Chapter 12 of 13 · 3851 words · ~19 min read

Part 12

Zum Straußenfang gehört ein besonderer Erlaubnisschein der Kolonialregierung, der nur zum Zwecke der Straußenzucht erteilt wird. Die Hauptfeinde des Straußes sind, soweit ich feststellen konnte, Hyänen und Schakale, die sowohl die Gelege zerstören als auch die Jungen regelrecht jagen. Beim Straußenfang bemerkte ich einmal vier Schakale, die am hellen Tage jungen Straußen nachstellten und erst beim Herannahen unserer Pferde von ihrer Absicht abließen. Während unseres Jagdzuges in Oldonje-Sambu fingen wir im ganzen 28 Strauße.

Die eingefangenen Kücken werden so schnell wie möglich zur Zuchtfarm gebracht und dort mit Luzerne und Körnerfrüchten gefüttert. Man beauftragt hiermit immer denselben Wärter, so daß die Strauße sich an ihn gewöhnen. Nach einigen Tagen kann man ihn mit den jungen Straußen auf die Weide schicken, wobei er die Tiere beständig lockt und füttert. Bald sind die Vögel zahm, so daß sie von der Weide willig wieder ihrem Wärter nach Hause folgen. Bei guter Pflege wachsen die Strauße sehr rasch, und nach sechs Monaten kann man von ihnen schon die ersten Federn nehmen.

Das Gelände bei Oldonje-Sambu war auch zum Fang von Oryxantilopen gut geeignet. Stellenweise trifft man weite Flächen, auf denen weder Baum noch Strauch steht, sondern welche einen vollkommen reinen Grassteppencharakter besitzen. So beschaffene Terrains werden aber gerade von den genannten Antilopen als Äsungsplätze bevorzugt.

[Illustration: ~Kikuyu~]

[Illustration: ~Kikuyuweiber beim Bereiten von Mehl~]

Die Oryxantilope oder Spießbock Deutsch-Ostafrikas (~Oryx callotis Thos.~) ist eine große, mit Ausnahme des weißen Bauches bräunlich gefärbte Antilope. An den Ohren befinden sich lange Haarpinsel. Beide Geschlechter tragen lange, meist gerade oder nur schwach nach hinten gekrümmte Hörner, die bei den Weibchen eine längere, aber dünnere, bei den Männchen aber eine kürzere, gedrungene Form aufweisen. In diesen Hörnern besitzen die Tiere furchtbare Waffen, die sie gegebenenfalls auch recht geschickt zu gebrauchen verstehen. Der Jäger, der sich einer angeschweißten Oryxantilope nähert, um ihr den Fangschuß zu geben, muß stets darauf gefaßt sein, daß ihn das kranke Tier plötzlich annimmt, um ihn mit seinen langen Spießen zu forkeln. Die Gattung Oryx ist ziemlich verbreitet. Nahe Verwandte der in Ostafrika lebenden Art (~callotis~) finden sich in Süd- und Südwestafrika, im Somaliland und in Arabien.

Wie bei den meisten größeren Vertretern der wild lebenden Tierwelt kommen auch bei den Oryxantilopen für den Fang nur die Jungen in Betracht. Drei bis vier Wochen nach der Setzzeit bietet sich die günstigste Gelegenheit, die Kälber einzufangen. Man verfährt hierbei gerade wie beim Zebrafang, um sich zu Pferde an das Wild heranzupirschen und die Jungen von der Herde abzusprengen. Ist man an die letzten herangekommen, so ist es äußerst schwer, ihnen wegen der schon ziemlich langen Hörner einen Lasso überzuwerfen. Ist dies aber geglückt, so hat man es hier mit dem widerspenstigsten Ziegenbock der Steppe zu tun. Die jungen Oryx gebärden sich wie toll und rennen mit gesenkten Hörnern gegen jeden an, der sich ihnen nähert. Die komischsten Szenen erlebt man bei diesem Fang. Beim Verfolgen eines jungen Oryx flüchtete dieses durch die Krone eines umgestürzten Mimosenbaumes, und mein Begleiter, der das Pferd nicht mehr ablenken konnte, sauste hinter ihm drein. Pferd und Reiter kamen durch die brechenden Dornzweige hindurch, während die schon ziemlich große Oryx in der Baumkrone hängen blieb.

