Chapter 8 of 48 · 3853 words · ~19 min read

Part 8

Die Asiaten gaben die russische Tiefebene nicht frei. In drei Staffeln rückten die Westländer vor, überflogen überrannten auf Brücken Schienen, die sie in wenigen Tagen vor sich auswarfen, aus Polen Rumänien Galizien dringend, Witebsk Mohilew Poltawa Cherson. Der Dnjepr und seine Sümpfe lagen hinter ihnen. Die Städte dieses Abschnittes waren ihnen nicht fremd. Dichter wurde vor ihnen, unter ihnen das Maschennetz der Dörfer, Gehöfte, verstreuten Siedlungen. Jenseits Jaroslaw Wladimir Woronez Charkow näherten sie sich den Flußläufen, die die große Wolga aufnahm, dem Jergenihügel, dem breiten Bergufer der Wolga selbst. Im Norden stießen sie auf Wjätka Wologda. Da verbrannten stürzten die ersten Fliegerreihen, stürzten im Flug aus dem weißen Himmel auf die stille Ackererde. Neue rückten nach. Stürzten. Durchschritten nicht eine unsichtbar vor ihnen aufgerichtete Barriere. Als Erkundungstechniker folgten, stellten sie die Wellen fest, die die Motore in Unordnung brachten. Und wie sie noch nach der Art der Wellen, Ausgangsort Formel forschten, fuhr am Boden gegen sie das Ungetüm aufgewühlter Menschenmassen an. Auf Pferden Wagen Karren, die Flüsse herunterschleifend auf Schiffen Booten Kähnen, rollten strömten von Osten nach Westen, spülten drangen quollen von Norden nach Süden Menschen- und Tierleiber. Bestürzte klagende verwirrte Menschen, Männer Frauen Kinder Pferde Rinder Schweine, die sie trieben, Hühner, die getragen gejagt wurden. Jammernde schreiende zerlumpte nackte Einzelläufer. Große stumme drängende Horden, Dorfgemeinschaften, die sich nicht fragen ließen. Betäubt, die Gesichter Decken Kleider schmierig. Übernächtig schleppten sie sich vorwärts. Konnten nicht achthaben auf die sterbenden Säuglinge. Das warf sich am Boden hin, weinte zerkratzte sich Stirn und Backen, ließ das Tote mit Erde bestreut liegen, konnte nichts begraben in dem nassen Boden, rannte traumhaft gestoßen. Das griff, was es hatte und fand, an: Bäume Hütten Bretter, warf sich aufs Wasser, schwamm strampelte stöhnte ruderte. Das seufzte kreischte, waren Weibermassen, löste sich die Haare, riß an ihnen, biß an ihnen, blickte rückwärts: weite wimmernde Blicke auf den grauen trüben Himmel, der nichts als Wolken zeigte. Hinter ihnen brannte es. Sie schrien. Hatten es nicht brennen sehen, aus anderen Dörfern waren Menschen gekommen, von weither hatten alle es gehört. Da gewahrten die Fremden wogende himmelbedeckende Massen von Vögeln, die lärmend und still in gleichmäßigem Zug oder stiebend von Osten nach Westen, von Norden nach Süden stießen, dichte Ballen von Raben, Heerscharen kleiner Vögel, Bergfinken Tannenhäher, vorüberrauschend, mit Zwitschern Rufen Flöten die Nächte erfüllend. Der Boden besät mit abstürzenden erlahmenden kleinen Körpern. Sie rauschten flirrten pfiffen flibberten in großer Höhe. Und das Lebendige der Erde setzte sich mit den Menschen in Bewegung. An den Karren hingen Scharen von Fledermäusen. Griff man sie, stoben sie hoch, schwirrten mit ausgespannten Armen, setzten sich. Am Boden rieselte es zwischen den Füßen der wandernden Menschen und Tiere. Die schwarzen und grauen Mäuse wimmelten über die Wege, die nassen Äcker. An manchen Flüssen bedeckten sie pfeifend die Oberfläche, kleine glatte zuckende Rücken, schlagende spiralige Schwänze. Liefen Felsen hoch, stürzten herunter, rutschten Rinnen herab, ließen sich an Bäumen herunter. Auf und ab die raschen Schatten der Jarboamäuse. Menschen, durch Wologda und Wjätka drängend, trugen Beile Messer, blutige Wolfspelze an den Wagen. Während sie vorwärts trieben, liefen die Bären Füchse Vielfraße aus den Strichen hinter ihnen. Das zickzackte huschte kaperte schwarz braun grau in Sätzen über die Wege, legte knurrend sich in den Staub, verendete lechzend, taumelte, wurde erschlagen. Auf kleinen schwimmfreudigen braunen Pferden Kirgisen, bukajewsche Horde von den Salzsümpfen, Gesichter schwarz und stumpf. Schnalzten, gaben keine Antwort, peitschten die Pferde.

