Part 4
Wie es bei den Milben als Regel anzusehen ist -- Ausnahmen sind ungemein selten --, hat unsere junge Larve (Fig. 3 _a_) nur sechs Füsse, jederseits drei, mit denen sie das Wasser lebhaft tritt, um schnell vorwärts zu eilen. Die grossen, als schwarze Pünktchen hervortretenden Augen bestimmen Richtung und Ziel der kräftigen Schwimmbewegung.
Wendet man eine hinreichende Vergrösserung an, so bemerkt man bald, dass diese erste, jüngste Larve auch noch in anderer Hinsicht, nicht nur mit Rücksicht auf die Taster, gegen die späteren Larvenstufen recht hervorstechende Verschiedenheiten zeigt, welche schon nach der nächsten Häutung verschwinden. So ist der ganze Rücken durch eine vorn breitere, hinten etwas zugespitzte härtere Deckplatte geschützt (Fig. 3 _f_). Eine solche findet sich bei den erwachsenen Tieren zahlreicher Wassermilbenarten auch nicht mehr andeutungsweise; bei anderen ist ein geringfügiger Rest übrig geblieben (_Hydrodroma_) und bei einer nur geringen Anzahl Arten ist die Verhärtung der Rückenhaut eine für alle Lebensstufen dauernde.
Die Unterseite unserer jungen Larven (Fig. 3 _a_) ist von der der späteren Larvenstufen und der erwachsenen Tiere zwar auch verschieden, doch finden sich die auch später beobachteten Verhältnisse im allgemeinen hier wieder vor. Auffallend ist dagegen, dass die den Wassermilben so eigentümlichen sogenannten Haftnäpfe hier noch völlig fehlen. So stellt die erste jüngste Larvenform eine sehr eigenartige Entwickelungsphase dar und es kommt in der That bei dem Übergang zur zweiten Larvenform zu einer in jeder Beziehung sehr durchgreifenden Gestaltveränderung.
Etwa fünf oder sechs Tage, nachdem das Tierchen sich aus der Eihülle befreit hat, stellen sich die Vorboten dieser Verwandlung ein. Die Milbe fühlt wohl selbst, dass mit ihr etwas Bedeutsames vorgehen soll und hängt sich, um die inneren Entwickelungsvorgänge ungestört ablaufen zu lassen, mit ihren Tastern an irgend einem geschützten Orte fest an. Die Glieder werden bewegungslos und die innere Körpersubstanz zieht sich aus ihnen zurück, eine rundliche von der alten Haut umschlossene eiartige Masse bildend. Ähnliches wiederholt sich später ebenso bei der zweiten noch eintretenden Häutung und wird auch bei der grossen Mehrzahl der Land und Wasser bewohnenden Milben beobachtet, wenn es auch nicht durchaus bei sämtlichen zu einer völligen Zurückziehung des Körperinhalts aus den Gliedern kommt.
Es gestaltet sich während der jetzt eben in Rede stehenden Larvenruhe unter der alten Haut eine neue Milbe aus. Man beobachtet deutlich die neuen Glieder durch die durchsichtige, nun bloss noch einen Schutz für das zarte neue Geschöpf abgebende bisherige Haut hindurch. Nach wenigen Tagen ist es soweit, dass das eingeschlossene Tier die Hülle sprengen kann. Statt einer sechsfüssigen Acaride tritt eine achtfüssige aus der Larvenhaut hervor (Fig. 3 _e_). Und während vorher die sechs Füsse ausserordentlich dünn und verhältnismässig kurz waren, fällt jetzt die Länge der acht neuen Füsse auf. Dieselbe übersteigt um ein Bedeutendes die Gesamtlänge des Rumpfes und giebt dem ganzen Tier etwas Schlankes und Zierliches. Das Rückenschild ist bis auf die letzte Spur verschwunden und auf der Unterseite sieht man ausser den völlig anders geformten grossen Hüftplatten noch jederseits von der kaum angedeuteten Geschlechtsöffnung ein schräg gestelltes Plättchen, welches zwei deutlich ausgebildete kreisrunde Haftnäpfe trägt. Noch ein Blick auf die Füsse belehrt uns, dass nicht nur reichliche Schwimmborsten die mittleren Glieder