Chapter 5 of 24 · 2602 words · ~13 min read

V.

Jürgen saß bereits kurz nach acht Uhr morgens vor seinem Schreibtisch im Privatkontor und sah die Korrespondenz, sowie die eingegangenen Aufträge durch. Prokurist Armin stand neben ihm und gab auf seine Fragen kurze Erläuterungen ab. Der gegenübersitzende Wolf hörte kaum zu und langweilte sich sterblich. Ein paarmal griff er nach den neuesten Zeitungen, las die Berichte von der Getreidebörse, hastete über die Theaterkritiken hinweg und legte das Blatt wieder aus der Hand.

Nun war die Post durchgesprochen. Jürgen hatte disponiert, und Wolf atmete schon freier auf, als Prokurist Armin von neuem begann:

»Wir haben noch die Angelegenheit mit Smider & Sohn zu besprechen, Plüddekamp. Sie wollten sich heute entscheiden.«

»Er kriegt keinen Pfennig mehr, als wir abgeschlossen haben,« erwiderte Jürgen ärgerlich. »Wie kommt der Mann überhaupt dazu, uns um eine Tariferhöhung anzugehen? Der Vertrag mit ihm ist klipp und klar.«

»Die Frachtsätze sind im Steigen begriffen. Der Export verstärkt sich für das Frühjahr. Kein Wunder, wenn Smiders es probiert -- er glaubt, mehr herausschlagen zu können, und zieht nun an der Strippe, um --«

»Einfach ausgeschlossen, Armin,« fiel ihm Jürgen ins Wort.

»Ich kann es nicht behaupten, Plüddekamp. Der Dampfer liegt noch im Schwimmdock.«

»Die Verlängerung ist aber gut vonstatten gegangen. Bei der Höhe unserer heutigen Technik im Schiffsbau bringen sie alles mit Eleganz fertig. Wie war's damals mit der ›Hohenzollern‹! Durchgeschnitten -- ein ganzes Stück eingesetzt -- und wieder Volldampf voraus.« Jürgen ließ sein breites Lachen hören.

»An Tonnengehalt wurde sie größer, an Geschwindigkeit und ruhigem Gang hat sie sich gerade nicht verbessert,« meinte Wolf, der jetzt aufhorchte, weil ihn diese Angelegenheit interessierte.

»Beim Frachtdampfer fragt man auch nicht danach,« brummte Jürgen. »Du willst immer auf den Sport hinaus.«

»Der ›Friedrich Barbarossa‹ war doch mit Eisenerzen überladen worden und blieb in der Kaiserfahrt stecken?« wandte sich Wolf an den Prokuristen.

»Ja, -- er hatte sich beim Aufrennen den Boden eingedrückt, darum wurde er umgebaut und gleich vergrößert, Herr Plüddekamp,« gab Armin zur Antwort.

»Die Eisenerze kamen wohl aus Vivero in Spanien?« frischte Wolf seine Erinnerungen auf. »Es konnte einen endlosen Prozeß geben -- die Versicherungsgesellschaft einigte sich aber mit der Henckel-Donnersmarck-Hütte. Es mußte alles in Leichter umgeladen werden, und die Kaiserfahrt war eine Zeitlang schlecht zu passieren --«

»Stimmt,« unterbrach Jürgen seinen Bruder kurz. »Du bringst uns aber von der Sache ab -- oder willst du auf einen Vorschlag hinaus?«

»Du hast mich damals den Vertrag mit Smider & Sohn lesen lassen -- er ist nicht ohne Häkchen. Ein wenig Jus klebt mir von den Semestern in Greifswald und Berlin noch an, darum glaube ich -- --«

»Nun und -- --« forschte Jürgen.

»-- -- -- daß der Passus ›bei rechtzeitiger Fertigstellung‹ uns auffliegen läßt, wenn Smider & Sohn den Vertrag nicht einhalten wollen.«

»Es wäre eine dumme Sache -- unser Justizrat ist doch sonst immer vorsichtig gewesen! Holen Sie den Vertrag, Armin -- ich will ihn daraufhin durchsehen,« wandte sich Jürgen an diesen. -- »Kannst du nicht auf den jungen Smiders einwirken, Wolf?« fragte er seinen Bruder.

