Part 20
Merkwürdigerweise für den, der die Heilkraft des Wassers nicht kennt, wurden die Männer, Frauen und Kinder, die den Wunderdoktor belagerten, alle gesund. Sie behaupteten es wenigstens. Und es ist ja mit allen Krankheiten so, wenn man überzeugt ist, daß man nicht mehr krank ist, so ist man eben gesund.
Gegen äußere Leiden, wo „der Tod directamente dicht unter der Haut lag“, wie die Leute erzählten, und sie den Tod schon deutlich fühlen konnten, wenn sie auf die Haut drückten, da verschrieb Howard heiße Umschläge. Der Abwechslung wegen manchmal wieder kalte Umschläge. Umschläge auf den Kopf, auf den Nacken, auf die Handflächen, auf den Puls, auf den Unterleib, auf die Fußsohlen, wo immer Platz war. Und die Leute wurden auch hier alle gesund. Der Tod kroch weg unter der Haut, weil es ihm, je nachdem, zu heiß oder zu kalt wurde.
Mit Arm- und Beinbrüchen, Verstauchungen und Verrenkungen wurden die Leute allein fertig. Da konnte ihnen kein Arzt etwas zeigen. Und Geburtshilfe brauchte Howard auch nicht leisten. Das ging ganz glatt.
Der Ruhm Howards wuchs mit jedem Tage, und hätte er mehr Sinn und Liebe für ein Zusammenleben mit natürlichen Menschen gehabt, so hätte er hier in Frieden und Glückseligkeit sein Leben verbringen können. Aber er dachte doch täglich an seine Abreise. Es waren ihm so verschiedene Gedanken gekommen hinsichtlich der beiden Mitarbeiter, ob sie sein Gut auch ordentlich abliefern würden, und ob sie sicher durchkommen möchten zur Bahn. Er tröstete sich damit, daß er jetzt nichts tun könne und sich auf die Geschicklichkeit und Ehrlichkeit der beiden verlassen müsse.
Dann kam eines Morgens ein Indianer ins Dorf geritten und suchte das Haus, wo der große Doktor wohnte. Er sprach zuerst mit dem Gastgeber selbst, und dann gingen beide auf Howard zu.
Der Gastgeber sagte: „Senjor, da ist ein Mann aus einem Dorfe von drüben über das Gebirge hinweg. Er hat Ihnen eine Geschichte zu erzählen.“
Der Indianer setzte sich nieder, drehte sich eine Zigarette, zündete sie an, und dann begann er zu erzählen.
„Lazaro war im Busch und brannte Holzkohle. Er ist ein Kohlenmann. Es war früh am Morgen. Er hatte gerade aufgeschichtet. Da sah er etwas auf der Erde kriechen. Und als er nun näher hinsah, da erkannte er, daß es ein weißer Mann war, der da kroch. Er war ganz voll Blut und konnte nicht mehr weiter. Lazaro gab ihm zu trinken. Dann ließ er seinen Holzhaufen allein, packte den weißen kranken Mann auf seinen Esel und brachte ihn ins Dorf in sein Haus.
Als der Mann im Hause auf eine Matte gelegt war, war er tot. Dann kam aber ein andrer Mann, sah sich den Weißen an und sagte: ‚Der ist nicht ganz tot. Der ist nur sehr krank oder sehr schwach. Da muß Filomeno hinüberreiten zu dem weißen Wunderdoktor, weil Filomeno ein Pferd hat, und weil ein Esel nicht so schnell läuft.‘
Ich bin Filomeno, Senjor, und ich habe ein schnelles und gutes Pferd. Ich bin nun gekommen. Sie können dem weißen kranken Mann gewiß helfen, wenn Sie gleich mitkommen.“
„Wie sieht der weiße Mann denn aus?“ fragte Howard.
Filomeno konnte ihn so deutlich beschreiben, als stünde er neben ihm, und Howard wußte, daß es Curtin war.
Er machte sich sofort bereit, zu gehen. Sein Gastgeber und noch drei andre Indianer begleiteten ihn.
Es war ein langer beschwerlicher Ritt. Aber als die Männer ankamen, hatte sich Curtin schon ein wenig mehr erholt und schien außer Gefahr zu sein. Den Leuten im Dorfe hatte Curtin mit wenigen Worten erzählt, daß er auf dem Wege angeschossen worden sei, von wem, das wisse er nicht. Er wollte vermeiden, daß man Dobbs verfolge, weil sonst alles verlorengegangen wäre.
