Chapter 6 of 17 · 3896 words · ~19 min read

Part 6

Ein päpstlicher Inquisitor von Como hat aus diesem Grunde -- in einer nächtlichen Hexenversammlung soll ein Kind aufgegessen worden sein -- im Jahre 1487 _einundvierzig Hexen verbrennen lassen_.

Diese Proben des theoretischen Teiles dürften wohl genügen. Nunmehr wollen wir noch einige Beispiele aus dem zweiten Teil des Werkes, in dem die Äußerungen der Hexerei niedergelegt sind, anführen.

Zunächst wird die Frage beantwortet, wem der Zauberer nicht schaden kann, und dabei auf Weihwasser, geweihte Kerzen und geweihte Kräuter, die man verbrennt, als Abwehrmittel verwiesen. Als jemand in Ravensburg von einem Teufel in Weibsgestalt zur Unzucht angereizt wurde, fiel ihm ein, in der Predigt gehört zu haben, daß geweihtes Salz ein gutes Mittel dagegen sei. So nahm er denn beim Eintritt in die Kammer von dem Salz; das vermeintliche Weib verzerrte das Gesicht und verschwand plötzlich. Ferner werden die Worte der Kreuzesaufschrift Christi an den vier Wänden in Form eines Kreuzes angebracht, empfohlen. Äußerst wirksam ist der _Schutz himmlischer Geister, die den Gestirnen die Bewegung verleihen_. Das bewährt sich besonders bei Behexung der Zeugungsfähigkeit. So kam einst ein Engel zum hl. Serenus, öffnete ihm den Leib und entfernte aus seinen Eingeweiden ein feuriges Stück Fleisch. Dadurch erlangte der Heilige eine solche Keuschheit, daß er niemals mehr irgendwelche sinnliche Regungen, wie sie selbst bei Kindern und Säuglingen vorkommen, verspürte.

Im I. Hauptstück wird von den Arten erzählt, durch welche die Teufel Unvorsichtige mittels Behexungen zur Gottlosigkeit verleiten, im II. von der Hexerei als Beruf. Es gibt drei Arten von Hexen: einige erregen Hagel, Gewitter, Stürme; bewirken Unfruchtbarkeit bei Menschen und Tieren; verzehren Kinder und opfern sie dem Teufel; machen Pferde scheu; fliegen körperlich durch die Luft; töten durch bloßen Blick. _Allen drei Arten von Hexen ist gemeinsam, daß sie mit dem Teufel Unzucht treiben._

Die Hexen weihen sich entweder auf feierliche Art dem Teufel, indem sie ihm, der in Menschengestalt erscheint, Treue in die Hand geloben, oder auf unfeierliche Art. Sie sehen es besonders auf _ungetaufte Kinder ab, aus deren Fleisch und Knochen sie eine Salbe bereiten, aus den flüssigeren Bestandteilen aber ein Getränk_. Wer es trinkt, ist sofort ein Meister in der teuflischen Kunst. Bei dieser Gelegenheit verraten die Herren Inquisitoren so ganz nebenbei, daß alle, die sie einäschern ließen, in bezug auf die Schwarzkunst _unfreiwillig_ waren! Da die »Hexen« unter der Folter natürlich aussagten, was man ihnen in den Mund legte, so gibt es keine Zeile dieses Buches, die nicht durch eidliche Aussagen der armen Opfer erhärtet wäre. Z. B. gestand eine Hexe, die dann natürlich, wie _alle ohne Ausnahme, eingeäschert_ wurde, sie habe sechs Jahre mit dem Teufel Unzucht getrieben und zwar im Bett und an der Seite ihres Mannes.

Das III. Hauptstück führt aus, wie die _Hexen von Ort zu Ort geführt werden_. Bald tut das der Teufel in eigener Person, jedoch in Pferdegestalt. Auch das wurde natürlich gesehen. Bald geschieht es auf einem Stück Holz, das mit der aus Kindern gewonnenen Salbe bestrichen wird.

