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Part 12

Die grosse Gruppe der _Leuciscina_ enthält ebenfalls mehrere Arten des Gebietes, die Plötzen, Rotaugen, Döbeln, Orfen, Schleien, Nasen, Elritzen und Strömer. Die +Plötze+ (_Leuciscus rutilus_ L.) ist im ganzen Gebiet wie in ganz Mittel- und Nordeuropa verbreitet und einer der gemeinsten Fische. Dagegen ist der +Frauennerfling+ (_L. virgo_ Heck.) auf die Donau beschränkt, während der +Frauenfisch+ (_L. Meidingeri_ Heck.) zu jenen Bewohnern der tiefen Alpenseen gehört, welche nur zur Zeit der Laichablage gefangen werden können, sonst aber ihr Leben in unzugänglichen Tiefen verbringen. Eine ähnliche Verbreitung wie die Plötze hat das mit ihr oft verwechselte +Rotauge+ oder die +Rotfeder+ (_Scardinius erythrophthalmus_ L.). Auch die +Orfe+ (_Idus melanotus_ Heck.) ist über das ganze Gebiet verbreitet. Eine schöne Varietät derselben ist die Goldorfe (_var. miniatus_). Der +Döbel+ oder +Aitel+ (_Squalius cephalus_ L.) und der +Häsling+ oder +Hasel+ (_S. leuciscus_ L.), sowie die +Elritze+ oder +Pfrille+ (_Phoxinus laevis_ Ag.) sind ebenfalls im Gebiete, namentlich in fliessenden Gewässern, überall zu finden.

Sehr sporadisch trifft man dagegen den +Strömer+ (_Telestes Agassizii_ Val.) an, der ausser im Rhein und in den Zuflüssen der Donau neuerdings auch in einem kleinen Oderzufluss am Zobten aufgefunden ist[21]. Die +Nase+ (_Chondrostoma nasus_ L.) ist ein osteuropäischer Fisch, welcher in den Flussgebieten der Nordsee mit Ausnahme der Elbe (wie der Zander) fehlt. Eine andere Nasenart, _C. Genei_ Bon., welche im allgemeinen auf Südeuropa beschränkt ist, wird von +Siebold+ auf Grund eines gelegentlichen Vorkommens zur Fauna des Rheins gerechnet.

Die +Schleie+ (_Tinca vulgaris_ C.) ist ein in ganz Europa verbreiteter Fisch weichgründiger Gewässer.

Zweifelhaft ist es, ob man zu den Cypriniden auch die kleine Gruppe der Acanthopsiden oder +Schmerlen+ zu rechnen hat, die sich namentlich durch ihre knöcherne Schwimmblasenhülle und durch den Bau ihrer Unterschlundknochen von den ihnen sonst nahestehenden Cypriniden unterscheiden. Aus unserer Fauna gehören hierher die Steinbeisser, Schlammpeitzker und Schmerlen. Der +Steinbeisser+ (_Cobitis taenia_ L.) findet sich durch ganz Europa, die +Schmerle+ (_C. barbatula_ L.) auch in Asien, der +Schlammpeitzker+ (_C. fossilis_ L.) endlich in Asien und dem östlichen Europa mit Einschluss unseres Gebietes.

Eine ganz isolierte Stellung nimmt die kleine Familie der Umbriden ein, welche nur aus zwei Süsswasserarten besteht, von denen die eine im mittleren Nordamerika, die andere, der +Hundsfisch+ (_Umbra Crameri_ Müll.), in einigen Nebengewässern der unteren Donau (Neusiedler See, Plattensee u. a.) und anscheinend auch in anderen Teilen des Pontischen Gebietes sich vorfindet.

Die Familie der +Salmoniden+[22] ist bei uns durch fünf Gattungen vertreten, deren Arten grossenteils zur Varietätenbildung neigen, sodass eine Übereinstimmung unter den Fischkundigen über die Abgrenzung der Arten in mehreren Fällen noch nicht erzielt ist. Die meisten Arten sind als Sport- und Speisefische hochgeschätzt und werden als Edelfische bezeichnet. Die Gattungen, welche hierher gehören, sind: die Maränen oder Renken, die Aesche, der Stint, die Saiblinge und die Forellen und Lachse.

