Part 9
Zur Atmung streckt er, den Schwimmkäfern ähnlich, das Hinterleibsende aus dem Wasser; man möchte also hier auch grosse und ansehnliche Luftlöcher vermuten. Die Luftlöcher des Hinterleibes jedoch sind auffallend klein; grosse, mit zarten Schutzhaaren versehene Luftlöcher, welche fraglos für die Atmung in erster Linie in Betracht kommen, liegen dagegen ziemlich verborgen seitlich an der Brust, etwas nach hinten und bauchwärts von der Ansatzstelle der Hinterflügel, ferner in der Verbindungshaut der Vorder- und Mittelbrust, sowie zwischen Mittel und Hinterbrust und zwar am Rande der Unterseite. Die Luft aber wird von dem Hinterleibsende nach diesen Stigmen in eigentümlicher Weise geleitet. Es ist nämlich der Bauch in der Mitte gekielt (Fig. 10, 25) und wiederum an den Rändern erhaben, sodass zwei seitliche, freilich flache Rinnen entstehen. Über diesen Rinnen stehen je zwei Haarreihen, eine vom Aussenrande und eine von der Mitte her und unter solchem Haardach wird die Luft in den beiden Rinnen von hinten her zur Brust und zwischen Haaren derselben weiter zu den Stigmen fortgeleitet. Nicht selten sieht man die Hinterbeine, Geigenbogen vergleichbar, über den Hinterleib hinfahren, um die Luft in der einen oder anderen Richtung fortzuschieben. Hin und wider klappen auch an der Oberfläche die Haarreihen aus einander. Die Aussenränder der drei letzten Ringe sind übrigens noch mit nach aussen gerichteten Haarreihen versehen und diese ruhen beim Atmen auf der Oberfläche; auch die Bürste zur Reinigung der Schwimmhaare befindet sich anscheinend hier.
+Laich+ und +Larven+. Im Zimmeraquarium habe ich die Eier des Rückenschwimmers mehrfach schon im März erhalten; sie waren einzeln an lebenskräftigen, grünen Blättern abgelegt. Die ausschlüpfenden Larven lassen die Zugehörigkeit zu dem entwickelten Insekt in allen Punkten bis auf die weissliche Färbung und den Mangel der Flügel erkennen. In Menge trifft man die Larven während der Sommermonate in den Gewässern an, dem Raube obliegend wie die entwickelten Kerfe. Ende Juni thun die ersten den letzten Schritt in der Entwickelung, der bei den Schnabelkerfen im Vergleich z. B. zu den Käfern recht klein ist. Dass hier kein Ruhe- d. h. Puppenstadium nötig ist, um die letzte Häutung vorzubereiten, ist ohne Weiteres verständlich.
=2. Corisa= (Fig. 10, 26).
Mit _Notonecta_ und _Plea_ werden bisweilen die zahlreichen und teilweise recht häufigen Arten der Gattung _Corisa_ zu einer Familie vereinigt. Ist auch eine gewisse oberflächliche Ähnlichkeit vorhanden, so erweist sich doch _Corisa_ bei eingehenderer Betrachtung so verschieden von den beiden anderen, dass eine derartige Vereinigung recht gewaltsam erscheint. Ich beschränke mich hier darauf, hervorzuheben, dass die Corisa-Arten, unter denen _C. Geoffroyi_ (fast 1,5 _cm_ messend) die grösste, aber nicht häufigste ist, nicht mit dem Bauch, sondern mit dem Rücken nach oben schwimmen, dass sie ferner nicht das Hinterleibsende zur Atmung an die Oberfläche bringen, sondern den Vorderkörper, und zwischen Kopf und Vorderbrust oder Vorder- und Mittelbrust, die dabei von einander gebogen werden, die Luft einsaugen. Besonders grosse Luftlöcher liegen in der Gelenkhaut der Vorder- und Mittelbrust, an den Seiten der Mittelbrust und scheinbar an denen der Hinterbrust. Im Wasser erscheint die ganze Unterseite mit einer silberglänzenden Luftschicht bedeckt. Natürlich fehlen nun auch die eigentümlichen Luftrinnen an der Bauchseite des Hinterleibes.