Als die Weißen nicht vorwärts kamen, vom Brand gestammelt wurde, Dörfer und Siedlungen anschwammen, trieben die Erkunder durch die schrecklichen Tier- und Menschenscharen, bewaffnet geschützt, auf Pferden. Bevor der nicht zerriebene Rest dieser Posten zurückkehrte, war die Barriere in der Luft gesprengt. In der Luft über der Wolga schwebend, die dunstende Kirgisensteppe, Samara Perm überschauend, sahen sie die von Menschen und Tieren wühlende Ebene.

Im Rücken der Menschen und Tiere aber den großen und unmeßbar weit nach Norden und Süden sich umbiegenden Rauch- und Flammenwall, der mit sichtbarer Bewegung, langsam und kaum pausierend in kleinen Pulsschlägen hinter ihnen herwanderte.

Feuer Rauch, den Horizont abschließend, keine Lücke lassend, die rollende Mauer.

Soweit sie konnten, näherten sich die Flieger dem Brand, in Furcht, von Strahlen gefaßt zu werden. Sahen zuletzt das Feuer sich von der Erde mit der Erde erheben, aus dem Boden spritzen, Hügel Berghöhen überklimmen, über flaches Land Gebirge hochrennen. Es hielt vor keinem Flußlauf.

Da warfen die Westler sich rückwärts, verließen fliegend fahrend die Linie der Wolga. Von Cherson bis zur Waldaihöhe im Norden bauten sie sich auf. Sie kannten die Millionen Menschen, die in der reichen wasserdurchlaufenen ackerbestandenen Ebene wohnten und die, die vor der Feuerwand einherliefen. Sie hatten überflogen Mohilew Smolensk Tschernikow Poltawa Kiew Jekaterinoslaw; Orel Kursk Kaluga Tula Twer Nowgorod Tambow. Das Feuer wanderte von Osten gegen sie, vom Uralgebirge stieg es, die Asiaten opferten das Land vor sich, dachten, die Westler würden die Woge der Lebendigen aufnehmen, und die Feuerwand würde über Europa, zum Balkan, nach Polen, an die Ostsee ziehen. Man mußte sich wehren.

Und wie vom Ural Feuer lief, lief nach fünf Tagen Feuer entgegen, von Cherson über Poltawa Mohilew Pskow zu den Waldaihöhen.

