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Part 13

Abweichend von dem Maul der übrigen Fische ist das der Neunaugen gebaut. Es ist eine am vorderen Körperende gelegene Saugscheibe, welche mit mehreren zahntragenden Hornplatten ausgestattet ist. Es dient dem Fisch vornehmlich dazu, sich an feste Gegenstände oder an seine Beute anzusaugen. Die letztere wird dann mittels der Zähne angebohrt und ausgesaugt.

Das durch die Kiemenspalten abfliessende Wasser gelangt in die +Kiemenhöhlen+, in welchen sich die Kiemenbögen befinden. Die Kiemenbögen bestehen aus gebogenen rinnenförmigen Knochenplatten mit nach unten gekehrten Rinnen. In diesen Rinnen laufen die Blutgefässe, welche das Blut aus dem Herzen in die Kiemen leiten, und andere, die das Blut aus den Kiemen dem Körper zuführen. In den Kiemenblättchen, welche an jedem Bogen in zwei Reihen dicht gedrängt stehen, tritt das kohlensäurehaltige Blut mit dem sauerstoffhaltigen Wasser in Gasaustausch, das Blut tritt sauerstoffreich in den Körper zurück, während das verbrauchte Atemwasser unter dem Kiemendeckel durch die Kiemenöffnung abfliesst und durch neues aus der Mundhöhle ersetzt wird. In der Regel sind vier Paar Reihen von Kiemenblättchen auf jeder Seite des Kopfes vorhanden. An der Innenseite des Kiemendeckels sitzt häufig noch eine sogenannte Nebenkieme (z. B. beim Stör), welche aber funktionslos ist. Die Acanthopsiden (Schlammpeitzker, Steinbeisser und Schmerle) können im Notfalle auch durch den Darm die Atmung vollziehen, indem sie Luft einschnappen und durch den Darm treten lassen, wobei sie einen quietschenden Ton erzeugen. Die anderen Fische atmen dagegen hauptsächlich durch die Kiemen. Manche Fische, welche einen sehr fest schliessenden Kiemendeckel haben, wie der Aal und viele Cypriniden, können stundenlang, selbst tagelang ausserhalb des Wassers zubringen, ohne zu ersticken, indem die Wassermenge, welche in den nach aussen fest geschlossenen Kiemenhöhlen zurückgehalten ist, genügt, um die Aufnahme der durch den Mund eingeschnappten Luft durch die Kiemen zu vermitteln. Andere Fische, namentlich die mit sehr weiten Kiemenspalten und kurzen Kiemendeckeln versehenen Salmoniden, sterben aus dem Wasser genommen sehr bald ab. Bei den Neunaugen weichen auch die Kiemen von denen der anderen Fische ab. Sie sind nicht an Kiemenbögen befestigt, sondern bestehen jederseits in sieben Säckchen, welche durch ein festes Knorpelgerüst gestützt werden, und im Innern mit zahlreichen Kiemenfalten, welche die Stelle der Kiemenblättchen vertreten, bekleidet sind. Das Atemwasser wird aus der Mundhöhle durch einen besonderen Längskanal, welcher mit entsprechenden Seitenöffnungen versehen ist, zugeführt, und fliesst aus jedem Kiemensäckchen durch eine besondere Öffnung nach aussen ab. Die sieben äusseren Kiemenöffnungen samt dem Auge und dem einfachen Nasenloch sollen dem Fisch seinen Namen „Neunauge“ gegeben haben.

Ausser den Kiemen atmen die Fische auch durch die Haut, wie +A. von Humboldt+ und +Provençal+[42] durch Versuche nachwiesen. Kohlensäure wirkt nach diesen Forschern tödlich auf die Fische, während Stickstoff und Wasserstoff, wie bei den höheren Wirbeltieren, indifferent sind. In luftlosem (ausgekochtem) Wasser starben die eingesetzten Fische nach 1¾ bis 4 Stunden. Nach den genannten Untersuchungen berechnete +Treviranus+, dass die Schleihe, deren Sauerstoffbedürfnis für gering zu halten ist, für je 100 Gran Körpergewicht in 100 Minuten 0.01 _cbcm_ Kohlensäure erzeugt, während Säugetiere das fünfzigfache an Kohlensäure produzieren.

