Part 14
Seither habe ich als alter Freund Wittigs wiederholt Geburtsanzeigen neuer oder Verlobungs- und Trauungsanzeigen heiratsfähig gewordener Zobelkinder, oder endlich Geburtsanzeigen der immer häufiger auftauchenden Zobelenkelchen zugesendet erhalten und meine damals aufgekeimte Hoffnung dadurch aufs erfreulichste bekräftigt gefunden. Dem jungen Bundesstaate allerdings erwuchsen aus Wittigs Kindersegen nach und nach nicht unbeträchtliche Ungelegenheiten. Denn je mehr von den Kindern und Enkeln des Zobelhauses in die Schulen eintraten oder sie wieder verließen, heranwachsend verschiedenerlei Berufe ergriffen oder Tätigkeiten anmeldeten und, reif geworden, Ehen schlossen oder selbst wieder Kinder bekamen, kurz, Handlungen begingen, bei denen man irgendwie mit den öffentlichen Stellen in Berührung kommt und gewisse Ausweispapiere benötigt, desto öfter tauchte die Frage auf, welcher Mutter oder welches Vaters Sohn oder Tochter, und welcher Großeltern Enkelkind dieser oder jener Zobelnachwüchsling eigentlich sei, und um so mehr trat die heillose Verwicklung zutage, die Meister Wittig durch seine viermalige Vermählung und die wiederholte Aufnahme eigener und fremder außerehelicher Kinder in sein Haus hervorgerufen hatte. Infolge gesteigerter Vorladungen und Einvernehmungen, widersprechender Aussagen und irrtümlicher Eintragungen kam es schließlich so weit, daß überhaupt kein Mensch sich mehr auskannte und die Behörden an der Möglichkeit verzweifelten, diesen Weichselzopf ohne Vermehrung des Beamtenpersonals auszukämmen. Es wurde deshalb ein eigenes Ressort »Zobel« geschaffen und ein Beamter mit Titel und Charakter eines Regierungsrates ernannt, dessen Lebensaufgabe darin besteht, aus der quellenmäßigen Erforschung von Wittigs Familienverhältnissen eine Wissenschaft zu machen und die Zobelkinder in Evidenz zu halten.
Da ich inzwischen zu der Einsicht gelangt war, daß ich als freier geistiger Arbeiter mein Leben nicht länger würde fristen können, so habe ich mich um diesen Beamtenposten beworben, wurde aber leider abschlägig beschieden, da ich die Altersgrenze für den Eintritt in den öffentlichen Dienst bereits überschritten habe.
Ich will nicht klagen und jammern, wie mein Freund Wittig es so gerne tat, ich schweige und versuche durchzuhalten. Das eine aber habe ich mir geschworen, und das halt' ich auch: Wenn ich wieder mal auf die Welt komme, so laufe ich beizeiten aus der Schule und trete bei einem Kürschner in die Lehre!
[Illustration]
Im gleichen Verlage erschien
von
Emil Ertl:
Liebesmärchen
Einbandzeichnung
von
Friedrich Felger
5. Tausend
»Ein kleines, feines Buch, das der Dichter in seiner frühen Jugend geschrieben hat. Märchen und Sagen, denen er neuen Inhalt gegeben hat; alle seine Erzählungen läßt er überfließen von der großen Liebe zweier Menschen zueinander. So entstand ~ein rechtes Märchenbuch~, das jung und alt hineinführt in zauberstille, lauwarme Sonnwendnächte, in denen der Mond seine zarten Lichtschleier über Wald und Wiese breitet.«
(+Dr.+ Wendriner in Reclams »Universum«.)
Im gleichen Verlage erschienen von
Emil Ertl:
Die Leute vom blauen Guguckshaus
Roman · 19. Tausend
Einbandzeichnung von Prof. ~Alfred v. Schrötter~
Freiheit, die ich meine
Roman aus dem Sturmjahr · 16. Tausend
Auf der Wegwacht
Roman · 16. Tausend
Vorstehende drei Romane sind unter dem Titel »=Ein Volk an der Arbeit=« ~einheitlich gebunden~ zu einem Gesamtwerk vereinigt.
Das Lächeln Ginevras
Roman · 7. Tausend
Der Antlaßstein
Roman · 8. Tausend
Einbandzeichnung von ~R. Teschner~
Der Neuhäuselhof
Roman · 11. Tausend
Einbandzeichnung von ~F. Felger~
Nachdenkliches Bilderbuch
Ernste und heitere Geschichten
Einbandzeichnung und Buchschmuck von ~Alfred Keller~
5. Tausend
Nachdenkliches Bilderbuch
Zweite Folge · 4. Tausend
Einbandzeichnung von ~Alfred Keller~
Buchschmuck von Prof. ~Alfred v. Schrötter~