Chapter 19 of 20 · 3986 words · ~20 min read

Part 19

»Ich bin begierig auf die Fortsetzung« — warf die Generalkonsulin nach einer Weile tonlos hin.

»Ah, die Dummheit dort in dem Blatt« — prustete er.

O, er weiß also doch, was ich meine! Es beschäftigt ihn stark! triumphierte sie.

»Siehst Du, Gustav, Else ist so eigentümlich — sie gefällt mir gar nicht.«

»Das giebt sich —«

»Sie ist ein resolutes Ding. Wenn man so was liest, so kann einem angst und bange werden ...«

»Wie meinst Du das?«

Nur ein Achselzucken zur Antwort. —

Weitere drei Tage später befahl der Tyrann im komisch polternden Ärger, daß ihm die B.-Zeitung nicht mehr auf den Tisch käme. War sie nicht schuld gewesen, daß er nicht den Mut fand, einen gewissen Lieutenant Schneidig (bloß Schneidig!), als er um die Hand seines Goldkindes warb, abzuweisen?

Weil sie sich lieben .... Das wäre ja kein Grund gewesen! »Na aber meinetwegen!«

=Andante con moto.=

1. »Meine liebe, schmerzlich geliebte Emmy! Ja mit schmerzlich bewegtem Herzen schreibe ich Dir diese Zeilen. Lange, lange Zeit habe ich mich gegen den Entschluß dieses Briefes gesträubt, ich habe mir das Gehirn zermartert nach einem Ausweg; wäre mir ein gläubiges Gemüt bewahrt geblieben, gewiß ich hätte auch das Mittel nicht unversucht gelassen, um uns die Hülfe der Himmelsmacht zuzuwenden. Aber alles vergeblich — es ist das Ende!

Geliebte! Elf Jahre lang hat der Bund unserer Herzen gewährt. Ob wir glücklich waren? Die Stunden des Glückes aufzuzählen wäre eine Trivialität; es wäre eine Vermessenheit, mit dem Schicksal zu hadern, weil es uns diese wenigen Stunden mit so mancher bitteren Enttäuschung, mit so mancher vereitelten Hoffnung aufgewogen.

Es ist möglich, daß ich den Kampf mit dem Leben tapferer hätte aufnehmen können — meine träumerische, unpraktische Natur ist mein und Dein Verhängnis geworden: das Ideal im Auge, stolperte ich fort und fort. So ist es mir nicht vergönnt gewesen, ein bescheidenes Plätzchen zu erobern für Dich und mich, wo wir unser Glück genistet hätten. Es wird mein Geschick sein, zeitlebens die Dienerstellung eines Hauslehrers zu bekleiden — und Du Arme, Ärmste wirst vergeblich der Misère des Gouvernantentums zu entfliehen suchen.

So ist es besser, wir lösen unsern Bund! So hart es ist, dies auszusprechen, ich weiß, daß Dir dieser Vorschlag nichts Neues ist. Zwischen den Zeilen unserer Briefe lauerte er wie ein Gespenst seit Jahren schon. Aber wir fanden beide nicht den Mut, meine arme Emmy! Wohlan so sei es denn!

Ich bitte Dich, meinen Vorschlag so ruhig und objektiv hinzunehmen, als Du vermagst. Ich bitte Dich zu prüfen, ob Du tapfer genug bist, eine neue Wartezeit von vielen Jahren zu beginnen, und ob unsere Liebe solche Probe bestehen würde?

So ist es besser die Blüte zu brechen, ehe sie häßlich verwelkt!

Wir werden nicht scheiden wie zwei Unglückselige, die das Schicksal gewaltsam auseinanderreißt, sondern wie zwei Kameraden, deren Reiseroute plötzlich auseinanderläuft, nur daß wir nicht sagen »auf Wiedersehn!«

Ich erwarte klopfenden Herzens Deinen Bescheid. Nimm wie stets die Versicherung, daß Dich aus der heißesten Innigkeit seines Herzens liebt nach wie vor

Dein tiefunglücklicher

Anselm.«

2. »Geehrter Herr!

