Part 13
Das Skapulier der sieben Schmerzen Marias oder das _schwarze_ ist von den sieben Stiftern des Servitenordens eingeführt. »Man wird durch Anlegung dieses Skapuliers der Bruderschaft der schmerzhaften Mutter Gottes einverleibt und erhält sowohl an den Verdiensten aller Bruderschaftsmitglieder wie des Ordens der Serviten Anteil. Außerdem hat der Herr, wie nach dem heiligen Alphons der heiligen Elisabeth geoffenbart worden ist, auf die Bitte seiner Mutter den Verehrern ihrer Schmerzen u. a. die Gnade verheißen, daß, wer die göttliche Mutter durch ihre Schmerzen anruft, vor seinem Tode wahre Buße über alle seine Sünden tun wird.«
Nun ist es klar, daß dem wahrhaft Frommen die Qual der Wahl zwischen so viel Glücksspendern äußerst wehe tun muß. Doch es ist in anerkennenswerter Milde dafür gesorgt, sie zu lindern. Man kann nämlich ein »_fünffaches Skapulier_« tragen, indem man alle aufeinander heftet. Dadurch wird man »aller Gnaden und Ablässe« teilhaftig. Und das ist doch was wert! Allerdings kann jedes Skapulier nur von einem dazu bevollmächtigten Priester angelegt werden, doch haben die Redemptoristen-Patres die Vollmacht mit einem vierfachen Skapulier, bestehend aus allen, mit Ausnahme des roten, zu bekleiden[2]. Sie können, wie Pater M. _Ulrich_ in seiner Schrift »_Die geistliche Schatzkammer, oder kurzgefaßter Unterricht über das vierfache Skapulier, die geweihten Kreuze_ usw.« (Passau, Bucher, 5. Aufl., 1874) S. 24 sagt: Durch eine einzige Weihe und Auflegung in alle vier Bruderschaften zugleich aufnehmen.
Was der fromme Skapulierträger für einen Profit macht, ist allerdings fabelhaft. Wer das fünffache Skapulier trägt, gewinnt »am Tage der Aufnahme fünf vollkommene Ablässe; täglich, sooft er sechs Vaterunser, Ave Maria und Ehre sei usw. betet, jedesmal die mit dem Besuche verschiedener heiligen Orte verbundenen Ablässe (vgl. oben); in jeder Woche Mittwochs und Freitags je einen vollkommenen Ablaß usw.; ferner: in der Todesstunde vier General-Absolutionen und fünf vollkommene Ablässe; nach dem Tode bei jeder für ihn gelesenen Messe wenigstens einen vollkommenen Ablaß; das samstägliche Privilegium.« Nach dem von Ulrich gegebenen Verzeichnis (S. 41 ff.) der Ablässe, kann man an einigen Tagen« etliche Jahrhunderte Ablaß gewinnen; erhält man doch schon 60 Jahre, »sooft man durch eine halbe Stunde das innerliche Gebet übt oder eine fromme Betrachtung anstellt«.
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Das Skapulier, von dem übrigens auch die Franziskaner eines besitzen, ist nicht das einzige Kleidungsstück der frommen Garderobe. Verfügt doch der gleiche Orden in seinem »_seraphischen Gürtel_« über ein nicht minder seelenrettendes Instrument. Darüber belehrt das Schriftchen »_Der Seraphische Gürtel und dessen wunderbare Reichtümer._ Nach dem Französischen des hochw. Herrn von _Segur_«, das mit bischöflicher Erlaubnis 1877 in erster, im folgenden Jahre in zweiter Auflage erschien.