In die Erde metertiefe Stollen gestoßen, Stollen neben Stollen. Blöcke bohrten sich ein, rissen den Boden auseinander, die Linie vom grünen Ladogasee bis zum Toten Meer. Wie eine große Egge griff es in die Erde, hielt den Kopf gesenkt. Die Blöcke warfen unten Sprengstoffe Gase Salze vor sich aus. Blöcke über ihnen durchlockerten die Erde, mischten sie mit Gasen Salzen, durchdrangen sie mit Hitze. Hochgeschleudert unter Donnerschlag rauchte blutflammte die Erde, verzehrte sich geifernd in die Luft, aufgehoben in einem wirbelnden puffenden Qualm. Lohe Flammengarben sprangen in Säulen aus dem bloßgelegten Boden, brannten hinter der qualmenden niederregnenden Masse weiß und grün steil in Riesenhöhe auf. Flamme neben Flamme wie die Blockzähne der großen Egge, über Wiesen Ackerboden, zwischen Dörfern Landstraßen, vom Toten Meer zum Ladogasee Cherson Poltawa Mohilew Pskow Waldai. Den gleichen wolkenbezogenen Himmel angrellend Tag und Nacht, ihn rüttelnd erschütternd mit Stößen zu Donner und Widerdonner. Menschen Häuser Steine Hügel Tiere Wälder restlos zerklafternd aufhebend hochwerfend verschüttend, Flußtäler zerreißend ausfüllend. Die Betten der Seen Ströme sprengte das wandernde, Minute um Minute vorrückende, Qualm speiende, regnende, sich in Hitze sielende Wesen. In den Sümpfen sprühte es, auf dem Moor sprangen die Kreuzkröten, die listigen Salamander in die Höhe. Die Wasserfrösche im Schilf duckten sich vor dem Rauch, der über die Sumpffläche strich. Es klatschte um sie. Wie sie einen Satz nach rückwärts machten, waren sie mit Schlamm unter den kolbigen Zehen aufgehoben, um sich gedreht, Giftdunst um sie, trockene Flamme, vergasende Erde grün aus dem Moor gegen ihre platzenden Leiber.

Die Egge über Wolhynien und den Bug. Das Landvolk wich nach Süden über Jekaterinoslaw auf das Meer, auf die Krim zu. Die Egge stach den Dnjepr an. Das mächtige Gewässer stürzte randlos nach Osten Westen, schwemmte sprudelte rauschte über die zerschnittene abgehäutete Erde, den brodelnden Sumpf. Ströme Bäche Seen, ihrer Umfassungen beraubt, kenterten über den neuen Boden, Lehm und Morast wälzend. Hinter den Eggen liefen die Röhren Gasspender Salzmischer Hitzeatmer. Selbsttätig zog das schnaubende Bergwerk sie hinter sich, entleerte sich seiner Spannung und Ladung, nahm ruhend unter der vibrierenden Luft, von der Erdlast befreit, die in Geheul und Rauch verging, neue Nahrung ein. Stemmte spießte bohrte sich unter die Erdmassen, die ihm vorlagen, brach gasend heizend explodierend aschend durch unter Bergen Baumwurzeln Stadtfundamenten.

Blauschwarze Schwaden, niedrighängende, zogen nach Polen Galizien Rumänien, wo das Laub an den Bäumen schwarz wurde, das Vieh auf den Weiden starb, die Menschen sich nach Westen wandten. Im leeren Osten schäumte die grüne Flut über der abgetragenen Erde. Unter dem Wasser schütterte, bohrte das Bergwerk, riß, riß. In Stößen wallte das trübe Element ostwärts. Die Erde in Sprüngen geöffnet, das Wasser in die Risse stürzend. Flammen brausten; die Nässe klatschend im Schwall dazwischen.

Im warmen üppigen Taurien tauchten Regimenter englischer Soldaten der B-Armee auf. Sie wurden auf Schiffen vom Süden durch den Bosporus und das Schwarze Meer getragen. Das Schwarze Meer war von Tausenden Seglern Booten Lastdampfern bedeckt. Flöße schwammen dazwischen. Im Norden nahe den Ufern Herden schwimmender ertrinkender Pferde. Vom Asowschen und Toten Meer, aus dem Kaukasus, von der Krim selbst quollen die Massen, gestopft durcheinander die Ufer erfüllend. Kosaken Kirgisen Slawen mit Bauern Priestern Männern und Kindern Weibern, die blauschwarze Wasserfläche anstarrend, über sie herfallend. Der Boden unter ihnen, Sand Wiesen, schon weggenommen von dem schrecklichen pfeifenden Gewühl der wandernden Springmäuse. Bei Tag und Nacht kämpften sie mit den Wölfen und Füchsen, die hinter ihnen, unter ihnen auf der Flucht waren, sich an den Erliegenden mästeten.