derselben schmücken, zwar noch nicht so zahlreiche wie beim erwachsenen Tier, aber doch schon genau ebenda aufgestellt wie bei diesem, sondern dass auch die Krallen eine ganz veränderte Form bekommen haben. Fig. 3 _c_ zeigt die Kralle der ersten Larve, während Fig. 3 _d_ diejenige aller späteren Lebensstufen darstellt, besser als eine Beschreibung es zu geben vermag. Die grösste Veränderung hat aber der Mundabschnitt erfahren. Der lange Schnabel ist verschwunden und die Taster sind langgestreckt und schlank, auch fehlt ihnen die scharfe Kralle, welche den ersten Larven so eigentümlich ist. Einem genaueren Beobachter entgeht auch nicht, dass die grosse Pore, welche bei letzterer zwischen den Hüftplatten des ersten und zweiten Fusses stand, jetzt ganz verschwunden ist. Dies hängt wohl mit der auffallendsten der inneren Veränderungen zusammen. Jetzt hat nämlich die junge Milbe zahlreiche Luftröhren bekommen, welche alle von zwei am Grunde der Kiefer ausmündenden Hauptstämmen ausgehen. Mit dieser Larvenform, welche in Fig. 3 _e_ abgebildet ist, ist für die Hydrachniden die letzte Stufe vor der ganz ausgebildeten Form erreicht. Es ist dies keineswegs Gesetz in dem ganzen Reiche der Acariden, dass zwischen Ei und erwachsenem Tier nur zwei Larvenstadien eingeschaltet sind. Vielmehr zeigen zahlreiche Gattungen, namentlich aus den Familien der Hartmilben und Tyroglyphus-artigen Milben drei und mehr Larvenstadien zwischen Ei und erwachsenem Tier, so dass es ein interessantes Gebiet der Forschung ist, entweder die Gründe einer so eingreifenden Verschiedenheit der Entwickelungsgeschichte innerhalb der Familie der Acariden darzulegen oder durch richtigere Auffassung der bestehenden Verhältnisse eine Übereinstimmung der scheinbar verschiedenen Entwickelungsformen zu erkennen. Bemerkenswert ist es jedenfalls, dass die Trombidium-Arten eine mit den Hydrachniden im wesentlichen übereinstimmende Entwickelungsweise zeigen, so dass auch hierdurch deren nahe Verwandtschaft bestätigt wird. Doch kehren wir noch einmal zu unserer Larve zurück. Diese war zunächst dadurch ausgezeichnet, dass die Füsse im Vergleich zum Rumpf ausserordentlich lang, wenn auch zierlich sind. Dieses Verhältnis ändert sich jedoch bald, indem die Larve durch sehr reichliche Nahrungsaufnahme schnell und erheblich wächst, so dass der Rumpf mächtig anschwillt, während die Gliedmassen unverändert dieselbe Grösse beibehalten und so allmählich immer mehr gegen den Rumpf zurücktreten.
Bald tritt nun eine neue Pause in der Entwickelung ein. Die Milbe sucht ein Versteck und versinkt in einen neuen Zustand völliger Regungslosigkeit, während welcher sich innerhalb der Larvenhaut die vollständig ausgebildete Milbe entwickelt. Entschlüpft dann der Larvenhaut das endgültig fertiggestellte Tier, so fällt auch wieder vor allem der Unterschied in der Längenentwickelung der Füsse auf. Aber auch in vielen anderen Punkten ist an dem neuen Geschöpfe eine wesentlich andere Form und Bildung zu bemerken. So sind die Weibchen nunmehr von den Männchen deutlich zu unterscheiden, während bis zur letzten Larve ein äusserlicher Unterschied der männlichen und weiblichen Larven nicht festgestellt werden konnte. Es sind aber auch abgesehen von diesem Unterschiede in beiden Geschlechtern die Schwimmborsten an den Gliedern namentlich der hinteren beiden Fusspaare ausserordentlich viel zahlreicher geworden. Endlich findet man statt der wenigen Haftnäpfe auf der Unterseite des Hinterleibes nunmehr deren zahlreiche jederseits in einem Häufchen vereinigt (Fig. 3 _i_ u. _k_).
