Chapter 3 of 24 · 3921 words · ~20 min read

Part 3

O Rosinante! dies, meine Gebieterinnen, ist der Name meines Pferdes und ich heiße Don Quijote von la Mancha. Ich sollte mich nicht zu erkennen geben, bis meine Tathandlungen in Eurem Dienste mich kenntlich machten, aber diese alte Romanze von Lanzarote, die sich auf meinen gegenwärtigen Zustand schickt, hat mich bewogen, meinen Namen vor der Zeit zu nennen; aber es wird die Zeit kommen, wann Eure Hoheit mir gebieten und ich gehorchen soll, wann die Tapferkeit meines Armes den Willen Euch dienstbar zu sein, beurkunden wird.« Die Mädchen, die solcher rhetorischen Figuren ungewohnt waren, antworteten nicht darauf, sondern fragten ihn nur, ob er nicht etwas zu essen begehre. »Wann ich etwas zu genießen haben kann,« antwortete Don Quijote, »denn soviel ich einsehe, bedarf ich dessen ungemein.« Es war gerade Freitag, und in der ganzen Schenke nichts als etwas Stockfisch, den die Leute in dieser Gegend Föhr nannten. Man fragte ihn also, ob er vielleicht beliebe, Förchen zu speisen, denn man könne ihm keinen andern Fisch zu essen reichen. Don Quijote, der an Forellen dachte, antwortete: »Wenn es viele Forellchen sind, so können sie eine Forelle vorstellen, denn es läuft auf eins hinaus, ob mir jemand acht Realen einzeln gibt oder ein einziges Stück von achten; es kann überdies wohl zutreffen, daß es sich mit einem Forellchen verhält wie mit einem jungen Kalbe, welches dem Rinde vorzuziehen, sowie auch das Zicklein zarter ist als der Bock; aber es sei, was es wolle, so erscheine es sogleich, denn die Beschwer und Waffenlast können nur durch Erquickung des Innern ertragen werden.« -- Sie setzten also den Tisch der Frische wegen vor die Tür der Schenke, und der Wirt führte ein Stück des schlecht geweichten und übel gekochten Stockfisches auf, nebst einem Brot, schwarz und schmutzig wie seine Waffen. Es war ungemein lächerlich, ihn essen zu sehen, denn da ihn der Helm und das Visier hinderten, konnte er mit den Händen nichts zum Munde führen, wenn es ihm nicht ein anderer gab und hineinsteckte. Eine der Damen bediente ihn auf diese Weise. Ihm aber zu trinken zu reichen war unmöglich, und wäre unmöglich geblieben, wenn der Schenkwirt nicht ein Rohr ausgehöhlt, ihm das eine Ende in den Mund gesteckt und durch das andere den Wein eingegossen hätte. Dies alles ertrug er geduldig, um nicht die Bänder seines Helmes zerschneiden zu lassen.

Indem die Sachen so standen, geschah es, daß ein Schweinschneider in die Nähe der Schenke kam und indem er sich näherte, vier- oder fünfmal auf seiner Pfeife blies. Dies bestätigte Don Quijote völlig darin, daß er sich in einem berühmten Kastell befinde, daß man ihn mit Musik bediene, der Stockfisch Forelle sei, das Brot feine Semmel, die Huren Damen und der Schenkwirt Kastellan des Kastells; und somit hielt er den Anfang seines Auszuges für glücklich genug. Was ihn nur quälte, war, daß er noch nicht zum Ritter geschlagen und er sich mithin nicht gesetzmäßig in ein Abenteuer einlassen dürfe, ohne den Orden der Ritterschaft empfangen zu haben.

