Chapter 21 of 24 · 3583 words · ~18 min read

Part 21

Wie Sancho dies sah, sagte er: »Es ist gut, daß uns einer der Mühe überhoben hat, dem Grauen den Sattel abzunehmen, sonst sollte es wahrhaftig so wenig fehlen, ihm einen Schlag mit der Hand zu geben, als Lobpreisungen herzusagen; wäre er aber auch zugegen, so litte ich es doch nicht, daß man ihm den Sattel herunternähme, denn ihn geht das nichts an, er ist auf keine Weise in die Liebhaberei mit verwickelt, ebensowenig in die Verzweiflung, denn soweit denke ich es mit Gottes Hilfe niemals zu bringen. Aber wahrhaftig, Herr Ritter von der traurigen Gestalt, wenn es mit meinem Abmarsch und Euren Unsinnigkeiten ein Ernst werden soll, so wäre es wohl besser, da der Graue weg ist, den Rosinante dafür wieder aufzuzäumen, denn sonst möchte die Zeit meines Abreisens und Wiederkommens lange währen, denn wenn ich den Weg zu Fuß mache, so weiß ich nicht, wenn ich dasein oder wiederkommen möchte, denn ich bin, um es kurz zu machen, ein schlechter Wandersmann.«

»Ich sage dir, Sancho,« antwortete Don Quijote, richte es so ein, wie es dir gut deucht, denn deine Idee scheint mir nicht übel, ich sage ferner, daß du in drei Tagen abreisen sollst, während welcher Zeit du das, was ich tue und rede, beobachten sollst, damit du darüber Rede stehen kannst.«

»Was soll ich noch weiter sehen,« fragte Sancho, »als was ich schon gesehen habe.«

»Sauber hast du dich verrechnet,« antwortete Don Quijote, »ich habe noch gar nicht meine Kleider zerrissen, die Waffenstücke umhergestreut, ich bin noch nicht gegen diese Felsen mit Kopfstößen angerennt, sowie ich noch viele andere Dinge gleicher Art unterlassen habe, worüber du dich verwundern wirst.«

»Um Gottes Barmherzigkeit willen,« sagte Sancho, »sehen Euer Gnaden doch ja recht zu, wie Ihr es mit diesen Kopfstößen treibt, denn gegen einen solchen Felsen anzurennen könnte so ablaufen, daß mit dem allerersten Kopfstoß die ganze schön ausgedachte Buße aus wäre. Ich wäre der Meinung, wenn Ihr doch ja diese Kopfstöße für so nötig achtet und daß das Werk ohne sie nicht vollführt werden könne, daß Ihr Euch damit begnügtet, denn alles ist ja doch nur erdichtet und ein nachgemachtes Ding zum Spaße, daß Ihr Euch damit begnügtet, sag' ich, Euch diese Stöße im Wasser zu geben oder doch gegen ein Ding, das so weich wie Baumwolle ist, und dann laßt es nur meine Sorge sein, wie ich der gnädigen Gebieterin sagen will, daß Ihr Euch die Stöße gegen eine Felskante gebt, die härter als der Diamant ist.«

»Ich danke dir für deinen guten Willen, Freund Sancho,« antwortete Don Quijote, »aber du mußt wissend sein, daß alle diese Dinge, die ich vornehme, kein Spaß sind, sondern bitterer Ernst, denn anders hieße das die Gesetze der Ritterschaft verletzen, die uns gebieten, niemals eine Lüge zu sagen, unter der Strafe der Ächtung, und ein Ding für das andere tun, ist um nichts besser, als lügen; darum also müssen meine Kopfstöße wahrhaftige, herzhafte und tüchtige sein und nichts Sophistisches und Erdichtetes an sich führen; es wird deshalb auch nötig sein, daß du mir etwas Charpie zum Verbinden zurückläßt, denn durch einen Zufall fehlt uns der Balsam, den wir verloren haben.«

»Schlimmer war's, den Esel zu verlieren,« antwortete Sancho, »denn mit dem ist Charpie und alles verloren; ich wollte Euch auch wohl gebeten haben, daß Ihr mich nicht mehr an das vermaledeite Gesöff erinnert, denn wenn ich es nur nennen höre, kehrt sich mir Seele und Magen um. Noch mehr aber bitte ich Euch, daß Ihr Euch vorstellt, die drei Tage wären nun schon vorbei, in denen ich die Unsinnigkeiten, die Ihr begeht, ansehen sollte, denn ich nehme sie mit allem Danke für gesehen und genossen an und will der Gnädigen Wunderdinge davon erzählen: schreibt mir nur den Brief und gebt mir geschwind meinen Abschied, denn ich habe ein gar zu großes Verlangen, Euch recht bald aus dem Fegefeuer zu erlösen, worin Ihr hier bleibt.«