Dieser schüttelte mit dem Kopfe.

»Ich war wohl während der Schulzeit öfters mit ihm zusammen, -- jetzt zählt er nicht mehr zu meinen Freunden.«

»Mir ist er höchst unsympathisch,« meinte Jürgen. »Eine zynische Natur, die am liebsten über Treu und Glauben hinwegschreitet. Hätte nicht sein Vater mit uns jahrzehntelang in Verbindung gestanden -- ich würde den geschäftlichen Verkehr mit der Firma abbrechen.«

Der Prokurist brachte den Vertrag, und der ältere Plüddekamp vertiefte sich einige Minuten in diesen. Als er wieder aufsah, zeigte sein Gesicht eine unwillige Miene.

»Es ist so, -- Wolf hat zwischen den Zeilen gelesen! Ich bin jetzt der Ansicht -- Smiders kann unter gewissen Umständen aus seinen Abmachungen entschlüpfen. Er sucht darum seinen Vorteil wahrzunehmen. Zahlen wir die höheren Frachtsätze, fällt es ihm natürlich nicht ein, den Vertrag zu beanstanden. Unser Gewinn aber wird dann Null sein, nur das Risiko bleibt.«

»Wir müssen bestimmt in der vorgesehenen Frist liefern,« betonte Armin. »Die spanischen Brennereien sind darauf angewiesen und warten nicht. Es wird uns sonst ein großes Geschäft für die Zukunft verloren gehen.«

»Gut -- das ist feststehend! Also was tun? Sie haben selbst dazu geraten, den ›Friedrich Barbarossa‹ zu chartern, Armin!« sagte Jürgen.

»Weil er nach dem Umbau einen hohen Tonnengehalt aufweist und wir die Lieferung glatt fortbringen wollen. Die Tarife waren zudem sehr günstig,« erwiderte dieser.

»Alles eine schlaue Kalkulation von dem jungen Smiders. Wir legten uns lange vorher fest und mußten ihm in die Hände fallen, sobald die Lieferung drängt.« Jürgen schlug mit der Faust auf die Platte des Schreibtisches, daß es dröhnte. »Am liebsten möchte ich ihm mit gleicher Münze dienen. Ich habe bisher bei unseren Verträgen mit Smiders & Sohn nie an eine Übervorteilung von der anderen Seite gedacht. -- Es muß auch so gehen,« fuhr er ruhiger fort. »Wir wollen rechtzeitig Maßnahmen treffen, Armin, und uns einige kleinere Dampfer sichern, die wir für andere Zwecke verwenden können, wenn die Frage nicht brennend wird.«

»Die Stettiner Frachtdampfer sind für die Hauptfahrzeit belegt. Wir müssen in Hamburg, Bremen und Lübeck Umfrage halten. -- Auf den Zufall, daß spanische Dampfer Rückfracht nehmen, können wir uns nicht verlassen,« hielt Armin entgegen.

»Teufel -- eine unangenehme Klemme,« brummte Jürgen. »Smiders soll an mich denken. Es ist wirklich notwendig, daß du ihm beikommst, Wolf! Natürlich mit der größten Liebenswürdigkeit -- lade ihn auch gelegentlich ein. -- Wenn ich ihn aufsuche, wittert er sofort Morgenluft.« --

»Gern tue ich es nicht, Jürgen! Alfred Smiders verkehrt in keinem Kreise meiner Bekannten. Man trifft ihn höchstens in kleinen Weinstuben mit zweifelhafter Bedienung an. Ich muß mich ihm also nähern. In unser Haus möchte ich ihn lieber nicht einführen --« Wolf stockte plötzlich und dachte an Ilse. Sie brauchte diesen Menschen nicht kennen zu lernen.

»Richte es nur ein, Wölfchen! Es hängt zuviel davon ab,« wurde Jürgen freundlich. Der geschäftliche Nutzen war bei ihm hoch angeschrieben, solange er in regulären Bahnen ging. Hier stand Großes auf dem Spiel. Der Vertrag mußte aufrecht erhalten bleiben. Später durfte solche Lage nicht wieder vorkommen, er wollte im stillen mit einer auswärtigen Reederei sofort Vereinbarungen anbahnen.