Erschauernd, ihr Grausen nicht überwindend, schlugen sich die angefahrenen Soldaten, ihre Schiffe den Flüchtenden preisgebend, nach Norden durch, um eine Linie zu ziehen zwischen Cherson und Taganrog. Immer wieder auseinandergerissen durch das scheußliche über sie fallende Gewühl der Springmäuse, Rudel der tobsüchtigen Wölfe, zuletzt durch die Völkerwanderung der Menschen, die sich bei der dichten Annäherung des Erdbrandes in Vertierung selbst anfielen. Die Flüchtigen ließen es auf einen Kampf auf Tod und Leben mit den Soldaten ankommen; sie waren ohne Nahrung, von Schrecken Erbitterung Haß verwüstet. Schlecht bewaffnet wurden die Truppen zertrümmert. Aber neue aus dem menschenfließenden Westreich kamen hinter ihnen und brachen sich, immer fast zergehend, Bahn. Sie wollten, zwischen Cherson und Taganrog auf der noch unversehrten Erde zwischen den beiden Feuerlinien vorgehend, den Brand vom Ural aufhalten. London befürchtete, daß nach Ersäufung der ganzen Ebene zwischen Ural und Düna keine Angriffsmöglichkeit zu Land bestand; die kontinentalen Massen brauchten Angriff und Sieg. Eine Erdmasse als Kampftribüne sollte zwischen der östlichen und westlichen Wüste, dem ersäuften und erstickten Land, erhalten bleiben. Den B-Truppen waren zum Schutz nur wenige technische Einheiten beigegeben worden; die Führer hielten den Versuch für fast aussichtslos. Das todesmutige dichte Herantreiben von Stollen an die uralische Feuerwoge, während die westliche verharrte, das Aushauchen reaktionshemmender Gase, Auswerfen löschender und vereisender Salze glückte nur an wenigen Stellen. Das Tempo des östlichen Vorrückens wurde zuletzt unerhört wütend. Die russische Tier- und Menschenwelt, von Osten und Norden andringend, im Westen eingeengt, ertrinkend verhungernd verbrennend, behinderte an den meisten Orten das Ansetzen der Gegenstollen, zerstörte die vom südlichen Wasser nachgezogenen Röhren und Kabel. Zu dem Widerwillen gegen die Westler trat bei den noch kräftigen Einheimischen blindmachende Verzweiflung, Abscheu vor allem Menschlichen, ja Lebendigen. Eine Woge von Barbaren und Kannibalen rollte nach Süden. Mitgerissen von ihnen, eingekeilt zwischen sie, die Truppen der Westler.

Noch auf der Flucht, nach rechts und links kämpfend, sahen die Truppen die westliche Feuerwoge sprengend und lohend sich in großen Sätzen erheben und grün der östlichen zulaufen. Sie schrien im Bereich der grünen und gelben Schwaden wie die schwarzen Kirgisen und Slawen. Niemand sah mehr den andern. Hunderte von der eigenen Feuerwoge im Rücken gefaßt, geröstet.

In der Linie Bardjansk Charkow Orel Kaluga Twer packten sich die springenden Reihen der Bergwerke, stießen knallten grimmten in einem einzigen Feuertosen zusammen. Verdonnerten verzitterten die Bohrer Sprenger Gaser Heizer.

Dickes schlammiges Wasser sprudelwallte brodelte über ihnen. Sie vergifteten es, brachten es zum Sieden Bäumen Spritzen, warfen es in Säulen über sich. Es klatschte gischend zurück. Sie mußten Ruhe geben. Die Kabel rissen. Die Ladungen rieselten lehmig tintig aus.

Während vom Ural das Feuer lief, vom hohen nördlichen Töl-pos-is, dem Kamme des Jamentau, Iremal, beschickt von den Gelben, die aus den unendlichen Tannenwaldungen und Klüften des Ostabhanges herstiegen, lagen Gasschiffe Riesenboote Luftschiffe über dem Ozean im Westen, aufgebrochen aus England Irland, dem Golf von Biskaya, von den Kapverdischen Inseln, der Guineaküste. Kreuzten das atlantische Wasser Karaibische Meer, breiteten sich, die Durchfahrt von Panama verlassend, an der weiten Westküste des amerikanischen Kontinents im Süden und Norden aus, um dem asiatischen Angriff von Westen zuvorzukommen. Die amerikanischen Geschwader schlossen sich ihnen an. Unterwasserboote Gasboote, in breiter Front die plumpen Arbeitsschiffe zwischen sich fassend, von Abwehr- und Kundschafterbooten umschwärmt, durchschnitten das große westliche Gewässer, dröhnten an Hawai Paumotu Tubai vorüber, zogen bei Neuseeland die südliche Front ein, verdichteten sich im Norden, von Neuguinea bis Kamtschatka.

