, werden Zebras auch zu einer kleinen Rundfahrt vor einen leichten Wagen gespannt, ein Entzücken für jedes Kinderherz. Auch von Wandermenagerien und Zirkussen werden die hübschen Tigerpferde gern begehrt. Kein Wunder, daß daher im Tierhandel nach diesem Artikel stets eine lebhafte Nachfrage herrscht. Für mich, der ich in der Heimat der Tiere meinen Wohnsitz hatte, war also die Aufgabe klar vorgezeichnet: Es galt eine entsprechende Anzahl Zebras zu fangen und nach Deutschland zu schicken, um so den Bestand meiner Firma stets auf der erforderlichen Höhe zu halten.
Die zur Familie der pferdeartigen Tiere (Equiden) gehörige Gattung „Zebra“ (~Hippotigris~) ist in vielen Arten fast über das ganze tropische und subtropische afrikanische Steppengebiet verbreitet. Ich kann natürlich nicht auf eine Beschreibung der sämtlichen Spezies eingehen, sondern begnüge mich damit, auf einige der häufiger vorkommenden Arten kurz hinzuweisen.
Somaliland, Abessynien und der nördliche Teil von Britisch-Ostafrika sind die Heimat des Grevy-Zebras (~Hippotigris grevyi Oustalet~). Diese Form ist der größte Vertreter der ganzen Gattung, besitzt eine außerordentlich dichtgestreifte Decke und zeigt in ihrem Aussehen, wie die südafrikanische Form (~H. zebra L.~) einen gewissen Eselcharakter, während alle übrigen Arten sich mehr dem Habitus der eigentlichen Pferde nähern. In Südafrika finden wir Chapmans Tigerpferd (~H. chapmani Layard~), dessen Verbreitungsgebiet sich nördlich bis zum Sambesi erstreckt. Doch wird sein Vorkommen auch in der Gegend des Nyassasees vermutet. Sollte sich dies bestätigen, so wäre genanntes Zebra auch für die Fauna Deutsch-Ostafrikas, wenn auch nur für ein kleines Gebiet, in Anspruch zu nehmen. Sicher nachgewiesen sind in unserer Kolonie bis jetzt drei Spezies der Gattung Hippotigris, nämlich Böhms Zebra (~H. böhmi Mtsch.~), Grants Zebra (~H. granti de Winton~) und das Muansazebra (~H. muansae Mtsch.~). Diese drei Formen ähneln sich in ihrem Aussehen außerordentlich und weisen nur geringe Unterschiede auf. Die Grundfarbe der Tiere ist weiß, zwischen Schulter und Hüften finden sich durchschnittlich sieben breite schwarzbraune Querbinden, die Beine sind bis ungefähr zu den Hufen herab ebenfalls gestreift. Im ausgewachsenen Zustande übertrifft Böhms Zebra seine Verwandten etwas an Größe. Ein kurzes Beispiel möge genügen, um den Unterschied in der Körpergröße zu illustrieren: Die Schädellänge von Böhms Zebra ist stets größer als 50 Zentimeter, während sie bei Grants Zebra nur knapp an diese Zahl heranreicht. Bezüglich des Verbreitungsgebietes der beiden Arten ist zu bemerken, daß wir Böhms Zebra im Süden und in der Mitte der Kolonie antreffen, hier vorzugsweise in der Mkattasteppe. Ferner kommt es im südlichen Teile der Masaisteppe vor, sowie in den Landschaften, die sich nördlich des Pangani von der Küste zum Kilimandjaro hinziehen. Grants Zebra ist ein Bewohner der nördlichen Masaisteppe. Hierbei ist allerdings zu bemerken, daß die Grenzen der Verbreitungsgebiete dieser beiden Spezies noch nicht mit völliger Sicherheit und Genauigkeit festgestellt sind. In den Steppen westlich des Meru, in denen ich meine Fangzüge zu unternehmen gedachte, hatte ich jedenfalls nur mit dem Vorkommen von Grants Zebra zu rechnen.[1] Über die Art und Weise, wie ich die Tiere in meine Gewalt brachte, mögen die folgenden Zeilen ein Bild geben.
[1] Im Südosten des Viktoriasees kommt die aus den Sammlungen Sr. Hoheit des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg zuerst bekannt gewordene Spezies ~H. muansae~ vor.