Sie werden meinen Brief erhalten haben, der Ihnen in schonender Weise den so schnell und unerwartet erfolgten Tod meiner armen Freundin Emmy, Ihrer geliebten Braut mitteilte. In Eile, alles andere vorbehaltend, sende ich Ihnen ein teures Andenken, Ihren letzten Brief, den sie nicht die Kraft hatte zu öffnen, den sie aber inbrünstig geküßt und den sie sterbend an ihr Herz gedrückt. Welche Seligkeit für sie, nur dies Zeichen von Ihnen in den Händen zu halten, bis zuletzt!

Gott tröste und stärke Sie in Ihrem unermeßlichen Schmerz! Bis auf weiteres

Ihre ergebene

Helene S.«

=Scherzando.=

Sie liebten sich. Unter dem Weihnachtsbaum hatten sie sich kennen gelernt; schon als er dort ausgestreckt lag auf dem einen Bescherungstischchen mitten unter Bilderbüchern und allerlei Spielzeug, schielten seine spaßigen Pulcinellaugen nach ihr herüber, die großartig aussah, wie es einer Dame von ihrem Kaufpreis, mit echtem blonden, frisierbaren Menschenhaar und mit einer sprechenden Pariser Maschine in der Brust geziemte. Er hieß Monsieur Pierre und sie Mademoiselle Ange. Er war der zierlichste bunteste Hanswurst, voll Späßchen und Mätzchen, im Herzen aber ein treuer und braver Kerl. Sie behauptete, noch nie einen so schönen Höcker gesehen zu haben, ja in ihrer bizarren Art sprach sie es offen aus, daß sie ihn hauptsächlich dieses prächtigen, mit Schellen behangenen Auswuchses wegen liebte.

Ihre Liebe kam zur offenen Erklärung, als sie sich an dem kleinen Puppentisch einander gegenüber saßen und den sogenannten Pudding verzehren sollten, der ihnen von Kinderhand auf dem blanken Spiritusöfchen aus allerlei Küchenresten zubereitet worden war.

»Ich liebe Pudding nicht!« sagte Fräulein Ange schnippisch.

»Ich ebenfalls nicht!« knurrte er. »Aber ich liebe Sie, Fräulein! — Sie haben die herrlichsten Augen, die ich je bei einer Puppe gesehen!«

»O wirklich?« flötete sie entzückt, und mit einem ganz feinen Geklapper schnappten ihre drehbaren Augen nach ihm herum. Die seinen waren fest, und er mußte jedesmal den ganzen Körper mitwenden, das gab ihm das Aussehen eines mit einem Hexenschuß Behafteten.

»Ihr Höckerchen ist reizend!« erwiderte sie zur Belohnung. Verstohlen hinter dem verschmähten Pudding fanden sich ihre Hände, seine steife geschnitzte Holzhand und ihr weißes hartes, stets kühles Porzellanhändchen.

Seitdem erfüllten sie mit ihrem Liebeswerben und ihren augenverdrehenden Zärtlichkeiten alle Winkel der Kinderstube — Eltern sollten sich hüten, ihren Kleinen solche verliebten Puppengeschöpfe zu schenken!

Eines Tages wurde dem Monsieur Pierre von einem kleinen patscheligen, nicht ganz reinlichen Kinderhändchen ein Bein ausgerissen.

»O«, sagte Fräulein Ange, »ich will Ihnen gern eins von den meinen abgeben — ich hatte längst vor, mir ein paar neue hübschere Stelzchen zuzulegen.«

»O ich bitte sehr!« wehrte der arme Pierre, aber es half ihm nichts, die großmütige Laune von Fräulein Ange bestand darauf, daß er sich eines ihrer für ihn viel zu kurzen Beinchen anheften ließ, während sie sich ein elegantes neues Paar mit durchbrochenen Strümpfchen und Hackenschuhen kaufte. Da hinkte er freilich mit seinem ungleichen Beinwerk, das amüsierte sie aber, — ei, was that er nicht, um sie bei Laune zu erhalten?

Eines anderen Tages ihres kurzlebigen Puppendaseins zerbrach sich Fräulein Ange ihren Kopf, ein klaffender Schädelriß von einem Ohr zum andern. Der gute Pierre erschrak aufs heftigste und war trostlos.