„Diese nichtswürdige Kreatur hat mich kaltblütig niedergeschossen,“ sagte Curtin zu Howard, „weil ich mich weigerte, mit ihm dein Gut zu teilen. Er spielte erst einen Trick, als ob er in Notwehr sei. Aber ich wußte gleich, worauf er aus sei. Ich hätte ja eigentlich zustimmen können zu der Teilung, und wenn wir in der Stadt waren, die Sache wieder in Ordnung bringen können. Aber du wärest vielleicht früher bei uns gewesen, ehe ich erwartete, und dann würdest du geglaubt haben, ich hätte dich betrügen wollen. Du würdest sicher nicht geglaubt haben, daß ich der Teilung nur scheinbar zugestimmt hätte. Er kippte mir eine in die linke Seite und ließ mich im Busch liegen, damit ich dort verrecke. Nun habe ich aber zwei Schüsse, ich kann mich jedoch nur auf einen besinnen. Ich denke beinahe, dieser Schurke ist später, als ich bewußtlos dalag, noch einmal zurückgekehrt und hat mir noch eine gekippt, um seiner schönen Arbeit auch ganz sicher zu sein. Spät in der Nacht kam ich zu mir und torkelte und kroch so rasch von der Stelle fort, wie es nur möglich war. Ich dachte, der kommt sicher am Morgen, ehe er weitermarschiert, noch einmal her, und wenn er sieht, daß ich immer noch einen Atemzug habe, gibt er mir den Rest. Ich bin dann auf einen Indianer gestoßen, der im Busch Kohle brannte. Zuerst lief er weg, weil er sich fürchtete. Als ich aber dann zu ihm sprach und ihm sagte, daß ich in Not sei, half er mir sofort und brachte mich hierher. Ohne seine Hilfe wäre ich sicher umgekommen, denn ich konnte nicht mehr weiter, und kein Mensch würde mich da je gefunden haben.“
„Dann ist der Bursche also mit allem durchgegangen?“ fragte Howard.
„Ohne Zweifel.“
Der Alte dachte eine Weile nach. Dann sagte er: „Eigentlich ein Lump war er nicht. Ich glaube, er ist im Grunde ein ehrlicher Kerl. Der Fehler war, daß er mit dir allein abzog. Es ist eine verdammt böse Versuchung, mit einer Menge Gold und nur mit einem Mann zur Seite, auf Seitenpfaden und Schleichwegen durch diesen einsamen Busch tagelang zu ziehen. Dieser Busch lockt und lockt und schreit und flüstert unaufhörlich: ‚Ich plaudere nichts aus, greif zu, es ist eine Gelegenheit, die nicht wiederkommt, ich bin verschwiegener als Gräber.‘ Wenn ich jung wäre wie Ihr, ich weiß nicht, ob ich die vielen Tage hindurch einer solchen verfluchten Lockung hätte widerstehen können. Es ist ja nur eine Sekunde, eine einzige Sekunde, um die es geht. Und rechne einmal selbst, wie viele Sekunden ein Tag von vierundzwanzig Stunden hat. Eine Sekunde, in der sich blitzschnell die Begriffe verschieben, und ehe die Begriffe sich in der nächsten Sekunde wieder in das alte Geleise einrenken, hat man schon geknipst. Dann kann man nicht mehr zurück und muß volle Arbeit tun.“
„Der Schurke hatte kein Gewissen, das ist alles“, sagte Curtin.
„Der hat soviel und sowenig Gewissen wie wir alle, wenn er denkt, daß er die Ellbogen gebrauchen muß, um raufzukommen. Wo kein Ankläger zu erwarten ist, da schweigt es wie eine leere Schnapsflasche, die in einem verstaubten Winkel liegt. Das Gewissen wird nur lebendig, wenn es unterstützt wird. Dafür sind ja die Zuchthäuser, die Henker, die Höllenstrafen. Haben unsre Munitionslieferanten, die ihr Geld machten, daß sie halfen, die europäischen Völker abzuschlachten, ein Gewissen? Hat unser Mr. Wilson ein Gewissen gehabt, als er fünfzigtausend von unsern Jungen ermorden ließ, weil Wallstreet fürchtete, ihr Geld zu verlieren, und die Munitionsmacher noch bessere Geschäfte machen wollten? Ich habe nie davon gehört. Immer nur wir kleinen Kicker müssen das Gewissen haben, andre brauchen keins. Jetzt wird wohl dem Freunde Dobbs das Gewissen lebendig werden, wenn er erfährt, daß er mit dir nur halbe Arbeit gemacht hat. Nein, lieber Junge, laß mich mit dem Gewissen nur ganz aus dem Spiele. Ich glaube nicht daran. Wir müssen uns jetzt nur darum bekümmern, wie wir dem Burschen die Beute wieder abjagen.“
Howard wollte nun sofort nach Durango reiten, um Dobbs noch einzuholen oder ihn wenigstens in Tampico zu erreichen, ehe er aus dem Lande verschwand. Curtin sollte hier im Dorfe in Pflege bleiben und später nachkommen.
