Chapter 28 of 48 · 3997 words · ~20 min read

Part 28

Ehe noch ein Plan durchgearbeitet war, fühlte man in den Stadtschaften den ängstlichen Drang, alles von sich zu geben und über die benachbarten Völker hinzubreiten. Es war wie eine Sicherung, ein Verlangen sich anzuschließen, ein hinsinkendes Gefühl: wir wollen nicht allein sein. Über die Stadtschaften der nördlichen Kontinente flitzten Agenten der Senate; heftiges immer wiederholendes Erzählen Berichten Ausmalen Hin- und Herhorchen. Überall leuchteten Augen auf. In Algerien lösten sich aus der Landschaft um Konstantin und südlich des Atlasgebirges vom Gestade des Schottdjerid magnetisch gezogene arabische Scharen, zogen nach dem Norden. Aus Sizilien, aus der noch wimmelnden Stadt Raha südlich der saharischen See am Niger stiegen dunkle Gandus auf; mit ihren Flugwagen durchschnitten sie die Luft, ließen sich in London nieder. Ein Zucken ging durch sie, wie sie sich niederließen, genauer hörten, was geplant wurde.

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Vor der schottischen Nordküste zackten übersprühte wüste Steininseln aus einem tobenden Meer: dort war der Sammelplatz der Schiffe Maschinen Menschen. In London Brüssel zentrierten sich die Ingenieure Mathematiker Physiker Geologen und ihre Gehilfen. Sie wehten immer von neuem Pläne über die Menschen, lockten erregten. Alle sahen die Erscheinung Grönlands, des Erdteils, der hinter Meeresbergen stand. Die Meeresberge waren niederzuwerfen wie Quadern einer Burg. Grönland war eine verwunschene Prinzessin, von Drachen umgeben. Die Berge sanken; etwas Stolzes, ein Fabelbild würde sichtbar werden. Niederbrechen von Eis auf tausenden Quadratmeilen, Auftauchen einer alten verhüllten Erde.

Schon begannen im Frühjahr die ersten vorbereitenden Arbeiten, die auch den letzten Teil des kommenden großen Kampfes bedachten. Sie fingen an, in Talsenken von Wales, im Flachland bei dem belgischen Nivelle Fabriken anzulegen, in denen sie Kraftspeicher bauten für die elektrischen und neustrahligen Kräfte, die aus dem niedergehenden Eisland zu gewinnen waren. Käfige für Vögel, die gefangen werden sollten; Riesennetze; die Schmetterlinge sollten vom Ozean herübergejagt werden; Europa und die Hitze würden über sie kommen. In die lehmige holländische Erde gruben sie Wälle Dünen Betonkanäle, als hätte man vor, für Untiere Fallen zu bereiten. Sprengten an der Irischen See in den Berwynbergen dem Deefluß folgend Gänge Höhlen, kilometerlange unterirdische Läufe in die Felsen zur Aufnahme der Unwesen, die man fesseln wollte. Wie Garben auf dem Felde wuchsen Gebäude in Chester Stafford Dembigh. Zwischen den Siedlungen der Stadtflüchtigen zogen sie sich hin, die sie mit Blättern Steinen geheimnisvollen Sprüchen schmückten. Im Brabanter Tiefland, an der wühlenden Maas, neben dem feuchten Flußbett des breiten wasserwälzenden Rheins wurden versenkte Gewölbe, flache Anlagen errichtet.

Zu einer Hochzeit bereitete man sich. Man warf sich in Plänen. Die lange düster enthaltsame Zeit hatte eine Unmasse Erfindungen reif gemacht. Das Einfache umging man; Kräfte wollten sich zeigen; man machte Proben auf die Dinge, die man vorhatte. In den Stadtschaften erinnerten sie sich des Märchens vom ägyptischen Pharao: sieben Kühe magere Jahre, sieben Kühe fette Jahre. Es galt Vorratshäuser für eine endlose Zeit zu bauen. Neue Kräfte würde man finden. Jetzt würde das menschliche Vermögen entbunden werden, sich unerhört über die Erde tummeln und die Arme wiegen.

