Chapter 2 of 13 · 3978 words · ~20 min read

Part 2

Lehrgegenstände der Katechetenschulen waren Dialektik (Denklehre), Naturkunde, Geometrie und Astronomie; dann Sittenlehre, Lesung der Schriften der alten Philosophen und Dichter und Erklärung der Hl. Schrift. Die Lehrweise war eine sehr anregende, der Lehrer ein erfahrener, sicherer Führer. (Vgl. Lobrede Gregors des Wundertäters auf seinen Lehrer Origenes.)

Die Katechetenschulen bilden einen +Glanzpunkt+ in der Geschichte der frühesten christl. Erziehung. Außer der berühmten Normal- oder Lehrerschule des christlichen Altertums in Alexandrien bestanden später noch Katechetenschulen in Antiochien, Edessa, Nisibis. Diese +Lehrerbildungsanstalten+ erweiterten sich allmählich zu +höheren christlichen Unterrichtsinstituten+. Die meisten damaligen Kirchenlehrer sind aus ihnen hervorgegangen.

IV. Die Kirchenväter.

1. Der hl. Basilius d. Gr.

1. +Jugend.+ Der hl. Basilius wurde 329 in Neocäsarea, der Hauptstadt der asiatischen Provinz Pontus, geboren, wo sein Vater Rhetor war. Die erste Erziehung erhielt er von seinen Eltern, insbesondere von seiner frommen Großmutter Makrina, die in der Nähe von Neocäsarea auf dem Lande wohnte. Nach dem Tode des Vaters zog Basilius, weitere Ausbildung suchend, nach Cäsarea in Kappadocien, wo er zuerst mit +Gregor von Nazianz+ zusammentraf. Als die dortige Schule diesen so strebsamen Jünglingen nicht mehr genügte, entschlossen sie sich, die größten Lehrer der Wissenschaft aufzusuchen, die man zu jener Zeit kannte. Basilius ging zuerst nach Konstantinopel, wo er den berühmten heidnischen Rhetor Libanius hörte, und von dort nach Athen. Gregor reiste nach Alexandrien, um den großen Bischof Athanasius kennen zu lernen. Dann lenkte auch er seine Schritte nach Athen, der Hauptstätte griechischer Bildung. Hier wohnten die beiden Freunde in einem Hause, speisten an einem Tische und arbeiteten stets gemeinschaftlich. Von den Festen und Gelagen anderer Jünglinge hielten sie sich fern. Sie kannten in Athen nur +zwei Wege+, den zur +Kirche+ und den zur +Hochschule+. Außer Rhetorik studierten sie noch Philosophie, Geschichte, Musik und Medizin. Aber nicht in der Wissenschaft, worin sie bald alle übertrafen, suchten sie die höchste Auszeichnung. Noch mehr war es ihr Streben, in der heidnischen Umgebung +Christen+ genannt zu werden und als wahre Christen zu leben. Kein Wunder daher, daß während ihres vierjährigen Aufenthaltes daselbst ganz Athen, Heiden sowohl als Christen, von hoher Bewunderung zu den „Kappadociern“ erfüllt wurde. Bei ihrem Abzuge gaben Tausende ihnen das Geleit bis ans Meeresufer und sagten ihnen mit Wehmut Lebewohl (356).