Ich machte mehrere Streifritte in die Steppe und lernte hierbei in der am Südwestabhang des Meru liegenden Burenansiedlung Oldonje-Sambu einen sehr zuverlässigen Buren, Herrn Adrian de Beer, kennen, der mir mit seiner Familie bei den weiteren Fangzügen sehr gute Dienste leistete. Seine Farm bot mir die letzte und günstigste Wasserstelle. Ich ließ daher in der Nähe seines Wassergrabens, den er für seine Haustiere angelegt hatte, einen kleinen Kral errichten, um daselbst die gefangenen Tiere unterzubringen.
Die etwas tiefer gelegene Steppe ist von Tausenden von Zebras belebt, und in der Trockenzeit haben diese Tiere ihre Tränke an den angelegten Gräben, die von den Quellen des Meruberges ständig gespeist werden.
Zunächst erkundeten wir das Gelände, beobachteten die Zebras und stellten somit die besten Fangplätze fest. Bei einem solchen Ritt sahen wir bei untergehender Sonne drei kapitale Löwen in einer Entfernung von 400 Meter auf einem Hügel vor uns auftauchen. Zuerst äugten die drei Katzen uns an; ich rief meinem Gewehrträger zu, rasch das Gewehr zu bringen, aber mein Schuß ging fehl und die Bestien verschwanden in weiten Fluchten im Gebüsch der Steppe. So hatte meine Frau, die mitgeritten war, unverhofft zum ersten Male den König der Wildnis in freier Steppe gesehen. In den folgenden Tagen ging der Zebrafang mittelst Lasso los.
Die hierzu verwendeten Lassos haben nicht die Länge der in den amerikanischen Steppen bei der Jagd auf wilde Pferde verwendeten; sie werden auch nicht geworfen wie diese. Man befestigt sie auf langen dünnen und leicht zerbrechlichen Fangstöcken in der Weise, daß Schlinge und Laufring sich an der Spitze des Stockes befinden. Guter Reiter und schnelles Pferd sind unerläßliche Bedingungen für das Gelingen des Fanges, denn die Zebras sind, wie alle Steppentiere, schnelle und ausdauernde Läufer. Nur muß der Reiter, wie beim Giraffenfang, möglichst nahe an die Herde heranreiten, wobei er sich hinter dem Hals des Pferdes versteckt, denn vor dem Pferde selbst scheuen die Zebras weniger. Sobald sie aber den Reiter wittern, ergreifen sie die Flucht. In diesem Moment heißt es ohne Besinnung vorwärts. Das Pferd erhält die Sporen und saust in voller Karriere mitten in die Herde hinein, in die Nähe der ausgesuchten Jungen. 5 bis 6 Monate alte Fohlen sind die beste Beute. Man darf sie aber keinen Augenblick aus den Augen lassen, was leichter gesagt als getan ist, denn wenn die Herde Zebras im Galopp die Flucht ergreift und durch die trockene Steppe saust, so erhebt sich von ihren Hufen eine Staubwolke, daß man kaum die Augen aufhalten kann und über und über mit Erde beworfen wird. Man muß bis dicht an das ausgewählte Tier heranreiten und ihm mit dem Fangstock den Lasso über den Kopf werfen. Ist dies geglückt, so springt man rasch vom Pferde und hält den Lasso fest, bis Hilfe kommt. Bis dahin vollführt aber das gefangene Tigerpferd einen wahren Höllentanz um den Jäger herum. Es bockt, schlägt, beißt und sucht auf alle Art die Fangschlinge abzustreifen, und es bedarf der ganzen Kraft eines Mannes, das starke Tier zu halten. Inzwischen kommen die Neger heran, und nun geht es an das Ergreifen der Beute. Der Lasso wird eingeholt, das Tier bei den Ohren gefaßt und so lange festgehalten, bis ihm ein vorher sorgfältig geprüfter Halfter angelegt ist. Sodann wird das Zebra ganz kurz am Halfter von zwei Mann geführt, da es beim geringsten Spielraum seine Zähne unerbittlich, wo