Chapter 37 of 48 · 3868 words · ~19 min read

Part 37

In eine Wüste von Blöcken hatte sich das Land verwandelt. Die Seen dampften und schwenkten Eisbröckel. In den Tiefen wühlten die letzten Gletscherreste. Das Inland gleichmäßig glatt und ruhig unter der glutenden Luft, mit wenigen dunstenden Hügeln bestanden. Nach den Küsten stürzten Wasser; da hatte sich ein Wall gebildet aus den Trümmern und Erdlasten, die die Gletscher fortgetragen hatten; die Wasser mußten sie durchwühlen.

Es war an dem Tage, an dem die ersten Erkundungsschiffe der Menschen über den Ozean fuhren, da bewegte sich die Erde. In großer Ruhe stieg Grönland, das Erdmassiv, das vom Pol in das Atlantische Meer ragte, auf. Stieg wie ein Korken auf, der tief in das Wasser gedrückt ist und den der Finger losläßt. Von der gebirgsschweren Last der Firne Gletscher des Inlandeises war das Land befreit. Es hob sich leicht. Hob sich über der schweren flüssigen Masse des Erdinnern, die es trieb, bis an seinen neuen Ort. Das Land, Berge Ebenen Hügel Küsten, schob sich in die Höhe und zerriß von Norden nach Süden.

In wenigen Tagen war alles ausgeglichen. Grönland, noch eben ein Erdteil, war zu zwei großen Inseln geworden, die meilenweit durch ein flaches Meer getrennt waren. Rauchende Inseln wuchsen langsam aus dem Wasser. Inseln verschwanden wieder. In die westliche große ergoß sich eine tiefe Meeresstraße.

* * * * *

In dem riesigen Umkreis der Flammen, wo das Licht matter schien, die Glut nachließ, begab die Erde sich auf die Wanderschaft, um dem heißen Eiland näherzukommen. Die Welt um Grönland, als wollte sie das Feuer löschen, wucherte in die Flammenzone ein. Ein Wall bewegte sich auf die grönländischen Inseln hin, so dicht, daß das Meer fast abgemauert wurde. Aus dem Randgebiet kam ein Riesenlager von Lebendigen dem Glutenherd näher. War wie Flamme und Wasser, bereit alles zuzuschütten. Die Luft durchdrang es. Bald war es ein Rasen, eine meilenweite tiefe Wiese, bald ein Wald über dem Meer, ein grünes Meergebirge, das vordrang. Was unten nicht heftig genug wuchs, trieb oben vor, schickte ungefesselte Tiere, die liefen schwammen flogen. Kilometerdick waren die Pflanzenschichten, die purpurn grün braun das Meer überschaukelten. Wo sie sich den heißesten Strahlen näherten, waren sie so dicht, daß das Wasser sie nur in Kanälen durchdrang, daß sie oben trocken lagen, Sturzwellen sie nur gelegentlich überschlugen.

Im Westen wuchsen aus wallenden Laminarien Bäume auf; Lassonien mannsdick, mit scharlachroten Blattkronen geschmückt, ließen Zweige herabhängen. In diesen wasserdurchzogenen Wiesen, lustigen Wäldern wuchsen verkamen zahllose Tiere. Verstrickten sich in den Maschen der Pflanzenwelt. Es trieb sie in Scharen in die Lager. Die schwimmende Wiese hob und senkte sich, straffte sich, erschlaffte. Mit jedem Anheben wurden wie durch Ausatmung Tausende Keime und Tiere herausgepreßt, strudelten in das Wasser. Sie wurden geschnappt von denen, die eben anschwammen, gebannt lauerten. Zu einem einzigen hauchenden Wesen wuchsen Wälder und Wiesen des Meeres ineinander. Fische Würmer Krebse suchten sich durch die Blätter und Stengel durchzusägen; aber die Last der Wiese war ungeheuer. Die Tiere wurden zusammengepreßt, ihr Saft troff, mischte sich mit dem weißen der geknickten Stengel, ausgelaugten Blätter.