Es ist schon erwähnt, dass die Salmoniden sich anscheinend von Norden her verbreitet haben, dass sie noch jetzt im Norden die stärkste Artentwickelung besitzen und in unserem Gebiet meist kühle Wohnplätze aufsuchen. Solche finden die Bewohner der Seen in den sehr tiefen Seen der Alpen und in einigen norddeutschen Seen, in Tiefen, in welchen beständig eine Temperatur von nur 2–6° _C._ herrscht. Grösstenteils Bewohner solcher Seen sind die Maränen oder Coregonen. +Nüsslin+[23] hat die Arten derselben nach der Form der Schnauze und der Bezahnung der Kiemenbögen geschieden; nach diesem System hat man zu unterscheiden: den +Nordseeschnepel+ (_Coregonus oxyrhynchus_ L.), einen Wanderfisch, der die Nordsee bewohnt und ihre Ströme zur Laichzeit aufsucht, die +kleine Maräne+ (_C. albula_ L.), die in den tieferen Seen der baltischen Seenplatte von Holstein bis nach Russland hinein, sowie in den skandinavischen Seen lebt, den +Kilch+ oder +Kropffelchen+ (_C. hiemalis_ Jur.) aus der Tiefe des Bodensees und des Ammersees, den +Ostseeschnepel+ (_C. lavaretus_ L.), der die Ostsee bewohnt und in den Buchten und Haffen derselben laicht, die +Madümaräne+ (_C. maraena_ Bl.) aus dem Madüsee in Pommern, die +Bodenrenke+ (_C. fera_ Jur.) aus den tiefen schweizerischen, oberösterreichischen und bayrischen Seen, die +Pulsseemaräne+ (_C. generosus_ Peters)[24] aus dem Pulssee in der brandenburgischen Neumark[25] (Ostseeschnepel, Madümaräne, Bodenrenke und Edelmaräne werden von Anderen für Varietäten einer Art gehalten)[26], ferner den +Blaufelchen+ (_C. Wartmanni_ Bl.) aus den tieferen nordalpinen Seen, die +Traunseemaräne+ (_C. Steindachneri_ Nüssl.), +Pfäffikoner Maräne+ (_C. Sulzeri_ Nüssl.) aus dem Traunsee bezw. Pfäffikoner See, und den +Gangfisch+ (_C. macrophthalmus_ Nüssl.) aus dem Bodensee (die drei letztgenannten Arten werden von anderer Seite für Varietäten des Blaufelchen gehalten).

Die +Aesche+ (_Thymallus vulgaris_ Nils.) ist ein anderer Salmonide, der kleine, raschfliessende Flüsse im ganzen Gebiete bewohnt und über dasselbe hinaus durch Europa verbreitet ist; verwandte Formen finden sich in Nordasien und Nordamerika. Der +Stint+ (_Osmerus eperlanus_ L.) findet sich an den Küsten des nördlichen Teiles des Atlantischen Ozeans und in dessen Zuflüssen, in denen er laicht. Im Rhein ist er nicht beobachtet worden. In einigen norddeutschen Seen kommt er ebenfalls vor, ohne zum Meere zu wandern.

Die naheverwandten Gattungen der Saiblinge, Lachse und Forellen hat man nach +Siebolds+ Vorgange nach der Bezahnung des in der Gaumendecke liegenden Pflugscharbeins unterschieden. Das Pflugscharbein der Saiblinge (_Salmo_) hat eine bezahnte Platte, aber einen unbezahnten Stiel; das der Lachse (_Trutta_) hat einen bezahnten Stiel bei unbezahnter Platte, während bei den Forellen (_Trutta_) sowohl Stiel wie Platte bezahnt sind. Der +Saibling+ (_Salmo salvelinus_ L.) bewohnt die tiefen Gebirgsseen Mittel- und Nordeuropas. Der ebenfalls zu den Saiblingen gerechnete +Huchen+ (_S. hucho_ L.) kommt ausschliesslich im Donaugebiete vor. Der +Lachs+ (_Trutta salar_ L.) bewohnt den nordatlantischen Ozean, mit Ausschluss des Schwarzen Meeres und des Mittelmeeres, und steigt in die Flüsse, welche sich in die von ihm bewohnten Meere ergiessen, zum Laichen auf. Die Forellen unterscheidet man als +Bachforelle+ (_T. fario_ L.), +Seeforelle+ (_T. lacustris_ L.) und +Meerforelle+ (_T. trutta_ L.). Die beiden letzteren Arten sind ursprünglich wohl Abarten der Bachforelle[26], aber durch verschiedene Lebensweise und körperliche Abweichungen von ihr unterschieden. Während die Bachforelle in raschfliessenden Bächen im ganzen Gebiete lebt, bewohnt die Seeforelle die tiefen Gebirgsseen, die Meerforelle die Nord- und Ostsee; alle drei Arten laichen aber ausschliesslich in Bächen, in welche die See- und die Meerforelle zu diesem Zweck aufsteigen. Die Meerforelle hat also eine ähnliche Lebensweise wie der Lachs, mit dem sie deshalb oft verwechselt wird.