»Ich werde ihn aufsuchen und -- lavieren,« sagte Wolf. »Schließlich kommt es darauf an, wer die besten Karten in der Hand hält, -- ich fürchte --«

»Rufen Sie Smiders & Sohn telephonisch an, Armin. Mein Bruder würde die Angelegenheit mit Herrn Alfred Smiders in Kürze besprechen.«

Für Jürgen war damit die Unterredung beendet. Er nahm die neuen Aufträge zur Hand, ließ sich das Lagerbuch geben und begann zu rechnen. Der Prokurist ging in die Korrespondenzabteilung, und Wolf blieb eine Weile seinen Gedanken überlassen.

Im Grunde war ihm Alfred Smiders ein verhaßter Geselle. Dieser hatte sich während der Schulzeit in den oberen Klassen immer an ihn herangedrängt.

»Reeder und Exporteur müssen schlau zusammenhalten,« sagte Smiders zu ihm, »und das sind wir beide doch eines Tages. -- Die Abnehmer -- das konsumierende Volk muß mächtig berappen, damit wir schnell reich werden. Am besten schafft es sich bei einer Hungersnot -- oder im Kriegsfall -- da kann man Gold mit Scheffeln messen.«

»Solche Vorsätze hat mein Bruder nicht,« erwiderte Wolf darauf, »er läßt nichts auf die Ehre des alten Kaufmannsstandes kommen.«

»Nette Torheit,« suchte Alfred Smiders ihm zu beweisen. »Ich nehme mir die amerikanischen Grundsätze zur Richtschnur. Der beste Kaufmann ist, wer den höchsten Gewinn erzielt! Auf welche Weise, bleibt ganz gleichgültig.«

»Bei Jürgen Plüddekamp aber nicht,« trumpfte ihn Wolf ab.

»Du wirst sehen -- das moderne Geschäft verlangt es -- eines Tages bist du bekehrt! Wir wollen dann weiter darüber sprechen,« zog sich der andere zurück.

Alfred Smiders gab schon als Primaner viel Geld aus, trotzdem sein Vater in jener Zeit geschäftlich zu kämpfen hatte und große Verluste erlitt. Er verkehrte mit Steuerleuten und Matrosen in den dunkelsten Kneipen am Hafen. Dort lernte er das Grogtrinken und konnte bald unglaubliche Mengen Alkohol vertragen. Es erschien ihm dies für seine Laufbahn notwendig. Er wollte sich später von keinem Kapitän unter den Tisch trinken lassen.

Wolf hatte er ein paarmal mit verschleppt. Sie gerieten in eine wüste Gesellschaft von Matrosen hinein, die in den Hafenkneipen herumlungerten und mit einem Aushub von Mädchen das letzte Heuergeld vertaten. Während Smiders wie ein Fisch durch moderiges Wasser schlüpfte und Rede wie Antwort anzupassen wußte, konnte sich der junge Plüddekamp des Ekels über das wilde Gebaren nicht erwehren.

Er schlich spät nach Hause und verdankte es nur der Freundschaft des alten Jochen Hindorf, daß er durch den Garten und über den Hof unbemerkt ins Haus hineingelangte. Dieser hatte den Schlüssel zu der kleinen Torpforte in Verwahrung und drückte bei seinem jungen Herrn gern ein Auge zu. Am nächsten Morgen hielt er einen kräftig eingelegten sauren Hering mit einer knusprigen trockenen Semmel bereit, damit konnte Wolf seinen Katzenjammer dämpfen Ein kleines Glas Porter mit Ale jagte ihm das Blut wohltuend durch die Adern. Zur Mittagszeit war alles überwunden und die blauen Augen lachten wieder die Welt an. --

Wolf war eine gesunde, reine Natur, der nichts anhing, und in späteren Jahren mied er Smiders, wo er es nur konnte. Jetzt spielte dieser scheinbar eine große Rolle in der Stadt. Er hatte mehrere neue Dampfer bauen lassen und weite Fahrten eingerichtet. Die alten Schiffe liefen noch daneben und trugen hohe Versicherungen. Man munkelte allerlei, durfte sich aber nicht laut äußern. In den Kneipen einer Hafenstadt wird viel gesprochen.