Von den Beinen ist wiederum das letzte Paar zu Schwimmbeinen umgestaltet. Das Schwimmen erfolgt regelrecht unter gleichzeitiger Bewegung beider Beine. Eine eigenartige, schaufelförmige Ausbildung zeigt das Vorderbeinpaar. Es dient mit dem Schnabel zusammen bei einzelnen Arten (oder bei allen?) als Musikinstrument. Die ziemlich laute und anhaltende „Musik“ habe ich übrigens bei den Tieren, welche ich hielt, stets erst am Abend gehört. Die Tiere hielten sich unter Wasser mit den Mittelbeinen fest und geigten mit den Vorderbeinen über den Schnabel. Deutlich liess sich die Gleichzeitigkeit des Tones mit der Bewegung der Vorderbeine beobachten.
Wie alle Schnabelkerfe des Wassers leben auch die Corisa-Arten vom Raube; aber sie dürften bei der Eigenart ihrer Mundteile nicht nur zu saugen, sondern auch kleinere, festere Sachen zu zerkleinern vermögen[LIV]. Häufig habe ich sie an winzigen Mückenlarven gesehen. Der Schnabel weicht wesentlich von dem des Rückenschwimmers schon durch die auffallende Kürze und Breite ab. Die Hauptmasse desselben wird freilich, wie ich im Gegensatz zu den meisten mir bekannten Angaben, welche gleichmässige Beteiligung der Ober- und Unterlippe an der Schnabelbildung behaupten, fand, hier wie bei den anderen Rhynchoten von der nach oben zusammengelegten und gegliederten Unterlippe gebildet, in der die kurze Oberlippe und die vier Stechborsten liegen[LV].
[LIV] Vergl. hierzu die Angaben von +Geise+, „Die Mundteile der Rhynchoten“ im Archiv für Naturgeschichte 1886.
[LV] Siehe auch +Geise+ a. a. O.
An der Bildung der Mundteile sind auch die im Mai ausnehmend häufigen Larven als Corisa-Larven leicht zu erkennen. Dieselben bieten +vor der ersten Häutung+ in ihrer Atmung eine Abweichung sowohl von den Notonecta-Larven als auch von den eigenen entwickelten Zuständen. Sie kommen nämlich nicht dazu an die Oberfläche, sondern atmen durch die zarte Hautoberfläche. Das Tracheensystem ist zu dieser Zeit an manchen Teilen der Haut sehr fein und reich verzweigt, aber es besitzt, wie bei dem durchsichtigen Körper mit Hilfe des Mikroskops leicht festzustellen ist, keine thätigen Luftlöcher. Oft sah ich solche Larven sich mit den Hinterbeinen frisches Wasser zufächeln, während sie sich mit den Mittelbeinen festhielten. Larven mit Flügelansätzen zeigen freilich schon die Atmungsweise der entwickelten Tiere[LVI].
[LVI] Die sehr ähnliche Gattung _Sigara_, besonders durch die Zahl der Fühlerglieder unterschieden, habe ich bisher nur in grösseren Gewässern, nicht in Gräben und Teichen gefunden.
3. Nepa, Ranatra, Naucoris.
Den dritten Typus der im Wasser lebenden Schnabelkerfe bilden die beiden, je nur eine Art umfassenden Gattungen _Nepa_ und _Ranatra_ (Fig. 10, 28). Beide sind kenntlich an den langen, aus zwei seitlichen Halbrinnen bestehenden Atemröhren am Körperende und an den ausgeprägten, nach vorn gerichteten Raubbeinen des ersten Brustringes. Die Schiene derselben kann gegen den Schenkel wie die Schneide eines Taschenmessers gegen den Griff umgeschlagen werden; die Krallen am Ende fehlen, der eingliedrige Fuss selbst sieht dagegen krallenartig aus. Hinsichtlich der Beinbildung bildet die Gattung _Naucoris_ (Fig. 10, 27) den Übergang zu _Nepa_; sonst freilich weist sie nicht viel Übereinstimmung mit derselben auf.
_Nepa cinerea_, der Wasserskorpion, und _Ranatra linearis_ unterscheiden sich von einander leicht durch die Gestalt; der erstere ist breit, verhältnismässig kurz und von oben nach unten platt gedrückt, während _Ranatra_ am besten gekennzeichnet wird durch den Namen, welchen ihr jüngst einer meiner Schüler gab: +Strohhalmwanze+. Wer sie nicht kennt, dürfte sie in der That oft genug jener Ähnlichkeit wegen, da sie überdies meist bewegungslos mit abgestreckten Beinen im Netz liegt, übersehen.
