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Part 5

An Strafen gab es zur Ertötung der Fleischeslust -- die schon dadurch bekämpft wurde, daß die Klarissinnen niemals Fleisch aßen -- die große Disziplin, bestehend in 300 Geißelhieben und die kleine Disziplin mit 36 Geißelhieben. Außerdem wurde der stachliche Bußgürtel auf den bloßen Leib gelegt.

Außer den anbefohlenen Bußen war jede Nonne gehalten bei Jahresanfang der Äbtissin schriftlich anzuzeigen, welche Bußen und guten Werke sie noch freiwillig auf sich nehmen wolle. Zur Einhaltung der freiwillig übernommenen Verpflichtungen war sie bei schwerer Sünde in ihrem Gewissen verpflichtet.

Das Formular einer solchen Anzeige lautete:

Ich nehme mir mit der Gnade Gottes vor, nebst der Verrichtung der sonst alle Jahre gewöhnlichen Gebete, Klosterandachten, Abstinenzen und Bußwerke in den Fasten

1. wöchentlich einmal die Bußpsalmen und die Litanei von allen Heiligen, auch einmal den Kreuzweg zu beten,

2. alle Mittwoch, Freitag und Samstag des Salates mich zu enthalten, wie auch mir einen kleinen Abbruch im Essen zu machen,

3. in jeder Woche an einem Tage den Bußgürtel zu tragen, alle 14 Tage die kleine, am heiligen Karfreitag aber die große Disziplin zu machen usw.

Außer den Fasten

1. inner- und äußerliche kleine Abtötungen,

2. alle 14 Tage einmal den Bußgürtel ein oder zwei Stunden lang zu tragen,

3. an gewöhnlichen Festtagen und jenen meiner besonderen Patrone die kleine Disziplin vorzunehmen usw.[18]

* * * * *

Übrigens leistete auch der Protestantismus bisweilen Erkleckliches auf dem Gebiete der künstlichen Lebensverschandelung.

So gab es Pietisten, die nicht nur Theaterbesuch, weltliche Spiele und regelmäßigen Besuch von Wirtshäusern verboten, sondern auch das Tabakrauchen, den fröhlichen Trunk im Freundeskreise, ja man focht das Lachen und das Spazierengehen als mit dem christlichen Lebensernst unverträglich an. _A. H. Francke_ aber verbot den Kindern sogar das Spielen, wenigstens in den Räumen des Schulgebäudes[19].

III. Kapitel

Der Hexen- und Teufelswahn in der Mittelalterlichen Kirche

Die moderne Weltanschauung betrachtet alles Geschehen als Naturgesetzen unterworfen. Überall herrscht die lückenlose Kausalität. Keine Ursache ohne Wirkung, keine Wirkung ohne Ursache und zwar eine Ursache, die natürlich ist und unter sonst gleichen Umständen genau dieselbe Wirkung hervorruft. Das Experiment des Naturforschers hat diese Weltanschauung zur notwendigen Voraussetzung. Denn welchen Wert hätte alles Experimentieren, wenn die Möglichkeit bestände, daß trotz genau gleicher Bedingungen die Wiederholung einer Untersuchung ein anderes Resultat lieferte? Kommt bei verschiedenen Versuchen nicht jedesmal genau dasselbe Ergebnis heraus, dann ist nach unserer Weltanschauung der einzig zulässige Schluß der, daß die Versuchsbedingungen eben doch nicht genau gleich waren, daß das Material geringe Differenzen aufwies, die Wärme verschieden war, die Versuchsdauer variierte und was noch dergleichen Möglichkeiten mehr sein mögen.