Es gab in dem Grönland umziehenden Gewebe nicht zu unterscheiden Lebendes und Totes, Pflanzen Tier und Boden. Pflanze legte sich an Pflanze, hielt langsam schwimmende anschnellende Tiere mit Ranken, stützenden Blüten fest, die Tiere wurden ihre Teile. Diese Pflanzen hatten selbst Saugwurzeln Stützwurzeln von allen Stellen her. Ihre Blütenhaare Ranken bildeten sie zu Saugern Füßen Kiefern aus; waren Tiere und Pflanzen in eins.

Auf Blumen saßen krebsartige Wesen. Saßen ganz still. Mit ihren Schwanzfächern schlugen sie von Zeit zu Zeit Ranken ab, die sich um sie legten. Mit den beiden gekrümmten säbelartigen Raubfüßen bohrten sie in dem Blütengrund, rissen Wunden in den Schaft, schoben ihre Kauladen an, sogen. Manche Pflanzen trieben Röhrenblüten; in den Hüllkelchblättern saßen graue Krebse; in die Fruchtknoten hatten sie ihre feinen Kauladen getrieben; aus den Saftröhren des Pflanzenwesens floß ihnen Nahrung. Sie ließen manchmal auf freieren Wiesen den Blütengrund mit den Füßen los: als wären sie ein Pflanzenteil ragten und flottierten sie, mit wallendem Schwanzfächer, über dem Kelch im Wasser, um gleich, wenn sie verdrängt und abgerissen wurden, mit kurzen drehenden und wühlenden Bewegungen sich neu einzubohren.

Da saßen Geschöpfe an den Pflanzen, waren Spinnen. Unter den Blattachseln wuchsen sie hervor, schickten ihre Spinnfäden heraus, die sich fest um Nachbarstengel rankten. Tintenfische, ungeheure Leiber, mit vielen Armen, hatten ihre Augen geschlossen. Der muskelstarke Mantel hielt still, war straff gebläht, das Pflanzengewebe hatte seine Fortsätze in seine Höhlung getrieben, die großen Adern hatte es umwuchert, das Tier war nicht tot. Sein Herz schlug; in seinen Darm mündeten die Spalträume der Pflanzen; das Herz trieb träge den Saft anderen Tieren, anderen Pflanzen zu. Stengel Blätter Knospen wurden abgeschnürt, Glieder von Medusen Seesternen; die Teile wurden hier aufgesogen, dort waren sie schon wieder von einem Wesen gefangen, das sich dem losen Medusenarm anpaßte, ihn zu seinem Rüssel Stachel Deckblatt Saftröhre machte.

Feine Algen durchwuchsen Nacktschnecken, es war keine Schnecke mehr: ein Algenbusch schaukelte über dem weichen Bett.

Auf den rosig bestrahlten grönländischen Inseln hatte sich nach der großen Erderhebung alles verändert. Ihr Boden war gestaucht verworfen. Bloßgelegt waren Erdschichten und Gesteinsmassen einer uralten Erdzeit. Die Tiertrümmer Samen Pflanzen, Splitter einer jahrmillionenfernen Zeit waren wieder dem Licht preisgegeben, jetzt einem anderen Licht. Diese Sonne, die über Gebirge Ebenen Seen jetzt übertropische Wärme warf, war von wilderer Gewalt als der ferne alte Gasball. Unter dieser Sonne, die dicht über ihnen lag, erhob sich das Begrabene und Tote. Die Sonne riß es hoch. Wie die Maschinen, die die Islandfahrer auf den Brücken vorgeschoben hatten, die bröckligen Steinswesen bezauberten, Verbannten ähnlich, die man auf der Straße in ihrer Muttersprache anredet, einer Frau ähnlich, die verdorrt und eine Umarmung, ein sanftes Wort erfährt, oder wie Völker, die man unterjocht hat und die sich finden, – das Glück bringt sie zum Weinen, – so drang das heiße rosige Licht auf die Trümmer der alten Erde, umfloß umspülte bewältigte sie stürmisch. Schoß in ihr Herz.