Mit der Schwimmbefähigung und Schwimmneigung beider ist es nicht sonderlich bestellt; die Mittel- und Hinterbeine, welche dabei gebraucht werden, sind nur schwach bewimpert. Sie bewegen jedoch die Beine desselben Paares gleichzeitig und _Ranatra_, dessen Beine ausserordentlich lang sind, kommt schwimmend ziemlich schnell fort. Die Lieblingsstellung beider Tiere ist übrigens, sich schräg abwärts gerichtet an einer Wasserpflanze mit den beiden letzten Beinpaaren zu halten, so dass die Atemröhre eben zur Oberfläche emporragt, und so bewegungslos auf Raub zu lauern. Blitzschnell erfassen sie mit ihren Vorderbeinen vorbeischwimmende Tiere, auch winziger Grösse, z. B. Daphnien. Einmal gefasst, entwindet sich keine Beute so leicht diesen Zangen. Bisweilen sah ich _Ranatra_ eine _Daphnia_ aussaugen und gleichzeitig mit jedem Vorderbeine eine neue Beute halten[LVII].
[LVII] Die Mundteile der Nepiden bieten übrigens eine morphologische Besonderheit dar; die Unterlippe derselben besitzt am vorletzten Schnabelgliede eingliedrige Taster im Gegensatz zu der allgemeinen Angabe, dass den Rhynchoten eigentliche Lippentaster fehlen. Das hatte bereits +Savigny+ erkannt und abgebildet. Seine Abbildung ist in Lehrbüchern immer wieder kopiert worden, aber anscheinend ohne Verständnis und Nachuntersuchung, denn die Taster sind in den Abbildungen recht undeutlich geworden und in den Erklärungen und Texten völlig verschwunden. +Burmeister+, der auch die Abbildung von Savigny bringt, hat sogar auf das Fehlen der Unterlippentaster hin eine besondere Deutung der Gliederung des Rüssels aufgestellt, die oft wiederholt wurde, und +Huxley+ („Wirbellose Tiere“) zieht mit deswegen in Frage, ob die Mundteile der Rhynchoten mit denen der anderen Insekten homologisiert werden können. Aufallenderweise giebt auch +Geise+, der die Mundteile der Schnabelkerfe so genau untersucht hat, an, dass bei _Nepa_ und _Ranatra_ die Lippentaster fehlen. Vgl. meine Mitteilungen über Mundteile der Rhynchoten und die Stigmen derselben in d. Sitzungsber. der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin, 1891.
Die Eier legen beide Wanzen im Mai an abgestorbenen schwimmenden Binsen u. dergl. ab und zwar so, dass das eigentliche Ei in die Pflanze eingesenkt ist und nur die eigenartigen, fadenförmigen Anhängsel der Eier (bei _Ranatra_ zwei, bei _Nepa_ mehrere) hervorragen (Fig. 10, 29 u. 30). Von _Ranatra_ habe ich mehrfach die Eier im Mai zu vielen Hunderten angetroffen. Die jungen Larven schlüpfen nach kurzer Zeit aus; die Zugehörigkeit zum entwickelten Tier ist bei ihnen wie bei _Nepa_ ohne Weiteres zu erkennen. Es fehlen ihnen zunächst nur die Flügelansätze und die Atmungsweise ist eine etwas andere. Bei den entwickelten Kerfen liegen die einzig offenen Stigmen am Ende des Hinterleibes, am Grunde der Atemröhre; die übrigen Stigmen desselben sind auf der Bauchseite zwar vorhanden, aber geschlossen und nicht in Thätigkeit; bei den Larven sind dagegen an der Bauchseite zwei gleichartige Haarrinnen vorhanden wie bei _Notonecta_, und unschwer erkennt man auch, dass von der kurzen +Atemrinne+ aus -- eine zweiteilige Atem+röhre+ ist noch nicht ausgebildet -- die Luft in diesen seitlichen Gängen zu den dort liegenden Luftlöchern fortgeleitet wird. In allen anderen Punkten aber, in der Bildung der Mundteile, im Schwimmen, in der gewöhnlichen Körperhaltung, sind die jungen Tiere ein getreues Abbild der alten.
Schlussbemerkungen.