Was für den Physiker, Chemiker, Elektriker gilt, hat auch seine Gültigkeit in allen anderen Naturwissenschaften, nur daß in einigen von ihnen -- etwa in der Medizin -- die Vorbedingungen des Experimentes nie mit der absolut erforderlichen Genauigkeit herstellbar sind, weil es sich eben um lebende Wesen handelt, die immer mehr oder minder voneinander abweichen. Sieht der Arzt einen Fall von Geisteskrankheit, so wird er keinen Augenblick zögern, die Ursache dafür im Inneren des Patienten, in seinem Gehirn zu suchen. Die krankhafte Störung des Gehirnes aber, deren Folge eben die Wahnerscheinungen sind, wird er je nachdem auf Alkoholmißbrauch, Lues, Verkalkung der Arterien oder sonst eine natürliche Ursache zurückführen. Was dem wissenschaftlichen Menschen als Ursache völlig fern liegt, was er als unmöglich abweist, ist das Wunder, d. h. die Durchbrechung der naturgesetzlichen Kausalität durch eine außer- oder übernatürliche Kraft, mögen wir sie nun Gott, Teufel oder Dämonen nennen.

Primitive Zeiten dachten anders und mußten auch anders denken. Gewiß hatte man in so und so vielen Fällen die regelmäßige Aufeinanderfolge bestimmter Vorgänge beobachtet und dies in einen Kausalzusammenhang gebracht; etwa die zunehmende Wärme im Frühling und die darauf zurückzuführende Entfaltung der Vegetation, oder die Einwirkung der Wärme auf den Aggregatzustand der meisten Stoffe u. a. m. Aber diese Beobachtungen waren nicht sehr zahlreich und die Interpretation sehr häufig irrig. Sah man z. B. den Mond in einer klaren kalten Winternacht, so folgerte man die Kälte aus seiner Einwirkung, während umgekehrt eine Folge der Kälte und der dadurch verhinderten Nebelbildung seine größere Sichtbarkeit ist. Oder sah ein Naturvolk die Schmetterlinge in der größten Tageshitze am zahlreichsten fliegen, so folgerte es daraus, daß der Flug dieser Insekten die Hitze hervorrufe, um so mehr, als sie gegen Abend zugleich mit der Sonne verschwinden. So wurde der Schmetterling Herr des Tages und ihm eine wunderbare Macht beigelegt.

Die Folge der geringen Kenntnisse der Naturgesetze mußte sein, daß man überall, wo etwas nicht sofort erklärlich war, nicht nach ihnen suchte, da sie ja doch nur in den seltensten Fällen genügende Auskunft hätten geben können, sondern nach _übersinnlichen Ursachen_. Bald war es das unmittelbare Eingreifen Gottes, bald das des Teufels, seines Gegners, der in einer Welt, die lediglich nach gut und böse gewertet wurde, Urheber des letzteren sein mußte. Dazu kamen Zauberer und Hexen.

Das alles ist durchaus nicht dumm, sondern nur unwissend. Und es wird desto entschuldbarer, als die höchste Instanz, die Bibel, sowohl im Alten, als im Neuen Testament soundsooft von einem leibhaftigen Teufel spricht, wie von Dämonen, Engeln und Hexen.

Anders müssen wir diese naive Denkweise beurteilen zu einer Zeit, wo die Naturwissenschaften bereits so fortgeschritten sind, daß sie in den meisten Fällen eine zureichende Erklärung der Erscheinungen bieten können.

Das war aber bereits im 16. Jahrhundert bei uns der Fall. Hatte sich doch gegenüber der äußerst dürftigen Kenntnis der Natur im frühen Mittelalter, im 16. und besonders noch im 17. Jahrhundert das Wissen von ihr ganz außerordentlich vermehrt. Wir können es verstehen, wenn das Volk, das doch von den Forschungsergebnissen der Gelehrten nur eine sehr verschwommene Kenntnis besitzt, am Aberglauben festhält, dazu neigt Natürliches, dessen Kausalität es nicht kennt, übernatürlich zu erklären. Dafür müssen wir jedoch erwarten, daß die intellektuellen Instanzen, die Kirche, die Obrigkeit, die Theologen, die ganze Gelehrtenwelt alles aufbietet, um nach der Richtung der natürlichen Erklärung des Weltgeschehens zu wirken.

