Part 26
Endlich mögen noch zwei Brutvögel der Binnengewässer aufgezählt werden. Es sind dies der +grosse Lappentaucher+, auch Kronentaucher genannt, _Podiceps cristatus_ L., und der +kleine Lappentaucher+, welcher im Volksmunde den etwas derben Namen „Pärködel“ führt, _Podiceps minor_ L. Ersterer ist auf fast allen unseren Seen ein gemeiner Brutvogel. Schon von ferne hören wir seinen lauten Ruf „koar, koar, koar“ über die Wasserfläche zu uns herüberschallen, ehe man den geschickten Schwimmer und Taucher zu Gesicht bekommt. Er ist ein äusserst scheuer und schlauer Vogel, der seinen Beobachter immer in respektabler Entfernung hält; kommt man ihm trotzdem unvermerkt zu nahe, so verschwindet er plötzlich unter der Wasserfläche und erscheint weit weg nur mit dem Kopfe über derselben, um schon im nächsten Augenblicke von neuem zu verschwinden. Dieses Experiment wiederholt er so häufig, bis er sich wieder sicher fühlt. Einen Jäger lässt er daher sehr selten in Schussnähe kommen. Wird der Taucher angeschossen, und ist der Schuss nicht gleich tödlich, so taucht er fort und hält sich am Grunde des Gewässers am Rohr und Schilf fest, um nicht wieder an die Oberfläche zu kommen. Binsenschneider am Dümmersee brachten dem Verfasser, welcher sich zu der Zeit am See aufhielt, ein Exemplar des Kronentauchers, welcher am Vormittage von einem Herrn angeschossen war, ohne dass er ihn bekommen hatte. Das Exemplar hatten dieselben beim Schneiden mit herauf gebracht. Es hatte noch die Binse, an welcher es sich festgehalten hatte, im Schnabel, und dieselbe auch im Todeskampfe nicht losgelassen. Der kleine Taucher ist ebenso geschickt im Schwimmen und Tauchen, wie sein grösserer Vetter. Das Nest der Taucher ist fast immer frei auf der Wasserfläche zwischen Rohr befindlich und an einzelnen Stengeln befestigt, damit es vom Winde nicht fortgetrieben wird. Die Nester sind äusserst schwer aufzuspüren, da man nur von der Wasserseite mit dem Boote an die Rohr- und Binsenfelder gelangen kann, in welchen sie angelegt sind.
Im vorhergehenden ist versucht worden, dem Naturbeobachter in kurzen Zügen ein Bild zu entwerfen von den Brutvögeln, welche derselbe auf Flussinseln, an den Ufern der Flüsse und Seen aufzufinden vermag. Es ist damit aber nicht beabsichtigt, ein genaues, vollständiges Verzeichnis aller an den in Frage kommenden Lokalitäten brütenden Vögel zu geben; im wesentlichen sind die häufigeren und am meisten ins Auge fallenden Arten berücksichtigt, welche den Nordwesten unseres Vaterlandes bewohnen. Im östlichen und südlichen Deutschland finden sich noch einzelne Arten, welche nicht erwähnt worden sind. Auch im folgenden hat Verfasser vorwiegend die Bewohner der Gewässer unseres Nordwestens im Auge gehabt. Wenn bei manchen Vögeln Angaben über Brutzeit, über Eintreffen und Verschwinden an ihren Nistplätzen gemacht worden sind, so beziehen sich dieselben ebenfalls auf Beobachtungen, welche im Nordwesten angestellt worden sind.