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Das atlantische Wasser schwemmte zwischen den langgezogenen Küsten Amerikas und denen der östlichen Kontinente. In die ungeheure Spalte zwischen den auseinandergezerrten Erden warf es seine flüssigen Massen. Die Gneisgebirge von Kanada und Labrador jenseits waren gelöst von den schottischen Bergen. Zerfetzt zerbröckelt standen die Inseln an der schottischen Spitze, Shetland und Orkney. Hundert Inseln die Shetlands. Sie stiegen aus dem bleiernen rollenden Wasser auf der unterseeischen Scholle auf, die die irische Erde, das gebirgebestandene englische Hochland, die Ebenen des Südens trug. Nach den Shetlands nahmen die Schiffe der westlichen Stadtreiche ihren Kurs. Am sechzigsten Breitengrad in den Buchten des Mainlandes legten sie an. Immer neue Fahrzeuge liefen ein. Hohe Flut rollte über die spitzen Schären. Die Ebbe entblößte die Tausende schwarzen Klippeninseln, die ihre Zähne, ihr Steingebiß zeigten. Dann begrub sie das anspielende anwankende türmende überkippende überprasselnde Wasser, Gischt über sie wehend. Über den stein- und muschelrollenden Strand, die wilden Felsstapel der Ufer warf sich die Brandung. Es war eine Haarsträhne des Meers, das draußen seine Brust zeigte, sich zur finsteren Erde niederbuckelte. Klirrend schlug das Wasser mit Steinschotter gegen das entblößte Land, wusch rieb knirschte wühlte mahlte. Es zermürbte die Vorsprünge Kanten Ecken Zungen, um draußen im Freien sich huldvoll zu wiegen, hin und her, Ozean, breites hundertmeiliges atlantisches Wasser, schwarzes festverbundenes Wesen, in sich vergittert wellenüberlaufen sich hebend. Am Rand der kleinen Klippen Inseln Festländer nahm es sich hundert Meter Tiefe zum Hinwogen und Wühlen, dann stieg es tausende Meter in das Lichtlose herab, hing an den Rändern der Steinsockel der Erde herunter, gleichmäßiges rieselndes schiebendes Wasser, vom dünnen Wind überzogen gekräuselt gedrängt, von fliegenden pfeifenden Tieren überflattert, von Fahrzeugen geritzt, von Schrauben Rudern Rädern gestreichelt. Menschen über seinem Rücken. Mit der Luft war es im Gespräch. Donner und Heulen um Riffe, Wirbeln um Schiffe. Drohendes Murren Rollen Strudeln Gurgeln Klatschen Schlingen Schlenkern Bersten Zerknattern Zerschellen loderndes Zerknallen unter der wolkenverhüllten Sonne, Plätschern Peitschen Schwingen an der Sonne, Aufheben in die Wärme, Aufdunsten Schmelzen wolkiges Vergehen an der weißen hochstrahlenden Sonne.

An einem Maitage gab Kylin, ein Mann, der an den skandinavischen Fjorden aufgewachsen war, das grüne Lichtzeichen vom Hauptmaste seines hohen Schiffes. Da ließen die zweihundert ersten Fahrzeuge den sechzigsten Meridian, die steilen Abhänge des Simburg Haad. Nach einer Stunde verschwand der Gipfel des Rona auf Mainland. Das Surren und Schwirren der letzten Vogelberge verklang. Hinter ihnen lagen Munkle Roon und Toul, die zackigen Inseln Yell Haskosea Samphyra Fellar Uya Umst.

Eingehüllt waren sie, schwebend auf zweihundert Schiffen, Boden aus Holz und Stahl, in das sanfte Sausen des Windes. Plätschern klang herauf. Murren aus der Ferne.

Eingehüllt, eingerundet waren sie. Oben schoben sich dünne flattrige Wolkenbänke. Die weiße mit Blitzen im Wasserspiegel aufgefangene Sonne. Im Flinkern Glitzen Scheinen schwebten sie.

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Sechzig Kilometer Sauerstoff-Stickstoffwellen, Meilen Wasserstoff wirbelte der Erdball durch den schwarzen kraftdurchfluteten hauchfeinen Äther. Der höchste Saum der gasigen Masse schlierte, verlor sich wie Dunst einer Fackel. Kein Ohr hörte das Schlürfen Schleifen, das seidig volle Wehen an dem fernen Saum. Geschüttelt wurde die Luft im Rollen und Stürzen der Kugel, die sie mitschleppte. Lag gedreht an der Erde, schmiegte sich gedrückt dem rasenden Körper an, wehte hinter ihm wie ein aufgelöster Zopf.