Gerade diese sind dazu berufen in Fällen, die an sich vielleicht die Wahl zwischen den Möglichkeiten der natürlichen und übernatürlichen Erklärung zuließen, alles daranzusetzen, der ersteren Vorschub zu leisten, im Sinne der Aufklärung und Befreiung vom Alb des Aberglaubens. Selbst wenn sie von der Existenz der Hexen und Zauberer theoretisch überzeugt wären, so müßten sie bestrebt sein, in der Praxis deren Wirkungsbereich nach Tunlichkeit einzuschränken und damit den Weg verfolgen, den vor ihren Augen die Wissenschaft seit Jahrhunderten eingeschlagen hat. Wir sehen aber das Gegenteil! Gerade in dieser Zeit wurde die Hexentheorie am wahnwitzigsten ausgebildet und mit Gewalt verbreitet.

Die Dummheit besteht also in erster Linie darin, daß wir die Autoritäten in kulturhemmender Weise und dem Fortschritt der Naturwissenschaften entgegen arbeitend, am Werke sehen. Statt die natürliche Deutung zu fördern, selbst auf die Gefahr hin, eine Hypothese aufzustellen, die ihrem Bereich weitere Grenzen steckt, als der damalige Zustand der exakten Wissenschaft gestattete, wird sie bekämpft. Aber selbst wenn es wirklich Zauberei je gegeben hätte, wäre es weit klüger gewesen, diese Tatsache zu ignorieren, als durch Aufwerfung der Frage neuerdings Unruhe in ein sich beruhigendes Volk zu tragen und zahlreiche Menschen Qualen und dem Tode auszuliefern.

Um es nochmals mit allem Nachdruck zu betonen: der Glaube an Teufel und Zauberei ist allen primitiven Völkern gemeinsam. Er schwindet erst mit dem Fortschritt der Naturwissenschaften. Auch die Antike war von diesem Wahn nicht frei und Christus teilte ihn gleichfalls. Während er aber im Neuen Testament einen winzigen Raum einnimmt, während wir genötigt sind, die bescheidenen naturwissenschaftlichen Kenntnisse der Antike und der ersten Hälfte des Mittelalters als hinreichende Entschuldigung anzuführen, fällt dies für die neuere Zeit fort. Da ist es die _Autorität des Papsttums und die der Bibel, die ihn festhalten_, während die Erleuchtetsten der Zeit ihn längst innerlich überwunden hatten, ja, während das niedere Volk ihn, wie die Prozeßakten lehren, bereits anfängt aufzugeben. Da ist es das Kirchenregiment, das ihn mit Gewalt einem sich von mittelalterlichem Aberwitz befreienden Volke aufzwingt, ungezählte Tausende ihm zuliebe auf die grausamste Weise hinschlachtet.

_Gerade in dem Augenblick, in dem die Naturwissenschaften diese Irrlehre überwunden haben, wird sie päpstlicherseits neuerdings in ein System gebracht_ und mit einem Eifer verfochten, wie ihn die Kirche für eine gute Sache kaum je aufzubringen vermocht hatte.

Ein Analogon finden wir in der Anti-Modernistenbewegung der Gegenwart. Es ist ganz sonnenklar, daß die Kirche in ihrer gegenwärtigen Verfassung und mit starrem Festhalten an längst veralteten Glaubenslehren dem Untergange in dem Sinne verfallen ist, daß sie aufhören wird, die geistig Reifen zu befriedigen. Um das gänzliche Hinabsinken in den Paganismus zu verhüten, der alten Form neues Leben einzuflößen, nicht auf Schritt und Tritt die Inferiorität der christlichen gegenüber den profanen Wissenschaften merken zu lassen, haben gläubige und kluge Männer versucht, dem modernen Geist bei aller Wahrung des prinzipiellen katholischen Standpunktes die nötigen Konzessionen zu machen. Sie revidierten den Glauben an die Verbalinspiration der Bibel, legten die kritische Sonde an ihre historischen Berichte an, leuchteten in die Geschichte der kirchlichen Dogmen und Institutionen hinein, kurz begannen jene Modernisierungsarbeiten, die bei einer so uralten Organisation, wie die Kirche ist, sicherlich ebenso notwendig ist, wie die Restauration eines alten Domes.