Da waren sie in ein zauberhaftes Meer gestiegen. Erfuhren Beunruhigungen, die sie auf Fehlleistungen der Schiffe, Täuschungsmanöver der Kommandanten bezogen. Tauchboote Überwasserschiffe begannen ihr Tempo zu ändern, rascher zu fahren, rascher rasend, die Richtung zu verändern, zu stocken, stillezustehen. Ganz unregelmäßig wiederholte sich das, trat hier auf, dort auf an der Riesenfront, die langsam vorrückte, einen Gürtel um den Ostabfall des asiatischen Kontinents legte. Dann fing es mit einem plötzlichen Ruck, dem Stillstand einzelner Schiffe an. Im Wasser hielten Schiffe, wühlten rechts links mit Schrauben, bäumten sich, kamen nicht los. Langsam wurden sie frei, freier, brausten pirschten auf ihren Gegner, rasten in entfesselter Geschwindigkeit, unter dem Wasser, auf der gischenden Fläche, fühlten plötzlich, daß sie sich nicht halten konnten, daß sie stürzten, eine Kraft über ihnen. Man zog sie, riß sie von vorn. Vorn zog man sie, saugte saugte sie. Tosend die Schiffe, wahnsinnig, nicht gebunden an das Wasser, von keinem Motor gejagt, über die Wasserfläche rauschend holpernd, mit den Seitenflächen vorbiegend, fast kenternd, sich überwerfend, schleifend geschleift. Bis sie die weiße schwarze Masse sahen, auf die sie flogen, die sie bannte, die selbst auf sie flog, die weiße schwarze Bank, durch das gischende Wasser anschießend wie sie, das eiserne Schiff, mit ihnen Spitze gegen Spitze zusammenprallend, prasselnd sich mit ihnen vermählend, schmetternd mit ihnen verschnürt zerfallend absinkend.

Das Geschwader der Philippinen hatte sich Mindanao genähert. Deutlich bewegte sich von Osten eine Gruppe flacher feindlicher Schiffe. Die Westlichen hatten im Augenblick die Motore des asiatischen Geschwaders gelähmt; die flachen Schiffe küstennah standen unbewegt wie eine Linie Soldaten. Wie Reiter stolz aufgebäumt raste das weiße Geschwader gegen sie im Keil. Die Wellen geschlagen schäumten festlich. Das vorderste Schiff stürzte plötzlich, die Spitze des Keils. Knickte ein, stand nicht auf, sank ins Leere. Die nächsten Schiffe rückten an, knickten, ihr Deck unter der Meeresoberfläche. Verschwanden wie in Löchern des Meeres. Als wären sie Pferde, empfingen Schnitte in die Sehnen der Knie, waren, auf dem Bauch liegend, verschwunden. Schiff nach Schiff. An der Küste die Linie des gelben Geschwaders. Der Keil stürzte weiter. Das Wasser wurde unter den Schiffen weggerissen. Das Fahrzeug sank in die Wasserspalte. Die Spalte, ein Trichter, weitete sich rechts und links kugelförmig. Das Schiff, stürzend torkelnd, am Boden der Wasserschlucht von den herabschießenden Wellen umgeschlagen, wurde begraben, während das Wasser über ihm sich zusammentat, stürmisch aufhob und glättete.

Das rollende Meer wurde ihnen unter dem Kiel weggerissen. Stürzend ins Leere, in die Lichte von weiten Schornsteinen kamen sie nicht wieder hoch. Das weiße Geschwader fing zu stutzen an. Während es zögerte, riß das Meer weiter rechts und links auf. Sie schlichen um die tosenden Abgründe. Dies und jenes stürzte noch. Wenige rasten rückwärts.