Ist schon das Gesamtbild unserer befiederten Freunde zur Brutzeit ein buntes und mannigfaltiges, so gestaltet es sich noch viel reicher im Frühjahrs- und Herbstzuge, ja manchmal erhält das Bild ein ganz fremdartiges Aussehen; denn da erscheinen an unseren süssen Gewässern Gäste, die sonst nur im hohen Norden, am Meere oder anderen uns fern liegenden Orten anzutreffen sind. Es soll im folgenden versucht werden, dem Naturfreunde auch davon ein kleines, also nicht auf Vollständigkeit Anspruch machendes Bild zu entwerfen. Durchwandern wir im Geiste noch einmal die Vogelwelt und beginnen wir von neuem mit den Raubvögeln, so finden wir gar nicht selten zur Zugzeit auf den grossen Wasserflächen den +Seeadler+, _Haliaëtos albicilla_ Leach, der besonders häufig erscheint, wenn viele wilde Gänse zur Herbstzeit in den Flussniederungen sich länger aufhalten. Im Volksmunde wird er deshalb gewöhnlich mit „Goosarnt“ bezeichnet. Der +Fischadler+, _Pandion haliaëtos_ Less.; der +Bussard+, _Buteo vulgaris_ Bechst.; die +Gabelweihe+, _Milvus regalis_ Briss.; selbst der +Wanderfalke+, _Falco peregrinus_ L.; der +Baumfalke+, _Falco subbuteo_ L.; der +Turmfalke+, _Falco tinnunculus_ L.; selbst der +Hühnerhabicht+, _Astur palumbarius_ Briss., und der +Sperber+, _Astur nisus_ K. und Bl., halten sich vorübergehend mit Vorliebe auf den Flussinseln und Flussniederungen auf, weil ihnen dort der Tisch reichlich und bequem gedeckt ist; ganz besonders finden sie zur Herbstzeit dort an Staaren und Feldmäusen reichliche Nahrung.
Der +Mauersegler+, _Cypselus apus_ L.; die +Haus-+ und +Rauchschwalbe+, _Hirundo urbica_ L. und _rustica_ L., halten sich, bevor sie fortziehen, eine Zeit lang an unseren Flüssen und in den Niederungen auf, um sich zu grossen Scharen dort zu versammeln. Ende September oder Anfang Oktober kann man Tausende dieser leicht beschwingten Flieger an den oben erwähnten Lokalitäten antreffen, bis sie auf einmal über Nacht fortgezogen sind.
Während des Herbstzuges sind auf den Platen die +Blaumeise+, _Parus coeruleus_ L., der +Krammetsvogel+, _Turdus pilaris_ L., und die +Weindrossel+, _Turdus iliacus_ L., gar nicht selten anzutreffen. Selbst der +grosse Würger+, _Lanius excubitor_ L., erscheint einzeln auf den alten Weidenstümpfen, um sich nach einem leckeren Mahle umzusehen. Der Volksmund hat ihn sehr treffend mit „Radäkster“ bezeichnet. In seinem Äussern hat er eine entfernte Ähnlichkeit mit der Elster und er macht an freistehenden Zweigen oft radförmige Bewegungen. Dieser im Fliegen ziemlich ungeschickte Räuber sucht seine Beute zu überlisten. Er sitzt bald auf den Zweigen, bald hängt er mit halbausgebreiteten Flügeln unter denselben, bald macht er radförmige Bewegungen um dieselben. Die kleinen arglosen Vögel werden durch dieses wunderliche Gebahren herangelockt, setzen sich auf die benachbarten Sträucher, oft ganz in seine Nähe, um diesem tollen Treiben zuzusehen, und im unbemerkten Augenblicke werden sie von diesem arglistigen Räuber gefangen. Seine erwischte Beute spiesst er oft auf Dornen, um sie dann stückweise und nach Bedarf zu verzehren.
Auch die Familie der +Finken+ schickt ihre Vertreter an die Gewässer. Auf dem Frühjahrszuge bemerken wir den +Flachsfinken+, _Acanthis linaria_ Bp.; zur Herbstzeit treffen wir den +Berghänfling+, _Linota montium_ Bp.; ebenso den +Stieglitz+, den muntersten und schönsten seiner Sippschaft, _Carduelis elegans_ Steph.; den ungeschickten, im Baue etwas plumpen +Grünling+, _Chlorospiza chloris_ Bp.; selbst „Jochen“, der wohl mit Unrecht so sehr gescholtene Strauchdieb und Gassenbube, der +Sperling+, _Passer domesticus_ Koch, dem sogar der Ausrottungskrieg angekündigt werden soll, mischt sich unter die Gäste auf den Inseln und Platen. Wenn man aber diesen, allerdings bei vielen gehassten munteren und kecken Burschen während der Brütezeit beobachtet, wie er von Zweig zu Zweig, von Blatt zu Blatt, von Blüte zu Blüte die Obstbäume absucht, um die heisshungrigen Jungen zu befriedigen, die er fast ausschliesslich mit Kerbtieren und deren Larven füttert, dann muss man ihm doch wohl etwas freundlicher gesinnt werden, denn der Nutzen, den er dadurch unseren Obstgärten zuwendet, ist jedenfalls ein recht bedeutender und hebt gewiss einen grossen Teil seines Schadens auf. Nehmen sie zu sehr überhand und fügen sie später den Kornfeldern und Erbsenäckern zu grossen Schaden zu, so möge man sie im Herbste dezimieren, aber jedenfalls nicht zur Brutzeit, denn dann gerade stiften sie Nutzen. Ebenso thöricht ist es, die junge Brut zu zerstören, die gerade der Kerbtiere zu ihrer Nahrung bedarf.