es kann, einschlägt. Das gefangene Tier muß sehr sorgsam behandelt werden; wie bei den Giraffen, so kommt es auch bei den Zebras vor, daß sie sich in derartige Aufregung hineinarbeiten, daß sie plötzlich, vom Herzschlag getroffen, tot zusammenfallen. Das gefangene Zebra wird mit sanfter, aber unwiderstehlicher Gewalt nach dem hergerichteten Tierkral geführt, wo es losgelassen wird. Im Kral tollt es natürlich von neuem los, kann aber nirgends ausbrechen und beruhigt sich dann allmählich. Gleich am ersten Tage konnten wir ein hübsches Exemplar fangen und hatten innerhalb zwei Wochen acht Stück im Kral. Es ist mir öfters passiert, daß beim Durchreiten einer Herde ganz junge Zebrafüllen zurückblieben und unter lautem Gebell sich direkt unseren Pferden näherten. Eines davon suchte sogar bei meinem Pferde zu saugen. Diese, für mich allerdings wertlosen jungen Tiere, sehen in ihrem wolligen, weißbraun gestreiften Fell allerliebst aus; leider sind sie sehr empfindlich und schwer aufzuziehen, denn die Muttermilch, die das Tier in den Tagen benötigt, ist durch andere Milch nicht zu ersetzen. Wir hatten immer große Mühe, derartige Zudringlinge loszuwerden, da sie den Pferden glatt nachlaufen. Nach geraumer Zeit findet sich die Mutter gewöhnlich wieder ein und sucht das Junge durch bellenähnliches Wiehern an sich zu locken.
In Oldonje-Sambu suchten mich die Herren Jansa und Schumann auf. Sie hatten in mehreren Gegenden Großwild gejagt und kinematographische Aufnahmen gemacht, mit letzteren jedoch bis jetzt wenig Erfolg gehabt. Beide Herren blieben einige Tage in unserem Lager zu Gast. Herr Jansa reiste nach Europa zurück; Herr Schumann machte mir, als er hörte, daß ich nach Beendigung des Zebrafanges auf Nashornfang gehen wollte, den Vorschlag, ihn als Begleiter mitzunehmen und gemeinsam kinematographische Wildaufnahmen zu machen. Diesen Vorschlag nahm ich an. Den Verlauf dieses Unternehmens werde ich später schildern. An dieser Stelle aber möchte ich noch die Erbeutung von Zebras im Fangkral beschreiben, obwohl ich sie erst ein Jahr später ausführte.
Zum besseren Verständnis muß ich auf die Topographie des Fangplatzes etwas näher eingehen. Bei Oldonje-Sambu zog sich, vom Westabhang des Meru kommend, eine Schlucht herab, deren Ausgang sich in der sanft absteigenden Grassteppe verlor. Zur Trockenzeit ohne Wasser, wurde sie während der Regenzeit von einem in der Steppe verrinnenden Gießbach durchflossen. Die Ränder der Schlucht waren, steil aufsteigend, 5-6 Meter hoch; die durchschnittliche Breite derselben etwa 30-40 Meter. Diese Schlucht war nur an zwei Stellen passierbar, die etwa 1½ Kilometer voneinander entfernt waren. Ich hatte nun folgendes beobachtet: Eine große Herde Zebras, die ihren Standplatz tagsüber in der südlich der Schlucht gelegenen Steppe hatte, wechselte des Nachts durch den oberen Durchgang zu dem früher erwähnten Wassergraben hin und nahm ihren Rückwechsel durch die niedriger gelegene Passage. Auf diesen Umstand gründete ich meinen Plan, die Tiere, oder wenigstens einen Teil derselben, in meine Gewalt zu bekommen. In einem großen Halbkreise legte ich zwischen Wassergraben und Schlucht kilometerlange Draht- und Dornverhaue an und versperrte den Ausgangswechsel sowie die Schlucht selbst oberhalb und unterhalb der Ausgänge mit Baumstämmen und Dornen. Somit war zwischen dem Südrand der Schlucht und den angelegten Umzäunungen ein riesiger Fangkral entstanden.