Vom westlichen Kontinent kamen über Amerika Berichte. Der Feuerkrieg am Ural stieg vor ihren Augen auf. Unruhe über den Geschwadern. Die Führer berieten über Maßnahmen gegen den auffälligen Druck, der sich der Besatzungen bemächtigte, als Befehle von London über Neuyork liefen, zurückzukehren bis auf den Küstenschutz. Den Pazifik überflohen sie in breiter Linie. Am Ostabfall Amerikas hielten sie; asiatische Angreifer hingen auflauernd über der Küste. Die Westlichen waren froh; sie gönnten ihren trüben Besatzungen das Abenteuer. Die Gelben flogen; man ließ sie sich nähern. Wie die Gelben das Meer den Schiffen unter dem Kiel weggerissen hatten, dachte man ihnen die Luft wegzureißen. Raketen in der Finsternis von den Borden der weißen Geschwader vor der Küste. Sie tasteten die kleinen Flieger ab, die im Schutz ihrer Abwehrwaffen in der Luft leicht pendelten, die schwebenden breiten Bollwerke der Lastluftschiffe, die die Größe der weißen Arbeitsschiffe hatten. Von dem Kranz der Raketen wurden schwarze Gebilde hochgetragen, die wie Ketten zwischen ihnen schwankten. Wie die Raketen zu glühen begannen, dumpften Schläge: die Böenbomben an den Ketten explodierten. Von oben nach unten zersprangen sie, wühlten die Luft beiseite, mit jedem Schlag sekundlich dem früheren folgend, stießen keilten sie die Luft weg. Wie ein Schwimmer, der auf dem wippenden Sprungbrett steht, die Knie beugt, sich zum stolzen Niedertauchen rüstet, das Brett kracht, er torkelt kippt sich überschlagend, mit den Armen leer greifend, klatscht bäuchlings unter Stöhnen auf die spritzende Wasserfläche, so hingen die gelben Flieger und Luftschiffe, sprung- und wurfbereit. Die Füße ihnen abgeschlagen. Wehrlos unwissend, was mit ihnen geschah, klafterten sie abwärts, wirbelten um sich in der finsteren brausenden Luft, schlugen ins Meer, Münder geöffnet, Finger gekrümmt, träumend erwartend.