»Was fällt Ihnen ein, zu flennen!« rief Ange — »ausgezeichnet! jetzt fahre ich nach der großen Puppenklinik in der Leipzigerstraße und lasse mir den schönsten Patentkopf aufsetzen, der zu haben ist, der da« — und sie schlug mit der Hand gegen die hohle Scherbe — »paßte mir längst nicht, ich will mich verändern!«

Gesagt, gethan: der neue Kopf war ein Prachtstück mit braunen, noch echteren Menschenhaaren und lächelnden Zähnchen. Pierre fand ihn entzückend, aber siehe da, mit dem neuen Kopf hatte die Angebetete auch ihren Charakter verändert, sie war launisch und hochmütig und behandelte ihn schlecht. Zum Beschluß all seiner Qualen erhielt er sogar den Abschied und weswegen?

»Ich vergeß’ Ihnen das nicht, daß Sie mir nicht, als ich meinen Kopf zerbrochen hatte, den Ihrigen anboten, Monsieur Pierre!«

»O Gott — er hätte, er hätte Ihnen ja nicht gepaßt, Fräulein!« stotterte Pierre.

»Warum nicht? Mir paßt alles! Aber Sie sind nicht galant, Sie sind nicht dankbar, habe ich Ihnen nicht eins von meinen Beinen abgelassen? Mir paßt, wie gesagt, alles — nur Sie passen mir nicht mehr, verstehen Sie!«

Der arme Pierre! Eine Woche lang war er außer sich vor Schmerz und lag mit dem Kopf nach abwärts in einem Baukasten, die beiden ungleichen Beine aufwärts gestreckt. Bald aber fand er einen Trost. Eine niedliche kleine Elsässerin that es ihm an. Freilich ganz stumm und nicht sehr witzig, auch machte es ihm nicht viel Mühe, sie zu erobern. Er überraschte sie mit einem »=Vive la France!=«, umfaßte dann ihre Taille und flüsterte ihr in seinem verliebtesten Tone ins Ohr: »=Je vous aime!=« So ein Schwerenöter!

=Largo. Sulla morte d’un principe.=

Es war ein Königssohn, blühend und begabt, der Stolz und die Hoffnung des Landes. Die Zuversicht aller Guten baute auf seine Kraft, und die Begeisterung erhob ihn jauchzend auf ihren Schild. So schien er gewappnet und gefeit gegen alles menschliche Unheil. Da traf ihn die Liebe plötzlich mitten ins Mark seines Herzens. Nicht die Liebe der Fürstensöhne, ein kurzer, wilder Rausch oder eine flüchtige Schmetterlingslaune, nein, die Liebe, die andere Sterbliche zu treffen weiß, stark, verzehrend, ohne Widerstand, ein schwüles Gewitter, gegen dessen Blitze man machtlos ist.

Traf ihn ins Mark des Herzens, durchfieberte seine Gedanken und sog wie ein fressend Feuer an seiner Lebenskraft. Kein Aufraffen möglich und keine Wehr dagegen! Taub und abweisend gegen alle Gebote der Pflicht und die uralt heiligen Satzungen der Ehre. Die Liebe wollte ein Exempel ihrer Übermacht feststellen, wie sie noch keines festgestellt!

Und sie befahl ihm hinzugehn in die einsame Waldhütte, um sich und die Geliebte zu tödten, ganz wie sie andern winzigen wehrlosen Menschlein den Revolver in die Hand drückt und ihnen ein Hotelzimmer oder einen einsamen Busch im Walde anweist.

Ein ungeheures Entsetzen zuckte durch alle Lande ob des schaurigen Geschehnisses. Und die Gelehrten, Psychologen und Psychiatriker, Doktoren der Seele und des Leibes, alle klugen und weisen Leute zerfaserten, sondierten, sezierten und prüften den Fall in seine Atome hinein. Man fand aber nichts als die unerhörte, grausige alltägliche Trivialität: »~Sie liebten sich!~«

=Tempo di menuetto.=

Sie hatten sich geliebt .... ein halbes Jahrhundert war seitdem vergangen. Jetzt saßen sie Sessel an Sessel an einer Seite des Ballsaals und sahen dem rythmischen Gewühl der von einem Straußschen Walzer beschwingten Paare zu. Zwei feine alte Figuren, wertvollem Meißner gleich. Sie hatte ein Lorgnon =à manche= von eingelegtem Schildpatt zu den Augen erhoben, er gebrauchte ein Monocle, das an einem Goldkettchen hing. Der Tanz interessierte sie ungemein; ihr Gespräch stockte oder sickerte nur in kleinen staccato-artigen Rufen: »Allerliebst! — reizend das Paar! — hübsch — sehr hübsch!«