Die Familie der +Hechte+ (Esociden) ist bei uns durch den allbekannten, in allen süssen Gewässern Europas, Nordasiens und Nordamerikas lebenden _Esox lucius_ L. vertreten.

Aus der Familie der +Heringe+ (Clupeiden) sind zwei Wanderfische zu unserer Fauna zu rechnen, der +Maifisch+ (_Alosa vulgaris_ C.) und die +Finte+ (_Alosa finta_ C.). Ersterer bewohnt die Küstengegenden im nördlichen Atlantischen Ozean, die letztere verbreitet sich noch mehr südlich und östlich bis zum Nil. Beide besuchen zum Laichen die Süsswasserströme. Die Weichsel wird indessen nur von der Finte besucht. Zur Familie der +Muräniden+ gehört unser +Aal+ (_Anguilla vulgaris_ Flem.), der in allen Flüssen lebt, die in den Nordatlantischen Ozean gehen, mit Einschluss des Mittelmeergebietes, mit Ausschluss aber der Pontischen Flüsse.

Wenden wir uns nun von den Knochenfischen zu den +Ganoiden+, so finden wir die Familie und Gattung der +Acipenserinen+[27] in mehreren Arten vertreten. Der +Stör+ (_Acipenser sturio_ L.) ist ein Wanderfisch und bewohnt den Nordatlantischen Ozean mit Ausschluss des Mittelmeeres und seiner Nebenmeere, also auch des Schwarzen Meeres. Das letztere wird dagegen von mehreren verwandten Arten bewohnt. Es sind dies der +Glattdick+ (_A. glaber_ Heck.), der +Scherg+ (_A. stellatus_ Pall.), der +Dick+ (_A. schypa_ Güldenst.), der +Waxdick+ (_A. Güldenstädtii_ Brandt) und der +Hausen+ (_A. huso_ L.). Alle diese Störe wandern zur Laichzeit in die Flüsse, die letztgenannten in die Donau und die anderen Ströme des Pontusgebietes, der Stör in die europäischen und amerikanischen Flüsse seines Wohngebietes, um hier zu laichen. Mehr Standfisch ist der +Sterlet+ (_A. ruthenus_ L.), welcher die Pontischen Flüsse, ausserdem aber auch die in das Eismeer mündende Düna bewohnt und das Meer in der Regel nicht aufsucht.

Aus der Ordnung der +Cyclostomen+ endlich, deren von den übrigen Fischen völlig abweichender Bau Anlass gegeben hat, diese Tiere von der Klasse der Fische ganz auszuschliessen, gehören zu unseren Süsswasserfischen zwei Vertreter der Familie der Petromyzontiden, das +Flussneunauge+ (_P. fluviatilis_ L.), ein Wanderfisch, der zum Zweck der Laichablage aus dem Meere in die Süsswasserströme wandert, wo seine Larve mehrere Jahre lang aufwächst, und das +Bachneunauge+ (_P. Planeri_ Bl.), welches sein ganzes Leben in Bächen und kleinen Flüssen zubringt. Beide Arten sind durch die ganze arktische Region verbreitet.