Das verschiedene +Sauerstoffbedürfnis+ ist anscheinend, neben dem Wärmebedürfnis, eine der Hauptursachen der Verteilung der Fischarten auf die einzelnen Gegenden eines und desselben Flussgebietes. Der Sauerstoffgehalt einer Wassermenge ist teils von der Temperatur, teils von der Menge der Stoffe bezw. der Organismen abhängig, welche den Sauerstoff zu absorbieren vermögen.

Die Temperatur übt einen wesentlichen Einfluss auf die Fähigkeit des Wassers, Luft aufzunehmen, aus. Eine Wassermenge, welche bei 5° _C._ 100 Raumteile Sauerstoff aufnimmt, kann davon bei 20° nur etwa 79.2 Teile in Lösung halten. Man stelle sich vor, der Sauerstoffgehalt der von den Landtieren eingeatmeten Luft nehme an einer Örtlichkeit um etwa ⅕ ab, und man wird es natürlich finden, dass die Lebewelt an dieser Örtlichkeit eine abweichende ist.

Viel bedeutender noch kann die Verminderung des Sauerstoffs durch die Einwirkung oxydierbarer Substanzen werden. Untersuchungen des Themsewassers in der Umgegend von London haben ergeben, dass das Wasser dieses Flusses, welches etwa 5 Meilen oberhalb London bei Kingston 7.4 _cbcm_ Sauerstoff im Liter enthält, dicht bei London davon nur 1.5 _cbcm_, nach dem Durchgange durch die Riesenstadt, bei Woolwich, sogar nur 0.25 _cbcm_, also nur eine Spur Sauerstoff, den 30. Teil von seinem Gehalte in der minder verunreinigten Flussgegend, enthält[43].

Bei so enormer Verminderung des Gehaltes an Atemluft kann es nicht in Verwunderung setzen, wenn die mit leicht oxydierbaren organischen Substanzen gefüllten Abwässer grosser Städte und industriereicher Gegenden den Bestrebungen zur Vermehrung und Veredelung des Fischbestandes ein kaum zu überwindendes Hindernis entgegensetzen[44].

Nicht so jäh und verderblich, wie die Abfuhrstoffe der Städte und Fabriken, aber sicher auch von erheblicher Wirkung auf den Sauerstoffgehalt des Wassers sind die Reste abgestorbener Lebewesen, der organische Mulm, welcher durch die Regen- und Schneewässer aus dem Niederschlagsgebiet des Flusssystems dem Wasser desselben auf seinem Laufe zum Meer in immer steigender Menge zugeführt wird. Auch das Gefälle und die Bodenbeschaffenheit des Flussbettes sind von Einfluss: Ein über Kiesbänke und Steine rauschender Bach bietet seinem Wasser mehr Gelegenheit zur Sauerstoffaufnahme, als ein träges, tiefes Gewässer, in dem noch dazu der hineingeschwemmte Mulm sich ablagert. Die Wirkung des Sauerstoffmangels im Wasser ist für die Fische eine doppelte: Nicht nur mangelt den Organismen, Tieren wie Pflanzen, die notwendige Lebensluft, sondern es nimmt auch die Bildung schädlicher Stoffe, besonders des betäubenden Sumpfgases, zu.

Unter diesen Verhältnissen ist es verständlich, dass sauerstoffbedürftige Fische sauerstoffarme Gewässer vermeiden. Anderseits bedürfen manche Fische einer gewissen Wärme des Wassers (z. B. der Karpfen), damit ihre Lebensfunktionen, Ernährung und Fortpflanzung, zur Thätigkeit angeregt werden. Solche Fische sind von dauernd kühlen Gewässern ausgeschlossen.