Als Howard seinen Gastgebern erklärte, daß er nun nach seinem Eigentum sehen müsse, weil Curtin hier krank läge, gaben sie ihm recht, daß er abreisen müsse, wenngleich es ihnen schwerfiele, ihn so bald gehen zu lassen.
Am nächsten Morgen war Howard bereit, nach Durango zu gehen. Aber die indianischen Freunde wollten ihn nicht allein gehen lassen. Sie wollten ihn begleiten, damit er auch sicher in der Stadt ankäme, und damit ihm nicht ein ähnliches Schicksal widerfahre wie seinem Genossen Curtin. Deshalb ritten sie alle mit ihm.
Sie waren gerade bis zum nächsten Dorf gekommen, als sie den Indianern begegneten, mit dem Alkalden als Führer, die auf dem Wege waren, um die Esel und die Packen zu Howard zu bringen.
„Wo ist denn euer Senjor Dobbs, der Amerikaner, der diesen Zug nach Durango bringen sollte?“ fragte Howard, als er sich umgesehen hatte und keinen Dobbs finden konnte.
„Der ist erschlagen“, sagte der Alkalde ruhig.
„Erschlagen? Von wem?“ Howard sagte es rein mechanisch.
„Von drei Wegelagerern, die gestern von den Soldaten gefangen genommen wurden.“
Howard sah auf die Packen, und sie schienen ihm merkwürdig dünn zu sein. Er sprang hinzu und öffnete einen seiner eignen Packen. Die Felle waren vollzählig drin, aber die Säckchen waren fort.
„Wir müssen die Wegelagerer einholen,“ rief er, „ich muß sie etwas fragen.“
Seine Begleiter waren dazu bereit. Man ließ den Zug in das Dorf bringen, wo Curtin lag. Die übrigen Männer ritten auf geraden Pfaden den Soldaten nach.
Die Soldaten hatten sich nicht sehr beeilt, voranzukommen. Bei solchen Patrouillenritten werden immer noch die Ortschaften, die in der Nähe des Hauptweges verstreut liegen, besucht, um zu hören, was los ist, und den friedlichen Einwohnern zu zeigen, daß die Regierung sie nicht vergessen hat und sie unter Schutz hält. Die Gefangenen, die mitgeführt werden, vertiefen nur den Eindruck bei der indianischen Landbevölkerung, daß sie ruhig ihrer Arbeit nachgehen kann, und daß die Regierung nach dem Rechten sieht und den Banditen und den Wegelagerern tüchtig auf den Fersen sitzt. Die Banditen und diejenigen, die vielleicht gerade im Sinne haben, es einmal mit diesem Geschäft zu versuchen, werden durch die Gefangenen, deren Los vorher hinreichend bekannt ist, eindrucksvoll genug belehrt, daß es auch seine Schattenseiten hat, auf Straßenräuberei auszugehen. Solche Warnungen sind wirkungsvoller als Berichte in den Zeitungen, die hier nicht hinkommen, und wenn sie hinkommen, nicht gelesen werden können.
Am darauffolgenden Tage waren die Soldaten schon eingeholt. Der Alkalde stellte dem Offizier Howard als den rechtmäßigen Eigentümer der Esel und der Packen vor, und Howard erhielt ohne weiteres die Erlaubnis, die Banditen auszufragen. Wie sie Dobbs umgebracht hatten, das interessierte ihn nicht, der Alkalde hatte es ihm schon deutlich genug erzählt. Er wollte nur wissen, wo die Säckchen seien.
„Die Säckchen?“ fragte Miguel. „Ach ja, diese kleinen Säckchen, die haben wir alle ausgeschüttet. Da war nur Sand darin, um den Fellen mehr Gewicht zu geben.“
„Wo habt ihr denn die Säckchen ausgeschüttet?“ fragte Howard.