Zu Tausenden und Abertausenden sind die +Staare+, _Sturnus vulgaris_ L., im Spätsommer und zur Herbstzeit in den Flussniederungen, in den Rohrfeldern an Flüssen und Seen nach beendigtem Brutgeschäfte anzutreffen. Gegen Abend sieht man sie in dichten Wolken, bald nahe über dem Boden, bald hoch durch die Lüfte umherziehen, dann in die grossen Rohrfelder einfallen, um dort ihre Nachtruhe zu halten.
Ganz buntfarbig ist zur Herbstzugzeit das Bild der Sumpf- und Schwimmvögel. Da treffen wir den +nordischen Kiebitzregenpfeifer+, _Squatarola helvetica_ Cuv.; den +Goldregenpfeifer+, _Charadrius pluvialis_ L.; den +Halsbandregenpfeifer+, _Pluvialis hiaticula_ Briss.; den gravitätisch einherstolzierenden +Austernfischer+, _Haematopus ostralegus_ L.; die rasch über die Sandflächen dahintrippelnden +Wasserläufer+, _Totanus glottis_ Bechst., _Totanus fuscus_ Leisl., _Totanus glareola_ Temm., _Totanus ochropus_ Temm.; die zierlichen, blitzschnellen +Strandläufer+, _Tringa subarquata_ Temm., _Tringa alpina_ L., _Tringa minuta_ Leisl. und _Tringa Temminckii_ Leisl. Auch die +stumme Bekassine+, _Telmatias gallinula_ Boie, gesellt sich hinzu.
Truppweise in Flügen zu dreien und vieren besuchen im August und September auch die „Unwährsvögel“, _Numenius arquata_ Latham, ihr Flussrevier. Im Volksmunde führt dieser Vogel den Namen „Gütvoagel“ nach seinem eintönigen Rufe, der etwa wie „tlaüd, tlaüd“ klingt, oder „Unwährsvoagel“; denn meistens, wenn diese Vögel abends ziehen und ihren weitklingenden Ruf ertönen lassen, giebt es schlechtes Wetter, Unwetter. Ganz besonders zahlreich erscheinen zur Zugzeit die Gänse, _Anser cinereus_ W. u. M., die +Graugans+, und _Anser segetum_ Bechst, die +Saatgans+ -- vereinzelt findet sich auch darunter die +Blässgans+, _Anser albifrons_ Gm., und die +Ringelgans+, _Bernicla brenta_ Pall. -- in den Flussniederungen und es wird in manchen Jahren eifrig Jagd auf die sehr scheuen Tiere gemacht. Doch selten wird in den Ebenen die Jagd mit Erfolg gekrönt, da die ausgestellten Posten den Jäger gewöhnlich viel zu früh wittern. Ehe derselbe zum Schuss kommen kann, geht die ganze Schar auf und davon. Günstiger ist der Erfolg, wenn mehrere Jäger sich verabreden und eine solche Fläche, auf welcher sich ein Gänseschwarm niedergelassen hat, unbemerkt umstellen können; dann treten plötzlich an der einen Seite die Jäger vor, die Gänse streichen sofort nach der entgegengesetzten Richtung ab und kommen nun den dort versteckt stehenden andern in die Schusslinie.