Überblickt man die jetzige Ausbreitung unserer Fischarten, so lassen sich zwei Hauptrichtungen der Verbreitung erkennen, eine aus Nordwesten bezw. Nord und West kommende, und eine aus Südost bezw. Süd und Ost kommende. Der ersteren ausschliesslich gehören die Fische des nordatlantischen Küstengebietes an: die Stichlinge, Stint, Lachs, Nordseeschnepel, Meerforelle, Maifisch, Finte, Aal und Stör. Alle diese Fische sind von dem Gebiet des Schwarzen Meeres (Donaugebiet) ausgeschlossen, während demselben ausschliesslich angehören: Wolgazander, die Streber, Schrätzer, Seerüssling, Pleinzen, Mairenke, Frauennerfling, Hundsfisch, Huchen, Glattdick, Dick, Scherg, Waxdick und Hausen. Eine kleine Reihe von anderen Fischen weist auf allmähliche Verbreitung von Ost nach West hin: der Wels, der seine Westgrenze im Rhein hat, die Zärthe, die westlich der Weser sich nicht findet, der Zander und die Nase, deren Verbreitung nach Westen mit der Elbe abschliesst, endlich die Ziege, welche nicht über die Oder hinaus nach Westen geht. Noch andere Fische finden sich im Gebiet stellenweise, so aus dem Süden eingewandert der _Barbus Petenyi_, der _Gobius uranoscopus_, der Strömer, das _Chondrostoma Genei_, aus dem Osten der Sterlet, ferner an gewisse Örtlichkeiten gebunden der karpathische Kaulkopf, der Ostseeschnepel, endlich die auf die tiefen Seen beschränkten Arten: der Frauenfisch, die kleine Maräne, die übrigen Felchen- und Renkenarten, der Seesaibling und die Seeforelle.

Die übrigen Fische sind dem ganzen Gebiete gemeinsam. Eine kleine Zahl von ihnen ist über die ganze arktische Region (Nordasien, Europa und Nordamerika) verbreitet: Barsch, Aalquappe, Hecht, Fluss- und Bachneunauge. Einige finden sich allgemein im Norden der alten Welt: Kaulbarsch, Kaulkopf, Karausche und Bachforelle. Die übrigen gehören dem europäischen Gebiete nördlich von den Alpen an und sind teilweise bis Asien hinein verbreitet, nämlich die meisten Cypriniden, die Acanthopsiden sowie die Aesche.

Haben wir uns in dem bisherigen über die in unserm Gebiet vorkommenden Arten und ihre Verbreitung orientiert, so wenden wir uns nun zur Betrachtung der Lebensverhältnisse derselben, welche wir am besten an der Hand ihres Körperbaues[28] und ihrer Organe kennen lernen.

Die äussere Körperdecke, die +Haut+, ist wie bei den höheren Wirbeltieren eine doppelte, indem sie aus der Oberhaut oder Epidermis und der Lederhaut oder dem Corium zusammengesetzt ist. Die Oberhaut besteht aus einer mehrschichtigen Lage von Zellen, deren äusserste Schichten zerfallen und in Gemeinschaft mit dem Schleim einzelner grosser Drüsenzellen die Oberfläche der Haut schlüpfrig machen. Die unter der Oberhaut liegende Lederhaut besteht aus Bindegewebsfasern und ist meist sehr zähe (Aal). In taschenförmigen Vertiefungen dieser Haut liegen die +Schuppen+[29], Hornplättchen, welche sich meist dachziegelartig decken und einen dichten Schutzpanzer bilden (Perciden, Cypriniden, Salmoniden, Clupeiden, Hecht). Bei dem Hundsfisch ist auch der Kopf mit Ausnahme der Schnauze mit Schuppen bedeckt, während derselbe bei den übrigen Fischen frei von Schuppen ist. Bei manchen Fischen sind die Schuppen so fein und die Oberhaut so dick, dass die Schuppen nicht ohne Weiteres erkannt werden können (Aal, bei dem sie in Zickzacklinien liegen, Aalquappe, Schleihe, Schmerlen). Die Stichlinge tragen an Stelle der Schuppen an den Seiten schmale dünne Knochenschienen, welche zusammenhängende Seitenpanzer bilden. Der Körper der Störe ist mit starken, mit scharfen Höckern versehenen Hautknochen als wirksamem Schutz besetzt. Ganz ohne Hautbewehrung sind von unseren Fischen die Kaulköpfe, der Wels und die Neunaugen.