Man hat gefunden, dass viele Arten der Fische gemeinsame Lebensbedürfnisse haben, so dass sie in Flussstrecken, welche eine gewisse Beschaffenheit haben, leben können. +A. Fritsch+[45] hat zuerst die Flussregionen Böhmens, welche charakteristische Fischgesellschaften enthalten, unterschieden und nach ihren Hauptfischen benannt. +M. von dem Borne+[9] hat diese Methode für die deutschen Gewässer durchgeführt, und sie ist jetzt allgemein angenommen. Man unterscheidet:

1. die Forellenregion, mit Bachforelle, Elritze, den Kaulköpfen, Schmerle, Döbel,

2. die Aeschenregion, mit Aesche, _Barbus Petenyi_, Gründling, Bachneunauge[46] (im obern Teile dieser Region liegen die Laichstellen der Lachse),

3. die Barbenregion, mit Barbe, Huchen, Nase, Rapen, Zärthe, Schneider, Häsling, Karpfen, Quappe, Bitterling, Mairenke, Streber, Strömer, Motken,

4. die Bressenregion (Bleiregion), mit Bressen, Blei, Wels, Orfe, Rotauge, Schleihe, Karausche, Aal.

Manche Fische finden sich in allen Regionen, wie Hecht, Barsch, Plötze, Stichling. Auf eine einzige der angeführten Regionen beschränkt ist kein Fisch, vielmehr werden die benachbarten Regionen auch häufig aufgesucht.

Etwas abweichend von den fliessenden Gewässern verhalten sich die Seen, deren Lebensverhältnisse wesentlich von ihrer Tiefe abhängen. Man unterscheidet hier flache Bressenseen, Seen von mehr als 20 _m_ Tiefe, in welchen sich die kleine norddeutsche Maräne aufhält, und Seen von über 50 _m_ Tiefe, in welchen, je nach ihrer Tiefe, verschiedene Maränenarten, der Seesaibling und die Seeforelle leben.

Bei der Wichtigkeit des Atmungsprozesses spielt die Funktionsfähigkeit der Kiemen eine grosse Rolle. Sobald ihre Oberfläche durch Trockenheit abstirbt oder sobald sie sich mit einem dichten Belag von Fremdkörpern bedeckt, sind die Fische einem raschen Erstickungstode ausgesetzt: die Ursache, weshalb Trübungen des Wassers von den Fischen gemieden werden und ihnen, wenn sie dauernd, z. B. durch Fabrikwässer, verursacht werden, den Tod bringen können.

Während das in die Mundhöhle aufgenommene Wasser durch die Kiemenspalten abfliesst, gelangt die Nahrung durch den trichterförmigen Schlund in den eigentlichen +Darmtractus+[47]. Der Darm der Fische ist mehr oder minder gewunden und bei den Cypriniden ein Schlauch von fast überall gleicher Weite. Bei den übrigen Fischen ist eine mehr oder minder ausgeprägte magenartige Erweiterung vorhanden. Immer ist der Magendarm durch eine ringförmige Einschnürung, die Pförtnerklappe, vom Mitteldarm getrennt. Die mit einem Magen versehenen Fische, mit Ausnahme des Welses, des Hechtes und des Hundsfisches, haben auf der Grenze zwischen Magen und Mitteldarm Blindschläuche, wenige bei den Perciden, den Kaulköpfen und Stichlingen, viele bei den Salmoniden und der Aalquappe. Der Enddarm ist im Vergleich mit dem Mitteldarm weit. Der Darm der Neunaugen ist gerade und ohne Anhänge, der des Störs trägt an der Innenwand eine spiralig verlaufende Hautleiste (Spiralklappe). Von den dem Darm anhängenden Drüsen ist die Leber schon erwähnt. Die zweite bei den Wirbeltieren sonst vorkommende Verdauungsdrüse, das Pankreas, fehlt den meisten unserer Fische; es ist bis jetzt nur nachgewiesen bei Schmerle, Stichling, Hecht, Barsch, Aal und Forelle, meist stark zerstreut zwischen den Eingeweiden[48].