Unter diesen Rufen vibrierte die Erinnerung an damals. Ein halbes Jahrhundert war verflossen, sie sind unterdes beide Excellenzen geworden, sie ist vielfache Großmama, er hat zwei Frauen zu Grabe getragen — eine Welt voll Freuden, Sorgen, Erfolgen und Enttäuschungen liegt zwischen damals und jetzt. —

Es war an einem Ballabend vor fünfzig Jahren; sie saßen Stuhl an Stuhl wie heute, dem Tanze zuschauend. Und wie das Alter sich heute an der Jugend ergötzt, so freute sich damals die Jugend des tanzenden Alters. Denn im Saale wurde ein Menuett aufgeführt, die Alten wollten diesen verschollenen Tanz noch einmal zu Ehren bringen, eine hübsche Laune, die allseitig Beifall fand. Und während die ehrwürdigen Paare mit den zimperlich gemessenen Schritten beim Klang eines spinettartigen Klaviers, das man besonders zu dem Zweck hervorgeholt, den altmodischen Reigen vollführten, fanden sich ihre beiden jungen Herzen.

Es war nur ein kurzer Frühlingstraum, den die rauhe Hand der Wirklichkeit zerwühlte. Vielleicht war es besser so! —

»Ei sieh da, Excellenz, einer von Ihnen und eine von mir!« sagte die alte Dame mit ihrem feinen Silberstimmchen.

Se. Excellenz nickte wohlgefällig.

Es war sein Lieblingsenkel, der mit einer von den liebreizenden Enkelkindern Ihrer Excellenz tanzte. Weiß Gott, hat sie nicht Ähnlichkeit mit einer gewissen anderen Dame von damals?

»Ein famoses Paar, Excellenz!« murmelte er.

»Ein ganz prächtiges Paar, Excellenz!« echote das Silberstimmchen. Und die verblaßten Äuglein der beiden trafen sich zu einem bedeutsamen Blick.

Und noch eine bedeutsamere Pause. Nachdem, plötzlich unvermittelt: »Wissen Sie, Asta ist eine gute Partie« — warf Ihre Excellenz hin.

»Mein Alfred ist einer der talentvollsten Bursche, die ich kenne, er wird Carriere machen —«

Wieder eine Pause, und während ihre Gedanken die alte Erinnerung umgaukelten, spannen sie zugleich beim Takt des Walzers flimmernde Zukunftsbilder, in der das »famose, prächtige Paar« eine immer wichtigere Rolle spielte.

=Presto con fuoco.=

Der junge Forstmann trat eben aus dem Dickicht in die Schneuse hinaus, als er stutzte. Horch, der dumpfe Schall von stampfenden Pferdehufen in dem weichen Waldboden, dazu geheimnisvoll flüsternde Stimmen; so verloren waren die beiden dort auf den Pferden in ihr Gespräch, daß sie nicht einmal das Rascheln des Herbstlaubes vernahmen, als der Forstmann sich Platz durch das Buschwerk bahnte.

Ein wunderschönes Paar! Beide groß, schlank, vornehm; das knappe dunkle Reitkostüm umzwängt ihren herrlichen Wuchs, und um ihr von der Abendsonne angeglühtes Antlitz flattert in der leisen Brise der silbergraue Hutschleier. Sie lassen die Pferde läßig schreiten, sie achten nicht des Weges, sie haben sich so Wichtiges zu sagen; dicht, ganz dicht aneinander schreiten die Tiere, und ein leichter dampfender Hauch geht von deren naßglänzenden Gliedern aus.

Die beiden halten sich sogar bei der Hand, und wie sie sich zuflüstern, tauchen ihre Blicke sehnsuchtsglänzend in einander. Der Zuschauer glaubt das Wort »Liebe« zu vernehmen; ja, ihr ganzes Wesen atmet glühende Liebe.