Das wäre in früheren Jahrhunderten kaum erforderlich gewesen, da damals die historische Textkritik noch nicht einmal in ihren Anfängen existierte, die profanen Wissenschaften noch wenig entwickelt waren und das Volk gläubig hinnahm, was ihm die kirchliche und weltliche Obrigkeit hinzunehmen befahl. Das lehrt etwa die Geschichte der sogenannten Konstantinischen Schenkung, die erst Laurentius Valla als Fälschung nachwies, ohne damit eine tiefe Wirkung zu erzielen. Jetzt aber ist bei dem völlig veränderten Zeitgeist die Notwendigkeit zwingend und alle Verständigen sehen sie auch ein.

Dies ist nun, wie im Falle des Hexen- und Teufelsglaubens, der Augenblick, in dem das Papsttum mit seinem unheilvollen, im eminentesten Sinne kulturfeindlichen Einfluß einsetzt. Und zwar durch die verschiedenen Motu proprios gegen die »Modernismus« genannte, oben gekennzeichnete Bewegung, die zwar nirgends so existiert, wie der Papst sie sich vorstellt, immerhin aber ähnliche Tendenzen verfolgt.

Da wir auch in diesem Falle dem »Statthalter Christi« keine gemeine, auf den Untergang der Kirche und die Schädigung der Kultur hinauslaufende Gesinnung zuschreiben können und dürfen, sind wir gezwungen, die Dummheit in höchster Potenz als Milderungsgrund anzuführen.

Eigentlich brauchte niemand die Kirche anzugreifen, solange ein Pius X. an ihrer Spitze steht. Schädigt dieser Papst sie doch viel nachdrücklicher, als es der fanatischste Kirchengegner je vermöchte.

Sehen wir uns nun einmal den Teufels- und Hexenglauben an, wie ihn die Kirche ausbildete und lehrte und zum Teil heute noch, wie das Nachstehende beweisen wird, vertritt!

Wenn _Gregor_ IX., der leidenschaftliche Feind des Hohenstaufengeschlechtes, in seiner Bulle Vox in Rama vom 13. Juni 1233 den Tod derer fordert, die sich mit dem »_Frosch- und Kater-Teufel so groß wie ein Backofen_« eingelassen haben, dann werden wir diese Dummheit zwar belächeln, aber mit der Zeit entschuldigen.

Das kann man vielleicht noch für den Aberglauben Papst _Johann_ XXII. (1316-1334) anführen, der in seiner Bulle Super specula in hochtönenden Worten den größten Blödsinn offenbart. Dieser Statthalter Christi überbot sich selbst an tollem Aberglauben. Man hatte ihm weisgemacht, es gäbe ein Schlagenhorn (cornu serpentinum), mittels dessen Gift entdeckt werden könne. Er läßt es sofort kommen und verpfändet für diesen unschätzbaren Wertgegenstand seiner Besitzerin alle seine bewegliche und unbewegliche Habe. Zugleich bedroht er jeden mit dem Banne, der sich dieses Schlagenhorn widerrechtlich aneignen will. Im Jahre 1317 schreibt er: »Gottes Barmherzigkeit habe in seine Hände _drei Zauberbilder_ gelangen lassen, _durch deren Durchstechung diejenigen Personen, auf deren Namen diese Bilder getauft seien, getötet wurden_.« Er hatte folgerichtig für sich selbst auch immer die größte Angst vor jemand, der die Wachsbilder mit seinem Bildnis durchstechen würde, so daß er stürbe. Übrigens hielt sich dieser Glaube in Italien noch im 18. Jahrhundert, wie aus Casanovas Mailänder Erlebnis hervorgeht.

Daß dieser Wahn praktisch die übelsten Folgen haben konnte, lehrt das Beispiel des _Magister Gerardi_, Bischofs von Cahors. Weil er auf diese Weise dem Papst nach dem Leben getrachtet haben soll, wird er nach Avignon zitiert, für schuldig befunden, degradiert und _verbrannt_. Es ist kein Wunder, daß mancher es versuchte, seinen Gegner auf so einfache Weise zu beseitigen und verschiedene derartige Fälle sind aus der politischen Geschichte bekannt. Sicherlich muß die böse Absicht scharf bestraft werden. Sie wäre so schwer zu beurteilen, wie etwa ein Mordanschlag mit einem Revolver, dessen Patrone ohne Wissen des Attentäters entfernt wurde. Wir können es daher dem Papst gewiß nicht verübeln, daß er ein strenges Gericht hielt, denn wenn der Bischof Gerardi wirklich solche Absicht gehegt hatte, war er ein Verbrecher. Wohl aber nehmen wir mit Befremden Kenntnis vom Irrwahn des Hauptes der Christenheit.