»Du nennst es Fegefeuer, Sancho?« sagte Don Quijote, »richtiger würdest du es eine Hölle nennen oder noch etwas Schlimmeres, wenn es etwas Schlimmeres gibt.«

»Wen die Hölle hat,« antwortete Sancho, »=nulla est retentio=, wie ich gehört habe.«

»Ich verstehe nicht, was du mit =retentio= meinst,« sagte Don Quijote.

»=Retentio= ist so viel,« erwiderte Sancho, »daß, wer einmal in der Hölle ist, niemals wieder herauskommen kann, das wird aber mit Euer Gnaden nicht so sein, oder ich müßte kein Bein mehr haben, um den Rosinante anzuspornen; dann will ich mich stracks nach Toboso begeben und gleich zur gnädigen Dulzinea, und dann will ich ihr so viel von den Narrheiten und Unsinnigkeiten (das ist doch eins) erzählen, die Ihr vornehmt und noch vornehmen wollt, daß sie geschmeidiger als ein Handschuh werden soll, wäre sie auch härter als ein Eichbaum; mit ihrer zärtlichen honigsüßen Antwort komme ich dann durch die Luft wie ein Hexenmeister zurück und nehme Euch aus dem Fegefeuer, das Euch wie eine Hölle vorkommt, es aber nicht ist, denn Ihr habt die Hoffnung herauszukommen, was aber, wie ich schon gesagt habe, die niemals hoffen dürfen, die sich in der Hölle aufhalten, und darin werdet Ihr mir gewiß Recht geben.«

»Du sprichst die Wahrheit,« sagte der von der traurigen Gestalt, »aber wie werden wir es anfangen, um den Brief zu schreiben?«

»Und auch die Eselsverschreibung?« fügte Sancho hinzu.

»Wir müssen alles,« sagte Don Quijote, »und der Gedanke ist passend, da wir kein Papier haben, auf den Blättern der Bäume schreiben, wie es die Alten taten, ingleichen auf etlichen Wachstafeln, obgleich diese wohl jetzt ebenso schwer zu erhalten sein dürften als Papier. Ich denke aber eben daran, wie ich es am schicklichsten schreiben kann, nämlich in dem Taschenbuche, das dem Cardenio zugehörte; du wirst alsdann Sorge tragen, es auf Papier abschreiben zu lassen, und zwar deutlich, im ersten Orte, wo du einen Knabenschulmeister oder wenigstens einen Küster antriffst, die es abschreiben können; gib es aber ja nicht zum Kopieren einem Schreiber hin, der sich mit Prozeßsachen abgibt, sonst würde es der Satan selber nicht verstehen.«

»Wie wird's aber mit der Unterschrift werden?« fragte Sancho.

»Niemals hat Amadis seine Briefe unterschrieben,« antwortete Don Ouijote.

»Ganz gut,« antwortete Sancho, »aber die Verschreibung muß mit aller Gewalt eine Unterschrift haben, und wenn ich die nun abschreiben lasse, so werden sie sagen, die Unterschrift wäre falsch und mir die jungen Esel nicht ausliefern.«

»Die Verschreibung will ich hier im Taschenbuche selbst unterzeichnen, und wenn meine Nichte dies sieht, wird sie in Ansehung der Auslieferung keine Schwierigkeiten machen; was aber den Liebesbrief betrifft, so darfst du nur so viel zur Unterschrift setzen: Der Eurige bis in den Tod, der Ritter von der traurigen Gestalt. Es wird auch wenig zur Sache tun, daß dieses von einer fremden Hand sei, denn soviel ich weiß, kann Dulzinea weder lesen noch schreiben, hat auch Zeit ihres Lebens keinen Brief oder Buchstaben von mir gesehen, denn meine und ihre Liebe blieb immer platonisch, ohne sich weiter bis auf ein anständiges Anblicken zu erstrecken, und auch das nur je zuweilen, denn ich könnte mit Wahrheit schwören, daß ich in den zwölf Jahren, seit ich sie mehr als das Licht dieser Augen liebe, nicht viermal gesehen habe, und es kann überdies wohl sein, daß sie es in diesen vier Malen kein einziges Mal gesehen hat, wie ich sie beschaute, so genau und eingezogen haben sie ihre Eltern Lorenzo Corchuelo und Aldonzo Nogales erzogen.«