Auch bei der Fütterung und Zähmung sind die Spießböcke die widerspenstigsten und undankbarsten Zöglinge und stellen die Geduld des Pflegers auf die stärksten Proben. Keine andere Antilopenart ist von so unzugänglichem Charakter.

Es ist eine äußerst anstrengende Arbeit, bis man dem beständig blökenden und bockenden Tiere Halfter und Fesseln angelegt hat. Im Laufe des Jagdzuges glückte es uns, zehn Stück Oryx zu fangen. So unangenehm und ermüdend der Oryxfang selber ist, so wunderbar schön ist der Anblick einer flüchtenden und dann seitwärts abbiegenden großen Herde dieser Antilopen, deren über einen Meter lange Hörner bei der Flucht bei langgestrecktem Halse wie auf dem Rücken zu liegen scheinen. Ein unauslöschlicher Eindruck verbleibt jedem, der dies gesehen hat und durch die flüchtende Herde mit dem Pferde gesprengt ist.

Beim Oryx-, Giraffen- und Zebrafang gilt genau das, was ich beim Elefantenfang von den Jagdhunden geschildert habe, auch für die Jagdpferde. Wie man auch die mutigsten Jagdhunde an das unbekannte Wild gewöhnen muß, ehe man sie mit Erfolg verwenden kann, so müssen ebenso die Jagdpferde die zu jagenden Tiere zuerst kennenlernen und an sie gewöhnt werden, da jedes Pferd vor einem ihm fremden Tiere eine instinktive Abscheu hat. Ist aber das zur Jagd zu verwendende Pferd richtig angeleitet, so lernt es bald seinen Herrn und dessen Absicht verstehen und hilft ihm, ja es gerät selbst in den höchsten Jagdeifer, sobald es verstanden hat, worum es sich handelt. Es ist mir vorgekommen, daß mein Jagdpferd so eifrig beim Zebrafang mitwirkte, daß es nach dem erreichten Zebra direkt biß. Beim Fang von Oryx, die die Gewohnheit haben, wenn sie verfolgt werden, in scharfen Winkeln mitten im Lauf abzubiegen, machte mein Pferd diese Wendungen so schnell von selbst mit, daß ich die größte Mühe hatte, hierbei nicht aus dem Sattel zu fliegen.

Dem Pferde am widerlichsten scheint das Warzenschwein zu sein. Diese Tiere leben in der Steppe in Erdlöchern, welche die Bachen mit ihren Frischlingen oft am hellen Tage verlassen, um auf Nahrungssuche zu gehen. Das Warzenschwein (~Phacochoerus aeliani massaicus Lönnberg~) ist etwa so groß wie unser Wildschwein und ein Allesfresser mit sehr starkem Gewaff, welches aus zwei scharfen Gewehren und zwei sehr stark entwickelten, weit aus dem Gebreche seitwärts hervorragenden Hadesern besteht; zweifellos ist es in seinem Äußern eines der häßlichsten der heute existierenden Tiere. Hat man eine Bache mit ihren Frischlingen gesichtet, so geht es in vollem Galopp hinter ihr drein. Einen komischen Anblick gewährt dabei die Alte mit ihrem beim Lauf steil nach oben gerichteten Bürzel. Die Sau sucht sofort eines der Erdlöcher zu erreichen und verschwindet dort mit ihren Jungen. Es heißt daher, eines oder mehrere Junge abzusprengen und zu verfolgen. Ist das junge Warzenschwein genügend ermüdet, so macht es kehrt und nimmt den Reiter an. Nun springt man schnell vom Pferde und sucht den Frischling zu ergreifen. Am besten packt man ihn beim Hinterlauf, während er mit aller Macht mit seinem langen Schädel und den schon scharfen kurzen Waffen um sich haut. Auch versucht er mit den scharfen Schalen seiner Füße angestrengt sich zu befreien, so daß wir oft mit zerfetzten Kleidern zurückkamen. Hierbei quieken diese widerlichen Tiere ohrenzerreißend, was auf die Nerven der bestdressierten Jagdpferde so wirkt, daß sie oft ausreißen, wenn man sie nicht festhalten kann. Vorteilhaft ist es, beim Warzenschweinfang leere Säcke mitzunehmen, um nun die gefangenen Tiere hineinzustecken.