Ist die erwachsene Milbe nach der letzten Häutung noch verhältnismässig klein, so bewirkt eine reichliche Nahrungszufuhr bald ein ansehnliches Wachstum, so dass es namentlich Weibchen bis zu 1½ _mm_ Länge giebt, während die Männchen meist erheblich kleiner bleiben. Überhaupt ist bei den Milben das Männchen meistens ziemlich viel kleiner als das Weibchen, selbst dann, wenn letzteres nicht durch die zahlreichen allmählich heranwachsenden Eier aufquillt.
Wie lange eine erwachsene Milbe zu leben vermag, ist nur selten Gegenstand des Experiments gewesen. Ich selbst habe Larven von _Nesaea fuscata_ einen ganzen Winter hindurch gehalten, ohne dass sie sich verwandelt hätten. Andere Beobachter haben ähnliche Resultate bemerkt. Es ist wohl möglich, dass eine Milbe der erwähnten Art mehrere Jahre hindurch ihr Leben erhalten kann.
Den Beschluss dieser Darstellungen aus der Entwickelungsgeschichte der Süsswassermilben mag die Lebensgeschichte der _Hydrachna globosa_ machen. Dieselbe ist schon von Dugès in den dreissiger Jahren unseres Jahrhunderts entdeckt und seitdem oftmals bestätigt worden. Diese Wassermilbe ist, wie bereits oben gesagt, insofern bemerkenswert, als aus ihren Eiern junge Larven schlüpfen, welche von den entsprechenden der Hart- und Weichschwimmer, also auch denen von _Nesaea_ und _Atax_ völlig verschieden sind, dagegen mit den Larven der auf dem Lande lebenden Trombidien grosse Ähnlichkeit besitzen. Eine derartige Larve, welche aber nicht zu _Hydrachna_, sondern zu einer Gattung gehört, welche den Namen _Hydrodroma_ erhalten hat, ist in Fig. 4 abgebildet. Sie zeichnet sich durch eine mächtige Entwickelung der Kiefer aus und führt Taster, welche unmittelbar an die Taster aller trombidiumartigen Landmilben erinnern, dadurch, dass das letzte Tasterglied an dem untern Ende des vorletzten Gliedes seitlich und nicht am obern Ende eingelenkt ist. Die Füsse sind mit Krallen bewehrt, welche sich in dieser Form ebenfalls bei zahlreichen Landmilben, selbst bei Panzermilben (Oribatiden) wiederfinden. Diese kleinen scharlachroten Larven scheinen unter allen Umständen ein parasitisches Leben führen zu müssen. So heften sich die Hydrachna-Larven an Insekten, welche im Wasser leben, fest. Sehr bevorzugt wird die graue Wasserwanze, an welcher man im Frühjahr häufig die schon über stecknadelkopfgrossen Parasiten mit ihrem Kopfe in die weicheren Hautpartien an den Gelenken eingebohrt findet. Da die völlig ausgewachsene Wassermilbe schon im Juni beobachtet wird, so wird bereits Anfang Juli das Ausschlüpfen aus den Eiern stattfinden. Die jungen Milben machen ihre erste Larvenzeit teils freilebend, so lange nämlich, bis sie ein geeignetes Nährtier gefunden haben, teils als Parasiten angeheftet an letzterem durch. Diese letztere Periode erstreckt sich durch den Herbst bis zum Frühjahr. Während dieser Zeit nimmt die Grösse des Tieres durch unausgesetzte Nahrungszufuhr dauernd zu, so dass Larven bis zu 2 _mm_ Länge an den Nährinsekten angetroffen werden. Der Hinterleib dehnt sich dabei allein aus, während die Gliedmassen keine Grössenzunahme erfahren. Gewissermassen gestaltet sich das Tier zu einer Vorratskammer von Nährstoffen um, welche nun im Frühjahr zur Neubildung der zweiten Larve verwendet werden. In dem aufgetriebenen Hinterleibe bemerkt man, wie in einem zugeschnürten Beutel ruhend, nunmehr die völlig anders gestaltete neue Milbe. Dieselbe hat acht Füsse statt der früheren sechs und zeigt ein verändertes Kopfsegment, ist überhaupt in keiner Weise vergleichbar der ersten Larve.
[Illustration: Fig. 4.
Erste Larve von _Hydrodroma rubra_.]