Es kam ein Schmachten Wüten in die Dinge, daß sie sich bogen und streckten. Langsam regten sich die Gesteine. Die Ebenen des Landes hoben sich, überall wuchsen die Lager aus, drängten hoch, schoben sich übereinander. Rascher waren die Moose Algen Farne Gräser Fische Schnecken Würmer Eidechsen großen Säuger. Keine neuen Keime flogen über die See herüber. Die zermürbten Trümmer der Kreidezeit, Knochen Pflanzensplitter fanden wieder Leben. Dies wütende Licht backte zu Leibern zusammen, was es fand. Die Knochenwirbel, die zertrümmerten Skelette tranken in dem Lehm die Gletschernässe, zogen sich aneinander. Aus dem Lehm strömten ihnen Stoffe zu, die sie zu ihren Leibern machten, die sie um sich legten; Erde, quellendes Wasser, Salze. Es wandelte sich in ihnen und an ihnen schon um zur Art ihrer Körper.

Um alle Reste und Trümmer ballte sich die Erde zu Lebendigem, quoll auf. So wild war der Drang zu Leibern zu finden, zueinander zu fließen und sich zu bewegen, daß überall auf den Inseln das bloßliegende Land in ganzen Strichen barst, sich hier zusammenrollte zu einer wimmelnden Masse, dort wie vom Regen getroffen aufwucherte unter baumartigen Gebilden. Es waren keine Wesen, wie sie die Erde früher getragen hatte. Um bloßliegende Glieder, Köpfe Knochen Zähne Schwanzstücke Wirbel, um Farnblätter Stempelteile Wurzelstümpfe sammelten sich die Wasser Salze Erden; oft wuchs es sich zu Geschöpfen aus, die den alten dieser Erdzeit ähnelten, oft drehten sich sonderbare Wesen, sogen an der Erde, tanzten. Das waren Köpfe Schädel, deren Kiefer Beine geworden waren, der Rachen ein Darm, die Augenlöcher Münder. Rippen rollten sich als Würmer. Um eine Wirbelsäule strömte zusammen die lebendige Erde, befestigte sich. Es war, als wenn ein Adergeflecht nach allen Seiten ausschoß von den Knochenresten, als wären sie Kristalle Keimpunkte in der übersättigten Lösung. Und was um die Wirbelwesen lag, von den Adern berührt wurde, faßte es an, zog es zu sich her, ob es selbst Leib gewinnen wollte oder nicht. Die Würmer, die sich um die Rippen gebildet hatten, zog, wenn sie nicht flohen, das Wirbelwesen an seinen Mund, pflanzte sie sich neben seine Lippen ein; sie schluckten vorverdauten für ihn.

Kuglige Wesen rollten von Hügeln ins Land. Sie hatten die Art von Lawinen. Um sie spielte das Geäder unersättlich; wie sie rollten, backten sie an ihren Leib, was sie fassen konnten, versenkten die Adern in das Ergriffene. Auf Hügeln blieben manche dieser sich blähenden Wesen hängen; wuchsen in die Hügel ein, um sie herum. Unter ihnen hatte ihr spürendes Geäder ganze Lager kleiner Wesen erfaßt, die sich im Schneckengehäuse, um Korallenstäbchen geballt hatten; mit denen panzerten sich die Kugelreste. Die Felsen wurden von der wuchernden Kraft der Samen zersprengt. Es gab Geschöpfe, die sich riesengroß schwerfällig fortbewegten, ganze Hügel in ihrem Leib. Bröckel ungeformter und sich selbständig bewegender Erde schleppten sie mit sich, sie träufelten es von sich ab, zogen eine Bahn Lebens. Niemand war bedacht auf Angriff und Verteidigung; sie schleppten sich auf, trieben aneinander, rieben sich, verschlackten sich, wurzelten zusammen, über- und untereinander.