In der Gefangenschaft werden diese urkomisch anzusehenden jungen Warzenschweine sehr zutraulich und bald gänzlich zahm.

Hieran anschließend möchte ich noch in Kürze des Fanges von Raubzeug Erwähnung tun. Die Großkatzen, Löwen, Leoparden und Geparden, fängt man in eigens hierzu konstruierten Kastenfallen, um sie unverletzt in seine Gewalt zu bekommen, denn nur völlig unversehrte Exemplare haben für den Tierhandel einen Wert. Am besten ist es, ganz junge Tiere zu fangen, da diese sich in ganz kurzer Zeit zähmen lassen und auch nur geringe Fang-, Futter- und Transportkosten verursachen. Beschränkt man sich auf den Fang junger Großkatzen, so kommt die Verwendung schwerer Kastenfallen, deren Transport in die Steppe und Aufstellung an geeigneten Plätzen immer eine sehr zeitraubende Arbeit ist, in Wegfall. Man schlägt vielmehr hierbei folgenden Weg ein: Durch Eingeborene wird das Revier abgespürt und es werden die Schlupfwinkel, in welchen sich die Alten mit ihrem Nachwuchs aufhalten, festgestellt. Ist dies geschehen, so sucht man sich der Jungen in einer Zeit zu bemächtigen, in welcher das Muttertier vom Lager abwesend ist. Trifft man die Alte aber in ihrem Schlupfwinkel an, so ist es natürlich notwendig, dieselbe zuerst zu erlegen, ehe man die Jungen mitnehmen kann.

Auf eine ganz andere, und zwar sehr einfache Art verfährt man bei dem Fang von Hyänen. Die hierbei anzuwendende Methode fußt auf der Tatsache, daß die Sprungfähigkeit dieser Raubtiere infolge ihrer verhältnismäßig kurzen Hinterbeine eine sehr beschränkte ist, was sich der Fänger folgendermaßen zunutze macht: Man läßt einen etwa 1,50 Meter tiefen und 1 Meter breiten Graben mit senkrechten Wänden ausheben, der kreisförmig ein Stück des Steppenbodens umschließt, das gleichsam wie eine Insel in seiner Mitte emporragt. Um den äußeren Grabenrand wird aus Buschzweigen ein kleiner Zaun von etwa 50 Zentimeter Höhe errichtet, der den Hyänen die Aussicht auf den Graben verdeckt. In der Mitte der Insel bringt man einen Köder an, der entweder aus Fleisch oder auch aus einer lebenden Ziege bestehen kann. In der Nacht kommen die Hyänen, vom Aasgeruch oder vom Meckern der angebundenen Ziege angelockt, herbei, setzen über den Zaun und stürzen in den Graben. In der Meinung, daß sie aus demselben herauslaufen können, rennen sie immerzu, ohne zu merken, daß sie sich beständig im Kreise herumbewegen. Es ist vorgekommen, daß ich manchmal in einer Nacht mehrere dieser Tiere in einer solchen Falle fing, bisweilen sogar mehr, als mir lieb war. Die Hyänen aus dem Graben herauszubringen, ist sehr einfach. Ein Kasten mit hochgezogener Schiebetür wird hinabgelassen, in blinder Wut stürzt sich das Raubtier hinein, die Falltür schließt sich, und nun wird der Fangkasten mit Inhalt wieder hochgehißt. Durch eine zwischen den Brettern befindliche Ritze wird das Tier in Augenschein genommen, und von dieser Besichtigung hängt das weitere Schicksal der Hyäne ab. Ist es ein altes, für Menageriezwecke unbrauchbares Exemplar, so schenkt man ihm gewöhnlich wieder die Freiheit, denn die Decke der Hyäne hat wenig Wert, und hier in der freien unbewohnten Steppe verursachen sie den Menschen keinen Schaden. Ist das gefangene Tier aber jung und kräftig, so wird es in einen Transportkasten gebracht. Transportkästen für Hyänen müssen immer mit Eisenblech ausgeschlagen sein, denn eine Hyäne ist imstande, eine zwei Zoll dicke Bretterwand in verhältnismäßig kurzer Zeit durchzubeißen.