In einer Bulle vom 4. November 1330 spricht _Innozenz_ XXII. von _schriftlichen Verträgen mit dem Teufel_, von Teufelsanbetung, sowie von Zauberbildern, durch die der Teufel herbeigerufen werden könne. Auf dem gleichen Standpunkt steht auch _Eugen_ IV. in einem Rundschreiben an die Inquisitoren vom Jahre 1437.

Mittelalter! wird man sagen. Gut.

Statt nun aber eine Abnahme des Wahnes zu beobachten, müssen wir dessen _Steigerung_ konstatieren, ja einem _Innozenz_ VIII. -- welcher Hohn liegt in diesem Namen! -- blieb es vorbehalten, in den religiösen Teufelsspuk auch noch das _geschlechtliche Moment_ einzuflechten und damit an Blödsinn und Ekelhaftigkeit etwas zu erzeugen, was länger fortleben sollte, als seine 16 unehelichen Kinder[1].

Im Jahre 1484 erschien die Hexenbulle, also zu einer Zeit, als Leonardo da Vinci und Regiomontanus wirkten, Kopernikus schon geboren war.

Die Hexenbulle (Summis desiderantes), eines der fluchwürdigsten Erzeugnisse der Menschheitsgeschichte, lautet:

»Mit glühendem Verlangen, wie es die oberhirtliche Sorge erfordert, wünschen wir, daß der katholische Glaube wachse und die ketzerische Bosheit ausgerottet werde. Deshalb verordnen wir gerne und aufs neue, was diese unsere Wünsche zum ersehnten Ziele bringt. Nicht ohne ungeheuren Schmerz ist jüngst zu unserer Kenntnis gekommen, daß in einigen Teilen Deutschlands, besonders in der Mainzer, Kölner, Trierer, Salzburger und Bremer Gegend sehr viele Personen beiderlei Geschlechts, uneingedenk ihres eigenen Heils und abirrend vom katholischen Glauben, sich _mit Teufeln in Manns- oder Weibsgestalt_ (cum daemonibus incubis et succubis), _geschlechtlich versündigen und mit ihren Bezauberungen, Liedern, Beschwörungen und anderm abscheulichen Aberglauben und zauberischen Ausschreitungen, Lastern und Verbrechen die Niederkünfte der Weiber, die Leibesfrucht der Tiere, die Früchte der Erde, die Weintrauben und die Baumfrüchte, wie auch die Männer, die Frauen, die Haustiere und andere Arten von Tieren, auch die Weinberge, die Obstgärten, die Wiesen, die Weiden, das Getreide und andere Erdfrüchte verderben und umkommen machen, auch peinigen sie die Männer, die Weiber, die Zug-, Last- und Haustiere mit fürchterlichen inneren und äußeren Schmerzen und verhindern die Männer, daß sie zeugen, die Weiber, daß sie gebären, und die Männer, daß sie den Weibern, und die Weiber, daß sie den Männern die eheliche Pflicht leisten können_. Auch verleugnen sie den Glauben, den sie in der Taufe empfangen haben, mit meineidigem Munde. Ferner begehen sie überaus viele schändliche Verbrechen, Sünden und Laster auf Anstiften des Feindes des Menschengeschlechtes, zum Schaden ihrer Seelen, zur Beleidigung der göttlichen Majestät, zum Ärgernis vieler. Und das geschieht, obwohl unsere geliebten Söhne, _Heinrich Institoris_ für die obengenannten Teile Deutschlands und _Jakob Sprenger_ für gewisse Striche am Rhein, beide Mitglieder des Predigerordens und Professoren der Theologie, durch apostolische Briefe zu Inquisitoren bestellt worden sind und noch sind. Dennoch scheuen sich einige Geistliche und Laien jener Länder nicht, da sie mehr verstehen wollen, als nötig ist, halsstarrig zu behaupten, weil in den Bestallungsbriefen (dieser