2. +Öffentliches Leben.+ Kaum war Basilius in seine Heimat zurückgekehrt, so trug man dem bewunderten Manne verschiedene weltliche Ämter an. Auf der anderen Seite aber sah er das Beispiel seiner Mutter Emmelia und seiner Schwester Makrina, die sich zu einem klösterlichen Leben in die Einsamkeit zurückgezogen hatten. Basilius schwankte nicht lange. Er empfing die hl. Taufe und begab sich dann nach Syrien, Palästina und Ägypten, um das Mönchsleben aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Nach seiner Rückkehr verkaufte er die väterlichen Güter und suchte eine einsame Gegend am Flusse Iris auf. Hier lebte er mit seinem Freunde +Gregor+ und einigen anderen Gefährten still und verborgen, in Studium und Gebet, in strenger Abtötung und harter Arbeit. Doch ragte der hl. Basilius durch sein Wissen und seine Tugend zu sehr hervor, als daß die Kirche, noch immer von Heiden und Irrlehrern bedroht, seines Wirkens hätte leicht entbehren können. Im Jahre 364 berief ihn der Erzbischof Eusebius von Cäsarea in den Dienst der Kirche und weihte ihn zum Priester. Als Eusebius 370 starb, wurde Basilius zu dessen Nachfolger gewählt und an die Spitze der großen kappadocischen Kirchenprovinz berufen, die in ihm ihren größten Oberhirten erhielt. In dieser Stellung wirkte er 9 Jahre höchst segensreich als treuer Vorkämpfer der reinen Lehre (gegen die Arianer), als Wohltäter der Armen, besonders aber als Lehrer und Erzieher der Jugend. Seine Gegner wußte er durch +Sanftmut+ zu gewinnen oder durch seine überlegene Einsicht und Gelehrsamkeit zum Schweigen zu bringen. Von seinen Einkünften baute er ein großes Armen- und Krankenhaus, das einen eigenen Stadtteil in Cäsarea ausmachte, und gab darin selbst das Beispiel der Krankenpflege. Er errichtete mehrere Klöster, schrieb ihnen eine besondere Regel vor (die jetzt noch in den orientalischen Klöstern befolgt wird) und befahl den Mönchen, sich +besonders der armen und verwaisten Kinder+ anzunehmen. Für den Unterricht und die Erziehung gab er genaue Vorschriften. Vor allem drang er auf musterhafte Ordnung und andächtiges Verhalten beim Gottesdienste. Als Kaiser Valens einst die Provinz Kappadocien durchreiste, war er überrascht und erbaut von der +Andacht der heranwachsenden Jugend+ bei der hl. Messe und der Geistessammlung, mit welcher der Erzbischof die hl. Geheimnisse feierte. Der hl. Basilius beschloß seine irdische Laufbahn am 1. Januar 379 und hinterließ nicht so viel, daß man ihm einen Grabstein setzen konnte. An seinem Grabe weinten Heiden und Juden mit den Christen. Die heißesten Tränen aber wurden geweint von den Zöglingen der Armen- und Waisenanstalten.

3. +Schriften.+ Von seinen Schriften, die in ihrer Form den +klassischen Meisterwerken der Griechen gleichstehen+, sind zu merken: 1. „Rede an die christlichen Jünglinge über den Gebrauch der heidnischen Klassiker“; 2. „Regeln für das Leben der Mönche.“ Beachtenswerte Stellen aus den letzteren sind:

„Die Waisenkinder sollen als gemeinsame, den Brüdern gehörende +Kinder+ angesehen werden; sie sollen in besonderen Häusern unter Aufsicht eines erprobten Mannes wohnen.“

„Die Strafe soll dem Fehler +entsprechend+ sein. Hat ein Knabe zur Unzeit zu essen sich erlaubt oder nimmt er die Speisen zu gierig, so muß er durch kleinere Fasten zur Selbstbeherrschung und zum Anstand geführt werden.“

„+Beten+ muß die Jugend vom Alter lernen, und das Alter wird seinerseits durch das +Gebet der Jugend+ nicht wenig unterstützt.“

„Die Gewöhnung an +schlechte Reden+ ist gewissermaßen der Weg zu +schlechten Taten+.“

=2. Der hl. Johannes Chrysostomus= (344–407).

Dieser berühmte Erzbischof und Patriarch von Konstantinopel (wegen seiner Beredsamkeit Chrysostomus, d. i. Goldmund, genannt) verdankt seine streng religiöse Erziehung seiner frommen Mutter Anthusa. In seinen Homilien und in der Schrift „Gegen die Feinde des Mönchtums“ tritt er mit großer Kraft der heidnischen Sittenlosigkeit entgegen. Den Eltern und Erziehern legt er insbesondere

1. die Pflicht des guten +Beispiels+ warm ans Herz.