Reich und mannigfaltig ist also, wie wir sehen, das Kerf- und besonders Kerflarvenleben der +süssen Gewässer+ entwickelt. Naturgemäss drängt sich da zum Schluss die Frage auf: Wie verhält sich dazu die Kerfwelt des Meeres? Ist dort ein ähnlicher Reichtum an Formen vorhanden; sind es verwandte und gleiche Formen wie die des süssen Wassers? Die Auskunft auf solche Fragen muss für Jeden zunächst überraschend sein: Von Kerfen und besonders Kerflarven des Meeres ist so gut wie gar nicht die Rede. Ausser einer Gattung der Wasserläufer (_Halobates_, Meerwanze) giebt es nur ganz vereinzelte Meerestiere unter den Kerfen und Kerflarven. Dass der Salzgehalt des Meerwassers die Ursache dieser auffallenden Erscheinung sein sollte, ist, auch schon wegen der Fauna der salzigen Gewässer des Binnenlandes, nicht wohl anzunehmen. Vielleicht ist dieselbe im folgenden zu suchen. Die fast nie ruhende Bewegung der Meeresoberfläche, besonders auch näher der Küste, macht zunächst allen Kerfen und Larven, die zur Atmung an die Oberfläche kommen, oft auf lange Zeit das Atmen und also das Leben im Meere unmöglich; aber auch für diejenigen Larven, bez. Puppen, welche durch Kiemen oder Tracheenkiemen atmen und die also zunächst in der schützenden Tiefe verbleiben können, kommt früher oder später der Zeitpunkt, wo sie zur Verpuppung oder zum Ausschlüpfenlassen des Insektes das Wasser verlassen müssen, und welche Schwierigkeit bietet sich dann für die schwachen Lebewesen durch die Brandung das Ufer und weiter eine Stelle zu erreichen, an der sie nicht eine spätere Welle oder die steigende Flut erreiche. Wie dem nun auch sein möge, jedenfalls bilden die Kerfe hierin einen bemerkenswerten Gegensatz zu der verwandten Klasse der Kruster, den echten Wassertieren, welche im Meere so ungleich reicher als im süssen Wasser entwickelt sind.
Anhang.
Tabelle zur annähernden Bestimmung der im Wasser lebenden Kerflarven[LVIII].
1. (8)[LIX] Mit Flügelansätzen[LX] 2.
2. (3) Mit gegliedertem Rüssel
_Schnabelkerfe_[LXI] oder _Rhynchoten_ (Fig. =10=, 25–28).
3. (2) Mit beissenden Mundteilen (_Orthoptera amphibiotica_) 4.
4. (5) Unterlippe zum Fangorgan ausgebildet, weit vorstreckbar (Fig. =9=, 19). Mit drei blattförmigen Kiemen[LXII] am Ende oder mit Darmkiemen _Odonaten_ (Fig. =9=, 19–22).
5. (4) Unterlippe gewöhnlich, tief geteilt 6.
6. (7) Mit Kiemen nur an den Seiten des Hinterleibes. Meist drei lange Endanhänge. _Ephemeriden_ (Fig. =9=, 23).
7. (6) Ohne Kiemen an den Seiten des Hinterleibes, oft mit solchen an der Brust. Meist zwei Endanhänge. _Perliden_ (Fig. =10=, 24).
8. (1) Ohne Flügelansätze. Larven, deren Brust- und Hinterleibsringe meist recht gleichartig und deren Tarsen nie gegliedert sind 9.
9. (10) Ohne +gegliederte+ Beine an den drei Brustringen, bisweilen mit fussartigen, ungegliederten Fortsätzen, die zahlreiche Chitinhaken tragen _Dipteren_ (Fig. =7=, 9–14).
10. (9) Mit gegliederten Beinen an den drei Brustringen 11.
11. (12) Mit je einem kräftigen Chitinhaken an zwei kürzeren oder längeren Afterbeinen am Hinterleibsende. Fühler meist fehlend, selten vorhanden und dann zweigliedrig, winzig. Mit oder ohne fadenförmige mehrreihige Kiemen. Mit oder ohne Gehäuse _Phryganiden_ (Fig. =8=, 15).
12. (11) Ohne derartige Chitinhaken an besonderen Afterbeinen; mit Fühlern 13.
13. (14) Raupen; mit fünf Paar Afterbeinen am dritten bis sechsten und letzten Hinterleibsringe. Afterbeine mit Hakenkränzen Wasserzünsler (_Paraponyx_, _Hydrocampa_, _Cataclysta_, _Acentropus_).
14. (13) Fast immer ohne Afterbeine[LXIII], oder doch nie mit Afterbeinen in obiger Anordnung 15.