~Drittes Kapitel~

Wird erzählt die zierliche Weise, mit der Don Quixote zum Ritter geschlagen wurde

Von diesen Gedanken beunruhigt, ließ er seine magere und schlechte Abendmahlzeit nicht lange währen; als er sie geendigt, rief er den Wirt, mit dem er sich im Stalle verschloß, sich vor ihm auf die Knie niederließ und sprach: »Niemalen werde ich mich von hier aufheben, tapferer Ritter, bis Eure Gütigkeit mir eine Gabe bewilligt hat, um die ich flehe und die Euch zum Ruhme und der ganzen Menschheit zum Nutzen gereichen wird.« Als der Wirt seinen Gast zu seinen Füßen sah und dergleichen Reden vernahm, betrachtete er ihn mit Verwunderung, ohne zu wissen, was er tun oder sagen solle. Er bat ihn, daß er aufstehen möchte, welches jener aber versagte, bis der Wirt ihm die Gabe bewilligte, um die er flehte. »Ich erwartete von Eurer Großmütigkeit nichts anderes, mein gnädiger Herr,« antwortete Don Quijote, »ich verkünde Euch also, daß die Gabe, um die ich gefleht habe, und die mir Euer liebreicher Sinn bewilligt, darin besteht, daß Ihr mich früh, vor Tage, zum Ritter schlagen mögt, und daß ich in dieser Nacht in der Kapelle Eures Kastells die Waffen bewachen dürfe; mit der Frühe wird dann mein höchster Wunsch erfüllt, damit ich, wie es sich gebührt, in alle vier Teile der Welt ziehen könne, Abenteuer aufzusuchen zum Nutzen der Hilfsbedürftigen, wie es das Amt der Ritterschaft und der irrenden Ritter ist, zu denen ich mich bekenne, und dessen Sinn zu solchen Taten gerichtet ist.«

Der Wirt, der wie schon gesagt, ein Schelm war, und wohl einigen Verdacht über die Verstandesabwesenheit seines Gastes haben mochte, war jetzt völlig davon überzeugt, da er diese Reden hörte. Um sich für die Nacht eine Lust zu machen, nahm er sich vor, seiner Laune zu folgen. Er sagte also, daß er sehr gut das verstehe, was er wünsche und flehe und daß dergleichen Begehren sehr natürlich und schicklich für einen so trefflichen Ritter sei, als er schiene und sein heldenmütiger Anstand verkünde; er selbst habe sich in seinen Jugendjahren einigen ehrenvollen Übungen ergeben, sei gleichfalls verschiedene Teile der Welt durchzogen, seine Abenteuer aufzusuchen, sei in den Herbergen von Malaga bewandert, in den Inseln von Riaran, in der Gegend von Sevilla, auf dem kleinen Markte von Segovia, in dem Olivengarten von Valenzia, imgleichen auf dem Platze von Grenada, am Ufer von San Lucar, unter den Rittern von Cordova, den Schenken von Toledo und andern verschiedenen Gegenden, wo er die Gewandtheit seiner Füße und die Geschicklichkeit seiner Hände sehen lassen, dort sei ihm vieler Unglimpf geglückt, dort habe er manche Witwen gewonnen, einige Jungfrauen berückt und wenige Unmündige betrogen; kurz, er habe sich tausend Menschen und vielen vornehmen Gerichtshöfen durch ganz Spanien bekanntgemacht; letztlich aber habe er sich entschlossen, sich in dieses sein Kastell zurückzuziehen, wo er mit seinem Vermögen und fremden