Sehr zahlreich erscheinen auch im Herbst die Vertreter der Entenfamilien. Da können wir an unseren Gewässern beobachten die schöne +Brand-+, +Fuchs-+ oder +Höhlenente+, _Vulpanser tadorna_ Pall.; die +Schnatterente+, _Anas strepera_ L.; die +Spiessente+, _Anas acuta_ L.; die +Pfeifente+, _Anas Penelope_ L.; die +Tafelente+, _Fuligula ferina_ L.; die +Reiherente+, _Fuligula cristata_ Ray; die +Bergente+, _Fuligula marila_ L.; die schöne +Schellente+, _Glaucion clangula_ K. u. Bl.; die +Eisente+, _Harelda glacialis_ Leach, und die stattliche +Trauerente+, _Oidemia nigra_ Flemm. An manchen Flüssen und Inseln werden zur Zugzeit in eigens dazu angelegten Entenfängen oder in Entenhütten Hunderte dieser schmackhaften Schwimmvögel erlegt und liefern den Uferbewohnern eine nahrhafte und billige Fleischspeise. Auch der +kleine Säger+, _Mergus albellus_ L.; der +grosse Säger+, _Mergus merganser_ L., und der +mittlere Säger+, _Mergus serrator_ L., erscheinen zur Herbstzeit auf den Binnengewässern. Einzelne Möven, _Rissa tridactyla_ Leach, die +dreizehige Möve+; _Larus canus_ L., die +Sturmmöve+; _Larus argentatus_ Brünn., die +Silbermöve+ -- letztere fast nur im Jugendkleide --; ganz vereinzelt die grosse, stattliche +Mantelmöve+, _Larus marinus_ L., und die mittlere +Raubmöve+, _Lestris pomarina_ Temm., halten sich vorübergehend an unseren Binnengewässern auf. Und endlich trifft man auch noch den +rotkehligen Taucher+, _Eudites septentrionalis_ Ill.; den +Polartaucher+, _Eudites arcticus_ Ill., sowie den +gehörnten Lappentaucher+ oder arktischen Steissfuss, _Colymbus cornutus_ L., zur Herbstzeit auf den grösseren, mit Rohr bewachsenen Binnengewässern und Flüssen an.
Nachdem wir so in der Ornis Umschau gehalten haben nach dem, was der Naturfreund an Flüssen und Seen, auf Inseln und Groden von der befiederten Welt antreffen kann, wollen wir im Folgenden die Kaltblüter Revue passieren lassen. Die Klasse der +Reptilien+ ist bald abgefertigt, denn hier kann es sich höchstens um ein Tier handeln, welches in dem oben bezeichneten Gebiete vorkommt. Es ist die europäische +Sumpf-Schildkröte+, _Emys europaea_ Gray, welche in den Seen und Flussgebieten des baltischen und karpatischen Höhenrückens in Sachsen, Schlesien, Mecklenburg, Brandenburg u. s. w. gelegentlich, aber nicht gerade sehr häufig, vorkommt. Ihre Verbreitung im nördlichen Deutschland mag eine grössere sein, als augenblicklich allgemein angenommen wird, da sie sich durch ihre versteckte Lebensweise -- am Grunde der Gewässer -- dem Beobachter entzieht. Meistens wird in den bekannten Gebieten ihr Vorkommen durch frei auf der Wasseroberfläche schwimmende Fischblasen verraten. Ihre Nahrung besteht vorwiegend aus Fischen und ist sie daher der Fischzucht sehr schädlich. Die Vermehrung geschieht durch Eier, welche das Weibchen ausserhalb des Wassers im Mai in selbstgegrabenen kleinen Gruben ablegt. Aus dem Ei entwickelt sich das vollkommene Reptil ohne Metamorphose.
Die +Amphibien+ gehören sämtlich dem Süsswassergebiete an, wenigstens zur Paarungszeit und in ihrem Kaulquappenzustande. Von den fünf deutschen Froscharten, dem +braunen Grasfrosch+, _Rana fusca_ Rösel; dem +Moorfrosche+, _Rana arvalis_ Nilsson; dem +grünen Wasserfrosche+, _Rana esculenta_ L.; dem +Seefrosche+, _Rana fortis_ Boulenger, und dem +Springfrosche+, _Rana agilis_ Thomas, ist der letztere im nördlichen Deutschland noch nicht nachgewiesen worden. Ihren Laich legen sie klumpweise ab und sind auch nur dann, während der Begattungszeit, zahlreich bei einander und leicht zu fangen. Sie lassen sich bei der Begattung, ohne sich zu lösen, aus dem Wasser heben, ja zwei Pärchen von _Rana arvalis_, welche Verfasser in Spiritus abtötete, liessen auch im Tode nicht von einander und zieren jetzt in dieser Stellung die städtischen Sammlungen in Bremen.