Die Trümmer der Gräser Laubbäume der Palmen Oleander Nadelhölzer wurden von dem Licht berührt. Sie zogen ihre Nachbarschaft an sich, die rollte auf sie zu, wie ein Blatt, das sich unter der Flamme kräuselt. Reste verdorrter und erstickter Lorbeerbäume lagen auf geöffneten Sandsteinplatten, zwischen dem Schutt der Felsen, die die Sonne zersprengt hatte. In ihre Blattrippen, zwischen ein Netzwerk der Nerven wurde die lebendige Erde gesogen. Von den Blattrippen, den Nerven ging die Lockung aus; zwischen Blattrippen und Nerven senkte sich, gerissen, die Erde ein, schichtete sich um Spalten, wurde durchädert, farbige Pflanze. Blätter erhoben sich von den Felsplatten wie Kuchen aus ihren Pfannen; breit und dick. Sich aufrichtend wuchsen sie zur Höhe von Büschen, immer im Wirbel von den Seiten den Erdstoff ansaugend, der wie schweres Öl floß. Prall standen die Blätter, die riesigen gemästeten Gebilde. Oft fingen sie an sich zu bewegen. Denn unter ihnen wuchsen gepanzerte Schildkröten, auf deren Rücken sie verankert waren. Und auf dem Rücken der Tiere wandelten sie ins Land.

Und weithin die Landschaften der Schopfbäume mit dichtgedrängter Belaubung. Überall wuchsen sie auf den Spuren von Tieren, die die Samen der Bäume mit sich vergossen. Baumartige Gräser schossen hoch, in dichten Gebüschen, undurchdringliche Klumpen, Stamm auf Stamm aus einer Wurzel; die Spitzen der Gräser hingen bogenförmig über wie hohe Trauerweiden.

Oft rissen sich Bäume und Tiere nicht ganz aus dem Boden, blieben drin stecken, waren ein Mittelding zwischen wuchernden Erdstoffen und lebendigen Wesen.

Oft schleppten sie wie einen Eidotter Erdmasse mit sich fort, Beutel, ganze Säcke, an Strängen wie Nabelschnüre und fielen hin, andern zum Opfer, wenn der Dottersack leer war.

Oft fuhren Gebüsche drohend wie Arme gegeneinander, schienen sich ersticken zu wollen. Dann brachen ihre Äste bei der Berührung; sie schmolzen zusammen; gemeinsam flutete ihre Nahrung in alle; ein großes Wesen erhob sich.

Zwischen den Gingko Tulpenbäumen trieben Lianen auf. Sie nahmen sich keine Zeit zur Ausbildung von Blättern. Matt an die Bäume gelehnt, um sie herumklimmend wuchsen sie über die Stämme hinaus. Die fremden Blätter umwickelten sie mit ihren Windungen. Sie waren gefräßige und strenge Wesen. In die Bäume wuchsen sie heimlich ein; die waren ihr Mutterkuchen. Den Saft der Erde bekamen sie vorverdaut. Während die Bäume unter ihnen verdorrten, ließen sie ihre Blüten bunt wie Fahnen über sie hängen.

Schweigsames Düster der Wälder. Säulen völlig grade astlos aufstrebender Stämme, ununterbrochenes Laubdach; Linien rosigen Lichts durchfallend. Korkzieherartig umwanden sie die Holzseile der Gastpflanzen. Von Stamm zu Stamm zogen sich die Drähte, über die tierische Geschöpfe krochen, von denen sie wie Fledermäuse herabhingen. Die Tiere rissen sich von den Bäumen und dem Boden los, schrien durch die Wälder.

Platanen der heißen Ebenen, Mangroven Brotfruchtbäume. Die Riesenfarne, die wie unerschöpfliche Mütter und Väter dastanden und zeugten. Ihre Blätter strahlenförmig im Kreis wie Speichen eines Rades. Lebendig gebaren diese Pflanzen; der Keimling entwickelte sich schon an der Kehrseite der starken Blätter; seine Sprossen hingen in Fäden von den Blättern herab.