+Der Silberglanz+, welchen die meisten Fische zeigen, wird dadurch hervorgerufen, dass die Oberfläche der Lederhaut (bezw. die Innenseite der Schuppen) mit einer Lage von mikroskopisch kleinen, krystallartig geformten Plättchen bedeckt ist, welche neben Kalk auch Guanin[30] enthalten[LXXIV]. Letzterer Stoff findet sich auch in der glanzlosen Haut der Neunaugen[31]. Bei manchen Fischen bringen die Glanzkörperchen, namentlich zur Laichzeit, schöne Interferenzfarben hervor (Stichling, Bitterling u. a.). Sie werden in der Farbenwirkung unterstützt durch die +Farbzellen+ (Chromatophoren)[32], welche in der Lederhaut liegen. Die meisten Farbzellen sind mit schwarzem Farbstoff, viele auch mit rotem oder gelbem Farbstoff gefüllt. Die letzteren, Zooerythrin und Zoofulvin, kommen nach +Krukenberg+[33] auch bei den Vögeln vor, fehlen aber eigentümlicherweise ganz bei allen anderen Wirbeltierklassen. Die Farbzellen der Fischhaut haben in hohem Grade die Fähigkeit, sich bald fast punktförmig zusammenzuziehen, wodurch sie fast unsichtbar werden, bald sich wieder zu sternförmigen, weit ausgebreiteten Körpern auszudehnen und damit ihre Farbe zur Wirkung zu bringen. Auf diese Weise kann die Farbe der Fische sich der ihrer Umgebung anpassen und dadurch den Fisch vor Verfolgern schützen oder die Wachsamkeit seiner Beute täuschen. Dieser Farbwechsel ist von der eigenen Lichtempfindung des Fisches abhängig; geblendete Fische zeigen nach +Pouchet+[34] diese Farbanpassung nicht. Bei manchen Fischarten, namentlich Cypriniden (Karausche, Schleihe, Orfe, Barbe, Plötze), finden sich Varietäten, denen die schwarzen Farbzellen ganz oder stellenweise fehlen, während die roten und gelben stark entwickelt sind. Diese Varietäten werden oft als Zierfische in Parkteichen gezogen. In seltenen Fällen sind auch die roten Farbstoffe nicht entwickelt (Albinismus), oder die Silberglanzkörperchen fehlen (Alampia). Normal fehlen die Glanzkörper beim Stint.

[LXXIV] Der Schuppenglanz mancher Cypriniden wird im grossen rein gewonnen zur Herstellung der Farbe künstlicher Perlen.

Seine Stütze erhält der Fischkörper durch die ihn der Länge nach durchziehende +Wirbelsäule+. Bei den Knochenfischen besteht dieselbe aus durchbohrten bikonkaven cylindrischen Knochenstücken, den Wirbeln, deren Innenräume durch die elastische Chorda ausgefüllt sind. Nach oben und unten setzen sich an jeden Wirbelkörper paarweise knöcherne Fortsätze an, die Rücken- und Bauchstrahlen. Die Rückenstrahlen jedes Wirbelkörpers bilden einen Kanal, indem sie an ihren oberen Enden mit einander verschmelzen. In dem so gebildeten Kanal an der Oberseite der Wirbelsäule liegt das Rückenmark. Die Bauchstrahlen verschmelzen nur im Schwanzteil des Fischkörpers mit einander zu einem Kanal, der die grossen Blutgefässe des Schwanzes[LXXV] aufnimmt. Im Vorderteil des Körpers bilden sie als Rippen die Stützen der Seitenwände der Leibeshöhle.

[LXXV] Diese Blutgefässe sticht man beim Schlachten grosser Fische an, die man durch Verblutung töten will.

Die +Körperform+ der Fische ist entweder eine seitlich mehr oder minder zusammengedrückte, oder mehr spindelförmig bis walzig. Erstere Form zeigen am stärksten ausgeprägt der Bressen und die Seekarausche, letztere der Aal und die Neunaugen, sowie die Aalquappe, der Schlammpeitzker, der Wels, der Kaulkopf, lauter Fische, die vorzugsweise am Grunde der Gewässer leben und sich gelegentlich auf demselben schlängelnd bewegen. Die hauptsächliche +Bewegungsart+ unserer Fische ist aber das Schwimmen im freien Wasser, und hierzu ist der Fischkörper nicht nur selbst in geeigneter Weise geformt, sondern auch mit besonderen Anhängen versehen, den +Flossen+. Die Flossen sind gebildet durch Häute, welche durch eingelagerte bewegliche knöcherne Spangen ausgespannt werden können, etwa wie ein Schirm oder ein mit Zeug bezogener Fächer. Man unterscheidet paarige Flossen, welche an den Seiten des Körpers stehen, und unpaare Flossen, welche in der Mittellinie des Rückens und des Schwanzes stehen.