Bedeutend schwieriger ist die +Geburtshelferkröte+, _Alytes obstetricans_ Wagl., zu beobachten. Diese Art lebt das ganze Jahr hindurch in tiefen Erdlöchern, aus denen sie spät abends zum Vorschein kommt, und nur auf ganz kurze Zeit begiebt sich das Männchen ins Wasser, um die um die Hüften gewickelte Eierschnur, aus welcher dann sehr bald die jungen Larven ausschlüpfen, abzustreifen. Am leichtesten findet man ihre Verstecke, wenn man abends sich genau den Ort merkt, von welchem der helle, flötenartig klingende Ruf, der an den Ton, welcher durch Anschlagen an eine Glasglocke hervorgebracht wird, erinnert, herüberschallt, und nun am folgenden Tage die Erdhöhlen, Spalten, Steinhaufen u. s. w. in dem betreffenden Reviere untersucht.
Auch die +Knoblauchkröte+, _Pelobates fuscus_ Wagl., ist schwer zu beobachten, da sie den Tag über versteckt in der Erde lebt und nur zur Nachtzeit hervorkommt. Zur Paarungszeit im April geht sie ins Wasser und man trifft dann, wenn man einen solchen Laichplatz einmal ausgekundschaftet hat -- sie wählen alljährlich denselben Laichplatz wieder --, immer eine grössere Anzahl beisammen, aber fast immer am Boden der Gewässer. Ihren Laich setzen sie schnurweise ab. Die Larven dieser Art sind von allen Anuren-Larven die grössten und erreichen etwa die Länge eines Decimeters. Schon an den Larven, die mit denen keiner anderen Art verwechselt werden können, lässt sich die Spezies identifizieren.
Die beiden +Feuerkröten+, _Bombinator pachypus_ Bonap., mit gelbem Bauch und schwarzen Flecken, und _Bombinator bombinus_ L., mit blauschwarzem Bauch und fast zinnoberroten Flecken, legen wie die Frösche ihren Laich klumpweise ab, sind auch fast ausschliesslich Wassertiere. Man findet sie mehr in gebirgigen Gegenden als in der Ebene, besonders in lehmhaltigen Tümpeln, welche sie, sobald sie sich beobachtet sehen, durch Aufwühlen des Bodens trübe machen und sich dadurch dem Auge des Beobachters entziehen.
Die bekannten Vertreter aus der Familie der Bufoniden sind die +gemeine Kröte+, volkstümlich „Ütze“, auch „Pädde“ genannt, _Bufo vulgaris_ Laur.; die +Kreuzkröte+, _Bufo calamita_ Laur., und die +Wechselkröte+, _Bufo variabilis_ Pall. Nur zur Laichzeit trifft man sie zahlreich beisammen in stehenden Gewässern und vernimmt dann schon aus der Ferne ihren Unkengesang. Die Laichzeit beginnt oft schon im April und dauert gewöhnlich nur kurze Zeit; einzeln trifft man sie auch noch im Mai in der Begattung. Mit Vorliebe wählen sie mit Rohr bewachsene Tümpel und Gräben und man kann in denselben den Laich, welcher in Schnüren abgesetzt wird, um die Stengel geschlungen sehen. Bei _Bufo vulgaris_ erreichen die Laichschnüre oft eine Länge von einigen Metern, die einzelnen Eier (oft mehrere Tausend) sind etwas schräg gestellt und dreireihig angeordnet. Beim Absetzen der Eier wird die Schnur bedeutend ausgedehnt und erscheint sie dann oft zwei-, ja sogar nur einreihig. Die jungen Kaulquappen schlüpfen gewöhnlich nach vierzehn Tagen aus und man trifft sie dann zu Tausenden im Wasser umherschwimmend. Die Eier in der 3–4 _m_ langen Laichschnur von _Bufo variabilis_ Pall. sind spiralig angeordnet und erscheinen daher bei einer oberflächlichen Betrachtung, als ob sie regelmässige Dreiecke bildeten. _Bufo calamita_ Laur. setzt eine zweireihige dünne Laichschnur ab.