Plötzlich schlingt der Reiter seine Rechte um die Taille der Reiterin, hingebend, in bebendem Verlangen ruht sie in seinem Arm, sein vom eleganten Stutzbart umrahmtes Antlitz beugt sich über das ihre, und ein langer, langer, seliger Kuß vereinigt ihre Lippen, während die Pferde läßig ihren Weg fortsetzen.

Da gellt ein hoher mißlautender Vogelruf durch die Waldstille. Wie erschreckt fahren sie auseinander, — nun läßt die Dame ihren Rappen ansprengen, der andere ihr nach, eine tolle, immer wildere Jagd die Schneuse entlang, bis das rotgoldene Waldlaub die Erscheinung verschlingt.

»Donnerwetter!« rief der Forstmann ganz verblüfft. »Mann und Frau? I, da hätten sie doch nicht nötig, hier mitten im Walde und gar zu Pferde« ....

Einige Tage darauf, als er abermals diese Waldgegend durchstreifte, bemerkte er auf einer Blöße Menschen versammelt. Der Sturm hatte das Goldlaub von den Bäumen gefegt, man hörte deutlich das Rascheln unter den geschäftig hastigen Tritten der Menschen dort. Was wollen die? Jetzt vernimmt er laute befehlende Stimmen, jetzt stehen sich zwei mit nicht vielen Schritten Abstand einander gegenüber. Ist der eine von den beiden, der große, schlanke, schöne Herr nicht der Reiter, der so inbrünstig seine Reiterin küßte? Die beiden haben Pistolen gegeneinander erhoben, ein Kommando schallt, zwei Schüsse puffen — in dem verwehenden Pulverdampf sinkt der Große in die Kniee und stürzt dann lang hin.

»Donnerwetter!« entfuhr es dem bestürzten Zuschauer. »Schließlich waren es doch nicht Mann und Frau, und der kleine Dicke hatte recht, daß er seine Ehre rächte und den Großen, Schönen niederschoß ....«

Später, im Winter, als die Blutlache dort auf der Blöße, wie die Spuren der Pferdehufe auf dem Schneusenweg längst vom schweigenden Schnee bedeckt waren, durchkreuzte der Forstmann mit seinem jungen Weibe zufällig die Waldstelle. »Sieh’ mal, also dort küßten sie sich, von der einen Buche bis zur anderen — und dahinten schossen sie sich.«

»Oh!« rief sie, und die blauen Augen des frischen, blühenden Weibes fuhren hin und her, von der einen Stelle zur anderen.

Er fand sie besonders reizend so und er konnte nicht an sich halten, umschlang ihre pralle Taille und preßte einen Kuß auf ihre Lippen, daß es laut durch den Wald erschallte.

Inhalt.

Aus Mitleid 1

Nie! 97

Die gekaufte Stimme 115

Des Kaisers Fünf 135

Der Friedensschluß 173

Der Doppelgänger 213

Das System 231

Er trinkt 295

Versunken 313

Faschingszauber 333

Der Tellsschuß 363

Sechs Variationen 385

Druck von C. H. Schulze & Co. in Gräfenhainichen.

Verein der Bücherfreunde

[Illustration]

Der Verein der Bücherfreunde hat folgende Satzungen:

1. Der Verein der Bücherfreunde bezweckt die Vereinigung aller Freunde einer feineren litterarischen Unterhaltung und stellt sich zur Aufgabe, seinen Mitgliedern eine Reihe hervorragender Werke der zeitgenössischen ~deutschen~ Litteratur — also keine Übersetzungen — zum billigsten Preise zugänglich zu machen.

2. Die Mitglieder verpflichten sich zur Zahlung eines Beitrags von vierteljährlich 3 Mark 75 Pf. (= 2 Gld. 25 Krz. oder 5 Franken), welcher zum Beginn eines jeden Vierteljahres zu entrichten ist. Mitglieder, welche die Bände gleich gebunden zu beziehen wünschen, haben vierteljährlich 4 Mark 50 Pf. (= 2 Gld. 70 Krz. oder 6 Franken) Beitrag zu zahlen. Weitere Zahlungen haben die Mitglieder keinesfalls zu leisten. Der Beitritt verpflichtet für ein ganzes Jahr. Anmeldungen in jeder Buchhandlung, welche auch die Veröffentlichungen vermittelt.

