Part 18
Ich hebe es noch einmal hervor, daß 1) in der heiligen Taufe das Element des Wassers mit dem Körper in äußerliche Berührung gebracht wird; daß 2) im heiligen Abendmahl Brot und Wein in den Körper aufgenommen werden; daß 3) das heilige Abendmahl in dem ersten Essen (der verbotenen Frucht) sein Gegen- und Vorbild hat und daß es 4) höchst wahrscheinlich ist, daß das andere Sakrament, die Taufe, in analoger Weise auf ein vorsündliches Ereignis sich bezieht. Mir ist schon lange der Gedanke gegeben worden, daß das dritte Kapitel des Evangeliums Johannes so zu verstehen ist, daß zwischen der natürlichen und der neuen Geburt ein Sterben liegt. Nikodemus verstand das nicht (V. 4), so klar es scheint. Er meinte, daß das Fleisch geheilt und für den Himmel geschickt gemacht werden könnte. Es war ihm unverständlich, daß der natürliche Mensch, weil getrennt von Gott, wirklich tot ist. Die Taufe ist also ein offenes Bekenntnis, daß der natürliche Mensch hoffnungslos schlecht und tot ist und nichts Gutes zu thun vermag; und daß sie bildlich ein Begrabenwerden des natürlichen Menschen und eine Neuschaffung oder Auferstehung vom Tod enthält. Im Abendmahl verkünden wir Christi Tod; die Taufe verkündet, daß der Mensch im natürlichen Zustand tot ist und vom Tod erstehen muß. Ein neugeborenes Kind ist tot in Gottes Augen, die Eltern aber, die es im Glauben zur Taufe bringen, empfangen (an seiner Statt) die Verheißung.
Ich kann nicht umhin, dafür zu halten, daß beide, die Taufe und das heilige Abendmahl, mit des Menschen Leib zu thun haben, denn die Elemente in beiden Fällen sind von dem Leib nicht zu trennen. Die Elemente werden in der Taufe äußerlich, im Abendmahl innerlich angewandt.
Der aber ist nicht ein Jude, der auswendig ein Jude ist, auch ist das nicht eine Beschneidung, die auswendig im Fleische geschieht (Röm. 2, 28. 29). Und ebenso bei der Taufe: der Mensch ist nicht darum ein Christ, weil er getauft ist. Kann einer nicht glauben ohne getauft zu sein, und kann in diesem Fall sein Nichtgetauftsein nicht als Getauftsein angesehen werden? Es giebt viele Stellen in der Schrift, die es klar zeigen, daß die Taufe an sich ohne Glaube kein nütze ist; und daraus erkennen wir, warum viele, die getauft sind, den heiligen Geist nicht haben.
Meiner Meinung nach hätten sich die Ausleger, welche über Taufe und Abendmahl geschrieben haben, manchen Irrweg gespart, wenn sie die drei ersten Kapitel des ersten Buches Mose besser erwogen hätten. Mir hat es seit Jahren Gedanken gemacht, was von der Taufe zu halten ist, doch ist es mir schon vor etlichen Jahren klar geworden, daß zwischen zwei Geburten ein Tod liegen muß (Joh. 3). Ich halte dafür, daß im Taufwasser die Sündenschuld zurückbleibt, so wie natürliches Wasser die Unreinigkeit der Gegenstände zurückbehält, die darin gewaschen werden. Es scheint mir aber nicht, daß der heilige Geist das Wasser in anderer Weise als Träger benutzt, als indem er es wirksam macht, die Sünde abzuwaschen. Als Jesus (der, obgleich ohne Sünde, sich als Mensch der Taufe unterzog) aus dem Wasser heraufstieg, kam der heilige Geist über ihn. Gott ist aber nicht an die Taufe gebunden, denn Johannes war voll des heiligen Geistes von Mutterleibe an, und Kornelius hatte den heiligen Geist empfangen vor der Taufe. Die Gläubigen gehen als Kinder Adams ins Taufwasser und gehen als Kinder Gottes daraus hervor.