Er tadelt diejenigen Väter, „die den Kindern nur von +irdischen+ Dingen reden“. „Wenn ein Vater sein Kind ermahnend sagt: hier hat sich einer durch seine Kunst großen Reichtum erworben, dort ist einer durch seine Kenntnisse zu den höchsten Staatsämtern gelangt, von himmlischen Dingen aber niemals redet, so lehrt er sie nichts anderes, als was die Quelle alles Bösen ist, denn er flößt ihnen die Habsucht ein und die noch verderblichere Begierde nach eitler Ehre.“ Er eifert ferner gegen solche Väter, die das Schlechte mit +schönen+ Namen, die Tugenden mit +verwerflichen+ Ausdrücken benennen. „Immer auf der Rennbahn und im Theater leben nennt ihr guten Weltton, das Trachten nach Reichtum ein unabhängiges Leben suchen, Ehrgeiz hohen Sinn, Übermut Freimütigkeit. Dagegen nennt ihr Bescheidenheit Feigheit, das Prunklose knechtisch, die Geduld eine Schwachheit.“ „Solche Väter halte ich für ärger als Kindermörder, denn diese können nur den Körper von der Seele trennen, jene aber stürzen die Seele in die Hölle.“

2. Er weist auf die wichtige Stellung der +Mutter+ bei der Erziehung hin.

„Die Mütter sollen die Kinder nicht nur leiblich pflegen, sondern auch zur Gerechtigkeit und Gottesfurcht erziehen.“ „Sehet weniger darauf, daß eure Kinder gut reden, als daß sie +gut leben+ lernen.“

3. Er ermahnt die Eltern, mit der Erziehung und dem Unterrichte +frühzeitig+ zu beginnen, namentlich mit der Unterweisung in der Religion.

„Der +Charakter+ des Kindes muß von Jugend auf gebildet werden, denn auf den +Charakter kommt alles an+.“ „Die Dornen müssen ausgerissen werden, solange man noch leicht im Acker arbeiten kann.“ „Das zarte Alter nimmt das, was es hört, leicht in sich auf, wie das weiche Wachs leicht die Spuren des Siegels festhält.“ „Halte es nicht für überflüssig,“ ruft er einem Vater zu, „daß dein Sohn früh die Hl. Schrift kennen lerne. Aus dieser wird er zunächst hören: ‚+Ehre deinen Vater und deine Mutter+‘; es geschieht also zu deinem Vorteil. Sage nicht, daß dieses für Mönche gehöre; freilich nicht zu einem Mönche, aber doch zu einem Christen sollst du ihn machen -- denn +groß ist die Gewalt der vernunftwidrigen Neigungen+ in diesem Alter.“

4. Den +Beruf+ eines Jugenderziehers sieht er als den +höchsten+ auf Erden an.

„+Höher+ als jeden Maler, höher als jeden Bildhauer und alle +übrigen Künstler+ schätze ich den, der die Seelen der Kinder zu bilden versteht.“

=3. Der hl. Hieronymus= († 420).

Dieser berühmte Übersetzer der Bibel (~Vulgata~) war Vorsteher des Klosters zu +Bethlehem+. Er widmete sich mit großem Eifer der Erziehung und dem Unterrichte von Knaben, die ihm von den Eltern anvertraut waren, und verschmähte es nicht, denselben auch die ersten Anfänge des Lesens, Rechnens usw. beizubringen. Sein Ruf als tüchtiger Erzieher drang weit über die Grenzen Palästinas hinaus. Tausende von Eltern wandten sich an den Mönch zu Bethlehem, um von ihm Ratschläge für die Erziehung ihrer Kinder zu erhalten. Solchen Anlässen entsprang eine Reihe wichtiger Schriften, von denen uns zwei erhalten sind: 1. an die edle Römerin Läta über die Erziehung ihrer Tochter Paula, 2. an einen Freund (Gaudentius) über die Erziehung seiner Tochter Pacatula. Die pädagogischen Grundsätze, die er in diesen Erziehungsbriefen niedergelegt, sind durch Jahrhunderte auf Unterricht und Erziehung von großem Einfluß gewesen. Diejenigen, welche am eifrigsten seine methodischen und didaktischen Winke befolgten, waren die Fraterherren (die ersten „Elementarlehrer“ in Deutschland), die sich nach ihm „Hieronymianer“ nannten. (Vgl. S. 33.) Die bemerkenswertesten Gedanken aus diesen Briefen sind folgende.