Das unaufhörliche Niederpreschen der Stämme. Sie brachen oft ganz mit Belaubung und tierischer Last zusammen und quollen über den Boden. Zum Teil vermochten sie nicht zu fallen; Leichname standen rechts und links; kräftigere Wesen verschlangen sie. In der Dämmerung und Dunkelheit wuchsen neue auf, trugen ihre Schirme über die Wipfel und Baumkronen, breiteten neues raschelndes Blattwerk aus.

Die Wälder, Tiere beschützend, schoben sich wie Schilde hoch. Unter der Glühhitze flammte die bunte Holzmasse oft auf. Sie krümmte sich brennend am Boden. Schlürfte und schlüpfte schon wieder auf, warf neue Dunkelheit unter sich.

Verwüstend brachen durch die Wälder die Riesentiere. Die aus den Seen auftauchenden wandernden Gallerten, die sich an Küsten ansiedelten, Bäume und Wiesen verschlangen. Wäßrige Geschöpfe, die ganze Flußläufe überbrückten, den Fluß durch ihren Leib laufen ließen, sich zusammenkrampfend ihn absperrten und von sich spritzten. Teiche wurden aufgehoben und wanderten samt Reptilien und Pflanzen in ihnen; sie schaukelten im Wanst eines keuchenden schluckenden augenlosen Riesenwesens, das sich drehte tastete sich lang flaschenartig auszog nach dem Licht.

Die grönländische Insel, von dem Rosenlicht begossen, in der tropischen Wärme, war kaum mehr Land, das dalag und Wesen erzeugte. Die Inseln glichen, wie sie zum Licht schäumten, einem langsam aufdrängenden halb erstarrten Meer, das bald grüne, bald purpurne Wellen übergipfelten. Durch die Wellen schoß manchmal eine Flamme; dann sank das Meer schwarz und qualmend ab. Die Flammenbrunst lief in irren Linien über die Inseln, übersprang die Meeresstraßen. Ganze kleine im Meere lagernde Landmassen hüllte sie ein; wie der Dampf verblasen war, wallte die Erde schon wieder bunt auf. Dieses Feuer war oft nicht von außen in die Berge Waldungen, herangetragen worden. Es brach, wenn das Wüten dieser lebendigen Wellen zu hoch gestiegen war, die Baumkronen himmelhoch über dem Boden aufgewuchert waren, aus den rastlosen Leibern selbst aus. Aus Ästen Knospen stachen züngelten die kleinen Flammen. Die Lianen reckten sich im Licht auf; aus ihren Stielen warfen sie keine schweren Blüten, sondern zischelnde Flammen, die den Leib der Pflanzen nicht angriffen, sondern von unten wurden die Flammen genährt, brausten weiter und länger aus. Bis ein furchtbarer Streit zwischen der Flamme und dem Pflanzenwesen Baumwesen entstand. Heftiger wütete der Baum, bissiger trieb die Flamme abwärts. Die Wut des Baumes speiste die Flamme. Weg mußte der Baum und die Pflanzen um ihn mit. Ihr Rasen nährte die Flamme. Die Bäume verkeuchten sich in Feuer. Wüteten Flammen in Flammen, verbrausten in die Luft.

Eine Flucht kleiner Vögel und Insekten machte sich aus den Steinlagern, den uralten Kreidemassen auf. Die Papageien grellbunt und üppige Fasane flogen hin, schnappten schrieen. Kopffüßler Schwämme Schnecken erhoben sich neben ihnen aus der Erde, glitten in die Wasser, mischten sich mit anderen Wesen, die über sie kamen.