Die verdauende Flüssigkeit der Fische wird daher, da auch Speicheldrüsen fehlen und die Galle nur bei der Aufnahme der Fette durch den Körper mitwirkt, meist ausschliesslich vom Darm geliefert. Dafür vermag aber auch nicht nur der Magendarm, wie bei den höheren Wirbeltieren, sondern jeder Abschnitt, selbst die kurze Speiseröhre der mit Magen versehenen Fische, Pepsin abzusondern, den Stoff, welcher in Verbindung mit der bei den Fischen reichlich vorhandenen Säure die Eiweissstoffe für die Aufnahme in den Körper geeignet macht (peptonisiert[49]). Von dem Pepsin der höheren Wirbeltiere unterscheidet sich das Pepsin wenigstens der Forelle und des Hechtes dadurch, dass es selbst bei 0° noch verdauend wirkt[50]. Die Auflösung der Nahrung beginnt schon in der Speiseröhre und braucht erst im Enddarm mit dem Auswerfen der unverdauten Nahrungsteile aufzuhören. Am kräftigsten ist die Verdauung bei den Fischfressern, minder intensiv bei den Kleintierfressern. Die Absonderung der Nahrungsflüssigkeit erfolgt wahrscheinlich von allen Zellen der Darmschleimhaut, die je nach ihrem Reifestadium ein verschiedenes Aussehen haben können[51].

Von grosser Wichtigkeit, namentlich für die Fütterung der Teichfische, ist, dass die Fische rohe Stärke, das Hauptprodukt der meisten Pflanzen, fast gar nicht zu verdauen vermögen, während gequollene (gekochte) Stärke verdaut wird[52]. Diese Thatsache bietet die Erklärung zu der erst neuerdings gehörig gewürdigten Erscheinung, dass die Fische sich fast gar nicht von Pflanzenstoffen, sondern meist von Tieren nähren, so dass in der Regel die von den Pflanzen erzeugte Nahrung erst in den Körper eines niedern Tieres aufgenommen sein muss, bevor sie zur Ernährung der Fische dienen kann. Eine nur scheinbare Ausnahme hiervon bilden die Kieselalgen (Diatomeen), welche man oft in Menge in dem Fischdarm findet. Diese in grosser Menge im Wasser auftretenden mikroskopischen Pflänzchen, welche eine Hauptnahrung vieler niederer Wassertiere bilden, erzeugen nicht, wie die meisten anderen Pflanzen, Stärke, sondern an deren Stelle Öl, das als Fett den Verdauungssäften der Fische zugänglich ist. Ähnlich verhält sich die Algengattung _Vaucheria_, die also den Fischen ebenfalls direkt Nahrung liefern könnte.

Als Grund für das Fehlen der stärkeartigen Stoffe in der Fischnahrung hat man angeführt, dass die Fische ebenso wie die Amphibien es nicht nötig haben, ihren Körper mit diesen wärmeerzeugenden Kohlehydraten gewissermassen zu heizen, da ihr Körper seine Wärme von dem ihn umgebenden Wasser erhält. Immerhin bewirkt auch bei den Fischen die Respiration eine Erwärmung des Körpers über die Temperatur des Wassers. Dieselbe beträgt nach +Broussonet+ bei kleinen Fischen ½ bis ⅔°, beim Aal ¾°, beim Karpfen 1°. +Despretz+ fand bei 10.83° _C._ Wassertemperatur die Körperwärme von zwei Karpfen zu 11.69°, von zwei Schleihen zu 11.54° _C._