Sixtus V. errichtete im Jahre 1585 eine »Erzbruderschaft des Gürtels des heiligen Franziskus«, deren Mitglied man werden kann, wenn man aus der Hand eines Franziskaner-Oberen oder eines anderen dazu bestellten Priesters den Gürtel empfängt und denselben Tag und Nacht trägt. »Es ist Gebrauch, aber nicht Pflicht, jeden Tag zum Andenken an die fünf Wunden des Erlösers und des heiligen Franziskus sowie auch für die Bedürfnisse der Kirche nach der Meinung des heiligen Vaters sechs Vaterunser usw. zu beten. Man kann den Gürtel auf dem Hemde tragen. Er mag von Wolle oder Baumwolle sein, von Garn oder Hanf, von weißer oder Naturfarbe. Man soll ihn nur ablegen im Falle der Not, um ihn so bald als möglich wieder anzulegen. Ist er zerrissen oder sonst nicht mehr tauglich, so kann man ihn verbrennen und ganz einfach durch einen anderen ersetzen. Eine kleine Schnur wäre nicht hinreichend, doch muß es auch kein dicker Strang sein.«
Es lohnt sich wirklich, diesen Gürtel zu tragen, denn er spendet geradezu fabelhaften Segen. Segur schreibt darüber: »Die mit dem seraphischen Gürtel verbundenen geistlichen Vorteile enthalten den unvergleichlichen Schatz der Ablässe, welche aus der Franziskaner-Familie ein Wunderding machen, einzig in seiner Art. Die Träger des seraphischen Gürtels haben Anspruch auf alle diese Gnaden« (S. 6). »So oft sie die sechs Vaterunser usw. beten, gewinnen sie alle Ablässe des h. Landes, der sämtlichen Basiliken und Heiligtümer von Rom, der Heiligtümer von Assisi usw., das heißt _Tausende vollkommener Ablässe und sicher mehr als 100000 Jahre teilweiser Ablässe_. Ist das nicht gleichsam ein unvergeßlicher Ozean von Erbarmungen? Kann man da nicht täglich Tausende armer Seelen aus dem Fegfeuer erlösen? Und diese Ablässe kann man gewinnen, so vielmal des Tages, als man will; es ist nicht notwendig, morgens kommuniziert zu haben, man darf sich nur im Stande der Gnade befinden, seine Sünden bereuen und fest entschlossen sein, Gott dem Herren treu zu bleiben. Wo ist ein Christ, der dies nicht tun könnte und gern tun sollte?« (S. 7).
Aber das ist noch nicht alles: Wenn die Gürtelträger nach der Kommunion den Psalm Exaudiat usw. beten, können sie alle Ablässe gewinnen, die je allen Heiligtümern der ganzen Welt verliehen worden sind (S. 8) und 36mal im Jahre die »große Franziskaner-Absolution« empfangen.
Die »Monatsrosen« vom Februar 1874 berichten noch von einem anderen Gürtel, dem _Sankt-Josephs-Gürtel_, durch den schon 1657 eine Nonne in Antwerpen »von grausamen Schmerzen« wunderbar geheilt wurde. Als Pius IX. ihn auf Ersuchen des Bischofs von Verona 1859 nebst der Weiheformel bestätigt und mit Ablässen begnadigt hatte, kam sein Gebrauch erst recht in Aufnahme. Der Gürtel besteht aus einer Schnur von Baumwolle, Wolle oder Leinen mit »sieben Knoten als sieben Schmerzen und sieben Freuden des h. Josephs«. Man trägt ihn unter der Kleidung, »um durch die Fürbitte des h. Joseph wirksame Hilfsmittel zur Bewahrung der Reinigkeit und zur Enthaltsamkeit, die in jedem Stande notwendig ist, zu erlangen oder sie wieder zu erringen, wenn sie verloren ist«.
Doch das ist keineswegs die einzige Wirkung dieses Wundergürtels. Im Märzheft 1878 der »Monatsrosen« ermahnt der Herausgeber die Gläubigen, sich mit dem Gürtel des h. Joseph zu umgürten und macht darauf aufmerksam, daß in der Servitenkirche zu Innsbruck ein Filialbündnis der Umgürteten des h. Josephs bestehe. Man könne sich um Gürtel und Büchlein an die Redaktion der Monatrosen wenden. Das kann auch tatsächlich nur jedem angeraten werden, ist doch auch die Wirkung dieses Kleidungsstückes nach der gleichen Quelle geradezu verblüffend. »Ein siebenjähriges Kind, welches an Lungen- und Brustentzündung erkrankt und von drei Ärzten aufgegeben war, wurde in den Gebetsverein eingeschrieben, eine heilige Messe für dasselbe gelesen, ihm einige Tropfen Lourdes-Wasser eingegeben und ein Josephsgürtel umgelegt, und die Krankheit wendete sich zum Bessern« (S. 247). Ein anderer Fall betrifft »ein großes Übel«, das nach Auflegung des h. Joseph-Gürtels plötzlich behoben wurde (S. 343).