Haushalte alle irrenden Ritter aufnehme, von was Art und Stand sie auch sein möchten, aus großer Liebe zu ihnen, und darum auch seine Habe mit ihnen teile, um ihre guten Absichten zu belohnen. Er fuhr fort, daß er in seinem Kastell keine Kapelle habe, wo man die Waffen bewachen könne, weil er sie niedergerissen, um eine neue aufzuführen, daß er aber wisse, daß man die Wache im Falle der Not an jedwedem Orte halten dürfe, und daß er also in dieser Nacht das Wachen in einem Hofe des Schlosses verrichten könne; mit der Frühe wolle er unter Gottes Beistand die nötigen Zeremonien so vornehmen, daß er ihm auf eine Weise den Ritterschlag geben wolle, wie ihn noch kein Ritter in der ganzen Welt erhalten. Er fragte ihn ferner, ob er Geld mit sich führe? -- Don Quijote antwortete, daß er keinen Heller führe, weil er in den Geschichtbüchern von fahrenden Rittern niemals gelesen, daß irgendeiner Geld mit sich geführt habe. Hierauf sagte der Schenkwirt, daß er sich irre, daß, wenn es in den Geschichtbüchern nicht stehe, es den Autoren geschienen, daß es nicht nötig sei, von der Führung so unentbehrlicher Dinge zu schreiben, als Geld und reine Hemden wären, daß sie aber darum niemals gezweifelt, ob die Ritter dergleichen bei sich gehabt; es sei auch zuverlässig und ausgemacht, daß alle irrenden Ritter, von denen so viele Bücher angefüllt sind, auf den Fall der Not immer eine gute Börse bei sich hatten, ingleichen Hemden, wie auch eine kleine Büchse mit Salben, um die Wunden zu heilen, die sie empfangen möchten, denn in den Feldern und Wüsten, wo sie kämpften und die Wunden empfingen, war nicht immer jemand, der sie heilte, wenn sie nicht irgendeinen weisen Zauberer zum Freunde hatten, der sogleich zu Hilfe eilte und durch die Luft in einer Wolke eine Jungfrau oder einen Zwerg mit einem so köstlichen Balsam schickte, daß man nur einen Tropfen davon zu kosten brauchte, um von allen Schmerzen und Wunden so völlig zu genesen, als wenn man gar keine Unpäßlichkeit empfunden. Diejenigen aber, die dergleichen Freunde nicht hatten, bei diesen wandernden Rittern ist es als eine gewisse Sache anzunehmen, daß ihre Edelknaben mit Geld und andern Notwendigkeiten versehen gewesen, wozu besonders Scharpie und Salben zum Verbinden gehören: wenn es aber geschah, daß diese Ritter ohne Edelknaben waren, welches aber in der Tat nur sehr selten der Fall war, so hatten sie selber alles in sehr subtilen Schnappsäcken, die sie hinten auf dem Pferde hatten, daß es aussah, als wär' es ein ander Ding von Wichtigkeit, denn aus obigen Gründen war es unter den irrenden Rittern nicht sonderlich üblich, selber Schnappsäcke zu führen. Der Wirt riet ihm noch einmal, da er ihn schon wie seinen angenommenen Sohn ansähe, welcher er auch binnen kurzem würde, daß er nicht reisen solle, ohne Geld und die vorerwähnten Notwendigkeiten bei sich zu haben, er würde sehen, von welchem Nutzen sie seien, wenn er es am wenigsten gedächte.