Das IV. Hauptstück handelt von der Art, _in der sich die Hexen den Teufeln in Mannsgestalt hingeben_. Die Teufel bedienen sich dabei eines Leibes aus Luft, den sie durch Dämpfe verdichten. Mit diesem Körper können sie sprechen, sehen, hören, essen und zeugen. Die durch den Beischlaf mit dem Teufel Gezeugten sind sehr stark und kräftig. Die Sache geht so vor sich: Ein Teufel in Weibsgestalt (succubus), der sich mit einem Manne abgegeben hat, nimmt den Samen von diesem Manne auf, er macht sich dann mit diesem Samen einem Weibe gegenüber zu einem Teufel in Mannsgestalt (incubus). Die Hexe ist entweder alt und unfruchtbar oder nicht. Im ersteren Falle gibt sich der Teufel mit ihr ohne männlichen Samen ab; denn auch der Teufel vermeidet Überflüssigkeiten. Ist sie aber der Schwangerschaft fähig, dann vermischt er sich mit ihr, wenn er irgendwoher männlichen Samen erhalten kann, zum Zwecke der Kindererzeugung. Gewiß ist, daß eine Ehefrau, wenn sie Hexe ist, und durch ihren Mann schwanger wird, ihre Schwangerschaft verstärken kann durch anderen Samen, den sie im Beischlaf mit dem Teufel erhält. Bei solchen Vermischungsakten sind die Hexen zwar immer sichtbar, die Erfahrung der Verfasser hat aber ergeben, daß die Teufel es nicht immer sind.

Das V. Hauptstück handelt von der _Art, wie die Hexen ihre Künste durch die Sakramente der Kirche ausüben_, das VI. von der _Art, wie sie die Zeugungsfähigkeit_ hindern, das VII. _wie die Hexen das männliche Glied entfernen_.

Wo gibt es eine gleich höllische Ausgeburt von haarsträubendstem Blödsinn und abstoßendster ekelhaftester Schweinerei?

Ein Jüngling hatte sein Glied durch Zauberei verloren, »_da ich es nicht glauben wollte, entblößte er sich, so daß ich die Wahrheit seiner Aussage sah_. Er hatte eine Hexe in Worms in Verdacht. Ich trug ihm auf, zu ihr zu gehen. Nach einigen Tagen kam er wieder zurück, und _ich überzeugte mich durch den Augenschein, daß er sein Glied wieder hatte_. Die Glieder werden übrigens nicht ausgerissen, sondern nur verborgen.« Was ist aber darüber zu sagen, daß _einige Hexen solche männliche Glieder in großer Zahl, bis zu zwanzig und dreißig, in einem Schranke aufbewahren, und daß die Glieder dort lebendig zu sein scheinen, wie dies viele gesehen haben_? Es ist zu sagen, daß dies durch teuflische Vorspiegelungen geschieht. Es hat uns jemand erzählt, daß er, um sein verlorenes Glied wieder zu gewinnen, sich an eine Hexe gewandt habe. Sie hieß ihn einen Baum besteigen, auf dem er ein Nest fand, in dem mehrere männliche Glieder waren. Als er ein _großes_ nehmen wollte, rief die Hexe: nein, das nicht, denn _das gehört einem Geistlichen_.«

An der Tatsächlichkeit dieses von den Hexen begangenen Verbrechens bzw. daran zu zweifeln, daß sie mit Impotenz schlagen können, ist völlig ausgeschlossen. Haben doch die Provinzialsynoden oder gar Konzilien von Troyes, Lyon, Mailand, Tours, Bourgos, Narbonne, Ferrara, St. Malo, Monte Cassino, Orleans und Grenoble, sowie die Rituale von Autun, Chartres, Perigueux, Evreux, Paris, Angers, Arras, Chalons, Bologna, Troyes, Bourges, Alet, Beauvais, Meaux, Reims usw., sowie die Dekrete unzähliger Bischöfe, die Hexen eben wegen dieses Deliktes in Bann taten. Wer würde es wagen der Autorität aller dieser Instanzen zu widersprechen[6]?!

