Chapter 13 of 15 · 2755 words · ~14 min read

Part 13

Um diese Zeit kam einst ein Mitglied der Moralischen Gesellschaft zu Lichtensteig in mein Haus, als ich eben die Geschichte von Brand und Struensee durchblätterte, und etwas von meinen Schreibereien auf dem Tisch lag. »Das hätt' ich bei dir nicht gesucht,« sagte er, und fragte: Ob ich gern so etwas lese, und oft dergleichen Sächelchen schreibe? »Ja!« sagt' ich: »Das ist neben meinen Geschäften mein einziges Wohlleben.« Von da an wurden wir Freunde und besuchten einander zum öftersten. Er anerbot mir seine kleine Büchersammlung, ließ sich aber in ökonomischen Sachen noch lieber von mir helfen, als daß er mir hätte beispringen können, obschon ich ihm von weitem meine Umstände merken ließ. In einem dieser Jahre schrieb die erwähnte Gesellschaft über verschiedene Gegenstände Preisfragen aus, welche jeder Landmann beantworten könnte. Mein Freund munterte mich zu einer solchen Arbeit auf; ich hatte große Lust dazu, machte ihm aber die Einwendung: Man würde mich armen Tropf nur auslachen. »Was tut das?« sagte er: »Schreib du nur zu, in aller Einfalt, wie's kommt und dich dünkt.« Da schrieb ich denn über den Baumwollengewerb und den Kredit, sandte mein Geschmiere zur bestimmten Zeit neben vielen andern ein, und die Herren waren so gut, mir den Preis von einem Dukaten zuzuerkennen. Ob zum Gespötte? Nein, wahrlich nicht. Oder vielleicht in Betrachtung meiner dürftigen Umstände? Kurz, ich konnt' es nicht begreifen, und noch viel minder, daß man mich jetzt gar von ein paar Orten her einlud, ein förmliches Mitglied der Gesellschaft zu werden. »Oh, behüte Gott!« dacht' und sagt' ich anfangs, »das darf ich mir nicht träumen lassen. Ich würde einen Korb bekommen. Und wenn auch nicht, ich mag so gelehrten Herren keine Schande machen. Über kurz oder lang würden sie mich gewiß wieder ausmustern.« Endlich aber, nach vielem Hin- und Herwanken, und besonders aufgemuntert durch einen der Vorsteher, bei dem ich sehr wohl gelitten war, wagt ich's, mich zu melden. Ich kann übrigens versichern, daß mich weniger die Eitelkeit als die Begierde reizte, an der schönen Lesekommun der Gesellschaft um ein geringes Geldlein Anteil zu nehmen. Indessen ging es, wie ich vermutet hatte, und gab's allerlei Schwierigkeiten. Einige Mitglieder widersetzten sich, und bemerkten mit Recht, ich sei von armer Familie, dazu ein ausgerissener Soldat, ein Mann, von dem man nicht wisse wie er stehe, von dem wenig Ersprießliches zu erwarten sei. Gleichwohl ward ich durch Mehrheit der Stimmen angenommen. Aber erst jetzt reute mich mein unbesonnener Schritt, als ich bedachte: Jene Herren sagten ja nichts als die nur lautere Wahrheit und könnten noch einst damit triumphieren. Inzwischen mußt' ich's gelten lassen, und tröstete ich mich mit dem auch nicht ganz uneigennützigen Gedanken, das ein und andre Mitglied könnte mir im Verfolg zu manchen wichtigen Dingen nützlich sein.

[Sidenote: Mitglied einer gelehrten Gesellschaft]

[Sidenote: Lesewut]

[Sidenote: Selbstanklagen]

[Sidenote: Schuldner und Gläubiger]

[Sidenote: Harte Versuchungen]