Straßenlange Schlangenleiber ringelten Echsen über die Felsen, stürzten sich ins Wasser, die erst blassen, dann schwärzlichbraun anlaufenden Wesen, denen Stacheln aus den schmalen bezahnten Schädeln wuchsen und die unten im Wasser brünstig grunzend mit ihren breiten Schwimmschaufeln wateten. Wie diese Tiere das Wasser durchschwammen, kämpften sie mit anderen, mußten sich in dem Wust des aufkommenden, sie selbst durchrieselnden, über sie zusammenschlagenden Lebens behaupten. Von Felsenplatten, von der kochenden umdunstenden Erde lösten sich die abenteuerlichen Wesen ab, die sich zuerst nicht entschieden, ob sie mit dem Schwanz und den Füßen in der Erde wurzeln wollten, die dann ihre Glieder vom Boden wie von einem Teig abzogen und schon dumpf um sich blickten, die Bäume betrachteten, mit ihren Riesenkiefern in die weichen Stämme hieben. Schwer standen sie auf der wühlenden Erde, den muskulösen Schwanz angestemmt, mit den beiden Stirnhörnern Bäume rammend und fällend. Die Bäume nahmen sie wie Gräser in die Mäuler, zermahlten sie mit den Kronen Gastpflanzen und hängendem Getier.

Langhalsige gebuckelte Ungeheuer zogen sich einzeln und in Gruppen durch die lärmerfüllten Täler, über das Flachland. Vor ihrem donnerartigen Gewieher erschraken sie selbst. Von einer Doppelreihe hoher Knochenplatten war ihr Rücken bestanden, ein Knochenkragen schützte den Hals, aber vorn bewegten sie menschenähnliche trübe gewaltige Häupter langsam hin und her. Wasser lief aus ihren Augen. In Wälder brachen sie ein. Aber sie zitterten, standen still, warfen sich um sich, als sie von fuchsartigen roten Tieren in Scharen überlaufen wurden, die sich in ihre Augenhöhlen Ohren zwischen ihren Zähnen festzusetzen suchten, die sie abschüttelten zertraten. Aber immer liefen die Füchse von rückwärts und über die Füße an, stürzten von den Bäumen herunter, in deren Seilgewirr die Ungeheuer sich verstrickten. Sie wieherten in Schmerzen. Ganze Haine verwüsteten sie, sich hinwälzend. In Flußläufen suchten sie sich zu kühlen. Da zerschellten viele. Aber die Erde blieb in einer einzigen Erregung. Und wie sie zerschellten, strömte und ballte sich schon das Leben wieder um ihre Glieder und trieb durch das Land.

Von den Felsen der höchsten Berge stürzten sich Vogelwesen in die lebendige Brandung. Mit Hälsen wie Giraffen, die Flügel breit werfend, trugen sie auf ihren langen Krokodilsköpfen ganze Wiesen und Bäume mit sich. Maulwurfsartige Wesen, die zwischen ihren Flügelfedern nisteten, verließen sie auch im Fluge nicht. Diese zähnefletschenden Vogelechsen brauchten keine Hörner zum Rammen und Spießen. Die Hügelteile, die sie auf ihren Köpfen mit sich trugen, trieben Spitzen hervor, die die Härte der Steine hatten. Die großen Meuchler erschienen, diese schlagenden krallenden stürzenden Wesen über der Brandung Grönlands. Sie wüteten schlimmer als die Flammen, schlitzten die wandelnden Gallerten auf, zerquetschten sich senkend Tiermassen.

Nach oben zuckte das Leben der Inseln. Nun begann es bedrängt überquellend nach außen zu fluten. Der Schwall der Vögel setzte sich in Bewegung. Die Lauftiere flüchteten vor den schwirrenden zerschmetternden Unwesen. Sie suchten das Wasser zu überschwimmen. Liefen über die Tangwiesen. Nach Süden Osten Westen quollen die Tiermassen.

Achtes Buch.