Auf die oben für den Hyänenfang beschriebene Art fängt man auch Schakale; da aber Schakale auch sehr leicht in Kastenfallen gehen, die für andere Tierarten, wie Ichneumons, Ginster- und Zibetkatzen usw. aufgestellt sind, so ist es nicht nötig, für den Schakalfang allein derartige Fanggräben anzulegen.

Mit dem Einfangen der Tiere ist es aber nicht allein getan. Kam man todmüde und ermattet von den anstrengenden Ritten nach Oldonje-Sambu, so begann hier erst die eigentliche Arbeit, denn jede Tierart mußte in besonderen Gehegen oder Kästen gehalten werden. Schutzdächer gegen Sonne und Regen waren zu errichten und den jungen Tieren täglich mehrere Male ihre Milch oder ihr sonstiges Futter zu verabreichen. Welche Aufmerksamkeit, peinliche Sorgfalt, Sauberkeit und große Erfahrung, und vor allem, welches Maß an Tierliebe eine solche Tier-Kinderstube verlangt, um die Tiere an ihre Gefangenschaft und den Umgang mit Menschen sowie an das veränderte Futter zu gewöhnen, kann man sich schwer vorstellen, wenn man es nicht selbst mitgemacht hat. Die Beschaffung des Grünfutters, die Verabreichung der Milch, die Pünktlichkeit in der Einhaltung der Futterzeiten erfordern die beständige, scharfe Aufsicht eines Europäers. Niemals darf man die Arbeit den Schwarzen allein überlassen. Da ich nun auf Fangzügen oft mehrere Tage vom Lager abwesend sein mußte, so übernahm meine Frau, unterstützt von Frau de Beer, die Aufsicht. Das war für mich eine große Entlastung.

Aber trotz der anstrengenden Arbeit und des vielen Ärgers mit Negern und Tieren, sind uns die Tage von Oldonje-Sambu unvergeßlich geblieben. Die Sonn- und Festtage in Gesellschaft der patriarchalischen Burenfamilie, sowie des trefflichen deutschen Lehrers, Herrn Kaufmann, beim unvermeidlichen Nationalgetränk der Buren, stark mit Milch und Zucker versetztem Kaffee, gehören zu unseren schönsten afrikanischen Erinnerungen.

Bis Ende Januar hatten wir genügend Tiere gefangen und so weit gezähmt, daß sie mit dem Frühjahrstransport nach Stellingen abgehen konnten, den ich diesmal selbst leiten wollte.