Don Quijote versprach seinen Rat auf das pünktlichste zu befolgen, und sogleich wurde ausgemacht, daß er die Waffen in einem Hofe bewachen solle, der zur Seite der Schenke lag. Don Quijote nahm sie alle und legte sie auf einen Trog, der neben einem Brunnen stand, dann nahm er seinen Schild, faßte die Lanze und fing vor dem Troge an, mit edlem Anstande auf und ab zu gehen; indem er diesen Spaziergang anfing, fing die Nacht an völlig hereinzubrechen.

Der Schenkwirt erzählte allen, die in der Schenke waren, von der Torheit seines Gastes, wie er die Waffen bewache und Hoffnung hege, zum Ritter geschlagen zu werden. Alle verwunderten sich über diese seltsame Art von Narrheit und betrachteten ihn von weitem, wie er mit friedlichen Gebärden einmal vorüberging, zurückschritt, sich auf die Lanze stützte und seine Augen auf die Waffen heftete, ohne sich weit von ihnen zu entfernen. Es war völlig Nacht, aber so heller Mondschein, daß alles, was der neue Ritter vornahm, ganz deutlich von allen gesehen wurde.

Es fiel einem von den Maultiertreibern, die in der Schenke waren, ein, seinen Tieren Wasser zu geben. Er mußte dazu notwendig Don Quijotes Waffen wegnehmen, die auf dem Troge standen, aber als dieser ihn nahekommen sah, rief er mit lauter Stimme: »O du, wer du auch seist, übermütiger Ritter, der du dich nahst, die Waffen des allertapfersten Irrenden anzurühren, den je ein Schwert umgürtete, siehe wohl zu, was du tust, berühre sie nicht, wenn du nicht dein Leben als Strafe deines Übermutes verlieren willst.« -- Der Eseltreiber kümmerte sich um diese Reden nicht, aber für sein Wohlbefinden wäre es besser gewesen, wenn er sich darum gekümmert hätte, sondern nahm die Waffen herunter und warf sie eine große Strecke weit von sich. Als Don Quijote dieses erblickte, schlug er die Augen zum Himmel und richtete darauf seine Gedanken wie es schien zu seiner Gebieterin Dulzinea und sprach: »Helft mir, Gebieterin, in dieser ersten Befährdung, die sich dem Euch unterworfenen Herzen darbeut; entzieht mir nicht in diesem ersten Wagestück Eure Gunst und Hilfe.« Indem er dies und andere dergleichen Dinge sprach, warf er den Schild weg, faßte mit beiden Händen die Lanze und gab dem Eseltreiber einen so gewaltigen Schlag auf den Kopf, mit welchem er ihn so behende auf den Boden hinlegte, daß, wenn noch ein zweiter Schlag gefolgt wäre, jener keines Wundarztes zu seiner Heilung bedurft hätte. Nachdem dies getan war, sammelte er die Waffen wieder auf und fing wieder an, mit derselben Gemütsruhe wie erst, auf und ab zu gehen. Kurz nachher, ohne zu wissen, was sich zugetragen (denn der erste Eseltreiber lag noch ohne Bewußtsein auf dem Boden), kam ein anderer, in der nämlichen Absicht, seinen Maultieren Wasser zu geben, er machte Anstalt, die Waffen herabzuwerfen, um den Trog freizumachen. Don Quijote, ohne ein Wort zu sprechen und irgend jemand um seine Gunst zu flehen, warf zum zweiten Male den Schild weg, ergriff zum zweiten Male die Lanze und ohne weitere Umstände schlug er dem zweiten Eseltreiber mehr als dreimal auf den Kopf und eröffnete ihn an vier unterschiedlichen Stellen. Auf das Geschrei liefen alle aus der Schenke zusammen und unter diesen war auch der Schenkwirt. Als Don Quijote sie sah, faßte er seinen Schild, legte die Hand an seinen Degen und sprach: »O Herrin der Schönheit! Kraft und Stärke meines schwachen Herzens! Zu dieser Frist wende die Augen deiner Größe auf deinen gefangenen Ritter, dem ein furchtbares Abenteuer bevorsteht!« -- Hiedurch wurde, nach seinem Urteil, sein Gemüt so erfüllt, daß er nicht einen Fußbreit gewichen wäre, wenn ihn auch alle Eseltreiber in der Welt angegriffen hätten.

Als die Gefährten der Verwundeten dergleichen sahen, fingen sie an, nach Don Quijote aus der Ferne mit Steinen zu werfen, wogegen er sich, soviel es ihm möglich war, mit seinem Schilde verwahrte, es aber dabei nicht wagte, den Trog zu verlassen, um seine Waffen nicht unbeschirmt zu lassen. Der Schenkwirt rief, um sie abzuhalten, dazwischen, er habe es ihnen vorher gesagt, daß er närrisch sei, und daß ihn seine Narrheit freisprechen würde, wenn er sie auch alle umbrächte. Don Quijote aber schrie noch lauter und nannte sie alle Verräter und Nichtswürdige, der Herr des Kastells aber sei ein feiger und schlechtgearteter Ritter, weil er es dulde, daß man also gegen irrende Ritter verführe; sobald er den Orden der Ritterschaft empfangen, wolle er auch über seine Verräterei mit ihm Rücksprache nehmen. -- »Was aber euch übrigen betrifft,« fuhr er fort, »so seid ihr gemeines Gesindel, auf welches ich gar nicht weiter achte; werft, nähert euch, kommt heran und beleidigt mich, soviel ihr könnt, ihr sollt den Lohn empfangen, der eurem Unsinn und Aberwitz gebührt.« Diese Worte sprach er mit so vieler Kühnheit, daß alle, die ihn angriffen, von Furcht befallen wurden. Hiedurch und durch die Überredungen des Schenkwirtes bewogen, hörten sie auf zu werfen, er aber erlaubte den Verwundeten, sich wegzubegeben und kehrte dann zur Bewachung seiner Waffen mit eben der Ruhe und Friedlichkeit zurück, mit welcher er sie begonnen hatte.