Die gelben Flieger, sich zurückziehend, sammelten sich bei Tag wie Raben am Panamagolf. Finsteres Gewimmel den Rio Chagras entlang, von der Limonbucht bis Panama. Sie wechselten jeden Augenblick die Höhe; die Schiffe des weißen Geschwaders traten in die Schleuse von Miraflores, Padro Migual. Man riß aus den Fliegern mit tosenden Böen Punkte Ballen heraus; sie drangen verstärkt zusammen, auseinander. Einzeln tauchten sie herunter, schienen sich bald auf Colon, den Endpunkt des Kanals, bald auf die erste Schleuse zu konzentrieren. Dann sausten die Raben in ganzen Scharen auf die Hügelketten um den Kanal, im Angesicht der fahrenden Schiffe. Hockten rechts und links, als täten sie nichts. Hastig die Schiffe durchgeschleust, Paraiso San Pablo Soldado passiert. Unbelästigt liefen die Weißen an Bohio Soldado vorbei, bei Colon aus, sammelten sich, warteten in der Limonbucht. Schiff um Schiff schleuste durch. Die neu auslaufenden empfingen da zu ihrem Staunen kein Zeichen von den wartenden. Eine stumme Schar von Schiffen sammelte sich, wartete; immer mehr verstummten. Die neuen glaubten, die Maschinen der anderen seien gestört, booteten, flogen zu ihnen herüber. Und wie sie anstiegen, landeten aus der Luft, lagen und gingen da – lachende Menschen. Salven Gelächter schlugen ihnen entgegen. An den Masten, über den Bordrand hingen sie, ausgestreckt, hier und da, schlafend schnaubend. Sie winkten sprangen herum mit eingezogenem Leib, als würden sie von einem fürchterlichen Kitzel gereizt, brüllten aus vollem Halse ihr Gelächter aus, auf Fußspitzen tanzend. Mit dem Kopf an den Masten standen welche, den Kopf auf die Brust gesenkt, nach rückwärts gegen das Holz gedrückt. Seitwärts mit den Fahrtbewegungen ihr Rumpf schwankend. Sie schmunzelten in süßer Lähmung, spielten mit den Fingern, rutschten sachte mit den Füßen aus, saßen fielen um, lagen prusteten. Die Mehrzahl der Männer und Frauen schlief in einer irren Wonne. Die angebootet kamen, konnten die schlafsüchtigen Leiber schütteln; sie rissen die Augen auf, blutunterlaufene Augen, geplatzte Adern in der Weiße, plump verzogen das gedunsene Gesicht zu einem vertraulichen Grinsen. Kichern Gurgeln Grunzen aus dem verklebten weit geöffneten Mund; sie legten sich sanft um. Die Menschen, die sie rüttelten, gingen nur eine kurze Weile, fühlten sich genötigt, selbst zu bleiben, zu grinsen gähnen, vor sich hin zu lächeln, zu niesen kichern und dann zu lachen, daß das Zwerchfell schmerzte. Sie schmetterten ihr Lachen von neuem, von neuem, husteten verschütteten ihre Lungen, fühlten sich selig, müde und müder. Einige fanden die Kraft, auf ihre Schiffe zurückzukehren, wo das Kichern schon begann. Dann flogen Meldungen über die Meerenge. Auf den Hügelketten um den Kanal hockten die Raben, wechselten gelegentlich ihren Sitz. Flieger der weißen Geschwader warfen sich über sie. Wild schwirrten sie hoch, auf der Flucht vor den Böen. Das Kraftwerk von Cartagena setzte ein. Die gelben Flieger waren im Bereich seines elektrischen Feuers, im sprühenden Geflecht der Wellen Cartagenas. Ein unsichtbares Gewitter umfaßte sie, schleuderte sie auseinander. Als wären sie sehnsüchtige verliebte Tiere, benahmen sich die Apparate, die unterhalb der Strommassen liefen. Schwankten zitterten stiegen auf unter, rissen sich ab, zuckten hoch. Sie schlingerten warfen drehten sich, ihre Propeller arbeiteten blind. Sie waren gefangen wie Fliegen im Spinngewebe. Die Gelben stellten ihre Motore ab; nur wenig sackte die Maschine, dann hing sie fest, ja stieg stieg. Sie sahen von unten das Schauspiel der Maschinen, die bewegungslos in der Luft hielten, als lägen sie auf dem Meeresgrund. Motore sah man laufen und stehen. Unwiderstehlich die Randstrahlung des Gewitters. Sie vermochten, nach stundenlangem Drängen Spannen, die schweren apparatebeladenen Flieger, die den Kanal zerniert hatten, nicht in das Meer zu stürzen. Nur einige schnallten sich los, warfen Kleider in die Luft, sprangen nackt aus ihrem Apparat, der im Schwung nach oben schoß. Willenlos schaukelten die übrigen in den stählernen Kästen. Stiegen ruckweise höher höher in die aschestreuende Zone, waren urplötzlich gefaßt, kilometerweit nach vorn gestoßen, durchbohrt, durchlöchert, zerfressen, mit kleinem weißen Licht aufflammend, zerfallen.

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Aus Rumänien Polen Deutschland fuhren Beobachter nach dem Osten. Über das Atlantische Meer kamen die trüben Geschwader. Zahlreich die Schiffe, die auf der Einfahrt zugrunde gingen, an den Antillen den Bahamainseln. Tiefer Mißmut zwang sie zurückzubleiben. Weigerten sich nach dem alten Kontinent oder Amerika zurückzukehren. Angriffe von Teilen des Geschwaders, Schiff gegen Schiff, wurden beobachtet.