Ich möchte aber nicht verfehlen, hier noch zu schildern, wie man zu einer bequemen Jagd mit Burenwagen in die Steppe zieht. Eine solche Fahrt machte ich mit meiner Frau und der mir befreundeten Burenfamilie von Oldonje-Sambu aus. Als Vorbereitung fing im Burenhaus ein großes Backen und Braten an. Einige Schafe wurden geschlachtet, um als Fleischvorrat für die ersten Tage mitgenommen zu werden. Vorkehrungen wie zu einer Auswanderung wurden getroffen: der riesige Burenwagen hergerichtet, die Segelplane ausgespannt, Betten, Stühle, Tische, Küchengerät aller Art, eine große Fleischhackmaschine und ansehnliche Mengen von Salz, Gewürz und Mundvorräten auf den Wagen geladen, dessen hinterer, von der Plane überdeckter Teil immer als Schlafplatz dient. Hier richteten sich die Frauen häuslich ein. Acht Paar Ochsen, von einem Buren geleitet, genügten, in dem flachen Gelände der Steppe den schweren Wagen zu ziehen. Wir Männer ritten voraus, hinter dem Wagen folgten einige meiner Träger in fröhlicher Stimmung, denn sie hatten keine Last zu tragen und freuten sich auf die fleischreichen Tage, die nun kommen sollten. Wir fuhren etwa sechs Stunden durch die wildreiche Steppe. An einer Wasserstelle unter Akazienbäumen machten wir halt. Die Ochsen wurden ausgespannt und weideten, von Schwarzen beaufsichtigt, mit den an den Vorderfüßen gefesselten Pferden zusammen neben dem Lager. Ganz in unserer Nähe konnten wir zwei kapitale Oryxantilopen erlegen. Sie wurden aus der Decke geschlagen, zerwirkt, ein Teil des Wildbrets in etwa zwei Finger dicke und 30 Zentimeter lange Streifen geschnitten, mit Salz bestreut und zum Durchsalzen wieder in die frischen Decken eingeschlagen. Zum Schutze vor Hyänen wurden diese mit Fleisch gefüllten Häute über Nacht an den Akazienbäumen aufgehängt. Ein anderer Teil des Wildbrets wurde mit mitgebrachtem frischem Hammelfleisch durch die Fleischhackmaschine getrieben, mit reichlichem Gewürz vermengt und in die sorgfältig gereinigten Dünndärme der Oryx gefüllt. So entsteht eine Steppenwurst. Den Rest des Wildes vertilgten unsere Schwarzen gründlich. Die Würste sowie die gesalzenen Fleischriemen werden auf ausgespannte Stricke zum Trocknen an der Luft aufgehängt. Frisch gebraten schmeckt die Steppenwurst ausgezeichnet. Das getrocknete Fleisch ist unter dem Namen „Biltong“ bekannt, eine bei den Buren geschätzte Konserve. Die Decken des Wildes verarbeitet der Bure entweder zu Riemen oder er gerbt sie zu Leder. Die an Stelle der Stricke bei den Buren verwendeten Riemen werden aus ungegerbten frischen oder wieder aufgeweichten Decken des Wildes zugeschnitten. Um möglichst lange Riemen zu bekommen, wird das Fell vom äußersten Rande nach innen zu spiralförmig geschnitten. Durch ein besonderes Verfahren versteht es der Bure, diese ungegerbten Riemen dauernd weich und geschmeidig zu halten.

Wir lagerten an dieser Wasserstelle mehrere Tage und machten mit unseren Pferden herrliche Ritte nach allen Richtungen. Hier konnte ich wiederum die schon früher erwähnte Tatsache feststellen, daß ein berittener Jäger vom Wilde viel weniger beobachtet wird als ein Jäger zu Fuß. Offenbar halten die Tiere die Pferde von weitem für Zebras und werden dadurch nicht beunruhigt. Deshalb ist es für den berittenen Jäger ein leichtes, seine Kugel anzubringen und ein angeschweißtes Tier zu verfolgen.