Die Giganten

Über der Westküste Skandinaviens erschienen die Untiere gegen Ende des Jahres. Etwas später befuhren sie die britischen Gewässer, tauchten vor Jütland und der Bretagne auf. Die Stadtschaften, die noch in der Hand starker Senate waren, hatten beim Zurückfluten des großen Expeditionsgeschwaders die Grenzen gegen Norden und Westen gesperrt. Von dem Expeditionskorps lief nur ein versprengter, rasch gefangengesetzter Teil die europäische Küste nördlich Stavangers am Bukafjord an; die Hauptmasse stürzte nach Süden an den alten Sammelplatz der Färöer und Shetlands. Britische Kommissare hatten schon im Herbst durch Schottland eine Verteidigungslinie gegen das verdächtige Geschwader gezogen, von der Lorne zur Moraybucht südlich des Kaledonienkanals; Vorpostenschiffe deckten die Nordsee und den Zugang zur Irischen See. Von niemandem gehindert, von niemandem erwartet brachen die grönländischen Untiere ein, diese abenteuerlichen, den Menschen gräßlichen Wesen, Mißschöpfungen einer unmäßigen Kraft, die über Grönland aus dem schrecklichen Flammenschleier blies.

Rudel der keuchenden blasenden Wesen ruderten flogen über den Ozean, straßenlange Reptilien, schwarzbäuchig, manche schillernd beschuppt, manche mit scheckiger Haut und breiten stumpfen Mäulern, manche wie Krokodile gepanzert. Dann Vogeltiere mit langen spitzen Zähnen, die in Doppelreihen standen. In Haufen zogen sie an, einzeln wie Festungen und Schiffe, eine Masse von Felsen Baumwaldungen Tieren mit sich schleppend. Sie schwärmten an, verhüllt unter den Waldungen auf ihren Rücken; mit den Füßen rissen sie sich die Moose und Schachtelhalme ab, die über ihre Augen wucherten. Bisweilen stürzten sich fliegende Echsen in die See, um die Flammen zu löschen, die an ihren Hälsen, auf ihren Rücken entstanden. Mit der Angst gejagter Wesen flohen sie. Zwischen ihren Zehen, auf ihren rollenden aderdurchzogenen Flughäuten wurden Schlachten zwischen den Geschöpfen geschlagen, die sie mitschleppten. Sie klammerten sich an die Krallen der Ungetüme an, hingen an deren geblähten Halswampen in Reihen Ketten Girlanden. Tauchten die Tiere in See, so wurde der größte Teil der Bevölkerung von ihnen abgeschwemmt, schwamm an der Oberfläche, suchte die großen Tiere wieder zu fassen, wenn sie hoch kamen. In die See tauchend spülten sich die wandernden Tierriesen die zerfallenden Leichen ab. Aber mit sich selbst, unter sich schleppten sie Leichen. Sie kämpften miteinander, sobald sie sich berührten, schlangen zerrissen sich. Und je mehr sie sich von Grönland entfernten, um so größer wurde ihre Not. Über See erschlugen sie sich; hungrig, aber oft konnten sie sich von den Besiegten nicht losreißen, die sich an ihren Rüsseln Borsten Hornplatten verklammert hielten. Mit der triefenden Masse wankten sie weiter, die Sprossen in sie hineintrieb. Und wie die Untiere die offenen, von dem rosenfarbigen grönländischen Licht nicht beschienene Meere befuhren, die Kälte über sie kam, wurden sie unsicher. Zuckten zwischen Meer und Himmel auf und ab, flüchteten vom Meer in die Wolken, die sie nicht wärmten. Sie konnten wenig sehen unter dem trüben Sonnenlicht. Verwirrt kehrten viele um. Aber die Geschwader der neu abfliegenden Tiere kamen über sie; diese Tiervölker zerrissen sie, schleppten sie nach Süden weiter. Unaufhörlich wie ein Blütenbaum seinen gelben Sonnenstaub warf Grönland seine lebendigen Massen von sich.