Die paarigen Flossen sind meist zu zwei Paaren vorhanden, welche man nach ihrer gewöhnlichen Stellung als Brustflossen und Bauchflossen unterscheidet; sie entsprechen den Gliedmassen der höheren Wirbeltiere. Sie sind an Knochen befestigt, welche bei den Brustflossen mit dem Kopf, bei den Bauchflossen unter einander verbunden sind. Sie fehlen ganz den Neunaugen, während der Aal nur Brustflossen, keine Bauchflossen hat. Die unpaaren Flossen unterscheidet man je nach ihrer Lage als Rückenflossen, Schwanzflossen und Afterflossen. Rückenflosse und Afterflosse sind dadurch am Fischkörper befestigt, dass jeder Strahl der Flosse scharnierartig verbunden ist mit einer Knochenschiene von kreuzförmigem Querschnitt, welche im Körper des Fisches liegt und sich je an einen Rückenstrahl bezw. Bauchstrahl der Wirbelsäule anlehnt. Rückenflossen sind in Zweizahl vorhanden bei den Perciden, Aalquappe, Kaulkopf und den Neunaugen. Bei den Stichlingen sind die ersten Strahlen, ebenso wie die Bauchflossen, zu einzeln stehenden, teilweise zackigen Stacheln umgewandelt, welche als Waffen dienen. Bei den Salmoniden findet sich hinter der Rückenflosse eine kleine sogenannte Fettflosse, welche diese Familie von allen anderen einheimischen Fischen leicht unterscheiden lässt. Diese Fettflosse wird als ein Überbleibsel aus dem Larvenstadium des Fisches betrachtet; sie hat keine festen knöchernen Strahlen, wie die übrigen Flossen, sondern an deren Stelle nur weiche hornige Fäden, wie alle Flossen der Neunaugen, der Haie und Rochen und der eben ausgeschlüpften Jungen der Knochenfische. Die Afterflosse fehlt nur den Neunaugen. Sie beginnt stets kurz hinter der Afteröffnung. Die Schwanzflosse liegt bei den meisten Fischen mit dem grössten Teil unterhalb der Wirbelsäule. Die trotzdem vorhandene Symmetrie des Schwanzes wird dadurch ermöglicht, dass die letzten Wirbelkörper zu einem Stiel verschmolzen und so nach oben gebogen sind, dass die Unterseite der Wirbelsäule und die an sie sich ansetzenden Schwanzflossenstrahlen nach hinten gerichtet sind.

Sehen wir uns nun nach den +Muskeln+ um, welche die Bewegungen des Fisches bewirken, so finden wir zunächst zu beiden Seiten der Wirbelsäule starke Fleischmassen, welche leicht einen eigentümlichen Bau erkennen lassen. An jeden Wirbelkörper setzen sich beiderseits Muskelplatten an, welche hohlkegelförmig gewölbt sind, so dass ein Querschnitt durch den Fischkörper mehrere hinter einander liegende Muskelplatten ringförmig blosslegt. Die vier an einer Stelle der Wirbelsäule sich ansetzenden Muskelplatten bilden einen Muskelabschnitt (_Myokamma_). Die Muskelabschnitte sind unter sich durch dünne Bindegewebshäute (Ligamente) getrennt[LXXVI], die einzelnen Muskelbündel liegen in den Muskelabschnitten in der Längsrichtung des Fisches, ihre Enden setzen sich daher nicht an Knochen, wie die meisten Muskeln der höheren Wirbeltiere, sondern an Ligamente an (interligamentale Muskulatur). Die Muskelplatten bilden zusammen zwei grosse Seitenmuskeln, welche den grössten Teil des Fischkörpers einnehmen und die Bewegungen des Schwanzes bewirken. Neben den Seitenmuskeln treten die Muskeln des später zu betrachtenden Kopfes und die der Flossen an Umfang sehr zurück. Die Muskulatur der unpaaren Flossen besteht aus zahlreichen kleinen Muskelzügen, welche einerseits an die inneren Halteknochen der Flossen, anderseits an die Flossenstrahlen sich ansetzen (interosteale Muskulatur) und die letzteren aufrichten, niederziehen und seitwärtsbiegen können. Bei den paarigen Flossen wird die Ausbreitung und die fächelnde Bewegung, welche dieselben ausführen, durch stärkere Muskelbündel bewirkt, welche ebenfalls an den inneren Gerüstknochen dieser Flossen befestigt sind. Wie kommt nun mittels der Flossen und ihrer Muskeln die +Ortsbewegung+ zu stande[35]? Die Flossen, die paarigen sowohl wie die unpaaren, sind für sich allein nicht im stande, den Fisch schwimmend zu erhalten, wie durch Versuche festgestellt ist. Die paarigen Flossen halten den Fisch, wenn er im freien Wasser schwimmend steht, im Gleichgewicht, auch wirken sie mit bei Wendungen und bei der Rückwärtsbewegung sowie beim plötzlichen Aufhalten. Die unpaaren Flossen können durch leichte wellenförmige Bewegungen eine langsame Vorwärtsbewegung des Fisches bewirken. Das rasche Schwimmen der Fische dagegen wird durch Ruderschläge des Hinterleibes bewirkt, dessen Fläche, um den Widerstand des leicht ausweichenden Wassers zu erhöhen, durch Aufrichten der unpaaren Flossen vergrössert werden kann, wobei die Schwanzflosse hauptsächlich als Steuer dient. An diesen Bewegungen, welche durch abwechselnde Kontraktionen der beiden Seitenmuskeln vor sich gehen, nimmt der hintere Teil des Körpers teil, welcher durch eine durch die Vorderenden der Rückenflosse und der Afterflosse gelegte Ebene abgegrenzt wird. Der Körperteil vor dieser Ebene enthält die +Leibeshöhle+ mit ihren Organen der Blutzirkulation, der Verdauung und der Fortpflanzung. Ein +Zwerchfell+ trennt die kleine +Brusthöhle+, welche das Herz enthält, von der geräumigen Bauchhöhle.