Die Hauptsache war nun, den des Nachts zur Tränke kommenden Tieren den Rückzug abzuschneiden und sie in den Fangkral hineinzudrücken. Hiernach mußte der Zugang sofort mit größter Geistesgegenwart schnellstens durch bereitliegendes Material, wie Dornbüsche usw., versperrt werden, denn ich wußte wohl, daß die Zebras, sobald sie auf die Verhaue gestoßen seien, erschrecken und mit voller Wucht auf den Eingang zurückstürmen würden. Die Vorbereitungen erforderten natürlich viel Arbeit, aber endlich war alles fix und fertig; sogar an zwei in der Nähe liegenden Wasserplätzen waren auf Hunderte von Metern Pfähle mit flatternden Jagdlappen und Papierfetzen errichtet worden, weil die Zebras gleich anderem Wild vor diesen harmlosen Gegenständen scheuen und somit auf unseren Kral gelenkt wurden.
Viele Nächte lang lauerten wir auf das ersehnte Wild, leider immer vergeblich; es war wirklich kein Vergnügen, in windiger, kalter Nacht stundenlang im Grase zu kauern. Endlich löste sich das Rätsel: Ein neidischer Bur hatte auf seiner Farm mit dem Pfluge eine Abflußrinne von seiner Wasserstelle kilometerlang in die Steppe hineingezogen. Hierdurch waren natürlich die Zebras von unserem Fangkral abgelenkt worden. Es galt nun, die Tiere von ihrem Tränkeplatz zu vertreiben, und ich beschloß deshalb, an demselben einige Nächte Wache zu halten.
[Illustration: ~Gefangene Giraffen und Zebras~]
[Illustration: ~Giraffen und Zebras auf dem Wege zur Küste~]
Schon gegen Abend sahen wir in der baumlosen Steppe große Herden Zebras auf die Tränkestellen zu äsen. Bei Einbruch der Dunkelheit ging ich mit meinem Assistenten, Herrn Pallenberg, nur mit Gewehr und verblendeter Laterne versehen, an den obengenannten Wassergraben. Stundenlang saßen wir und warteten. Der kalte Nordwind strich vom schneebedeckten Meruberg über die Grasebene herab. Wir hüllten uns dichter in unsere Mäntel, denn die Kühle machte sich recht unangenehm bemerkbar.
Es war gegen Mitternacht, und der Schlaf drohte uns zu übermannen, als wir dicht neben uns das Heulen einer Hyäne hörten. Dieselbe kam zum Graben, tränkte sich und war bald wieder in der Finsternis verschwunden. Kurze Zeit darauf vernahmen wir plötzlich in allernächster Nähe das Schnauben von einem Zebra. Langsam kamen mehrere, und ich konnte bald merken, daß eine große Herde herannahte. Laut donnerte der erste Schreckschuß durch die nächtliche Stille. Nun erhob sich von allen Seiten ein unheimliches Getöse, als ob die Hölle losgebrochen wäre. Eine zweite große Herde war hinter uns, oberhalb des Wassergrabens, an der Tränke gewesen und stürmte jetzt in wilder Flucht auf uns zu. Um von den Tieren nicht überrannt und zertrampelt zu werden, feuerte ich schnell noch einige Schüsse ab und Herr Pallenberg ergriff die Laterne und hielt sie hoch. Hunderte von Zebras sausten dicht an uns vorüber, einen Staub aufwirbelnd, daß man kaum die Augen offen halten konnte.
In Erwartung auf Erfolg rannten wir so schnell, als es in der stockdunklen Nacht möglich war, unserem Krale zu, und richtig vernahmen wir das Getrampel der Zebras in demselben. In größter Eile machten wir den Eingang dicht, und beim Morgengrauen sahen wir zu unserer größten Freude zehn prächtige Zebras im Sackkral. Die Tiere rannten wie toll umher und sprangen gegen die Wände an, um ihre Freiheit wieder zu erlangen. Ein alter Hengst war so schlau, daß er hinkniete, den Kopf durch eine schwache Stelle durchzwängte und mit voller Kraft den Zaun hochhob und sich so die Freiheit wieder verschaffte. Ehe ich dahin gelangen konnte, um die Tiere zurückzutreiben, waren acht weitere seinem Beispiele gefolgt, so daß nur noch ein einziges Tier übrigblieb.
Ich ließ alle Kralwände verstärken und aufs sorgfältigste dicht machen. Für kurze Zeit waren nun die Tiere verscheucht, und nur der Durst konnte sie zwingen, wiederzukommen; denn ein Zebra kann wohl 48 Stunden, aber nicht länger des Wassers entbehren.