Das VIII. Hauptstück setzt auseinander, wie _Menschen in Tiere verwandelt werden_, das IX. wie _sich die Teufel in menschlichen Leibern aufhalten können_. Dazu wird folgende erbauliche Geschichte u. a. berichtet: »Ein heiliger Mann erkannte einst durch den Geist Gottes, daß ein in einer Kirche sehr gut und fromm predigender Priester der Teufel sei. Nach der Predigt frug er ihn, warum er predige und erhielt zur Antwort: weil ich weiß, daß die Leute die Predigt nur hören, aber nicht befolgen, so wird Gott nur noch mehr beleidigt.«

Das X. Hauptstück führt aus, wie _die Teufel mit Hilfe der Hexen in den Menschen wohnen_, das XI. wie _die Teufel Krankheiten, besonders schwere, verursachen können_. Das geschieht z. B. durch verzauberte Wachs- oder Bleibilder. Durch Verwünschung oder Anhauchen kann die Hexe aussätzig machen.

Die fallende Krankheit rufen Hexen hervor durch Eier, die sie in Gräbern vergruben. Auch das XII. Hauptstück behandelt diese Materie. Das XIII. Hauptstück beantwortet die Frage, wie _Hebammen als Hexen schweren Schaden zufügen, indem sie Kinder töten oder dem Teufel opfern_. So hexte eine Person einer frommen Frau alle möglichen Dinge in den Leib, die furchtbare Schmerzen verursachten. Als sie ein natürliches Bedürfnis befriedigen mußte, kamen alle zum Vorschein: Holz, Knochen und handgroße Dornen. Einige Hebammen, die eingeäschert wurden, haben noch schlimmere Sachen gestanden. Der theologische Grund, weshalb die Hexen auf Anstiften des Teufels so viele ungetaufte Kinder töten, ist: _Der Teufel weiß, daß die ungetauften Kinder nicht in den Himmel eingelassen werden. Das Reich Gottes aber, nach dessen Beginn er mit noch größerer Pein gestraft wird, bricht erst an, wenn eine ganz bestimmte Zahl von Menschen in den Himmel eingelassen ist. Die Erreichung dieser Zahl wird nun durch die Tötung von ungetauften Kindern hinausgeschoben. Deshalb werden sie vom Teufel besonders aufs Korn genommen._ Kinder von acht Jahren, die dem Teufel geweiht worden sind, können schon Gewitter und Hagelschlag erzeugen.

Das XIV. Hauptstück behandelt die Frage, _wie Hexen den Tieren schaden können_. Am häufigsten werden die Kühe durch die Hexen der Milch beraubt und zwar folgendermaßen: Die Hexe stößt ein Messer in die Wand, ruft ihren Teufel und trägt ihm auf, diese oder jene Kuh trocken zu machen. Dann fängt sie an dem Messer zu melken an, worauf die Milch der betreffenden Kuh aus ihm herausfließt. _Solches soll gepredigt werden, um Abscheu zu erregen._ Man kann durch zauberische Künste auch vorzügliche Maibutter und Wein machen. Doch begnügen sich die Hexen oft nicht mit solchem Schabernack, sondern töten auch Tiere, wie zwei Hexen, die in Ravensburg _eingeäschert_ wurden, von sich bekannten.

Das XV. Hauptstück beschreibt die _Erzeugung von Gewitter und Hagel_, das XVI., _wie auf drei Arten Männer Schwarzkunst treiben_. Besonders die schwarzkünstlerischen Pfeilschützen sind schlimm. Sie durchbohren am Karfreitag das Bild des Gekreuzigten mit ihren Pfeilen. Sie sind so sichere Schützen, daß sie einen Pfennig vom Kopf eines Menschen herabschießen können, ohne ihn zu verletzen. Der Herzog Eberhard mit dem Barte von Württemberg hatte einen solchen Schützen in seinem Gefolge. Er konnte täglich mit drei Pfeilschüssen jemand mit unfehlbarer Sicherheit töten, weil er täglich drei Pfeile in ein Kruzifix schoß. Auch der Tellschuß auf den Apfel geschah aus Zauberei.