Dem Schenkwirt mißfielen die Possen seines Gastes, er beschloß also, sie abzukürzen und ihm lieber sogleich den fatalen Ritterorden zu erteilen, ehe noch mehr Unheil daraus erwüchse. Er ging also zu ihm und entschuldigte sich über die Beleidigung einiger pöbelhaften Menschen, die sie ganz ohne sein Mitwissen verübt, weshalb er sie auch geziemlich ihres Übermutes halber bestraft habe. Er wiederholte, was er ihm schon gesagt hatte, daß er in seinem Kastelle keine Kapelle habe, daß aber zu dem, was noch zu tun, wenig vonnöten sei; alles, was zur Feierlichkeit gehörig, bestehe hauptsächlich im Nackenschlage mit der Hand und im Schulterschlage mit dem Degen, soviel ihm von den Zeremonien des Ordens mitwissend sei, und daß dies mitten auf dem Felde vollbracht werden könne; mehr als genug habe er in der Bewachung der Waffen getan, zu der zwei Stunden hinreichend wären, auf welche er aber mehr als vier aufgewandt habe. Don Quijote glaubte dies alles und antwortete, daß er sogleich bereit sei zu gehorchen und daß er alles so schnell als möglich beendigen möchte, denn wenn man ihn wieder angriffe und er schon zum Ritter geschlagen sei, er keine Person im ganzen Kastell lebendig zu lassen gedenke, diejenigen ausgenommen, die er ihm nennen würde und die er aus Achtung gegen ihn verschonen wolle.

Dieser kluge und vorsorgliche Kastellan nahm sogleich ein Buch, in welchem er seinen Häcksel und die Gerste für die Eseltreiber anschrieb und ging so und mit einem Jungen, der ein Endchen Licht trug, und mit den beiden obengenannten Jungfrauen zu Don Quijote hin. Diesem gebot er, sich auf die Knie niederzulassen, und indem er in seinem Manuale las, als wenn er ein andächtiges Gebet hersagte, erhub er unter dem Lesen die Hand und gab ihm einen guten Schlag an den Hals, hierauf einen zierlichen Rückenschlag mit seinem eigenen Schwert, indem er immer zwischen den Zähnen murmelte, als wenn er etwas hersagte. Dann befahl er der einen Dame, ihm das Schwert umzugürten, die es auch mit vieler Artigkeit und ziemlichem Anstand tat, ob sie gleich große Mühe hatte, bei diesen Zeremonien nicht in ihr erstes Lachen wieder zu verfallen; doch hielten die Tapferkeiten, die sie den neuen Ritter verüben gesehen, die Lachlust in ihren Schranken zurück. Indem sie ihm das Schwert umgürtete, sprach die wackere Dame: »Gott mache Eure Gnaden zu einem glücklichen Ritter und gebe Euch glückliche Kämpfe.« Don Quijote fragte nach ihrem Namen, um zu wissen, wem er für die empfangene Vergünstigung verbindlich, weil er gesonnen, ihr einen Teil der Ehre, die ihm die Tapferkeit seines Armes erwerben würde, abzutreten. Sie antwortete mit vieler Demut, daß man sie Tolosa nenne, sie sei die Tochter eines Pfandlehners zu Toledo gebürtig, jetzt auf den Bleichen von Sanchobienaya ansässig, und daß sie ihm in allen, worin er befehlen, dienen, und ihn für ihren Herrn erkennen wolle. Don Quijote antwortete, daß sie sich aus Liebe zu ihm künftig Fräulein möge nennen lassen, und das Lehn vor ihren Namen setzen, mithin sich also Lehnfräulein zu Tolosa nennen solle. Sie versprach es ihm, und die andere befestigte ihm die Sporen, mit der dasselbe Gespräch, wie mit der Schwertdame begann. Er fragte nach ihrem Namen und sie sagte, daß man sie die Müllerin nenne, denn ihr Vater sei ein angesehener Müller zu Antequera. Don Quijote bat sie gleichfalls, das Don vorzusetzen, und sich Donna Müllerin zu nennen, indem er ihr Dienste und Dankbarkeit anbot.