»Sieh da! sieh da!« sagte Sancho, »die Tochter des Aldonzo Corchuelo ist also die Gebieterin Dulzinea von Toboso, mit einem andern Namen Aldonza Lorenzo getauft?«

»Sie ist es,« sagte Don Quijote, »sie ist dieselbe, die es verdient, Gebieterin des Universums zu sein.«

»Ich kenne sie recht gut,« sagte Sancho, »und wahrhaftig, sie hebt Euch einen Sack auf, wie der stärkste Großknecht im ganzen Dorfe; so wahr Gott lebt, das ist ein ganzes Mensch, so wie sie nur sein muß, Haare auf den Zähnen, die zieht Euch den besten irrenden Ritter aus dem Drecke, daß einem das Herz im Leibe lacht. O du Hurenkind! was sie für ein Maul am Halse hat und was für eine Stimme! Sie war einmal oben im Dorfe auf dem Kirchturm und rief von da etlichen Knechten ihres Vaters im Brachfelde, wohl eine halbe Meile davon, und die hörten's, als hätten sie unten am Turm gestanden; und was das Beste an ihr ist, so heuchelt sie nicht, nein, sie ist sehr beredsam, sie ist lustig mit allen, und über alles hat sie ihren Spaß und ihr Gelächter. Nun sag' ich auch, Herr Ritter von der traurigen Gestalt, daß Ihr für diese nicht nur Eure Unsinnigkeiten vornehmen könnt, sondern Ihr mögt auch wohl mit vollem Rechte desperat, ja besessen werden, und jeder, der es erfährt, wird gewiß meinen, daß Ihr nicht zuviel leidet, wenn Euch auch der Teufel gar holen sollte. Ich wünschte nur, daß ich schon auf dem Wege wäre, bloß um sie zu sehen, denn ich habe sie sehr lange nicht gesehen und sie muß sich wohl sehr verändert haben, denn die Weiber verderben ihr Gesicht bald, wenn sie immer im Felde, in der Sonne und in der Luft herumlaufen müssen. Aber ich gestehe meinem gnädigen Herrn Don Quijote, daß ich bisher in einem tüchtigen Irrtum gelebt habe, denn ich meinte nicht anders, als die Dame Dulzinea sei irgendeine Prinzessin, in die Ihr verliebt wäret, oder so eine Person, die die reichen Präsente verdiente, die Ihr ihr zugeschickt habt, wie die Biskayer und die Ruderknechte, nebst noch vielen andern, denn Ihr müßt doch wohl schon viele Siege in jener Zeit gewonnen und davongetragen haben, als ich noch nicht Euer Stallmeister war; aber im Ernst gesprochen, was sollen sie wohl bei der gnädigen Aldonza Lorenzo, ich will sagen, gnädigen Dulzinea von Toboso, die Überwundenen, die Euer Gnaden schickt und noch schicken wird, daß sie sich vor ihr auf die Knie hinschmeißen sollen? Denn es kann sich fügen, wenn die Gefangenen ankommen, daß sie gerade Flachs hechelt oder auf der Tenne drischt, so werden die sich ärgern, und sie wird wohl gar darüber spotten und sich lustig machen.«