Nunmehr geht das Buch auf die verschiedenen Arten, den Zauber zu beseitigen ein, um im dritten Teil ausführlich die richterliche Tätigkeit gegen Ketzer und Hexen zu behandeln.

Uns genügt das Mitgeteilte vollauf. Resümieren wir: Die Kirche -- denn da die höchsten kirchlichen Autoritäten das Buch approbierten und jahrhundertelang als Leitfaden Kat' exochen für die Inquisition benutzten, so identifizierte sie sich mit den hier wiedergegebenen Ansichten -- also: die Kirche bringt den haarsträubendsten Blödsinn, den je die Menschheit ersonnen hat, in ein System. Keiner der Fälle existiert in diesem teuflischen Buche, der nicht von »Hexen« unter der Folter bezeugt worden wäre, _keiner, für den nicht so und so viele Unschuldige verbrannt wurden_. Man stelle sich vor -- nachdem doch überall der Unsinn gepredigt werden mußte, nachdem die Hinrichtungen in aller Öffentlichkeit stattfanden und jedermann ihren Grund kannte, nachdem ferner an allen Orten der Christenheit nach solchen Zauberern und Hexen gesucht wurde -- welche furchtbare, mit nichts zu vergleichende Wirkung auf das Volk durch das alles hervorgerufen werden mußte. Verdummung und Verrohung _mußte_ die Folge sein, zumal bei der ungeheuren Verbreitung dieses Schandbuches, das noch 1669 in neuer Auflage erscheinen konnte.

Wir werden in späteren Kapiteln sehen, wie dieser künstlich von der Kirche erzeugte Irrsinn Jahrhunderte im Volke fortwirkte und heute noch nicht erstorben ist. Wen wird das verwundern, da ja die Kirche bekanntlich unfehlbar ist, da sie sich gerade in dieser Frage, wenigstens im Kernpunkt, auf die unwiderlegliche Autorität des Neuen Testaments -- vom Alten ganz zu schweigen -- stützen kann?

Wann hat die Dummheit je größere Orgien gefeiert? Welchem Moloch sind mehr Hekatomben geschlachtet worden?

War der »Hexenhammer« auch das schlimmste Buch seiner Art, insofern es bei weitem die größte Autorität besaß, so war es keineswegs das einzige. Im Gegenteil ist die Literatur über diese blöde Materie erschreckend reich. Indem wir Interessenten auf die eingehende Untersuchung Hoensbroechs verweisen[7], begnügen wir uns, einige der wichtigsten Werke anzuführen.

Im Jahre 1522 veröffentlichte der Dominikaner _Bartholomäus Spina_ eine »_Abhandlung über die Hexen_« (Quaestio de strigibus), in der er als Beweis für die Realität des Hexenglaubens die zahlreichen Bestrafungen und Todesurteile anführt. Gäbe es keine Zauberei, dann wären ja die Inquisitoren und die diese ernennende Kirche ungerecht, was ja unmöglich wäre. Um nur einige Perlen aus diesem Buche herauszufischen: Die Aussage der Hexen, daß sie _vom Teufel durch die Luft entführt werden, ist durchaus glaubwürdig. Wenn trotzdem die gleiche Hexe von andern schlafend gesehen werde, so erklärt sich das daraus, daß ein Teufel ihre Gestalt angenommen hat._

Ein weiterer Beweis für die Wahrheit des Hexenglaubens ist seine allgemeine Verbreitung. Diese aber geht aus der großen Menge von Hexen hervor, die alljährlich von den Inquisitoren abgeurteilt werden!