Aus der Abteilung der _Discodactylia_ gehört schliesslich noch hierher der +gemeine Laubfrosch+, _Hyla arborea_ L. Dieses muntere und zierliche Tier trifft man gewöhnlich nur einzeln auf den Blättern von Bäumen und Sträuchern an. Er weiss seine Farbe aber dem Blatte, auf welchem er sitzt, so anzupassen, dass er in den meisten Fällen von dem Beobachter übersehen wird. Anfang Mai jedoch, zur Paarungszeit, trifft man sie in grösserer Zahl bei einander und mit Vorliebe wählen sie alljährlich denselben Laichplatz wieder. Es sind gewöhnlich flache, etwas lehmige Tümpel, in denen sie ihren Laich, wie die echten Frösche, klumpweise absetzen, und auch nach beendeter Laichzeit trifft man sie dann noch einige Tage an den Ufern im Grase oder auf dem unmittelbar am Wasser stehenden Gesträuch.
Lassen wir nun auch noch die Urodelen, welche ebenfalls zur Laichzeit unsere süssen Gewässer bewohnen, im Geiste an uns vorüberziehen. Wir bemerken da zuerst den stattlichsten aller Molche, den +Feuersalamander+, _Salamandra maculosa_ Laur. In den feuchten gebirgigen Teilen unseres Vaterlandes trifft man diesen langsamen, plumpen Molch zur Abendzeit gar nicht selten an. Viel schwieriger ist er in unseren Ebenen, von wo auch einzelne Aufenthaltsorte bekannt sind, aufzufinden. Bei uns treffen wir ihn nur in den allersumpfigsten dunkeln Wäldern und dort nur unter oder in alten halb vermoderten Baumstümpfen. Das Verbreitungsgebiet im Nordwesten ist ein eigentümliches. Bekannt ist er z. B. aus einzelnen feuchten Waldungen der Geest, welche auf der Wasserscheide zwischen Ems und Weser sich befinden. Aus dem Gebiete zwischen Weser und Elbe dagegen ist bislang kein Fundort bekannt. Es ist möglich, dass sein nächtliches und verstecktes Leben in den feuchten Wäldern, denn nur diese kommen für unsere Ebene in Betracht, ihn bislang noch vor dem weiteren Auffinden in unserm Nordwesten bewahrt hat. Aus den Eiern, welche in Waldtümpeln im Mai abgesetzt werden, schlüpfen die fast völlig ausgebildeten Larven aus.
Eine ebenfalls eigentümliche Verbreitung haben die Tritonen speziell in unserm Nordwesten. Die vier bekannten deutschen Arten sind sämtlich hier vertreten. Es sind der +grosse Kammolch+, _Triton cristatus_ Laur.; der +kleine Wassermolch+, _Triton taeniatus_ Schneider; der +Alpenmolch+, _Triton alpestris_ Laur., und der +Schweizermolch+, _Triton helveticus_ Razoumowsky. Die beiden ersten finden sich zur Laichzeit im April fast in jedem lehmigen Graben und Tümpel. _Triton alpestris_ Laur. dagegen ist nur ziemlich häufig an einzelnen Orten der Oldenburger Geest; zwischen Weser und Elbe ist er nicht sicher nachgewiesen; aus dem Hamburger Gebiete dagegen ist er wieder bekannt. Noch eigentümlicher ist die Verbreitung unseres _Triton helveticus_ Razoum. Von demselben hat Verfasser nur einen Fundort, und zwar auf der rechtsseitigen Wesergeest, aufzufinden vermocht, obgleich zur Laichzeit seit fast zwei Dezennien viele Lokalitäten nach diesem seltenen Gaste durchsucht sind. Der fadenförmige Schwanzanhang, sowie die starken Schwimmhäute der Hinterfüsse des Männchens und die Mittelleiste des Rückens statt des Flossensaumes bei den anderen Arten sind so charakteristische Unterscheidungsmerkmale, dass er bei aufmerksamem Beobachten gar nicht mit den anderen verwechselt werden kann. Die Tritonen legen ihre Eier gewöhnlich im April, in milden Frühjahren oft schon im März, einzeln an Pflanzen, Laub, Stengeln u. dergl. im Wasser ab. Die Larven haben ihre volle Entwickelung gewöhnlich Ende des Sommers erreicht, alsdann verlieren sie auch die äusseren Kiemen, oft trifft man aber auch noch im Winter und im folgenden Frühjahre vollständig ausgebildete Tritonen mit den äusseren Kiemen. Verfasser traf in +einem+ Tümpel fast alljährlich zur Laichzeit im April 6 bis 10 _cm_ lange Exemplare von _Triton cristatus_ Laur. mit noch vollständig ausgebildeten äusseren Kiemen.