Der Unband von Feuer, die einäschernde Hölle alles Kriechenden Fliegenden Hüpfenden, die Sonne in abenteuerlicher Ferne durch den eisigen Äther hin. Das weiße wallende Flammenmeer. Durch die Wolkenbänke flimmerte es, wärmte. Das feuertosende weiße Flammenchaos stand wie eine brennende Stadt in der Ferne still, Brand, der nicht ausbrannte. Die Erde zog um das Chaos herum. Gasmassen, sternenweit dunstend, strahlend, warf die kochende Sonne von sich, zog sie wieder an. Eine klirrende Geistererscheinung stand sie, in der Finsternis, die von ihr abwich, geballt andrang. Metalle brannten in ihrem Leib, metallene Wolken fielen auf sie zurück, Zink Eisen Nickel Kobalt, die sich durch die Gesteine der erstarrten Erde zogen, Barium Natrium. In Schlacken fielen sie zurück. Fackeln brunsteten auf; im Wirbel wurden sie aus dem Flammenmeer herausgekehlt, gestoßen in den vibrierenden Äther, glühender Wasserstoff. Siebzigtausend Meilen erhob er sich. Der Sonnenleib spritzte nicht, wenn die Güsse in ihn zurückschossen, wiederschmelzend aufglühend. Wie ein Ährenfeld unter dem Regen beulten sich die empfangenden stehenden Flammen, strafften sich. Kein Donnern ging von den Urgewalten aus. Kein Bergsturz und Orkan bringt solch Geräusch hervor wie die lebend hinziehende Sonne. Das rasende Flammenmeer, gleichmäßig brodelnd und siedend, explodierend und Garben werfend, – bei seiner Annäherung würden die Planeten veraschen und verdunsten, – mit seinem Tönen verschlang es jedes ferne und nahe Geräusch. Dies millionenfach gesteigerte Zischen und Zirpen von Zikaden. Dieses Zwitschern der Metalle. Dazwischen das nie verhallende Klatschen Trommelwirbeln, das sich rasselnd über erdweite Glutmassen fortpflanzte und hinter allem Gebrüll lagerte. Strontium, das hell purpurrote, Magnesium, gequetscht unter den schweren Gebirgen der Erde, Gluthauch neben Gluthauch, frei blühend und lodernd die Urwesen Helium Mangan Kalzium, leuchtend weiß blendend in Lichtern, für die keine Augen sind, unter denen die Farben auslöschen. Strahlend gasend das hunderttönig zwitschernde Feuermeer, die fackelschleudernde Urwelt im Äther.

Fern von den Wallungen Stürzen Strömungen Bränden der Sonne die kleine graue Erde. Wie ein Wiesel über das Feld lief sie. Von Dünsten, nassen Dämpfen war sie umgittert, von einer Schlackenkruste ihre Glut umfaßt, von Meeren Flüssen Eis belagert. Keine Wolken der glühenden Metalle prasselten, von ihrer Wildheit geprescht, auf sie nieder. So wie ein Glaser den Kitt mit Gewalt auf das Holz und das Glas drückt und sie halten fest, wie eine Faust den Schnee ballt, zwischen gekrümmten Fingern und Handteller umschließt, zu einem harten Ball preßt, der Schnee flattert nicht mehr: so war die Erde verglühend, sich hilflos abstrahlend von dem Äthereis angefaßt, gab knirschend nach. Im Innern das Sieden und Glühen; der Leib unter Aschen verfestigt.

Dies ist die Erde. Die leuchtende brennende Urwelt geht über ihr auf und unter. Ein welliger Mantel aus Gesteinen bedeckt ihren Rumpf. Tausend Meter tief und tausend hoch geht das Gestein. Kontinente und Inseln strecken Gebirge Ebenen Steppen Wüsten aus. Das Wasser bricht in Quellen aus den Bergen. Meere überfluten die Talmulden. Schwer schwimmen Gebirge Gneis Schiefer auf der schmelzflüssigen glühheißen Masse, die von Zeit zu Zeit die steinerne Kruste durchbricht, sie mit Stichflammen erweicht und hin und her wiegt.