Miguel lachte. „Was weiß ich? Irgendwo im Busch. Das eine Säckchen hier, das andre weiter fort. Es war finster. Wir sind dann in der Nacht weitermarschiert, um fortzukommen. Wir haben kein Kreuz hingenagelt, wo wir die Säcke ausgeschüttet haben. Sand gibt es überall. Sie brauchen sich nur zu bücken. Und wenn Sie gerade den Sand, den Sie vielleicht als Proben hatten, suchen gehen wollen, ich glaube nicht, daß sie noch ein Körnchen finden. In der vorletzten Nacht hatten wir einen fürchterlichen Sturm. Der hat alles fortgeweht, auch wenn ich genau wüßte, wo es war, wo wir die Säckchen ausschütteten. Ich würde es Ihnen sonst gern sagen, für ein Säckchen Tabak. Aber ich weiß es nicht und kann mir den Tabak nicht verdienen.“
Howard wußte nicht, was er sagen sollte. Alles, was er äußern oder was er tun konnte, war nur, ein solches Gelächter anzustimmen, daß die übrigen Männer und auch die Soldaten mitlachen mußten, obgleich sie nicht wußten, wo der Witz lag. Aber das Lachen klang so gesund, daß sich niemand gegen seine Wirkung wehren konnte.
Howard warf den Strauchdieben ein Säckchen Tabak zu, dankte dem Offizier, verabschiedete sich von ihm, und dann ritt er mit seinen Freunden wieder zurück.
„Well, my boy“, sagte Howard, während er sich auf den Rand des Lagers setzte, auf dem Curtin lag. „Das Gold ist dahin gegangen, wo es herkam. Diese prachtvollen Halunken haben es für Sand gehalten, mit dem wir die Fellhändler in der Stadt betrügen wollten beim Auswiegen der Felle. Und diese Lämmer haben den Sand alle ausgeschüttet. Wo, wissen sie nicht mehr, weil es finster war. Und dann hat der Hurrikan in der vorletzten Nacht den Rest besorgt. Für ein Säckchen Tabak war jetzt die ganze Bronze zu haben, für die wir zehn Monate schufteten.“
Und er begann so zu lachen, daß er sich krümmen mußte, weil ihm der Bauch weh tat.
„Wie du da lachen kannst, das ist mir ganz und gar unverständlich“, sagte Curtin halb erbost.
„Das verstehe ich nicht“, sagte Howard, nur noch immer mehr lachend. „Wenn du hier nicht lachen kannst, bis du platzt, dann weißt du nicht, was ein guter Witz ist, und dann kannst du mir leid tun. Dieser Witz ist zehn Monate Arbeit wert.“
Und er lachte, daß ihm die Tränen über die Backen liefen.
„Mich haben sie zum Wunderdoktor gemacht,“ blökte der Alte lachend, „ich habe mehr erfolgreiche Kuren und für weniger Medizin aufzuweisen als der beste Arzt in Chikago. Du bist zweimal totgeschossen worden und lebst immer noch, und der gute Dobbs hat den Kopf so völlig verloren, daß er ihn selber nicht einmal mehr damit suchen gehen kann. Und das alles für Gold, das uns gehört, und von dem niemand weiß, wo es ist, und das billiger ist als ein Säckchen Tabak für fünfunddreißig Centavos.“
Nun endlich begann Curtin zu lachen, und er wollte gerade ebenso kräftig damit herausbrüllen, wie es der Alte schon die ganze Zeit tat. Aber Howard hielt ihm die Hand auf den Mund: „Nicht so laut, alter Junge, sonst platzt dir der Lungenflügel. Und den mußt du behalten, weil wir sonst nicht nach Tampico kommen. Mit der Bahn wird es wohl kaum viel werden. Wir müssen auf den Eseln zurückreiten, und die wir nicht zum Reiten gebrauchen, die müssen wir verkaufen, damit wir wenigstens Tortillas und Frijoles zu essen haben, wir Millionäre, die wir sind.“
„Was können wir denn nur anfangen?“ fragte Curtin nach einer Weile.
„Ich überlege schon, ob ich mich hier nicht dauernd als Medizinmann niederlassen soll. Wir können das Geschäft gemeinsam betreiben. Ich komme allein sowieso nicht durch. Ich brauche einen Assistenten, und ich will dir alle meine Rezepte vermachen. Die sind gut, das kann ich dir versprechen.“
Als Howard die Packen alle einzeln durchzusuchen begann, fand er einen Packen, aus dem die Säckchen nicht ausgeschüttet waren. Entweder waren sie übersehen worden, oder der von den Strauchdieben, der sich diese Packen angeeignet hatte, war zu bequem gewesen, die Packen alle aufzuschnüren, weil er gedacht hatte, sich das für später aufzuheben, wenn sie es nicht so eilig hatten, weiterzukommen.