Somit ist die Jagd mit Burenwagen und Pferden verhältnismäßig mühelos und bequem. Ich kann daher jüngeren Huberti, die hier in den Hochländern dem Weidwerk obliegen wollen, diese Art des Jagens nicht genug empfehlen, denn einerseits ist diese Methode nicht besonders anstrengend und kostet auch nicht mehr als das Reisen mit Trägerkarawanen; andererseits gewährt sie viel größere Bequemlichkeit und die Möglichkeit, große Strecken zu durchstreifen. Wir sahen während unserer Ritte unglaubliche Mengen von Wild. So konnten wir eines Tages in nächster Nähe 68 Giraffen zählen, die ruhig an uns vorbeiwechselten. Es war dies ein sonderbarer Anblick, jedoch hatte diese Herde leider keine Jungen bei sich, so daß von einem Fang gar keine Rede sein konnte. Immerhin bot sich mir aber sonst doch Gelegenheit, meinem Beruf nachzugehen, und so brachte ich von unserem achttägigen Ausflug mit dem Ochsenwagen drei junge Spießböcke und zwei Zebras nach Oldonje-Sambu zurück.

Zu dieser Jahreszeit war das Wild selbst hier so zahlreich, daß öfters des Nachts die Zebras dicht bis an unsere Zelte kamen. Infolgedessen fehlten auch Löwen nicht. Eines Morgens lag eine zerrissene, hochtragende Zebrastute nur 600 Meter von unserem Tierkral entfernt. Der Löwe hatte das Gescheide gefressen, und das ungeborene Junge lag unberührt neben dem Kadaver. Das zerrissene Zebra vergifteten wir mit Arsenik, und am nächsten Morgen hatten wir zwei tote Löwen daneben liegen. Obwohl das Vergiften der Räuber nicht weidmännisch ist, so mußten wir doch diesmal aus einfacher Notwehr zu diesem Mittel greifen, um die Pferde und das gefangene Wild zu schützen.

[Illustration: ~Das Resultat monatelanger, mühevoller Fangarbeit~]

[Illustration: ~Mitten im Urwald~]

[Illustration: ~Sichernde Giraffe~]

Die nächsten Wochen galten den Vorbereitungen zum Abtransport der neu eingefangenen Tiere nach der etwa 100 Kilometer entfernten Bahnstation „Neu-Moschi“. Der Transport bestand aus 4 Giraffen, 2 Nashörnern, 21 Gnus, 2 Elenantilopen, 10 Zebras, 9 Oryx, 6 Warzenschweinen, 1 Erdferkel, 10 Geparden, mehreren Schakalen, Hyänen und 2 jungen Löwen, dazu noch Affen, Vögel, Schlangen, Käfer usw. usw.

Es ist durchaus keine leichte und einfache Sache, eine solche Tierkarawane auf einer durch einsame Steppen führenden Straße nach ihrem Verladeplatz zu dirigieren. Der Transport von Raubtieren, Warzenschweinen, Affen, Vögeln und sonstigem Kleingetier ist noch am einfachsten, da diese Tiere in Kästen verstaut und auf dem Ochsenwagen oder auf den Köpfen der Neger weiterbefördert werden. Anders verhält es sich mit den großen Pflanzenfressern, die gewissermaßen mit ihren Wärtern in Reih und Glied mitmarschieren müssen. Sie sind es, welche die Aufmerksamkeit des Transportleiters und seiner Leute am stärksten in Anspruch nehmen und seine Geduld manchmal auf eine harte Probe stellen, da sie öfters durch ihre Mucken und Launen den Weitermarsch um beträchtliche Zeit verzögern. Jede Tierart muß während des Marsches in anderer Weise geleitet oder getrieben werden. So geschah es auch bei dem diesmaligen Transport. Die größten Tiere, wie Giraffen, Zebras usw., mußten am Halfter geführt werden und sich zuerst an diese Halfter gewöhnen. Da die Gnus und Elenantilopen mit Eseln täglich auf die Weide gegangen waren, hatten sie sich so an diese Esel gewöhnt, daß sie frei mit ihnen getrieben werden konnten. Am wenigsten Mühe machten uns jedoch die Nashörner. Sie folgten der Karawane wie Hunde.