Breit besetzt der Leib Asiens die nördliche Hälfte der Erde, mit einhundertvierundsechzig Längengraden und siebenundachtzig Breitengraden. Mit Gondwana, Angara, der Scholle Chinas hat es sich über den Spiegel der großen Ozeane erhoben, seine Seen ließ es versickern. Sein Rückgrat ist der Altai, das Massiv des Himalaya vom Chingan nach Pamir, vom Karakorum bis Bhutan und zur Krümmung des Dihung. Die kaspische und uralische Senkung hat das Meer verlassen; sie saugt den Ural und die Wolga an, schlammt sich mit ihnen voll. Gletscher bedecken den Kuenlun. Umrandet von den Schneegebirgen sind die östlichen Sandwüsten, das Tibet der Jaks, die grünen Hügel und Lößflächen Chinas, mandschurische Wiesen. Das steile Gebirge stürzt nach Süden zu den sumpffeuchten Ebenen Hindostans ab, zum warmen bengalischen Boden. Blühende Gestade Indiens, Reisfluren, Felder des Zuckerrohres, Sago und Kokospalmen. Die Sumpfwaldungen, der Sunderban, das Tarai durchlaufen von den bunten Königstigern, langohrigen Elefanten, vierhändigen Gibbons. Flüsse auf Flüsse nach Norden ins Eismeer durch die sibirischen Grasflächen, morastige Tundren frierende Steppen. Bis zur Lena streift der langhaarige Panther von Kaschgar.

Hängend am Massiv der Ostfeste das vielgliedrige kleine Europa. Die jungen aufragenden Alpen, Horste der alten Gebirge in Thrazien Korsika Spanien. Gesteinsdecken in die Höhe gepreßt, von Trümmern überwälzt. Versunkenes Land im Süden; eingestürzt das Mittelmeer in das klaffende Becken.

Von Regengüssen Sonnenhitze wird Afrika belagert. Neunundzwanzig Millionen Quadratkilometer wächst der Boden hin, platt liegt die Tafel des Landes. Reis Durra Kaffee Mais feurige Gewürze schießen aus der Erde. Unverhüllt erheben sich die Massen des alten Granits und Glimmerschiefers, zieht sich eine Sandsteindecke hin. Unter dem Brand der Sonne zerfallen die Gesteine zu Schutt, zersetzen sich in Erde und Lehm, den das Eisen rot färbt. Der Tanganjika- und Njassasee füllen die Gruben des Hochlandes, Vulkanreihen besetzen die Ränder der Spalte. Zehn große Seen speisen den Kongo Niger Sambesi. Savannenflächen treiben ungeheure Hochgräser. Galeriewälder entlang den Ufern. Lemuriden und Affen, das zierliche Zebra, Okapi in den Wäldern. Die baumartige Staude der Banane treibt sechs Meter lange Blätter; scheidenartig umschließen sich die mächtigen Blätter; dicht gedrängt hängen die großen Beerenfrüchte herunter.

Vom Kap Murchison bis Kap Horn auf Feuerland die amerikanische Westfeste. Eine hartgefaltete Gebirgsschwelle durchzieht den Kontinent von der Südspitze bis zum Mackenziefluß, eine Flachlandmulde vom Eismeer zum warmen Mexikanischen Golf. Mit fünf großen Seen vertieft sich das nördliche Land. Die Ebene durchwallt nach Süden der starke Mississippi, hinter sich her den Ohio von den Appalachen, den Missouri von den Kordilleren ziehend. Ihre Falten hat die starre Erdhaut im Westen aufgerollt; die Doppelkette der Gebirge begleitet wie eine Mauer im Westen den Ozean. Urwälder umgeben den Amazonenstrom; erst heißt er Tunguragua, dann Marañon. Die Erde gibt ihn aus dem Laurikochasee her; zweihundert Flüsse, schwarz und weiß von Kalk- und Eisenflächen hat er mitgenommen, bis er in den Ozean taucht.