Nachdem schnell und eilig diese unerhörten Zeremonien beendigt waren, konnte Don Quijote die Zeit nicht mehr erwarten, sich auf dem Pferde zu sehen, um auszuziehen und Abenteuer aufzusuchen. Er lief sogleich zum Rosinante, bestieg ihn und umarmte seinen Wirt, indem er ihm so wunderliche Dinge sagte und seine Verbindlichkeit, daß er von ihm zum Ritter geschlagen, so erhöhte, daß es sich nicht wiederholen und erzählen läßt. Der Schenkwirt, um ihn nur bald aus seiner Schenke zu wissen, antwortete ebenso rhetorisch, aber kürzer und ließ ihn, ohne seine Zehrung zu verlangen, auf gut Glück fortziehen.

~Viertes Kapitel~

Was unserm Ritter begegnete, als er die Schenke verließ

Mit Tagesanbruch verließ Don Quijote die Schenke, so zufrieden, vergnügt und hocherfreut, sich als Ritter zu sehen, daß er fast vor Entzücken den Sattelgurt seines Pferdes zerriß. Er erinnerte sich aber des Rates seines Wirtes, in Ansehung der notwendigen Erfordernisse, die er mit sich führen solle, vorzüglich Geld und Hemden, und beschloß also nach Hause zurückzugehen, um sich zugleich mit einem Edelknaben zu versorgen, wozu er einen Bauern, seinen Nachbar, bestimmte, der arm war und Kinder hatte, ihm aber zum Dienste eines Edelknaben der Ritterschaft vorzüglich tauglich schien.

Mit diesen Vorstellungen lenkte er den Rosinante nach der Gegend seines Dorfes zu, der, als wenn er diese Absicht verstünde, mit solcher Bereitwilligkeit zu laufen anfing, daß es schien, als wenn seine Beine den Boden nicht berührten. Er war noch nicht weit geritten, als es ihm vorkam, als wenn rechts aus einem Gebüsche die schwache Stimme einer Person ertöne, die Klagen führe. Kaum hatte er sie vernommen, als er sprach: »Ich danke dem Himmel für die Gnade, die er mir widerfahren läßt, indem er mir so schnell Gelegenheiten vorführt, die Pflichten meines Standes zu erfüllen und die Früchte meines edlen Entschlusses einzusammeln; ohne Zweifel rühren diese Klagen von einem Genotdrängten oder einer Notgeängsteten her, die meiner Liebe und Hilfe benötigt sind.« -- Er lenkte zugleich den Zügel und ritt mit dem Rosinante dahin, woher ihm die Stimme zu kommen schien. Als er im Gebüsche nur wenige Schritte gemacht hatte, sah er eine Stute an einer Eiche, an einem anderen Eichbaum aber einen Jungen gebunden, der von den Schultern bis zu den Hüften nackt war, ungefähr fünfzehn Jahre alt sein mochte und eben derjenige war, der Klagen geführt hatte, und das nicht ohne Grund, denn ein Bauer von starkem Ansehen gab ihm mit einem ledernen Riemen häufige Streiche und begleitete jeden Streich mit einer Warnung und einem Rat, indem er sagte: »Die Zunge laß stillbleiben, aber die Augen müssen munter sein.« Der Junge antwortete: »Ich will es nicht wieder tun, lieber Herr, um Gottes Barmherzigkeit, ich will es nicht wieder tun, ich verspreche, künftig auf das Vieh mehr acht zu geben.«