15. (18) Mit fadenförmigen Kiemen, ohne thätige Luftlöcher[LXIV] 16.
16. (17) Ohne Chitinhaken am Körperende; Kiemen gegliedert, am Hinterleib _Sialis_, _Sisyra_.
17. (16) Mit vier Chitinhaken am Körperende; Kiemen ungegliedert, am Hinterleib _Gyriniden_ (Fig. =5=, 1).
18. (15) Ohne fadenförmige Kiemen; mit zwei thätigen Luftlöchern am Körperende 19.
19. (20) Fühler länger als der halbe Körper; Körper platt _Cyphon._
20. (19) Fühler kürzer als der halbe Körper; Körper mehr oder minder walzenförmig 21.
21. (22) Vorletzter (eigentlich drittletzter) Hinterleibsring mit zwei langen sichelförmigen Chitinhaken. Körper weichhäutig, bleich _Donaciden._
22. (21) Ohne solche Chitinhaken; Körper nicht bleich 23.
23. (24) Oberkiefer sichelförmig, ohne Zähne auf der Innenseite; Beine mit gesonderter Kralle, also sechsteilig. Fast immer zwei Krallen _Dytisciden_ (Fig. =5=, 2–4).
24. (23) Oberkiefer mit deutlichen Zähnen oder doch Höckern auf der Innenseite. Tarsus und Kralle nicht gesondert, Beine also fünfgliedrig. Nie zwei Krallen _Hydrophiliden_ (Fig. =6=, 6 und 7).
[LVIII] Die weitere Unterscheidung der unten folgenden Gruppen siehe teilweise im Text.
[LIX] Die eingeklammerten Zahlen weisen auf den Gegensatz hin.
[LX] Die jüngsten Larven sind zwar ohne Flügelansätze, aber durch ihre sonstige Ähnlichkeit mit den +ungleich+ häufigeren älteren Larven, die solche Ansätze haben, leicht kenntlich. Übrigens lassen sich die Larven der vier ersten Gruppen auch abgesehen von den Flügelansätzen durch die oben gekennzeichneten Merkmale der Mundbildung, der Kiemen und Endanhänge von den folgenden Larvengruppen unschwer unterscheiden. Zu Hilfe kann man noch nehmen, dass die Larven dieser vier Gruppen alle Netzaugen und grosse, wohl entwickelte Beine mit fast immer (oder immer?) teilweise gegliederten Tarsen haben und dass Brust- und Hinterleibsringe meist deutlich in ihrer Bildung von einander unterschieden sind.
[LXI] Die Gattungen sind unschwer durch die Ähnlichkeit mit den erwachsenen Tieren zu bestimmen.
[LXII] Kiemen steht in der Tabelle der Kürze wegen statt Tracheenkiemen.
[LXIII] Meines Wissens kommen nur bei _Philhydrus testaceus_ Afterbeine vor und zwar stehen sie am dritten bis siebenten Hinterleibsring.
[LXIV] Hierher gehören eigentlich auch wegen ihrer Kiemen _Berosus_ (Hydrophilide), _Cnemidotus_ und _Pelobius_ (Dytisciden). Von den Gyriniden, _Sialis_ und _Sisyra_ unterscheidet sich _Cnemidotus_ dadurch, dass auch an den Brustringen Kiemen stehen, _Pelobius_ durch bluterfüllte echte Kiemen an der Unterseite der Brust und _Berosus_ durch die besondere Oberkiefer- und Beinbildung (S. 24) der Hydrophiliden.
Litteratur.
[1] Zum Bestimmen der im Wasser lebenden Käfer wie der Käfer überhaupt ist zu empfehlen der betreffende Band der „Fauna austriaca“, nämlich =Redtenbacher=: „Die Käfer“. Wien 1858. Die Litteratur über die Käferlarven und Käferpuppen ist übersichtlich zusammengestellt in =M. Rupertsberger=, „Biologie der Käfer Europas“. Linz 1880. Für unsern Zweck sind fraglos am wichtigsten die Arbeiten =Schiödtes=, welche in der Naturhistorik. Tidsskrift von =Kröyer=, Kopenhagen, erschienen sind und zwar in den Jahrg. 1862, 1864, 1867, 1872. Der Text ist teilweise dänisch, teilweise lateinisch; die wichtigste Auskunft geben übrigens schon die vorzüglichen Abbildungen. Nicht unterlassen möchte ich, gleich hier auf die unser ganzes Gebiet behandelnden älteren Werke von =Rösel v. Rosenhof=, =Réaumur= und =De Geer= hinzuweisen.