Ein unliebsamer Unfall passierte mir mit den Gnus und ihren Wärtern. Beim Abmarsch ließ ich zu Zuchtzwecken acht zweijährige Gnus auf der Farm zurück, welche durch den Abtransport ihrer Gefährten in äußerste Aufregung gebracht worden waren. Deshalb befahl ich meinen Schwarzen, die Tiere bis zu ihrer völligen Beruhigung nicht auf die Weide zu treiben, sondern ihnen über den Kralzaun hinweg das Futter zu verabreichen, zumal sie schon einen Wärter angegriffen hatten. Kaum war ich mit meiner großen Tierkarawane zwei Tage unterwegs, als mir ein Bote nachkam mit der Nachricht, daß die zurückgebliebenen Gnus einen Schwarzen getötet hätten. Die Wärter hatten natürlich meinen Befehl, die Gnus nicht auf die Weide zu treiben, nicht befolgt. Sie hatten sie aus dem Kral herausgelassen, und bei dieser Gelegenheit wurde ein fremder Neger, der sich irgendwie das Mißfallen der noch immer aufgeregten Tiere zugezogen hatte, getötet. Selbst konnte ich nicht zurückkehren, beauftragte aber meinen Verwalter, die Sache bei der Regierung zur Anzeige zu bringen und zu regeln. Später, nach meiner Rückkehr von Europa, stellte sich bei den Verhandlungen heraus, daß ich von sechs Elternpaaren belangt worden war, die alle behaupteten, der von meinen Gnus getötete Mann sei ihr Sohn gewesen. Einige stellten sogar eine Forderung von 200 Rindern als Schadenersatz. Ich überließ es dem Gericht, die schwierige Frage zu lösen und zahlte, obwohl mir keinerlei Schuld an dem Unfall beigemessen werden konnte, eine mäßige, vom Richter festgesetzte Summe, welche die zur Schau getragene elterliche Trauer in grinsende Freude umwandelte.

Doch ich kehre zur Schilderung meines Transportes zurück. Langsam nur ging der Marsch meiner Tierkarawane vonstatten. Ich hatte diesmal folgende Route gewählt: Von Aruscha über Oldonje-Sambu -- Engare ya Nyuki --, nördlich um den Meru herum und dann zwischen diesem und dem Kilimandjaro hindurch zum Kikafu, und von da über Weru-Weru nach der Station Neu-Moschi.

Auch diesmal wurden wir durch zeitraubende, unliebsame Zwischenfälle, wie Regengüsse, Ausbrechen der Tiere usw. öfters aufgehalten. So mußte ich beispielsweise in der freien Steppe an einer Stelle, wo sich um diese Zeit große Herden Gnus und Zebras als Standwild aufhielten, meiner Karawane vorauseilen und durch einige Schreckschüsse das Wild vertreiben. Diese Maßnahme war notwendig, damit sich bei meinen Zebras und Gnus, die sich gerade mit menschlicher Gesellschaft und der damit verbundenen Ordnung vertraut gemacht hatten, beim Anblick ihrer wilden Stammesbrüder das unterdrückte Freiheitsgefühl nicht wieder regte und sie zur Flucht verleitete.