Änderungen in der Wasserwärme haben auch den grössten Einfluss auf die Lebensfunktionen der Fische, namentlich auf die Ernährung und Fortpflanzung. Während die meisten unserer Fische bei steigender Wärme laichen (Sommerlaicher: die Perciden, Kaulköpfe, Stichlinge, Wels, Cypriniden, Acanthopsiden, Hecht, Clupeiden, Störe und Neunaugen), legen andere ihre Eier bei sinkender Wärme ab (Winterlaicher: Aalquappe und die Salmoniden ausser Stint, Huchen und Aesche). Manche Arten bedürfen einer bestimmten Mindestwärme, um laichreif zu werden, namentlich die Karpfen, welche nicht in Wasser unter 19° _C._ laichen. Auch das +Nahrungsbedürfnis+ ist abhängig von der Wasserwärme. In kaltem Wasser können die Fische wochenlang, ja manche Arten monatelang ohne Nahrung bestehen. Viele Cypriniden nehmen im Winter auch im Freien keine Nahrung zu sich; der Karpfen z. B. frisst nur, wenn das Wasser mindestens 9° _C._ Wärme hat, dabei verliert er während der Zeit, in welcher er nicht frisst, nur etwa 3–5 % seines Körpergewichtes. Bei der Bachforelle und anderen Raubfischen nimmt zwar die Fresslust im Winter ab, hört aber nicht völlig auf. Die Forelle lässt auch im Sommer in der Ernährung nach, wenn die Wassertemperatur über 25° _C._ steigt.

Bei höher steigender Wärme sterben die Fische. Der Karpfen verträgt eine Höchsttemperatur von 32–35° _C._, der Barsch eine Temperatur von 28° _C._[43]. Rasche Abkühlung vertragen viele Fische ebenfalls nicht, allmähliches Sinken der Temperatur dagegen hat keinen schädlichen Einfluss auf unsere Fische, welche in eiskaltem Wasser lebend bleiben, ja, soweit sie geringe Ansprüche an Luftversorgung machen (Schleihe, Karausche), auch einfrieren können, wenn nur die Eiskälte nicht über die Eigenwärme des Fisches siegt und wenn durch die letztere eine Wasserschicht um den Fisch flüssig erhalten bleibt (+Johannes Müller+).

Bei direkter Einwirkung des Frostes auf den Fischkörper erstarren die Fische zunächst, können aber, wenn die Frostwirkung nicht stundenlang dauert, zuweilen wieder belebt werden. Beim Durchfrieren des Fischkörpers sterben die Fische dagegen natürlich ab[44].

Die Menge der von den Fischen aufzunehmenden Nahrung richtet sich während der Hauptfresszeit in erster Linie nach der Menge der vorhandenen geeigneten Nahrungsmittel.

Die Fische können mit geringen Mengen von Nahrung erhalten werden, haben dann aber ein entsprechend geringes Wachstum und zeigen oft auch in ihrer Körperform Abweichungen von dem normalen Aussehen ihrer Art (so ist die als Giebel bekannte Abart der Karausche eine Hungerform, -- den Fischzüchtern ist es längst bekannt, dass Fische mit kurzem Kopf rascher gewachsen und deshalb geeigneter zur Zucht sind, als Fische mit gestrecktem Kopf). Anderseits können sie sehr grosse Mengen von Nahrung aufnehmen und dementsprechend wachsen. Man weiss aus guten Beobachtungen, dass ein Karpfen am Ende des ersten Jahres bei ungünstiger Nahrung nur wenige Gramm, bei günstiger Nahrung gegen 1 Kilo wiegen kann, und dass das Gewicht der Hechte im ersten Herbst ihres Lebens zwischen 100 Gramm und mehreren Pfund schwanken kann.

Bei der +Fütterung+ verbraucht die Forelle zur Zunahme um einen Gewichtsteil fünf bis acht Gewichtsteile Futterfleisch, während der Karpfen schon aus drei bis vier Gewichtsteilen in gleichem Masse eiweisshaltigen Futters einen Gewichtsteil Körperzunahme gewinnt. Man benützt bei der Fütterung der Fische hauptsächlich eiweissreiche Futterarten, wie Fleischmehl, Leguminosensamen, Malztreber u. a.