3. Es erscheinen im Laufe des Jahres in regelmäßigen Zwischenräumen ~sechs bis acht in sich abgeschlossene Werke~, zusammen etwa 150 Bogen zu 16 Seiten stark. Die Veröffentlichungen bestehen zum größeren Teil in unterhaltender –Roman, Novelle, Humor, Memoiren u. s. w. — zum anderen Teil in allgemeinverständlich-wissenschaftlicher Litteratur: Geschichte, Natur-, Länder- und Völkerkunde u. s. w. Die Bestimmung der Reihenfolge der Erscheinungen und Änderungen hierin behält sich die Geschäftsleitung vor.

4. Die Mitgliedschaft erstreckt sich stets auf ein ganzes Jahr. Der Austritt aus der Gesellschaft muß der vermittelnden Buchhandlung oder der Geschäftsleitung mindestens zwei Monate vor Ablauf des Vereinsjahres angezeigt werden. Das erste Vereinsjahr beginnt mit dem 1. Oktober 1891.

5. Der Eintritt in die Gesellschaft kann jederzeit stattfinden. Die seit Beginn des Vereinsjahres bereits erschienenen Werke werden alsdann nachgeliefert. Auch Ausländer sowie Frauen können Mitglieder werden, dagegen sind ~Leihbibliotheken und zu geschäftlichen Zwecken betriebene Lesezirkel von der Mitgliedschaft ausgeschlossen~.

6. Die Veröffentlichungen des Vereins werden auch an Nichtmitglieder im Einzelverkauf abgegeben, jedoch ~nur zum doppelten Preise~.

7. Bei genügender Beteiligung ist für später eine Verdoppelung der jährlichen Bändezahl gegen die entsprechende Mehrzahlung in Aussicht genommen. Jedem Mitglied wird es alsdann freistehen, sich bei dem einfachen oder dem doppelten Cyklus zu beteiligen.

8. Die Geschäftsführung und Vertretung des Vereins liegt in den Händen des Verlagsbuchhändlers Herrn Friedrich Pfeilstücker in Berlin.

=Berlin= und =München=, im August 1891.

Der Vorstand:

Theodor Fontane. Martin Greif. Hermann Heiberg. Otto von Leixner. Fritz Mauthner. Alexander Baron von Roberts. Ernst von Wolzogen.

Die Geschäftsleitung:

Verlagsbuchhändler =Friedrich Pfeilstücker= in ~Berlin~, =W.=, Bayreutherstraße 1.

Die Bücherpreise sind in Deutschland noch häufig unmäßig hohe; Länder wie England und Frankreich sind uns in dieser Beziehung weit voraus. Unter solchen Umständen sind die Litteraturfreunde in Deutschland vielfach genötigt gewesen, ihren Bedarf an Büchern aus zweiter Hand zu entlehnen, da der Ankauf der hohen Preise wegen mit zu erheblichen Geldopfern verknüpft war.

Diesen Übelstand möchte der »Verein der Bücherfreunde« dadurch beseitigen helfen, daß er die Veröffentlichung einer Reihe von Werken ~zeitgenössischer deutscher Schriftsteller — also keine Übersetzungen~ — aus verschiedenen Gebieten der Litteratur unternehmen und diese Werke seinen Mitgliedern zu einem bisher in Deutschland ~unerhört billigen Preise~ zugänglich machen wird.

Für monatlich 1 Mk. 25 Pf. wird jeder in den Stand gesetzt, sich nach und nach eine kostbare Bibliothek von Werken unserer deutschen Autoren — also nicht billige Übersetzungen zweifelhafter ausländischer Romane — anzuschaffen.

Wenn es der »Verein der Bücherfreunde« wagt, Veröffentlichungen zu einem so überraschend niedrigen Preise zu veranstalten, einem Preise, der sogar die ~vielgerühmte Wohlfeilheit der französischen Romanbände übertrifft~, so kann er es nur unter der Voraussetzung thun, daß sein gemeinnütziges Vorhaben von allen Litteraturfreunden durch Mitgliedschaft aufs regste unterstützt wird, denn es bedarf einer großen Zahl von Freunden des Unternehmens, um dieses lebenskräftig zu erhalten.

[Illustration]

Zur Veröffentlichung angenommen sind vorläufig folgende Werke:

~=Todsünden=~.