Inquisitoren) einige Diözesen, Städte und Orte, auch einige Personen und ihre Ausschweifungen und Laster nicht namentlich genannt sind, diese auch nicht inbegriffen seien, so daß diese Städte und Orte den genannten Inquisitoren auch nicht unterständen, so daß sie dort ihr Amt nicht ausüben und dort ihre Strafen nicht verhängen könnten. So bleiben denn zum augenfälligen Schaden der Seelen und _zur Gefahr des ewigen Seelenheils_ in diesen Gegenden solche Verbrechen straflos. Wir aber, indem wir alle und jede Hindernisse, durch welche die Ausübung des Inquisitorenamtes auf irgendeine Weise verzögert werden könnte, aus dem Wege räumen, damit die Seuche der Ketzerei und anderer solcher Verbrechen ihr Gift zum Verderben der Unschuldigen nicht ausbreiten könne, wollen, wie es unser Amt erfordert, taugliche Hilfsmittel anwenden, _da der Glaubenseifer uns dazu antreibt_. Damit sich nun nicht ereigne, daß die obengenannten Länder ohne das notwendige Inquisitionsamt seien, so setzen wir aus apostolischer Vollmacht fest, daß den genannten Inquisitoren gestattet sei, ihr Amt dort auszuüben, und daß sie die Bestrafung dieser Verbrechen vornehmen können, als ob diese Länder, Städte, Orte namentlich aufgeführt wären. Und indem wir aus größerer Sorgfalt diese Bestallung auf die genannten Länder ausdehnen, gestatten wir den genannten Inquisitoren, daß sie und jeder von ihnen, unter Zuziehung unseres geliebten Sohnes _Johann Gremper_, Magister aus der Konstanzer Diözese, in den genannten Länderstrichen Alle, die sie der genannten Verbrechen schuldig befunden haben, nach ihren Verbrechen züchtigen, einkerkern und am Leib und Vermögen strafen können; auch gewähren wir diesen Inquisitoren freie Vollmacht in allen Kirchen, sooft es ihnen gut scheint, das Wort Gottes zu predigen und Alles und Jedes, was dazu nützlich erscheint, zu tun. Wir befahlen durch apostolische Schreiben dem Bischof von Straßburg, daß er, sooft er von diesen Inquisitoren ersucht wird, es öffentlich kund tun soll, daß sie in nichts und von niemand beeinträchtigt und gehindert werden. Alle aber, die sie hindern, weß Amtes sie auch seien, sollen von ihm durch Exkommunikation, Suspension und Interdikt und andere noch schrecklichere Strafen, ohne jede Berufung, gebändigt werden, und, wenn nötig, soll gegen sie der weltliche Arm angerufen werden: Keinem Menschen soll es erlaubt sein, dies unser Schriftstück zu verletzen oder in frevelhaftem Wagnis diesem entgegen zu handeln. Wenn aber jemand dies versuchen sollte, so wisse er, daß er den _Zorn des allmächtigen Gottes und der Apostel Petrus und Paulus auf sich geladen hat_. Gegeben zu Rom bei St. Peter, im Jahre der Menschwerdung des Herrn 1484, im ersten unseres Pontifikats am 5. Dezember«[2].

Dieses Schriftstück hat in seinen Konsequenzen wohl mehr Kummer und Not über die Christenheit gebracht, als irgend ein Krieg oder die schlimmste Seuche.

Deutlich geht aus ihm hervor, daß man mit der Inquisition mancherorts keineswegs einverstanden war, _daß sich also bereits im Volke Kräfte regten, die diesen Unsinn abschütteln wollten und daß der Papst es war, der mit seiner ungeheuren Autorität für diese Dummheit eintreten mußte um zu verhüten, daß die Vernunft damals schon siegte_.