[LXXVI] Beim Erwärmen des toten Fischkörpers lösen sich diese Häute unter Leimbildung auf, sodass die einzelnen Muskelplatten sich von einander trennen und leicht schollenartig auseinanderfallen. In den Ligamenten liegen namentlich bei den Perciden und Cypriniden feine, spitze Stützknochen, Fleischgräten, welche sich als Knochen beim Kochen nicht auflösen.

Das +Herz+[36] liegt, vom Herzbeutel umschlossen, dicht hinter dem Kopfe. Es besteht aus der muskulösen Herzkammer und der dünnwandigen Vorkammer, die durch ein Klappenventil getrennt sind. Der Vorkammer schliesst sich der _Sinus venosus_ an, der das Venenblut aufnimmt und der Vorkammer zuführt. Aus der Herzkammer entspringt, mit einer Anschwellung (_Bulbus aortae_) beginnend, die Kiemenarterie, welche das venöse Blut aus dem Herzen in die Kiemen führt. Aus den Kiemen sauerstoffreich zurückkehrend sammelt sich das Blut in der grossen Körperarterie (_Aorta descendens_), aus welcher es sich in die Organe des Körpers verteilt. Das hier gebrauchte Blut wird zur Ausscheidung der nicht gasförmigen Stoffwechselprodukte durch die Leber und die Niere geführt. Das Produkt der Leber[37], die +Galle+, sammelt sich in der Gallenblase und gelangt aus dieser in den Darm. Das Produkt der Nieren, der +Harn+, wird durch die Harnkanälchen in die beiden Harnleiter und sodann in der Regel zunächst in eine Erweiterung des gemeinsamen Endteils derselben, die Harnblase, geführt, von wo er durch einen Ausführungsgang hinter dem After nach aussen gelangt. Bei den Fischen liegen die +Nieren+ an der Decke der Bauchhöhle als zwei dicht an der Wirbelsäule durch die ganze Länge der Bauchhöhle sich erstreckende, grossenteils mit einander verschmolzene, dunkelrote, sehr weiche Organe. Sie dienen bei den Fischen nicht allein zur Harnabsonderung, sondern sie sind daneben, wie auch wahrscheinlich die zwischen den Eingeweiden liegende +Milz+[38], die Vermehrungsstätten der roten Blutkörperchen[39].

Die Organe der Ernährung und ihre Hilfsorgane liegen teils in der Mundhöhle, teils in der Bauchhöhle. Die +Mundhöhle+ nimmt den unteren Teil des Kopfes ein, während in dem oberen, in einer Kapsel aus Knorpel (Neunauge, Stör) oder Knochen (bei den meisten Knochenfischen), das Gehirn eingebettet ist. Die Knochen, welche den vorderen Teil des Bodens des Hirnschädels bilden, sind das Dach der Mundhöhle, deren Seitenwände und Boden teils aus den Kiemenbögen und den ihnen homologen Knochenbögen, den Unterschlundknochen und dem Zungenbein, teils aus den Kieferknochen, und aus ihren häutigen und muskulösen Verbindungen bestehen. Die Öffnungen zwischen den Kiemenbögen führen in die Kiemenhöhlen, welche nach aussen durch die mehr oder minder beweglichen Kiemendeckel geschlossen sind.