Roman von =Hermann Heiberg=.

(Bereits erschienen.)

Aus Mitleid. Des Kaisers Fünf

u. s. w.

Neue Novellen und Skizzen von =Alexander Baron von Roberts=.

~Inhalt~: Aus Mitleid. — Nie! — Die gekaufte Stimme. — Des =Kaisers= Fünf. — Friedensschluß. — Doppelgänger. — Das System. — Er trinkt! — Versunken. — Faschingszauber. — Der Tellsschuß. — Variationen.

[Illustration]

Seelenanalysen.

Novellen von =Max Nordau=.

(Verfasser der konventionellen Lügen der Kulturmenschheit.)

~Inhalt~: Ein Sommernachtstraum. — Blasiert. — Panna. — Die Kunst zu altern. — Wie Frauen lieben. Zwei Gegenstücke: I. So. — II. Anders.

— Erscheint im Januar. —

[Illustration]

=Ein neuer Roman= von Max Kretzer.

[Illustration]

Es haben ihre Mitarbeiterschaft außerdem zugesagt:

=Adolf Glaser, Wilhelm Jensen, Hans Hopfen, Gerhardt von Amyntor, Moritz Carrière, Ernst Eckstein, Ludwig Pietsch, Fritz Mauthner, Martin Greif, Rudolf Genée, Hans Hoffmann, Ernst von Wolzogen, Otto von Leixner, Moritz von Reichenbach, August Niemann, Julius Hart, Karl Pröll= und viele andere.

Ferner wissenschaftliche Werke:

— Diese beruhen immer auf genauer Kenntnis der neuesten Forschung —

Aus der

Sturm- und Drangperiode der Erde.

Skizzen aus der Entwickelungs-Geschichte unseres Planeten.

Von Professor =Dr.= =H. Haas=. Mit Abbildungen.

Aus dem ~Inhalt~ des Buches heben wir folgende Hauptabschnitte hervor: Was wissen wir von der Entstehung unseres Planetensystems im allgemeinen und unseres Erdballs im besonderen? — Von dem Baumaterial, das unseren Erdkörper zusammensetzt und von den Kräften, welche dasselbe bilden und zerstören. — Von den nutzbaren Mineralien (Erzen, Steinkohlen u. s. w.) und von der Art und Weise, wie solche entstanden und wo sie vorkommen. — Von der Pflanzen- und der Tierwelt der Vorzeit, sowie von ihrer allmählichen Entwickelung und Vervollkommnung im Laufe der geologischen Perioden. — Vom vorgeschichtlichen Menschen.

=Astronomische Abende.= Von =Dr.= =C. Titus=. Mit Abbildungen.

~Ungefähre Inhaltsübersicht~: Die Sonne (tägliche und jährliche Bewegung. Einflüsse auf die Erde, Sonnenflecken u. s. w.). — Das Planetensystem und seine Geschichte (Bewegung der Planeten, Entdeckung derselben, Entstehungstheorie von Kant-Laplace u. s. w.) — Ein Sohn der Sonne (speziell der Planet Mars, die neuesten Forschungen über seine Oberfläche, Marskarten, Atmosphäre des Mars, seine Monde, Frage der Bewohnbarkeit u. s. w.). — Der Begleiter der Erde (Bewegung des Mondes, Mondphasen, Alter des Mondes, Berge und Rillen auf dem Monde, Mondsagen, Frage des Einflusses des Mondes auf das Wetter). — Ebbe und Flut u. s. w. — Finsternisse. — Vom Kalender. — Wie sich der Laie unter den Sternen zurechtfindet (Teilkärtchen, Sternbilder u. s. w.). — Wie viel Sterne am Himmel stehen? — Über Fernröhre und deren Zukunft. — Veränderliche, neue, verschwundene und mehrfache Sterne. — Nebelflecke (besonders die neue Aufnahme des Nebels im Sternbild der Andromeda, photographisch aufgenommen, welche eine Bestätigung der Kantschen Theorie über die Entstehung des Planetensystems brachte; bei dieser Gelegenheit: Die Photographie im Dienste der Astronomie.) — Die Milchstraße. — Kometen. — Astrologisches. — Die Frage der Bewohnbarkeit anderer Welten. — Weltanfang und Weltende in den Gedanken des Astronomen und Physikers.