Ein junges Mädchen, das in Bergamo wohnt, wurde -- wenigstens berichtet Spina so -- plötzlich eines Nachts nackt im Bett einer Verwandten in Venedig aufgefunden. Sie erzählte weinend folgendes: Als ich diese Nacht wach wurde, sah ich meine Mutter, die mich schlafend glaubte, aufstehen, ihr Hemd ausziehen und sich mit einer Salbe salben; dann ergriff sie einen Stock, setzte sich rittlings darauf und fuhr durch das Fenster. Ich stand auf, bestrich mich auch mit der Salbe und fuhr dann auch hinaus und kam hier in dies Zimmer, wo ich sah, daß meine Mutter ein Kind töten wollte. Als meine Mutter mich sah und ich den Namen Jesu und Maria aussprach, verschwand sie und ich blieb nackt zurück. Die Mutter hat dann auf der Folter dem Inquisitor von Bergamo alles gestanden.

Die Hexen töten unzählige Kinder und bereiten aus ihren Leichen eine Zaubersalbe. Gott läßt dies zur Strafe der Eltern zu, _weil diese es vielleicht einige Male unterließen, die Kinder morgens und abends mit dem Zeichen des Kreuzes zu zeichnen_!

Einer der berühmtesten Kanonisten des 16. Jahrhunderts, _Paulus Grilandi_, Auditor des päpstlichen Generalvikars für die Stadt Rom, ließ eine oft aufgelegte Schrift _Tractatus de sortilegiis_ erscheinen. Natürlich trug sie die Druckerlaubnis und zwar hier des Magisters sacri apostolici Palatii, d. h. des unmittelbar unter dem Papste stehenden Bücherzensors. Er behandelt den gleichen Blödsinn wie die vorgenannten Bücher, führt aber als Novum an,. daß die _Kirche die Lösung einer behexten Ehe_, d. h. einer, in der Mann oder Weib verhindert sind, den Beischlaf auszuführen, _gestatte und daß die Betreffenden eine andere Ehe eingehen können_.

Folgende erbauliche Geschichte findet sich in diesem geistreichen Werke unter anderen ebenbürtigen. Mir hat ein geachteter und gebildeter Mann erzählt: kurz vor seiner Heirat wurde er von einer bekannten Hexe so behext, daß er in der Brautnacht und noch lange nachher die Ehe nicht vollziehen konnte, obwohl er den fleischlichen Akt früher sehr gut und mit größter Lust vollzogen hatte. Endlich ließ er einen berühmten Schwarzkünstler aus dem Sabinergebirge kommen, der gab ihm und seiner Frau einen Trank zu trinken. Auch befahl er ihnen, sich in der nächsten Nacht mit dem Zeichen des Kreuzes zu schützen, dann brauchten sie nicht zu fürchten, was auch geschehe. Gegen 10 Uhr nachts entstand um das Haus herum ein gewaltiges Unwetter mit Donner, Blitz und Erdbeben; dann drang eine ganze Schar von Hexen, darunter das Weib eines Nachbarn, in das Schlafzimmer und vollführte einen Höllenlärm. Der Bräutigam sah alles, seine Braut deckte er aber mit den Bettdecken zu. Eine halbe Stunde ungefähr dauerte der Lärm, dann trat plötzlich der Schwarzkünstler ein und die Hexen verschwanden. Der Schwarzkünstler rieb den Bräutigam an der Schulter und ging dann auch. Da fühlte der Bräutigam allmählich eine Wärme seinen Körper durchströmen und er konnte den ehelichen Akt vollziehen.

Im Jahre 1669 erschienen zu Lyon in der berühmten Druckerei von Bourgeat mit königlichem Privileg drei starke Quartbände, die sich ausschließlich mit Hexerei und Teufelei befassen. Der Gesamttitel dieses Sammelwerkes, das ausschließlich von bedeutenden Theologen und Kanonisten verfaßt ist, lautet: _Daemonastrix seu adversus Daemones et Maleficos universi operis ad usum praesertim Exorcistarum_. Es handelt sich also um ein Handbuch für Exorzisten. Eine dieser Abhandlungen von Pater _Hieronymus Mengo_ »_Strick für den Teufel_« (Fustis Daemonorum) betitelt, behandelt die Besessenheit: Die Teufel verlassen den Menschen teils durch den Mund als Flamme, oder als kalter Wind, teils durch die Ohren als Ameisen, teils durch den After als Kot oder als Frösche oder Schlangen, teils als Blutstropfen aus der Nase.