1. „+Lerne+ erst lange vorher, was du nachher lehren willst.“ „Zum +Lehrer+ ist ein Mann von bewährtem Alter, von erprobten Sitten und Kenntnissen zu nehmen. Selbst der Ton der ersten Laute und die erste Beibringung der Regeln wird von einem gebildeten Manne anders sein als von einem ungebildeten. Ich glaube auch nicht, daß ein unterrichteter Mann sich schämen wird, bei einem Kinde ein Amt zu übernehmen, welches der +große Aristoteles bei dem Sohne des Philippus+ übernahm. Man darf dasjenige Kleine nicht gering achten, ohne welches das Große und Wichtigste gar nicht möglich ist.“

2. „Samuel wird in einem Tempel auferzogen, Johannes bereitet sich in der +Einsamkeit+ vor: wie Samuel und Johannes muß eine Seele unterwiesen werden, die Gottes Tempel und in den Wissenschaften tüchtig werden soll. +Niemals+ soll das +Kind an öffentlichen Gastmählern+ teilnehmen, auch nicht im elterlichen Hause. Ohne vorhergehendes Gebet soll es keine Speise nehmen; ohne dem Herrn gedankt zu haben, soll es sich nicht vom Tische entfernen.“

3. „Vor allem ist zu vermeiden, daß das Kind gegen das Lernen +Widerwillen+ fasse. Was das Kind lernen muß, das soll ihm lieb werden, damit das +Lernen nicht ein Frondienst+, sondern eine +Ergötzung+, nicht ein Müssen, sondern ein +Wollen+ sei.“

4. „Man gebe dem Kinde +Genossen+, mit denen es +wetteifere+ und durch deren Belohnung es angestachelt werde. Will es lässig werden, so darf man es nicht gleich schelten; auch +durch Lob+ muß manchmal der Geist zur Regsamkeit gebracht werden.“

5. „Dem Kinde gebe man +Buchstaben+ von Buchsbaum, nenne dieselben mit Namen und setze aus ihnen Wörter zusammen. Bei Einprägung des Alphabets halte man nicht immer die Ordnung des Alphabets ein, sondern +mische+ die Buchstaben untereinander, daß das Kind sie nicht durch die Ordnung des Hersagens, sondern durch den bloßen Anblick erkennt. Die Wörter, welche durch die Buchstaben gebildet werden, sollen nicht zufällig und +inhaltlos+, sondern bestimmt und mit Fleiß ausgewählt sein. Man gewöhne das Kind, die Wörter ohne Verstümmelung und +deutlich auszusprechen+.“

=4. Der hl. Augustinus= (354–430).

Augustinus wurde als Sohn des Heiden Patricius und der Christin +Monika+ am 13. November 354 zu Tagaste in Numidien geboren. Die fromme Mutter ersetzte durch Gebete, Tränen und Ermahnungen bei ihrem Sohne reichlich, was der Vater vernachlässigte. Nach dem Wunsche des Vaters sollte Augustinus ein berühmter Gelehrter werden, und es wurden deshalb keine Kosten gescheut. Auf den hohen Schulen zu Madaura und Karthago machte er zwar in der Beredsamkeit große Fortschritte. Aber er blieb auch dem wilden zügellosen Leben nicht fremd, welches unter den Studierenden dort herrschte. Mit den Verirrungen ihres Sohnes wuchs indes die Liebe der Mutter. Als sich Augustinus i. J. 384 nach Mailand begab, um dort eine Stelle als Lehrer der Beredsamkeit anzunehmen, folgte ihm die Mutter mit ihrem zweiten Sohne nach. Hier wohnte Augustinus als Katechumén den Predigten des hl. +Ambrosius+ bei. Dieselben machten auf sein Gemüt einen tiefen Eindruck. Der persönliche Verkehr mit dem gelehrten und heiligen Erzbischof vollendete seine Bekehrung. Am Ostersamstag d. J. 387 wurde er, 33 Jahre alt, getauft. Auf der Rückreise in die Heimat ereilte die Mutter in der Hafenstadt Ostia am 4. Mai 387 der Tod. „Begrabet diesen Leib,“ sprach sie sterbend zu den bekümmerten Söhnen, „wo immer ihr sein möget; die Sorge um ihn darf euch nicht beunruhigen. Aber um eines bitte ich euch, daß ihr, wo immer ihr sein möget, am Altare des Herrn meiner gedenket.“ Nachdem der Leib der Heiligen in Ostia zur Erde bestattet, begab sich Augustinus auf kurze Zeit nach Rom und kehrte dann nach Karthago und auf sein Landgütchen bei Tagaste zurück. Im Jahre 391 zum Priester geweiht, wurde er bereits 395 zum Bischof von Hippo erwählt und verwaltete sein Amt 35 Jahre lang mit beispiellosem Eifer und großartigem Erfolge. Doch mußte er es noch erleben, daß die Vandalen unter Geiserich Afrika verwüsteten und Hippo belagerten. Er starb im dritten Monat dieser Belagerung, am 28. August 430, im 77. Lebensjahre.