Diese zweite Larve hat bereits im wesentlichen die Gestalt des erwachsenen Tieres, zunächst aber noch nicht dessen Grösse. Durch schnelles Wachstum erreicht sie dieselbe aber bald und begiebt sich an einen Ort, wo sie die zweite Larvenruhe durchmachen kann. Zu diesem Zweck entleert sie einen Tropfen ihres Speichelvorrats und heftet dadurch ihren langen Schnabel an die Unterlage fest an. Die Glieder verlieren ihre Beweglichkeit und der Leibesinhalt gestaltet sich noch einmal zu einem neuen Tiere um. Nach etwa zehn Tagen durchbricht letzteres die schützende Haut der ruhenden Larve. Nunmehr ist das Tier ausgebildet und erfährt nur noch ein Grössenwachstum.
Anhang.
Tabelle zur Bestimmung der bis jetzt bekannt gewordenen Gattungen der Hydrachniden.
1. Die Augen nahe bei einander, der Mittellinie des Körpers sehr genähert 2.
Die Augen in zwei weit von einander getrennte Gruppen gesondert, dem Seitenrande des Körpers genähert 3.
2. Sämtliche Füsse ohne Schwimmborsten _Limnochares_, Latr.
Nur das vierte Fusspaar ohne Schwimmborsten _Eylaïs_, Latr.
3. Die Mandibeln eingliedrig, stechborstenartig, in einem schnabelartigen Mundrohr laufend _Hydrachna_, Müller
Mandibeln zweigliedrig 4.
4. An den Füssen keine Schwimmborsten 5.
An den Füssen Schwimmborsten 6.
5. Auf dem Rücken zahlreiche polygonale, einander sehr genäherte erhärtete Felder _Thyas_, C. L. Koch.
Eine einzige Panzerplatte bedeckt den Rücken _Aturus_, Kramer.
Der Rücken durchaus weichhäutig _Bradybates_, Neuman.
6. Die Körperhaut in beiden Geschlechtern überall erhärtet 7.
Auf dem Rücken des Männchens eine denselben fast vollständig bedeckende poröse Platte, welche dem Weibchen fehlt _Forelia_, Haller.
Auf dem Vorderrücken bei beiden Geschlechtern eine nur wenig umfangreiche vierzipfelige Stirnplatte _Hydrodroma_, C. L. Koch.
Der Rücken bei beiden Geschlechtern durchaus weichhäutig 9.
7. Am vierten Fusse jeder Seite keine Krallen _Marica_, C. L. Koch.
Am vierten Fusse jeder Seite Krallen 8.
8. Jederseits nur drei Haftnäpfe _Axona_, Kramer.
Jederseits sehr zahlreiche kleine, porenartige Haftnäpfe _Arrenurus_, Dugès.
9. Die Taster endigen scherenförmig _Diplodontus_, Dugès.
Die Taster endigen nicht scherenförmig 10.
10. Die Epimeren sämtlicher Füsse jeder Seite bilden ein zusammenhängendes Feld 11.
Die Epimeren der Füsse jeder Seite sind in zwei von einander getrennte Gruppen gesondert 14.
11. Der Körper bedeutend mehr lang als breit, oval abgerundet _Pseudomarica_, Neuman.
Der Körper kreisrund 12.
Der Körper hinten fast gradlinig abgestutzt _Acercus_, C. L. Koch.
12. Die Haftnäpfe fehlen ganz _Pontarachna_, Philippi.
Jederseits drei Haftnäpfe 13.
Jederseits zahlreiche Haftnäpfe _Midea_, Bruzelius.
13. Die Haftnäpfe auf der Innenfläche der Geschlechtsdeckklappe. _Lebertia_, Neuman.
Die Haftnäpfe auf der äussern Oberfläche der Geschlechtsdeckklappe. _Mideopsis_, Neuman.
14. Am vierten Fusse ohne Krallen 15.
Am vierten Fusse Krallen 16.
15. Jederseits drei Haftnäpfe auf der Innenfläche der Geschlechtsklappe _Teutonia_, Koenike.
Jederseits drei Haftnäpfe auf der Aussenfläche der Geschlechtsklappe _Limnesia_, C. L. Koch.
16. Jederseits drei Haftnäpfe auf der Innenfläche der Geschlechtsklappe. _Sperchon_, Kramer.
Die vorhandenen Haftnäpfe neben dem Geschlechtshof in die Haut eingelassen, oder auf Platten angebracht 17.
17. Jederseits drei Haftnäpfe 18.
Jederseits sechs oder viele Haftnäpfe 21.