Eine Anzahl von Fischarten erreicht in der Regel nur eine bestimmte geringe Grösse; man kann diese Fische als Zwergfische bezeichnen. Dahin gehören Kaulbarsch, Kaulkopf, Stichling, Gründling, Bitterling, Uklei, Moderlieschen, Elritze, kleine Maräne, Stint, die Neunaugen. Die meisten anderen Fische wachsen entsprechend ihrer Ernährung sehr ungleichmässig. So erreicht die Bachforelle in den nahrungsarmen Gebirgsbächen selten ein Gewicht von einem Pfund, während sie in Teichen, Flüssen und Seen (z. B. im Weitsee bei Berent in Westpreussen) es zu einem Gewicht von 12 Kilo bringen kann. Karpfen und Hechte hat man bis 25 Kilo schwer, Welse noch bedeutend grösser gefangen. In engen Gefässen bleibt das Wachstum der Fische beschränkt, wie die konstante Grösse der in engen Gläsern gehaltenen Goldfische zeigt.

Über dem Darm und seinen Anhängen und Drüsen liegt die +Schwimmblase+, ursprünglich eine Ausstülpung des Darmes, bald mit dem Anfangsteil desselben durch einen im Alter oft geschlossenen Kanal verbunden (_Physostomi_: Siluriden, Cypriniden, Salmoniden, Hecht, Hundsfisch, Clupeiden, Aal, Stör), bald ohne Ausführungsgang (Perciden, Stichlinge, Aalquappe). Die Schwimmblase fehlt dem Kaulkopf und den Neunaugen. Sie ist ein häutiger Sack, prall gefüllt mit einer Gasmischung aus Stickstoff und Sauerstoff in wechselnden Mengen und etwas Kohlensäure. Diese Gase gelangen nicht etwa durch den zuweilen vorhandenen Ausführungsgang in die Schwimmblase, sondern sie werden von der Innenfläche derselben, wo sich oft Anhäufungen feiner Adern, sogenannte Wundernetze, finden, ausgeschieden. Man hält die Schwimmblase deshalb für sein Homologon der Lunge der höheren Wirbeltiere; dem ist jedoch widersprochen worden, weil sie oberhalb, nicht unterhalb des Darmkanals wie die Lunge, liegt[53]. Auch die Funktion der Schwimmblase wird verschieden gedeutet. Vielfach hält man sie für einen hydrostatischen Apparat, der den Körper im Gleichgewicht erhält und zugleich geeignet ist, durch Kontraktionen das Steigen und Sinken des Fisches zu regeln. Indessen glaubt +Charbonnel-Salle+ nachgewiesen zu haben, dass die Druckschwankungen der Schwimmblase keinen Einfluss auf das spezifische Gewicht des Fisches und auf sein Auf- und Niedertauchen ausüben[LXXV]. Ursprünglich war sie vielleicht ein Sauerstoffreservoir (nach +Biot+[54] hat man bei Tiefenfischen bis 87% Sauerstoff in der Schwimmblasenluft gefunden). Sie steht mit dem Hörorgan in Verbindung und wird wohl auch andere Druckwirkungen als die Schallwellen zur Empfindung bringen helfen.

[LXXV] Platzt einem Fisch die Schwimmblase und verbreitet sich die nicht mehr unter Druck stehende Luft derselben in der Leibeshöhle, so kann der aufgeblähte Fisch nicht mehr die Oberfläche verlassen und schwimmt auf dem Rücken. Diese Erfahrung spricht gegen +Charbonnel-Salles+ Ansicht.