Von seinen zahlreichen Schriften, welche sich durch ungewöhnliche Tiefe und Gelehrsamkeit auszeichnen und ihm den Namen des größten +Gottesgelehrten aller Zeiten+ verschafft haben, sind zwei für die Pädagogik besonders wichtig.

1. „+Von der katechetischen Unterweisung der Unwissenden in der Religion.+“ Durch dieses Buch, welches eine Anleitung für den Diakon Deogratias in Karthago zur Erteilung des ersten Katechumenen-Unterrichts enthält, ist Augustinus der Gründer der katholischen Pädagogik geworden. Die bemerkenswertesten Gedanken aus demselben sind folgende.

„In der Erziehung muß +Liebe+ mit +Furcht+ und Furcht mit Liebe gepaart sein.“

„Der Erzieher soll sich eine +heitere Stimmung+ zu bewahren suchen, nur ‚einen fröhlichen Geber hat Gott lieb‘.“

„Er soll die +Eigenart der Schüler+ kennen lernen und darauf achten, ob dieselben aufrichtig und gut beanlagt sind.“

„Der +Unterricht in der Religion+ soll sich auf der +Bibl. Geschichte aufbauen+. Er soll auch auf die Bedürfnisse der Zeit und des Ortes Rücksicht nehmen. Auf allen Stufen muß er ein zusammenhangendes Ganzes bilden.“

„Mit dem bloßen Auswendiglernen soll der Katechet sich nicht begnügen, sondern es soll fleißig +erklärt+, dann der +Begriff gewonnen+, die +öftere Wiederholung+ nicht verabsäumt werden.“

Um sich „vom Verständnisse zu überzeugen und Gelegenheit zu gewinnen, das falsch Erfaßte zu berichtigen“, empfiehlt +Augustinus nachdrücklich die Frage+.

Endlich soll der Katechet alle zweckmäßigen Mittel anwenden, um den Lernenden den +Unterricht+ ebensowohl +angenehm+ als recht nützlich zu machen, damit sie denselben +gern+ und +fleißig+ besuchen.

2. Sehr belehrend und erbauend sind ferner seine „+Bekenntnisse+“, als Erbauungsbuch in fast sämtliche Sprachen Europas übersetzt. Er gibt darin einen Abriß seines Lebens von seiner Kindheit an bis um d. J. 400, gedenkt hierbei aber nicht bloß der äußeren Ereignisse, sondern schildert insbesondere den Zustand seines Innern, die +Kämpfe und Anstrengungen+, durch die er bemüht war, sich der Sünde zu entreißen und einem christlichen Leben zuzuwenden.

V. Die Pfarrschulen.

1. Eine für den Katechumenen-Unterricht einflußreiche Änderung war die allmähliche Durchführung der +Kindertaufe+ (nach der Völkerwanderung). Der Religionsunterricht begann jetzt erst nach der Taufe, aber auch gleich nach dem Eintritte der Kinder in die Jahre der Vernunft. Die Seelsorger übernahmen den Unterricht. Das Katechumenat hörte auf, und die Pfarr- oder Parochialschulen traten an dessen Stelle.

2. Die +Form+ der christlichen +Katechesen+ mußte für Kinder eingerichtet werden. An Stelle des Vortrages trat das +Zwiegespräch+ (Fragen und Antworten). Bei der Auswahl des Stoffes war auf die Fassungskraft der Kleinen Rücksicht zu nehmen. So gestaltete sich die Katechese zu einer Unterweisung von Kindern in den Anfangsgründen der christlichen Lehre, welche in der Form des Zwiegesprächs durch Fragen und Antworten erteilt wird.