Daß solche Mittel bei Krankheiten auf nervöser Basis wirksam sein können, wird niemand bestreiten wollen, der den gewaltigen Einfluß der Suggestion auf den Körper kennt. Die Gürtel aber bei Lungenentzündungen und ähnlichen Infektionskrankheiten empfehlen, heißt in gewissenloser Weise mit dem Leben derer, die nicht alle werden, spielen.
Der heiligen Garderobe gehört endlich noch ein dritter Gürtel an, über den der Spitalbenefiziat Joseph _Löcherer_ unter dem Titel »Vollständiger Inbegriff der Gnaden und Ablässe der ehrwürdigen Erzbruderschaft Maria vom Troste, oder der _schwarzlederne Gürtel der h. Mutter Monica_, des heiligen Vaters Augustin und des h. Nicolaus von Tolentin, zum Gebrauche der Vorstände und aller einverleibten der Bruderschaft, getreulichst nach dem von P. Clemens X. herausgegebenen und für ewige Zeiten bestätigten Breve und Ablaß-Summarium Ex injuncto nobis vom 27. März 1675 und dem neuesten, von der h. Kongregation der Ablässe durch Urkunde vom 7. März 1863 ausdrücklich gutgeheißenen Bruderschaftsbüchlein bearbeitet« ein Büchlein schrieb, das bei Manz in Regensburg im Jahre 1878 in achter Auflage erschien.
Der Gürtel hat natürlich auch seine historische Berechtigung: Der h. Monica, die auch in der Kleidung der Jungfrau Maria ähnlich sein wollte, ist diese mit dem schwarzledernen Gürtel erschienen und sagte ihr, daß sie ihn seit dem Tode Christi getragen habe. Natürlich legte ihn nun die h. Monica, die Mutter Augustins, auch an.
Auch diese Gürtel-Bruderschaft ist, wie das ja nur recht und billig ist, an Ablässen außerordentlich reich[3].
Es leuchtet jedem denkenden Menschen ohne weiteres ein, daß die himmlischen Heerscharen, Gottvater, Sohn, heiliger Geist, kurz das ganze Weltregiment eine närrische Freude darüber haben muß, wenn christkatholische Menschen mit Skapulieren und Gürteln herumwandeln. Wenn es eine genaue Bekleidungsvorschrift für das Militär oder den hoffähigen Adel gibt, warum braucht nur gerade der Himmel keine zu haben? Sollte hier etwa auf passenden Anzug weniger Gewicht gelegt werden? Das wäre eine geradezu beleidigende Annahme.
Wie oberflächlich, wie weltlich klingt doch der Satz »Kleider machen Leute«. Der wahrhaft Fromme sagt, »Kleidungsstücke machen himmelsfähig«, oder »Bekleidungsstücke machen Seelen«.
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Doch nicht nur auf Skapuliere und Gürtel beschränkt sich die wunderbare Kraft für Lebzeiten und im Tode, sondern sie erstreckt sich auch auf Medaillen. Die Benediktiner sind im Besitze der sogenannten _Benediktus-Medaille_. Über sie schrieb Dom Prosper _Gueranger_, Abt des Benediktiner-Klosters Solesmes in Frankreich, »_Bedeutung, Ursprung und Privilegien der Medaille oder des Kreuzes des hl. Benedikt_«, bearbeitet von P. _Laurenz Hecht_, Benediktiner des Stiftes Einsiedeln. 2. Auflage, mit Approbation des Bischofs von Chur-Einsiedeln 1871. Ferner existiert über diese wichtige Materie das »St. _Benediktus-Büchlein_ oder die Medaille des hl. Benedikt« von einem Priester der Diözese Münster, mit Erlaubnis der geistlichen Obrigkeit, Münster 1876.