=Rösel=, „Monatlich herausgegebene Insektenbelustigungen“. 1746 bis 1761.
=de Réaumur=, Mémoires pour servir à l’histoire des Insectes. Paris 1734–42.
=de Geer=, Mémoires pour servir à l’histoire des Insectes. Stockholm 1752–78. (Deutsch von =Götze=. Nürnberg 1778–83.)
[2] Eine umfassende Zusammenstellung der Litteratur über die Metamorphose der Dipteren giebt =Fr. Brauer=, „Die Zweiflügler des kaiserlichen Museums zu Wien“ (Denkschr. d. k. k. Akad. d. Wiss. Bd. 47. Wien 1883). Dort sind auch die Larven systematisch gruppiert und kurz geschildert. Für die eucephalen Larven ist wegen seiner vortrefflichen Abbildungen besonders zu empfehlen: =Fr. Meinert=, „Eucephale Myggelarver“ (Vidensk. Selsk. 6 Räkke naturvidensk. og math. Ath. III 3). Kopenhagen 1886.
[3] Abbildungen der Wasserraupen finden sich in =v. Praun=, „Abbild. u. Beschreib. europäischer Schmetterlingsraupen“. Herausgegeben von =E. Hoffmann=, 1874. Vergl. auch =Sorhagen=, „Kleinschmetterlinge der Mark“.
[4] Für Phryganiden, Ephemeriden und Perliden sind mit Vorteil zu benutzen die Werke von =F. J. Pictet=, 1) Recherches pour servir à l’histoire et à l’anatomie des Phryganides. Genf-Paris 1834. 2) Histoire naturelle des insectes neuroptères. Genf-Paris 1841–1843.
Ferner ist für beide Ordnungen zu empfehlen: =Fr. Brauer=, Neuroptera austriaca. Wien 1857. Eine Anzahl Beschreibungen und Muster für genaue Beschreibung der Larven und Puppen der Phryganiden findet man in: =Klapalek=, „Metamorphose der Trichopteren“. Prag 1888.
Für die Bestimmung der entwickelten Insekten ist besonders zu nennen: =Mc. Lachlan=, A monograph revision and synopsis of the Trichoptera of the European Fauna. London 1874–80.
[5] Die Ephemeriden nebst ihren Larven sind sehr eingehend behandelt in: =Eaton=, A revisional monograph of recent Ephemeridae. (Transact. of the Linnean Society.) London. Zoology. N. S. 3. 1888. Das Werk enthält zahlreiche Tafeln über die Larven.
[6] Zur Bestimmung der Gattungen der Wasserwanzen dürften die allgemeinen systematischen Handbücher ausreichen, z. B. das von =Ludwig-Leunis=. Zur Unterscheidung der Arten sind die Arbeiten von =Fieber=, besonders „Hemiptera europaea“, zu empfehlen.
Die Mollusken des Süsswassers.
Von =S. Clessin= in Ochsenfurt.
Unsere Gewässer, von der kleinsten Pfütze bis zu den grössten Seen und von der spärlichsten Quelle bis zu den wasserreichsten Flüssen, werden von Mollusken verschiedener Gattungen bewohnt. Aber obwohl die in den Gewässern vorkommenden Arten meist in reicher Individuenzahl auftreten, fallen sie dennoch dem nicht geübten Beobachter nicht so leicht ins Auge und es bedarf selbst der gewandte Sammler in der Regel besonderer Instrumente, um lebende Mollusken in grösserer Anzahl zu fangen. Leere Gehäuse werden dagegen oft in reicher Menge an gewissen Lokalitäten angeschwemmt gefunden.
Die Mollusken spielen im Haushalte der Natur eine wichtige Rolle, indem sie faulende Pflanzenstoffe, welche in den Gewässern sich ansammeln, verzehren und dadurch die Wasser rein erhalten. Die Mehrzahl der Arten werden ihrer geringen Grösse und verborgenen Lebensweise wegen leicht übersehen, doch beherbergen unsere Gewässer auch grosse, recht ansehnliche Arten, namentlich aus der Klasse der Muscheltiere, die bezüglich ihrer Entwickelungsgeschichte noch besonderes Interesse bieten.
Einteilung der Mollusken.