+Katechismus+ heißt: +Lehrbuch in Form von Frage und Antwort+, besonders für den Unterricht in der christl. Religion. Mit +katechetischer Methode+ bezeichnet man die Unterrichtsweise in der Form des +Zwiegesprächs+.

3. +Hauptlehrgegenstände+ der Pfarrschulen waren: Religion und Biblische Geschichte; vielfach wurde auch Lese-, Gesang- und Rechen-Unterricht damit verbunden.

4. Die +Errichtung+ von Parochialschulen wurde angeordnet durch die Synoden von Orange und Valence (529) und durch das 3. ökumen. Konzil (von Konstantinopel 681). Eine Synode in England bestimmte ausdrücklich: „Die Pfarrer sollen so viele Schüler in ihre Häuser nehmen, als sie können, und wie gute Väter ihren Geist nähren.“

VI. Die Schulen der Benediktiner.

1. Dem Benediktinerorden verdankt das Abendland vom 6.–13. +Jahrhundert+ fast ausschließlich die Segnungen des öffentlichen Unterrichts. Die kleineren Stifte bildeten die Jugend der Umgegend in Elementarkenntnissen, die größeren Klöster waren Sammelplätze der Gelehrsamkeit.

2. Der Stifter des Benediktinerordens ist der heil. +Benedikt von Nursia+, zugleich Vater des Mönchswesens im Occident. Er gründete seinen weltberühmten Orden 520 zu Subiaco (südlich von Rom), siedelte 529 nach +Monte Cassino+ (nördlich von Neapel) über und gründete hier das eigentliche +Stammkloster+ des Ordens. Er starb daselbst 543.

3. In seiner +Ordens-Regel+ nimmt er vorzugsweise auf die Pflege der Jugend Rücksicht.

+Arme+ so gut als +reiche+ Knaben dürfen vom +frühen Alter+ an durch die Eltern dem Kloster übergeben werden. -- Sie sollen im Kloster in +strenger Ordnung+ und draußen unter Aufsicht gehalten werden. -- Die Schwächen der Knaben sind zu berücksichtigen, dagegen die +Vergehen+ derselben mit +Fasten oder Rutenstreichen+ zu züchtigen.

4. Nach dem Muster des Stammklosters wurden mit allen Benediktinerklöstern +Schulen+ verbunden. Bei den größeren Klöstern bestanden Doppelschulen, eine +äußere+ und eine +innere+. Die äußeren Schulen wurden von Knaben besucht, welche sich zu einem weltlichen Berufe vorbereiteten; die innere Schule war für solche, die sich dem Ordensberufe widmen wollten. Beide Schulen aber waren +Internate+, da die Benediktinerklöster nach der Ordensregel außerhalb der Ortschaften aufgeführt werden mußten.

5. Der Vorsteher des Klosters (Abt) beauftragte einen geeigneten Mönch mit der besonderen +Leitung+ der Schule. Dieser hieß ~magister scholae~, war sehr angesehen und wählte sich aus den übrigen Mönchen ~seniores~ (Helfer).

6. +Unterrichtsgegenstände+ waren:

~a~) Lesen, Schreiben und Psalmengesang. (Die Unterrichts- und Umgangssprache war die +lateinische+. Nur die Kleinen durften sich der Muttersprache bedienen.)

~b~) Grammatik (lat.), Rhetorik, Dialektik; -- Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Musik.

Die unter ~b~ genannten Unterrichtsfächer nennt man zusammen die +sieben freien Künste+; davon bilden die drei ersten das +Trivium+ und die vier letzten das +Quadrivium+.

7. Die +Zucht+ wurde mit großer Strenge gehandhabt. Auf Unart, Unfleiß, Unachtsamkeit folgten Fasten und Rutenstreiche, auf schwerere Vergehen Geißelhiebe.

8. Berühmte +Benediktinerschulen+ vor dem Jahre 800 waren:

Monte Cassino in Italien, St. Gallen in der Schweiz, Reichenau auf einer Bodensee-Insel, Fulda in Mitteldeutschland, York in England und +Tours+ in Frankreich.