Übrigens war die Erfindung des Mann-Teufels und Weib-Teufels schon dem grüblerischen Geiste des gefeierten und für seine Zeit auch gewiß feiernswerten _Thomas von Aquino_ gelungen. Daß das Papsttum für diese Ausgeburt einer verderbten mönchischen Phantasie die volle Verantwortung übernahm, geht klar aus obiger Bulle hervor.

Doch fortzeugend sollte sie Böses stiften, praktisch und theoretisch. Wir können auf eine Schilderung der Greuel des Hexenprozesses, der unermeßlichen Leiden, die dieser Wahn über die Menschheit brachte, umso eher hier verzichten, als wir an anderer Stelle[3] die Materie eingehend behandelten. Zudem war die Art der Verfolgung nichts weniger als dumm, sondern im Gegenteil sehr raffiniert. Dumm waren die Voraussetzungen, die zur Hexenverfolgung führten, brutal und jeder Menschlichkeit Hohn sprechend aber die Art der Durchführung.

Wenden wir uns nunmehr der theoretischen Ausbildung zu, die diese Lehre unter dem mächtigen Schutz des Papsttums finden sollte.

_Institoris_ und _Sprenger_, »unsere geliebten Söhne«, wie sie der Papst nennt, die fluchwürdigsten Scheusale und wahnwitzigsten Narren, wie wir sie heißen möchten, haben ihre Namen für ewige Zeiten mit der Teufels- und Hexenlehre unlöslich verbunden. Gegen sie müssen ein Dschingis Chan, ein Timur, ein Alba und Caligula geradezu harmlos genannt werden, hörte doch mit deren Tode auch ihr Treiben auf, während dem »Hexenhammer« der Hydra gleich stets neue Köpfe wuchsen.

Die beiden Dominikanermönche könnten selbst uns zum Teufelsglauben bekehren. Denn die Hochachtung vor der Menschheit sträubt sich gegen die Annahme, daß ohne höllische Einflüsse ein Werk wie ihr »_Hexenhammer_« (Malleus maleficarum) das Licht des Tages erblicken konnte. Fast alles, was seit Erscheinen dieses wahrhaft teuflischen Buches über die Materie geäußert wurde, geht direkt oder indirekt auf diese Quelle zurück. Seiner verpestenden Wirkung können sich selbst Geister wie _Pico della Mirandola_, der in seiner Rede von der Würde des Menschen so wundervolle Gedanken entwickelt[4], nicht entziehen. Der Dichter _Fischart_, ein Protestant, gibt das Buch neu heraus, _Albrecht Dürer_ und _Hans Baldung Grien_ widmen ihre unsterbliche Kunst diesem Vorstellungskreise. Noch auf den bayerischen Kodex Maximilianeus von 1751 erstreckt sich die unheilvolle Wirkung dieses grausigen Werkes.

Betrachten wir den Inhalt, wie ihn Hoensbroech in bisher nicht erreichter Vollständigkeit übermittelt[5].

Das Buch bejaht die Frage, daß es eine Schwarzkunst gibt, und der Teufel mit dem Schwarzkünstler zusammen wirke. Daß es sich nicht um Einbildung handelt, beweist nach der Ansicht der Verfasser die Bulle Summis desiderantes. Hier ist also mit wünschenswerter Deutlichkeit der Papst, der ja auch das Werk selbst approbierte, als Quelle und Eideshelfer angeführt.

Die dritte Frage lautet: _Können durch Inkubi und Sukkubi Menschen erzeugt werden?_ Hierbei ist erklärend zu bemerken, daß die Daemones incubi in der bis heute gültigen katholischen Terminologie jene Teufel sind, die sich in menschlicher Gestalt mit anderen Menschen fleischlich vergehen, indem sie als Männer mit Frauen (»Drauflieger«) Unzucht treiben, während die succubi beim Geschlechtsakt die weibliche Rolle spielen.