Alle Knochen der Mundhöhle sind mit einander beweglich verbunden, sodass die Mundhöhle bedeutender Erweiterung fähig ist. Je nach der Nahrung des Fisches sind die Gestalt der Mundöffnung und die Bezahnung der Mundknochen verschieden. Die Perciden, Kaulköpfe, Aalquappe, Wels, auch manche Cypriniden, wie Rapen, Döbel, Orfe, ferner die Aesche, der Stint, die Salmo- und Trutta-Arten, Hecht und Aal haben ein breites, weit aufsperrbares Maul und, mit Ausnahme der Cypriniden, auf mehr oder minder zahlreichen Knochen desselben teils nur feine Zähnchen, die in grosser Zahl mehr oder minder dicht beisammen stehen (Sammet-, Bürsten-, Hechelzähne, z. B. beim Aal, Barsch, Wels), teils zwischen diesen noch grössere Fangzähne (Zander, Hecht, Lachs, Forelle)[40]. Diese Fische sowie die Stichlinge nähren sich ausschliesslich, wie Lachs, Hecht, Wels und Zander, oder teilweise von Fischen, welche sie, auch wenn sie über die Mundhöhle hinausragen, mittels der Zähne festhalten können. Die meisten Cypriniden, Maränen und Clupeiden haben dagegen eine kleine rundliche oder mehr hohe als breite Mundöffnung, welche am Ende einer rüsselartig vorstreckbaren, häutigen Röhre liegt, die oben von den halbringförmigen Zwischen- und Oberkieferknochen, unten von dem Unterkiefer gestützt wird. Mittels dieses Saugrüssels schlürfen diese Fische ihre aus kleinen niederen Tieren bestehende Nahrung ein, nach welcher sie teils im freien Wasser, teils an den festen Gegenständen in demselben, den Pflanzen, Steinen, dem Holzwerk, oder auf dem Grunde suchen. Sie finden hier kleine Crustaceen aus den Ordnungen der Cladoceren, der Ostracoden, der Copepoden, ferner die das Wasser bewohnenden Larven vieler Insekten, namentlich der Mücken und Eintagsfliegen, auch Würmer, Rädertiere, kleine Weichtiere, nehmen wohl auch die schleimigen Massen der Kieselalgen und den für sie allerdings unverdaulichen Mulm zerfallener Pflanzenteile, Sand und Schlamm ein, verschonen auch nicht, wie hier gleich erwähnt sein mag, Eier und Brut von Fischen, selbst nicht die eigene Nachkommenschaft. Man unterscheidet die letztgenannte Gruppe von Fischen als Kleintierfresser oder Friedfische von den ersterwähnten Raubfischen[41].

Während die Kiemenspalten der breitmäuligen Fische ziemlich weit und nur mit weitläufig gestellten Zähnen versehen sind, sind die Kiemenspalten der engmäuligen Fische eng, meist kurz, die Kiemenbogen sind an der Innenseite mit je zwei Reihen dicht gestellter Stäbchen besetzt, welche in einander greifend einen reusenartigen Verschluss bilden, durch den wohl das in die Mundhöhle aufgenommene Wasser, nicht aber die feinkörnige Nahrung in die Kiemenhöhle entweichen kann. Am Gaumen vieler Cypriniden findet sich ein muskulöser Wulst, welcher Sinnesorgane (Schmeckbecherchen) enthält. Jede Berührung dieses Organs bringt eine Anschwellung der berührten Stelle hervor. Es scheint auch durch seine Kontraktionen beim Aufsaugen der Nahrung mitzuwirken.

Am hinteren Abschluss der Mundhöhle haben die Cypriniden, welche sonst ganz zahnlos sind, auf den Unterschlundknochen stumpfe aber starke Zähne, deren bei den einzelnen Arten verschiedene Form ein vorzügliches Mittel zur Abgrenzung und Erkennung der Arten ist. Diesen Zähnen gegenüber steht am Gaumen eine harte Knorpelplatte. Zwischen den Zähnen und der Gaumenplatte wird die Nahrung zerdrückt. Die Zähne werden bei den Cypriniden nach +v. Siebold+ jährlich in der Laichzeit abgestossen und erneuert.