Es ist aber auch wirklich der Mühe wert, um dieser Medaille willen zur Feder zu greifen, denn, wie Pater Hecht aus einer zu Rom 1857 mit kirchlicher Approbation erschienenen Schrift mitzuteilen in der glücklichen Lage ist, wurde sie wirksam angewendet: »1) um _Zaubereien_ und alle anderen _teuflischen Einwirkungen_ zu zerstören; 2) um die _Zauberei_ vom Orte abzuhalten; 3) um die _Tiere_, welche von der Pest oder Seuche angesteckt oder von _Zauberei_ befallen sind, zu _heilen_ und gesund zu machen; 4) um jeden Menschen, der vom bösen Feinde versucht, getäuscht oder geplagt wird, den notwendigen Schutz zu gewähren; 5) um die _Bekehrung_ irgendeines Sünders, insbesondere wenn er in Todesgefahr ist, zu erlangen. Der vertrauensvolle Gebrauch dieser Medaille ist überdies wirksam: 1) zur _Zerstörung des Giftes_; 2) zur _Vertreibung der Pest_; 3) zur _Wiederherstellung der Gesundheit_ für diejenigen, welche von _Steinkrankheiten_, _Seitenstechen_, _fallender Sucht_, _Blutüberfüllung_ oder _Blutspeien_ befallen sind; 4) für die _Mütter_, damit durch den geistlichen Beistand die Kinder zur rechten Zeit und gesund _geboren werden_; 5) zum Schutze der Menschen vor dem _Blitze_; 6) zum Schutze derjenigen, welche von _Ungewittern_ hart bedrängt sind; 7) was aber mehr als alles andere geschätzt werden muß, dient diese geweihte Medaille, fromm gebraucht, dazu alle Versuchungen gegen die leibliche Tugend der Reinigkeit zu überwinden und durch Gottes Gnade die Menschen heilig an Seele und Leib zu bewahren.«
Daß diese theoretischen Wirkungen auf voller Wahrheit beruhen, bezeugt uns Abt Gueranger. In einem Kapitel »Wunderbare Wirkungen der Medaille des h. Benedikt im 19. Jahrhundert« überschrieben (Übersetzung von Hecht, S. 64 ff.), werden u. a. einige körperliche Heilungen mitgeteilt:
»Eine Dame wurde plötzlich von _starkem Nasenbluten_ befallen; die Mittel, welche der Arzt verordnete, schienen den Blutfluß eher zu fördern, als zu hemmen; so war der Abend des dritten Tages herangekommen; da empfängt die Kranke, eine Person voll lebendigen Glaubens, die Medaille des h. Benedikt, und sogleich hört das Bluten auf.«
Ein anderer Fall: »Eine Ordensschwester wurde von einem _Augenleiden_ befallen; nachdem sie sich die Augen mit Wasser gewaschen, in das sie die Medaille des h. Benedikt getaucht hatte, erlangte ihr Gesicht bald seine frühere Kraft wieder.«
Ferner: »Eine Frau, deren Tochter von einer heftigen _Entzündung des Kehlkopfes_ befallen wurde, kam auf den Einfall, die Medaille in ein Glas voll Wasser zu tauchen und es dem Kinde zu trinken zu geben. Sogleich führt sie ihren frommen Einfall aus. Das Kind trinkt das Wasser; am anderen Tage ist es außer aller Gefahr. -- Eine Frau, die an heftigem _Ohrenweh_ litt und der von Zeit zu Zeit Klumpen geronnenen Blutes und Eiterstoff aus den Ohren kamen, legte eine Medaille in das Ohr und betete mit Vertrauen ein Vaterunser und ein Gegrüßt zu Ehren des h. Benedikt. Eine Minute nachher war sie gänzlich geheilt.«
Die geistige Wirkung steht ganz auf der Höhe der körperlichen. Davon mögen folgende Beispiele aus dem 2. Abschnitt, überschrieben »Geistige Gnaden. Plötzliche Bekehrungen« (S. 76 ff.) überzeugen.