Was hatt' ich da für eine kindische Freude an der großen Anzahl Bücher, deren ich in meinem Leben nie so viele beisammen gesehn, und an denen allen ich nun Anteil hatte. Ich errötete zwar noch immer bei dem bloßen Gedanken, ein eigentliches Mitglied einer gelehrten Gesellschaft zu heißen und zu sein, und besuchte sie darum nur selten und verstohlen. Aber da half alles nichts; es ging mir wie dem Raben, der mit den Enten fliegen wollte. Meine Nachbarn und andre alte Freunde und Bekannte, kurz, meinesgleichen, sahen mich, wo ich stund und ging, überzwerch an. Hier hört' ich ein höhnisches Gezisch; dort erblickt' ich ein verachtendes Lächeln. Denn es ging unsrer Moralischen Gesellschaft im Tockenburg anfangs wie allen solchen Instituten in noch rohen Ländern. Man nannte ihre Mitglieder Neuherren, Bücherfresser, Jesuiten und dergleichen. Meine Frau vollends speite Feuer und Flammen über mich aus, wollte sich viele Wochen nicht besänftigen lassen, und gewann nun gar Ekel und Widerwillen gegen jedes Buch, wenn's zumal aus unsrer Bibliothek kam. Einmal hatt' ich den Argwohn, sie selbst habe um diese Zeit meinen Kreditoren eingeblasen, daß sie mich nur brav ängstigen sollten. Sie leugnet's zwar noch auf den heutigen Tag, und Gott verzeih' mir's! wenn ich falsch gemutmaßt habe; aber damals hätt' ich mir's nicht nehmen lassen. Genug, meine Treiber setzten stärker in mich als sonst. Da hieß es: Hast du Geld, dich in die Büchergesellschaft einzukaufen, so zahl' auch mich. Wollt' ich etwas borgen, so wies man mich an meine Herren Kollegen. »Oh, du armer Mann!« dacht' ich, »was hast du für einen hundsdummen Streich gemacht, der dir vollends den Rest geben muß. Hätt'st du dich mit deinem Morgen- und Abendsegen begnügt, wie so viele andre deiner redlichen Mitlandsleute. Jetzt hast du deine alten Freund' verloren, von den neuen darfst und magst du keinen um einen Kreuzer ansprechen. Deine Frau hagelt auf dich zu. Du Narr! was nützt dir jetzt all' dein Lesen und Schreiben? Kaum wirst du noch dir und deinen Kindern den Bettelstab dafür kaufen können.« So macht' ich mir selber die bittersten Vorwürfe und rang oft beinahe mit der Verzweiflung. Dann sucht' ich freilich von Zeit zu Zeit aus einem andern Sack auch meine Entschuldigungen hervor, die hießen: »Ha! das Lesen kostet mich doch nur ein Geringes, und das hab' ich an Kleidern und anderm mehr als erspart. Auch bracht' ich nur die müßigen Stunden damit zu, wo andre ebenfalls nicht arbeiten, meist bei nächtlicher Weile. Wahr ist's, meine Gedanken beschäftigten sich auch in der übrigen Zeit nur allzuviel mit dem Gelesenen und waren zu meinem Hauptberuf selten bei Hause. Doch hab' ich nichts verludert, und trank höchstens zuweilen eine Flasche Wein, meinen Unmut zu ersäufen. Das hätt' ich freilich auch sollen bleiben lassen. Aber was ist ein Leben ohne Wein, und zumal ein Leben wie meines?« Dann kam's wieder einmal ans Anklagen: »Aber, wie nachlässig und ungeschickt warst du in allem, was Handel und Wandel heißt. Mit deiner unzeitigen Güte nahmst du alles, wie man's dir gab, gabst jedem, was er dich bat, ohne zu bedenken, daß du nur andrer Leute Geld im Säckel hattest, oder daß dich ein redlich scheinendes Gesicht betrügen könnte. Deine Ware vertrautest du dem ersten besten und glaubtest ihm auf sein Wort, wenn er dir vorlog, er könne dir auf sein Gewissen nur soundsoviel bezahlen. Oh, könnt'st du noch einmal wieder von vornen anfangen. Aber, vergeblicher Wunsch! Nun, so willst du doch alles versuchen, willst denen, die dir schuldig sind, eben auch drohen wie man dir droht.