Die im Wasser lebenden Conchylien gehören zwei sehr verschiedenen Klassen an. Die eine besteht aus Tieren, welche einen Kopf mit Fühlern und Augen haben, die gewöhnlich an der Basis der Fühler sitzen, im übrigen aber jenen der Landschnecken, der Klasse der Gasteropoden oder Bauchfüssler ähnlich sind. Sie haben mit wenig Ausnahmen (Genus _Ancylus_ Geoff. und _Velletia_ Gray[LXV]) eine gewundene Schale, und ist das Gehäuse zuweilen mit einem Deckel verschlossen. Die zweite Klasse die Muscheltiere, Bivalven oder Zweischaler, haben keinen Kopf und keine Augen; das Tier besteht nur aus einem sackartigen Körper, dessen unterer, ausdehnbarer Teil als „Fuss“ die Bewegung vermittelt. Den Körper umhüllen auf jeder Seite zwei buchblattartig am Rücken angeheftete Kiemen und wird das ganze Tier von einem Mantel umschlossen, dessen Ränder entweder ganz frei bleiben, oder teilweise zusammengewachsen sind; im letztern Falle hat der Mantel einen Schlitz am Vorderteile des Tieres zum Durchgange des Fusses und eine Öffnung für die Anal- und Atemröhre. Die Schalen der Bivalven sind nicht gewunden, sondern bestehen aus zwei gleichgrossen Klappen, die durch ein elastisches Band, das Ligament, verbunden sind und sich nur wenig öffnen können. Das Tier ist an den gegenüberstehenden Enden durch zwei sehr starke Muskeln (die Schliessmuskeln), welche zugleich das Öffnen der Schalen regeln, und durch einen kleinen Wirbelhaftmuskel an die Schale angeheftet sind.
[LXV] Bezüglich der Arten und Genera verweise ich auf meine Werke: „Deutsche Excursions-Mollusken-Fauna“. 2. Aufl. Nürnberg 1884, Bauer & Raspe, und „Molluskenfauna von Österreich-Ungarn und der Schweiz“. Nürnberg 1890, Bauer & Raspe.
[Illustration: Fig. 11.
_Dreissena polymorpha._]
Die meisten Süsswassermuscheln sind freibeweglich; nur eine Art unserer heimischen Arten heftet sich durch einen Byssus (einen Büschel spröder Haare) an anderen Gegenständen an (_Dreissena polymorpha_ Pallas Fig. 11).
Die Genera der nicht gedeckelten Süsswasserschnecken sind durchweg Lungenatmer. Sie haben sehr verschiedene Formen, indem der Modus des Aufwindens der Umgänge sehr mannigfaltig ist. Die meisten Arten haben eine rechtsgewundene Schale, nur die Genera _Amphipeplea_, _Physa_ und _Aplexa_ winden ihre Umgänge nach links. Ferner besitzen die Genera _Limnaea_, _Physa_, _Aplexa_, _Amphipeplea_ ein mehr oder weniger erhöhtes Gewinde, nur Genus _Planorbis_ rollt seine Umgänge in platter Form auf, für welche der Name „Tellerschnecke“ sehr bezeichnend ist. Die Genera _Ancylus_ (Fig. 12) und _Velletia_ haben eine napfförmige Schale, von denen diejenige des ersteren Genus einer Jakobinermütze sehr ähnlich ist; bei beiden beschränkt sich die Windung des Gehäuses auf eine geringe Neigung des Wirbels nach rechts oder links. Die meisten Arten haben eine rauhe Schale, an welcher die Zuwachsstreifen deutlich erkennbar sind. Nur Genus _Physa_ und _Aplexa_ haben glatte, glänzende Gehäuse.
[Illustration: Fig. 12.
_Ancylus fluviatilis_ mit Tier.]
Die Deckelschnecken, mit Ausnahme des Gen. _Vivipara_, bestehen aus kleinen Arten. Alle sind mit Kiemen zur Wasseratmung ausgerüstet. Gewöhnlich bleiben die Kiemen in der Kiemenhöhle verborgen, nur Genus _Valvata_ (Fig. 13) besitzt die Fähigkeit, die federförmige Kieme auszustülpen und frei hervortreten zu lassen.
[Illustration: Fig. 13.
_Valvata piscinalis_ mit Tier.]
Das Gewinde ist bei diesen Schnecken ein kreiselförmiges (Gen. _Vivipara_ und _Valvata_) oder ein mehr oder weniger getürmtes, nur Gen. _Neritina_ und _Lithoglyphus_ haben ein kurzes, wenig hervortretendes Gewinde und eine starke Schale und weite Mündung; die Oberfläche der Arten des Gen. _Neritina_ ist mit hübschen netzartigen Zeichnungen bedeckt.