Als Don Quijote sah, was vorging, rief er mit erhabener Stimme: »Ungezogener Ritter! Schlecht geziemt es sich, diejenigen zu bekämpfen, die sich nicht verteidigen können; besteigt schnell Euer Roß und ergreift Eure Lanze (denn für eine Lanze sah er das an, was er an der Eiche gelehnt fand, an der die Stute festgebunden war), damit ich Euch zeige, daß es Schändlichkeit sei, also zu verfahren.« -- Der Bauer, der diese ganz geharnischte Gestalt über sich erblickte, die ihm mit der Lanze vor dem Gesicht focht, hielt sich schon für tot und antwortete mit bittender Stimme: »Herr Ritter, der Junge, den ich da abstrafe, ist mein Knecht, der eine Herde Schafe hüten soll, die ich hier in der Gegend halte, aber er ist so unachtsam, daß mir jeden Tag ein Stück fehlt, und darum bestrafe ich seine Unachtsamkeit und Bosheit, denn er sagt, ich tue es aus Geiz, um ihm den Lohn nicht zu bezahlen, den ich ihm schuldig bin, aber bei Gott und meiner Seele, er lügt es.«

»Lügen! in meiner Gegenwart, du gemeiner Bube!« rief Don Quijote aus, »bei der Sonne, die uns bescheint, ich renne dich durch und durch mit dieser Lanze, wenn du ihn nicht ohne Widerspruch bezahlst, oder bei dem Gotte, der uns schirmt und schützt, ich vernichte dich augenblicklich; sogleich binde ihn los!«

Der Bauer hing den Kopf und band ohne ein Wort zu sagen, seinen Knecht los. Diesen fragte Don Quijote, wieviel sein Herr ihm schuldig sei, worauf dieser antwortete: »Neun Monate und jeden Monat sieben Realen.« Don Quijote rechnete es zusammen und fand, daß die Summe dreiundsechzig Realen betrug, er befahl hierauf dem Bauer, sie sogleich auszuzahlen, falls er nicht umkommen wolle; der erschrockene Bauer antwortete, so gewiß er dastehe und geschworen habe, ob er gleich gar nicht geschworen hatte, es betrage nicht so viel, denn man müsse die Kosten von drei Paar Schuhen abrechnen, die er ihm gegeben, ebenso einen Real für zwei Aderlässe, die er ausgelegt habe, als er unpaß gewesen. »Dem mag also sein,« antwortete Don Quijote, »aber was die Schuhe und die Aderlässe betrifft, so magst du sie für die Streiche abrechnen, die du ihm unverschuldet gegeben hast; hat er das Leder deiner von dir bezahlten Schuhe zerrissen, so hast du dafür dasjenige seines Körpers zerrissen, hat der Barbier ihm Blut abgezapft, da er krank war, so hast du es ihm in seiner Gesundheit abgezapft, dafür ist er dir also nichts schuldig.«

»Das Unglück, Herr Ritter, ist nur, daß ich kein Geld bei mir habe, will aber Andres nur mit mir nach Hause kommen, so will ich ihm einen Real auf dem andern bezahlen.«

»Mit ihm gehen!« rief der Junge, »schönen Dank! Nein, mein Herr, daran ist nicht zu denken, denn wenn er mich allein hätte, so würde er mich schinden wie einen Sankt Bartholomäus.«

»Fürchte nichts,« antwortete Don Quijote, »genug, daß ich es ihm bei seiner Ehrfurcht gegen mich gebiete, er soll mir bei dem Orden der Ritterschaft, den er empfangen, schwören, dich freizulassen und den Lohn gewiß zu bezahlen.«

»Seht wohl zu, gnädiger Herr, was Ihr sprecht,« antwortete der Bursche, »denn mein Herr ist kein Ritter, und er hat auch gar keinen Orden der Ritterschaft empfangen, denn er ist ja der reiche Hans Dickbauch, der Nachbar vom Quintanar.«

»Das hindert wenig,« antwortete Don Quijote, »auch Dickbäuche können Ritter sein, um so mehr, da jedermann der Sohn seiner Taten ist.«

»Das ist wahr,« sagte Andres, »aber von was für Taten ist mein Herr ein Sohn, der mir meinen Lohn, meinen sauer verdienten Schweiß verweigert?«

»Ich verweigere dir ihn nicht, Freund Andres,« antwortete der Bauer, »und wenn du nur mit mir kommen willst, so schwöre ich dir bei allen Orden der Ritterschaft in der Welt, ich will dir bezahlen wie ich gesagt habe, einen Real auf dem andern, und obenein lauter blankgeschliffene.«