« So dacht' ich elender Tropf und setzte wirklich zween meiner Debitoren den Tag an; freilich mehr um sie und andre zu schrecken, als daß es Ernst gegolten hätte. Aber sie verstunden's nicht so. Ich ging auf die bestimmte Zeit mit den Schätzern zu ihren Häusern; und, Gott weiß! mir war's viel bänger als ihnen. In dem ersten Augenblick, da ich in des einen Wohnung trat, dacht' ich: Wer kann das tun? Die Frau bat, und wies mit den Fingern auf das zerfetzte Bett und die wenigen Scherben in der Küche; die Kinder in ihren Lumpen heulten. Oh, wenn ich nur wieder weg wäre! dacht' ich, bezahlte Schätzer und Weibel, und strich mich unverrichteter Sachen fort, nachdem man mir in bestimmten Terminen Bezahlung versprochen, die noch auf den heutigen Tag aussteht. Auch erfuhr ich nachwärts, daß diese Leute, einige Stunden vorher, eh' ich in ihr Haus kam, die besten Habseligkeiten geflöchnet,[55] und ihre Kinder expreß so zerlöchert angezogen hätten. »Meinetwegen,« sagt' ich da zu mir selbst, »das will ich in meinem Leben nicht mehr tun. Meine Gläubiger mögen eines Tages Barbaren gegen mich, ich will's nicht gegen andre sein. Es geh' mir wie es geh', diese Schulden müssen zuletzt doch auch zu meinem Vermögen gerechnet werden.« Aber jene fragten nichts darnach, und diesen jagte eine solche Denk- und Verfahrungsart gerade keine Scheu ein. Die erstern trieben mich immer stärker und unerbittlicher, so daß mich meine überspannte Einbildung zuletzt wirklich glauben ließ, Gott habe nun einmal beschlossen, mich vor aller Welt zu Spott und Schande zu machen und mich die Folgen meiner Unvorsichtigkeit abbüßen zu lassen. Der Versucher feiert bei solchen Gelegenheiten gewiß nicht, und mir war's oft, ich fühlte seine Eingebungen, wenn ich den ganzen Tag vergeblich nach Menschenhilfe umhergelaufen war und abends schwermütig oder halb verrückt der Thur nach schlich, mit starrem Blick in den Strom hinuntersah, wo er am tiefsten ist. Dann deuchte es mir, der schwarze Engel hauche mich an und flüsterte mir zu: Stürz dich hinein, Tor, du hältst es doch nicht länger aus. Sieh' nur, wie sanft das Wasser rollt! Ein Augenblick, und dein ganzes Sein wird ebenso dahinwogen. Dann schläfst du so ruhig und so wohl, so wohl! Da wird für dich kein Leid und kein Geschrei mehr sein und dein Geist und Herz ewig in süßem Vergessen schlummern. Himmel, wenn ich dürfte! dacht' ich jetzt wohl. Aber welch ein Schauer, Gott, welch ein Grausen durchfährt alle meine Glieder! Sollt' ich meiner besseren Überzeugung vergessen können? Nein, Satan, packe dich! ich will ausharren und erdulden, was ich verschuldet habe. Ein andermal riet mir der Böse wieder, ich sollt' mein Bündel aufpacken und davonlaufen. Mit meiner noch übrigen Barschaft könnte ich in einem entfernten Lande etwas Neues anfangen, und zu Hause würden Weib und Kind schon gutherzige Seelen finden. -- Was! ich davonlaufen? Mein zwar unsanftes aber getreues Weib und meine unschuldigen kleinen Kinder im Stich lassen? Die Winkelprophezeiungen meiner Feinde zu ihrer größten Freude wahrmachen? In welcher Ecke der Erde könnt' ich eine Stunde Ruhe genießen, wo mich verbergen, daß der Wurm in meinem Busen mich nicht fände? Und stell' ich mir meine Sachen am Ende nicht zu schrecklich vor? Wenn mich nun auch meine Sünden so wie jetzt nur meine Schulden quälten?