Die frei beweglichen Muscheln gehören zwei Familien an. Die grossen Arten gehören in die Familie der Najaden. Diese haben offenen Mantel, zwei gleichgrosse Kiemen und an der Mundöffnung jederseits zwei Mundlappen; der Mantel ist an seinem Rande am Hinterteile mit einem Kranze dunkelgefärbter Papillen besetzt. Die Kiemen dienen zugleich als Brutbehälter, haben gitterförmige Abteilungen, die, wenn Brut vorhanden, mit einer ungeheuren Anzahl von Embryonen besetzt sind.
Die kleineren Zweischaler der Familie _Cycladidae_ haben geschlossenen Mantel, und je eine Anal- und Atemröhre, welche mehr oder weniger über den Mantelrand hervortritt.
Wohnorte und Gewohnheiten.
Die ungedeckelten Wasserschnecken der Familie der Limnaeiden halten sich den grössten Teil des Tages auf dem Grunde der Gewässer im Schlamme auf, und ziehen die meisten Arten stehende Gewässer vor; nur wenige Spezies finden sich in fliessenden Wassern, für welche sie wegen ihrer dünnen, zerbrechlichen Schale wenig geeignet sind. In fliessenden Wassern kommt in der Regel nur _Limnaea peregra_ vor. -- Die übrigen Limnaea-Arten, die Spezies der Gen. _Physa_, _Aplexa_, _Amphipeplea_ und _Planorbis_ bewohnen nur stehende Gewässer.
Die Limnaeen (_Limnaea stagnalis_, _auricularia_, _ovata_, _palustris_) steigen bei heiterem, warmem Wetter an Wasserpflanzen an die Oberfläche des Wassers und kriechen, die Fusssohle nach oben gerichtet, das Gehäuse untergetaucht, ebenso sicher dahin, als wenn sie an einem festen Gegenstande kröchen. Wahrscheinlich saugt sich die Sohle an der auf dem Wasser aufstehenden Luftsäule an, da die Tiere sich jederzeit plötzlich zu Boden fallen lassen können. -- Das Aufsteigen der Limnaeen an die Oberfläche wird mit dem Bedürfnisse der Tiere, Luft zu atmen, in Verbindung gebracht, da die Limnaeiden mit Lungen ausgerüstet sind, während die mit Kiemen versehenen Deckelschnecken nie an die Oberfläche kommen. Die Limnaeen haben jedoch dieses Bedürfnis nur bei heiterem Wetter und bei erhöhter Temperatur des Wassers ihrer Wohnorte.
[Illustration: Fig. 14.
_Aplexa hypnorum._]
Eine Aplexa-Art (_Apl. hypnorum_ Fig. 14) besitzt sogar die Fähigkeit, plötzlich vom Grunde des Wassers an die Oberfläche aufzutauchen, von wo sie sich nach einigen Sekunden ebenso schnell wieder zu Boden fallen lassen kann.
[Illustration: Fig. 15.
_Vivipara vera_ Fr.]
Die gedeckelten Wasserschnecken der Genera _Vivipara_ (Fig. 15), _Bythinia_ und _Valvata_ leben im Schlamme der Gewässer, und zwar meist in stehenden, höchstens in sehr langsam fliessenden Wassern. -- Die Arten der Genera _Neritina_ und jene der Familie der Melaniiden leben nur in bewegtem Wasser, in welchem sie sogar stark flutende Stellen bevorzugen, für welche die Neritinen durch ihr kaum hervortretendes Gewinde und ihre weite Mundöffnung vorzugsweise geeignet erscheinen, weil sie den Fluten wenig Fläche darbieten. -- Die Bythinellen (Fig. 16) finden sich nur in Quellen an Steinen sitzend; die _Vitrella_-Arten kommen ausschliesslich in Höhlengewässern vor. -- _Velletia lacustris_ lebt in stehendem, _Ancylus fluviatilis_ und verwandte Arten nur in fliessendem Wasser. Doch findet sich erstere zuweilen auch in Bächen, während Ancylus-Arten auch in Seen vorkommen.
[Illustration: Fig. 16.
_Bythinella austriaca_ Frf.]
[Illustration: Fig. 17.
_Anodonta mutabilis v. cellensis_ Chem.]