Die Westgrenze der Verwüstungszone fuhren Kundschafter ab. Sie flogen wanderten fuhren auf Booten. Das unabsehbare Überschwemmungsgebiet. Einebnung der Landschaften. Wo die Wälder Wiesen Blatt- und Grasgrün Ähre Blüte laufendes Tier singender Vogel? Schwarzbraun grünlich fließende Seen, auf denen gesplitterte Baumstämme mit Wipfeln Wurzelwerk schwammen, Teile von Tieren und Menschen, unter der Giftwirkung mit hellroter und rosa Farbe. Gelb verbrannte zerbrochene Bettladen Schaufeln Schlittenkufen im dicken Gewirr der Oberfläche hinziehend, zu weiten Anhöhen über dem Morast aufgestapelt, spitze Kegel, abgeplattete kilometerbreite Pyramiden: der Ort von Städten und Dörfern. Zusammengepflastert Steinblöcke Häuserreste Lehmmassen Eisenteile Räder Fensterladen. Die breiten Krater der Schwarzerde, wüste Steinhaufen um Charkow und Kursk. Unterpflügt umgeworfen fein gemahlen der Boden, der ruhte, aus dem kein Halm trieb, über dem kein Regenwurm sich bewegte, keine Ameise lief. Starke Hügelgruppen am westlichen Ufer der südlichen Wolga von der Egge der Bergwerke gefaßt; die Wolga, im Osten meilenweit ins ehemalige Kirgisenland flutend, spritzend nach Westen aus Sieböffnungen über das tiefliegende Land. Die Wandungen des Siebes bröckelten ab; die Wolga brach nach Westen durch.

Über die Wolga drang kein Kundschafter. Manche verkamen, ließen die Vorsichtsmaßregeln außer acht. Schwer mit unklarem Schmerz beladen kehrte Gruppe nach Gruppe zurück. Trübsinnig grambepackt fielen sie in die östlichen Städte wie Meteore, die im Niedergehen ihr Feuer von sich geben.

Englische und kontinentale Stadtreiche hatten gegen Ende des Krieges getan, was zu tun war: Massen ihrer Bevölkerung von sich geworfen, in die unmäßig anwachsende B-Armee, die man erbarmenlos dezimierte. Man markierte asiatische Angriffe durch Fliegermassen, riß tausende Wehrlose auf den brachliegenden Feldern Rumäniens und Polens hin. Man erprobte auftauchende Waffen am lebenden Objekt. Auf zehn gelbe Flieger, die vor Panama an der Küste unter Böen und Raketen herabgerissen wurden, kamen hunderttausende weiße, die die Kraft der Böen erprobten. Schneidend und bedenkenlos die Diktatur der verzweifelten Herrscherschichten. Als zwischen dem Toten Meer und dem Ladogasee, über Cherson Poltawa Mohilew Pskow Waldai der sprengende Bergwerkgürtel gelegt wurde, dem asiatischen gegenüber, war er in der Walachei der Poebene Westfalen Wales schon mehrmals über den Boden gegangen, hatte mit Gift und Explosion Regimenter der Überflüssigen gefordert.

Über die unerschöpflichen spielklügelnden Städte fielen da die Nachrichten vom Krieg. Die Kundschafter, finsternistriefend, ließen sich in die Menschenmassen nieder. In London, englischen und kontinentalen Stadtschaften wurde in diesem Augenblick die Diktatur offenkundig. In London bedurfte es keines Kampfes. Mit zwei drei Schlägen bemächtigte sich Rallignon und seine Kampftruppe der gesamten Ernährungs- und Bewaffnungsanlagen von Paris Lille Châlons Orleans. Die Wieschinska, das Weib, bei der Durchschleusung des Panamakanals unter die nervenlähmenden Strahlen der Japaner gekommen, gehörte zu den wenigen, die sich nach kurzem Siechtum erholten. Sie behielt Geist und Willen: Beine hingen im Stuhl schlaff von ihr; sie beseitigte, mit ihrem noch gespannten strahlenden Gesicht, ihrer machtvollen tiefen Stimme die Menschen an sich fesselnd, den zögernden Senat ihres Gebietes, vereinigte Werke und Waffen in ihrer Hand.