So bekam ich von Zeit zu Zeit wieder guten, festen Mut, der freilich nicht länger währte, als bis ich mich bei einer neuen Gelegenheit abermals des Gedankens nicht erwehren konnte: Jetzt ist's aus. Es ist kein Kraut für ein unheilbares Übel gewachsen. Aber auch alsdann bestand es weit mehr in der Einbildung als in der Wirklichkeit.

Eines Tages, als ich eben auch vergebens herumgelaufen, um etliche Gulden zu borgen, und einer meiner Gläubiger mir mit entsetzlicher Roheit begegnet war, ging ich voll trübsinniger Phantasien zu Bett und wälzte mich bis Mitternacht schlaflos auf meinem Kissen hin und her.

[Sidenote: Brief an Lavater]

Da kam mir mit einemmale der menschenfreundliche Lavater in den Sinn, und ich entschloß mich augenblicklich, ihm zu schreiben. Ich stund auf und entwarf einen Brief an ihn, den ich gleich des anderen Morgens an seine Behörde abzusenden gedachte. Je öfter ich ihn aber, als die Zeit dazu gekommen war, überlas und überdachte, desto weniger wollte er mir in dem Bewußtsein dessen gefallen, wie sehr der teure Menschenfreund von Kollektanten, Bettlern und Bettelbriefen bestürmt werde. Um auch den bloßen Schein zu vermeiden, als beabsichtige ich die Zahl der Unverschämten zu vermehren, unterdrückte ich mein Geschreibsel wieder und nahm von dieser Stund' an meine Zuflucht ganz allein zu Gott. Ich hatte zwar in der Folge noch öftere Anfälle meines eingewurzelten Kummerfiebers, wandte nun aber alle meine Leibes- und Seelenkräfte an, meine kleinen Geschäfte zu vermehren, und sah allenthalben selbst zu meinen Sachen.

Gegen meine Bekannten stellte ich mich weit weniger mutlos als ich war, und tat immer munter und guter Dinge. Meinen Gläubigern gab ich die besten Worte, indem ich die älteren bezahlte und wieder bei anderen borgte. In der benachbarten Gemeinde Ganterschwil sah ich mich nach neuen Spinnern, soviel ich deren aufzutreiben wußte, um.

[Sidenote: Bessere Zeiten]

Das Jahr 1778 gab mir ganz besondern Mut und Zuversicht; mein Händelchen ging damals vortrefflich vonstatten, und bald konnt' ich glauben, daß ich mit Zeit und Weile mich vollkommen erholen und meiner Schuldenlast entledigen würde. Aber die Angst will ich mein Tage nicht vergessen, die mich auch jetzt noch quälte, wenn ich den Geschäften nach traurig meine Straße ging und mich dem Kontor eines überlegenen Handelsmanns oder der Tür eines harten Gläubigers nahte. Wie es mir da zumute war! wie ich meine Hände gen Himmel rang: »Herr! du weißt alle Dinge! Alle Herzen sind in deiner Hand; du leitest sie wie Wasserbäche, wohin du willst! Ach! gebiete auch diesem Laban, daß er nicht anders mit Jakob rede als freundlich!« Und der Allgütige erhörte meine Bitte; ich bekam mildere Antwort, als ich's hätte erwarten dürfen. Oh, wie köstlich ist's, auf den Herrn hoffen und ihm alle sein Anliegen mit Vertrauen klagen. Dies hab' ich so manchmal und so deutlich erfahren, daß mir die felsenfeste Überzeugung davon nichts in der Welt mehr rauben kann.