In den Meeren haben sich die Urwesen verfestigt, Wasserstoff und Sauerstoff. Sie überströmen den Ball, arktisches atlantisches pazifisches Gewässer. Wasser, gleichmäßig hinfließendes Gebilde, lastendes schwingendes Wesen, das spritzt dunstet, Wolken bildet, im Schnee weht, zitterndes Wesen vor den Flachküsten, dröhnende schwarz zottige Erscheinung der Orkane und Sturmfluten. Mit Salzen saugt es sich voll, Chlornatrium Magnesium Kalk, macht sich schwer, färbt milchweiß den Golf von Guinea, zimtfarben den Busen von Kalifornien, gelbbraun den Indischen Ozean. Warme und kalte Ströme durchwallen die Ozeane, farbige Bänder; Silbernebel erheben sich über ihnen, wo sie sich mischen.

Die Urwesen hauchen um den Erdball, brennen und fließen in seinem Rumpf, überlasten ihn in festen und beweglichen Massen, sind Spannungen Schwerkraft Hitze Licht, sind Schwefel Chrom Mangan Silizium Phosphor. Sie sind Erde Sand. Sind stumme Kristalle, aufdrängende keimende Blumen, Flechten über dem Boden, Blütenpflanzen, schwimmende Fische, Vögel die pfeifen und sich locken, anschleichende Raubtiere, hämmernde und kämpfende Menschen, Schneckengehäuse an Seeufern, Bakterien Schlingpflanzen erstorbene Bäume, faulende Wurzeln, Würmer, eierlegende Käfer.

Vom sechzigsten Meridian brachen die zweihundert Schiffe Kylins auf, ließen die Shetlandsinseln hinter sich, schwebten über dem Ozean. Sie fuhren in dem warmen Driftstreifen, der Norwegen bespülte, das Eis Finnmarkens schmolz. Unter ihnen zog sich lang durch den Atlantik ein unterseeischer Bergrücken, zog nach Süden, wurde breit bei den Inseln Ascension und Sankt Helena, zweigte eine Kette nach Amerika und Afrika ab. Schweigendes Meer lag über den Tälern und Bergen, ins Schwarze waren sie versenkt. Der Ozean fiel unter den Schiffen dreitausend Meter tief ab. Über dem sausenden Wasser, im Wind schwirrten die Vögel neben den Riesenschiffen, die tierischen Geschlechter, mit Augen Knochen Därmen wie die Menschen. Die Sturmschwalben, die auf zappelnde Fische stießen, Silbermöwen mit gezackten Schwänzen, spitzen Flügeln. Das Wasser, das sich unter den schwebenden Riesenschiffen hob, die schwarzgrüne glasige zerlaufene Masse, quoll von Tieren und Pflanzen, folgte den Schiffen mit jedem Meter. Schleimklümpchen der Urtiere klebten an den Wänden der Schiffe, hingen an den Schrauben, befuhren mit ihnen das Meer, fadenförmige Füßchen ausstreckend. Wie Schmetterlinge stiegen Ruderschnecken aus der nassen Finsternis am Abend auf, die unermeßlichen Scharen der Klio, sanken mit dem Tageslicht herab. Am Meeresboden lauerten und lagen fest mit Saugern die Scheibenbäuche. Zarte Seewalzen, Schwänze wuchsen auf tiefen Riffen, neben Klipprosen. Skelette hingesunkener Tiere kleideten den Meeresboden mit Schlamm aus; kleinäugige Borstenwürmer, schlanke Glyzeriden krochen darauf herum zwischen Tangbüscheln. An der beschienenen Oberfläche zogen Rippenquallen ihren Weg, stumme gefräßige Geschöpfe, Siphonophoren, die wie Blumengirlanden leuchteten, Städte von glasartig durchsichtigen unzähligen Tieren, an einen Faden gereiht, der sie nährte. Lachse schossen unter dem Kiel der Schiffe herum, auf der Haut, an den Kiemen feine Krebse, die sich anklammerten. Das Geschwader übersetzte die unterseeische Schwelle, den stillen Thomsenrücken. Es nahm den zehnten östlichen Meridian.