»Ich habe es dir schon sonst oftmals gesagt, Sancho,« sagte Don Quijote, »daß du ein Schwätzer seist und so dummköpfig du bist, willst du dich doch oft mit Spitzfindigkeiten befassen; damit du aber einsiehst, wie narrenhaft du bist und wie verständig ich bin, so höre nur eine kurze Erzählung an. Eine schöne, junge, unabhängige und reiche Witwe, die überdies noch sehr lebhaft war, verliebte sich nämlich in einen jungen Burschen, der rundlich und von versprechender Statur war. Dies erfuhr ihr Oheim und sagte eines Tages in Form eines freundschaftlichen Vorwurfes zu ihr: ›Ich bin sehr darüber verwundert, gnädige Frau, und nicht ohne Ursache, wie eine so vornehme, schöne und reiche Dame sich in einen so albernen, geringen, einfältigen und bäurischen Menschen verlieben kann, da doch in diesem Hause so viele Doktoren, Magister und gelehrte Theologen sind, unter denen Ihr nur, wie unter gutem Obste, auswählen dürftet und sagen, diesen mag ich, jenen mag ich nicht.‹ Aber mit Lächeln und vieler Freimütigkeit antwortete ihm die Witwe: ›Mein gnädiger Herr, Ihr seid im Irrtum und schlecht beraten, wenn Ihr meint, ich hätte mit diesem Einfältigen eine schlechte Wahl getroffen, wenn er auch noch so sehr Dummkopf ist, denn dazu, wozu ich ihn will, weiß er so viel und mehr Philosophie als Aristoteles.‹ -- Ebenso, Freund Sancho, wozu ich die Dulzinea von Toboso will, gilt sie mir soviel wie die höchste Prinzessin auf Erden. Ebenso machen es die Poeten, wenn sie eine Dame unter irgendeinem Namen vergöttern, den sie nach ihrer Willkür erdichten. Meinst du, daß alle Amarillis, Phyllis, die Sylvien, Dianen, Galatheen, Alinen und noch viele andere, von denen die Bücher, Romanzen, Barbierstuben und Schauspiele angefüllt sind, wirkliche Damen von Fleisch und Blut waren und die wirklichen Geliebten von denen, die sie besungen? Nein wahrhaftig nicht, sondern die meisten erfinden sie nur, um einen Gegenstand für ihre Gedichte zu haben und damit man sie für verliebt halte und für Leute, die imstande wären, es zu sein; und darum ist es mir auch genug, wenn ich denke und glaube, daß die ehrliche Aldonza Lorenzo schön und tugendhaft sei, die Abkunft tut wenig, denn sie wird niemals danach gefragt werden, um ein Stiftsfräulein abgeben zu können, und so bilde ich mir meinerseits ein, daß sie die höchste Prinzessin auf Erden ist. Denn du mußt wissen, Sancho, wenn du es nicht schon weißt, daß zwei Dinge von allen am meisten zur Liebe reizen, nämlich große Schönheit und guter Ruf, und diese beiden Dinge finden sich allervollkommenst bei Dulzinea, denn in der Schönheit kommt ihr niemand gleich und im guten Rufe kommen ihr nur wenige nahe; und um alles kürzlich zu beschließen, ich bilde mir ein, daß alles so ist, wie ich es sage, ohne daß weder links noch rechts etwas mangelt, in meiner Einbildung male ich sie mir so aus, wie ich sie wünsche, sowohl was Schönheit als hohe Tugend betrifft, und so kommt ihr Helena nicht nahe und Lukrezia erreicht sie nicht, noch irgendeine andere berühmte Frau der verflossenen Zeitalter, sei sie griechisch, barbarisch oder lateinisch; jeder mag hierauf antworten, was er Lust hat, denn wenn mich auch deshalb die Einfältigen tadeln sollten, so werden mich doch die Strengen gewiß darum nicht schelten.«

»Ich sehe, gnädiger Herr, Ihr habt vollkommen recht,« antwortete Sancho, »und ich bin ein Esel. Doch, wie kommt mir nur dies Wort aus dem Munde? In dem Hause des Gehängten soll man ja nicht vom Stricke reden; aber macht nur den Brief und ich will mein Maul halten.«

Don Quijote nahm die Schreibtafel, ging beiseite und schrieb mit vieler Andacht den Brief nieder; als er fertig war, rief er den Sancho herbei und sagte, daß er ihm den Brief vorlesen wolle, damit er ihn im Gedächtnisse behalte, wenn die Schreibtafel etwa auf der Reise verlorenginge, weil er von seinem Unglück alles zu fürchten habe.

Hierauf antwortete Sancho: »Schreibt es nur drei- oder viermal im Buche nieder und gebt es mir, denn ich will es wohl gut aufheben; aber zu glauben, daß ich's im Gedächtnisse behalten könnte, ist nur Narrheit, denn mein Gedächtnis ist so schlecht, daß ich oft meinen eigenen Namen vergesse. Aber leset es mir doch vor, gnädiger Herr, und ich werde mich sehr darüber freuen, denn der Brief ist gewiß wie gegossen.«

»Höre zu, denn also lautet er,« sagte Don Quijote.

~Don Quijotes Brief an Dulzinea von Toboso.~

Monarchin! Erhabene Herrscherin!