VII. Die Domschulen.

Die ältesten christlichen Schulen an den Wohnsitzen der Bischöfe sind die Schulen bei den bischöflichen Kirchen oder die +Domschulen+.

Der Vater der Dom- oder Kathedralschulen ist +Chrodegang+, von 742–766 Bischof von Metz. Er gab seinen Domgeistlichen eine bestimmte Regel zu einem gemeinschaftlichen Leben und gründete mit ihnen eine Schule, deren nächster Zweck war, junge Priester heranzubilden. Der Leiter der Domschulen hieß +Scholasticus+ und war ein angesehenes Mitglied des Domkapitels. Seine Gehilfen fand er unter den übrigen Domherren. Nach Chrodegangs Vorgang in Metz entstanden Domschulen auch in anderen Bischofsstädten. Die Domschulen sind, wie die Klosterschulen, Lateinschulen gewesen, hatten dieselben Unterrichtsgegenstände, waren aber nicht Internate, sondern +Externate+.

Zweiter Abschnitt.

Von Karl dem Großen bis zur Reformation.

I. Verdienste Karls des Großen um Erziehung und Unterricht.

Kaiser Karl der Große (768–814) ist der erste +weltliche+ Herrscher, welcher für Erziehung und Unterricht seiner Völker Sorge trug. Sein gewaltiger Geist erfaßte zum erstenmal den Plan einer +allgemeinen Volksbildung+. Schon durch seine pädagogischen Bestrebungen hat sich der große Kaiser einen unsterblichen Namen und den Dank der Nachwelt gesichert. Karls Verdienste sind:

1. Er sorgte für die Verbreitung des Christentums unter den noch +heidnischen+ Völkerschaften und suchte so das Werk des hl. Bonifacius zu vollenden. Unterstützt wurde er in diesen Bestrebungen durch den Schüler des hl. Bonifacius, +Sturmi+, welcher den südwestlichen Teil des Sachsenlandes als Arbeitsfeld sich wählte und das Kloster Fulda gründete; sodann durch den hl. +Ludgerus+, Stifter der Abtei Werden a. d. Ruhr und ersten Bischof von Münster, der im nordwestlichen Teile des Landes segensreich wirkte.

Karl verschmähte bei der Ausbreitung des Christentums und der Kultur auch +Gewaltmittel+ nicht, weshalb Weber in seinem Epos „Dreizehnlinden“ von ihm sagt:

„Beides schaffte Karl der Franke, Liebenswertes, Hassenswertes; Hielt er fest am Kreuz der Kirche, Fester doch am Kreuz des Schwertes.“

„Der die Leuchte holder Bildung Trug in unsre finstren Wälder, Segensreiche Körner streute, Doch in blutgedüngte Felder.“

2. Die Verkündigung der Heilswahrheiten in den schon +christlichen+ Teilen seines Reiches lag ihm sehr am Herzen.

Er ließ durch Paul Warnefried eine Homiliensammlung veranstalten, befahl, daß die Belehrungen des Volkes in der +Muttersprache+ geschehen sollten, und ließ einen +Katechismus in deutscher Sprache+ (den ersten dieser Art) verfassen. Sein weiteres Verdienst um die deutsche Sprache besteht darin, daß er auch die alten +deutschen Volkslieder+ durch Eginhard aufschreiben und sammeln ließ.

3. Er war ein eifriger Förderer der +bestehenden+ Schulen, namentlich der Klosterschulen der Benediktiner und der Pfarrschulen.

Den +Priestern+ wurde in seinen +Kapitularien+ (Gesetzesbestimmungen) die religiöse Unterweisung der +Jugend+ zur +besonderen+ Pflicht gemacht.

4. Er gründete mit unermüdlichem Eifer +neue+ Schulen:

~a~) Die +Domschulen+ wurden vermehrt, und die Domgeistlichkeit wurde zur Annahme der Regel Chrodegangs bewogen. So entstanden die Kathedralschulen zu Mainz, Trier, Köln, Münster, Paderborn, Minden u. a. (Vgl. ~Capitulare~ v. J. 789.)