»Eine Frau berührte mit einer Medaille die Weinflasche ihres dem Trunke ergebenen Mannes; dieser fand den Wein abscheulich und ging in eine benachbarte Schenke, kam aber nach einer Viertelstunde zurück und sagte, der Wein sei dort noch schlechter. In den nächsten Tagen trank er nur Wasser, und die Frau benutzte dies, um die Zusage von ihm zu erlangen, daß er hinfort seine religiösen Pflichten erfüllen wolle.«
Ein anglikanischer Geistlicher disputierte neun Tage lang mit drei Konvertiten; einer von diesen begleitete ihn, als er am zehnten Tage zurückkehrte, und disputierte noch mit ihm bis zum Abend. Der Anglikaner brach endlich die Unterredung mit Worten ab, welche gar keiner Hoffnung zu seiner Rückkehr in die katholische Kirche Raum gaben. Da bat ihn der Katholik, die Medaille des h. Benedikt, die er bei sich trug, anzunehmen. Er tat es, und nach einigen Minuten, während deren der Katholik betete, erklärte er: »Das Licht strahlt vor meinen Augen, und ich habe an nichts mehr zu denken, als an die Abschwörung meiner Irrtümer.« Fünf Tage nachher erfolgte diese Abschwörung.
Daß die Benediktus-Medaille auch gegen böse Geister hilft, wissen wir schon. Nachstehend sei eine dieser erbaulichen Geschichten wiedergegeben: In einem Hause in Rennes trieben »böse Ceister« ihr Wesen: man hörte Lärmen und Stimmen, das Hausgeräte veränderte seinen Platz, ohne daß jemand es berührte usw.
»Die Hausbewohner ließen viele Messen für die Verstorbenen lesen, für den Fall, daß eine verstorbene Person durch solche Zeichen ihren Wunsch um Befreiung von den Schmerzen des Fegfeuers hätte kund geben können und wollen; nebst dem riefen sie auch den Priester herbei, damit er die Gebete verrichte, welche von der h. Kirche gegen vom bösen Feinde belästigte Häuser angeordnet sind. Allein die unheimliche Plage wollte nicht weichen. Da begann man damit, an den Türen eine Medaille des h. Benedikt aufzuhängen, und alsbald erfolgte die gänzliche Befreiung. Aber man hatte vergessen, eine Medaille an der Türe des Kellers zu befestigen; die ganze Bosheit der höllischen Geister schien sich dort vereinigt zu haben; so groß war dort der Lärm und die Unordnung. Nun befestigte man auch dort eine Medaille, und siehe, die teuflische Bosheit verließ endlich das Haus, jedoch nicht ohne Rache zu nehmen; denn die Person, welche (den Rat erteilt hatte und) uns diese Tatsachen berichtete, wurde alsbald vom bösen Geiste sehr grausam an Leib und Seele geplagt. In diesem Leiden erhielt sie endlich Erleichterung durch genaue Befolgung der Ratschläge ihres Beichtvaters, der ihr empfohlen hatte, kühn und mutig gegen den bösen Feind aufzutreten und öfters die h. Namen Jesus, Mariä und Joseph gegen ihn auszusprechen.«
Mehr hätte es uns ja imponiert, wenn es ohne den Beichtvater allein durch die Medaille gegangen wäre. Immerhin war auch so die Wirkung recht zufriedenstellend.