Die Unterlassung der Taufe in gewissen Fällen anlangend, so fiel der heilige Geist auf Kornelius, ehe er getauft war (Apostelgesch. 10, 44). Mag auch jemand das Wasser wehren, daß dieser nicht getauft werde? Als Petrus und Johannes hinunter nach Samaria gingen (Apostelgesch. 8, 15-16), fanden sie, daß auf des Philippus Predigt hin die Leute glaubten und sich taufen ließen, sie empfingen den heiligen Geist aber erst durch der Apostel Handauflegung.
Aus diesen beiden Stellen ersehen wir, daß der heilige Geist nicht notwendigerweise mit der Taufe dem Täufling gegeben wurde, daß er aber auch nicht dem gläubigen Ungetauften versagt war. Paulus beschnitt Timotheus um der Juden willen (Apostelgesch. 16, 3). Die Beschneidung ist nichts und die Vorhaut ist nichts, sondern Gottes Gebot halten (1 Kor. 7, 19). Um der Juden willen beschneidet Paulus zwar den Timotheus, den Titus aber (Gal. 2, 3) will er nicht beschneiden. Dies zeigt, daß er nach der jedesmal von Gott ihm gegebenen Einsicht handelte. Indem er den Timotheus beschnitt, fügte er sich dem Urteil der Juden, gegen welches zu verstoßen er sich gewissermaßen fürchtete; oder warum hätte er sonst diesen jüdischen Gebrauch vollzogen? Wenn ich sage, daß er fürchtete, den Juden Anstoß zu geben, so meine ich damit, daß Gott ihm die Einsicht verlieh, daß es, um weiser Absichten willen und zur Vermeidung der Uneinigkeit recht sei, sich zu fügen. Ich glaube daher, daß wir z. B. gerechtfertigt wären, die Taufe bis auf weiteres zu unterlassen, wo der öffentliche Fanatismus sich dagegen auflehnt. Denn die Taufe macht einen nicht zum Christen, so wenig wie die Beschneidung einen zum Juden macht. Das bildliche Ausziehen des Fleisches durch die äußerliche Taufe ist nicht mehr nütze, als das bildliche Abthun der Unreinigkeit des Fleisches durch die äußerliche Beschneidung.
Wie bereitwillig gewährte Paulus dem Kerkermeister die Taufe (Apostelgesch. 16, 33). In derselben Stunde der Nacht, als dieser ihm die Striemen abwusch, verkündete ihm Paulus das Wort des Herrn und taufte ihn alsbald. Der Kerkermeister wusch des Apostels Striemen, und der Apostel wäscht ihm im Wasserbad die Sünden ab. Die Apostelgeschichte ist in erster Linie ein Missionslehrbuch; warum sind wir denn so vorsichtig mit der Taufe unter den Heiden? Fehlt uns selber der rechte Glaube? Paulus taufte in jener Nacht nicht nur den Kerkermeister, sondern alle, die in seinem Hause waren. Zu Philippi, der Hauptstadt des Landes (Apostelgesch. 16, 12), war das Gefängnis gewiß groß und es waren ohne Zweifel viel Leute in des Kerkermeisters Haus. Da drängt sich einem wohl die Frage auf, ob der Kerkermeister und alle, die in seinem Hause waren, alle die Katechismusfragen unserer heutigen Missionare hätten beantworten können!
Was hat der Mensch durch jenes erste verbotene Essen verloren? (Ich brauche nicht gern das Wort »Sündenfall« -- die Schrift nennt es nicht so.) Er verlor den heiligen Geist. Was gewinnt der Mensch im andern Essen? Er gewinnt den heiligen Geist. Es ist von Wert hierüber nachzudenken.
Der Verlust des heiligen Geistes ist Trennung von Gott, Tod; so sind wir in Gottes Augen von Natur tot, und wenn wir in das Taufwasser untergetaucht werden, so bekennen wir uns bildlich tot bei dem Begräbnis im Wasser.