Der von der Trennung tief Verwundete, der von den Pfeilen zerrissenen Herzens, sendet Dir, o süßeste Dulzinea von Toboso, das: Wohl sei Dir! welches ihm mangelt. Wenn Deine Schönheit mich geringschätzt, wenn Dein Adelsinn mir entgegen, wenn Deine Verschmähung zu meiner bitteren Qual gereicht, obgleichen ich schon im Leiden geübt, so vermag doch nicht, in dieser Pein länger zu verharren, die, außer daß sie schrecklich, auch zu immerwährend ist. Mein wackerer Stallmeister Sancho wird Dir, o schöne Undankbare, geliebte Feindin meiner, getreu erzählen, auf was Weise ich zu Liebe Dir zurück verbleibe: gefällt es Dir, mir beizustehen, so bin ich der Deinige, wenn nicht, so tue, was zu Deinem Gefallen gereicht, denn mein Leben beschließend habe ich alsdann so Deiner Grausamkeit genug getan, wie meinem Wunsche.

Der Deinige bis in den Tod.

Der Ritter von der traurigen Gestalt.

»Bei meines Vaters armer Seele,« rief Sancho aus, als er diesen Brief gehört hatte, »das ist das erhabenste Ding, das mir nur jemals vorgekommen ist! Wahrhaftig, wie steht da alles zusammen, wie man's nur wünschen kann und wie herrlich schraubt es sich endlich ein in die Unterschrift: Der Ritter von der traurigen Gestalt. Meiner Seel, ich sage doch immer, Ihr seid der leibhaftige Teufel, es gibt gar nichts, was Ihr nicht könntet.«

»Alles«, antwortete Don Quijote, »ist in dem Amte, welches ich bekleide, vonnöten.«

»Nun aber«, sagte Sancho, »schreibt mir auch auf einem andern Blatte den Zettul wegen der drei Eselsfüllen und macht die Unterschrift klar und deutlich, damit sie jeder gleich kennt.«

»Gern,« sagte Don Quijote, und nachdem er geschrieben hatte, las er ihm folgendes vor:

»Bitte Ew. Wohlgeboren, meine liebe Nichte, auf diesen Schein über Eselsfüllen, dem Sancho Pansa, meinem Stallmeister, drei von den fünfen, die im Hause geblieben, zu überliefern. Solche drei Füllen bitte ihm als Bezahlung für gleichmäßige Valuta zu reichen, die bar empfangen. Dies und seine Quittung hierüber werden alles berichtigen. Gegeben im Innern des schwarzen Gebirges, am zweiundzwanzigsten Augustus des jetzt laufenden Jahres.«

»Es ist gut,« sagte Sancho, »nun unterschreibet nur.«

»Das Unterschreiben ist nicht nötig,« sagte Don Quijote, »sondern ich will nur meinen Namenszug hinzufügen, der gilt soviel als eine Unterschrift für die drei Esel, und selbst wenn es dreihundert wären.«

»Ich verlasse mich auf Euer Gnaden,« antwortete Sancho; »nun gut, so wollen wir denn den Rosinante satteln und Ihr erteilt mir Euren Segen; denn ich will nun gleich abreisen, ohne die Narrheiten weiter zu sehen, die Ihr angeben wollt, und ich will sagen, daß ich so viele gesehen habe, als nur mein Herz wünschen konnte.«

»Ich wünsche wenigstens, Sancho, und nur weil es nötig ist, wünsche ich dieses, daß du mich nackt sehen mögest und nur ein oder zwei Dutzend Unsinnigkeiten vollführen, denn ich will sie in weniger als einer halben Stunde fertig haben; hast du diese selbst mit Augen gesehen, so magst du auf alle übrigen schwören, die du noch hinzufügen willst, wobei ich versichere, daß du nicht so Mannigfaltiges sollst erzählen können, als ich zu vollbringen mir vorgesetzt habe.«