Hausfrauen! Schafft euch die Benediktus-Medaille an! Oder wer fühlt sich nicht durch folgende schöne Geschichte dazu geradezu verpflichtet? Das »St.-Benediktus-Büchlein« erzählt (S. 63): »Im Jahre 1863 zerbrachen täglich in einem Kloster mehrere Lampen und Trinkgläser auf eine ganz unerklärliche Weise. Mehrere Wochen hatte dies gedauert, da verfielen die Schwestern auf den Gedanken, die Benediktus-Medaille anzuwenden, und fortan blieb alles in bester Ordnung.«
In einer Stadt wollte der Gemeinderat die Straße breiter machen lassen und zu diesem Zwecke einen bedeutenden Teil einer von Wallfahrern stark besuchten Kirche der h. Jungfrau abbrechen lassen. Man befestigte die Medaille des h. Benedikt am Fuße des Standbildes der h. Jungfrau und »wenige Tage nachher wurde der Baumeister, welcher den unglücklichen Gedanken gehabt hatte, das Haus Gottes zu verstümmeln, plötzlich krank und starb. Seinem Nachfolger leuchtete es gleich ein, wie unnütz die Verstümmelung der Kirche sei«, und auf seinen Antrag hin wurde der Verbreiterungsplan geändert (Hecht, S. 93).
»Zu T. in Frankreich wurde durch Aufhängung einer Medaille des h. Benediktus im Hühnerstalle den Hühnern die Fruchtbarkeit zurückgegeben.«
Hecht folgert daraus die »Wahrheit, daß es dem Herren in seiner Weisheit gefallen, einen kleinen, materiellen, zu seiner Ehre geweihten Gegenstand als Werkzeug für Zernichtung aller teuflischen Gewalt und für das Wohl der Menschen und Tiere zu bestimmen« (S. 120).
Diese und viele andere ähnliche, erbauliche und wunderschöne Geschichten werden in jedem intelligenten Leser -- und wer wäre das in den Augen eines Autors, dessen Bücher er auszeichnet, nicht? -- den brennenden Wunsch wecken die Medaille zu besitzen. Damit er sie auch richtig anwendet, geben wir die wörtlich übereinstimmenden Anweisungen Guerangers (S. 161) und des Priesters von Münster (S. 95) wieder:
»Diese Medaille wird bei ansteckenden Krankheiten an den Wänden und Pforten der Häuser, bei Viehseuchen an den Wänden der Ställe befestigt, damit bei dem Anblicke des darauf befindlichen Zeichen des h. Kreuzes die bösen Geister fliehen. Sie wird bei Aufführung von Gebäuden in das Fundament eingesenkt ... Ferner pflegt sie gegen Ungeziefer auf den Wiesen in die Erde gegraben zu werden. Auch ist es üblich, daß die Gläubigen sie in ein Wassergefäß legen, damit Menschen und Tiere, wenn sie von diesem Wasser trinken, die Gesundheit erlangen. Die Art und Weise, die Benediktus-Medaille zu gebrauchen, wird durch das Ansehen der h. Kirche und durch die glücklichsten Erfolge empfohlen.« Allerdings sind die Wirkungen nur insofern unfehlbar, »als sie von Gott für das Heil der Gläubigen zuträglich erkannt werden«.
Übrigens macht bisweilen nicht nur die Benediktus-Medaille den Arzt überflüssig. So wird im »Sendboten« (1871, S. 302) berichtet: »Ein Mann, der infolge eines Beinbruchs an sehr heftigen Schmerzen litt, band eine _Herz-Jesu-Medaille_ an den Fuß, versprach eine neuntägige Andacht zum Herzen Jesu, und nach kurzer Zeit verließ ihn der Schmerz. Einer protestantischen Frau wurde geraten, ihrem kränklichen Kinde, das katholisch getauft war, etwas Geweihtes beizulegen, und ihr eine Herz-Jesu-Medaille gegeben. In wenigen Tagen besserte sich das Kind. Die Frau wurde katholisch[4].«
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Die Jesuiten haben zwar weder ein besonderes Skapulier, noch einen Gürtel, noch eine Medaille, dafür aber ein Wasser, _das Ignatiuswasser_. Und wenn man ihnen glauben darf -- und wer wird einem Jesuiten nicht glauben? -- dann macht die wunderbare Flüssigkeit die anderen Mittel auch entbehrlich. Der belgische Jünger Loyolas Eduard _Terwekoren_ hat darüber eine Schrift verfaßt, die 1867 bei Mayer & Comp. in Wien unter dem Titel »_Das Weihwasser des h. Ignatius von Loyola für alle Leiden der Seele und des Leibes_« in Übersetzung erschien. Aus unbekannten Gründen ist diese Ausgabe nicht mehr im Buchhandel, was wir noch lebhafter beklagen würden, wenn mit ihr auch das Wasser verschwunden wäre. Das ist aber zum Heile aller frommen Seelen und deren beglückwünschenswerten Körper nicht der Fall. Vielmehr wird nach wie vor das Wasser geweiht und wir haben keinen Grund zur beleidigenden Annahme, daß es heute weniger wirksam sein sollte, als vor 45 Jahren.