Adam, der erste Mensch, entstieg dem Wasser der ersten Schöpfung. Er sündigte, das ganze menschliche Geschlecht war in ihm und starb in ihm, somit sind wir alle tot in den Augen Christi und verfallen damit der Gemeinstatt aller, dem Grab, dem Orte der Toten. Wir bekennen, daß wir beim Hineingehen ins Wasser der Taufe dasselbe sind, was Adam war. Wir gehen mit dem neuen Adam, Christus, als neue Kreatur aus der Taufe hervor. In ihm sind wir nicht länger tot; wir leben. Unser Hervorgehen aus der Taufe ist unser Auferstehen, und in Ihm erhalten wir (was wir vorher verloren hatten) den heiligen Geist, welcher unser Leben ist.
In Adam sind alle Menschen geschaffen, sie sterben mit ihm, werden zu Staub und gelangen an einen Ort, aus welchem sie alle kamen. Was ist der Sammelplatz aller Menschen? -- Das Grab. Christus aber, der zweite Adam, versammelt uns aus dem Grab in ihm selber, in der neuen Geburt. Indem wir im Taufwasser untertauchen, verbildlichen wir unsern Zustand; und indem wir uns so bildlich ins Grab des Wassers legen, können wir daraus als neuer Mensch zu Christus gesammelt werden. (Im Griechischen steht das Wort [Greek: synagôgê] [Sammlung], gebraucht von dem Sammeln der Wasser ebenso wie [Joh. 11, 52] für das ~Zusammenbringen~ der Kinder Gottes, die zerstreut waren.) Die Taufe besagt im Bild, daß wir im Taufwasser in den ersten Zustand 1 Mos. 1 zurückkehren, und im neuen Adam, Christus, gehen wir daraus hervor. Wir kosten vom Baum des Lebens. Wir gelangen zur Auferstehung, die sich im 22. Kapitel der Offenbarung abspiegelt, wo von einem Strom die Rede ist und vom Baum (Holz) des Lebens, von Gott und dem Lamme.
Ehe der heilige Geist in uns erneut wird (es ist auf dieses Wort zu achten, denn es deutet an, daß der Mensch ihn einmal besessen und dann verloren hat), müssen wir im Bild begraben werden, müssen unsern Tod und unsern hoffnungslosen Zustand erkennen. Denn wie das Salböl nicht aus das Fleisch gegossen werden kann, so kann der Fleischlichgesinnte den heiligen Geist nicht empfangen. Fleischlichgesinntsein ist eine Feindschaft wider Gott und kann den heiligen Geist nicht empfangen (Röm. 8, 7 und 9, ein gar ernstes Wort!).
In der Taufe wird der natürliche Leib in der Erwartung gesäet, daß der geistliche Leib auferstehe. In der Taufe bekennen wir uns zur Notwendigkeit solchen Säens; wir bekennen, daß wir in natürlichem Zustand zu nichts nütze sind als (mit dem verweslichen Körper) gesäet und begraben zu werden.
Der erste Adam wurde ins Leben gerufen und starb und ist bildlich in der Taufe begraben. Der zweite oder letzte Adam, Christus, ist der lebendigmachende Geist (der Herr vom Himmel), der von den Toten auferweckt.
Die Taufe ist eine Auferstehung aus der Verwesung. Die Taufe ist eine Auferstehung aus der Unehre. Die Taufe ist eine Auferstehung aus der Schwachheit.
(1 Kor. 15.)
Wir ersehen hieraus, daß die Taufe eine wichtige Sache ist. Denn die wahre Taufe, sei es bei unmündigen Kindern durch ihre Stellvertreter, die Paten, so diese gläubig sind, sei es bei Erwachsenen, ist der Bedeutung nach ~nichts anderes als ein Bekenntnis, daß das Fleisch nichts Gutes zu vollbringen vermag~. Und mir scheint, daß diese Ansicht eine Stütze für die Kindertaufe ist, denn es handelt sich darum, etwas das tot ist und das sich nicht selbst helfen kann zu begraben. Ein kleines Kind ist tot hinsichtlich des eigenen Willens u. s. w.; indem es nun bildlich durch seine gläubigen Stellvertreter in der Taufe begraben wird, ergiebt sich hieraus die Hoffnung, daß es in Christo auferstehen wird -- ja unser Glaube an Gott kann nicht anders als dies glauben.