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Island war eine Insel unter dem fünfundsechzigsten Breitengrad an dem fünfzehnten östlicher Länge; der Polarkreis schnitt ihre nördlichen Vorsprünge. Zwei Inseln hatten Laven aus Vulkanen werfend diese bergige Platte geschaffen, die ihre zerrissenen Wände, Scheren eines Riesenkrebses, in das neblige brandende Meer streckte. Die Menschen auf den Schiffen näherten sich ihr. Sie hatten vor, die Vulkane der Insel zu zerreißen, ihr Feuer über Grönland zu tragen.

Vergletschert lag der Süden der Insel. Hekla und Skapeterjökul hießen die Berge, die Schwefeldämpfe aus ihren Spalten von sich gaben. Der Mückensee dunstete im Norden mit vierunddreißig schwarzen Lavainseln; an ihm warfen aus weiten Bassins der Krabla und Leirhukr tiefblaue und honiggelbe Massen. Haushoch schossen die, prasselten in den Krater zurück, wälzten sich, gasten über die Abhänge. Meilenweit war die Wüste der Insel; Lavafelder, runzlig erstarrte Steinströme, nackte braune Blöcke, zerborstene Felsen. Verbrannte tote Ebene. In den Klüften der Laven standen spiegelnde Wasser. Springquellen warfen heiße Wassermassen. Am südlichen Rand der Wüste standen der Geysir und Strocker; in ihren weiten Wannen trugen sie helles grünes Wasser, das pulsierte. Von Zeit zu Zeit tosten die Wannen. Blasenwerfend richtete sich das Wasser auf, wölbte sich über den Rand der Krater, warf sich schluchzend zurück.

Als die Kolonne des ruhigen blonden Schweden Kylin an der Spitze des Eyjafjords landete und die Insel überflog, – Wirbelwinde gingen über das Land, die brennenden Berge, die narbigen Felder, – fanden sie Menschenansiedlungen in der Nähe der Küste. Nahe dem Landungsplatz war eine Siedlung; Schafe und kleine Rinder wanderten auf Hügeln. Man mußte, was man vorhatte, ohne sie verrichten. Es war vorauszusehen, daß sie der Expedition feindlich gegenüberstanden. Kylin und seine Begleiter umschwärmten den Krabla am Mückensee. Er war tätig; auf Meilen dröhnte die Insel unter den Schlägen, mit denen das heiße Magma den felsigen Untergrund durchbrach. Die Beben rollten über die Insel. An toten Bergwänden sahen die hochkreisenden Flieger plötzlich Schlünde und lange schwarze Kluftreihen sich auftun. Oft mußten sie sich senken, von dünnen Schwaden eingewickelt, blitzrasch aufzucken unter dem erstickenden Andrang der Schwefelgase. Mit Wonne umflogen sie das stampfende gähnende Untier, das sich da unter ihnen am See hingesetzt hatte, das Land aufwühlte, die Oberfläche des Wassers wiehernd prustend zum Schäumen brachte. In diesen Schlünden wogte die unermeßliche Glut, nach der sie begehrten, die sie herausschaffen mußten. Um sie über Grönland zu werfen, auf den weißen bergetiefen Eispanzer, der trübe anlaufen dampfen zerreißen würde, die Gletscher vom Kap Grival, der Kangardlutsuak, die Aggasinsel. Island brannte. Es mußte stärker brennen. Eine wolkenschleudernde donnerlohende Feueresse war für sie bereitet.