Zu Anfang des Jahres 1779 ward mir ohne mein Bewerben und Bemühen der Antrag gemacht, einem auswärtigen Fabrikanten von Glarus, Johannes Zwicki, Baumwollentücher weben zu lassen. Anfangs lehnt' ich den Antrag aus dem Grunde ab, weil vor mir ein gewisser Grob bei der nämlichen Kommission Bankerott gemacht. Da man mich aber versichert, daß die Ursache seines Unfalls eine ganz andre gewesen, ließ ich mich endlich bereden, und traf den Akkord vollkommen auf den Fuß wie jener. Sofort hob ich diesen Verkehr an. Man lieferte mir das Garn, und zwar zuerst sehr schlechtes; aber nach und nach ging's besser. Auch hatt' ich anfangs viel Mühe genug, Spuler und Weber zu kriegen. Doch merkt' ich bald, daß zwar mit diesem Geschäft viel Verdruß und Arbeit verbunden, aber auch etwas zu gewinnen sei. Im Jahre 1780 erweitert' ich meine Anstalt um ein merkliches, fing auch an, für eigne Rechnung Tücher zu machen, und befand mich gut dabei. Mein Kredit wuchs wieder von Tag zu Tag, und meine Gläubiger merkten bald, daß die Sachen eine andere Wendung genommen. Ich hüpfte daher nicht selten in meiner Warenkammer vor Freuden hoch auf und betrachtete meine Errettung als ein Beinahe-Wunder. Und doch ging in der Welt von jeher und geht noch alles seinen natürlichen Lauf! Glück und Unglück richteten sich immer, teils nach meinem Verhalten, das in meiner Macht stund, teils nach den Zeitumständen, die ich nicht ändern konnte. Auch die folgenden Jahre bis 1785 förderten meinen Wohlstand je mehr und mehr und änderten in meinem Innern nichts, als daß mir meine Geschäfte mehr zu denken gaben und meinen Hang zum Schreiben um ein gut Teil minderten. Hätte ich schon damals alle meine Waren und ausstehende Schulden zu Geld gemacht, so würde ich haben meine Gläubiger vollkommen befriedigen können und mein Haus und Garten mit all meiner Habe mir frei und ledig zu eigen verblieben sein. Es hat zwar seitdem den Anschein gewonnen, als ob der Baumwollentücherverkehr in unserem Lande nimmer wieder zu seinem vorigen Flor gelangen könne. Indessen ergeht es mir fortwährend leidlich genug, und würde ich, wenn ich mich zu einer ängstlichen Sparsamkeit bekehren wollen, heutigen Tages gewiß ein sogenannter bemittelter Mann sein.

Schluß

[Sidenote: Stilling und Rousseau]

[Sidenote: Meine Geständnisse]

[Sidenote: Liebesgeschichte]

[Sidenote: Käthchen]

Als ich dies Büchel zu schreiben anfing, dacht' ich Wunder, welch' eine herrliche Geschicht' voll der seltsamsten Abenteuer es absetzen würde. Ich Tor! Und doch -- bei besserm Nachdenken -- was soll ich mich selbst tadeln? Wäre das nicht Narrheit auf Narrheit gehäuft? Mir ist's, als wenn mir jemand die Hand zurückzöge. Das Selbsttadeln muß also etwas Unnatürliches, das Entschuldigen und sich selbst alles zum Besten deuten etwas ganz Natürliches sein. Ich will mich also herzlich gern entschuldigen, daß ich anfangs so verliebt in meine Geschichte war, wie es jeder Fürst und -- jeder Bettelmann in die seinige ist. Oder, wer hörte nicht schon manches alte, eisgraue Bäurlein von seinen Schicksalen, Jugendstreichen und so fort ganze Stunden lang mit selbstzufriedenem Lächeln so geläufig und beredt daherschwatzen, wie ein Procurator, und wenn er sonst der größte Stockfisch war. Freilich kömmt's denn meist ein bißel langweilig für andre heraus. Aber was jeder tut, muß auch jeder leiden. Freilich hätt' ich, wie gesagt, mein Geschreibe ganz anders gewünscht; und kaum war ich damit zur Hälfte fertig, sah' ich das kuderwelsche Ding schon schief an; alles schien mir unschicklich, am unrechten Orte zu stehn, ohne daß ich mir denn doch getraut hätte, zu bestimmen, wie es eigentlich sein sollte; sonst hätt' ich's flugs auf diesen Fuß, z. B. nach dem Modell eines Heinrich Stillings, umgegossen. »Aber, Himmel! welch ein Contrast! Stilling und ich!« dacht' ich. »Nein, daran ist nicht zu gedenken. Ich dürfte nicht in Stillings Schatten stehn.« Freilich hätt' ich mich oft gerne so gut und fromm schildern mögen, wie dieser edle Mann es war. Aber konnt' ich es, ohne zu lügen? Und das wollt' ich nicht, und hätte mir auch wenig geholfen. Nein! Das kann ich vor Gott bezeugen, daß ich die pur lautere Wahrheit schrieb; entweder Sachen, die ich selbst gesehen und erfahren, oder von andern glaubwürdigen Menschen als Wahrheit erzählen gehört. Freilich Geständnisse, wie Rousseau's seine, enthält meine Geschichte auch nicht, und sollte auch keine solchen enthalten.