»Als ich im Jahre 1575 in Reims war, geschah folgendes: eine Witwe war mit einer schweren Krankheit behext worden. Ich ging mit ihrem Arzt zu ihr und wir fanden in ihrem Bett ein aus Federn gefertigtes Bild in Menschengestalt; als das Bild verbrannt war, war die Frau geheilt.« Die teuflischen Zaubermittel werden meistens in den Betten versteckt. Ein gutes Mittel dagegen ist, in den vier Ecken des Bettes Weihrauch, Myrrhe, geweihtes Salz, geweihte Oliven und geweihtes Wachs niederzulegen.

Den Höhepunkt des Teufelwahns bilden neben dem »Hexenhammer« die _Disquisitiones magicae_ des Jesuiten _Delrio_[8], eines Theologieprofessors an den Universitäten von Graz und Salamanca. Es umfaßt sechs Bücher auf über 1200 Druckseiten und trägt das Imprimatur des Jesuitenordens, sowie je eines päpstlichen und eines bischöflichen Zensors. Die Gutachten sind interessant genug, um wiedergegeben zu werden. Das des _Oliverius Manaräus_, eines der bedeutendsten Jesuiten des 16. und 17. Jahrhunderts vom 6. Juli 1598 betont ausdrücklich, daß die »sechs Bücher zauberischer Untersuchungen« durch das »Urteil gewichtiger und gelehrter Theologen« (des Jesuitenordens) gutgeheißen werden.

Die beiden anderen, nicht jesuitischen Zensoren schreiben: »Die zwei ersten Bücher der zauberischen Untersuchungen, verfaßt von Pater Martin Delrio, Theologen der Gesellschaft Jesu, halte ich, da sie _vielseitige Gelehrsamkeit und nichts dem katholischen Glauben Widersprechendes_ enthalten, für wert, daß sie veröffentlicht werden. Gegeben zu Löwen, am 8. Februar 1599. _Wilhelm Fabricius_, Apostolischer und Königlicher Bücherzensor.«

Das andere lautet: »Die drei letzten Bücher der zauberischen Untersuchungen, verfaßt vom gelehrten Pater Martin Delrio, Priester der Gesellschaft Jesu halte ich wegen ihrer vielseitigen Gelehrsamkeit und _wegen der Gediegenheit ihrer Lehre für sehr nützlich_, besonders in unseren Zeiten. Ich halte dafür, daß sie _zum großen Vorteil der Kirche_ veröffentlicht werden sollen. Gegeben zu Antwerpen, am 1. April 1599. _Silvester Pardo_, Licentiat der hl. Theologie, Domherr der Kathedralkirche und Bücherzensor.«

Das Buch tritt »wissenschaftlich« und »theologisch« im Namen Christi und seines »Statthalters« für das fernere Abschlachten der »Hexen« in einer Zeit ein, in der Denker und Forscher wie _Kopernikus_ ([+] 1543), _Kepler_ (1631), _Giordano Bruno_ ([+] 1600), _Montaigne_ ([+] 1592) und andere teils schon gewirkt hatten, teils noch wirkten. Die _profane_ Wissenschaft, das ist zu betonen sehr wichtig, war also keineswegs mehr im finsteren Aberglauben des Mittelalters befangen, vielmehr waren es die Theologen, die diese Dummheit künstlich aufrecht erhielten durch ihre »Wissenschaft« und das Beweismittel des Scheiterhaufens.