18. Am Vorderrande des vorletzten Tastergliedes ein stumpfer zapfenartiger Fortsatz neben dem fünften Gliede _Piona_, C. L. Koch.
Am Vorderrande des vorletzten Tastergliedes kein zapfenartiger Fortsatz 19.
19. Die Epimere des vierten Fusses jeder Seite am hintern Rande in der Mitte in eine längere Spitze nach hinten ausgezogen _Hydrochoreutes_, C. L. Koch.
Die Epimeren des vierten Fusses jederseits hinten geradlinig abgeschnitten 20.
20. Die Haftnäpfe klein, den Geschlechtshof völlig einrahmend _Megapus_, Neuman.
Die Haftnäpfe verhältnismässig gross, auf besonderen, neben dem Geschlechtshof stehenden Plättchen eingelassen _Hygrobates_, C. L. Koch.
21. Die Krallen mit blattartig erweiterter Basis; Männchen mit besonders umgestaltetem dritten und vierten Fuss _Nesaea_, C. L. Koch.
Die Krallen nicht mit blattartig erweiterter Basis, Männchen mit nicht besonders umgestalteten Füssen _Atax_, Bruzelius.
Litteratur.
1) =Otto Friedrich Müller=, Hydrachnae, quas in aquis Daniae palustribus detexit, descripsit, pingi et tabulis aeneis XI incidi cur. Lipsiae 1781.
2) =Pierre André Latreille=, Précis des caractères génériques des Insectes. Paris 1796.
3) =Antoine Dugès=, Recherches sur l’ordre des Acariens en général et la famille des Trombidiés en particulier. Premier mémoire. Annales des Scienc. nat. Paris 1834.
4) =Carl Ludwig Koch=, Deutschlands Crustaceen, Myriapoda und Arachniden, Heft 1–40. Regensburg 1835–41. Desselben Verfassers Uebersicht des Arachnidensystems. Nürnberg 1842.
5) =Ragnar Magnus Bruzelius=, Beskrifning öfver Hydrachnider, som förekomma inom Skåne. Akad. Abhandl. Lund 1854.
6) =Edouard Claparède=, Studien an Acariden. Zeitschrift für wissensch. Zoologie von Siebold und Kölliker, XVIII. Bd. Leipzig 1868.
7) =A. Croneberg=, Ueber den Bau der Hydrachniden. Zool. Anzeiger von V. Carus. Leipzig 1878, Jahrg. I, Nr. 14.
8) =C. J. Neuman=, Om Sveriges Hydrachnider, med 14 Taflor. Kongl. Svenska Vetenskaps-Akad. Handlingar, Bd. 17, 1879.
9) =G. Haller=, Die Hydrachniden der Schweiz, mit 4 Tafeln. Bern 1882.
10) =F. Koenike=, Ueber das Hydrachniden-Genus Atax. Bremen 1881.
11) =F. Koenike=, Revision von A. Leberts Hydrachniden des Genfersees. Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. XXXV, 1881.
12) =F. Koenike=, Zwei neue Hydrachniden vom Isergebirge. Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. XLIII.
13) =F. Koenike=, Eine neue Hydrachnide aus dem Karraschsee bei Deutsch-Eylau. Schriften der naturforschenden Gesellschaft zu Danzig. N. F. VII. Bd.
14) =F. Koenike=, Ein neues Hydrachniden-Genus (Teutonia). Archiv f. Naturgesch. 1890, Bd. 1.
15) =F. Koenike=, Einige neubenannte Hydrachniden. Abh. des naturw. Vereins in Bremen, Bd. IX.
16) =Robert Schaub=, Über die Anatomie von Hydrodroma. Ein Beitrag zur Kenntnis der Hydrachniden (mit 6 Tafeln). Sitzungsberichte der kaiserl. Akad. der Wissenschaften in Wien. Math.-naturw. Klasse, Bd. XCVII, 1888.
17) =Robert Schaub=, Über marine Hydrachniden nebst einigen Bemerkungen über Midea (mit 2 Tafeln). Sitzungsberichte der kaiserl. Akad. der Wissenschaften in Wien. Math.-naturw. Klasse. Bd. XCVIII, 1889.
18) =Th. Barrois=, Matériaux pour servir à l’étude de la faune des eaux douces des Azores. I. Hydrachnides. Lille 1887.