Natürlich wird die Frage bejaht. »Die Behauptung, durch Inkubi und Sukkubi können Menschen erzeugt werden, ist _so katholisch, daß ihre Leugnung den Aussprüchen der Heiligen, der Überlieferung und der hl. Schrift widerstreitet_«. Und zwar übt der Teufel nicht um der fleischlichen Ergötzung willen die Unzucht aus, sondern um dadurch die menschliche Natur in ihren beiden Bestandteilen, Mann und Weib, am schwersten zu schädigen. Der _hl. Thomas_ lehrt, daß der männliche Teufel (incubus) unter Gottes Zulassung den nötigen Samen von einem Manne entnehmen kann, um ihn im Beischlaf zu übertragen! Gewisse Teufel schrecken wegen der Vornehmheit ihrer Natur vor gewissen unzüchtigen Handlungen zurück! Vielmehr werden diese von den untersten Teufeln ausgeführt. Genealogisch gehen diese Teufel auf die untersten Engel zurück. Der oberste Teufel heißt _Asmodeus_.

In der sechsten Frage, warum die Schwarzkunst bei den Frauen verbreiteter sei als bei den Männern, wozu bemerkt wird, daß sich _dieser Gegenstand gut für Predigten an die Frauen eignet_, wird über die Frauen folgendes Urteil gefällt: »_Was ist denn auch das Weib anders, als eine Vernichtung der Freundschaft, eine unentfliehbare Strafe, ein notwendiges Übel, eine natürliche Versuchung, ein begehrenswertes Unheil, eine häusliche Gefahr, ein reizvoller Schädling, ein Naturübel mit schöner Farbe bestrichen?_«

Wurde je niedriger über das Weib geurteilt, als hier von einer durch die höchste kirchliche Autorität sowie die Approbation der theologischen Fakultät in Köln gestützten Stelle?

Auf den Blödsinn, der hier über die Minderwertigkeit der Frauen vorgebracht wird, näher einzugehen, verlohnt sich nicht. Um aber das Niveau der Beweisführung zu kennzeichnen, sei nur folgender ethymologischer Scherz angeführt: Das Wort Femina (Frau) ist aus fe (fides, Glaube, Treue) und minus (weniger) zusammengesetzt, denn das Weib hat stets weniger Glauben und wahrt weniger die Treue, als der Mann! Solche Ethymologien finden sich im »Hexenhammer« noch mehrere. So versichern die Verfasser an anderer Stelle (p. 65), daß maleficiendo aus male de fide sentiendo herzuleiten sei. Das beweist natürlich die Synonymik bzw. Idendität des Mannes, der über den Glauben schlecht urteilt, des Ketzers, mit dem Übeltäter schlechthin!

Es wird dann weiter gefragt und bejaht, daß die Schwarzkünstler Menschen zu Liebe oder Haß bewegen können, daß sie den ehelichen Akt verhindern, die Kriterien werden untersucht, aus denen zu entnehmen ist, ob das geschlechtliche Unvermögen auf Schwarzkunst oder natürlichen Mangel zurückzuführen ist.

Die neunte Frage: Können Hexen das männliche Glied durch Zauberei so behandeln, als sei es vom Leibe getrennt? sei auch als Schulbeispiel der Dummheit in ihrer Beantwortung mitgeteilt: Die Hexen können in Wirklichkeit und Wahrheit das männliche Glied vom Körper trennen. Dafür lautet ein Beweis: Die Verwandlung der Frau des Loth in eine Salzsäule ist mehr, als die Trennung des männlichen Gliedes vom Körper. Nun ist aber jene wirklich geschehen, also kann auch diese geschehen. Aber diese wirkliche Trennung ist doch nur subjektiv wirklich, nicht objektiv, d. h. das Glied bleibt am Körper, aber für die Sinne (Auge, Hände) ist es nicht mehr vorhanden. Durch Zauberei kann ein flacher, fleischfarbener Körper vorgeschoben werden, der für Hand und Auge nur mehr eine Fläche darstellt, ohne Unterbrechung durch das männliche Glied.

Ferner wird konstatiert, daß die Hexen Menschen in Tierleiber verwandeln können, daß schwarzkünstlerische Hebammen häufig die Kinder im Mutterleibe töten, Fehlgeburten verursachen und neugeborene Kinder dem Teufel opfern.