Delrio ist der Ansicht, daß die Schwarzkunst ständige Begleiterin und notwendige Folge der »Ketzerei« sei. In Deutschland sei ihr Bollwerk das Luthertum, in Frankreich, England, Schottland und Belgien aber sei die Hexerei durch den Kalvinismus rasch ausgebreitet worden. Die Gründe dafür liegen nach Delrio klar zutage: »Die Teufel haben in den Ketzern, wie einst in den Götzenbildern, ihre Wohnstätten; aus den Götzenbildern sind sie vertrieben worden, so haben sie sich in den Ketzern neue Wohnungen gesucht; auch die Teufel, die Christus austrieb, fuhren in die Schweine. Wie die Pest der Hungersnot folgt, so folgt die Hexerei der Ketzerei. Die Teufel bedienen sich der Ketzer ähnlich wie schöner Huren, um die Menschen zu betrügen.«

Während das I. Buch von der Zauberei im allgemeinen handelt, beleuchtet das zweite die teuflische Zauberei und ihre Wirksamkeit. Ihre Grundlage ist der _Vertrag mit dem Teufel_. Daß dieser in Wirklichkeit existiert, beweist Delrio aus der Übereinstimmung aller Theologen alter und neuer Zeit.

Wir machen hier wiederum die gleiche Erfahrung: weil eine Dummheit viele Verteidiger hat und sich Jahrhunderte in Kraft erhält, darum ist sie keine Dummheit. Sie wird aber zur höchsten Weisheit, wenn sich unter den für sie eintretenden Eideshelfern »Autoritäten« befinden, oder wenn sie gar durch Bibel und Dogma gestützt wird.

Die feierliche Zeremonie des _Vertrages mit dem Teufel_ besteht, nach Verleugnung des Glaubens und der Jungfrau Maria, darin, daß der Teufel die Stirn der Vertragschließer mit seiner Kralle berührt und sie auf seine Art tauft. Sie erhalten andere Namen; innerhalb eines auf die Erde gezeichneten Kreises wird ein furchtbarer Eid geschworen; man verspricht dem Teufel monatlich durch Blutaussagen ein Kind zu töten; irgendeiner Stelle des Körpers, gewöhnlich einer geheimen, drückt der Teufel ein Zeichen auf, wodurch dieser Körperteil unempfindlich wird. Dann wird erzählt von Erregung von Unwettern, Vernichtung von Viehherden, Hervorrufung von Heuschreckenschwärmen durch ein teuflisches Pulver, das in die Luft gestreut wird usw. »_Solche Geschehnisse sind alltäglich, ihre Wahrheit wird bezeugt durch das Ansehen der Päpste und ihre Bullen darüber; so die Bullen Innozenz VIII., Julius III., Hadrian VI._«

Auch Ungeheuer bringen die Teufel hervor. Es ist möglich, durch Vermischung zwischen Mensch und Tier solche Unholde zu erzeugen. Zehn Seiten widmet Delrio der Frage, ob sich die Teufel mit Menschen fleischlich vermischen. Die Tatsache bezweifelt er natürlich nicht: »Es ist dies die gemeinsame Ansicht der h. Väter, der Theologen und Philosophen, durch die Erfahrung vieler Jahrhunderte bestätigt. Von _dieser Ansicht abzuweichen, ist ein Zeichen von Starrköpfigkeit und Verwegenheit_.«

Aus dem geschlechtlichen Umgang zwischen Mensch und Teufel kann Nachkommenschaft entstehen. Die Schwierigkeit der Erklärung dieser Tatsache wird behoben, wenn man sich klar macht, daß der Teufel zwar keinen eigenen Samen hat, wohl aber ihn sich von einem Manne verschaffen kann. Weil er nun sehr rasch und geschickt ist, so kann er dem Samen die nötige Wärme erhalten und ihn im geeigneten Augenblick dem Weibe eingießen. Vater des entstehenden Kindes ist dann aber nicht der Teufel, sondern der Mann, der den Samen lieferte. Die Hexen gestehen, daß der Samen, den ihnen der Teufel eingießt, kalt sei und kein Lustgefühl hervorrufe.