=Steinerne Zeugen.= Die Forschungen und Ausgrabungen in Palästina, Egypten und Assyrien und ihre Beziehungen zur Bibel. Von =Dr.= =Georg Kampffmeyer=. Mit Abbildungen.

* * * * *

Anmeldungen und ausführliche Prospekte durch jede Buchhandlung oder auch durch die Geschäftsleitung des Vereins in ~Berlin~, =W.= Bayreuther Straße 1.

* * * * *

⁂ Mitglieder, welche zehn Beitrittserklärungen sammeln und die Unterschriften der Geschäftsleitung oder einer Buchhandlung einsenden, erhalten für sich ein Exemplar der Veröffentlichungen umsonst. Eine Sammelliste zum Einzeichnen der Namen steht zu dem Zweck zur Verfügung. ⁂

[Illustration]

C. G. Röder, Leipzig.

Verlag von =Heinrich Minden=, =Dresden= und =Leipzig=.

Alexander Baron von Roberts:

=»Es« und Anderes. Vierte Auflage.= Preis geh. M. 3.— in Originalband M. 4.—

=Lou.= Roman. =Dritte Auflage.= Preis geh. M. 3.50. — in Originalband M. 4.50.

=Kohinor.= Novellen. =Zweite Auflage.= Preis geh. M. 3.50. — in Originalband M. 4.50.

=Die Pensionärin.= Erzählung. =Zweite Auflage.= Preis geh. M. 2.— in Originalband M. 3.—

=Unmusikalisch und Anderes.= =Zweite Auflage.= Preis geh. M. 3.— in Originalband M. 4.—

=Unmusikalisch und Anderes.= =Miniatur-Ausgabe.= Preis geh. M. 2.— in Originalband M. 3.—

=Um den Namen.= Roman. =Dritte Auflage.= Preis geh. M. 5.— in Originalband M. 6.—

=Die schöne Helena.= Roman. =Zweite Auflage.= Preis geh. M. 5.— in Originalband M. 6.—

Vorrätig in allen Buchhandlungen.

In der =Romanbibliothek= von =J. Engelhorn=, =Stuttgart=:

»=Satisfaction=« u. s. w. Novellen.

»=Preisgekrönt=«. Roman.

Im Verlag von =Th. Reclam=:

=Satisfaction=, Schauspiel in 4 Aufzügen.

Die schöne Helena.

Roman von =Alexander Baron von Roberts=.

═Zweite Auflage.═

Preis brosch. M. 5.— in Originalband M. 6.—

Nachstehend einige Besprechungen:

»=Deutschland=« 1890 Nr. 11: »Der Verfasser hat noch niemals ein so gutes Buch geschrieben, wie das vorliegende. ~Roberts~ schafft wirkliche Menschen, und diesmal aus dem Vollen. Es ist geradezu erstaunlich, daß vor ihm niemand versucht hat, den preußischen Feldwebel, ohne Zweifel eine der volkstümlichsten Figuren, so zu analysieren, wie die neue Schule vor und nach Zola jeden anderen Stand analysiert hat. (Folgt Inhaltsangabe.) ~Alles ist meisterhaft erzählt~, auch die Nebenfiguren sind ~greifbar lebendig~ gezeichnet.«

»=Gartenlaube=« 3. Halbheft 1890: »Was uns hier erzählt wird, ist ein soldatisches Trauerspiel, und zwar bewegt sich die Handlung in Kasernen, Kasematten und Tanzlokalen. Die Schilderungen sind ~überaus lebendig und anschaulich~ und zeugen von der genauesten Kenntnis aller in Betracht kommenden Lokalitäten und Verhältnisse. Der Roman läßt uns Einblick in das ~Seelenleben~ derer thun, die, mögen es nun Männer oder Frauen sein, ~hinter den Festungswällen~ ihr Leben hinbringen, und er zeigt uns, zu welchem furchtbar ernsten Verhängnis das Gesetz der soldatischen Subordination werden kann. (Folgt Inhaltsangabe.) Die Schilderung des Magazinbrandes und der Überschwemmung ist ~malerisch~ und ~farbenreich~; die Anschaulichkeit beruht auf ~genauester Sachkenntnis~.«