»Um Gottes willen, liebster gnädiger Herr, laßt mich Euch nicht nackend sehen, denn das würde mich so betrübt machen, daß ich weinen müßte, und der Kopf ist mir schon von dem Weinen so schwer, was ich diese Nacht des Grauen halber getrieben habe, daß ich das Heulen nicht von neuem anfangen mag: gefällt es Euch aber, daß ich ihrer etliche von Euren Unsinnigkeiten sehe, so macht sie doch in den Kleidern, und zwar die ersten besten, die Euch in den Wurf kommen, denn für mich ist dergleichen eigentlich gar nicht nötig, denn, wie gesagt, es verspätet nur meine Zurückkunft, wo ich Euch solche Nachrichten bringen werde, wie Ihr sie wünscht und verdient; geschieht's nicht, so nehme sich die Dame Dulzinea nur in acht, denn wenn sie nicht antwortet, wie sich's gehört, so schwör' ich hoch und teuer, ich will Ihr die schickliche Antwort mit Tritten und Maulschellen aus dem Magen herausholen, denn warum soll man's denn leiden, daß ein so berühmter irrender Ritter wie Ihr seid, um nichts und wieder nichts unsinnig wird für eine -- -- --. Die gute Dame soll mich nur nicht ausreden lassen, denn wahrhaftig, wenn ich erst ins Sprechen komme, so ist es um sie getan, ich bin dazu der rechte Kerl, sie kennt mich nicht, aber meiner Seel, wenn sie mich kennt, so mag sie mich zum Frühstück nehmen.«

»Wahrlich, Sancho,« sagte Don Quijote, »dem Anscheine nach bist du nicht gescheiter als ich.«

»So unsinnig bin ich nicht,« antwortete Sancho, »aber hitzköpfiger; doch, von was anderem, was werdet Ihr denn unterdessen essen, bis ich wiederkomme? Wollt Ihr wie Cardenio auf der Straße lauern und die Hirten plündern?«

»Sei deshalb unbesorgt,« antwortete Don Quijote, »denn hätte ich gleich andere Speise, so würde ich doch nichts als die Krauter dieser Wiese und die Früchte essen, die mir diese Bäume reichen, denn das ist eben die Blume meiner Unternehmung, nicht zu essen und andere Kasteiungen auszuhalten.«

Hierauf sagte Sancho: »Wißt Ihr, gnädiger Herr, was ich fürchte? daß ich den Platz nicht wiederfinde, wo ich Euch jetzt verlasse, denn er ist gar zu abgelegen.«

»Präge dir gut die Merkmale ein, denn ich will mich gewiß nicht aus dieser Gegend entfernen,« sagte Don Quijote, »auch werde ich darauf denken, oft den Gipfel der allerhöchsten Felsen zu besteigen, um mich droben umzusehen, ob du nicht wiederkommst; das Beste und Sicherste aber wird sein, damit du nicht zweifelst und dich verirrst, daß du von dem hier häufigen Ginster etwas nimmst und es von Zeit zu Zeit ausstreust, bis du das offene Land gewinnst, dies wird dir ebenso zum Wegweiser und Merkmal dienen, mich wiederzufinden, wie der Faden dem Perseus aus dem Labyrinthe half.«

»Das soll geschehen,« antwortete Sancho Pansa; er nahm Ginster, bat seinen Herrn um seinen Segen und unter häufigen Tränen von beiden Seiten nahm er Abschied von ihm. Er bestieg den Rosinante, den ihm Don Quijote fleißig empfahl, daß er für ihn sorgen möchte, als wenn er es selbst wäre, worauf sich Sancho auf den Weg nach dem flachen Lande machte, indem er von Zeit zu Zeit Zweige des Ginsters ausstreute, wie es ihm sein Herr geraten hatte: so entfernte er sich, obgleich ihn Don Quijote noch immer quälte, daß er bleiben möchte, um ihn etliche Tollheiten machen zu sehen. Er hatte sich aber noch nicht hundert Schritte entfernt, als er wieder umkehrte und sagte: »Ihr habt doch recht gehabt, gnädiger Herr, daß ich Euch muß Unsinnigkeiten anstellen sehen, damit ich mit gutem Gewissen schwören kann, und darum will ich um etliche bitten, obwohl das freilich die tollste ist, daß ich Euch hier allein lasse.«

»Habe ich es dir nicht gesagt?« sagte Don Quijote, »warte, mein Sancho, in einem Vaterunser ist es geschehen.« Mit großer Eile zog er hierauf die Beinkleider ab und blieb im Hemde, und mir nichts dir nichts schlug er zweimal Rad und warf sich zweimal über, den Kopf unten und die Beine in die Höhe, indem er Dinge zeigte, die, um sie nicht noch einmal zu sehen, den Sancho bewogen, den Rosinante umzuwenden, völlig zufrieden und hinlänglich vorbereitet, um schwören zu können, sein Herr sei unsinnig. Wir lassen ihn seine Straße ziehen, bis er wiederkommt, welches nicht lange dauern wird.

~Zwölftes Kapitel~

Welches die Fortsetzung der Subtilitäten enthält, die Don Quijote als Verrückter im schwarzen Gebirge unternahm