Wenn es sich um einen Erwachsenen handelt, der von seiner fleischlichen Natur frei werden möchte, an Christus glaubt und getauft wird, so glaube ich, daß ein solcher den heiligen Geist in seinem ~Leibe~ empfängt. Die Elemente des Segens, dessen er in seinem ~Leibe~ teilhaftig wird, sind in dem einen Falle Brot und Wein, in dem andern ist es Wasser, in welchem er den fleischlichen ~Leib~ ablegt. In beiden Sakramenten sind die Elemente stofflich, und beide sind geheiligt für den Leib durch den heiligen Geist: das eine zur Erhaltung des neuen Lebens in Christo, das andere zur Auferstehung von den Toten in Christo, welcher ist der neue Adam.
War nicht das Essen der verbotenen Frucht ein Zerreißen der Einheit mit Gott und, infolge davon, die Bildung einer Einheit mit dem Satan? Und was ist der Glaube anderes als eine Fähigkeit, die unmittelbar aus der Gegenwart des heiligen Geistes kommt? »Niemand kann Christus einen Herrn heißen, ohne durch den heiligen Geist,« auch andere Stellen beweisen dies. Der Glaube ist eine unmittelbare Wirkung der Einwohnung des heiligen Geistes. Da kann kein Glaube sein, wo der heilige Geist nicht seine Wohnung hat. Einer der sagt, er glaube an Christus, aber nicht an die Gegenwart des heiligen Geistes in ihm selber, ist entweder ein Lügner und Ungläubiger, oder er macht Gott zum Lügner.
Daraus folgere ich, daß jedes Wort, jede That, jeder Gedanke, der nicht aus der Gemeinschaft mit Christus durch den heiligen Geist entspringt, genau dasselbe ist, was das Essen der verbotenen Frucht war. Andererseits ist jedes Wort, jede That, jeder Gedanke, der durch den heiligen Geist in der Gemeinschaft mit Christus wurzelt, ein Essen vom Baum des Lebens.
Ferner, gleichwie das Essen der verbotenen Frucht sowohl durch Wort oder Gedanken, als durch die That geschehen kann (im verbotenen Essen im Paradies gipfelten Gedanke und Wort in der That), so kann das Essen von dem Baum des Lebens, Christus, auch durch Wort und Gedanke geschehen, ist aber wesentlich eine That. Das Einssein mit Christus durch die Einwohnung des heiligen Geistes ist das A und O alles Lebens, und diese Anschauung empfiehlt sich selbst unserer Vernunft. Das Ergebnis dieses Einsseins ist ein Fruchtbringen. Es bedarf keiner Anstrengung; wenn wir das Einssein suchen und pflegen, so müssen die Früchte des heiligen Geistes die natürliche Folge sein.
Nur durch den heiligen Geist ist Leben oder Gemeinschaft mit Christo möglich. Die Erlösung oder die Wohlthat des Sühnopfers unseres Herrn kann nur dann von uns erfaßt werden oder uns zu gute kommen, wenn der heilige Geist in uns wohnt. »Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.« Röm. 8, 9. Wer das nicht hat, was die Gemeinschaft ausmacht, kann nicht mit Christo vereinigt sein. Und es ist klar, daß die Ausgießung des heiligen Geistes erst die Folge von Christi Leiden war; er konnte nicht eher herkommen, als bis Christus aufgefahren war. Nach Christi Himmelfahrt kam der heilige Geist hernieder, nicht vorher.