Übergehen wir die wunderbaren Heilungen früherer Jahrhunderte, um uns auf die jüngere Vergangenheit zu beschränken: »Der im Jahre 1860 zu Alost im Geruche der Heiligkeit verstorbene Pater _Bernhard_ erwarb sich gerade durch die Verteilung des Ignatius-Wassers und durch seine Unermüdlichkeit im Beichtstuhle ungeheure Popularität. Die Vorsehung hatte ihn auserwählt, um in der Gegend von Alost diese alte und mächtige Andacht zum Weihwasser des h. Ignatius zu erwecken (S. 22, 24). Bei einer _Viehseuche_ gebrauchte man das Wasser auf einem Bauernhofe, und von 15 Pferden ging kein einziges zugrunde (S. 25). Als den Pater Bernhard seine Krankheiten verhinderten, die Kranken zu besuchen und eine Schwerhörigkeit ihn nötigte, das Beichthören aufzugeben, fuhr er doch fort, das Ignatius-Wasser auszuteilen. Er zeichnete Tag für Tag die Zahl der Personen auf, welche solches von ihm erhielten. Als nach seinem Tode sein Leichnam ausgesetzt war, brachten viele Leute die Fläschchen, welche das Weihwasser des Paters enthalten hatten, in der Meinung, dadurch daß sie dieselben an seinen Händen und an seinem Munde anrührten, ihnen die Weihe zu erhalten.« (S. 27.)
Wie wenig doch oft dazu gehört, um im Geruch der Heiligkeit zu sterben!
»Im Jahre 1859 wurde zu Antwerpen eine Frau, welche beinahe blind geworden war, geheilt. Ihr Vertrauen wurde glücklicherweise ansteckend: noch an demselben Vormittage holten 5 oder 6 Personen dieses Wasser, um sich gegen die Cholera zu schützen. Am Nachmittage zählte man bereits etliche 30 Begehrer, und wenige Tage später war ein solcher Andrang um das Ignatius-Wasser, daß 4-5 Personen kaum hinreichten, es auszuteilen.« (S. 29.) Im Jahre 1839 hörte die _Choleraepidemie_ in der Straße auf, in der ein Mann das Wasser brauchte! Daß Sünder nach dem Trinken des Wunderwassers sich bekehrten, ist klar. Kann es bei dieser Wirkung wundernehmen, daß das Wasser wie frische Semmel abgeht? Verlangte man doch in Gent binnen zweier Monate 100000 Flaschen und mehr als 50000 Personen aus Stadt und Umgebung bedienten sich seiner.
Am verdienstlichsten ist aber folgende Wirkung: »Außerdem gibt es noch zwei Umstände, in welchen man früher seine Zuflucht zum h. Ignatius nahm, und das scheint heute aufs neue in Schwung zu kommen. Nämlich bei Frauen, welche das Herannahen des Augenblicks fürchten, wo sie ein Kind zur Welt bringen sollen, und bei solchen, welche sich darüber betrüben, daß sie _keine Hoffnung haben, eines Tages mit dem süßen Namen >Mutter< benannt zu werden_. In diesen beiden Umständen hat die Fürbitte des h. Ignatius viele Tränen getrocknet, viele Ängsten beseitigt« (S. 68). »Man gebraucht das Ignatius-Wasser gar oft bei Frauen, welche in Gefahr einer _Schwergeburt_ sind, und man erzielt damit die glücklichsten Erfolge« (S. 73)[5].