Den deutschen +Süsswasserfischen+ und ihren Lebensverhältnissen ist in diesem Bande schon eine eingehende Abhandlung gewidmet. Wenn im folgenden auch noch wieder von den Fischen die Rede sein soll, so geschieht es nur zu dem Zwecke, dem Naturbeobachter auch hier ein Bild einer lokalen Fischfauna des süssen Wassers zu geben, um daran zu zeigen, welche Arten an bestimmten Lokalitäten zu finden sind. Zuerst möge das Bild einer Flussfischfauna, sodann das eines Geestsees und endlich das eines Moorsees folgen. Der Fischreichtum in unserer Weser -- ich habe dabei das Gebiet etwa eine Meile unter- und oberhalb Vegesack im Auge -- ist ein ziemlich bedeutender. Von den Barschen finden sich ziemlich häufig der Flussbarsch, _Perca fluviatilis_ L., sowie der Kaulbarsch, _Acerina cernua_ Cuv. In grossen Mengen ist im Frühjahre in allen Buchten der gemeine Stichling, _Gasterosteus aculeatus_ L., zu beobachten. Ebenso wird recht häufig die schmackhafte Quappe, _Lota fluviatilis_ Bl., gefangen. Von den _Pleuronectae_ ist _Platessa flesus_, der kleine Wasserbutt, fast nur im ersten Jugendstadium, etwa 2–4 _cm_ gross, vorhanden. Einzeln kommen auch den Weserfischern der Karpfen, _Cyprinus carpio_ L., die Karausche, _Carassius vulgaris_ L., die Schleihe, _Tinca vulgaris_ Cuv., und die Barbe, _Barbus fluviatilis_ Cuv., ins Netz. Letztere gehört allerdings mehr dem oberen Flussgebiete der Weser an. Zwischen den einzelnen Schlengen und in den flachen Ausbuchtungen ist sehr häufig der zierliche Gründling, _Gobio fluviatilis_ Cuv., zu finden. Zu den gewöhnlichsten und am meisten von den Fischern gefangenen Fischen gehören der Alander, _Leuciscus Idus_ Selys-Long., der Rotflossen, _Leuciscus erythrophthalmus_ Valenc., der Döbel, _Leuciscus Dobula_ Valenc., das Rotauge, _Leuciscus rutilus_ Agassiz, der Bresen, _Abramis Brama_ L., und der Schnäpel, _Abramis vimba_ L. Auch wird einzeln der Lachs, _Trutta salar_ L., und die Lachsforelle, _Trutta trutta_ L., gefangen. In grossen Zügen erscheint im Januar, Februar und auch noch im März der Stint, _Osmerus eperlanus_ Art. An Individuenzahl hat in den letzten Jahren der Tielemann, _Corregonus oxyrrhynchus_ L., bedeutend abgenommen, ebenso der Maifisch, _Alosa vulgaris_ Cuv. Letzterer wird jetzt viel weiter weserabwärts gefangen. Häufige Bewohner der Weser dagegen sind der Hecht, _Esox lucius_ L., und der Aal, _Anguilla anguilla_ L. -- Alljährlich wird in einzelnen, oft recht stattlichen Exemplaren auch der Stör, _Acipenser sturio_ L., gefangen. Von den Rundmäulern sind beide Neunaugen, die Lamprete, _Petromyzon marinus_ L., und das Flussneunauge, _Petromyzon fluviatilis_ L., zu den Weserbewohnern zu rechnen. Erstere ziemlich selten, letztere dagegen häufig. Gefangen werden die Neunaugen vom Dezember bis zum Februar.
Zum Vergleich möge nun eine Aufzählung der Fische folgen, welche im +Zwischenahner Meere+, einem auf der Geest gelegenen grossen See, leben. Bekannt aus diesem „Meere“ sind: Der Barsch, _Perca fluviatilis_ L.; der Kaulbarsch, _Acerina cernua_ Cuv.; der Stichling, _Gasterosteus aculeatus_ L., und der kleine Stichling, _Gasterosteus pungitius_ L.; die Quappe, _Lota fluviatilis_ Bl.; der Schlammpeitzger, _Cobitis fossilis_ L.; der Karpfen, _Cyprinus carpio_ L.; die Karausche, _Carassius vulgaris_ L.; die Schleihe, _Tinca vulgaris_ Cuv.; der Gründling, _Gobio fluviatilis_ Cuv.; der Alander, _Leuciscus Idus_ Selys-Long.; der Rotflossen, _Leuciscus erythrophthalmus_ Valenc.; das Rotauge, _Leuciscus rutilus_ Agass.; der Brassen, _Abramis Brama_ L.; der Weissfisch, _Abramis Blicca_ Agass.; der Lachs, _Trutta salar_ L.; die Lachsforelle, _Trutta trutta_ L.; der Stint, _Osmerus eperlanus_ Art.; der Hecht, _Esox lucius_ L., und der Aal, _Anguilla anguilla_ L.