Wie mancher bekümmerten Seele wäre es ein unaussprechlicher Segen zu wissen, daß der einzige Weg, um heilig oder Christus ähnlich zu werden, der ist, die Gegenwart des heiligen Geistes in uns zu suchen und zu pflegen. Die Früchte leugnen, welche der heilige Geist bringt, hieße die Gottheit des heiligen Geistes leugnen. Wenn ich daran denke, wie lange ich in der Irre ging und wie nutzlos ich mich abmühte am alten Menschen zu flicken, so kann ich nicht genug Nachdruck hierauf legen. Menschlich geredet, was für ein Segen wäre es für mich gewesen, wenn einer mir mit dem Wort zu Hilfe gekommen wäre (es steht übrigens deutlich genug in der Bibel): ›~Suche du des heiligen Geistes in dir selbst gewiß zu werden und kümmere dich sonst um nichts!~‹ Wer an Christum glaubt, der hat Gott den heiligen Geist lebendig in sich. Diese Wahrheit im täglichen Leben zu pflegen ist alles was wir nötig haben, und Er nährt uns durch die Schrift. Alles übrige kommt dann von selbst.
Über die Verbindung zwischen dem Sündenfall und dem heiligen Abendmahl.
In einem jüdischen Schulbuch fand ich die Geschichte des sog. Sündenfalles ausgelassen, und als ich einen Rabbiner darüber fragte, sagte er mir, daß die Juden dieselbe nicht als etwas Wirkliches anerkennen, sondern alle ihre Gebrechen aufs goldene Kalb zurückführen. Das ist begreiflich, denn sie meinen, sie können durchs Gesetz gerecht werden, indem sie aber das goldene Kalb als den Grund ihres Sündenfalles ansehen, ist ihnen der Sündenfall ein jüdisch-nationales Ereignis.
Betrachten wir den Sündenfall.
Der Baum des Erkenntnisses des Guten und Bösen war ein Baum, an dem man lernen konnte, was gut und was böse ist. Indem der Mensch von diesem Baum aß, wurde er wie Gott, denn Gott der Herr sprach: Siehe Adam ist geworden wie unser einer und weiß, was gut und böse ist.
Auch ist zu bemerken, daß das Verbot, von dem Baum zu essen, gegeben wurde, ~ehe~ das Weib aus Adams Rippe gebaut war; so daß Eva ~im~ Garten erschaffen wurde und Adam ~außerhalb~ desselben. Und ~Adam~ wurde aus dem Garten getrieben; der Eva geschieht dabei keine besondere Erwähnung. Dem Weib wurde kein Grund angegeben. Zu Adam sprach Gott: »dieweil du gegessen hast.« Die Strafe des Essens, der Tod, »du mußt sterben,« muß in Beziehung gebracht werden zu dem Worte »weil du gegessen hast, verflucht ist der Acker, bis daß du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.«
Eph. 2, 2. »In welchen (Sünden) ihr weiland gehandelt habt, nach dem Lauf dieser Welt, nach dem Fürsten, der in der Luft herrschet, nämlich nach dem Geist, der zu dieser Zeit sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens.« Der Fürst, der in der Luft herrschet, der Satan, hat also sein Werk in den Kindern des Unglaubens (Ungehorsams), und er begann dieses Werk im Menschen, als der Mensch im Ungehorsam gegen Gott von der verbotenen Frucht aß.
Wir dürfen annehmen, daß wenn Gott dem Menschen mit einer einzigen Ausnahme alles gewährte, eben diese Ausnahme ihren Grund in dem dem Menschen drohenden Schaden hatte. Hätte Eva nicht von dem, was verboten war, gegessen, dann hätte der Geist des Ungehorsams, Satan, sein Werk in ihr nicht beginnen können. Und wir mögen es betrachten wie wir wollen, so viel ist klar, daß sie durch die Thatsache ihres Essens dem Satan die Thür öffnete und er in ihrem Herzen Eingang fand.
1 Kor. 10, 20 zeigt, daß den Götzen opfern einer Gemeinschaft mit den Teufeln gleichkommt: »was die Heiden opfern, das opfern sie den Teufeln und nicht Gott. Nun will ich nicht, daß ihr in der Teufel Gemeinschaft sein sollt«.
Der gesegnete Kelch aber ist die Gemeinschaft oder das Teilhaftigwerden des Blutes Christi. Das Brot, das wir brechen, ist die Gemeinschaft oder das Teilhaftigwerden des Leibes Christi, 1 Kor. 10, 16.