So lag ich mit meinem Assistenten Truppel noch manche Nacht auf Wache, bis endlich eines Morgens, noch vor Anbruch der Dämmerung, eine Zebraherde in unseren Kral wechselte. Ich ließ erst etwas Zeit verstreichen, feuerte dann den Signalschuß ab und lief dem Eingange zu. Dem Getrampel nach zu urteilen, schien es erfreulicherweise eine große Herde zu sein. Nachdem der Eingang schleunigst dicht gemacht und bewacht worden war, konnten wir 60 Stück beim Mondenschein zählen. Ein unbeschreiblich wildes Bild boten die in ihrer Angst herumtollenden Tiere, von einer Wand der Schlucht zur anderen rennend, dann wieder in rasendem Galopp herumlaufend. Sand und Erde wirbelten von ihren Hufen in die Luft; bald war die ganze Umgebung von einem grauen Staubschleier überzogen. Alles wäre glücklich abgegangen, und die Tiere wären allmählich zur Ruhe gekommen, wenn nicht die Hunde einer naheliegenden Burenfarm rebellisch geworden wären. Diese hatten ihre Riemen, mit denen sie festgebunden waren, durchgebissen und stürzten dann mitten in die Herde hinein. Jetzt gab es keinen Halt mehr; die aufgeregten Zebras rannten wie toll umher. Auf einmal stürmte die ganze Herde wie auf Kommando in geschlossener Kolonne auf den Eingang zu, brach ungeachtet meiner Schreckschüsse die Einfriedigung nieder und setzte über alles hinweg. Ich konnte mich noch mit knapper Not vor ihren Hufen hinter einen Felsen retten. 15 Nachzügler kehrten vor den Schreckschüssen um, und da meine Leute rasch herbeieilten und den Eingang wieder dicht machten, konnten wir die 15 Zebras für uns retten. Wir trieben sie in das untere Ende der Schlucht, wo sich der Eingang zu einem kleinen Kral befand, der ihnen vorläufig als Aufenthaltsort diente. (Siehe Skizze.) Nun mußten sie anfänglich scharf bewacht werden und vor allem Wasser bekommen. Ich ließ von meinen Schwarzen mit Wasser gefüllte Eimer herbeischleppen und in den Kral hineinbringen. Dann versteckte ich mich in der Nähe, um zu sehen, ob die Zebras auch aus den künstlichen Wasserbehältern trinken würden. Sobald die Neger sich zurückgezogen hatten und die Zebras das Wasser witterten, kamen sie, vom Durst getrieben, scheu und vorsichtig heran; endlich wagte es ein Tier, das Maul einem Eimer zu nähern. Doch durch das Metall oder aus irgendeinem anderen Grunde erschreckt, fuhr es in die Höhe und lief davon; die anderen eilten ihm im wilden Galopp im Kreise herum nach; die Eimer flogen um und alles Wasser wurde verschüttet. Es blieb nichts übrig, als von der nächstliegenden Wasserstelle eine kleine Rinne zu ziehen und den gefangenen Tieren das Wasser auf dem Boden heranzuführen, worauf sie endlich ihren Durst löschen konnten und ruhiger wurden. Nachts wurden rings um den Kral Wachen aufgestellt und große Feuer unterhalten, da sonst die Löwen unseren Fangkral zu ihrem Futterkral gemacht hätten.
Einige Zeit später wurden diese 15 Zebras mit dem Lasso eingefangen und auf meine Tierzuchtfarm gebracht. Zehn von ihnen kamen später wohlbehalten nach Hamburg und bildeten eine Zierde des Stellinger Tierparkes.
Während der kleinen Regenzeit, die dieses Jahr (1911) nur sehr kurz war, verblieben wir auf unserer immer mehr aufblühenden Tierzuchtfarm. Aber allzu lange sollte die Ruhe, die wir hier genossen, nicht dauern, da ich noch möglichst bald die Gelegenheit wahrnehmen wollte, meine Tierkarawane, deren Abtransport im Frühjahr erfolgen sollte, durch den Fang von jungen Giraffen und Oryxantilopen zu vervollständigen. Ferner ging jetzt die Brutzeit der Strauße zu Ende, und so hatte ich gleichzeitig die beste Aussicht, eine Anzahl junger Vögel für meine Straußenzucht einzufangen.