Was für merkwürdige Überraschungen einem auf einem Marsch durch die Wildnis passieren können, beweist folgende kleine Episode: Wir lagerten eines Nachts in nächster Nähe einer Schlucht und, angestrengt durch die Strapazen des Marsches, gaben wir uns der wohlverdienten Ruhe hin. Plötzlich hörten wir um Mitternacht das klagende Miauen eines jungen Nashorns. Im Glauben, eines meiner Nashörner habe sich vom Lager entfernt, rief ich meinen Wärtern zu, Obacht auf diese Tiere zu geben. Nach einiger Zeit erhielt ich ihre schlaftrunkene Antwort, daß beide Nashörner neben ihnen seien und schliefen. Das Klagen eines Nashornes hörte jedoch nicht auf; jetzt sprang ich von meinem Lager auf, um mich selbst von der Richtigkeit der Antwort meiner Schwarzen zu überzeugen. Mit einer Laterne versehen, trat ich in der stockdunklen Nacht vor das Zelt und fand die beiden Dickhäuter ruhig neben ihren Wärtern schlafen. Plötzlich vernahm ich unten in der Schlucht, kaum 20 Meter von mir entfernt, ein Gepolter. Ich merkte sofort, daß ein ausgewachsenes Nashorn flüchtig wurde. Bei Tagesgrauen wurde meine Annahme durch die deutlich sichtbaren Fährten bestätigt. Aber welche Überraschung war es für mich, als ich neben den großen Fährten auch noch diejenigen eines jungen Nashornes fand. Deutlich konnte ich feststellen, daß das Muttertier die Schlucht hinauf zur Tränke gewechselt war. Hierbei hatte sich das Junge verlaufen und die klagenden Rufe ausgestoßen. Wäre es Mondschein gewesen, so hätte ich hier vielleicht auf leichte Art und Weise den Nashornbestand meines Transportes um eines vermehren können, während ich für den Fang der beiden gezähmten Tiere vor einiger Zeit beinahe fünf Monate bedurfte.

An einem anderen Tage hatten wir 25 Kilometer zurückzulegen, um das nächste Wasser zu erreichen, was mit großen Schwierigkeiten verknüpft war. Auch diesmal lag das Vorwärtskommen nur an den Giraffen. Sie blieben sehr oft stehen und wollten einfach nicht mehr weiter. Da man aber bei diesen Tieren keine Gewalt anwenden darf, so mußten wir warten, bis sie von selbst weitergingen. Hierdurch erlitt natürlich die Karawane eine große Verzögerung. Um nun nicht den ganzen Transport in der Steppe ohne Wasser lagern zu lassen, schickte ich alle anderen Tiere bis zum nächsten Wasserplatz voraus, damit die Krale und das Lager noch vor Dunkelwerden aufgeschlagen werden konnten. Ich selbst folgte mit den Giraffen langsam nach, konnte aber den Kral nicht mehr am Abend erreichen und mußte in der Steppe lagern. Glücklicherweise befand sich in der Nähe buschiges Gelände mit einigen Bäumen, so daß wir ein provisorisches Gehege für die Giraffen bauen konnten. Wir selbst streckten uns ohne Zelt am Boden nieder, um am nächsten Morgen den Weitermarsch fortzusetzen. Spät in der Nacht kam noch einer meiner Leute von der Karawane zurück und brachte uns einige Decken. In aller Frühe wurde ich auf eine sonderbare Weise geweckt. Die Giraffen waren wieder frisch und munter, hatten die schwache Einfriedigung durchbrochen und stolperten über uns hinweg. Wir ergriffen schnell die Leitseile der Tiere, und in einigen Stunden hatten wir den Vortrupp erreicht.

Das Wetter schien umzuschlagen. Da wir in einem ebenen Gelände lagerten, so machten wir uns schleunigst daran, die Tierkrale sowie die Zelte auf die in der Nähe liegenden geringen Erhöhungen aufzubauen. Gerade waren wir damit fertig und hatten alles untergebracht, als schon ein furchtbares Gewitter losbrach, gefolgt von dem üblichen tropischen wolkenbruchartigen Regen. Nach einigen Stunden ragten unsere Lagerplätze wie Inseln aus einem See hervor. Nach dreitägigem Aufenthalt war der Boden wieder etwas ausgetrocknet, und der unterbrochene Weitermarsch konnte wieder fortgesetzt werden.