Ketzer, wie _Luther_ und _Melanchthon_ behaupten, daß die Hexenfahrten nicht wirklich, sondern nur eingebildet seien. _Die wahre Ansicht ist aber, daß die Hexen auf Ziegenböcken oder Besenstielen zu ihren Zusammenkünften reiten._ Bei den Hexenzusammenkünften tanzt jeder Teufel mit dem ihm anvertrauten Weibe, und zwar lehnen die Tanzenden ihre Rücken gegeneinander. Nach dem Tanze wird Unzucht getrieben. »Wer behauptet, diese Dinge seien Träume und Phantasien, _verfehlt sich zweifellos gegen die Ehrfurcht, die wir unserer Mutter, der Kirche, schulden_. Denn die katholische Kirche bestraft keine Verbrechen, außer sie seien gewiß und offenbar, noch auch erklärt sie jemand für einen Ketzer, der nicht wirklich in Ketzerei verstrickt ist. Seit vielen Jahren hält aber die Kirche die Hexen für Ketzer und befiehlt, sie durch die Inquisitoren zu bestrafen und dem weltlichen Arm zu übergeben. _Also entweder irrt die Kirche, oder ihre Gegner. Wer aber behaupten wollte, die Kirche irre in einer zum Glauben gehörigen Sache, der sei verflucht._«

Das zweite Buch behandelt dann weiterhin die _Verwandlung der Hexen mit teuflischer Hilfe in Katzen_, ob die Teufel bewirken können, daß die Seelen Abgestorbener den Lebenden erscheinen, über die Gespenster, von denen achtzehn verschiedene Arten unterschieden werden und führt endlich eine Fülle »Beweismaterial« an, eine Blütenlese von Blödsinn.

Das III. Buch, das u. a. ausführlich vom Liebeszauber handelt, enthält folgende schöne Geschichte, die sich »kürzlich« in Flandern, an einem Ort und in einem Orden, die Delrio _bekannt_ sind, die er aber beide -- wohl aus Schonung -- verschweigt, zutrug: Drei Mönche eines Klosters lebten sehr ausschweifend. Eines Abends zechten sie lange, als sie nun endlich genug hatten, sagte der eine: Gott sei gedankt! Der andere aber sagte: Dem Teufel sei gedankt! Dann legten sie sich jeder mit einem Mädchen zu Bett. Plötzlich geht die Tür auf und ein Teufel in Gestalt eines Jägers von schrecklichem Äußeren kommt herein, begleitet von zwei anderen Teufeln in Gestalt von Köchen. Mit furchtbarer Stimme fragte er: wo ist der, der mir gedankt hat? Er zieht den zu Tode Erschrockenen aus dem Bett und befiehlt seinen Begleitern ihn am Feuer zu rösten. Das geschieht und das Zimmer wird mit dem Gestank des verbrannten Menschenfleisches erfüllt.

Während das IV. Buch über Wahrsagerei handelt, erörtert Delrio im V. die _Obliegenheiten des Richters_ und das _Prozeßverfahren den Hexen gegenüber_.

Die brutale Grausamkeit des Verfahrens, das fast ausnahmslos mit dem Tode auf dem Scheiterhaufen endete -- die Bußfertigen wurden vorher erdrosselt -- gehört nicht hierher, wohl aber die theoretische Begründung: _Wer die Schandtaten der Hexen, besonders ihre nächtlichen Zusammenkünfte, leugnet, huldigt dem Atheismus und widersetzt sich der Kirche. Denn das Haupt der Kirche, ihre Zunge und ihr Mund ist der Papst. Viele römische Päpste haben aber die Inquisitoren ermahnt, eifrig und streng gegen die Hexen vorzugehen und diese Pest auszurotten. Offen bekennen die Päpste, daß sie die Verbrechen der Hexen nicht für Wahnvorstellungen, sondern für tatsächliche Schandtaten halten._