Wie Kylin östlich drehend in abendlichem Dunkel sich der Gegend des Landungsplatzes näherte, flammten und erloschen an der Küste kleine wie wimmernde Warnungszeichen. Zweieinehalbe Stunde sah Kylin mit seinen Gefährten, unruhig fliegend, auf einer Schutthalde landend, wieder hochjagend, die zitternden Signale aus der Nacht. Dann erloschen sie. In langer Kette, langsam, sehr hoch fliegend näherten sich die Kundschafter rauschend den schwarz im Mondlicht ragenden Klippen des Fjords. Die Wellen murrten herauf. Bei den schimmernden Zelthäusern des Landungsplatzes, auf einer sanft geneigten Wiese faßten sie Fuß. Sie liefen in der Helligkeit bergab. Stürzten über weiche Körper. Wie sie sich bückten zugriffen, die Leiber drehten, blickten sie auf dicke unbewegliche fremde Gesichter. Die Zähne waren zum Lachen entblößt, die Zungenspitze vorgestreckt. Losgelassen fielen die Körper zurück, rollten auf den Rücken, die andere Schulter. Eine Gestalt löste sich von einem Zelt, lief auf sie zu, führte sie abwärts. Die Eingeborenen des nahen Dorfes waren zudringlich geworden, hatten nach den Absichten der Expedition gefragt, hatten vier Seefahrer weggeführt als Geiseln, daß nichts geschehe und die Fremden rasch wieder abführen. Da hätten die Seeleute zum Schein die Schiffe bestiegen, die Geiseln zurückgenommen und bei Einbruch der Dunkelheit mit dem balearischen Licht die Küste abgetastet. Das war das Licht, das durch die Haut der Menschen drang, sie wie eine Schellackmasse umgab und abschloß. Von ungeheurem Hunger nach Sauerstoff wurde das Blut erfüllt. Ins Zittern gerieten die Menschen, ihr Herz stürmte, die Atmung vermochte nicht zu folgen. Sich selbst verzehrend, während das Blut aus den Gefäßen trat, hellrot, rosarot aus Mund und Nase, stürzten die Menschen hin in die Blutlachen, die noch am Boden quirlten, Blasen warfen und nicht gerinnen wollten. Am Morgen nach dieser Nacht warf man die fünfhundert Leichen, dazu Kadaver der Rinder und Schafe in den plätschernden Fjord. Finster saß der blonde Kylin vor seinem Zelthaus, den Blick auf den purpurnen Boden, hörte das endlose Traben der Leute, die immer wieder Körper vorbeischleppten, jetzt Säuglinge und Kinder aus dem Dorf, die sie von einer Klippe im Schwung in das aufspritzende Wasser sausen ließen. Als ein Windstoß ihm spitzen Sand ins Gesicht warf, den flachen Hut seitlich hinlegte, stand Kylin auf, rief Begleitung, schlenderte seewärts. Von den Schiffen stiegen neue Menschen herauf. Kylin lief in Zorn und Widerwillen. Der starke Prouvas fing ihn bei den Schultern auf.

„Kylin“ brüllte der lustige Mann, „das ist ein Tag. Ihr seid noch am Leben. Wir glaubten, Ihr seid die ersten, die über den Feuertopf stolpern werden. Noch vor dem schönen Grönland.“ „Prouvas, ich bin nicht lustig.“ „Es scheint. Wärest uns auch beinah in das Licht geflogen.“ Ein noch fetterer ganz in schwarzes Leder gehüllter Mann umarmte Kylin: „Huah. Wind auf Island. Der Boden wackelt erbärmlich. Auf den Schiffen ist es lustiger. Wir freuen uns, daß du lebst.“ Kylin konnte nicht vom Boden aufsehen: „Wie ist das gekommen, Prouvas. Mit dem Licht. Wer hat befohlen, das Licht anzuwenden.“ Prouvas trat erstaunt zurück: „Das Licht? Hat es nicht gewirkt? Sie schleppen schon den ganzen Morgen. Komm rüber.“ Der im schwarzen Leder: „Keine Maus ist davon. Kylin scheint eine kleine Ladung abbekommen zu haben.“ „Ich bin nicht im Bereich des Lichts gewesen, Prouvas und Wollaston. Es sind sehr viele umgekommen. Das ganze Dorf.“ „Allesamt. Tiere mit. Das Licht hat keine Augen, sucht nicht aus.“ Kylin reckte sich, legte beide Arme über das Gesicht, schüttelte sich, spie. Leise gab er von sich: „Pfui. Es ist gut.“ Die beiden anderen schmetterten ihr langes Lachen heraus: „Nun ja, Kylin. Es ist gut.“ „Es war roh.“ Prouvas umfaßte den im Leder: „Da haben wir Marduk den Zweiten. Gründe ein Königreich, mein Sohn, aber nimm die Arme herunter.“