„Das wird gerade reichen für – für was?“ sagte Howard.
„Mit dem Kino wird es wohl nichts?“ fragte Curtin.
„Dazu reicht es nicht. Aber ich habe gedacht, vielleicht ein ganz kleines Delikatessen- und Konservengeschäft?“
„Wo? In Tampico?“ Curtin setzte sich halb auf.
„Natürlich. Wo dachtest du denn?“ erwiderte Howard.
„Aber im letzten Monat, als wir in Tampico waren, machten ja vier große Delikatessengeschäfte innerhalb von sechs Wochen Pleite.“ Curtin hielt es für wichtig, den Alten zu erinnern.
„Das ist richtig“, sagte Howard. „Aber das war vor zwölf Monaten. Das kann sich nun geändert haben. Man muß sich doch ein wenig auf sein Glück verlassen können.“
Curtin überlegte einen Augenblick und sagte dann: „Vielleicht ist doch dein erster Vorschlag der bessere. Wir versuchen es erst einmal eine Zeit mit dem Medizingeschäft, da ist uns wenigstens das Essen und die Wohnung sicher. Ob das bei den Delikatessen der Fall sein wird, weiß ich noch nicht recht.“
„Aber Mensch, da sitzt du doch mitten drin. Da brauchst du doch nur den Büchsenöffner zu nehmen und eine Büchse aufzumachen oder auch zwei, wenn es dir schmeckt.“
„Well und schön. Aber das sollst du mir erst noch sagen, was du essen willst, wenn sie kommen und das Delikatessengeschäft versiegeln. Dann kannst du doch nicht mehr ran an die Konservenbüchsen.“
„Daran habe ich nicht gedacht“, sagte Howard betrübt. „Das ist wahr, dann können wir nicht mehr ran an die Büchsen, und der schönste Büchsenöffner ist dann wertlos. Ich denke auch, es ist vielleicht doch besser, die Delikatessen vorläufig allein zu lassen und uns lieber auf Medizin zu legen. Außerdem ist es ein höchst ehrenwerter Beruf. Delikatessenwarenhändler kann schließlich jeder Esel werden, Medizinmann noch lange nicht. Dazu muß man geboren sein. Und das darf ich von mir mit Fug und Recht behaupten. Komm nur erst rüber in mein Dorf, da wirst du etwas sehen und lernen. Den Hut wirst du ziehen vor mir, mein Junge, wenn du siehst, was für eine geachtete Persönlichkeit ich da bin. Die wollten mich vor einigen Tagen schon zur gesetzgebenden Körperschaft machen. Was sie sich darunter denken, habe ich aber nicht erfahren können.“
In dem Augenblick kam sein Gastgeber herein.
„Senjor,“ sagte er, „wir müssen jetzt fortreiten. Es ist gerade ein Mann herübergeritten gekommen. Der sagt, es seien so viele Leute im Dorf, die den Doktor sehen wollten, daß sie im Dorf Angst bekämen. Darum müssen wir sofort losreiten.“
„Da hörst du es ja“, wandte sich Howard an Curtin, als er ihm die Hand gab.
Curtin lachte und sagte: „Ich denke, daß ich in drei Tagen rüberkommen kann, um den Wunderdoktor zu sehen.“
Howard hatte keine Zeit, zu antworten. Die Indianer hatten ihn untergefaßt, hinausgetragen und aufs Pferd gehoben.
Dann ritten sie mit ihm davon.
Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Weitere Änderungen sind hier aufgeführt (vorher/nachher):
[S. 31]: ... „Das ist aber der sicherste Platz.“ Dobbs bestand auf seinen Plan. ... ... „Das ist aber der sicherste Platz.“ Dobbs bestand auf seinem Plan. ...
[S. 55]: ... begann sich zu forden. ... ... begann sich zu formen. ...
[S. 145]: ... „Ein Nischt“, sagte Dobbs und trottete hinter den beiden, die voraufgegangen ... ... „Ein Nischt“, sagte Dobbs und trottete hinter den beiden, die vorausgegangen ...
[S. 149]: ... einem Male einer der Männer ihnen nach: „Holla, Senjores, un momento!“ ... ... einem Male einer der Männer ihnen nach: „Hola, Senjores, un momento!“ ...