Der »Sendbote des göttlichen Herzens Jesu«, der mit »Genehmigung der geistlichen Oberen« von Malfatti als Monatsschrift herausgegeben wird, besonders zur Förderung der Andacht zum Herzen Jesu, die in den letzten Jahrzehnten eifrig kultiviert wird, erzählt außer unzählbaren ähnlichen Geschichten, folgende zwei, die wir als besonders leuchtende Perlen herausgreifen möchten.
Im Jahrgang 1871 (S. 184) finden wir folgenden Bericht: »Im Dekanat Bozen wurde ein _totes Mädchen_ geboren, in dessen mißgestaltetem Gesichte weder Augen noch Nase zu sehen waren. Zwei Personen trugen das tote Kind zur wundertätigen Mutter Gottes nach Riffian mit der festesten Hoffnung, in der dortigen Wallfahrtskirche Lebenszeichen zu erbitten, um dasselbe mindestens bedingungsweise taufen zu können. Sie kamen am 13. Januar spät abends in Riffian an und trugen am folgenden Tage das Kind in die Kirche.« Es zeigten sich Lebenszeichen. Sie trugen darauf das Kind zum Pfarrer, um es taufen zu lassen, konnten aber kein _Lebenszeichen_ mehr wahrnehmen. Es wurde am gleichen Tage wiederholt und auch beim dritten Gebete zeigte sich kein Lebenszeichen. Nunmehr begrub man das Kind. Sie ließen es aber am 18. _wieder ausgraben, bemerkten während ihres Gebetes Lebenszeichen_ und ließen das Kind durch den gerade anwesenden Meßner taufen. Die Lebenszeichen wurden nach der Taufe immer noch schöner und verschwanden erst allmählich wieder.
Eine ähnliche Geschichte steht im gleichen Jahrgang (S. 268):
»In Stilfs ertrank am 3. Juli eine schwangere Frau; die Leiche wurde erst am 5. untersucht und geöffnet, und das Kind als tot gefunden. Abends kamen viele Personen bei der Leiche zusammen, um durch die Fürbitte Marias die Taufgnade zu erbitten; sie nahmen ihre Zuflucht besonders zur schmerzhaften Mutter von Stilfs. _Wie sie beteten, sahen sie, daß das Gesicht des Kindes Lebensfarbe erhielt_, daß Lippen und Wangen sich röteten und der Mund sich öffnete; einige Weiber wollten auch den Pulsschlag des Herzens gesehen haben. Das Kind wurde bedingungsweise getauft; bald nach dem Taufakte schloß es den Mund und wurde bleich wie Wachs.«
In früheren Jahrhunderten waren solche schönen Geschichten ja nichts Seltenes. Friedrich berichtet in seinen Beiträgen zur Kirchengeschichte des 18. Jahrhunderts (München 1876, S. 8) ähnliche Fälle. Damals aber schritt die römische Inquisition gegen diese Volksverdummung ein. Heute wird dieser Blödsinn von Kreisen, die Rom sehr nahe stehen, zu neuem Leben erweckt[6].
VIII. Kapitel
Die Dummheit der Massen
Jahrtausende alte Erfahrung erbringt den unwiderleglichen Beweis dafür, daß ein großer und weiser Gedanke sehr lange braucht, um vom Volke angenommen zu werden. Ja, die größten Gedanken dringen überhaupt nicht in die Menge oder doch nur in einer Form, die wenig mehr vom Geiste ihres Schöpfers verrät. So wurde etwa aus den erhabenen Lehren Christi der Paganismus der römisch- und griechisch-katholischen Kirche. Die edle Weisheit eines Buddha konnte zum Lamaismus Tibets entarten; während die weltumstürzende Entdeckung eines Kopernikus Jahrhunderte brauchte, bis sie sich allseitig durchzusetzen vermochte.
Man wird das ganz natürlich finden und mit der mangelnden Bildung, dem Mangel an Intellekt, dem Trägheitsbedürfnis breiter Volksschichten motivieren.