19) =Th. Barrois= et =R. Moniez=, Catalogue des Hydrachnides etc. Lille 1887.
20) =Th. Barrois=, Note sur la dispersion des Hydrachnides. Revue biolog. du Nord de la France, T. I. 1888–1889.
Kerfe und Kerflarven des süssen Wassers, besonders der stehenden Gewässer.
Von Dr. =E. Schmidt-Schwedt= in Berlin.
=Vorbemerkung.= Der folgende Aufsatz will nur +Skizzen+ aus der Kerfwelt des süssen Wassers geben; dass dabei ganz wesentlich die Kerfe und Kerflarven der stehenden Gewässer berücksichtigt worden sind, ist schon in der Überschrift angedeutet worden. Ich habe diese Beschränkung geübt, um mich in den Schilderungen fast ganz auf eigene Anschauung, auf eigene Beobachtungen stützen zu können. Auch der Kundige, so hoffe ich, wird darin, besonders in biologischer Hinsicht, manches Neue finden; in jedem einzelnen Falle es als solches kenntlich zu machen oder zu abweichenden Angaben in der Litteratur besonders Stellung zu nehmen, schien mir in einem Aufsatze wie dem vorliegenden überflüssig.
Einleitung.
Wenn von dem zahllosen Heer der Kerfe die Rede ist, denkt wohl fast Jeder zunächst nur an die augenfälligen Vertreter derselben, welche dem Luftmeer angehören und auf Blatt und Blüte, wie auf und in der Erde ihr Wesen treiben: dass auch dem Wasser Vertreter dieses „luftigen“ Volkes in reichlicher Menge angehören, der Gedanke liegt wohl Vielen fern. Wer dann unter kundiger Leitung besonders ein pflanzenreiches stehendes Gewässer etwa im Mai mit dem Netz[X] untersuchen will, der dürfte wohl staunen über das reiche Insekten- und vornehmlich Insektenlarvenleben derselben und wenn er einiges mit nach Hause nimmt zu genauerer Untersuchung und Beobachtung der Lebenserscheinungen, könnte sich leicht ein dauerndes Interesse für diese Tierwelt daraus entwickeln. Derjenige nun, welcher seine Aufmerksamkeit den Wasserinsekten zuwenden will, kann zeitig im Frühjahr mit seiner Thätigkeit beginnen. Wenn kaum einige Zeit das Eis unserer Gräben und Teiche den wieder kräftiger werdenden Sonnenstrahlen gewichen ist, beginnt schon ein grosser Teil der im Wasser lebenden Insekten und Insektenlarven ihr gewohntes Treiben. Geraume Zeit also, bevor der erste Schmetterling, die erste Grabbiene (_Andrena_), die erste Pollenia (Fliegenart) erscheint, bietet ein Ausflug nach Teichen und Gräben auf Wasserinsekten reichliche Ausbeute. Ja, manche Vertreter unserer biologischen Gruppe scheinen eine Winterruhe kaum zu halten; wenigstens habe ich mehrfach selbst im Januar Larven der Käferfliegen unter dem Eise ihrer Lebensaufgabe, dem Frassgeschäft, obliegen und Schwimmkäfer wie Wasserwanzen sich ebendort tummeln sehen. Es ist eben das Wasser, die Urheimat alles Lebendigen, für alle Lebewesen, die in seinen Schoss sich begeben haben, in vieler Hinsicht ein ungleich freundlicheres Element als das Luftmeer. Die besonders im Frühjahr sprungartigen Veränderungen in der Wärme der Luft, die allen Tieren, welche zu früh ihre Winterplätze verlassen haben, leicht verderblich werden, gleicht das Wasser mässigend aus und die trüben Regen- und Schneeschauer des Frühjahrs hält es seinen Inwohnern sicher vom Leibe. Bei den nicht zu hohen Wärmegraden bietet sogar das Wasser im Frühjahr denen unter seinen Bewohnern, welche zur Atmung nicht die atmosphärische Luft, sondern die im Wasser gebundene benutzen, besonders günstige Daseinsbedingungen, da der Luftgehalt des Wassers dann wegen der geringen Wärme grösser ist als im Sommer[XI]. Das reichste Insektenleben zeigen die Gewässer wohl im Mai; die Zahl der Larven, welche den grösseren Bestandteil der Insektenwelt des Wassers ausmachen, ist dann auf ihrem Höhepunkt. Zum Hochsommer nimmt deren Zahl wieder ab. Nicht wenige der dem Wasser angehörigen Insektenlarven überwintern freilich selbst in diesem Zustand, z. B. einzelne Schwimmkäferlarven, zahlreiche Mücken-, Köcherfliegen- und Eintagsfliegenlarven.