Auf Skandinavien schmetterten sie nieder; dies war das erste Land, auf das sie stießen. Fjorde mit Granitklüften, wenige Wiesen, Schneeberge im Hintergrund. Hunger Beklemmung trieb die wandernden Untiere von Tag zu Tag stärker. Da prasselten sie über die Klippen, bedeckten kleine Menschensiedlungen. Im Sturz zerschellten viele, die sich über das Land warfen, als wären es Wellen. Die lebend herunterkamen, fingen an am Boden, an den Klippen zu beißen zu kauen zu schlingen. Zerrissen sich die Gaumen, ihre Zähne splitterten. Dröhnend drohend erhoben sie sich von ihren felsigen Opfern, schlugen mit den Klauen auf ihnen herum, schluckten mit blasenden Nüstern Steinbröckel Kiesel, griffen sich nach dem Rücken, stopften sich Farne, die sie abknickten, hinterher. Die Steine zerschrammten schlitzten ihnen den Darm. Speiend drehten sie sich im Kreise.

Nach Bergen kam ein Rudel vogelartiger Echsen mit den Rückenhöckern von Dromedaren, langen Hälsen, zweifüßige beflügelte Unwesen, die ein helles Schreien bei ihrer Annäherung ausstießen, das sich wie Kichern anhörte. Sie zerdrückten eine Zahl von Straßen und Anlagen. Mit den Haustrümmern stopften sie sich Menschen in den Schlund. Brände brachen um sie in der Stadtschaft aus. Die Waldungen von Farnen Bärlappbäumen auf den Tierrücken wurden ab und zu von dem Feuer ergriffen. Zerstörend warfen sich die flammenden Tiere um, wälzten sich durch die Stadt.

Eine eigentümliche Art Fischwesen war gleichzeitig bei Bergen aus dem Meer aufgestiegen, Wesen von außerordentlicher Länge, die noch die der Echsen übertraf. Sie waren übermäßig wurmartig schmal gewachsen, hatten ein Wirbelskelett, das mit Schädel Rippen Wirbelkörper deutlich an dem fleischlosen Leib sichtbar war. Diese Tiere schienen sinnlos vor Hunger zu sein, waren halbblind. Wie Schlangen ringelten sie tonlos die Klippen vom Meer herauf; ihre Leiber nahmen kein Ende. Sie schnauften mühsam, paßten sich der Luft an. Aber eine ganze Zahl schnellte zu rasch aus dem Wasser hoch; ihre schmächtigen Leiber schwollen plötzlich an, zuckten hingen über den Klippen; die Därme quollen ihnen aus den Schnauzen. An ihnen schlangen die Vogelechsen.

Sie kamen alle nicht weit. Flogen etwas, senkten sich wieder auf den Boden. Es schien, als ob der Rest ihrer Kraft sie bei der Berührung mit den kalten Steinmassen der Erde verließ. Keines der skandinavischen Tiere, obwohl von niemandem verfolgt, kam über den sechzigsten Breitengrad auf dem Landweg nach Süden. Sie fraßen Bäume Ackererde. Dann lagen sie lahm. Warfen sich, schnellten wie in einem Anlauf hoch, verkamen. Die Waldungen Gärten Vögel Weichtiere hatten sie schon verschlungen, oder sie waren verbrannt. In die Erde fraßen sich die grönländischen Untiere ein, wie sie starben. Wuchsen dann sonderbar in ihre Gräber. Wo sie reglos lagen, wucherte die Erde, die sie verschlungen hatten, in ihren Mäulern, zwischen ihren Vogelkiefern, in den Schlundröhren, Eingeweiden aus, durchdrangen die Weichteile in langen spitzen Kristallen, sogen die Weichteile nach. Und um die Leiber herum, in den Bodenhöhlungen zitterte die Erde, ließ feine Kristallbündel sprießen, so daß die Riesenleichen in zackigen Nestern lagen. Die Körper der Untiere selbst aber vom Boden verschlungen, waren nichts als eigentümliche Bodenerhebungen, die sich wie Tierrümpfe über den Berghängen, über Ackerflächen hinzogen, von blitzenden Steinen begleitet.