Das Trinken vom Kelch des Herrn ist die Anteilnahme an des Herrn Tisch; und das Trinken von der Teufel Kelch ist die Anteilnahme an der Teufel Tisch. Durch dieses ganze Kapitel zieht sich die Gegenüberstellung von zweierlei Essen, von zweierlei Opfern, und von zweierlei Folgen solchen Essens (d. i. solcher Anteilnahme), von zwei Genossenschaften, zwei Gemeinschaften, welche in der Thatsache von zweierlei Essen und den Folgen solchen Essens gipfeln, nämlich die Gemeinschaft mit dem Wesen, an dessen Tisch der Mensch sozusagen sich setzt, welche Gemeinschaft ein Teilhaftigwerden der Eigenschaften dieses Wesens bedeutet.
Mögen wir nun über die Bedeutung der Worte streiten wie wir wollen, so läßt sich's nicht hinwegerklären, daß nach Joh. 6, 56 Christus in ~dem~ Menschen wohnet, der sein Fleisch ißt und sein Blut trinkt; und nach dem 53. Vers dieses Kapitels haben wir kein Leben in uns, so wir das nicht thun. Darnach ist es klar, daß dieses Essen sein Wohnungmachen in uns bedeutet; während nach 1 Kor. 10 ebenfalls klar ist, daß solche, die den Teufeln opfern (oder mit ihnen Gemeinschaft haben, was nach V. 20 dasselbe ist), auch den Teufeln in sich Wohnung verstatten. Nun kann darüber kein Zweifel sein, daß Evas Essen vom verbotenen Baum eine Gemeinschaft mit dem Teufel war, erstens darum, weil der Satan wirklich mit ihr verkehrte, zweitens weil es nicht eine Gemeinschaft mit Gott war, und drittens weil es im Geist des Ungehorsams geschah. Dabei lasse ich alle Opfer des mosaischen Ceremonialgesetzes außer Frage und beschäftige mich nur mit dem Sündenfall und der Wiederherstellung des Zustandes vor dem Fall, in welcher der Hauptpunkt das Sakrament ist, durch welches wir des Herrn Tod verkünden, bis daß Er kommt.
Wir glauben, daß Brot und Wein kraft göttlicher Einsetzung die werkzeugliche Ursache des geheimnisvollen Teilhaftigwerdens Christi ist, wodurch Er ganz unser wird und wir so eng mit ihm verbunden werden, als sein Fleisch ~sein~ Fleisch und sein Blut ~sein~ Blut ist. Durch Brot und Wein, durch das Essen und Trinken seines Leibes und Blutes, d. h. durch die thatsächliche Handlung solcher Nießung wird das feste Band geknüpft. Dabei glauben wir nicht, daß das Brot Fleisch wird und der Wein Blut, so wenig als die verbotene Frucht verwandelt worden ist.
Ich denke, es steht fest, daß der Fürst, der in der Luft herrschet, darum Eingang in uns fand und in den Kindern des Unglaubens sein Werk hat, weil Eva und Adam von der verbotenen Frucht aßen. Sie traten aus der Gemeinschaft mit Gott und wurden der Gegenwart des heiligen Geistes verlustig, durch den wir Gemeinschaft mit Gott haben. Dies führt zur Wiederherstellung in Christo, wenn er uns die Gemeinschaft mit dem heiligen Geist wiederherstellt, »die Verheißung des Vaters« und ein Unterpfand des Erbes. Nach Rom. 8, 11 wird der Geist des, der Jesum von den Toten auferwecket hat, unsere sterblichen Leiber lebendig machen durch den Geist, der in uns wohnet. Ich denke mir, daß der heilige Geist zuerst mit der Seele in Gemeinschaft ist, und daß Er dann durch die erweckte Seele den sterblichen Leib auferweckt. Da der heilige Geist nur in geistiger Weise an der Seele arbeiten kann, die geistiger Natur ist, so fragen wir, auf welche Weise kann der Leib erfaßt werden, der durch eine thatsächliche Handlung (durch Essen) der Gewalt des Bösen anheimfiel? Ich beantworte diese Frage mit aller Vorsicht, aber es erscheint mir sowohl vernunft- als schriftgemäß, daß er durch dasselbe Mittel auch wieder geheilt wird, das den Fall bewirkte und dem Teufel den Zugang verstattete, nämlich ~durch Essen~.