Neben den Organen des Darmtractus liegen in der Bauchhöhle die +Fortpflanzungsorgane+ der Fische, deren Produkte bei den männlichen Fischen als Milch, bei den weiblichen als Rogen bezeichnet werden. Danach heissen die Männchen auch Milchner, die Weibchen Rogner. Unsere Fische sind sämtlich getrennten Geschlechtes; nur bei einzelnen Individuen ist, wie in allen Tierklassen, gelegentlich Hermaphroditismus nachgewiesen.

Die Männchen sind bei den Fischen oft kleiner[55] und häufig seltener als die Weibchen. Unter den Steinbeissern hat man sogar nur 10% Männchen gefunden[56].

Das Geschlecht ist bei manchen Fischen, besonders zur Laichzeit, auch äusserlich durch die Beschaffenheit der Geschlechtsteile oder durch sekundäre Geschlechtsmerkmale erkennbar. Die weiblichen Fische zeigen in der Laichzeit einen durch die reifen Eier gewölbten Bauch, während die Männchen schlank bleiben. Die Geschlechtsöffnung, welche hinter dem After liegt, befindet sich beim Weibchen oft an der Spitze einer kegelförmigen Erhöhung, die in der Laichzeit gerötet ist und beim Bitterling zu einer 3–4 _cm_ langen Legeröhre auswächst. Unsere einheimischen Süsswasserfische sind sämtlich ovipar, d. h. die Weibchen legen Eier ab; die Eier werden erst nach dem Austreten befruchtet. Da eine innere Befruchtung der Eier anscheinend nie erfolgt, so fehlen den Männchen besondere Organe für die innere Begattung, ihre Geschlechtsöffnung liegt meist in der Tiefe einer flachen Rinne. Sekundäre Geschlechtscharaktere finden sich namentlich als lebhafte Färbung bei den Männchen vieler Fischarten, meist nur in der Brunstzeit. So glänzen namentlich die Männchen der Stichlinge und der Bitterlinge während der Laichzeit in bunten Farben. Bei anderen Fischen werden die immer vorhandenen Farben des Körpers und der Flossen lebhafter. Bei den meisten Cypriniden tritt an den Männchen in der Laichzeit an den Seiten und teilweise auch am Kopfe auf jeder Schuppe ein weisses hartes Höckerchen auf, das aus Oberhautzellen besteht und nach der Laichzeit wieder verschwindet. Bei den Coregonen finden sich ähnliche Hautwarzen zur Laichzeit bei beiden Geschlechtern als Brunstmerkmale. Beim männlichen Schleih ist der zweite Strahl der Bauchflossen stark verbreitert, verdickt und gekrümmt, gleichzeitig ist das Stützskelett dieser Flossen etwas verstärkt. Eine ähnliche Abweichung findet sich bei den männlichen Steinbeissern am zweiten Strahl der Brustflossen.

Die Geschlechtsreife der weiblichen Fische tritt in der Regel im dritten Jahre ein, seltener später oder schon im zweiten Jahre. Die Männchen werden oft schon im zweiten Jahre laichreif. Manche Individuen (bei den Cypriniden, Lachsen, Forellen, Stören, Aalen) bleiben ganz unfruchtbar. Da diese Exemplare besonders fett und wohlschmeckend sind, so hat man die Fische auch, und zwar mit dem gewünschten Zuchterfolge, kastriert.

Die +Neunaugen+ machen nach ihrem Ausschlüpfen aus dem Ei noch eine lange dauernde Metamorphose durch[46]. Die Larven, Querder (früher für eine besondere Art, _Ammocoetes branchialis_, gehalten) sind blind und leben im Grunde der Bäche. Gegen den Herbst des vierten oder fünften Jahres beginnt die Verwandlung in die Form der erwachsenen Neunaugen, nach deren Ausbildung die Flussneunaugen, etwa 20 _cm_ lang, in die See hinabwandern, von wo sie nach mehreren Jahren laichreif zurückkehren, während die Bachneunaugen ihre Laichreife in ihren Heimatsbächen erreichen können. Die Neunaugen laichen nur einmal in ihrem Leben, nach dem Laichen sterben sie ab.