Der junge Reeder war seinem Äußeren nach eine große, elegante Erscheinung. Dunkles Haar und ein schwarzer, wohlgepflegter Schnurrbart hoben seine an und für sich matten Züge stärker hervor. Die Augen flackerten etwas unstät umher, besaßen aber zuweilen einen tiefergehenden Ausdruck, den er im geeigneten Falle geschickt anzuwenden wußte.

Als Jürgen seinen Bruder aufforderte, die frühere Bekanntschaft mit Alfred Smiders zu erneuern, hatte er wichtige Gründe im Auge, diese überwogen bei ihm die persönliche Abneigung. Das spanische Geschäft mußte gepflegt werden, es bot sehr lohnende Aussicht und paßte stets mit den Rückfrachten. -- Wolf war zur Abwicklung solcher Sachen recht geeignet. Seine anscheinende Gutmütigkeit verdeckte den eigentlichen Kern, den er zur passenden Zeit scharf herauszuschälen verstand. Jürgen hatte eine zu derbe Geradeausnatur, er liebte kein Wortgeplänkel.

»Ich gehe jetzt nach dem Speicher auf der Lastadie,« sagte Wolf zu seinem Bruder. »Die Stichproben von den neuen Roggenlieferungen sollen doch in meinem Beisein genommen werden.«

Jürgen sah von seinen Kalkulationen auf.

»Recht so, Wölfchen! Denk auch daran, daß die verschiedenen Grassamen bald umgestochen werden müssen. Es entsteht leicht ein dumpfiger Geruch, und bis zur Versandzeit sind noch einige Monate hin.«

»Wird besorgt, Jürgen! Übrigens noch immer schauderhaftes Wetter,« sagte er, hinausschauend. »Ich laß mir einen Taxameter holen. Von nassen Füßen kriegt man bloß Katarrh. Davon bin ich kein Freund!«

Er sprang dann in wenigen Sätzen die Treppe zur Wohnung hinauf. Ein Glas Portwein konnte an dem naßkalten Tage nicht schaden. Vielleicht, daß Ilse -- sie huschte gerade über den Korridor, als er die oberste Treppenstufe erreichte.

»Fräulein Ilse -- nur einen Augenblick!«

Sie blieb zögernd stehen und sah den hellen Schimmer in seinen blauen Augen, als er auf sie zukam. Er griff nach ihrer Hand, die sie ihm schnell wieder entzog.

»Herr Wolf! Was haben Sie nur immer vor, wenn Tante Herta --«

Er lachte hell auf.

»Nichts -- rein gar nichts will ich -- als ein Stückchen Semmel mit Gänsebrust. Eine recht große saftige Scheibe -- Fräulein Ilse! Sie verstehen es, diese so appetitlich herzurichten. Aber bringen Sie mir den Happen selbst, bitte! -- Machen Sie sich nicht wieder unsichtbar --«

»Das kommt nur auf Sie an, Herr Wolf,« entgegnete sie lächelnd und sah sich hastig um.

»Auf mich, Fräulein Ilse? Dann würden Sie mich den ganzen Tag nicht los,« rief er belustigt. »Nun noch eine kleine Bitte -- schlagen Sie einmal schnell Ihre schönen Augen zu mir auf --«

»Nein, -- Herr Wolf, -- das gehört nicht zur Erlernung der Hauswirtschaft,« -- ihr Blick aber traf ihn doch, ehe sie forteilte.

Warum er nur so oft danach verlangte? Die anderen Herren, die sie hier kennen lernte, sahen sie ebenfalls so seltsam an. Sie empfand nichts dabei, nur wurde es ihr peinlich. Wolf war wirklich ein hübscher junger Mann, aber auch nicht mehr für sie. Als sie zu den Wirtschaftsräumen eilte, wußte sie unwillkürlich, daß seine Augen ihr folgten.

»Schade, daß ich mich so in acht nehmen muß. Es verdirbt mir manchmal ganz die Laune,« dachte sie bei sich.

Die Semmel mit Gänsebrust ließ sie durch das Mädchen ins Eßzimmer tragen, weil Herta dazukam. Diese ging sofort zu ihrem Bruder und schenkte ihm ein Glas Portwein ein. Sie kannte seine kleinen Wünsche.