[X] Ich benutze dazu mit Vorliebe wenig tiefe Netze aus weissen Rosshaaren. Dieselben bieten besonders den Vorteil, dass der Stoff im Wasser nicht quillt, also die Lücken gleich weit bleiben und dass ferner Algenschleim u. dergl. nicht daran haften bleibt.
[XI] Auch bei den Ausflügen, die dem Fange unserer Tiere gelten, macht sich geringe Wärme als günstiger Umstand bemerkbar; ungleich leichter als an warmen Sommertagen bringt man die Tiere ohne Abgang an Toten an kühlen Frühlingstagen heim.
Ist nun auch die Zahl der Insekten und besonders der Insektenlarven, welche im Wasser leben, eine recht erkleckliche, so ist doch anderseits zu betonen, dass die eigentliche Stärke dieser Grossmacht des Tierreichs auf der Erde, in der Luft liegt und -- was für unsere Betrachtungen wichtiger ist -- dass das Verhältnis der Insekten zum Wasserleben im wesentlichen ein gleiches ist wie das der Säugetiere zu demselben. Ich will damit sagen, dass hier wie dort der Grundtypus der Klasse in seiner ganzen Gestaltung auf das Landleben hinweist (wie etwa umgekehrt der der Fische und Krebse auf das Wasserleben) und dass die im Wasser lebenden Vertreter, bei den Säugetieren z. B. Seeotter, Seehund, Walfisch, zwar mehr oder minder weit gehende Abänderungen von jenem Grundtypus zeigen, die eben im Zusammenhange mit ihrem besonderen Aufenthaltsorte stehen, aber doch immer noch deutlich genug erkennen lassen, dass solche Eigentümlichkeiten erst etwas nachträglich Hinzugekommenes sind, oder vom Standpunkte der Abstammungslehre aus: Die Vorfahren dieser im Wasser lebenden Tiere waren Landtiere; erst nachträglich haben sich die Anpassungen, welche in Beziehung zum Wasserleben stehen, herausgebildet. Zwei Gebiete der Lebensthätigkeit nun werden bei der Gegenüberstellung von Land- und Wasserleben besonders berührt und also auch die denselben dienenden Organe: +Atmung+ und +Bewegung+[XII]. Diesen beiden Funktionen und ihren Organen werden wir also im Folgenden in erster Linie unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden haben.
[XII] An dritter Stelle wären die Sinnesorgane in Betracht zu ziehen, doch muss ich dieselben, da dies ein völlig unbebautes Gebiet ist, im Folgenden ausser Betracht lassen.
Bei den Säugetieren ist die Zahl der Ordnungen, aus denen Vertreter dem Wasser angehören, nicht eben gross, wenige Raubtiere, Nagetiere und die beiden Ordnungen der Robben und Wale; ein gleiches trifft für die Insekten zu, wenn man die entwickelten Tiere im Auge hat -- es sind dann nur Käfer und Schnabelkerfe (Wanzen) zu nennen. Anders gestaltet sich aber das Bild, wenn man, wie billig, auch die Larven berücksichtigt. Dann ist nur eine Ordnung im Wasser nicht vertreten, nämlich die der Hymenopteren, d. h. der Verwandten von Biene, Wespe und Blattwespe. Um nun die stattliche Reihe aller dieser Vertreter in eine übersichtliche Anordnung zu bringen, dürfte es sich empfehlen, die natürlichen Gruppen des Insektenvolkes, die Ordnungen, zu Grunde zu legen.
Käfer.