Ich ging daher daran, anschließend an den Zebrafang in Oldonje-Sambu mehrere kleinere Krale herrichten zu lassen, um das neu eingefangene Jungwild hierselbst bis zum Abtransport unterzubringen und zu zähmen. Eine tatkräftige Hilfe fand ich hierbei wieder in meinem schon früher erwähnten Freund, Herrn Adrian de Beer und seiner Familie.
Zu den diesmaligen Fangzügen hatte ich die weit ausgedehnte Steppe zwischen dem Meru-, Longido- und Kitumbin-Berge im Norden unserer Kolonie ausersehen. Diese vielfach von Schluchten und Bodenwellen durchzogene Hochebene ist hauptsächlich mit Gras bestanden, doch finden sich auch hier und da Parklandschaften eingesprengt, Haine aus hohen, schattigen Mimosen oder Schirmakazien, in denen sich mit Vorliebe die Giraffenrudel aufhalten. Überhaupt ist diese Gegend ein wahres Dorado der afrikanischen Steppenfauna. Das hier herrschende Tierleben grenzt fast ans Fabelhafte. Auf kaum einige hundert Meter Entfernung sieht man große Herden von schwarz-weiß gestreiften Zebras, die, sobald sie den Jäger erblicken, im Galopp durch die Steppen sausen, eine mächtige Staubwolke hinter sich lassend. Immer wieder tauchen große Rudel von Kongonis, Gnus, Elen- und Oryxantilopen auf, und man wird unwillkürlich in den Glauben versetzt, man befände sich in Europa auf einer großen Koppel zwischen friedlich weidenden Haustierherden. Plötzlich ertönt der dumpfe dröhnende Balzruf des Straußenhahnes über die Steppe, ein Ton, der vom Neuling mit dem fernen Brüllen eines Löwen leicht verwechselt wird. Sporadisch erblickt man Warzenschweine, Hundsaffen, Schakale oder anderes Raubwild, unvergeßliche Anblicke für jeden Naturfreund.
In einem solchen Revier konnte ich mir für meinen Fangzug gute Resultate versprechen, zumal das Gelände eine ausgiebige Verwendung von Jagdpferden gestattete. Ich hatte mir hierfür gute südafrikanische Halbblutpferde gekauft und keinen schlechten Griff damit getan, denn der Erfolg hängt sehr von der Leistung der Pferde ab. Wer es nicht selbst erlebt hat, kann sich keine Vorstellung machen, welches Hochgefühl derjenige empfindet, der im taufrischen Morgen auf feurigem Renner hinter flüchtigen Oryxantilopen oder Zebras dahinfliegt. Reiterlust -- Jägerlust! Im roten Rock mit der Meute hinter dem Schwarzkittel zu reiten, ist gewiß herrlich; aber schöner ist es doch, in der afrikanischen Steppe den Löwen zu hetzen, wenn auch das Jagdgewand nur aus schlichtem Kaki besteht.
Angenehm begünstigt wird man hier auch durch die klimatischen Verhältnisse. Durch ihre Höhenlagen und kühlen Nachtwinde sind diese Gegenden ohne Moskitos und daher fieberfrei, und die Temperatur übersteigt nur sehr selten diejenige eines normalen Sommers in Deutschland.
Nachdem ich alle Vorbereitungen getroffen hatte, zog ich in Begleitung meiner Frau, meines Burenfreundes und meines Assistenten Truppel mit zwei Burenwagen hinaus in unser Fangrevier; über die Art und Weise des Reisens mit solchen Wagen werde ich mich weiter unten des näheren verbreiten. An geeigneten Stellen schlugen wir unser Lager auf und machten von denselben aus täglich weite Streifzüge. Der Erfolg ließ auch nicht lange auf sich warten, und von Tag zu Tag konnten wir unseren Tierkralen immer mehr neue Insassen zuführen. Manche interessante Episode wurde auf diesen Fangzügen erlebt. Da ich aber den Leser mit Einzelheiten nicht ermüden möchte, sehe ich von einer sich in Einzelheiten erschöpfenden Schilderung ab und begnüge mich damit, einen Überblick über meine Fangmethoden zu geben. Es sei in folgendem zunächst die Erbeutung der wilden Strauße geschildert, bei welcher zwei Fangarten in Betracht kommen:
~a~) Man sucht das Gelege auf, das sich in der Steppe einfach auf dem Boden im kurzen Grase befindet. Hierbei flüchten die Hennen und man umgibt die Nester mit einem kleinen Zaun aus Zweigen auf etwa 10 Meter Durchmesser in 30 Zentimeter Höhe. Über diesen Zaun kehrt das Elternpaar ohne Schwierigkeiten zum Brüten zurück. Nun revidiert man alle paar Tage, ob die Jungen ausgeschlüpft sind oder nicht. Der Zaun verhindert, daß die jungen Strauße gleich in den ersten Tagen mit den Eltern davonlaufen. Bei richtigem Aufpassen kann man dann, wenn die Jungen ein paar Tage alt sind, sie ohne Mühe wegnehmen. Bei der geringen Intelligenz des Straußes ist es nicht zu verwundern, daß er bei seiner Höhe und bei seinen langen Ständern nicht merkt, daß der niedrige Zaun die Jungen am Weglaufen hindert; er könnte sonst bei seinem Gewicht und seinen kräftigen Beinen mit Leichtigkeit die schwache Einfriedigung niedertreten.