Und endlich ein Verzeichnis der Fische des +Balk-Sees+, eines mitten im Moore gelegenen 800 Morgen grossen Wasserbeckens. Häufig werden dort der Sandard, _Lucioperca sandra_ Cuv.; _Perca fluviatilis_ L., der Barsch; _Lota fluviatilis_ Bl., die Quappe; _Tinca vulgaris_ Cuv., die Schleihe; _Abramis brama_ L., der Brassen; _Esox lucius_ L., der Hecht; _Anguilla anguilla_ L., der Aal, und vereinzelt auch _Cyprinus carpio_ L., der Karpfen, gefangen.
Was die +Mollusken+ anlangt, so ist denselben in diesem Bande schon ein längerer Aufsatz gewidmet. Im folgenden soll deshalb dem Naturbeobachter nur gezeigt werden, was er im und am Süsswasser von dieser Tierklasse auffinden kann. Von den Nacktschnecken findet man auf den Inseln der Flüsse, an den Ufern unter Genist und Steinen die schwarze +Theerschnecke+, _Arion empiricorum_ Fér., _Arion fuscus_ Müller, den gefrässigen _Limax agrestis_ L. und den zierlichen braunen _Limax brunneus_ Drap. Unter feuchten und faulenden Weidenblättern lebt die glänzende _Hyalina nitida_ Müller. An den Schlengen _Helix hispida_ L.; _Helix rubiginosa_ Zgl.; _Helix liberta_ West. und besonders häufig da, wo _Aster salicifolius_ Scholler wächst, _Helix arbustorum_ L. In Gesellschaft mit _Hyalina_ trifft man _Cionella lubrica_ Müll.; _Cionella lubricella_ Zgl.; _Cionella acicula_ Müll.; _Pupa antivertigo_ Drap. und _Carychium minimum_ Müll. An den Pflanzen am Wasser ist sehr häufig _Succinea putris_ L. (die Bernsteinschnecke) mit ihren zahlreichen Varietäten, an Pflanzen im Wasser ebenso häufig _Succinea Pfeifferi_ Rossm. und am Boden _Succinea oblonga_ Drap. Von den eigentlichen +Wasserschnecken+ findet der Naturfreund eine ganze Reihe: zunächst die zahlreichen Limnaeen, von der grossen _Limnaea stagnalis_ L. bis zur kleinsten _Limnaea truncatula_ Müll., dann die eigenartig gewundenen +Tellerschnecken+, _Planorbis_; die +Napfschnecken+, _Ancylus_; ferner eine Reihe von Paludinen, Bythinien, Bythinellen und Valvaten, darunter in der Weser und Elbe die seltene _Valvata fluviatilis_ Colbeau, ferner _Neritina fluviatilis_ L. Von den Lamellibranchien gehören die sämtlichen Unionen, Margaritana, Anodonten, Sphaerien und Pisidien hierher und endlich die seit 1828 in Deutschland bekannte, aus dem Osten eingewanderte _Dreyssena polymorpha_ Pall. Es würde zu weit führen, die sämtlichen Süsswasserschnecken und Muscheln hier eingehender zu behandeln und es möge genügen, im obigen auf die zahlreichen Vertreter dieser Gruppe hingewiesen zu haben. Eine besondere Aufmerksamkeit verdient die neuerdings aus dem Osten eingewanderte Süsswasserschnecke, _Lithoglyphus naticoides_ Fér., welche vor einigen Jahren zuerst in der Weichsel aufgefunden wurde, dann etwas später auch in der Umgegend von Berlin und Küstrin entdeckt ist und schliesslich auch bei Rotterdam nachgewiesen ist. Bislang war sie nur bekannt aus dem südöstlichen Deutschland und aus den Flussgebieten des Schwarzen Meeres.