Das Sakrament von des Herrn Nachtmahl steht in enger Verbindung mit der Auferstehung des Leibes. »Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken.« Und wir wissen, daß, so wir würdig zu seinem Sakrament kommen, wir seinen Leib in unsern Leib und sein Blut in unser Blut empfangen zur Reinigung von aller Sünde. Wäre es denkbar, daß unsere Leiber je umkommen könnten, nachdem sie einer so engen Gemeinschaft mit der Gottheit teilhaftig geworden sind, als das Essen seines Leibes und das Trinken seines Blutes in sich schließt?
Wir müssen annehmen, daß der Leib beim Sündenfall in vorzüglichem Maße thätig war, denn er genoß thatsächlich, was verboten war, und hier bei diesem zweiten Essen ist ebenfalls der Leib in demselben Maße thätig. Beim ersten Essen brachte der Leib die Seele zum Opfer (denn der Seele konnte es an sich nichts verschlagen, ob gegessen wurde oder nicht); beim zweiten Essen bringt die Seele den Leib zum Opfer. Beim ersten Essen trug der Leib den Sieg davon; beim zweiten Essen bleibt der Seele der Sieg.
Warum sind wir alle so tot? Warum wird unser Fleisch nicht belebt? Viele unter uns sind wahre, ernste Christen. Warum sind sie so trübselig? Sie haben die Barmherzigkeit Gottes in Christo erfahren, aber es ist, als ob die Seele bei ihnen an einen Leichnam gefesselt wäre -- an ihren Leib. Sie glauben oder hoffen, daß sie ihrer Seligkeit gewiß sind, aber sie werden dieser Gewißheit nicht froh. Warum schleppen sie den toten Leib mit sich herum? Er atmet den Geruch des Verderbens aus, er ist träge und beschwerlich. Kann er nicht zum Leben gebracht werden? Wahrlich ich glaube, ~der Grund des Übels liegt in der Mißachtung des heiligen Abendmahls~. Wenn er auch ein toter Leib ist, so kann er doch essen; und wenn die Seele durch den heiligen Geist zum Leben erweckt ist, warum sollte sie den toten Leichnam nicht zu bewegen suchen, den Leib und das Blut Christi in sich aufzunehmen, woraus ihm Leben zu teil werden wird. Es mag zuerst nur ein schwaches Fünklein sein, ja es mag scheinen, als ob er nur um so mehr Verwesung von sich ausscheide, aber er wird bald voll Leben sein und dieses Leben wird das ewige Leben sein. Er wird den Tod nicht schauen, sondern die Auferstehung des Lebens.
Was für Vorbereitung ist nötig um zu essen? Ich meine, wenn ~ein~ Baum mit einem Zaun zu umgeben ist, so ist es der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, denn dieser Baum existiert noch immer. Aber hüten wir uns, den Baum des Lebens einhegen zu wollen! Gott selbst hat uns den Weg dazu in Christo bereitet. Es ist gar nichts nötig als das eine: »Ich bin krank; ich möchte gesund werden; ich hasse und verabscheue mich selbst; ich habe nur schwache Hoffnung, daß es mir Segen bringen wird, aber ich will Ihm vertrauen, und zu seinem Gedächtnis will ich thun, was Er mich thun heißt.« Kann jemand am Erfolg zweifeln? In Summa -- nichts ist nötig als erstens Kranksein, zweitens Verlangen nach Gesundheit und drittens Gehorsam gegen des Herrn Gebot.
Ich glaube, die meisten geben das erste und das zweite zu. Warum nicht auch das dritte? Es ist so gar wenig, und wie unendlich ist der Segen. Zweifelst du, so laß mich dich an die verbotene Frucht erinnern; wie gering schien die Übertretung, und die Folgen waren derartige, daß der allmächtige Gott selbst ins Fleisch kommen und den Tod leiden mußte, um den Schaden zu heilen.
Du solltst nicht davon essen. -- Nehmet, esset.