~b~) Sind die jungen Strauße aber schon mit den alten auf Wanderschaft, und schon so groß wie ein ausgewachsenes Huhn, so können sie bereits sehr rasch laufen. Nun sieht man von weitem die kleinen Strauße überhaupt nicht, da sie richtige Schutzfarben haben, indem sie genau die Steppenfarben gelb und braun durch ihre abwechselnd gelb und schwarz gefärbten Federkiele nachahmen, an denen sich erst nach und nach die braunen Fahnen entwickeln. Oft sieht man ein Straußenpaar in der Ferne und kann sofort an seinem Benehmen erkennen, ob es Junge bei sich führt. Sobald nämlich die Vögel eine Gefahr merken, locken sie die Jungen herbei, wobei sie mit gespreizten Flügeln seltsame Tanzbewegungen ausführen. Dies ist für den erfahrenen Fänger das sicherste Zeichen, daß das Paar Junge bei sich hat. Wenn er von weitem mit bloßem Auge oder mit dem Glase diese tanzenden Bewegungen sieht, muß er zur Fangjagd ansetzen. Nun beginnt zu Pferde ein scharfer Galopp hinter den Straußen her. Zuerst laufen die Jungen wacker mit, sind sie jedoch schon etwa so groß wie ein Truthahn, so hat die Jagd keinen Zweck, da es nur mit ausgezeichneten Pferden und unter völliger Erschöpfung derselben möglich wäre, die jungen Vögel zu fangen. Sind aber die jungen Strauße noch klein, so suchen sie sich durch plötzliches Niederstrecken in das gelbe Gras zu verstecken und bleiben regungslos liegen. Ihre ausgezeichnete Schutzfarbe macht es dem Jäger, der durch das Reiten und Jagen erregt ist, fast unmöglich, die Tiere von ihrer Umgebung zu unterscheiden. Hat man aber sicher gesehen, daß die Vögel sich niedergelegt haben, so springt man rasch vom Pferde, ergreift einen, bindet ihm die Beine zusammen und läßt ihn liegen; so kann man oft mehrere ergreifen, während die anderen davonlaufen. Ein Gesperre zählt oft bis zu 30 Kücken. Ist das Pferd noch frisch, so wiederholt sich der Vorgang mehrere Male. Dann heißt es aber auf den Spuren zurückkehren und die gebundenen Jungen suchen, wenn die nachfolgenden Schwarzen sie noch nicht gefunden haben. Manchmal steht man direkt neben dem gebundenen Tier und kann es trotz angestrengten Suchens nicht finden, da es sich laut- und regungslos verhält, wenn es den Verfolger bemerkt. In diesem Falle muß man den jungen Straußen insofern nachahmen, als man sich selbst regungslos hinstellt. Nach einigen Minuten hebt der junge Vogel den Kopf, läßt ein rollendes Piepen ertönen und bewegt sich, so daß man ihn endlich bemerkt und aufnehmen kann. Ist das Gelände mit einigen Büschen versehen, so daß es dem Jäger möglich ist, sich darin zu verstecken, so kann er, wenn er sich ganz ruhig verhält, bemerken, daß nach einiger Zeit die alten Strauße zurückkehren, um die Jungen zusammenzulocken.