~b~) Die +Sängerschulen+ zu Metz und Soissons waren Neuschöpfungen Karls. Papst Hadrian sandte für diese Schulen zwei bewährte Meister des Gesanges, Petrus und Romanus.

~c~) Die +Hofschule+ Karls ist als seine Lieblingsschöpfung zu bezeichnen und gestaltete sich zu einer Musterschule für das ganze Reich. Seine eigenen Kinder und die Kinder seiner Beamten erhielten hier Unterricht. Sie hatte den Charakter einer Wanderschule (Paris, Aachen, Ingelheim, Nymwegen); +Alkuin+ war ihr berühmtester Lehrer.

~d~) Karl gründete auch viele eigentliche +Elementarschulen+. Er führte für diese schon eine Art Schulzwang ein: die Eltern sollten gehalten sein, ihre Kinder zur Schule zu schicken, säumige Eltern wurden mit Fasten und anderen Züchtigungen bestraft. (Vgl. ~Capitulare~ v. J. 806 und Konzil von Mainz v. J. 813.)

5. Der große Kaiser ging auch selbst mit dem schönsten +Beispiele+ voran. Neben der strengsten Erziehung seiner eigenen Kinder scheute er sich nicht, noch im Mannesalter ein lernbegieriger Schüler zu sein.

Erst spät lernte er das Rechnen und Schreiben; letzteres betrieb er mit solchem Eifer, daß er die Schreibtafel mit sich ins Bett nahm, um bei Schlaflosigkeit sich im Schreiben zu üben. Noch nach seinem 40. Jahre studierte er Grammatik, Rhetorik, Dialektik (das Trivium) und vor allem +Astronomie+. In der lateinischen Sprache war er so bewandert, daß ihm der Pfingsthymnus ‚~Veni, creator~‘ zugeschrieben wird. Er besuchte selbst die Schulen und hielt Prüfungen ab. (Vgl. das anmutige Gedicht von Karl v. Gerok „Wie Kaiser Karl Schulvisitation hielt“.)

+Hindernisse+, welche sich den edlen Bestrebungen Karls entgegensetzten, waren:

1. Seine Ideen kamen +zu früh+ und konnten deshalb kaum dauernde Wurzeln schlagen.

2. Der Bauernstand war zum großen Teil +unfrei+ und erkannte noch nicht den Wert der Geistesbildung.

3. Die Lehr- und Lernmittel waren zu +spärlich+ und kostspielig; es gab nur geschriebene Bücher.

4. Es bestand noch +kein+ eigentlicher +Lehrerstand+ für die Volksschulen; der Unterricht war nur eine Nebenbeschäftigung der Geistlichen.

II. Rhabanus Maurus (775–856).

1. In Fulda, der Gründung des hl. Bonifacius, unterrichtete schon sein Schüler Sturmi junge sächsische Geiseln und bereitete sie zum Christentum vor. Die Schule erlebte aber ihre höchste Blüte unter +Rhabanus Maurus+, dem „ersten deutschen Schulmanne und Gelehrten“. Er war 775 in Mainz von angesehenen Eltern geboren. Der Vater (Ruothart) war Kriegsmann gewesen, die Mutter (Adelgunde) war eine fromme Frau, welche die Erziehung des vielversprechenden Knaben hauptsächlich leitete. Neun Jahre alt kam er als ~puer oblatus~ ins Kloster Fulda. Wie wohl sich Rhabanus im Kloster fühlte, beweisen seine Verse:

„Zwar aus menschlicher Schwäche nicht stets den Gesetzen gehorsam, Liebt’ ich mein Zellchen doch stets, freundlicher Raum war es mir.“

Seine wissenschaftlichen Bestrebungen fanden in der ansehnlichen Bibliothek des Klosters reiche Unterstützung. Nachdem er 801 Diakon geworden war, wurde er auf die berühmteste Schule des fränkischen Reichs, nach +Tours+ geschickt. Er weilte nur ein Jahr bei dem großen +Meister Alkuin+, aber dies genügte, um zwischen beiden die innigste Freundschaft anzubahnen. Alkuin gab dem jungen Freunde den Beinamen Maurus, um anzudeuten, daß ihm Rhabanus das sei, was einst dem hl. Benediktus sein Lieblingsschüler Maurus gewesen.