Der ließ sie sinken: „Erst kommt weg. Wieviel werden sie noch herausschleppen.“ Prouvas: „Du hättest es ansehen sollen. Es war mit den Scheinwerfern gut zu sehen. Eine Minute rannten sie, als wenn sie niesen wollten. Dann setzten sie sich ganz ganz langsam, einer wie der andere. Ich glaubte, sie weinten oder das Wasser lief ihnen aus den Augen. Und dann waren sie tot.“ Wollaston: „Sind es fünfzig, die hin sind, sind es fünfzig. Sind es hundert, sind es hundert. Sind sie tot, sind sie tot. Dableiben konnten sie nicht.“ Blinzelnd Kylin aus seinen grünblauen Augen: „Ich habe die Leitung.“ „Freut uns zu hören.“ „Ich habe die Leitung.“ „Es freut uns.“ „Ich habe von Menschenausrottung nichts gesagt.“ Brüllend Wollaston: „Haben wir es uns vorgenommen? Ich? Oder Prouvas? Haben wir Menschen ausgerottet? Die Leute mußten weg. Sie werden die letzten nicht sein. Wenn du schwach wirst, gib die Leitung ab.“ Ruhig Kylin: „Was meinst du, Prouvas?“ „Nicht Wort für Wort wie Wollaston. Aber ich habe die Lichtröhren bedient.“ Der im wattierten Fliegeranzug öffnete die Hände: „Einen halben Tag. Vertretet mich.“

Gegen Abend flog Kylin an das draußen liegende Geschwader. Seine Schwester, die mit der Expedition fuhr, hatte den Tobenden beruhigt, der immer beteuerte, er ekle sich, hätte sich mit Vieh eingelassen; er schließe sich den englischen Siedlern an, gehe zu Zimbo. Auf Stunden war Kylin der Sinn der Expedition entschwunden. Er heulte, es sei Lüge, was sie trieben. Beim ersten Schritt, den sie täten, sei es klar geworden. Wie er vor seinem Flugzeug stand, faßte er sich fragend lächelnd an die Stirn: „Schwester, sie müßten mich in Brüssel sehen. So müßten sie mich sehen. Wie einem in den Knochen steckt, was Marduk und die andern sagen. Treiben wir Unfug?“ Aber die Schwester umfaßte ihn, ihre Augen funkelten: „Es ist vielleicht ein Unfug, Brüderlein. Aber auch noch mehr. In manchen Augenblicken weißt du es auch. Nachher wirst du es wieder wissen. Hörst du die Vulkane? Sieh sie an. Wir werden sie fassen. Denk, Brüderlein, wir werden sie fassen.“ Sie schob ihn auf seinen Sitz, griff nach dem Steuer, lachte: „Gönn mir die Freude zu steuern.“

Die Schiffe umfuhren Island in nordwestlicher Richtung. In der Höhe der stoßenden Krabla und Leirhukr ankerten sie weit in See. Der Anblick labte das Geschwader. Die Küste von Ingolfs-Höfdi bis herauf nach Glettinge Nes strichen die Flieger ab. Ufer Inseln Hinterland waren frei von Menschen, die Lavawüste südlich rauchüberschwemmt. Von den Mutterschiffen jagten die Flieger auf, maskengeschützt, darunter Dutzende Frauen, immer in Gefahr, von dem aufblasenden Feuer verbrannt oder gesengt zu werden. Sie nahmen Bilder der furchtbaren Landschaft an der wirbelnden See auf, durchsegelten mit ihren Metallflügeln die Lohe, senkten sich in Pausen herab, schossen davon. Weiter südlich stellten sie neue Schwefeldämpfe Kraterbildungen an Punkten des Mittellandes fest. Springquellen stellten ihre Tätigkeit ein. Statt dessen rieselte schmauchte Gas aus Rissen Klüften; dazu Rumoren, dumpfes hohles Rollen. Kylins Expedition konnte ohne Furcht vor menschlicher Störung angreifen. Es war sicher, der Vulkan stand über einem ungeheuren feurigen Magmaherd. Man brauchte sich nicht drum zu bekümmern, ob die Herde abgekapselt in der harten Erdrinde, in einer Höhle steckten, eine Blase des großen schmelzflüssigen Magmas, oder ob das Erdmagma selbst, der Nickelstahl des Erdleibs das ihn umkrustende, auf ihm schwimmende Siliziummagnesium durchbrach. Man mußte darauf losstoßen.