»Du willst auf die Lastadie, Wölfchen? Stärke dich nur zuvor.« Er hatte ihr sein Vorhaben rasch mitgeteilt.

Sie bot ihm noch ein zweites Glas an, während er ihr von Alfred Smiders erzählte.

»Wenn es geschäftlich notwendig ist, soll er das feinste Frühstück Stettins haben,« sagte sie dann.

»Besser, es läßt sich vermeiden, Herta!« Damit ging Wolf fort. Ilse kam ja nicht wieder.

* * * * *

Die Lastadie hängt mit dem Freihafengebiet zusammen. Dort hatte die Firma Jürgen Plüddekamp erst in den letzten Jahren neue Speicher erbaut. Als Wolf vorfuhr und eilig in das Tor hinein wollte, stieß er auf Jochen Hindorf. --

»Hast du deine Kerle in Schuß, Jochen?«

»Jäh woll -- Herr Wolf!«

»Das ist man gut, Jochen! Sonst steig ich dir auch aufs Dach!«

»Hm --« räusperte sich dieser.

»Bei dem Wetter wär's kein Wunder, wenn sie davonliefen. Ich wollt gerade nach Haus. Haben Sie noch was, Herr Wolf? Mit'm Chef ist in der letzten Zeit nicht zu spaßen. Er gibt mir den Laufpaß, wenn ich nochmal für Sie flunkere.«

»Kommt nicht wieder vor, alter Knabe --«

»Hm -- hm -- damals war auch Fräulein Ilse noch nicht hier -- nu aber --«

»Was nun aber! Denk keinen Unsinn, Jochen. Fräulein Ilse hat damit gar nichts zu tun.«

»Näh -- näh, Herr Wolf, das weiß ich wohl! Sie ist aber ein verteufelt schlankes Ding, wie so'n Aal glitscht sie aus der Hand. Ich hab's gesehen!«

»Du bist ein alter Drönbartel, Jochen -- mit dem, was du willst! Behalte man deine Speckschwarten für dich. Jetzt komm mal beiseite! Ich will dich etwas fragen.«

»Jäh woll -- Herr Wolf!« Die Hünenfigur des Alten schob sich dicht an seinen jungen Herrn heran.

»Du kennst doch den alten Aufseher von Smider & Sohn?«

»Jäh woll -- Herr Wolf!«

»Gut! -- Pürsch dich mal gleich an ihn heran. Kann auch 'n paar Schnäpse kosten. Frag ihn genau aus, wo Alfred Smiders seinen Wechsel hat. Du weißt schon! -- Ich muß nach ihm auf den Anstand raus.«

»Aber -- Herr Wolf! Sie werden doch nich, 'ne kleine Auflage von damals --«

»Unsinn! -- Ich muß ihn in einer günstigen Stunde antreffen, damit ich ihm geschäftlich langsam beikommen kann.«

»Hm -- das weiß ich schon! Er hat etwas in der ›Grünen Schanze‹, wo die gelben Gardinen vor sind. Ein paar leere Champagnerflaschen stehen im Fenster.«

»In der alten Weinspelunke sitzt er?« rief Wolf etwas betroffen aus. »Da kann ein anständiger Mann wahrhaftig nicht hineingehen.«

»I was! Da gehen feine Leut' hinein. Bei Tag woll nicht -- aber abends sind alle Katers grau.«

»Es ist also ganz sicher?«

»Ich frag nach. In einer halben Stund bin ich wieder da. Wieviel Schnäpse -- kann ich ihm geben?«

Wolf lachte und nahm Geld aus der Westentasche, das er Jochen Hindorf in die schwielige Hand drückte.

»Was nicht draufgeht, ist für dich -- Alter!«

»Jäh woll -- Herr Wolf!«

Jochen Hindorf zog die Flauschjacke fest zusammen und trottete ab. --

»Gibt's wohl eine ehrlichere alte Haut als diese dort?« dachte Wolf, ihm nachschauend. »Wenn's darauf ankäme, würde Jochen für mich das Tollste ausführen, aber eine Stärkung des inneren Menschen muß dabei sein.«