1. Taumelkäfer (Gyriniden).
Zu den wenigen Vertretern der Wasserinsekten, welche sich auch dem flüchtigen Auge des Spaziergängers aufdrängen, gehören die mässig grossen (bis 7 _mm_), nicht eben zahlreichen Arten der Taumel- oder Drehkäfer (Gyriniden). In vielfach durch einander geschlungenen Linien schwimmen sie blitzschnell bei schönem Wetter gesellig +auf der Oberfläche+ stehender wie fliessender Gewässer dahin. Diesen Tummelplatz, die Oberfläche des Wassers, teilt mit ihnen unter den Wasserinsekten in gleich ausgesprochener Weise nur noch eine Familie der Schnabelkerfe, die Wasserläufer (_Hydrodromici_), die auf langen Beinen zur Überraschung des Zuschauers auf dem Wasser dahinlaufen[XIII].
[XIII] Auf der Oberfläche des Wassers trifft man nicht selten auch verschiedene Fliegenarten, besonders solche aus der Familie der Dolichopiden und Musciden (Ephydrinen). Ebenso leicht, wie sie auf dem Wasser dahin laufen, fliegen sie auch wieder von dort fort; Anpassungen an das Leben an diesem Aufenthaltsort wie bei Taumelkäfern und Wasserläufern sind mir nicht bekannt. -- An vierter Stelle könnte man hier vielleicht noch die winzigen Springschwänze (Poduren) nennen, die sich bisweilen in der Nähe des Ufers in grossen Scharen ansammeln und dann einer Masse Schiesspulver gleichen, dessen Körner auf rätselhafte Weise in hüpfende Bewegung versetzt sind.
Unterscheiden sich die Taumelkäfer von den Wasserläufern schon dadurch, dass sie an der Oberfläche dahin+schwimmen+, nicht auf ihr laufen, so kommt dazu noch weiter, dass sie auch, was jene nie thun, leicht in das Wasser hinabtauchen, sei es nun, um sich der Ungunst des Wetters oder drohender Gefahr zu entziehen oder um Beute zu erhaschen. Während der Käfer auf der Oberfläche schwimmt, scheint er gleichzeitig die Umgebung =über= wie =unter= Wasser zu mustern; wenigstens weist darauf eine seltsame Einrichtung seiner Augen hin. Jedes derselben ist nämlich durch eine breite Chitinleiste in einen nach oben und einen nach unten gewendeten Teil geschieden, so dass man bei unseren Tieren von vier Netzaugen sprechen kann.
Die Ausgestaltung ihrer Beine zum Schwimmen ist vollkommener als bei irgend einem anderen Käfer und zwar gilt das in annähernd gleichem Grade für Mittel- wie Hinterbeine, während die Vorderbeine, welche nur zum Greifen und Festhalten benutzt werden, armartig verlängert sind. An den Mittel- und Hinterbeinen sind besonders die Schienen und vier ersten Fussglieder flossenartig verbreitert und dabei etwas schaufelartig ausgehöhlt; der Aussenrand ist überdies mit Schwimmborsten besetzt. Schwimmen, besonders schnelles Schwimmen mit den Gliedmassen, ist eine ansehnliche Arbeitsleistung und stellt daher an die Festigkeit des Körperbaues, vornehmlich hinsichtlich der Anfügung der Gliedmassen, hohe Anforderungen. Wer den Bau unseres Käfers auf diesen Gesichtspunkt hin untersuchen will, wird ihn in Einklang mit jenen Forderungen finden. Besonders die Hinterhüften sind auffallend gross und fest mit dem Brustskelett verwachsen; an der Mittelbrust, von deren Hüftteilen annähernd Gleiches gilt wie von den Hinterhüften, fällt besonders der grosse Mittelteil (_Mesosternum_) auf, dessen Ausdehnung einen Schluss erlaubt auf die auch in diesem Brustring entwickelten Muskelmassen.
Die Anpassung der Beine an das Schwimmen ist eine so ausgeprägte, dass die Käfer auf dem Lande ebenso unbeholfen sind wie manche Vertreter der im Wasser lebenden Säugetiere. Wollen sie jedoch von einem Gewässer zum anderen wandern, so stehen ihnen wie allen Wasserkäfern dazu die Flügel zu Gebote.
[Illustration: Fig. 5[XIV].
_1_ Larve von _Gyrinus striatus_ Oliv. Von den vier Endhaken sind nur zwei abgebildet. _Tr_ Tracheenkiemen -- _2_ Larve von _Dytiscus marginalis_ -- _3_ Larve von _Acilius sulcatus_ -- _4_ Larve von _Hyphydrus ovatus_. 1 und 4 nach Schiödte, 2 und 3 nach Schiödte und Rösel kombiniert.]