Bei den Stören und den meisten Knochenfischen sind die Eierstöcke und Hoden[46] paarig vorhanden, bei den Perciden und Acanthopsiden einfach. Die Hoden besitzen besondere Ausführungsgänge, welche sich vereinigen und gemeinsam mit den Harnleitern hinter dem After münden. Auch die +Eierstöcke+ besitzen meist Ausführungsgänge, welche nach ihrer Vereinigung zwischen dem After und der dahinter liegenden Harnöffnung nach aussen münden. Diese mit Ausführungsgängen versehenen Eierstöcke sind im übrigen geschlossene Säcke, in deren Falten die Eier sich entwickeln. Die Salmoniden, Acanthopsiden und der Aal haben dagegen Eierstöcke, welche nur gefaltete Platten darstellen, aus denen die Eier nach ihrer Reife in die Bauchhöhle fallen. Aus dieser treten sie durch eine besondere Öffnung, welche die gewöhnliche Lage hat, ins Freie. Bei den Salmoniden finden sich beiderseits vom After offene oder nur durch Rudimente angedeutete sogenannte Abdominalporen, durch welche die Bauchhöhle nach aussen mündet. +Huxley+[57] hält diese Poren, ebenso wie ähnlich gelegene Spalten in der Leibeswand beim Stör, für rudimentäre Eileiter, während +Weber+[58] sie für rudimentäre Segmentalgänge erklärt (also den Mündungen der Segmentalorgane der Anneliden entsprechend). Anderer Art als diese Mündungen der Bauchhöhle sind die Öffnungen, welche beim Wels hinter den Brustflossen sich finden und nicht in die Bauchhöhle, sondern in Taschen, die in der Haut liegen, münden. Auch über die Bedeutung dieser Öffnungen weiss man nichts Gewisses.

Die +Samenfäden+ der Fische bestehen aus einem meist rundlichen Köpfchen, welches den Kern enthält, und einer fädlichen Geissel von etwa 0.05 _mm_ Länge. Die Eier der einheimischen Fische sind fast kugelig und mit mehreren Hautschichten umschlossen, welche von zahlreichen Poren durchsetzt sind. An einer Stelle findet sich eine etwas vertieft gelegene Verdünnung der Eihäute, die Mikropyle, durch welche in der Regel der Samenfaden in das Ei tritt. Die Eier der Salmoniden-Arten sind verhältnismässig gross, das Lachsei hat 5–7 _mm_ Durchmesser. Die übrigen Fischeier haben nur 1–3 _mm_ Durchmesser.

Die Ablage und +Befruchtung+ der Eier findet an dem Orte statt, wo die Eier die ihnen zusagenden Entwickelungsbedingungen finden. Die meisten Eier werden klebend, sobald sie in das Wasser kommen, indem die äusserste Schicht der äusseren Eihaut, der _Zona radiata_, entweder gleichmässig aufquillt oder beim Quellen in Zotten oder Fäden zerreisst[59]. Auf diese Weise kleben die Eier an den Gegenständen fest, auf die sie fallen, namentlich Pflanzen, Steine, Baumwurzeln, Kies, je nach der Örtlichkeit, die die Fische zum Laichen aufsuchen. Die Hechte, die am frühsten im Jahr laichen, legen ihren Laich auf dem Grase überschwemmter Wiesen ab, die Cypriniden, die sich auf den Laichplätzen in Scharen zusammenfinden, meist auf Wasserpflanzen, andere auf Kiesbänken im strömenden Wasser oder am Abhang des Ufergrundes der Seen. Die Coregonen lassen ihre Eier entweder in die Wassertiefe sinken oder sie streuen sie an die auf Mergelboden wachsenden Armleuchtergewächse, auf Ceratophyllum oder ähnliche starre Wasserpflanzen. Häufig tritt bei manchen Arten nach dem Laichen eine starke Sterblichkeit ein, z. B. bei den Maifischen.